Montag, 5. Dezember 2016

Börsenweisheit der Woche 49/2016

"Der Anleger ist wahrscheinlich sein schlimmster Feind."
(Benjamin Graham)

Freitag, 2. Dezember 2016

Empfehlungsliste

Performance seit Erstempfehlung inkl. Brutto-Dividenden. Das regelmäßige Update erfolgt jeweils zum Wochenende.














»Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.«, riet Immanuel Kant.
Also, denkt selbst! Diese Liste ist eine Anregung, mehr nicht. Sie dient dazu, dass ihr euch eure eigenen Gedanken zu den Unternehmen macht, euren eigenen Investment-Case erarbeitet. Dazu könnt ihr gerne auf meine Einschätzungen zurückgreifen und gerne können wir über die einzelnen Positionen und das (Value) Investing diskutieren. Denn das ist ja genau der Grund, weshalb ich dieses Blog betreibe: ich möchte mit euch ins Gespräch kommen, von euch lernen und ein besserer Investor werden.


Historie der Transaktionen auf meiner Empfehlungsliste
Auf der Transaktionsliste finden Sie alle Aufnahmen und Streichungen auf meiner Empfehlungsliste seit Start des Blogs.


Investor-Update
Die Empfehlungsliste ist nicht zwangsläufig identisch mit meinem Investment-Portfolio, auch wenn  sie viele Überschneidungen aufweist. Im Investor-Update beschreibe ich daher in unregelmäßigen Abständen, wie die Entwicklungen bei den einzelnen Unternehmen sich in meinem Depot als Käufe, Verkäufe oder Umschichtungen niedergeschlagen haben.


RECHTLICHER HINWEIS NACH WPHG
Viele der in meinem Blog erwähnten Werte halte oder handle ich regelmäßig. Die in diesem Blog enthaltenen Beiträge sind meine persönliche Meinung und stellen weder eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar, noch sind sie als Beratungsleistung zu werten. Ich übernehme trotz aller Sorgfalt keine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen; sie beruhen auf Quellen, die ich für vertrauenswürdig und zuverlässig halte.

Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass der Handel mit Aktien, Optionsscheinen, Zertifikaten, Optionen und anderen Finanzprodukten mit grundsätzlichen Risiken verbunden ist und zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen kann. Gewinne der Vergangenheit können zukünftige Ergebnisse nicht garantieren.

Für Investitionen, die aufgrund meiner Aussagen getätigt werden, übernehme ich keinerlei Verantwortung. Jeder Anleger handelt auf eigenes Risiko und sollte sich von einem bankunabhängigen Experten beraten lassen, inwieweit die vorgestellten Wertpapiere zu seinem persönlichen Risikoprofil passen.

Zahlen & Mehr: Aurelius, Deutsche Rohstoff AG, Kontron, S&T, Starbucks, Surteco

:: Aurelius
Einen weiteren Exit kann Aurelius vermelden und gibt seine Anteile an der Publicitas im Rahmen eines Management-Buy-outs ab. Das Unternehmen befand sich erst seit 2014 im Aurelius-Portfolio und der Finanzinvestor hatte bereits kurz nach der Übernahme Teile weiterveräußert und den Rest operativ neu ausgerichtet.

Meine Einschätzung
Auch wenn zum Kaufpreis nichts gesagt wurde, können wir davon ausgehen, dass Aurelius auch hier wieder schön verdient haben dürfte. Und das liegt daran, dass Aurelius äußerst preiswert einkauft und zumeist nur symbolische Kaufpreise zahlt und nicht selten sogar noch eine Umstrukturierungsmitgift erhält, wenn es Randbereiche großer Konzerne übernimmt. Der Gewinn liegt für Aurelius also im Einkauf

Aurelius ist seit Jahren erfolgreich unterwegs und übernimmt überwiegend Restrukturierungsfälle, bei denen es eine Bargain Purchase erhält, oder Randbereiche großer Konzerne. So wie die laufende Übernahme von Home Office Europe, die mit €2 Mrd. Umsatz bisher größte Firmenübernahme der Münchener.

Aurelius befindet sich als einer der größten Positionen in meinem Depot und ist eine der ältesten und erfolgreichsten Werte auf meiner Empfehlungsliste. Das jüngst aufgelegte Aktienrückkaufprogramm von bis zu €52 Mio. dürfte den Kurs zusätzlich stützen, während das erfolgreiche operative Geschäft den Kurs weiter beflügeln sollte. Aurelius ist einer der Top-Picks im Beteiligungssektor und langfristig orientierte Anleger bleiben investiert und nutzen jeden Kursrücksetzer konsequent zum Aufstocken ihrer Position.


:: Deutsche Rohstoff
Gerade erst gab es ermutigende Neuigkeiten von der Wolfram-Tochter Almonty Industries, da legt man noch eine Schippe drauf. Denn das kanadische Unternehmen hat mehrere Abnahmevereinbarungen mit bestehenden Kunden abschließen können, wonach Almonty feste und deutlich über dem aktuellen Spotpreis von Wolfram liegende Preise erzielen würde. Die Vereinbarungen sollen am 1. Januar 2017 in Kraft treten und sind auf ein Jahr begrenzt. Damit könnte die Panasqueira-Mine in Portugal im kommenden Jahr in die schwarzen Zahlen zurückkehren und Almontys Ziel, den weltgrößten unabhängigen Wolfram-Produzenten außerhalb Chinas aufzubauen, einen erfolgreichen Schritt näher kommen.

Meine Einschätzung
Die DRAG hält aktuell 12,58% der Aktien von Almonty sowie zwei Wandelschuldverschreibungen, bei deren vollen Ausübung sich ihr Anteil auf 19,58% erhöhen würde. Bisher fielen dort aufgrund des Verfalls der Rohstoffpreise, insbesondere für Wolfram, überwiegend Verluste an mit entsprechend negativen Folgen für den Wert der Beteiligung für die DRAG. Die neuen Vereinbarungen zeigen, dass es auch anders laufen kann und dass sich die DRAG hier antizyklisch in einem interessanten Zukunftsmarkt positioniert hat und künftig auch Erfreuliches aus dieser Sparte zu berichten sein dürfte. Mit Geduld und langem Atem könnte hier eine echte Perle heranwachsen, die der DRAG und ihren Aktionären noch viel Freude bereiten wird. Insbesondere wenn die Konjunktur wieder anspringt und die Nachfrage auch nach Rohstoffen anzieht.


:: Kontron | S&T
Kontron wird ein drastisches Sparprogramm fahren, um seine Verluste abzubauen. Mit dem für die nächsten 1,5 Jahre ausgelegten Programm, bei dem auch 300 Arbeitsplätze abgebaut werden sollen, wird Kontron signifikante Ergebnisverbesserungen im zweistelligen Millionenbereich erzielen und damit wieder zur Profitabilität zurückkehren.

Damit wird die Grundlage geschaffen für die Übernahme durch S&T, die sich kürzlich mit 29,9% beteiligt hatten und auf einen Zusammenschluss mit Kontron zusteuern. Nach den Plänen von S&T wird das gemeinsame Unternehmen in 2017 den gleichen Gewinn einfahren, wie S&T alleine in 2016, so dass der mit der Übernahme verbundene Aufwand und Anlaufverluste abgefedert werden können. Ab 2018 sollen dann aber die Gewinne deutlich steigen und zwar deutlich schneller als es bei S&T alleine der Fall wäre.

Meine Einschätzung
2017 wird für S&T ein Jahr des Wandels und es wird stark durch die Übernahme von Kontron geprägt sein und durch das Zusammenführen der beiden Unternehmen. Mit der chinesischen Foxconn-Gruppe im Hintergrund und als Lieferant günstiger Komponenten und als erfahrener Sanierer sollte es S&T-CEO Hannes Niederhauser jedoch gelingen, S&T nicht nur auf Kurs zu halten, sondern in neue Dimensionen zu führen. Darüber hinaus wird auch die Übernahme von S&T durch Foxconn ein zunehmendes Thema werden und den Kurs zusätzlich nach unten absichern.


:: Starbucks
Der bisherige Starbucks-Chef Howard Schultz wird am 3. April kommenden Jahres von seinem Posten zurücktreten und Kevin Johnson wird dann das Amt übernehmen. Dieser ist seit 2015 als "COO" für Starbucks tätig und leitet das operative Geschäft. Darüber hinaus ist er auch bereits schon seit sieben Jahren Mitglied des Verwaltungsrats. Schultz ist seit 1982 für Starbucks tätig und ist der Erfolgsgarant des starken Expansionskurses der vergangenen Jahre.

Er soll sich künftig als Chairman um die Entwicklung des neuen Premium-Geschäftsbereichs Reserve-Roastery kümmern sowie um Design und soziale Initiativen.

Meine Einschätzung
Es ist das Ende einer Ära, denn Howard Schultz hat Starbucks zu dem gemacht, was es heute ist, ein global führendes, schnell wachsendes und dazu noch extrem profitables Business. Schultz bleibt Starbucks erhalten, aber der neue Chef wird dem Unternehmen seinen Stempel aufdrücken (müssen) und auch eigene Akzente setzen, um das Unternehmen durch die anstehenden Herausforderungen zu bringen. Es bleibt abzuwarten, ob der Erfolgsweg von Starbucks unbeeinträchtigt weiter fortgeschrieben werden kann, oder ob der Wechsel an der Spitze zu ähnlich schlechten Ergebnissen führt, als Schultz schon einmal abdankte: zwischen 2000 und 2008. 2017 wird also ein Jahr des Übergangs für Starbucks werden und die Anleger werden mit Argusaugen darauf achten, ob die Erfolgsstory Risse bekommt. Vor diesem Hintergrund ist Starbucks zunächst nur noch eine Halteposition.


:: Surteco
Nachdem Surteco beim Wiedererstarken seiner Bilanz langsamer als gedacht, aber dennoch erfolgreich, vorankommt, wagt man sich wieder an eine Übernahme. Die letzte, die des Rivalen Süddekor, hatte für zwei Jahre an Reibungsverlusten gesorgt und Surteco eine menge an Kraft und Effizienz gekostet, was auch den Aktienkurs nicht unbeeindruckt gelassen hatte. Nun übernimmt man zum 1. Dezember 85% der Gesellschaftsanteile der Nenplas-Gruppe mit Hauptsitz in Ashbourne, Großbritannien und 100% der zugehörigen Immobiliengesellschaft. Die Nenplas-Gruppe ist auf die Produktion und den Vertrieb von technischen Profilen aller Art auf Kunststoffbasis spezialisiert und erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2015/2016 mit rund 140 Mitarbeitern einen Umsatz von GBP 16,6 Mio. und ein Ergebnis vor Finanzergebnis, Steuern und Goodwillabschreibungen (EBITA) von GBP 3,8 Mio. nach UK-GAAP (EBITA-Marge: 22,9%). Der Kaufpreis für die 85% der Gesellschaftsanteile beläuft sich auf GBP 20,8 Mio. und für die Immobiliengesellschaft auf GBP 2,5 Mio. Für die verbleibenden 15% hält Surteco eine Kauf- und die Verkäufer eine Verkaufsoption. Die Stimm- und Dividendenrechte der restlichen 15% sind ausgeschlossen.

Meine Einschätzung
Surteco hat die Süddekor-Übernahme endlich verdaut und konzentriert sich wieder auf die Entwicklung des Geschäfts. Mit der Übernahme in UK, die aus vorhanden liquiden Mitteln erfolgt und daher keine Kapitalerhöhung nötig machen sollte, legt Surteco die Schalter wieder auf profitables Wachstum um und sollte langfristig von der Übernahme profitieren. Geduldige Anlegern bleiben an Bord.


Aurelius, Deutsche Rohstoff, S&T, Starbucks und Surteco befinden sich auf meiner Empfehlungsliste.

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Lloyds Fonds AG erhöht die Jahresprognose. Schon wieder...

Die Lloyd Fonds AG, ein seit über 20 Jahren auf sachwertbasierte Investitionen und Kapitalanlagen spezialisierter Investment- und Asset-Manager aus Hamburg hatte seine Aktionäre am 30. November zu einer außerordentlichen Hauptversammlung geladen und nun gibt es Gutes zu berichten.

Zum einen stimmten die Aktionäre mit 99,99% einem Gewinnabführungsvertrag zwischen der Lloyd Fonds Real Estate Management GmbH und ihrer Muttergesellschaft Lloyd Fonds AG zu. Die Lloyd Fonds REM erbringt als geschäftsführende Kommanditistin vieler Fonds Managementdienstleistungen für Dritte und tritt als Maklerin bei Immobilientransaktionen auf. Außerdem ist sie im Zusammenhang mit der neu gegründeten Investitionsgesellschaft "Lloyd WohnWert GmbH & Co. KGaA" im Bereich des sozialen Wohnungsbaus tätig.

Gewinnabführungsvertrag führt zu verbessertem Ergebnis
Klingt jetzt auf den ersten Blick nicht spektakulär, das machen viele Gesellschaften mit ihren Töchtern. Allerdings liegen die Vorzeichen in diesem Fall anders, denn die Tochter ist einfach zu erfolgreich bei der Realisierung zahlreicher laufender und zukünftiger Immobilienprojekte und durch die steigenden Erträge in der Lloyd Fonds Real Estate Management GmbH drohen deshalb künftig hohe Steuerzahlungen.

 Lloyd Fonds AG (Quelle: finanzen.net) 
Nachdem nun der GAV gestern von der HV beschlossen wurde, führt er bereits im laufende Jahr zu positive Auswirkungen auf das Konzernergebnis. Nach Vorlage der Halbjahreszahlen hatte Lloyd Fonds seine Jahresprognosen von €2 Mio. bis €3 Mio. noch bestätigt, allerdings schon vermerkt, man werde sich wohl eher am oberen Rand der Prognose einfinden. Nun, das ist seit heute Makulatur, denn nun geht das Management davon aus, mehr als €3 Mio. Gewinn zu erzielen.

Meine Einschätzung
Der GAV ist ein schlauer Schachzug, nutzt er doch die bestehenden Verlustvorträge zum Wohl des Unternehmens und seiner Aktionäre. Und für die Folgejahre sind die Auswirkungen natürlich wesentlich höher, als für die letzten Wochen des Jahres 2016. Keine Steuern auf erzielte Gewinne zahlen zu müssen, ist eine schöne Bescherung und es zeigt, dass der Turnaround bei Lloyd Fonds voll im Gang ist. Für geduldige Anleger ist der Nebenwert weiterhin eine spekulative Depotbeimischung wert, denn das Beste sollte noch vor dem Unternehmen liegen, wenn sich die neue Strategie richtig auszuzahlen beginnt. Das jüngst von SMC-Research bei €4 bestätigte Kursziel dürfte mittel- und langfristig dabei nur eine Zwischenetappe bleiben.

Lloyd Fonds befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

Zahlen & Mehr: Blue Cap, Deutsche Rohstoff AG, MBB

:: Blue Cap
Die Beteiligungsgesellschaft Blue Cap konnte endlich Vollzug melden bzgl. des wohl größten Coups der Unternehmensgeschichte, die Übernahme des operativen Geschäfts der Neschen-Gruppe.

Meine Einschätzung
Nun dürfte demnächst eine Neubewertung bei Blue Cap anstehen, denn bei Neschen lief es operativ rund, die Insolvenz entstand aus einer Überschuldungssituation, weil ein im Zuge der Finanzkrise von einer regionalen Bank an einen Finanzinvestor weiterverkaufter Kredit fällig gestellt wurde. Was daran lag, dass der Finanzinvestor eigentlich Neschen komplett übernehmen wollte, was die HV aber nicht absegnete. Daraufhin forderte der Finanzinvestor sein Geld zurück, was die Neschen AG nicht begleichen konnte. Mit der Akquisition von Neschen gelingt es Blue Cap, den ohnehin starken Klebstoffbereich der Gruppe weiter auszubauen. Neben den positiven Effekten zu den bestehenden Unternehmen wird man sich damit auch in neuen und wachstumsrelevanten Geschäftsfeldern der Klebstoffverarbeitung positionieren können.

Der wirtschaftliche Übergang des Geschäftsbetriebes von Neschen ist rückwirkend zum 01.07.2016 auf die Blue Cap-Tochter Neschen Coating GmbH erfolgt. Mit anderen Worten: im Geschäftsbericht für das 2016 wird Neschen bereits zu 50% enthalten sein und damit die zu erwartenden positiven Auswirkungen auf Umsatz und Ergebnis. Für 2017 steht dann ein weiterer Sprung an, denn dann steuert Neschen volle 12 Monate bei. Gut möglich, dass der Aktienkurs von Blue Cap diese starke Entwicklung bereits vorwegnimmt und wir bald deutlich zweistellige Kurse sehen werden. Blue Cap ist einer der größten Werte in meinem Depot und weiterhin einer der aussichtsreichsten.


:: Deutsche Rohstoff
Die mit Abstand wichtigste DRAG-Tochter im Bereich Metalle, Almonty Industries, erhielt die Zusage (Letter of Committment) eines Unternehmen aus der Wolfram-Industrie, den zur Entwicklung der Sangdong-Mine in Südkorea erforderlichen Eigenkapitalanteil in Form eines Darlehens bereitzustellen. Im Ergebnis wird das Bergwerk damit voraussichtlich zu 100% mit Fremdkapital finanziert werden, so dass für die Aktionäre von Almonty keine Verwässerung ihres Aktienanteils durch eine Kapitalerhöhung ansteht. Die DRAG hält aktuell 12,58% der Aktien von Almonty sowie zwei Wandelschuldverschreibungen, bei deren vollen Ausübung sich ihr Anteil auf 19,58% erhöhen würde.

Den starken Kurssprung heute hat aber eine andere Meldung verursacht, nämlich die Einigung der OPEC auf eine Öl-Förderkürzung, was den Ölpreis stark nach oben trieb. Das Ölkartell will in den kommenden sechs Monaten 1,2 Mio. Barrel (je 159 Liter) pro Tag weniger produzieren. Das neue Limit soll bei 32,5 Mio. Barrel täglich liegen.

Meine Einschätzung
Erstmals seit 2008 agiert damit die OPEC wieder als Kartell und ringt sich zu einer Förderkürzung durch. Weniger bedeutend ist die Kürzungsmenge, denn die dürfte ggf. durch US-Fracker ausgeglichen werden. Entscheidend ist vielmehr die Abkehr der OPEC von der durch Saudi-Arabien lange favorisierten Vernichtungsstrategie in Bezug auf die US-Öl-Industrie. Da diese viel höhere Förderkosten je Barrel hat(te), wollte man durch den Preisverfall des Öls die lästige neue Konkurrenz aus dem Markt drängen. Mit durchwachsenem Erfolg. Zwar musste viele US-Öl-Explorer in die Insolvenz, die Fördermenge sank aber nicht erheblich ab, da die produzierenden Quellen einfach weiter förderten. Einerseits abgesichert durch lukrative Öl-Terminkontrakte, andererseits aber auch durch die Tatsache, dass ein Großteil der Kosten beim Fracking für das Bohren anfällt, während die Produktion nur noch geringe Kosten verursacht. Nachdem kürzlich Saudi-Arabien nicht nur einen neuen König bekam, sondern auch den Öl-Minister ausgetauscht hat, folgte nun die 180-Grad-Wende bei der Strategie. Die OPEC zeigt damit Einigungskraft und -willen und das ist das eigentlich preistreibende Signal.

Die DRAG fördert bereits bei WTI-Ölpreisen von deutlich unter $40 gewinnbringend und jeder Dollar darüber ist für sie bares Geld. Vielleicht stehen wir erst am Anfang einer Reihe von Förderkürzungen seitens der OPEC und ggf. anderer Staaten, wie Russland, die den Ölpreis nachhaltig über $50 hieven und vielleicht noch weiter. Die DRAG bleibt weiterhin aussichtsreich und wird in ihren Geschäftszahlen künftig viel stärker den inzwischen erfolgten Beginn der Öl-Förderung zeigen - und die damit erzielten Gewinne. Sie bleibt einer meiner größten Positionen im Depot.


:: MBB
Die Beteiligungsgesellschaft konnte nicht nur mit ihren Plänen für einen möglichen Börsengang der Automotive-Tochter Aumann AG (bestehend aus der Aumann-Gruppe und der MBB Fertigungstechnik) für Furore sorgen und für deutlich zweistellige Kurszuwächse, sondern sie hat auch den Quartalsfinanzbericht zum 30.09. vorgelegt. Dieser bestätigt, was auf dem Frankfurter Eigenkapitalforum bereits angedeutet wurde, nämlich ein starkes und sich beschleunigendes Wachstum des MBB-Konzerns über alle Töchter hinweg. Besonders jedoch im Automotive-Sektor. Bei oberflächlicher Betrachtung alleine des Gewinns je Aktie (EPS), wird dies bereits deutlich. So legte das Neunmonatsergebnis um 25% auf 1,69€ zu (Vorjahr: 1,35€), das Ergebnis des dritten Quartals hingegen bereits um 30% auf 0,60€ (Vorjahr: 0,46€).

Meine Einschätzung
MBB wird weiter investieren müssen, um dem stark steigenden Auftragseingang im Automotive-Sektor Rechnung tragen zu können. Auch deshalb wird die Sparte in der Aumann AG zusammengelegt und über einen eigenen Börsengang nachgedacht. Doch auch die anderen Töchter bereiten allesamt Freude, auch wieder Hanke Tissue, wo man ja vor zwei Jahren die Produktionskapazitäten verdoppelt hatte. MBB präsentiert sich als grundsolide Beteiligungsgesellschaft, die zunehmend Fahrt aufnimmt. Der letzte Zukauf, die Aumann-Gruppe, soll dem Vernehmen nach nur €19 Mio. für einen 75%-Anteil gekostet haben und hat sich als wahrer Glücksgriff erwiesen.

Gut möglich, dass der Aktienkurs nach dem starken Anstieg erst einmal konsolidieren wird. Das starke, profitable, Wachstum wird den Kurs aber ebenso weiter antreiben wie die Konkretisierung der Börsenpläne für die Tochter Aumann AG, durch die der wahre Wert dieses Unternehmens deutlicher sichtbar würde und gehoben werden kann. Der Kurs könnte im nächsten Jahr Anlauf auf die €70 nehmen und noch darüber hinaus, wenn es MBB gelingt, mit dem Wachstum Schritt zu halten. Aumann erzeugt die Spaten für den neuen Goldrausch, die Elektromobilität und der Megatrend beginnt gerade erst, richtig Fahrt aufzunehmen.

Darüber hinaus verfügt MBB über hohe liquide Mittel, um bei passender Gelegenheit weitere Zukäufe tätigen zu können. MBB bleibt daher eine meiner Kernpositionen im Portfolio.


Blue Cap, Deutsche Rohstoff und MBB befinden sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

Dienstag, 29. November 2016

PNE Wind bei YieldCo-Riesendeal auf der Zielgeraden mit Allianz Global Investors

PNE Wind nähert sich beim YieldCo-Verkauf der Zielgeraden und hat bekanntgegeben, dass man nun Exklusivität mit einer Tochtergesellschaft des Energie- und Infrastrukturfonds Allianz Renewable Energy Fund II, der von Allianz Global Investors GmbH verwaltet wird, vereinbart habe. Konkret hat man für den 80-prozentigen Mehrheitsverkauf des Windparkportfolios Cuxhaven (YieldCo) heute beim Bundeskartellamt den im Rahmen der Fusionskontrolle erforderlichen Antrag auf Zustimmung der Transaktion gestellt.

In der PNE Wind YieldCo Deutschland GmbH hat die PNE Wind AG bislang Windparkprojekte mit insgesamt 142,5 MW gebündelt, es besteht eine Option auf den Erwerb weiterer 9,9 MW von der PNE Wind Gruppe.

Die verbindliche Unterzeichnung des Vertrags über die angestrebte Veräußerung soll in den nächsten zwei bis drei Wochen stattfinden und das Zustandekommen des Verkaufs wird einen wesentlichen Beitrag zum Erreichen der diesjährigen Ergebnisziele der PNE Wind AG - immerhin ein EBIT von €100 Mio. Zum Vergleich: die Börsenkapitalisierung beträgt aktuell knapp €165 Mio.

Meine Einschätzung
PNE Wind erhofft sich aus dem Verkauf bis zu €300 Mio. und würde damit auf Schlag die seit Jahren angesammelten stillen Reserven in Gewinne ummünzen. Hierauf wartet die Börse und dies dürfte der Befreiungsschlag sein, auch für den Aktienkurs. Nicht nur die erwarteten hohen Gewinne aus dem Verkauf, sondern vor allem die Aussicht darauf, die vielen Projekte dann mit genügend Cash im Rücken erfolgreicher vorantreiben zu können. Risikobereite Anleger setzen auf dieses Szenario und auf ein Wiedererstarken der PNE Wind, nachdem die internen Querelen im Aktionariat endlich der Vergangenheit angehören und ein neuer Chef frischen Wind in den Laden bringt. Am 8. Dezember präsentiert sich PNE Wind auf der Münchener Kapitalmarktkonferenz und die Aussagen des Vorstands dürften reges Interesse auf sich ziehen.

PNE Wind befindet sich als Turnaround-Spekulation auf meiner Empfehlungsliste.

Montag, 28. November 2016

Deutsche Forfait, SBF AG, United Electronic Technology: Turnarounds seldom turn. But if...

Turnaround-Spekulationen sind bei Anlegern beliebt aber selten erfolgreich. Der Reiz liegt einfach darin, Aktien eines Unternehmens zu ausgebombten Kursen zu kaufen, die früher in ganz anderen Spähren zuhause waren. Was so stark abgestürzt ist, muss ja eine Riesenchance darstellen, der Kurs muss sich ja wieder erholen, so lauten die gängigsten Ansichten. Nun, er muss nicht. Es gibt zumeist sehr gute Gründe, weshalb Aktienkurse abstürzen und nicht selten folgt auf den Kursabsturz die Pleite und damit der Totalverlust des investierten Geldes. Anleger tun also gut daran, sich an Turnaround-Versuche nur unter größter Vorsicht und Sorgfalt heranzuwagen.

Ich habe mich in zwei ausführlichen Artikel bereits diesem Thema gewidmet. Anfang 2013 unter "Turnaround: Profitieren, wenn gefallene Engel wiederauferstehen" und Anfang 2016 unter "Turnaround-Spekulation: Wenn Totgesagte länger leben" und die hierin vorgestellten Werte haben die Hoffnungen nicht alle erfüllt, zumindest ist kein Totalausfall darunter. Darüber hinaus habe ich kürzlich mit der Frage "Turnaround-Spekulation als Value Investment?" beschäftigt. Neben diesen drei Artikeln habe ich ab und zu auch Einzelwerte in Turnaround-Situationen hier im Blog besprochen und bisweilen auf meine Empfehlungsliste gesetzt. Und darum geht es auch heute, um drei Unternehmen, deren Business total abgestürzt ist und ihr Aktienkurs ebenso. Bei denen aber die Hoffnung besteht, dass sie die Kurve kriegen und den latenten Krisenmodus wieder verlassen können und wieder zu stinknormalen Unternehmen mit funktionierendem Geschäftsmodell werden.

Also werfen wir einen Blick auf die drei Turnaround-Kandidaten...


:: Deutsche Forfait
Die Deutsche Forfait war ein sehr erfolgreiches Forfaitierungsunternehmen, doch dann wurde sie auf die Sanktionsliste des US-Außenminsteriums gesetzt, weil man angeblich Geschäfte mit dem Iran getätigt hatte. Das Geschäft brach in sich zusammen, der Aktienkurs ebenfalls und es folgt die Insolvenz. Inzwischen ist man längst wieder von der Liste gestrichen und die Vorwürfe sind nie belegt worden. Der Schaden war trotzdem angerichtet und die Aktionäre haben fast alles verloren.

Nach Insolvenz, Sanierungsplan, Kapitalherabsetzung, Forderungsverzicht der Gläubiger und Kapitalerhöhung kann die Deutsche Forfait nun wieder durchstarten. Im Juni gab es eine Kapitalerhöhung um €7,5 Mio. und diese wurde vollständig vom neuen Großaktionär Dr. Shahab Manzouri aus London gezeichnet, der eine langjährige Erfahrung im Trade Finance Sektor aufweist. Die ebenfalls im gerichtlich bestätigten Insolvenzplan beschlossene Sachkapitalerhöhung in Höhe von €3.707.483,00 ist ebenfalls erfolgt und nach Durchführung und Eintragung der beiden Kapitalmaßnahmen beträgt das Grundkapital der Gesellschaft €11.887.483, eingeteilt in 11.887.483 auf den Namen lautende Stammaktien.

 DF Deutsche Forfait (Quelle: finanzen.net) 
Mitte Oktober legte die DF dann einen angepassten Budgetplan vor, da sich abzeichnete, dass man das operative Geschäft noch nicht in 2016 wieder aufnehmen würde. Vor dem Wiedereintritt in den Markt für Außenhandelsfinanzierung sollte das Compliance- und Risikomanagementsystem der Gesellschaft dahingehend optimiert werden, dass es höchsten internationalen Maßstäben vollumfänglich gerecht wird. Die Gesellschaft wurde dazu von mehreren internationalen auf Compliance und Sanktionsrecht spezialisierten Anwaltskanzleien beraten.

Am 9. November, dem Tag des US-Präsidentenwahl, legte die DF dann den Geschäftsbericht für das Rumpfgeschäftsjahr vor vom 1. Januar bis 1. Juli 2016. Der Bilanzstichtag entspricht dem Tag der Aufhebung des Insolvenzverfahrens der Gesellschaft und die DF-Gruppe hat in diesem Rumpfgeschäftsjahr 2016 einen Konzerngewinn von €34,2 Mio. (1. Hj. 2015: €-5,3 Mio.) verbucht, der im Wesentlichen aus dem im veröffentlichten Insolvenzplan ausgewiesenen Sanierungsgewinn aus dem beschlossenen Teilverzicht der Gläubiger resultiert. Dieser Sanierungsgewinn wurde durch die im Rumpfgeschäftsjahr entstandenen Kosten und operativen Verluste reduziert.

Das Geschäftsvolumen der DF-Gruppe lag erwartungsgemäß bei lediglich €3,4 Mio. (1. Hj. 2015: €37,3 Mio.), da das operative Geschäft während des Insolvenzverfahrens nahezu eingestellt wurde. Diesen Zahlen sollte man also nicht allzu viel Bedeutung beimessen; viel interessanter ist der Blick auf die Zukunft. Zum Bilanzstichtag 1. Juli 2016 wies die DF-Gruppe ein positives Eigenkapital in Höhe von €12,7 Mio. (31.12.2015: €-32,1 Mio.) auf, womit der Gesellschaft wieder eine ausreichende Kapitalbasis zur Wiederaufnahme des operativen Geschäfts zur Verfügung steht. Die in der Konzernbilanz aufgeführten "Verbindlichkeiten Gläubiger" werden allein aus der Verwertung des zum Zeitpunkt der Feststellung des Insolvenzplans bestehenden Vermögens bedient, hier gibt es also keine offenen Flanken für die Zukunft mehr.

Eine seriöse Bewertung kann man heute natürlich nicht vornehmen, denn die DF hat zwar wieder ein solides Eigenkapital, dem aber vergleichsweise hohe Kosten gegenüber stehen. Denn bisher verfügt die DF noch über kein operatives Geschäft, das soll nun jedoch anlaufen. Und einer der Schwerpunkte wird die Finanzierung von Geschäften mit dem Iran sein, was seit Ende der Atom-Sanktionen ja als einer der lukrativsten Zukunftsmärkte angesehen wird aufgrund des enormen Nachholbedarfs der Iraner. Inwieweit sich Trumps negative Haltung zum Iran-Abkommen künftig einmal auswirken wird, bleibt abzuwarten. Beim Iran-Abkommen handelt es sich ja um ein UN-Abkommen, unterzeichnet von vielen Staaten, nicht nur den USA und dem Iran. Darüber hinaus wird die DF nicht nur mit Iran Geschäfte machen, sondern wie früher auch für viele Länder Außenhandelsfinanzierungen anbieten. Iran ist eine interessante, aber eben auch nur eine von vielen Optionen für lukrative Geschäfte.

Ich habe mich hier schon über die letzten Tage mit kleinen Stückzahlen eingekauft, weil mir das Chance-Risiko-Verhältnis überdurchschnittlich attraktiv erscheint. Hierbei setzte ich natürlich auf auf den neuen Großaktionär und Neu-Vorstand Manzouri, ohne den die DF haute wohl nicht existieren würde und der viel Geld in die Hand genommen hat, um sie wieder mit Leben zu füllen. Ich setze also auch und besonders auf seinen Eigennutz, denn er will sein Geld ja sicherlich vermehren.

P.S.
Nun habe ich meinen Artikel endlich fertig und da platzt die DF mit einer wichtigen Meldung herein: Die DF Deutsche Forfait-Gruppe unterzeichnet eine Absichtserklärung mit der iranischen Saman Bank., einer der größten privaten Banken Irans, im Bereich Außenhandelsfinanzierung . Gemeinsam möchte man das Angebot von Finanzierungslösungen für den Güteraustausch zwischen deutschen sowie internationalen Exporteuren und iranischen Handelspartnern ausbauen und Beratungsleistungen zur Etablierung von Handelsbeziehungen mit iranischen Geschäftspartnern anbieten. Beide Partner erwarten einen deutlichen Anstieg des Handelsvolumens mit dem Iran in den nächsten Jahren, nachdem die Europäische Union und die USA mit Abschluss des Atomabkommens (JCPOA) Anfang des Jahres 2016 zuvor bestehende Sanktionen gelockert haben. Die Marktchancen für Spezialisten in der Außenhandelsfinanzierung hätten sich aus Sicht des Managements angesichts weltweit zunehmender Krisenherde und steigender Risiken für Exporteure weiter erhöht und die DF-Gruppe legt dabei den Fokus in den nächsten Monaten auf Märkte im Mittleren Osten wie dem Iran, wo Wirtschaftsexperten in den kommenden zwei bis drei Jahren allein für Deutschland eine Verdoppelung der Handelsvolumina erwarten.

Der Aktienkurs reagiert jedenfalls schon einmal positiv auf die Meldung und sollte sich weiter Richtung Norden orientieren, sobald die DF das operative Geschäft aufnimmt und hierüber berichten wird.


:: SBF
Unter SBF AG kann sich noch niemand etwas vorstellen, doch als Corona Equity Partner AG hat das Unternehmen bereits eine bewegte Vergangenheit hinter sich, auch an der Börse. Und das ist nicht unbedingt eine Erfolgsgeschichte, denn die Erfolge als Beteiligungsunternehmen sind kaum auszumachen. Vielmehr stand man mit dem Rücken zur Wand und musste dringend neues Geld auftreiben. Um bei einem Pennystock aber eine Kapitalerhöhung durchführen zu können, muss dessen Aktienkurs zuerst über die Marke von €1 gehoben werden und Corona tat dies im Wege einer Kapitalherabsetzung - es wurden zehn alte Aktien zu einer neuen zusammengelegt. Der entstehende Betrag wurde zur Deckung des aufgelaufenen Bilanzverlust herangezogen und die Reste in die Kapitalrücklage eingestellt. Hieran erkennt man, dass es noch Leute gibt, die an ein erfolgreiches Weitermachen glauben.

 SBF AG (Quelle: finanzen.net) 
Ganz nebenbei wurde das im m:access der Börse München notierte Unternehmen in SBF AG umbenannt, was der einzig verbliebenen Tochter zu verdanken ist, der SBF Spezialleuchten GmbH, einem international tätigen Systemanbieter für Decken-, Beleuchtungs- und Belüftungssysteme für Schienenfahrzeuge. Das Unternehmen hat sich dabei auf LED-Systeme für den Außen- und Innenbereich von Schienenfahrzeugen jeglicher Bauart spezialisiert und Großkunde ist naturgemäß die Deutsche Bahn.

Die Bilanz zu bereinigen ist eine Sache, sie mit Kapital aufzufüllen eine andere. Ende Mai erfolgte dann die Kapitalerhöhung gegen Bareinlagen, bei der insgesamt 5.047.959 neue auf den Inhaber lautende Stückaktien ohne Nennbetrag, jeweils mit einem anteiligen Betrag am Grundkapital von €1,00 und voller Gewinnbeteiligung ab dem 1. Januar 2015 ausgegeben wurden und zwar zu einem Preis von €1,10. Damit floss der Gesellschaft ein Gesamtemissionserlös von €5,6 Mio. zu. Und das Geld wurde gleich gewinnbringend eingesetzt, denn es wurde umgehend die ausstehende 6%-Wandelanleihe abgelöst und damit künftig ein um rund €200.000 pro Jahr signifikant verbessertes Finanzergebnis erreicht.

Ganz entscheidend für die SBF ist also der operative Erfolg der Tochter und diese konnte erstmals in der Unternehmensgeschichte ein positives Halbjahresergebnis vorlegen. Für die Aktionäre der SBF AG bleibt hiervon allerdings noch nichts übrig, weil die AG selbst in dieser Zeit ja erheblichen Aufwand für ihre Kapitalmaßnahmen hatte und dieser Aufwand dem entgegensteht.

Nachdem die SBF AG nun aber bilanziell wieder auf soliden Füßen steht, dürfte sich dies auch positiv auf die Tochter und somit das operative Geschäft auswirken. Der Trend hin zur Schiene spielt der SBF in die Karten und nicht nur bei neuen Zügen kommt die SBF-Technik zum Einsatz, sondern auch bei der Erneuerung der Beleuchtungssysteme in aktiven Zügen. Durch den Einsatz moderner LED-Systeme kann nicht nur die Beleuchtungssituation verbessert werden, sondern es sinkt auch der Energieverbrauch sowie der Wartungsaufwand für die Kunden, die Bahnbetreiber.

Die SBF AG ist ein kleiner Nischenwert und hat in den vergangenen Jahren mehrfach versucht, Ruhe und Solidität in ihr Geschäft zu bringen. Ohne Erfolg, wie man letztlich erkennen musste. Nun hat man sich zu einem harten Schnitt bereit gefunden und das Unternehmen finanziell wieder solide aufgestellt - und damit die Basis geschaffen, künftig erfolgreich unternehmerisch tätig zu sein. Risikobereite Anleger können sich ein paar Stücke als Depotbeimischung gönnen; man muss hier aber einen langen Atem mitbringen.


:: United Electronic Technology
Die UeT war schon einmal Thema hier im Blog und zwar im August letzten Jahres, als ich eine Leseranfrage beantwortet habe. Dass United Electronic Technology ein klassischer Turnaround-Kandidat sei, habe ich damals verneint und nachdem der Aktienkurs sich seitdem mehr als halbiert hat, wage ich einen erneuten Blick. Im Grunde hat sich nicht viel verändert, operativ kann zwar bisweilen punkten, aber die Bilanzsituation ist ziemlich brenzlig. Das sahen auch die Eigentümer so und haben zuletzt einige Verrenkungen gemacht, um das Unternehmen endlich solide(r) aufzustellen.

Die Tochter UET Electronic Holding GmbH stand bisher nur zu 51% im Eigentum der UET AG, doch nun wird der bisherige Minderheitseigner Palace Park Ltd. seine 49-prozentige Beteiligung an der GmbH als Sachkapitaleinlage in UET AG einbringen.

Durch diese 3 Millionen Euro schwere Sachkapitalerhöhung wurde die UET AG Alleingesellschafterin an der UET Electronic Holding GmbH und somit auch mittelbar Alleingesellschafter an ELCON Systemtechnik, NewTal Elektronik + Systeme, SUCONI Service und Letron Electronic und damit stehen die Ergebnisse künftig komplett der UET AG zu. Außerdem können nun in einem weiteren Schritt  die operativen Gesellschaften ALBIS Technologies und ELCON Systemtechnik besser operativ integriert werden.

 United Electronic Technology (Quell: finanzen.net) 
Darüber hinaus hat der Konzern seine Schulden um €7 Mio. reduziert, indem man für jeweils €1 von den bestehenden Aktionären Palace Park Ltd. und FIGLIO Beteiligungsverwaltung deren bestehende Gesellschafterdarlehen samt bisher angelaufener Zinsen im Ausmaß von rund €7 Mio. zurückkauft.  Somit reduzieren sich nicht nur die sonstigen Verbindlichkeiten im Konzern um €7,0 Mio., sondern es wird durch die Maßnahme zu einem außerordentlichen Ertrag aufgrund des Forderungsverzichts kommen. Wichtiger ist indes, dass das Finanzergebnis künftig nicht mehr durch die Zinsen belastet wird und daher positiver ausfallen wird als bisher.

Diese Schritte waren notwendig, weil die bisherigen operativen Fortschritte, die sich auch aus den Halbjahreszahlen ablesen lassen, durch die katastrophale Bilanz- und Verschuldungssituation mehr als zunichte gemacht wurden. Hier stehen die Zeichen nun auf Besserung, allerdings wird noch eine zusätzliche Kapitalspritze nötig sein, um die UET-Gruppe endlich auf solide Beine zu stellen, denn auch nach den bereits erfolgten Maßnahmen weist die UET-Bilanz noch immer ein negatives Eigenkapital auf. Und so wird es zu einer Kapitalerhöhung kommen (müssen), was bisher undenkbar erschien. Doch nachdem man die Bilanz aufgeräumt und die Konzernstruktur vereinfacht hat, mit dem begleitenden Nebeneffekt, dass künftig ohne die abfließenden Minderheitsanteile mehr Geld in der UET-Kasse verbleiben wird, sollten sich hier die Chancen erheblich verbessert haben. Auf dieser Basis könnte es durchaus erfolgreich zum Einwerben von frischem Geld kommen und das nicht nur aus dem Kreis der bisherigen Eigentümer.

Eigentlich ist es ja immer ein schlechter Zeitpunkt, vor einer Kapitalerhöhung Aktien zu erwerben. Allerdings wäre diese bei der UET ja lediglich Teil einer erfolgreichen Sanierung, nachdem schon erhebliche Vorleistungen der Gesellschafter erfolgt sind. Es könnte daher für spekulative Anleger durchaus lohnen, sich auch heute schon einige Aktien der UET ins Depot zu legen und auf einen erfolgreichen Turnaround zu setzen. Sähen die bisherigen Kapitalgeber und Gläubiger hier keine aussichtsreiche Chance, hätte man die bisherigen Schritte unterlassen und einfach nur den Ausverkauf der Tochtergesellschaften versucht.


Ausdrücklicher Risikohinweis
Bei allen Aktienkäufen besteht das Risiko eines Totalverlusts, bei Turnaround-Werten liegt dieses allerdings noch signifikant höher, denn die Unternehmen befanden bzw. befinden sich ja in ernsten und bisweilen existenzbedrohlichen Schieflagen. Wer hier zu spekulieren bereit ist, sollte es nur mit kleinem Einsatz tun, die Werte allenfalls als Depotbeimischung verstehen, und sich in Klaren darüber sein, dass sie einer ständigen und erhöhten Aufmerksamkeit bedürfen. Der Blick alleine auf die Chancen eines erfolgreichen Turnarounds reicht keinesfalls aus, die Risikobetrachtung kommt zuerst! Denn Aktien können auch auf Null fallen, warnte schon Börsenlegende Jesse Livermoore.

»Der Totalverlust ist die hässliche Schwester des Turnarounds.«
(Michel C. Kissig)

Ich nehme die DF Deutsche Forfait, SBF und United Electronic Technology als hoch riskante, jedoch aussichtsreiche Turnaround-Spekulationen auf meine Empfehlungsliste.

Börsenweisheit der Woche 48/2016

"Das große Geld kann man an der Börse nur auf lange Sicht und mit antizyklischem Verhalten machen. Dazu braucht es Disziplin, Mut und Erfahrung."
(André Kostolany)

Freitag, 25. November 2016

Umfrage: Wie kommt ihr an Unternehmensnews?

Angeregt durch eine Leserfrage möchte ich von euch wissen, wie ihr an aktuelle News herankommt. Über News-Sammler wie finanznachrichten.de, News-Services wie DGAP, Google Alerts, spezielle US-Websites wie Seeking Alpha oder The Motley Fool oder aber schlicht und einfach durch eigene Recherche auf Unternehmenswebsites oder ggf. deren Emailverteiler?

Ich habe daher eine entsprechende Umfrage gestartet, die ihr in der rechten Menüleiste findet und die bis Ende November aktiv ist. Und ich würde mich freuen, wenn ihr über die Teilnahme daran hinaus auch noch zahlreich hier eure Meinungen/Eindrücke und vor allem Anregungen als Kommentare abgeben würdet, weil Informationsbeschaffung zu Einzelwerten gerade auch für Börsenanfänger eine echte Hürde darstellt.

Mittwoch, 23. November 2016

Geldregen: Bavaria Industries verkauft Automotive-Tochter Tristone für 170 Mio. Euro

Bavaria Industries ist eine börsennotierte Industrieholding, die mittelständischen Unternehmen übernimmt, wenn man bei diesen erhebliches Optimierungspotenzial ausgemacht hat. Oftmals handelt es sich hierbei um Restrukturierungsfälle, auch im europäischen Ausland. Und eine dieser Gelegenheiten war die Tristone Flowtech Group, die Bavaria im Jahr 2010 übernahm.

Seitdem wurde das Geschäft erfolgreich restrukturiert und wieder zu Erfolgen geführt, denn bei der Übernahme setzte Tristone knapp €130 Mio. um und das bei einer mageren EBITDA-Marge von nur 2%. Heute liegt der Umsatz annähernd doppelt so hoch und wird 2016 rund €250 erreichen, während die EBITDA-Marge auf 11% gesteigert werden konnte. Von der Umsatzverdopplung bleibt also auch noch das Fünffache hängen.

Käufer von Tristone, die 2.800 Mitarbeiter beschäftigt an zehn Standorten in Europa, NAFTA, China und Indien ist die chinesische Zhongding Gruppe und die legt für die Übernahme satte €170 Mio. auf den Tisch sobald alle kartellrechtlichen Genehmigungen vorliegen.

In der Bavaria-Bilanz wird der Verkauf tiefe Spuren hinterlassen, denn Tristone war die mit Abstand größte Beteiligung der Münchner. Bavaria bilanziert sehr konservativ und weist nur die Beteiligungen auf, die auch operativ zum Konzern beitragen. Was noch nicht mindestens ein Jahr im Konzern ist oder was Verluste schreibt, taucht nicht auf, so dass im Fall einer Veräußerung einer Beteiligung ein sehr großer Einmalertrag auf die Aktionäre wartet. Und genau das wird mit dem Tristone-Deal erreicht und es lohnt ein Blick auf die Zahlen.

Einzug der Aktien aus dem Aktienrückkaufprogramm erhöht Gewinn je Aktie
Erst vor wenigen Tagen hatte Bavaria Industries erklärt, die im Rahmen des Aktienrückkaufprogramms seit 2014 erworbenen eigenen Aktien eingezogen zu haben - immerhin 4,6% des Grundkapitals. Das Grundkapital der Bavaria Industries Group AG ist nun noch eingeteilt in 5.351.294 auf den Inhaber lautende Stückaktien und damit war Bavaria vor Bekanntgabe des Deals bei €53,50 mit insgesamt €286 Mio. an der Börse kapitalisiert. Allein hieran zeigt sich schon die Bedeutung des 170-Millionen-Euro-Deals.

 Bavaria Industries (Quelle: finanzen.net) 
Ein Bewertungsversuch
Doch wichtig(er) ist natürlich, was unterm Strich als Ergebnis herauskommt. Da Bavaria in seinen Geschäftsberichten keine Angaben zum NAV einzelner Gesellschaften macht, sondern nur zum Buchwert in Gänze, stochert man diesbezüglich etwas im Nebel. Aus dem Segment Automotive, dem Tristone zuzurechnen ist, wurden in 2015 zwei Beteiligungen veräußert, so dass hier nur noch Tristone und die wesentlich kleineren Beteiligungen Carbody und Vosla aufgeführt sind. Zum Gesamtumsatz der Sparte von €177 Mio. im ersten Halbjahr 2016 trugen dabei Tristone €126 Mio., Carbody €28 Mio. und Vosla €23 Mio bei.

Aufgrund des anhaltenden Wachstums bei Tristone können wir von etwa €255 Mio. Umsatz für 2016 ausgehen und wenn wir die EBITDA-Marge von 11% berücksichtigen, führt uns das zu einem EBIDTA von rund €28 Mio. Nehmen wir weiter an, dass Bavaria seine Beteiligung mit dem Fünffachen des EBITDA in den Büchern bewertet hat(te), käme der bilanzielle Wertansatz von Tristone auf rund €140 Mio. Folglich würde Tristone bei einem Preis von €170 Mio. mit einem Aufschlag von 21% bzw. €30 Mio. über dem bisherigen Wertansatz verkauft. Bezogen auf die Anzahl der ausstehenden rund 5,35 Mio. Aktien bedeutet dies, dass alleine dieser Verkauf etwa €5,6 je Aktie zusätzlich in die Bavaria-Kassen spült.

Noch immer ein kräftiger Abschlag auf den NAV
Allerdings notierte die Bavaria-Aktie zuletzt schon mehr als 20% unterhalb ihres bisher anzusetzen NAV, worin Tristone noch mit den etwa €140 Mio. berücksichtigt war. In Konsequenz führt uns das dazu, dass wir - trotz des starken Kurssprungs heute - Bavaria-Aktien auch bei Kursen von €60 gut 25% unterhalb des fairen Werts kaufen können, den man nun auf mindestens €80 beziffern kann. Und darin sind die noch nicht die Töchter eingerechnet, die noch keine Profite erwirtschaftenden; diese finden erst Eingang in die Betrachtung, wenn sie operativ auf Kurs sind und Gewinne schreiben.

Meine Einschätzung
Bavaria dürfte eine der günstigsten Beteiligungsgesellschaften auf dem deutschen Kurszettel sein, denn ihre Bilanz enthält eine Menge an stillen Reserven, die erst bei erfolgreichen Exits zu richtig zur Geltung kommen. Die nach dem Tristone-Verkauf verbleibenden Beteiligungen machen noch immer etwa €500 Mio. Jahresumsatz und liquide Mittel inkl. der Aktienanlagen werden von Bavaria mit rund €200 Mio. angegeben. Rechnen wir nun einfach mal diese liquiden Mittel und den Verkaufserlös für Tristone zusammen, kommen wir auf €370 Mio. Bezogen auf die Anzahl der 5,35 Mio. Bavaria-Aktien ergibt sich dann ein Betrag von gut €69 je Aktie. Kauft man also heute die Aktien, bezahlt man 15% weniger als an Cash vorhanden ist. Gratis on Top erhält man das operative Geschäft mit €500 Mio. Umsatz.

Abzüge in der B-Note gibt es für die äußerst sparsame Unternehmenskommunikation, hier ist kein Vergleich zu Aurelius oder der Deutschen Beteiligungs AG, und dann für den geringen Streubesitz. Nur eine geringe Menge an Aktien sind noch auf dem freien Markt und es besteht immer wieder mal die Befürchtung, der Gründer und Chef von Bavaria könnte irgendwann einmal ein Delisting anstreben. Ernsthafte Absichten in dieser Richtung gibt es bisher allerdings nicht.

Und dann wäre da noch die Frage, was Bavaria nun mit dem vielen Geld anstellen will. Zuletzt tat man sich schwer, noch geeignete Targets für Unternehmenszukäufe zu finden und hat damit begonnen, das Cash in große, börsennotierte Aktienbeteiligungen zu stecken, allen voran Warren Buffetts Berkshire Hathaway. Das ist natürlich nicht Sinn und Zweck einer Unternehmung wie Bavaria mit Fokus auf Sanierungssituationen, aber es ist besser, als das Geld auf dem Konto liegen zu lassen, wo es kaum Erträge abwirft. Vielleicht sehen wir auch bei Bavaria bald eine Kapitalherabsetzung, um so Gelder aktionärsfreundlich (und steuerunschädlich) an die Aktionäre auszuschütten. Oder ganz klassisch könnte es auch zur Aufnahme von Dividendenzahlungen kommen. Wir werden es abwarten müssen, auf jeden Fall bleibt es spannend.

Bavaria Industries befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und auch in meinem Depot. Wer geduldig ist, ohne stetige Neuigkeiten aus dem Unternehmen klarkommt und sich auch von der Marktenge sowie immer mal wieder aufkommenden Delisting-Spekulationen nicht abschrecken lässt, für den dürfte Bavaria eine interessante Depotbeimischung sein mit der Aussicht darauf, die in der Bilanz versteckten Werte sukzessive zu heben. Der rund 25-prozentige Abschlag auf den NAV sollte dabei als Sicherheitsmarge und Kursabsicherung nach unten wirken, so dass sich ein ausgezeichnetes Chance-Risiko-Verhältnis darbietet. Ein wahres Benjamin-Graham-Schnäppchen eben.