Donnerstag, 23. Februar 2017

Publity baut NPL-Portfolio um weitere 831 Millionen auf 3,2 Milliarden Euro aus

Publity, ein Investor in und Asset-Manager von deutschen Büroimmobilien mit langjähriger Erfahrung im Bereich der Immobilienfinanzierung in Sondersituationen, lebt vom Ankauf, der Entwicklung und dem anschließenden Verkauf von Gewerbeimmobilien. Und das im Auftrag von Finanzinvestoren und für die von Publity selbst aufgelegten Publikumsfonds.

Vor einiger Zeit damit begonnen, darüber hinaus ein zweites lukratives Standbein aufzubauen, die Verwertung sog. Non-performing Loans (NPLs), also nicht bedienter Kredite. Insbesondere im letzten Jahr konnte man mehrere Servicing-Verträge an Land ziehen und das NPL-Portfolio auf €2,4 Mrd. ausbauen. Und nun gibt es einen weiteren Auftrag zur Verwertung eines NPL-Portfolios mit rund €831 Mio. Forderungshöhe, so dass das betreute NPL-Portfolio auf insgesamt rund €3,2 Mrd. anwächst. Der Servicing-Vertrag mit einem internationalem Investor läuft für 5 Jahre und das Portfolio umfasst circa 980 Immobilien-Kredite. Üblicherweise erhält Publity bei derartigen Aufträgen eine Servicing-Fee und ist so mit 22% am Verwertungserlös beteiligt. Es winken also erkleckliche erfolgsabhängige Provisionseinnahmen.

 Publity (Quelle: finanzen.net
Meine Einschätzung
Publity hatte zuletzt mit tollen Nachrichten aufwarten können. Neben der Gewinnverdopplung im Geschäftsjahr 2016 kaufte man eine Reihe von neuen Immobilien ein. Und mit dem neuen NPL-Servicing-Vertrag beweist Publity einmal mehr, dass man als Partner für internationale Finanzinvestoren erste Wahl ist. Hierdurch schafft sich Publity ein zweites, stetiges Einnahmestandbein. Kerngeschäft bleibt natürlich Haupttreiber für Publitys Gewinne. Und diese liegen bei Publity im Einkauf, realisiert werden sie allerdings erst beim Verkauf.

In beiden Bereichen ist Publity nach wie vor sehr rege aktiv - und erfolgreich. Die avisiert Dividende von €2,80 je Aktie, was beim aktuellen Kurs von €38 einer Dividendenrendite von mehr als 7% entspricht, sollte bis zur HV im Juni für zusätzliche Nachfrage nach Publity-Aktien sorgen und danach dürfte sich der Blick wieder verstärkt auf das operative Geschäft richten. Deutlich höhere Kurse winken, wenn Publity weiterhin so zuverlässig Erfolge vermelden und seine Prognosen einlösen kann.

Publity befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

Mittwoch, 22. Februar 2017

Welchen Informationswert bieten Insider-Trades wirklich?

Allgemein nimmt man an, Insider hätten einen besseren Durchblick bei ihrem Unternehmen als Außenstehende. Und bzgl. des Vorstands sollte man sogar darauf hoffen! Wenn nun diese Insider, also Vorstände oder Aufsichtsräte und ihre engen Familienmitglieder, Aktien des eigenen Unternehmens handeln, sollte man hellhörig werden. Denn dahinter kann mehr stecken, als die bloße Entscheidung eines Anlegers. Muss aber nicht.

Insiderverkäufe
Wenn Insider Aktien "ihres" Unternehmens verkaufen, wird dies schnell als negatives Signal verstanden. Außenstehende vermuten dann, dass die Insider Kenntnis von negativen Fakten oder schlechten Nachrichten haben und deshalb ihre Aktien abstoßen - Insiderverkäufe drücken daher nicht selten zusätzlich auf den Kurs.

Dabei gibt es viele Gründe, weshalb Insider ihre Aktien verkaufen: manchmal sind Aktien(optionen) Teil des Gehalts, oder der Insider möchte sich ein neues Haus kaufen und benötigt dafür Geld. Vielleicht möchte er auch nur seine Anlagen breiter diversifizieren oder er muss eine teure Scheidungsvereinbarung finanzieren. Auch diese Gründe können hinter Insiderverkäufen stehen, es müssen nicht zwangsweise negative Erwartungen hinsichtlich der Unternehmensentwicklung sein.

Für mich stellen Insider-verkäufe keinen Grund dar, meine entsprechenden Aktien zu verkaufen. Allerdings sind sie ein Erinnerungssignal und führen dazu, dass ich mir die Aktie, das Unternehmen und meinen Investmentcase noch einmal genauer ansehe und abklopfe, ob sich hier etwas zum Negativen verändert hat. Sollte dies der Fall sein, dann verkaufe ich ggf. die Aktien.

Insiderkäufe
Dem gegenüber gibt es eigentlich nur einen einzigen Grund, weshalb Insider die Aktien "ihres" Unternehmens kaufen: sie glauben an das Unternehmen und gehen von steigenden Aktienkursen aus. Denn auch Insider haben kein Geld zu verschenken, sondern wollen mit ihrem Unternehmen und ihren Aktien Geld verdienen. Und auch Börsenlegende Peter Lynch wies darauf hin, dass die Chancen auf eine positive Entwicklung des Aktienkurses größer ist, wenn es starke Insiderkäufe gegeben hat.

Einige Unternehmen räumen ihren Mitarbeitern auch die Möglichkeit ein, Belegschaftsaktien zu erwerben. Diese bekommen sie dann auch mit einem deutlichen Abschlag auf den aktuellen Börsenwert. Ich halte das für eine ganz ausgezeichnete Sache, für beide Seiten. Auch wenn es Leute gibt, die das verteufeln - aus Sicht der Mitarbeiter. Weil sie von Risikoballung sprechen. Denn einerseits ist das Arbeitseinkommen bei diesem Unternehmen konzentriert und dann auch noch das Vermögen. Geht das Unternehmen pleite, hätte man hier doppelt verloren. Allerdings... kaum ein Mensch arbeitet heute noch 40 Jahre bei dem gleichen Unternehmen. Also gilt die Riskohäufung nur für eine begrenzte Zeit.

Ich finde es positiv, wenn Unternehmen ihr Management durch eine Beteiligung binden und zusätzlich motivieren können. Und wenn Vorstände nur 75% des aktuellen Börsenkurses bezahlen für eine Aktie, die sie kaufen, dann muss das nicht schlecht sein. Kostet die Aktie 100 EUR und der Vorstand kauft sie zu 75 EUR, dann hat das Unternehmen noch immer das 75-fache für seine 1-Euro-Aktie erhalten. Und würde es eine förmliche Kapitalerhöhung mit Bezugsrecht der Altaktionäre durchführen, läge der Bezugspreis auch in den meisten Fällen um 15 bis 25 Prozent unterhalb des aktuellen Aktienkurses, um die neuen Aktien attraktiv und die Kapitalerhöhung zu einem Erfolg zu machen.

Ich halte den Aspekt, dass das Management nicht nur auf sein Gehalt, sondern auch auf den Wert der Aktien schaut, für wünschenswert. Denn das bringt eher nachhaltige Überlegungen und Vorteile für die Entwicklung des Unternehmens ein, losgelöst von möglichen, an den Jahresgewinn gekoppelten, Tantiemen-Regelungen.

Fazit
Insider-Trades können eine Bedeutung haben. Aber es kommt eben immer auf den jeweiligen Einzelfall an. Sehe ich eine Meldung über Insider-Trades, dann lohnt es sich, hier genauer hinzusehen. Und sich aus dem Gesamtbild eine Meinung zu machen und ggf. die Erkenntnisse in die eigene Anlageentscheidung mit einfließen zu lassen. Vor allem Käufe signalisieren eine klare Meinung bezüglich des Unternehmens bzw. des Aktienkurses und Anleger können dies als zusätzliches positives Signal verstehen. Bei Insiderverkäufen hingegen sollte man keine voreiligen Schlüsse ziehen - solange man nicht recherchieren kann, weshalb der Insider verkauft, bleibt alles Spekulation. Und aus Unkenntnis heraus sollte man keinesfalls Investmententscheidungen treffen, weder Käufe noch Verkäufe.

Die Deutsche Beteiligungs AG wird kräftig unterschätzt

▸ Kissigs Kolumne vom 31. Oktober 2016, Aktien Magazin 29/2016 

Die DBAG, wie die Deutsche Beteiligungs AG auch gerne genannt wird, ist eine der ältesten deutschen Beteiligungsgesellschaften, bei der mit knapp 20 Prozent die Drogeriefamilie Rossmann mit an Bord ist. Das SDAX-Mitglied ist weniger auf Sanierung und Verkauf seiner Tochtergesellschaften aus, sondern viel mehr auf Bestandsauf- und ausbau. Man unterscheidet sich hier ganz deutlich von Finanzinvestoren wie Aurelius, Blackstone oder KKR & Co.

Vor einigen Jahren gab es dennoch einen Schwenk in der Geschäftspolitik, als man vom klassischen eigenen Beteiligungsgeschäft zum Asset-Management überging. Seitdem legt man Beteiligungsfonds auf, in die private und institutionelle Investoren Geld einbringen können, ohne sich direkt an der DBAG als Aktionäre beteiligen zu müssen. Diese Fonds sind als geschlossene Beteiligungsfonds ausgelegt und sind damit nicht über die Börse handelbar. Die DBAG verwaltet und managt diese Fonds und erhält hierfür Managementgebühren, was für einen stetigen Einnahmestrom sorgt. In dieser Sparte konnte die DBAG ihr Ergebnis in den vergangenen 10 Jahren auf 20 Millionen Euro p.a. vervierfachen.

Darüber hinaus bleibt die DBAG eine klassische Beteiligungsgesellschaft und übernimmt daher an diesen Fonds auch selbst Anteile bzw. tritt bei Investment des Fonds als Co-Investor auf. So partizipiert sie auch an den eigenen operativen Erfolgen, kann über diese Konstruktion jedoch mit dem gleichen eingesetzten Eigenkapitalanteil wesentlich mehr bewegen, da ja der Großteil der Gesamtinvestitionen von Investoren stammen. Es wird nicht nur mehr Geschäftsvolumen erzielt, sondern die DBAG kann nun auch größere Übernahmen stemmen und daher ganz andere Kaliber ins Radar nehmen.

Auf der anderen Seite ist für die DBAG der Eigenkapital-Hebel bei einem einzelnen erfolgreichen Verkauf der Beteiligung natürlich entsprechend geringer, da sie nicht mehr 100% an den Tochterunternehmen hält, sondern nur noch eine Minderheitsbeteiligung. Diese ist in der Regel aber durchaus ansehnlich und beträgt zumeist zwischen 10 und 20 Prozent. Den Rest übernehmen die DBAG-Beteiligungsfonds, so dass die DBAG insgesamt die Kontrolle übernimmt.

Die durchschnittliche Haltedauer für Investments der DBAG im eigenen Portfolio liegt bei fünf Jahren und von den aktuell rund 25 Beteiligungen sind rund ein Viertel schon vier und mehr Jahre dabei. Und somit reif für einen Exit, bei dem die DBAG ihr selbst eingesetztes Kapital durchschnittlich verdreifacht. Für ihre Aktionäre hat sie so über die letzten 15 Jahre betrachtet 15,2 Prozent und über die letzten 10 Jahre immerhin noch 13 Prozent an durchschnittlich Erträgen erwirtschaftet.

Da die DBAG jedoch eher selten spektakuläre Geschäftsabschlüsse verkündet, ist sie bei vielen Anlegern trotzdem nicht auf dem Schirm; sie dürfte jedoch eines der am meisten unterschätzten Unternehmen auf dem deutschen Börsenzettel sein.

Auf den zweiten Blick
Also schauen wir uns die Deutsche Beteiligungs AG mal etwas genauer an. Da fällt zunächst ins Auge, dass die DBAG ihr Geschäftsjahr nicht am 31. Dezember enden lässt, sondern jeweils zum 30. September. Auch deshalb findet ihre Hauptversammlung zumeist schon im März statt, was für Dividendenjäger kein ganz unwichtiger Aspekt ist. Darüber hinaus bilanziert die DBAG nicht nach HGB, sondern nach IFRS, den internationalen Bilanzierungsstandards. Das hat vor allem die Auswirkung, dass die von ihr gehaltenen Beteiligungen jeweils zum Ende des Quartals zum dann gerade aktuellen Marktwert bewertet werden. Diese Wertansätze orientieren sich am Stand der Börsen und den daraus angeleiteten Bewertungen vergleichbarer Unternehmen. Im Ergebnis schwanken die Bewertungen der Tochtergesellschaften und damit der von der DBAG ausgewiesene NAV (Buchwert) dadurch stärker als bei nach HGB bilanzierenden Unternehmen. Die DBAG-Bilanz nach IFRS weist folglich erheblich niedrigere stille Reserven auf, als es nach HGB der Fall wäre. Das ist jetzt keine große Besonderheit, auch Aurelius bilanziert auf diese Weise, aber es hat durchaus konkrete Auswirkungen auf die ausgewiesenen Gewinne.

Gewinnträchtige Verkäufe treiben das Ergebnis
Der Geschäftsansatz der DBAG zielt auf den Kauf von gut eingeführten mittelständischen Unternehmen, die erfolgreich am Markt unterwegs sind. Sanierungsfälle übernimmt sie nicht. Sie schielt nicht auf schnelle Renditen, sondern auf eine nachhaltige Entwicklung der Portfoliounternehmen. Und trotzdem verkauft auch die DBAG von Zeit zu Zeit ihre Tochtergesellschaften und erzielt damit nicht selten hohe Gewinne. Besonders in Erinnerung bleiben dürfte der Verkauf der damals mit Abstand größten Beteiligung, der börsennotierten HOMAG AG an die ebenfalls börsennotierte Dürr AG. Den daraus erzielten außerordentlich hohen Gewinn kann man im Chart der DBAG noch heute ablesen.

Den erzielten Verkaufserlös hat die DBAG seitdem sukzessive in neue Beteiligungen gesteckt und damit das Portfolio deutlich breiter aufgestellt. Verkäufe fallen jetzt nicht mehr ganz so spektakulär aus, aber dennoch nicht minder gewinnbringend. So hat die DBAG in ihrem ersten Geschäftsquartal diesen Jahres einen Quartalsgewinn von 30 Millionen Euro ausweisen können, der sich vor allem aus dem Verkauf zweier Beteiligungen speiste, darunter auch den der Spheros-Gruppe. Alleine diese beiden Beteiligungen erbrachten einen Gewinnanteil von 10 Millionen Euro.

Im dritten Geschäftsquartal sah die Welt dann kurzzeitig anders aus, denn kurz vor dessen Bilanzstichtag am 30. Juni hatten die Britten für den Brexit gestimmt, also den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Die Aktienkurse brachen daraufhin zweistellig ein und damit auch das Quartalsergebnis der DBAG. Dank IFRS-Bilanzierung. Denn die gesunkenen Aktienkurse führten zu einem reduzierten Bewertungsansatz der DBAG-Beteiligungen, der mit einem Minus von 12 Millionen Euro zu Buche schlug und das Quartalsergebnis unter dem Strich auf ein Minus von 5,7 Millionen Euro drückte. Was im Umkehrschluss nichts anderes bedeutet, als dass die DBAG in jenem Quartal operativ immerhin weitere 6,3 Millionen Euro verdient hatte. Und wir alle wissen, wie kurzfristig der Brexit-Schock der Börsen war und daher war auch abzusehen, dass das nächste Quartalsergebnis der DBAG mindestens die Abwertung besagter 12 Millionen wieder ausgleichen würde.

Mehr Kapital für noch mehr Investments
Die DBAG nutzte dann auch die Gunst der Stunde und führte eine Kapitalerhöhung durch, wodurch sie ihr Eigenkapital um 10 Prozent erweiterte. Der Markt nahm dies sehr positiv auf, also ohne größere Kursabschläge, da die DBAG verkündet hatte, dass sie dieses Geld in weitere interessante Beteiligungen zu investieren gedenke. So stieg sie beim MedTech-Unternehmen Polytech ein, was die DBAG bis zu 12 Millionen Euro an Eigenmitteln für einen 18-prozentigen-Anteil kostete, während rund 76 Prozent vom DBAG Fund VI übernommen werden. Die übrigen Anteile wird das Management des Unternehmens erwerben. Polytech war die zehnte Beteiligung des DBAG Fund VI, der nach dieser Transaktion zu mehr als 75 Prozent investiert ist. Somit bleibt noch Raum für eine weitere Akquisition, da die DBAG-Fonds grundsätzlich nicht mehr als 85 Prozent des Kapitals investieren, um noch trockenes Pulver zu haben für Add-on-Zukäufe für die Portfoliounternehmen.

Des Weiteren hat die DBAG einen neuen Buy-out-Fonds im Gesamtvolumen von einer Milliarde Euro aufgelegt, den DBAG Fund VII, und die Mittel wurden zwischenzeitlich vollständig eingeworben. Dabei wird der Eigenanteil der DBAG rund 200 Millionen Euro betragen und damit ein Fünftel des Fondsvolumens. Die frisch eingeworbenen Gelder aus der Kapitalerhöhung sind also bereits verplant und werden nicht lange auf dem Girokonto zinslos vor sich hin darben. Durch den Start dieses weiteren Fonds vergrößert sich für die DBAG künftig die Basis für die Gebühreneinnahmen aus der Fondsberatung.

Endspurt im Schlussquartal
Und nun gab die Deutsche Beteiligungs AG jüngst Vorabzahlen zum vierten Geschäftsquartal bekannt und damit auch für das gesamte am 30. September endenden Geschäftsjahr. Und diese Zahlen liegen deutlich über den eigenen Erwartungen und über denen der Analysten.

Entgegen der bisherigen Prognosen, wonach ein um mindestens um 20 Prozent über dem Vorjahresergebnis von 27 Millionen Euro liegendes Ergebnis in Höhe von 40 Millionen Euro angepeilt war, wird das Ergebnis nun zwischen 48 und 52 Millionen Euro landen. Also noch einmal um 20 Prozent über den vorherigen Prognosen, wodurch die DBAG im abgelaufenen Geschäftsjahr annähernd eine Gewinnverdopplung erzielen konnte. Langweilig klingt irgendwie anders.

Ganz wesentlicher Treiber des Jahresergebnisses war das vierte Geschäftsquartal und dabei das Bewertungsergebnis, das im vorangegangenen Quartal ja noch für einen kurzfristigen Ergebniseinbruch gesorgt hatte. Doch auch der Exit bei der Broetje-Automation GmbH an die Shanghai Electric Group spielte eine Rolle. Dieser Verkauf war der Schlusspunkt einer sehr erfolgreichen strategischen Weiterentwicklung bei dem Automatisierungsspezialisten. Und auch wenn über den Kaufpreis zwischen den Vertragsparteien Stillschweigen vereinbart wurde, übersteigt dieser jedoch den Wertansatz der Beteiligung im IFRS-Konzernabschluss vom 30. Juni 2016 und die DBAG erzielte eine Rendite oberhalb ihrer üblichen Erwartungen.

Geänderte Dividendenpolitik
Auf die Dividendenhöhe hat das erneute Übertreffen der Prognosen allerdings keine unmittelbare Auswirkung. Der Vorstand geht unverändert davon aus, dass der Vorschlag an die Hauptversammlung mindestens auf der Höhe der Dividende des vorangegangenen Geschäftsjahres liegen wird, die 1,00 Euro je Aktie betragen hatte. Hintergrund ist, dass die DBAG ihr Dividendenpolitik "verstetigen" möchte. Anstelle der bisherigen Aufteilung in eine Basis- und eine Sonderdividende soll künftig eine stabile Dividende gezahlt werden, die - wann immer möglich - erhöht werden soll. Doch auch bei „nur“ einem Euro würde die DBAG eine attraktive Dividendenrendite von knapp 3,3 Prozent erzielen.

Die Musik spielt allerdings stärker im operativen Geschäft, denn die hier ist die DBAG äußerst erfolgreich unterwegs. Und das sollte sich auch künftig im Aktienkurs widerspiegeln, so dass Anlegern sich bei der Deutschen Beteiligungs AG ein interessantes Gesamtpaket bietet aus moderater Bewertung, attraktiver Dividendenrendite und interessanten Zukunftsperspektiven. Unter Chance-Risiko-Gesichtspunkten sollte die DBAG ihr Mauerblümchendasein bald hinter sich lassen. Verdient hat sie es sich jedenfalls, im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Deutsche Beteiligungs AG befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.



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ERGÄNZUNG VOM 22.02.2017, 09:15

▸ Heute Hauptversammlung / Gewinnsprung im Geschäftsjahr 2015/16

Heute findet die Hauptversammlung der DBAG statt und wer in Genuss der Dividenden von €1,20 kommen möchte, muss heute vor Börsenschluss Aktien der DBAG in seinem Depot haben. Die Auszahlung erfolgt nicht mehr am morgigen Tag, sondern mit einigen tagen Verzögerung - das ist der neuen, internationalem Recht angepassten, Rechtslage geschuldet.

Für das Geschäftsjahr 2015/16 konnte die DBAG hervorragende Ergebnisse präsentieren. Das Konzernergebnis lag bei 50,2 Mio. EUR verglichen mit 27 Mio. EUR im elfmonatigen Rumpfgeschäftsjahr 2014/2015. Im Konzernergebnis ist als wichtigste Einflussgröße das Ergebnis aus dem Beteiligungsgeschäft von 60,1 Mio. EUR enthalten. Dieses basiert ganz wesentlich auf der Wertsteigerung des fortgeführten Portfolios, das auch von der insgesamt guten Kapitalmarktentwicklung während des Geschäftsjahres profitierte. Darüber hinaus sind Erfolge aus der gewinnbringenden Veräußerung von mehreren Beteiligungen enthalten, wie des Autozulieferers Spheros, des Anlagenbauers Broetje Automation und des Fertigungsspezialisten Grohmann Engineering, den Tesla kürzlich übernommen hatte. Das Konzern-Gesamtergebnis erreichte hingegen nur 43,0 Mio. EUR, da sich der Verfall des Rechnungszinsfußes negativ bemerkbar machte, der zur Bemessung der Pensionsrückstellungen verwendet wird.

Die Eigenkapitalrendite je Aktie, die die DBAG als zentrale Steuerungsgröße verwendet, übersteigt mit 16,0% die Eigenkapitalkosten signifikant. Das vorangegangene (elfmonatige Rumpf-) Geschäftsjahr 2014/2015 hatte die DBAG mit einem Konzernergebnis von 27,0 Millionen Euro und einer Eigenkapitalrendite von 10,0 Prozent beendet.

Montag, 20. Februar 2017

Mutares: Dank Kurswechsel endlich wieder kräftig Rückenwind

Mutares ist eine international ausgerichtete deutsche Beteiligungsgesellschaft, die Aurelius nachstrebt und sich nach Kapitalerhöhungen, Aktiensplits und Börsensegmentwechsel für Anleger attraktiver gestalten will. Das ist auch nötig, denn Mutares konnte den eigenen Ansprüchen bisher nicht gerecht werden und hat mit einigen Unwägbarkeiten und Problemen zu kämpfen. Der Kursverlauf der letzten Monate zeichnet dieses Scheitern unschön nach. Im letzten Jahr gab es eine Kapitalerhöhung zu €17,50 und da haben sich die Anleger wohl mehr versprochen. Kaum vorstellbar, dass noch viele Zeichner bei den letztjährigen Tiefstkursen von €11 ihre Aktien nicht auf den Markt geschmissen haben.

Probleme und Risiken
Die französische E-Commerce-Tochter Pixmania ist letztes Jahr pleite gegangen und das spricht nicht für ein gutes Näschen bei der Auswahl lukrativer Unternehmen, denn die hatte man erst kurze Zeit zuvor erworben.

Des Weiteren gibt es ein nicht unbeträchtliches Öl- und Gasrisiko im Portfolio, denn die größte Tochter EUPEC ist im Bereich Beschichtungen für Pipelines aktiv und eine weitere Tochter, die französische Beteiligung BSL, stellt Pipelines her. Der gesunkene Ölpreis und die von den Öl-Konzernen drastisch zusammengestrichenen Investitionskosten haben ebenso negative Auswirkungen wie die Zweifel rund um das Pipelineprojekt North Stream 2. Dort hat Mitbewerber Wasco den Auftrag zur Beschichtung der Pipelines an Land gezogen und EUPEC. Für 2016 kalkuliert EUPEC mit einem signifikanten Rückgang der Erlöse und einem deutlich niedrigeren operatives Ergebnis als 2015.

Und auch bei der seit Anfang 2012 zu Mutares gehörenden GeesinkNorba Group, einem Hersteller von Müllfahrzeugen, ist die Liquiditätslage weiterhin angespannt.

Zum Halbjahr 2016 rutschte das EBITDA von €12,9 auf gerade einmal €4,0 Mio. ab und unterm Strich ergab sich sogar ein Fehlbetrag von €7,07 Mio., nachdem in der entsprechende Vorjahresperiode noch ein Überschuss von €1,56 Mio. erzielt werden konnte.

Chancen und Hoffnungen
Doch Mutares scheint die Zeichen der Zeit erkannt zu haben und steuert nun um. Bereits im ersten Halbjahr 2016 hat man kräftig in den Ausbau des Teams und der Infrastruktur investiert und auch sie Strategie wurde angepasst. Anstatt wie bisher Stand-Alone-Restrukturierungsfälle zu akquirieren, will man künftig Cluster bilden und auch durch Synergien und Formierung größerer Einheiten  Werte generieren und heben. Das klingt aussichtsreicher und erfolgversprechender, weil man so beim Exit auch ganz andere Interessenten ansprechen kann, nämlich strategische Investoren, für die das Übernahme-Target dann keine kleine Rand-Ergänzung ist, sondern ggf. ein weiteres Elefanten-Standbein. Und auch geographisch bewegt sich Mutares mit dem Schwerpunkt Frankreich in einem Bereich, den Aurelius oder Bavaria bisher nicht abdecken. Das Ziel, bald 1 Mrd. Umsatz in den Beteiligungsunternehmen zu erzielen, ist jedenfalls schon mal eine markige Ansage, doch es müssen auch Taten folgen.

 Mutares (Quelle: finanzen.net
Im dritten Quartal 2016 konnte der Mutares-Konzern immerhin schon den Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum trotz signifikanter Verkäufe bei €159,3 Mio. nahezu konstant halten (Q3-2015: €163,7 Mio.) und auf ein starkes organisches Umsatzwachstum der Beteiligungen STS Acoustics, Elastomer Solutions und Geesinknorba verweisen. Das operative Ergebnis (EBITDA) belief sich im dritten Quartal auf €4,2 Mio. (Q3-2015: €6,3 Mio.) und wurde von signifikanten Ergebnisverbesserungen bei STS Acoustics, Elastomer Solutions, A+F und Zanders getragen.

Und Mutares gibt weiter Gas... Artmadis, ein Mutares-Portfoliounternehmen ist der führende Großhändler für Haushaltswaren in Frankreich. Nach der erfolgreichen Übernahme des belgischen Großhändlers Verbeelen hat Artmadis zwei weitere Unternehmenszukäufe getätigt, welche das Post-Merger- Umsatzniveau des Unternehmens auf über €100 Mio. steigern werden. Artmadis ist Frankreichs führendes Großhandelsunternehmen für Gläser, Geschirr und Küchenartikel und beliefert alle großen französischen Handelsunternehmen, sowie Möbelhäuser und Onlinehändler. mutares erwarb das Unternehmen im Jahr 2012 und hat es durch die Einführung eines umfassenden Serviceangebots im Category Management erfolgreich repositioniert. Durch die Akquisition von Verbeelen konnte Artmadis in den belgischen Markt expandieren und Zugang zum attraktiven Segment von Hotels Restaurants und Cafés erhalten.

Als nächstes hat Mutares ein unwiderrufliches Angebot zur Übernahme von zwei französischen Werken der Mecaplast Gruppe abgegeben, die einen Umsatz von €70 Mio. mit der Produktion von Innen- und Außenverkleidungsteilen für leichte und schwere LKW erwirtschaften. Die Akquisition wäre eine ideale Ergänzung für das Mutares-Portfoliounternehmen STS, einem führendem Anbieter von innovativen Lösungen zur Geräusch- und Wärmedämmung, der nahezu alle europäischen LKW- Hersteller von drei Standorten in Italien aus beliefert. In den beiden profitablen Werken der Mecaplast-Gruppe werden 340 Mitarbeiter an den französischen Standorten Izernore und Précigné beschäftigt und ein Umsatz von €70 Mio. generiert. Der Auftragsbestand beträgt €600 Mio. und sichert voraussichtlich die Auslastung über mehrere Jahre. Beide Standorte liegen in direkter Kundennähe und verschaffen STS eine nochmals breitere Kundenbasis. Die Produktion von Innen- und Außenverkleidungsteilen für leichte und schwere LKW ergänzt das bestehende Produktportfolio von STS ideal. Das Unternehmen erwirtschaftete im Jahr 2015 einen Umsatz von ca. €135 Mio. und wird im vierten Quartal 2016 ein neues Werk in Polen in Betrieb nehmen, das durch zwei Großaufträge bereits nahezu ausgelastet ist.

Kurze Zeit später gab Mutares ein unwiderrufliches Angebot zur Übernahme des Nutzfahrzeug-Zuliefergeschäfts der Plastic Omnium Gruppe ab. Das Nutzfahrzeug-Zuliefergeschäft der Plastic Omnium Gruppe verfügt über fünf Werke in Frankreich, zwei Werke in China und jeweils ein Werk in Deutschland und Mexiko mit insgesamt 1.500 Mitarbeitern. Im Jahr 2015 wurde ein Umsatz von €190 Mio. mit Außenverkleidungsteilen für die Kabine von LKW erwirtschaftet. Alle großen europäischen LKW-Hersteller zählen zum Kundenkreis. Die Werke befinden sich in direkter Kundennähe. Zusammen mit STS und der Akquisition der beiden Werke der Mecaplast Gruppe formt mutares einen global führenden Nutzfahrzeugzulieferer für Innen- und Außenteile mit einem Umsatz von €400 Mio. und 2.700 Mitarbeiten in 15 Werken. Die neue Gruppe wird über Standorte in Frankreich, Italien, Deutschland, Polen, China und Mexiko verfügen. Das Produktportfolio ergänzt sich ideal und erlaubt eine Vielzahl an Synergien und Cross-Selling- Möglichkeiten.

Aber auch in anderen Bereichen ist Mutares aktiv und hat von der amerikanischen SPX Corporation das internationale Anlagenbauunternehmen Balcke-Dürr übernommen. In 2015 hat das Unternehmen mit 650 Mitarbeitern einen Umsatz von €142 Mio. erzielt und verfügt neben der Firmenzentrale in Düsseldorf über Entwicklungscenter und Produktionsstätten in Deutschland, Italien, Polen, China und Indien. Balcke-Dürr fertigt Komponenten für die Energieeffizienz und die Reduktion von Emissionen für die chemische und energieerzeugende Industrie. und wird Teil von Mutares "Engineering & Technology"-Segment.

Und jüngst gelang ein weiterer positiver Schritt, denn Mutares vermeldete den Verkauf von EUPEC Deutschland an die Wasco-Gruppe, die das Werk für den Pipelinebau verwenden werden. Im Idealfall kann der Verkaufspreis bis zum Jahr 2019 sogar auf €32 Mio. steigen und das operative Geschäft der EUPEC Frankreich bleibt Teil der mutares-Gruppe. Für Mutares ist dies alles in Allem eine zufriedenstellende Lösung,  wie auch Robin Laik, CEO von mutares, bestätigt.

Meine Einschätzung
Mutares steuert um und kauft kräftig ein, auch wenn einige der jüngsten Zukäufe noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Genehmigungen stehen. Die neue Strategie klingt viel versprechend und auch wenn die nächsten Zahlen bei Mutares noch nicht den großen Ergebnis-Effekt bringen werden, dürften die Zukäufe für neue Energie sorgen - das Ziel von €1 Mrd. Umsatz des Beteiligungs-Portfolios ist jedenfalls in Reichweite. Das dürfte auch dem Aktienkurs analog zum Voranschreiten des operativen Geschäft wieder Leben einhauchen.

Ob der Sonderertrag aus dem EUPEC Deutschland Verkauf als Sonderdividenden ausgeschüttet oder lieber für weitere Zukäufe verwendet wird, bleibt abzuwarten - und betrifft sowieso erst das Geschäftsjahr 2017 und somit die Ausschüttung im Kalenderjahr 2018. Die diesjährige Dividende, die nach der Hauptversammlung am 19. Mai ausgeschüttet wird, dürfte jedenfalls deutlich niedriger ausfallen als im Vorjahr. Sofern es überhaupt eine Dividende gibt. Wobei mich eine vollständige Streichung nicht weiter stören würde, denn mir ist es lieber, dass Mutares das Geld für seinen Turnaround und lukrative Zukäufe steckt. Dennoch glaube ich, dass man die Aktionäre nicht mit einer vollständigen Streichung zu sehr verärgern will und alleine deshalb schon eine Grunddividende ausschütten wird.

Ich denke, bei Mutares wird gerade der Grundstein gelegt für eine erfolgreiche Investment-Story à la Bavaria oder Aurelius und für geduldige und risikobereite Anleger bietet sich hier ein attraktives Chance/Risiko-Verhältnis. Daher befindet sich Mutares auf meiner Empfehlungsliste und ich bin Mitte Dezember bei €11 mit einer ersten Position eingestiegen. Seitdem habe ich in den Kursanstieg hinein bei zwischenzeitlichen Rücksetzern meine Position weiter ausgebaut.


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ERGÄNZUNG VOM 20.02.1027, 15:45

SMC Research hebt in einem Analyseupdate seine Einschätzung auf BUY und erhöht das Kursziel auf €24,70 (zuvor €22,00) an. Grund ist ein über den Erwartungen liegender Verkaufserlös für EUPEC Deutschland sowie eine erhöhte Prognosesicherheit.

Börsenweisheit der Woche 08/2017

"Nutze die Vorteile eines Privatanlegers: habe Geduld, sei unabhängig und ignoriere das Geschrei der Menge".
(Jason Zweig)

Samstag, 18. Februar 2017

Und was tat sich in Warren Buffetts Depot im 4. Quartal 2016?

Value Investor Warren Buffett, das "Orakel von Omaha",musste für seine Investmentholding Berkshire Hathaway wieder das sog. Formular 13F bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) einreichen. In diesem vierteljährlich vorzulegenden Dokument müssen institutionelle Asset-Manager ab einem verwalteten Vermögen von $100 Mio. ihre Investments in US-amerikanischen börsennotierter Unternehmen stichtagsbezogen offenlegen.

Veränderungen im 4. Quartal 2016
Auch im abgelaufenen Quartal gab es einige Veränderungen an Buffetts Positionen.

Käufe
Vor allem bei US-Airlines hat Buffett zugegriffen und ist neben den im 3. Quartal eröffneten Positionen eine weitere Positionen eingegangen. So erwarb er 23,8 Mio. weitere Aktien von American Airlines und verdoppelte seine Position, verfünffachte seinen Anteil an United Continental durch den Erwerb von zusätzlichen 24,4 Mio. Aktien und bei Delta Airlines verachtfachte er seine Position sogar durch den Zukauf von 53,7 Mio. Anteilen. Neu ist sein Aktienpaket an Southwest Airlines, wo er 43,2 Mio. Aktien erwarb.

Ich denke, dass diese Airline-Käufe nicht von Buffett selbst initiiert sind. Er hat sich jahrzehntelang gegen Investments in Airlines ausgesprochen, auch wenn sich das Business der US-Airlines in den letzten Jahren natürlich grundlegend verändert hat. Wie sein Partner Charlie Munger ausführte, sei es ähnlich wie bei Eisenbahnen. Auch dies sei jahrzehntelang ein mieses Business gewesen, aber seitdem es nur noch eine Handvoll Anbieter gäbe, habe Berkshire sich hier engagiert. Das spricht dafür, dass Buffett und Munger den Airline-Investments nicht (mehr) grundsätzlich negativ gegenüberstehen. Allerdings war Buffett immer ein Verfechter des konzentrierten Investierens. "Warum sollte ich die zweitbeste Aktie kaufen, wenn ich auch die beste kaufen kann?", ist eines seiner Mantras. Und nun kauft Berkshire Hathaway großflächig Aktien von gleich vier US-Airlines - ein Investmentstil, den Peter Lynch geprägt hat. Daher glaube ich, dass diese Investments auf seine "Leutnants" Todd Combs und/oder Ted Weschler zurückgehen.

Neben Airlines kaufte Berkshire Hathaway 535.257 Aktien der Bank of New York Mellon, die er bereits letztes Quartal aufgestockt hatte, und kaufte weitere 42 Mio. Aktien von Apple, was einer Steigerung um 275% entsprach. Insbesondere der Kauf von Apple im 2. Quartal 2016 sorgt(e) für großes Aufsehen und steht auch jetzt im Fokus der Kommentatoren. Mit rund 4,5% Anteil an berkshires Portfolio ist Apple nun schon die siebtgrößte Position, was die börsennotierten Pakete angeht.

Ganz neu im Depot sind allerdings auch zwei weitere Werte: Buffett kaufte 166,6 Mio. Anteile am Satellitenradiobetreiber Sirius XM sowie 8 Mio. Aktien des Saatgut-Spezialisten Monsanto. Dieser wird gerade von der deutschen Bayer übernommen und offenbar glaubt Buffett hier an ein Gelingen.


Verkäufe
Im Grunde hat Berkshire keine Positionen reduziert, sondern geradezu ausgemistet, denn alle Verkäufe waren Komplettverkäufe von Positionen. So hat Buffett 90% seiner restlichen Aktien vom weltgrößten Einzelhandelsgiganten Walmart abgestoßen, dessen Aktien Buffett bereits das ganze Jahr 2016 hindurch immer weiter verkauft hatte - die letzten verbliebenen 1,4 Mio. Aktien dürften inzwischen auch eliminiert worden sein und ihr Auftauchen in der Liste liegt eher am Stichtag 31.12., zu dem die Verkäufe noch nicht ganz abgeschlossen waren, als an einem Festhalten an dieser Kleinstposition. Bei Verizon hat sich Buffett zu 99,99% zurückgezogen und die letzten 928 Aktien im Bestand dürften ebenfalls Anfang Januar ausgemustert worden sein.

Die Positionen am Pipelinebetreiber Kinder Morgan und an dem Landmaschinenhersteller Deere & Co. hatte Buffett ja schon über einen längeren Zeitraum reduziert und nun sind sie komplett aus seinem Depot verschwunden. Ebenso Liberty Media Corp. (sowohl die A- als auch die C-Aktien), Lee Enterprises und Now Inc.


Unverändert
Bei vielen von Buffetts größten Positionen gab es keinerlei Veränderungen, so bei The Kraft Heinz Co.Wells Fargo, Coca ColaIBM, American ExpressUS BancorpDavita Healthcare Partners und Moody's.

Bemerkenswert ist dabei, dass Kraft Heinz gerade mit seiner 143-Milliarden-Dollar-Offerte bei Unilever abgeblitzt ist. Zumindest im ersten Anlauf. Hier dürfte in nächster Zeit einiges an Bewegung reinkommen. Und Wells Fargo ist wieder unangefochten die zweitgrößte Position im Depot, nachdem sich der Kurs im letzten Quartal um mehr als 20% erholt hat von seinem Absturz infolge des Skandals um gefälschte Kundenkonten.

 Veränderungen in Berkshire Hathaways Portfolio (Quelle: http://warrenbuffettstockportfolio.com

Buffett ist kein Freund des Diversifizierens
Buffett konzentriert sein Portfolio auf einige wenige große Kerninvestments. So machen seine srei größten Positionen Kraft Heinz, Wells Fargo und Coca Cola zusammen schon fast 50% aus und die sieben größten Positionen stehen für zusammen gut 75% seines Börsen-Portfolios.

Buffett setzt auf Corporate America...
Warren Buffett hat bekanntgegeben, seit dem Wahlsieg Donald Trumps für mehr als $12 Mrd. US-Aktien gekauft zu haben. Obwohl er zuvor dessen Konkurrentin Hillary Clinton unterstützt und auch Trump wegen dessen Steuer- und Finanzgebarens öffentlich angegangen war. Er ist hier kein Kind von Traurigkeit, sonder stellt bei Investments auf rein rationale Überlegungen ab. Und die sprechen nun einmal nach wie vor für Aktien, insbesondere für US-Aktien. Die Aktienkäufe sowie die Kurssteigerungen im letzten Quartal hievten sein Portfolio an börsennotierten Unternehmen über die Marke von $150 Mrd.

...und liebt das Rückversicherungsbusiness
Aber Buffetts Berkshire Hathaway hat auch jenseits von Aktienkäufen Milliarden investiert bzw. verdient. So übernahm man vom Versicherungsriesen AIG Risiken aus alten Versicherungsverträgen. Berkshire tritt ja nicht nur als Erstversicherer auf, sondern unterhält eine große Rückversicherungssparte.

Die Berkshire-Hathway-Tochter Nico übernimmt einen Großteil der langfristigen Risiken aus Verträgen, die AIG in den Jahren bis Ende 2015 abgeschlossen hatte, wozu der Großteil des US-Haftpflichtgeschäfts von AIG aus dieser Zeit gehört. Für den Rückversicherungs-Deal bezahlt der Versicherer ADVERTISEMENT bis Mitte des Jahres $9,8 Mrd. an Nico zzgl. Zinsen für die Zeit seit Anfang 2016. Für die Schäden aus den Verträgen, die über die ersten $25 Mrd. hinausgehen, übernimmt Nico künftig 80 Prozent. Die Haftung der Berkshire-Hathaway-Tochter ist dabei auf höchstens $20 Mrd. gedeckelt.

Ein typischer Buffett-Versicherungsdeal. Berkshire erhält heute fast $10 Mrd., die man gewinnbringend investieren kann, und mögliche Risiken - und damit potenziell Versicherungsleistungen und -zahlungen - werden ggf. erst später fällig. Wenn überhaupt.

Meine Einschätzung
Berkshire Hathaway befindet sich auf meiner Empfehlungsliste. Die starke Abhängigkeit vom Versicherungsgeschäft birgt meines Erachtens ziemliche Risiken, doch die eingeläutete Zinswende in den USA wird den Versicherern dort das Leben wieder leichter machen. Buffett selbst sagte über diese Sparte, dass sie in den nächsten Zehn Jahren "nicht mehr so gut laufen werde wie in den letzten 30 Jahren". Das Chance-Risiko-Verhältnis in diesem Bereich hat sich jedenfalls zuletzt wieder verbessert - auch deshalb habe ich Berkshire Hathaway seit einigen Wochen wieder mit einem Kauf-Votum versehen.

Auch die zuletzt schwächelnde Eisenbahnsparte, die Tochter BNSF, könnte sich fangen, da sie stark vom Transport von Kohle und für die US-Öl- und Schiefergasindustrie abhängt. Und hier sorgt Donald Trump momentan für Goldgräberstimmung, so dass sich dies positiv auf das Geschäft von BNSF auswirken könnte. Da man aber viele Güter aus Mexiko in die USA transportiert, würden Zollbarrieren und/oder Reisebeschränkungen eher dämpfen.

Unter dem Strich stellt Berkshire Hathaway ein gutes Investment für langfristig orientierte Anleger dar. Sie ist inzwischen wie ein Fonds der erfolgreichsten Unternehmen der USA, garniert mit einer Reihe von nicht börsennotierten Mittelstandsperlen.

 Berkshire Hathaways Portfolio (Quelle: http://warrenbuffettstockportfolio.com

Was das 13F-Formular nicht zeigt...
In Buffetts Portfolio befinden sich ja auch eine Menge an nicht-börsennotierten Unternehmen. So taucht die im Januar 2016 abgeschlossene 37-Milliarden-Dollar-Übernahme von Precision Castparts (PCP) in dieser Liste nicht auf, weil dieses Unternehmen nicht mehr an der Börse notiert ist. Ebenso verhält es sich mit den milliardenschweren Unternehmen Duracell (die er im Tausch für seine Procter & Gamble-Aktien erhielt), General Re, Berkshire Hathaway Energy (vormals MidAmerican Energy) oder der Eisenbahngesellschaft Burlington Northern Santa Fe (BNSF) sowie einer Vielzahl kleinerer Firmen, wie Nebraska Furniture, See's Candies oder dem Hamburger Motorrad-Zubehörhändler Detlev Louis, den Buffett 2015 erwarb.

Preferred Stocks
Darüber hinaus enthält Buffetts Portfolio einige sog. "Preferred Stocks" (nicht mit den deutschen Vorzugsaktien zu verwechseln). Diese Aktien enthalten Sonderrechte, die über die der allgemeinen Aktien hinausgehen, und werden daher eher als Hybrid-Instrumente angesehen, denn als Aktien.

▸ Bank of America
2011 stieg Buffett ein und zwar durch eine in zwei Teile strukturierte Transaktion. Für $5 Mrd. kaufte er "Cumulative Perpetual Preferred Stocks", die keine Laufzeitbeschränkung haben und jährlich 6% an Zinsen abwerfen. Sie können nicht in "Common Stocks" (Stammaktien) getauscht werden. Aber Warren Buffett wäre nicht Warren Buffett, gäbe es nicht den zweiten Part. Denn zusätzlich erhielt er "Warrants" (Wandeloptionen), die es ihm erlauben, bis September 2021 für $5 Mrd. BoA-Aktien zu kaufen und zwar zu einem festgelegten Preis von $7,14 je Aktie. Bei Ausübung dieser Option würde Buffett 6,5% an BoA übernehmen. Am 30.06. notierten die BoA-Aktien bei $13,27. In seinem 2014er Geschäftsbericht schrieb Buffett, er wolle die Optionen kurz vor Ende der Laufzeit wandeln und daher ist BoA objektiv betrachtet unter den sieben größten Positionen in Berkshires Portfolio.

▸ Dow Chemical
2008 stellte Buffett Dow Chemical $3 Mrd. für die Übernahme der Spezialchemiefirma Rohm & Haas Co. zur Verfügung und erhielt im Gegenzug Preferred Stocks, die eine jährliche Dividende von 8,5% ausschütten, oder $255 Mio. Dabei hat Dow Chemical das Recht, die Preferred Stcokks in ganz normale Aktien umzuwandeln, wenn ihr Aktienpreis für 20 Tage innerhalb einer Periode von 30 Tagen oberhalb von $53,72 schließt. Dabei würde Buffett 62,6 Mio. Stammaktien erhalten zu einem festgelegten Bezugspreis von $41,32. Was ihn zu einem der größten Aktionäre von Dow Chemical machen würde.

▸ Goldman Sachs
2008 bereits griff Buffett Goldman Sachs unter die Arme durch eine ebensolche in zwei Teile strukturierte Transaktion, die später auch als Blaupause für den BoA-Deal diente. Für $5 Mrd. kaufte er "Cumulative Perpetual Preferred Stocks" und "Warrants", die es ihm erlaubten, für $5 Mrd. Goldman Sachs-Aktien zu kaufen und zwar zu einem festgelegten Preis von $115 je Aktie. Doch fünf Jahre später stand die Aktie bereits bei $160 und beide Seiten einigten sich auf eine Lösung, die die Aktienzahl nicht zu sehr in die Höhe treiben und somit die Anteile der übrigen Aktionäre zu stark verwässern würde. Anstatt dass Buffett 43,5 Mio. Aktien zu $115 kaufte, übertrug ihm Goldman Sachs 13,1 Mio. Aktien - und zwar unentgeltlich. Netto lief das damals auf dasselbe Ergebnis hinaus. Die inzwischen nochmals auf rund 11 Mio. Aktien reduzierte Position in Buffetts Portfolio hat ihn also unter dem Strich keinen Penny gekostet!

Freitag, 17. Februar 2017

Empfehlungsliste

Performance seit Erstempfehlung inkl. Brutto-Dividenden. Das regelmäßige Update erfolgt jeweils zum Wochenende.














»Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.«, riet Immanuel Kant.
Also, denkt selbst! Diese Liste ist eine Anregung, mehr nicht. Sie dient dazu, dass Ihr Euch Eure eigenen Gedanken zu den Unternehmen macht, Euren eigenen Investment-Case erarbeitet. Dazu könnt Ihr gerne auf meine Einschätzungen zurückgreifen und gerne können wir über die einzelnen Positionen und das (Value) Investing diskutieren. Denn das ist der Grund, weshalb ich dieses Blog betreibe: ich möchte mit Euch ins Gespräch kommen, von Euch lernen. Ich möchte ein besserer Investor werden.


Historie der Transaktionen auf meiner Empfehlungsliste
Auf der Transaktionsliste finden Sie alle Aufnahmen und Streichungen auf meiner Empfehlungsliste seit Start des Blogs.


Investor-Update
Die Empfehlungsliste ist nicht zwangsläufig identisch mit meinem Investment-Portfolio, auch wenn  sie viele Überschneidungen aufweist. Im Investor-Update beschreibe ich daher in unregelmäßigen Abständen, wie die Entwicklungen bei den einzelnen Unternehmen sich in meinem Depot als Käufe, Verkäufe oder Umschichtungen niedergeschlagen haben.


RECHTLICHER HINWEIS NACH WPHG
Viele der in meinem Blog erwähnten Werte halte oder handle ich regelmäßig. Die in diesem Blog enthaltenen Beiträge sind meine persönliche Meinung und stellen weder eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar, noch sind sie als Beratungsleistung zu werten. Ich übernehme trotz aller Sorgfalt keine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen; sie beruhen auf Quellen, die ich für vertrauenswürdig und zuverlässig halte.

Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass der Handel mit Aktien, Optionsscheinen, Zertifikaten, Optionen und anderen Finanzprodukten mit grundsätzlichen Risiken verbunden ist und zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen kann. Gewinne der Vergangenheit können zukünftige Ergebnisse nicht garantieren.

Für Investitionen, die aufgrund meiner Aussagen getätigt werden, übernehme ich keinerlei Verantwortung. Jeder Anleger handelt auf eigenes Risiko und sollte sich von einem bankunabhängigen Experten beraten lassen, inwieweit die vorgestellten Wertpapiere zu seinem persönlichen Risikoprofil passen.

Donnerstag, 16. Februar 2017

Deutsche Rohstoff AG mit Gewinnwarnung: Mehr Risiken als Chancen?

Die Deutsch Rohstoff AG ist im Bereich der Exploration von Bodenschätzen aktiv und mischt bei Wolfram, Kupfer, Zinn, Seltenen Erden und Gold mit. Von ganz herausragender Bedeutung ist und bleibt jedoch das Öl-Business, das man über drei Töchter in den USA betreibt. Hieran knüpfen sich die größten Erwartungen und diese wurden nun massiv enttäuscht. Denn die DRAG gab heute eine Gewinnwarnung heraus.

Gewinnwarnung schockt die Anleger
Nach Vorliegen der ersten Entwürfe für die Jahresabschlüsse der US-Töchter und der Deutsche Rohstoff AG kam der Vorstand zu dem Schluss, dass sich die bisherigen Prognosen nicht einhalten lassen. Anstelle eines Konzerngewinns von €8 bis €10 Mio. wird der Konzernjahresüberschuss nach Steuern sogar leicht unter dem Vorjahresergebnis abschneiden und das lag bei €0,5 Mio. Der Kurs rauschte dank dieser Meldung zweistellig in den Keller.

Was ist passiert?
Es sind gleich mehrere Faktoren, die zu diesem negativen Effekt führen. Im Wesentlichen führt ein später als erwarteter Produktionsbeginn der Bohrungen in den USA im 4. Quartal 2016 zur Verschiebung der entsprechenden Umsätze in das Jahr 2017. Hieraus sind ja hohe Gewinnbeiträge zu erwarten da die DRAG zu knapp $30 fördern kann, der Ölpreis (WTI) seit längerer Zeit jedoch schon signifikant über der Marke von $50 notiert. Die Verschiebungen erzeugen also reale Umsatz- und Gewinneinbußen und sind keine Bewertungseffekte. Auch bei diesen war man von positiveren Effekte aus der Bewertung des Umlauf- und Anlagevermögens ausgegangen, als sich jetzt wohl einstellen werden. Zudem kann die Steuererstattung, die die Deutsche Rohstoff USA, Inc. als Muttergesellschaft der US-Töchter in Höhe von über $10 Mio. für 2016 erwartet, entgegen der ursprünglichen Annahme im Konzernabschluss nur zu einem geringen Teil zu einem Steuerertrag beitragen.

Weitere Risiken
Nach wie vor liegen die Preise für Edelmetalle am Boden und daher lauert hier auch die latente Gefahr, dass die DRAG bisweilen Abschreibungen auf den Wert ihrer Beteiligungen an den Töchtern Hammer Metals oder Almonty vornehmen muss. Der DRAG-Vorstand geht aktuell davon aus, dass "derzeit keine außerplanmäßigen Abschreibungen auf das Anlagevermögen" vorzunehmen sind. Im Rahmen der Abschlussprüfung könnten sich jedoch noch Effekte aus der Neubewertung einzelner Positionen ergeben, um bilanziellen Risiken Rechnung zu tragen.

 Deutsche Rohstoff AG (Quelle: finanzen.net
Was bedeutet das?
Die Werte der Beteiligungen haben keine monetären Auswirkungen auf die Bilanz, wirken sich allerdings natürlich schon auf den Jahresüberschuss aus, der ja das Ergebnis nach Bewertung darstellt. Hier ergeben sich aber überwiegend Änderungen, die mit den zugrunde liegenden Rohstoffpreisen schwanken. Ziehen diese an, sind auch die Beteiligungen mehr wert. Das Bewertungsergebnis ist also nicht der entscheidende Trigger.

Der Fokus sollte sich daher schwerpunktmäßig auf das US-Öl-Business richten und die Auswirkungen der Ergebnisse und die Zukunft der DRAG. Auch hier ist der unwesentlichste Faktor das Bewertungsergebnis, das nicht ganz so positiv ausgefallen  ist wie erwartet.

Gewichtiger sind die Steuererstattungen. Denn die DRAG hatte beim Verkauf ihrer damaligen Öl-Tochter Tekton Energy für mehr als $200 Mio. rund $38 Mio. an den US-Fiskus bezahlt und profitiert seit dem Re-Investieren des Geldes in neue Öl- und Gas-Förderprojekte in den USA von der Erstattung dieser Steuerzahlungen. Und diese finden auch statt und kommen der Deutschen Rohstoff zugute - nur schlagen sie eben nicht wie erwartet voll auf das Konzernergebnis durch, sondern sind wohl nur bei der US-Tochter Deutsche Rohstoff USA vollumfänglich bilanziell zu berücksichtigen. Die Steuern werden also erstattet und erzielen auch den erwarteten positiven Effekt bei den Kosten pro Bohrung, aber sie zeigen sich nicht im in vollem Umfang im Konzernergebnis der DRAG.

Und dann fallen natürlich die Projektverschiebungen stark ins Gewicht. Sie sollten ursprünglich noch im vierten Quartal 2016 ihre Auswirkungen hinsichtlich Umsatz und Ertrag beisteuern, diese unterblieben nun zu einem erheblichen Teil, weil man später startete. Ein Schlag in die 2016-Bilanz, aber beim Blick auf das große Ganze und die Aussichten der DRAG vernachlässigenswert.
Der 31.12. ist ein Bilanzstichtag, zu dem Gewinn- und Verlustrechnung und Bilanz erstellt werden. Für diese Zahlenwerke ist es also ganz entscheidend, ob Kosten oder Erlöse am 31.12. oder am 1.1. ihren Effekt erzeugen. Für das Unternehmen selbst hat dies nur eine marginale Bedeutung. Auf die Beurteilung, ob es erfolgreich ist und wie die Zukunftsperspektiven einzuschätzen sind, hat dies keinen Einfluss. Es gibt eine Reihe von Unternehmen, deren Geschäftsjahr zu Ende März, Ende Juni oder Ende September ändert. Dort wirkt sich der 31. Dezember nicht aus und die Projektverschiebungen auf das 1. Quartal 2017 hätte einen wesentlich kleineren Einfluss auf das Ergebnis.

Und das ist der wohl entscheidende Aspekt bei der Beurteilung der Situation. Während die Auswirkungen auf die 2016er-Bilanz deutlich und verheerend sind, haben sie auf das operative Geschäft und die Aussichten der DRAG keine großen Auswirkungen. Sicher, die Projektverschiebung bedeutet, dass für einige Wochen weder die erwarteten Umsätze und Gewinne erzielt wurden, und das ist nicht mehr auszuholen. Aber das Öl steckt im Boden und die DRAG wird es fördern. Die Umsätze und Gewinnbeiträge kommen also, nur eben einige Wochen verspätet. Dafür eben auch um diese Wochen länger.

Und bei den Töchtern läuft es hervorragend und man hatte hier kürzlich einige Erfolge vermelden können:

Salt Creek Energy: $550.000 Verkaufsgewinn innerhalb weniger Wochen
Salt Creek Energy, 90%ige Tochtergesellschaft der Deutschen Rohstoff, hat die am 22. November angekündigte Akquisition der Öl- und Gasproduktion in North Dakota abgeschlossen. Der Kaufpreis beträgt $38,1 Mio. Die Transaktion ist rückwirkend zum 1. September gültig und wird sich daher schon signifikant auf die DRAG-Zahlen für 2016 auswirken.

Erst im Juni und August 2016 erworbene 215 Acres entwickelte Flächen im sogenannten STACK Ölfeld, einem Teil des Anadarko Beckens in Oklahoma hat Salt Creek bereits zu $2 Mio. weiterverkauft, was zu einem Gewinn von $550.000 für Salt Creek führt.

In der Zwischenzeit hat Salt Creek außerdem ein Reservengutachten über die erworbenen Flächen von einem der führenden Unternehmen für unabhängige Reservenschätzungen für Öl- und Gasfirmen in den USA erstellen lassen. Der Barwert der Reserven beläuft sich bei einem Abzinsungsfaktor von 10% auf $50,4 Mio., von denen $31,1 Mio. auf die nachgewiesene Kategorie (proved) entfallen. Die übrigen Reserven verteilen sich auf wahrscheinliche (probable) und mögliche (possible) Reserven. Das Reservengutachten wurde auf Basis der Preisannahmen der BOK Financial, Stand Oktober 2016, für den WTI Ölpreis erstellt. Für die nächsten 5 Jahre geht das Gutachten von durchschnittlich $51,5 pro Barrel aus.

Cub Creek Energy: Fördermenge 49% über Plan
Cub Creek Energy (CCE), 80%ige Tochtergesellschaft der Deutschen Rohstoff, hat in den vergangenen vierzehn Tagen durchschnittlich 4.501 Barrel Öläquivalent pro Tag (boepd) von seinem Vail Bohrplatz gefördert (davon 3.875 Barrel Öl). Die Produktion von Öl lag damit um rund 26% höher als am 16. Dezember berichtet und rund 49% höher als geplant. Der Grund für die höhere Produktion in den letzten zwei Wochen liegt darin, dass der Leitungsdruck in der Gaspipeline, in die CCE einspeist, nachgelassen hat. An den meisten Tagen konnte CCE deshalb die Bohrungen mit voller Kapazität produzieren. Der 30 Tagesdurchschnitt liegt bei 4.009 boepd (Öl: 3.448 boepd).

Unterdessen hat CCE auch die Produktion vom Markham Bohrplatz aufgenommen. In den ersten 30 Tagen stabiler Produktion förderten die 12 Bohrungen, die CCE im 4. Quartal 2016 fertiggestellt hatte, 4.113 Barrel Öl-Äquivalent (davon 3.473 Barrel Öl). CCE geht davon aus, dass die Produktion in den kommenden Wochen weiter steigen wird. Anfängliche operative Probleme, die die Produktion etwas beeinträchtigt hatten, sind inzwischen behoben. Der durchschnittliche Anteil von CCE an den Bohrungen liegt bei 74%.

Cub Creeks gesamte Öl- und Gasproduktion belief sich im Januar auf 240.000 Barrel Öl-Äquivalent bzw. 192.000 Barrel Öl. Der auf Cub Creek entfallende Umsatz nach Abzug von Royalties und Produktionssteuern lag im Januar bei ungefähr $7 Mio., der durchschnittlich erzielte Ölpreis bei $52,61 pro Barrel. Die Förderraten liegen mehr als 30% über den Erwartungen und steigen weiter an. Zusammen mit den sehr erfolgreichen Vail-Bohrungen, deren Ergebnisse 49% über den Erwartungen liegen, hat Cub Creek im Januar über 7.700 Barrel Öl-Äquivalent pro Tag produziert. Die beiden anderen US-Beteiligungen der Deutsche Rohstoff, Elster Oil & Gas (DRAG-Anteil: 93%) und Salt Creek Oil and Gas (DRAG-Anteil 90%), produzierten zusammen deutlich mehr als 1.000 Barrel Öl-Äquivalent pro Tag im Januar.

Elster Oil & Gas: Royalties-Verkauf bringt $1,56 Mio. Zusatzgewinn
Elster Oil & Gas (EOG), 93%ige Tochter der Deutschen Rohstoff, hat ihre Umsatzbeteiligungen (sog. "Mineral Royalties") an verschiedenen Bohrungen in der Nähe des Ortes Windsor veräußert. Diese Royalties lagen bei der 100%igen Tochter von EOG, der Diamond Valley LLC, auf deren Flächen der Inhaber der Leases neun Bohrungen niedergebracht hat. Diese Bohrungen produzierten seit Juli. EOG erhielt einen Anteil an den Umsätzen dieser Bohrungen, musste aber nicht mit investieren und auch nicht die laufenden Kosten mittragen. Die Royalties waren ursprünglich Teil der Flächen von Tekton Energy, die die DRAG 2014 für einen dreistelligen Millionenbetrag mit großem Gewinn veräußert hatte, bevor der Ölpreis von über $100 auf $25 abstürzte.

Zusätzlich zu dem Veräußerungserlös von für $1,56 Mio. sind EOG in den vergangenen Monaten bereits Umsätze in Höhe von $400.000 zugeflossen. Da den Flächen kein aktivierter Bilanzwert gegenübersteht, wird der Veräußerungserlös vollständig als Gewinn realisiert.

Meine Einschätzung
Die Gewinnwarnung hat die Anleger auf dem falschen Fuß erwischt und das Vertrauen in die Prognosefähigkeit des Managements erschüttert. Das ist nicht wegzudiskutieren und wird auch noch länger nachwirken. Auf der anderen Seite sind die Auswirkungen zwar für die 2016er-Konzernbilanz erheblich, für das Business der DRAG aber eigentlich kaum. Man fördert immer mehr Öl und das mit einem Gewinnanteil zwischen $15 und $10 je Barrel, je nach Stand des WTI-Ölpreises. Die Gewinne werden sich im Verlauf der Jahre 2017 und 2018 in großem Umfang einstellen und ob darüber hinaus weitere Gewinne zu erwarten sind, hängt auch von der Entwicklung des Ölpreises ab und davon, ob die DRAG im Anschluss an ihr bestehendes Bohrprogamm weitere auflegt. Oder ob sie, wie 2014 zum Hochpunkt der Ölpreise, eine oder mehrere ihrer US-Öl-Gesellschaften mit hohem Gewinn verkauft und so anstelle stetiger Gewinne einen außergewöhnlich hohen Einmalgewinn erzielt.

Während diese Optionen noch in den Sternen stehen, liegen die Fakten weiter klar vor uns: Die DRAG fördert erfolgreich Öl und 2017 wird dies zu hohen Gewinnen führen. Das hinter uns liegende Jahr 2016 verlief bilanztechnisch enttäuschend, aber es wurden die entscheidenden Weichen für Erfolge in den nächsten Jahren gelegt. Und vom heutigen Standpunkt aus ist der Kursabsacker bei der DRAG daher eine hervorragende Kaufgelegenheit. Die Aussage des Managements, dass es auch wieder eine Dividende für 2016 geben wird, die auf Vorjahreshöhe von €0,55 je Aktie gehalten werden soll, dürfte künftig auch für etwas Beruhigung sorgen. Denn die DRAG hatte sich als zuverlässiger Dividendenzahler positionieren wollen und zumindest dieses Ziel hat man auch in 2016 bereits erreicht. Die übrigen finden eben ein wenig später statt. Aber sie finden statt. Und das ist die wichtigste Botschaft.

Ich habe heute morgen bei €22,15 meinen DRAG-Bestand noch etwas aufgestockt, so dass sie weiterhin die zweitgrößte Position in meinem Depot ist. Auf meiner Empfehlungsliste habe ich die DRAG bereits seit Mitte 2014.


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ERGÄNZUNG VOM 16.02.2017, 21:15

DRAG-Töchter Cub Creek und Elster steigern Wert der Öl- und Gasreserven um 120 Prozent

Nachbörslich gab die Deutsche Rohstoff AG aktualisierte Bewertungen für die Öl- und Gasvorkommen ihrer beiden US-Töchter Elster Oil & Gas und Cub Creek Energy bekannt. Demnach hat sich der "Wert der sicheren und wahrscheinlichen Öl- und Gasreserven seit der letzten Neuberechnung im Mai 2016 mehr als verdoppelt. Der Barwert der Reserven, (künftiger Cash-Flow abgezinst mit 10%, sogenannter PV10), beläuft sich in Summe für CCE und EOG jetzt auf $162 Mio. für die sicheren Reserven und auf $94,1 Mio. für die wahrscheinlichen Reserven. Die Berechnung des Reservenwertes erfolgte anhand der Terminkurve für US-Öl und Erdgas am 31. Dezember 2016. Der Reservenbericht wurde von Ryder Scott erstellt (www.ryderscott.com), einem der renommiertesten Unternehmen in den USA für die Erstellung entsprechender Gutachten. Der starke Anstieg des Wertes, insbesondere der sicheren Reserven, resultierte aus höheren Öl- und Gaspreisen, einem Anstieg der sicheren Reserven um 20% und höheren wirtschaftlichen Anteilen an vielen Bohrungen von Cub Creek. Darüber hinaus umfasst der Bericht nun auch Bohrungen auf den Flächen, die Cub Creek im August 2016 erworben hat."

Meine Einschätzung
Nachdem sich Projekte aus dem vierten Quartal 2016 ins erste Quartal 2017 verschoben hatten mit entsprechend negativen Auswirkungen auf die GuV sowie die Konzernbilanz (s.o.) sind die neuen Reservenbewertungen ein Beleg dafür, dass die DRAG dennoch richtig gut unterwegs ist. Die Umsätze und Gewinne werden ab dem Geschäftsjahr 2017 geradezu explodieren und der Börsenkurs dürften dank der dann erkennbar viel zu niedrigen Bewertung seinen Aufwärtstrend wieder aufnehmen. Unter der Annahme stabiler Ölpreise jenseits der $50 (WTI) erwarte ich bis zum Jahresende einen Aktienkurs von über €35.


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ERGÄNZUNG VOM 20.02.2017, 14:45

First Berlin hebt nach Gewinnwarnung und erhöhter Reservenbewertung Kursziel auf €34

"Am 16. Februar veröffentlichte DRAG eine Ende Dezember datierte Reservenbewertung in Bezug auf ihre zwei wertvollsten Öl- und Gastochtergesellschaften - Cub Creek Energy und Elster Oil & Gas, die eine 120%-ige Wertsteigerung im Vergleich zur letzten Bewertung vom Ende April 2016 aufwies. Zudem liegt die neueste Bewertung $45Mio. oder 21% oberhalb der Bewertung der Tochtergesellschaften, die wir in unserer jüngsten Studie vom 12. Dezember veröffentlichten. Am Tag vor der Ankündigung der aktualisierten Reservenbewertung, passte DRAG ihre bisherige Prognose zum Konzernjahresüberschuss 2016 (Gewinn vor Minderheitsanteilen) von €8-10Mio. nach unten an. Die neue Guidance lautet 'leicht unterhalb des Vorjahresergebnisses (€0.5Mio.)'.

Die Hauptgründe für die Anpassung der Guidance sind der später als erwartete Produktionsbeginn der Bohrungen in den USA im 4. Quartal 2016 und ein unerwartet hoher Steueraufwand in Zusammenhang mit der Bildung latenter Steuerverbindlichkeiten. Die in 2016 ausgefallene Öl- und Gasproduktion wird in 2017 erfolgen, und der latente Steueraufwand ist nicht zahlungswirksam. Deswegen hat die Steigerung der Reservenbewertung eine viel größere Auswirkung auf unser Kursziel. Wie sehen den fairen Wert der DRAG-Aktie nunmehr bei €34,0 (vorher €31,0) und behalten unsere Kaufempfehlung bei".

▸ zur Studie

Mittwoch, 15. Februar 2017

Indus finanziert den deutschen Mittelstand

▸ Kissigs Kolumne vom 1. August 2016, Aktien Magazin 20/2016 

Wer meine Kolumne regelmäßig liest weiß, dass ich ein großer Freund mittelständischer Unternehmen und aufgrund dessen auch deutscher Beteiligungsgesellschaften bin. Das hat handfeste Gründe, denn „Made in Germany“ ist weltweit gesucht, insbesondere in Asien haben deutsche Unternehmen, und Produkte einen hervorragenden Ruf. Und unsere Ingenieurskunst. Der deutsche Mittelstand ist das Rückgrat unserer Wirtschaft und die ganze Welt beneidet uns hierum. Und was nur wenige wissen: rund 90 Prozent aller Arbeitsplätze stellen kleine und mittlere Betriebe in Deutschland.

Was liegt also näher, als sich am diesem erfolgreichen Mittelstand zu beteiligen, dessen innovative und erfolgreiche Macher für sich selbst arbeiten zu lassen? Eigentlich nichts. Außer, dass nur wenige Mittelständler an der Börse gelistet sind und somit dem breiten Publikum als Anlagemöglichkeit zur Verfügung stehen. An dieser Stelle kommen börsennotierte Beteiligungsgesellschaften ins Spiel, denn über den Kauf von deren Aktien haben Anleger die Chance, sich an den im Portfolio befindlichen Tochterunternehmen zu beteiligen und somit indirekt an deren Erfolg teilzuhaben.

Indus beteiligt sich langfristig
Eine der bekanntesten und erfolgreichsten Beteiligungsgesellschaften auf dem deutschen Kurszettel ist die im deutschen Nebenwerteindex SDAX notierte Indus Holding AG. Anders als Private Equity Firmen, beteiligt sich Indus langfristig an den Unternehmen, um sie im Bestand zu entwickeln, ihre Potenziale zu heben und einen positiven Cashflow zu generieren.

Indus wurde mit inzwischen mehr als 40 Beteiligungstöchtern über die Jahre zu einem Mittelstandskonzern und weist inzwischen eine Börsenkapitalisierung von 1 Milliarde Euro und einem jährlichen Konzernumsatz von 1,3 Milliarden Euro auf. Von der grundsätzlichen Geschäftsidee ähnelt man einer Berkshire Hathaway Warren Buffets, auch wenn Indus keinen Fokus auf Versicherungen, Finanzwesen oder Energieerzeugung legt.

Auf der Suche nach Hidden Champions
Indus investiert in sogenannte Hidden Champions, die in interessanten Nischenmärkten aktiv und innerhalb ihrer jeweiligen Märkte führend sind. Die Unternehmen operieren eigenständig und Indus konzentriert die eigenen Aufgaben auf Controlling, Rechnungswesen und Finanzierung. Dabei ist der Indus-Konzern in fünf Sparten tätig: Bau und Infrastruktur, Fahrzeugtechnik, Maschinen- und Anlagebau, Medizin und Gesundheitstechnik und Metalltechnik. Also genau den Wirtschaftsbereichen, in denen der deutsche Mittelstand sich über Jahrzehnte hinweg eine weltweite Führungsrolle erarbeitet hat. Dabei legt sich Indus nicht auf Deutschland fest, sondern begleitet seine Unternehmen auch bis mit nach Asien, um sich dort Zukunftsmärkte zu erschließen.

Die langfristige Ausrichtung des Unternehmens zeigt sich auch daran, dass man bei Indus nicht von Quartal zu Quartal denkt, sondern in mehrjährigen Zyklen. So wird den Tochterunternehmen die Zeit gegeben, sich solide zu entwickeln und sich bietende Chancen auch wahrnehmen zu können, ohne vierteljährig Erfolge vorweisen zu müssen. Hier gleicht Indus also anderen Beteiligungsgesellschaften wie der Deutschen Beteiligung, Gesco oder MBB.

Der Gewinn liegt im Einkauf
Eine alte Kaufmannsregel lautet: „Der Gewinn liegt im Einkauf“ und das stellt momentan eine große Schwierigkeit dar. Denn einerseits leiden alle unter der historisch niedrigen Zinslandschaft und daher drängt immer mehr Kapital in Unternehmen, um überhaupt noch Renditen zu erwirtschaften. Und dieser Trend wird noch durch das verstärkte Auftreten chinesischer Käufer angeheizt, die für deutsche Mittelstandsunternehmen auch Mondpreise zu zahlen bereit sind, wie die Kuka-Übernahme aktuell zeigt. In diesem Umfeld ist es für Beteiligungsgesellschaften leichter, Tochterunternehmen gewinnbringend zu veräußern, als selbst interessante Neuerwerbungen tätigen zu können. Allerdings hat Indus hier einen großen Vorteil auf ihrer Seite: viele deutsche Mittelständler stehen vor Nachfolgeproblemen. Erfolgreiche Gründer und Macher kommen ins Rentenalter und möchten ihr Lebenswerk weitergeben. Doch immer seltener finden sich in der eigenen Familie geeignete Nachfolger, die das Unternehmen zu übernehmen und zu führen bereit sind. Geld wird gerne genommen, aber die Verantwortung für Betrieb und Mitarbeiter wird oft gescheut. Oder passt nicht in die eigene Lebensplanung. Und so kommen in Deutschland inzwischen pro Jahr rund 22.000 kleine und mittlere Betriebe auf den Markt, für die mittelständische Beteiligungsholdings wie Indus eine zukunftsfähige neue Heimat darstellen können.

Klare Kaufkriterien
Eine weitere Parallele zu Warren Buffett findet sich bei den Kaufkriterien, die Indus vorgibt. Infrage kommen nur Unternehmen, die eine geringe Verschuldung aufweisen und eine breite Abnehmerstruktur, damit der Ausfall eines einzelnen Kunden keine existenzbedrohlichen Auswirkungen haben kann. Dann muss es ein stabiles Geschäftsmodell und eine gute Position in einer Nische haben, also weniger Wettbewerber und damit die Aussicht auf höhere Margen. Und Indus orientiert sich mehr am Cash-Flow als am Gewinn, da der Cash-Flow bilanztechnisch weniger leicht zu beeinflussen ist und daher stärker zeigt, was tatsächlich in der Kasse bleibt.

Diese Kriterien sollten auch Anleger an ihre jeweiligen einzelnen Aktieninvestments legen, denn sie versprechen ein verringertes Risiko bei erhöhten Chancen, die mittel- und langfristig erfolgreicheren Unternehmen herauszupicken. Anstatt sich diese Arbeit jeweils immer selbst zu machen und endlos viele und lange Geschäftsberichte studieren zu müssen, kann man also getrost auf ausgesuchte und schon länger erfolgreiche deutsche Mittelstandsholdings setzen.

Gewinn steht nicht an erster Stelle
Der Indus-Konzern bildet einen Querschnitt des deutschen Mittelstands ab und daher hat man auch ähnliche Wachstumsraten vorzuweisen. Allerdings gibt es zwei entscheide Abweichungen, denn die Tochterunternehmen profitieren vom Konzernverbund durch günstigere Finanzierungsmöglichkeiten, Know-how der Mutter und durch Synergien zwischen den einzelnen Unternehmen. Und dann Gelingt es Indus immer wieder, besonders günstige Schnäppchen zu machen oder auch mal das eine oder andere Tochterunternehmen besonders lukrativ zu verkaufen. Hieraus ergeben sich Bewertungsgewinne, die letztlich dem Aktienkurs, der Dividende und den Aktionären zugutekommen. Und auch bei der Auswahl der einzelnen Unternehmen und Branchen hat Indus immer wieder ein glückliches Händchen bewiesen, denn die erzielte durchschnittliche Marge ist für ein Industriekonglomerat durchaus sehenswert.

Erfolgspfad soll weiter beschritten werden
Indus verfolgt das Ziel, eine EBIT-Marge von mindestens 10 Prozent zu erwirtschaften und aktuell liegt man mit 10,5 Prozent sehr gut im Plan. Dabei schüttet Indus bisher rund 42 Prozent der Gewinne als Dividende aus, kann sich allerdings auch vorstellen, ein Teil dieser Gelder lieber in Zukäufe zu stecken, anstatt die Dividende anzuheben.

Risiken beachten
Wo sich Chancen bieten, entstehen auch Risiken und ein so breit aufgestellter Konzern wie Indus hat natürlich auch Problemzonen. So ist der VW-Skandal nicht spurlos an Indus vorübergegangen, denn die Indus-Gruppe erzielt 7 Prozent ihres Umsatzes mit dem VW-Konzern. Insofern sind die erstaunlich robusten Absatzzahlen der VW-Marken durchaus beruhigend für Indus-Aktionäre. Des Weiteren haben das schwache Russlandgeschäft und der starke Schweizer Franken das Ergebnis im letzten Jahr belastet – ein mögliches Ende der Russlandsanktionen steht dem als zusätzliche Chance gegenüber. Und auch die Schwellenländer weisen derzeit eher eine verhaltene Dynamik auf, die bei einer Aufhellung der globalen Konjunktur schnell an Fahrt gewinnen könnte.

Attraktives Chance-Risiko-Verhältnis
Unter dem Strich hat Indus also im 2015-Abschluss und in den 2016er Prognosen eine Menge an möglichem Ungemacht berücksichtigt, so dass größere Überraschungen ausbleiben sollten. Der Aktienkurs notiert aktuell gut 15 Prozent unterhalb seines Allzeithochs aus dem Jahr 2015 von rund 50 Euro und langfristig orientierte Anleger sollten Indus auf die Watchlist nehmen. Bis 45 Euro kann man hier zu attraktiven Kursen einsteigen, allerdings kann es aufgrund der saisonalen Gegebenheiten auch noch einmal Kurse von unter 40 Euro geben, wenn es wieder zu einer Herbstkorrektur an den Weltbörsen kommen sollte. Wer - so wie ich -  nicht viel auf Market-Timing und das Suchen nach dem perfekten Einstiegszeitpunkt gibt, sondern sich lieber an soliden und aussichtsreichen, attraktiv bewerteten Unternehmen beteiligt, kann auch jetzt schon beherzt zugreifen und sich so seinen eigenen Teil am deutschen Mittelstand und dessen Zukunftschancen sichern.

Dienstag, 14. Februar 2017

Mache es lieber einfach statt kompliziert

Value Investing, das wertorientierte Investieren, kommt ohne komplizierte mathematische Formeln aus, es setzt vielmehr auf den gesunden Menschenverstand und Geduld. Je einfacher und langweiliger das Geschäftsmodell ist, desto interessanter ist es grundsätzlich für Value Investoren. Man kauft Anteile an soliden Unternehmen, die von ehrlichen und fähigen Leuten geführt werden und das zu einem Kurs, der unterhalb des fairen Wertes liegt, also das Gewinnpotenzial des Unternehmens (noch) nicht widerspiegelt.

»Wenn ein Unternehmen gut läuft, wird die Aktie letztendlich folgen.«
(Warren Buffett)

Warren Buffett ist der Überzeugung, dass man sich weder mit Marktprognosen noch mit Charts aufhalten sollte, sondern vor allem mit dem Lesen der Geschäftsberichte der Unternehmen. Da steht alles drin, was ein Value Investor über das Unternehmen wissen muss und dort findet er die Zahlen und Daten, die er für die Bewertung des Unternehmens und die Ermittlung von dessen fairen Wert benötigt. Und er rät, Geld nur in Unternehmen zu investieren, deren Geschäft man auch versteht.

»Man sollte sein Geld in Unternehmen stecken, die auch ein absoluter Vollidiot leiten könnte. Denn irgendwann wird unweigerlich genau das passieren.«
(Peter Lynch)

Machen Sie's wie Warren Buffett, machen Sie's nicht unnötig kompliziert. Intelligentes Investieren ist keine Wissenschaft, es ist solides Handwerk anhand einiger weniger, aber wichtiger Regeln. Man muss nicht zaubern können, um langfristig an der Börse Geld zu verdienen.

Börsenkurse steigen langfristig an
Dabei sollte man sich (auch) nicht mit der Suche nach dem perfekten Timing beschäftigen, dem besten Zeitpunkt für einen Einstieg. Denn langfristig macht es kaum einen Unterschied, zu welchem Zeitpunkt man in Aktien investiert hat, langfristig steigen die Kurse schier unaufhaltsam an. Der ökonomische Fortschritt, das Wachstum der Weltbevölkerung und der (auch deshalb) global zunehmende Wohlstand, schlagen sich in der Kursentwicklung nieder.

»Die beste Zeit für die Geldanlage ist dann, wenn man Geld hat. Die Geschichte deutet nämlich darauf hin, dass nicht der Zeitpunkt zählt, sondern die Zeit.«
(Sir John Templeton)

 Quelle: tradingeconomics.com

Insbesondere der Chartverlauf des Dow Jones Index über die letzten hundert Jahre zeigt die Entwicklung sehr deutlich an. Die ganz kleine Delle ziemlich weit links ist übrigens "der große Crash" von 1929 mit der sich anschließenden Weltwirtschaftskrise.

»Langfristig werden die Aktienmärkte für gute Nachrichten sorgen. Im 20. Jahrhundert durchlebten die USA zwei Weltkriege und weitere traumatische und teure militärische Konflikte, eine Depression, mehrere Rezessionen, Börsenpaniken, Ölschocks, Virenpandemie und den Rücktritt eines Präsidenten. Dennoch stieg der Dow Jones von 66 auf 11497.«
(Warren Buffett)

Daraus können wir lernen, dass für den nachhaltigen Börsenerfolg das Market-Timing einen geradezu zu vernachlässigenden Faktor darstellt, während eine andere Charaktereigenschaft ganz wesentlich zum Erfolg beiträgt: Geduld, die nach Benjamin Graham "oberste Tugend des Investors".

Anleger sollten also auf die einfachen, unkomplizierten Unternehmen setzen und dann die nötige Muße aufbringen, bis diese sich positiv entwickeln. Den Fortschritten im operativen Geschäft werden die Aktienkurse fast unweigerlich folgen.