Montag, 27. März 2017

Börsenweisheit der Woche 13/2017

"Es werden mehr Vermögen durch jahrelanges Sitzen auf guten Wertpapieren gemacht als durch ständiges Handeln".
(Philip Carret)

Sonntag, 26. März 2017

Verbilligen oder Verluste begrenzen?

Unter Verbilligen versteht man das Ausbauen einer bestehenden Position zu niedrigeren Einstandskursen. Nach dem ersten Kauf der Werte ist der Kurs also gesunken und in der Bilanz weist die Position ein Minus aus. In dieser Situation das Engagement auszubauen, reduziert den durchschnittlichen Einstandskurs, weshalb man eben von Verbilligen spricht.

Gegner dieser Art der Depotgestaltung sind vor allem jene, die sich strikt an Stopp-Loss-Kursen orientieren. Ihre Maxime lautet oft "Verluste begrenzen, Gewinne laufen lassen". Für Trader geradezu eine elementare Einstellung, aber auch für traditionelle Value-Investoren steht der Kapitalerhalt an erster Stelle. Also eine klare Sache, sollte man meinen, denn der Volksmund sagt ja nicht umsonst, man solle schlechtem Geld kein gutes hinterher werfen... Könnte dennoch etwas für ein Verbilligen sprechen?

»Es ist ganz einfach unsinnig, sich auf Stopp-Orders als Absicherung gegen Kursverfälle zu verlassen, ebenso wie auf künstlich gesetzte Kursziele in Aufwärtsphasen. (...) Bleiben Sie dran und sehen Sie zu, was passiert. Solange die ursprünglichen Bedingungen weiterhin gültig sind oder sich sogar verbessern - und Sie werden in einigen Jahren über die Ergebnisse erstaunt sein.«
(Peter Lynch)

Setzt man voraus, dass der Anleger weiß, was er tut (er ist bei seinem Kauf also nicht dem neusten Börsentipp aus der Zeitung oder einem obskuren Börsenbrief hinterher gehechelt, sondern hat sich seine eigenen Gedanken gemacht), dann hat der Value-Investor einen fairen Wert für ein Unternehmen ermittelt. Er ist eingestiegen, als der Aktienkurs unter diesem Wert notierte und eine zusätzliche ausreichende Sicherheitsmarge beinhaltete. Sofern sich an den Fakten zum Unternehmen und der Einschätzung des Investors nichts geändert hat, wäre es geradezu fahrlässig von ihm, nicht weitere Anteile zu noch günstigeren Kursen zuzukaufen!

Als Warren Buffett in die Washington Post investierte, fiel der Kurs zunächst um gut 50 Prozent, bevor er massiv an Wert gewann und ihn zum Milliardär machte. Ebenso verhielt es sich bei einigen anderen seiner Engagements.

Peter Lynch, der erfolgreichste Fondsmanager der 1980er Jahre scheibt in seinem Buch "Der Börse einen Schritt voraus": "Solange Sie nicht von der These überzeugt sind: 'Wenn ich 25 Prozent im Minus liege, bin ich Käufer', und den fatalen Gedanken: 'Wenn ich 25 Prozent im Plus liege, bin ich Verkäufer', für immer aus ihrem Denken verbannen, werden Sie mit Aktien nie einen anständigen Gewinn machen". Wie auch Buffett ist Lynch ein langfristig orientierter Anleger und nutzt Kursabschläge konsequent aus, um seine Position zu vergrößern - sofern die Daten (noch) stimmen und der Investmencase intakt ist.

»Du wirst Deine Ergebnisse nicht verbessern, indem du die Blumen ausreißt und das Unkraut gießt.«
(Peter Lynch)

Nach Kursverlusten weitere Aktien zuzukaufen, ist also für langfristig orientierte Value Investoren mit ihrem Buy & Hold-Ansatz erfolgversprechend. Denn die aktuellen Kursbewegungen der Aktien sind nicht der Indikator dafür, wie sich der fundamentale Wert des Unternehmens entwickelt. Die Kurse setzt "Mr. Market" fest, Benjamin Grahams imaginärer manisch-depressiver Freund, den er in seinem Standardwerk "Intelligent Investieren" beschreibt und der jeden Tag entsprechend seiner jeweiligen Laune willkürlich Kurse aufruft. Erfolgversprechend erscheint, Aktien dann umzuschichten, wenn sich der Kurs in Bezug auf die fundamentalen Daten verändert hat. Wenn also die Aktie sich so gut entwickelt hat, dass der Kurs dem inneren Wert nahe kommt oder gar schon darüber liegt, dann sollte man die Aktie verkaufen - und ggf. auf niedrigere Kurse warten, um später wieder einzusteigen, wenn der Kurs unter dem inneren (fairen) Wert notiert und zusätzlich die nötige Sicherheitsmarge aufweist. Oder wenn sich die Unternehmensdaten oder -aussichten deutlich verschlechtert haben.

Nachkaufen bzw. Aufstocken einer bestehenden Position ist ebenfalls dann lukrativ, wenn sich die fundamentalen Unternehmensdaten und/oder die Geschäftsaussichten deutlich verbessert haben und der Aktienkurs dies noch nicht eskomptiert hat. Die Sicherheitsmarge ist also noch vorhanden und trotz des gestiegenen Kurses notiert die Aktie unter ihrem fairen Wert. Dann sollte, nein muss, man seine Position aufstocken!

Und auf die Frage, ob man mit einer solchen Strategie und ggf. einem dicken Minus im Depot gut schlafen kann, antworte ich mit einem klaren Ja. Denn dass heute die Börse und die anderen Marktteilnehmer noch nicht erkannt haben, was in meinem Depot für Perlen schlummern, ist ja nicht mein Fehler, sondern der ihre. Ich gebe mich lieber der Vorfreude hin auf die Tage, an denen die Börse den fairen Wert der Unternehmen in meinem Depot erkennt - und sich mein Engagement in steigenden Kursen auszahlt.

Freitag, 24. März 2017

Empfehlungsliste

Performance seit Erstempfehlung inkl. Brutto-Dividenden. Das regelmäßige Update erfolgt jeweils zum Wochenende.














»Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.«, riet Immanuel Kant.
Also, denkt selbst! Diese Liste ist eine Anregung, mehr nicht. Sie dient dazu, dass Ihr Euch Eure eigenen Gedanken zu den Unternehmen macht, Euren eigenen Investment-Case erarbeitet. Dazu könnt Ihr gerne auf meine Einschätzungen zurückgreifen und gerne können wir über die einzelnen Positionen und das (Value) Investing diskutieren. Denn das ist der Grund, weshalb ich dieses Blog betreibe: ich möchte mit Euch ins Gespräch kommen, von Euch lernen. Ich möchte ein besserer Investor werden.


Historie der Transaktionen auf meiner Empfehlungsliste
Auf der Transaktionsliste finden Sie alle Aufnahmen und Streichungen auf meiner Empfehlungsliste seit Start des Blogs.


Investor-Update
Die Empfehlungsliste ist nicht zwangsläufig identisch mit meinem Investment-Portfolio, auch wenn  sie viele Überschneidungen aufweist. Im Investor-Update beschreibe ich daher in unregelmäßigen Abständen, wie die Entwicklungen bei den einzelnen Unternehmen sich in meinem Depot als Käufe, Verkäufe oder Umschichtungen niedergeschlagen haben.


RECHTLICHER HINWEIS NACH WPHG
Viele der in meinem Blog erwähnten Werte halte oder handle ich regelmäßig. Die in diesem Blog enthaltenen Beiträge sind meine persönliche Meinung und stellen weder eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar, noch sind sie als Beratungsleistung zu werten. Ich übernehme trotz aller Sorgfalt keine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen; sie beruhen auf Quellen, die ich für vertrauenswürdig und zuverlässig halte.

Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass der Handel mit Aktien, Optionsscheinen, Zertifikaten, Optionen und anderen Finanzprodukten mit grundsätzlichen Risiken verbunden ist und zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen kann. Gewinne der Vergangenheit können zukünftige Ergebnisse nicht garantieren.

Für Investitionen, die aufgrund meiner Aussagen getätigt werden, übernehme ich keinerlei Verantwortung. Jeder Anleger handelt auf eigenes Risiko und sollte sich von einem bankunabhängigen Experten beraten lassen, inwieweit die vorgestellten Wertpapiere zu seinem persönlichen Risikoprofil passen.

MBB im Geldrausch: 3.000 Prozent Plus durch Aumann-IPO

Die MBB-Tochter Aumann AG ging heute an die Börse. Aumann ist ein weltweit führender Hersteller von innovativen Spezialmaschinen und automatisierten Fertigungslinien mit Fokus auf Elektromobilität. Das Unternehmen verbindet einzigartige Wickeltechnologie zur hocheffizienten Herstellung von Elektromotoren mit jahrzehntelanger Automatisierungserfahrung, insbesondere in der Automobilindustrie. Weltweit setzen führende Unternehmen auf Lösungen von Aumann zur Serienproduktion rein elektrischer und hybrider Fahrzeugantriebe, sowie auf Lösungen zur Fertigungsautomatisierung.

Angeboten wurden aus einer Kapitalerhöhung 1,5 Mio. Aktien zur Wachstumsfinanzierung im Bereich E-Mobility und zusätzlich stellt Großaktionär MBB im Wege einer Umplatzierung 4,48 Mio. Aktien inklusive Mehrzuteilungsoption zur Verfügung. MBB bleibt also auch nach dem Börsengang mit 53,6% Mehrheitsaktionär, während der Streubesitz nach dem IPO nun 46,4% beträgt. Denn wie MBB mitteilte, war die Emission mehrfach überzeichnet und die Aktien wurden zu 42€ am oberen Ende der Bookbuildingspanne zugeteilt. Inkl. der Mehrzuteilungsoption. Aumann flossen aus der Emission brutto 63 Mio.€ zu, der Rest ging an die Altaktionäre.

Aumann-Kursfeuerwerk erfreut auch MBB
Kurz nach der Aufnahme der Notiz an der Frankfurter Börse schoss der Aumann-Kurs auf 49€ hoch, was zu einer Bewertung von 686 Mio.€ führt. Für MBB ergeben sich hieraus gleich mehrere positive Nachrichten. Denn MBB erzielte einen Bruttoemissionserlös von 175,9 Mio. € und hält weiterhin die Mehrheit von 53,6% an der Aumann AG. Zur Erinnerung: die Aumann AG entstand aus dem Zusammenschluss der MBB Fertigungstechnik (MFT) und der Aumann-Gruppe. Für die MFT hatte MBB 2012 in Summe rund 31 Mio.€ bezahlt, wobei 29 Mio.€ in der Kasse lagen. Und für den 75%-Anteil an Aumann hat man dem Vernehmen nach rund €19 Mio. bezahlt. Also in Summe zwischen 16 und 17 Mio.€ für alle von MBB gehaltenen Anteile. Rechnet man nun die Bruttoemissionserlös von 176 Mio.€ zum MBB-Anteil von 53,6% an der Aumann-Gruppe auf Basis des Aktienkurses von 49€, also 367,7 Mio.€, stehen für MBB nun gut 543 Mio.€ an Börsenwert und Emissionserlös gegen die aufgewendeten 17 Mio.€. Das ist also ein Zuwachs von gut 3.000 Prozent!

 MBB SE (Quelle: finanzen.net
Natürlich hinkt diese Rechnung, denn MBB hat ja in den vergangenen Jahren auch kräftig in die MFT und auch schon in Aumann investiert. Andererseits haben beiden Unternehmen auch bereits signifikante Ergebnisbeiträge bei der MBB abgeliefert. Als Überschlagsrechnung dürfte die Aufstellung aber allemal reichen. Und verdeutlichen, was für einen grandiosen Job die MBB-Verantwortlichen um CEO Christoph Nesemeier und AR-Chef Gerd Maria Freimuth hier seit Jahren abliefern.

Meine Einschätzung
Bei MBB richten sich nun die Augen auf die Frage, was das Unetrnehmen mit dem vielen Geld anfangen wird, also ob es gelingt, neue interessante Beteiligungen für das viele Geld zu finden. Eine Ausschüttung an die Aktionäre scheint mir kaum vorstellbar, dafür würde man sich nicht von Aumann-Anteilen trennen, sondern die 90%-Tochter lieber weiter mit diesem Anteil im Konzern behalten. Gelingt MBB-CEO Nesemann ein weiterer Coup wie bei der Übernahme der Claas Fertigungstechnik oder der Aumann-Gruppe, könnten schon bald dreistellige Kurse winken. Ansonsten dürfte es dank des starken Wachstums bei Aumann und der soliden Entwicklung bei allen übrigen MBB-Konzerngesellschaften wohl spätestens 2018 soweit sein.

MBB befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und als eines meiner großen Ankerinvestments in meinem Depot. Und Aumann nehme ich wie angekündigt ebenfalls auf die Empfehlungsliste - bei der Neuemission selbst kam ich ja nicht zum Zug, aber im vorbörslichen Handel bei Tradegate habe ich bei knapp über 44,14€ zugeschlagen und eine erste Position gekauft. Wohl wissend, dass Aumann zu diesem Kurs ambitioniert bewertet ist und diesen Kurs durch Geschäftserfolge rechtfertigen muss. Der Boom bei der Elektromobilität bietet Aumann aber die besten Chancen hierfür.

Die Analysten von SMC Research haben folgerichtig ihr MBB-Kursziel deutlich auf 99,10€ angehoben (zuvor 84€) und bleiben bei Ihrer Kaufempfehlung. Für 2017 erwarten sie dank des IPOs einen Ergebnissprung auf 23,69€ je Aktie (2016: €2,61€), also mehr als eine Verzehnfachung des Jahresüberschusses. Und für 2018 dann ein EPS von 3,26€.

In Hamburg sagt man Tschüss - Softing weiß nicht (mehr) zu überzeugen

Beim Anbieter von Messtechnikgeräten Softing haben Anleger in letzter Zeit viel Geduld aufbringen müssen und die hat sich - wieder einmal - nicht ausgezahlt.

Ich habe Softing vor knapp anderthalb Jahren auf meine Empfehlungsliste gesetzt, weil ich der Meinung war, CEO Trier würde mit der großen Übernahme von OLDI in den USA der große Wurf gelingen und Softing nach einer überschaubaren Übergangszeit noch besser in die Spur zurückbringen. Mehrmals konnte er seine vollmundigen Versprechen nicht einhalten und hat erneut enttäuscht. Dazu nimmt er nicht konkret Stellung, vielmehr variiert er in seinen Geschäftsberichten die Formulierungen, um gerade nicht zu lügen und dennoch sein Versagen nicht offen zugeben zu müssen. Anfangs versprach er für 2016 eine "deutlichen" Steigerungen bei Umsatz und EBIT, diese wurden im Jahresverlauf dann zu "moderaten Zuwächsen", nachdem erst die angekündigten weiteren Übernahmen verschoben werden mussten und CEO Trier uns Anleger auf das zweite Halbjahr vertröstete, wo die Geschäfte bei OLDI saisonal angeblich viel besser laufen würden.

Und nun hat Trier die 2016er Zahlen vorgelegt und seine eigenen, gestutzten Prognosen erreicht. Am untersten Rand, gerade mal eben so. Und das auch nur, weil ein Sondereffekt das Ergebnis rettete, ansonsten läge das EBIT nur bei 6,17 Mio.€, also meilenweit entfernt von den zuletzt versprochenen 7 bis 8 Mio.€. Das bereinigte operative EBIT liegt also nur noch bei 2,6 Mio.€ (Vorjahr 7,1 Mio.€). Der Sonderertrag resultiert aus einer Verminderung des Kaufpreises für OLDI, weil die viel schlechter abschnitten, als erwartet. Clever verhandelt oder eher wieder mal den Mund zu voll genommen? Inzwischen tendiere ich zu Letzterem.

Zu den nicht überzeugenden Zahlen für 2016 gab Trier noch einen sehr verhaltenen Ausblick auf 2017, auch weil sich schon vor langer zeit die Übernahmen weiter verzögern werden. Das US-Geschäft erweist sich als nachhaltiger Bremsklotz, auch wenn Trier nicht müde wird, von der rosigen Zukunft zu sprechen.

 Softing (Quelle: finanzen.net
Meine Einschätzung
Softing-CEO schlägt gerne verbal um sich, die Geschäftsberichte von Softing sind gespickt mit politischen Attacken gegen alles und jeden. Das kann man bis zu einem gewissen Grad billigend in Kauf nehmen. Wenn aber der wortgewaltige Verkünder seine eigene Verfehlungen dahinter zu verstecken sucht, dann ist das nicht seriös. Ich erwarte vom Management, dass es zuverlässige Prognosen abgibt, lieber etwas zu konservativ, um dann ggf. positiv zu überraschen. Und vor allem fordere ich, dass Fehler offen kommuniziert werden, dass das Management sie erklärt und aufzeigt, wie damit umgegangen wird. All diese grundlegenden Charaktereigenschaften lässt Trier vermissen und zwar zunehmend. Ich brauche einen CEO, der sein Handwerk versteht und die Geschäfte gut führt. Nicht einen, der sie mir schönredet.

Ich bin daher enttäuscht von Trier und möchte ihm mein Geld nicht mehr anvertrauen. Ich habe meine Aktien von Softing mit kleinem zweistelligen Gewinn (inkl. Dividendenzahlungen) verkauft und werde den Wert auch von meiner Empfehlungsliste streichen. Es gibt aus meiner Sicht deutlich aussichtsreichere Unternehmen mit seriöserem Führungspersonal.

Donnerstag, 23. März 2017

GBK Beteiligungen: Dividendenprimus bereitet weitere gewinntreibende Exits vor

Die auf Eigenkapitalbeteiligungen an mittelständischen Unternehmen fokussierte GBK Beteiligungen AG bestätigt die vorläufigen Zahlen zum Jahresabschluss 2016 und damit ein Rekordergebnis. So haben die Hannoveraner im Geschäftsjahr 2016 ein Realisiertes Ergebnis in Höhe von €12,5 Mio. erwirtschaftet und unter Berücksichtigung des Nicht realisierten Ergebnisses beläuft sich das Ergebnis des Geschäftsjahres auf €7,6 Mio. Dieses ist maßgeblich durch den Verkauf von drei Beteiligungen positiv beeinflusst worden. Der Nettoinventarwert je Aktie ist weiter gestiegen und beläuft sich am 31.12.2016 auf €10,18 je Aktie. Das Unternehmen wird der Hauptversammlung am 23. Mai eine Ausschüttung von €1,00 je Aktie vorschlagen wird, also einen Gesamtbetrag von €6,75 Mio. Dies entspricht bei einem aktuellen Börsenkurs von €12 einer Dividendenrendite von 8,33%. Die Dividende setzt sich dabei aus einer Basisdividende von €0,10 sowie einer Sonderdividende von €0,90 zusammen (Vorjahr: €0,10 und €0,60).

Verkäufe
Die hohen Ergebnisse speisen sich ja zuvorderst aus Gewinnen beim Verkauf von Anteilen an Beteiligungsunternehmen und Grundlage des GBK-Erfolgs ist nach wie vor das breitgestreute Portfolio. Hieraus wurden 2016 gleich drei Beteiligungen gewinnbringend veräußert: die österreichische IS Inkasso GmbH, die Raith GmbH, die Schlemmer GmbH. Dabei ist zu berücksichtigen, dass GBK selten ganze Unternehmen kauft oder Mehrheitsbeteiligungen eingeht, sondern sich mit der Rolle des Minderheitseigentümers zufrieden gibt.

Käufe
Auch auf der Kaufseite war GBK im Geschäftsjahr 2016 aktiv. In einem anspruchsvollen Marktumfeld konnte GBK das Portfolio durch Investitionen in Höhe von insgesamt €7,6 Mio. um drei neue Beteiligungsengagements erweitern. Dabei setzt GBK mit einer Beteiligung an der ACHAT Hotel- und Immobilienbetriebsgesellschaft mbH auf einen Betreiber von Value- und Budgethotels in der sich wandelnden Hotelbranche. Mit der MOESCHTER Group Holding GmbH & Co. KG erwarb die Beteiligungsgesellschaft Anteile an einem Innovationsführer und Spezialisten für die Entwicklung und Fertigung von Präzisionsbauteilen, Isolierungen und Komponenten aus Hochleistungswerkstoffen. Und mit der Schiller Fleisch GmbH & Co. KG nahm GBK einen Premiumanbieter hochwertiger Fleischprodukte in das Portfolio auf.

Portfolio
Zum 31.12.2016 umfasst das GBK-Portfolio rund 30 Beteiligungsengagements an mittelständischen Unternehmen mit Umsätzen zwischen rund €5 Mio. und €1,1 Mrd. Dabei hat sich das Portfolio durch die Zu- und Abgänge der vergangenen Jahre deutlich verjüngt und verändert, bleibt aber in seiner Zusammensetzung breit gestreut. So binden Unternehmen der Chemiebranche 31% der Zeitwerte, gefolgt von Unternehmen der Transport-, Logistik- und Touristikbranche, auf die 20% der Zeitwerte entfallen. Der Anteil der Zeitwerte an Beteiligungsengagements aus der Automobilindustrie beläuft sich auf 17%, an Unternehmen des Maschinenbaus auf 10% und an Unternehmen der Elektrotechnikbranche auf 9%. Dienstleistungsunternehmen und Handelsunternehmen schlagen mit jeweils 5% und Unternehmen der Nahrungsmittelindustrie mit 2% aller Zeitwerte zu Buche.

 GBK Beteiligungen (Quelle: finanzen.net
Auswirkungen auf die Bilanz
Nach den Veräußerungen ging die Summe der Zeitwerte aller Beteiligungsengagements um rund 6% auf €53,1 Mio. am Bilanzstichtag zurück. Ebenfalls veräußerungsbedingt stieg die Liquidität auf €20,4 Mio. an und addiert sich mit den sonstigen Aktiva von rund €3,4 Mio. zur Bilanzsumme in Höhe von €76,9 Mio. Auf der Passivseite zeigt sich ein auf €68,7 Mio. gestiegenes Eigenkapital und die Eigenkapitalquote liegt bei knapp 90%. Im Eigenkapital ist auch ein Betrag von €6 Mio. enthalten, den Vorstand und Aufsichtsrat aus dem Realisierten Ergebnis den anderen Gewinnrücklagen zugeführt haben.

Ausblick - und weitere Exits
Besonders interessant ist allerdings, was im Kleingedruckten steht. Denn im Geschäftsjahr 2017 kann GBK bereits einen ersten Neuzugang verzeichnen und ist mit der PWK Automotive GmbH mittelbar eine Beteiligung an einer Gesellschaft eingegangen, die die Geschäftstätigkeiten der Automobilzulieferer Presswerk Krefeld GmbH & Co. KG und PWK IBEX Automotive GmbH bündelt.

Daneben wurden die Verträge für den Verkauf eines mittelbar gehaltenen Beteiligungsengagements unterzeichnet, so dass nach endgültigem Vollzug der Transaktion die Ausschüttung eines Veräußerungsgewinns zu erwarten ist. Da überdies intensive Gespräche über die Veräußerung mehrerer weiterer Beteiligungsengagements geführt werden, sollte sich das Portfolio auch im Jahr 2017 veräußerungsbedingt weiter verändern.

Meine Einschätzung
GBK Beteiligungen investiert dort, wo andere gar nicht hinschauen: bei den kleinen Unternehmen des erfolgreichen Mittelstands. Diese fliegen für die großen Beteiligungsgesellschaften unter dem Radar und GBK ist auch bereit, sich mit einem Minderheitsanteil zufrieden zu geben. Eine aktive Rolle bei der Führung des jeweiligen Tochterunternehmens strebt man nicht an.

Das Niedrigzinsgumfeld und die inzwischen recht ambitionierten Preise für Unternehmensbeteiligungen spielen GBK bei Verkäufen in die Hände und lassen weitere hohe Gewinne erwarten. Auf der anderen Seite wird es auch für GBK immer schwieriger, interessante und rentierliche neue Beteiligungsunternehmen zu finden. Auch wenn GBK einen mittel- bis langfristigen Fokus hat, liegt der Gewinn noch immer im Einkauf. Und wir erinnern uns an Roland Könens Worte: "Ein gutes Unternehmen, zu teuer bezahlt, ist ein schlechtes Investment". Das gilt nicht für den Kauf von Aktien, sondern auch beim Erwerb von Unternehmensbeteiligungen. Hier hat das Management allerdings über Jahre bewiesen, dass es ein sehr gutes Händchen für die richtigen Beteiligungen hat.

GBK ist ein Nischenwert mit allen Vor- und Nachteilen eines so kleinen Unternehmens, insbesondere der eingeschränkten Handelbarkeit der Aktie und die seltene Berichterstattung in den Medien. Wen das nicht schreckt und wer auf hohe Dividendenausschüttungen aus ist, der findet bei GBK Beteiligungen eine interessante Möglichkeit von Investments in kleine und mittlere Unternehmen des deutschen Mittelstands profitieren zu können.

GBK Beteiligungen befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

Hypoport: Wachstumsstarkes und profitables Fintech-Unternehmen

▸ Kissigs Kolumne vom 26. April 2016, Aktien Magazin 11/2016 

Immer wieder gibt es Trends, die sind so in, dass sich früher oder später jeder damit zu schmücken versucht. Und wie ein Chamäleon verpassen sich dann auch Unternehmen dieses neue Label, bei denen dies den eigentlichen Kern ihres Geschäfts nicht einmal mehr ansatzweise widerspiegelt.

Zu Neuer Markt-Zeiten war Logistik ein solches In-Thema. Es war absehbar, dass der boomende Onlinehandel einen immer größer werdenden Marktanteil vom Gesamtkuchen abknabbern würde und die vielen Pakete mussten ja zugestellt werden. Darüber hinaus waren hierzu nicht nur bei den Paketdiensten große Herausforderungen zu stemmen, sondern auch die Onlinehändler selbst mussten ihre Lager- und Versandkapazitäten ständig neu auf den Prüfstand stellen und ausbauen. Durch Gebäude, Warenwirtschaftssysteme, Personal. Diese schöne neue Welt war hip, klassisches Speditionswesen, also mit Lkws Waren über die verstopften Straßen zu transportieren, total out. Und einem mörderischen Preiskampf ausgesetzt. Trotzdem haben viele Speditionen, auch börsennotierte, sich des Labels Logistik bemächtigt, um sich selbst den Anschein eines modernen und innovativen Geschäftsmodells zu geben. Eine ziemliche Mogelpackung und schaut man auf die Aktienkurse der wenigen verbliebenen Logistikwerte aus dieser Zeit, dann sieht man, dass letztlich die Anleger die Zeche für diesen Etikettenschwindel gezahlt haben.

Das hindert freilich keinen Unternehmenslenker und keinen Marketingstrategen, dieses „bewährte“ Täuschungskonzept in anderen Branchen zu wiederholen. Um Geld von Anlegern einzusammeln, ist es jedenfalls gut geeignet. Man erinnere sich nur daran, dass Deutschlands größter Kohlekraftwerksbetreiber RWE sich in seiner TV-Werbung als innovatives Neue Energien-Unternehmen präsentiert hat, das bei Solar- und Wasserkraft voRWEggeht. Dabei ist diese Sparte eher eine marginale Randerscheinung im Energiemix des fossillastigen Klimakiller-Konzerns.

Fintech ist die neue Logistik
Seit einiger Zeit überrollt die nächste Welle die Börsen, die Fintechs. Klassische Banken ächzen seit Jahren darunter, dass immer mehr Kunden lieber online am heimischen PC ihre Bankgeschäfte abwickeln und immer seltener in die personalintensiven Filialen kommen. Vor 15 Jahren wurden die Comdirectbank oder Consors noch als Tagesgeldbanken belächelt, dann schnappten sie den Filialbanken und Sparkassen den Wertpapierhandel weg, da ihre Gebühren weniger als die Hälfte der üblichen Provisionen ausmachten und Abwicklung und Service auch noch reibungsloser gewährleistet wurden. Die Online-Broker von damals sind inzwischen zu Vollbanken herangewachsen und werden kaum noch belächelt. Viel zu stark punkten sie in Sachen Profitabilität und Service im Vergleich zu ihren strauchelnden Mutterkonzernen.

 Hypoport (Quelle: finanzen.net) 
Doch nicht sie sind es, die die Fintech-Revolution ausgelöst haben, sondern überwiegend kleine, innovative Unternehmen im Finanzsektor. Social-Trading-Banking, Peer-to-Peer-Lending, Mobile-Payment sind Schlagworte aus der Fintech-Branche. Die Möglichkeiten und Angebote sind vielfältig und kaum überschaubar und bei vielen muss sich erst noch beweisen, dass sie auf Kundenakzeptanz stoßen und das zeug haben, sich am Markt auch durchzusetzen. Sie haben allerdings eines gemein: sie erodieren das klassische Bankgeschäft. Dabei sind es zumeist keine Killer-Applikationen, die von heute auf morgen die Filialbanken ersetzen, aber sie knabbern Stück für Stück an deren Geschäftsmodell und bringen sie unter enormen Kostendruck. Die Hypovereinsbank als Tochter der italienischen UniCredit ist dabei, die Hälfte ihrer Filialen in Deutschland zu schließen. Die Deutsche Bank dünnt ihr Filialnetz um hunderte von Filialen aus, bei Volksbanken und Sparkassen sieht die Lage nicht anders aus. Einerseits können die Filialbanken so erheblich Personal sparen, andererseits begeben sie sich zunehmend in direkte Konkurrenz zu Onlinebanken – und da können sie mit ihren historisch hohen Kostenstrukturen kaum bestehen. Und aufgrund der reduzierten Filialen und damit persönlichen Kundenkontakte fehlt ihnen die Vertriebsschiene für ihre Provisionsprodukte. Nachdem auch das Investmentbanking mehr Probleme als Gewinne abwirft, schien in den letzten 15 Jahren der Vertrieb von Lebensversicherungen und Bausparverträgen das neue lukrative Standbein der Banken zu sein. Doch auch dieses ist inzwischen mehr als wurmstichig.

Auch PayPal ist Fintech
Eines der bekanntesten und profitabelsten Fintechs ist PayPal, der Online-Bezahldienst, den Tesla-Vorreiter Elon Musk einst gegründet hatte und der lange Jahre Teil von Ebay war. Seit letztem Jahr ist PayPal wieder selbständig und stellt im Internet eine eigene Bezahlmacht dar. Kaum ein häufig frequentierter Online-Shop, der nicht PayPal als Bezahloption anbietet. Außer Amazon natürlich, die gerade einen eigenen Bezahldienst zu starten versuchen. PayPal ist bequem, sicher und schnell. Und die Gebühren sind vergleichsweise günstig. Vor allem ist es von Käufern und Verkäufern gleichermaßen akzeptiert, was der entscheidende Vorteil gegenüber der neuen Konkurrenz ist. Dass die deutschen Banken nun mit einer eigenen Lösung namens Paydirekt an den Markt gingen, hat bisher noch niemand mitbekommen. Weder gibt es viele Shops, in denen man damit bezahlen kann, noch bietet Paydirekt irgendetwas, was PayPal nicht schon seit Jahren leistet.

Nachdem die Banken also auf mehr und mehr Geschäftsfeldern kräftig Boden verlieren, hatten sie wenigstens auf das Kreditgeschäft gehofft. So eine Immobilienfinanzierung ist schon beratungsintensiv und kann nicht einfach mit ein paar Klicks online erledigt werden. Schließlich geht es auch um große Summen, da ist die Seriosität des persönlichen Kontakts mit dem Bankberater ein echtes Asset. Naja war… dann kam die Bankenkrise, das Image der Banken rauschte in den Keller, immer häufiger werden enorme Skandale und finstere Machenschaften bekannt, wo sie Banken und Banker zulasten der Kunden und Steuerzahler die Taschen vollgestopft haben. Inzwischen sind in Umfragen nur noch Politiker weniger beliebt als Banker und werden als noch weniger glaubwürdig eingestuft. Und das hat auch konkrete Auswirkungen auf das Kreditgeschäft, denn neue Konkurrenten haben es folgerichtig leichter, den Banken den Schneid abzukaufen. Da man diesen nicht mehr vertraut, kann man sich ebenso gut an jemand anderen wenden, denn das Risiko scheint nicht ungleich größer zu sein.

Hypoport ist unbekannt und dennoch überall
Und hier treffen wir auf Hypoport, ein Unternehmen, das niemand kennt, denn Hypoport selbst tritt gegenüber Bankkunden nicht in Erscheinung. Das Unternehmen ist ein Finanzdienstleister und bedient mit seinen drei Sparten unterschiedliche Segmente. Der unbedeutendste Bereich ist die Beratung und Finanzierungsabwicklung für institutionelle Kunden beim Sozialen Wohnungsbau. Daneben ist man hinter Marktführer Interhyp zweitstärkster Anbieter bei der Online-Finanzierungsvermittlung an Privatkunden, die man über die Tochter Dr. Klein bedient. Und man hat über die Tochter Europace, wo man für institutionelle Kunden, vor allem Banken, Finanzierungen und Finanzprodukte online abwickelt, de facto eine Monopolstellung in Deutschland.

Dr. Klein ist online zu erreichen und dort bekommt Otto-Normalverbraucher schnell einen Kredit für seine neue Eigentumswohnung oder sein neues Auto vermittelt. Zusätzlich gibt es in ausgesuchten Großstädten auch richtige Filialen. Das Kreditverfahren ist hochgradig standardisiert und führt für die meisten Fälle schnell ans Ziel. Wo es schwierig wird, weil es bei der Bonität zwickt oder weil Selbständige mehrere unterschiedliche Einkommensarten haben, da wird das Geschäft einfach nicht gemacht. Diese aufwändigen und daher weniger margenträchtigen „Problemfälle“ überlässt man dann der Konkurrenz der Filialbanken.

Kursrakete war gestern
Im letzten Jahr 2015 hat Hypoport den Kursturbo gezündet und die Aktie hat sich um mehrere hundert Prozent in die Höhe geschraubt. Vom Höchstkurs bei rund 80 EUR ist der Wert inzwischen wieder deutlich zurückgekommen und nach der großen Anfangseuphorie pendelt der Kurs seit einiger Zeit um Kurse von 65 EUR.

Während Hypoport im Bereich Business-to-Consumer mit seiner Marke Dr. Klein zwar sehr erfolgreich ist, aber sich auch starken Wettbewerbern wie InterHyp und Check24 ausgesetzt sieht, sollten Anleger ihren Fokus vor allem auf das Quasi-Monopol Europace legen, wo Hypoports Kunden Banken und Finanzdienstleister sind. Hier steigt die Zahl der Partner weiterhin stark an, da immer mehr Banken ihre Geschäfte auch über Europace abwickeln und inzwischen auch verstärkt die Volksbanken und Sparkassen hinzukommen.

Damit reduzieren die Filialbanken ihre Kosten und können im Wettbewerb gegen Banken mit hohem Kostenapparat besser bestehen. Diese schließen weitere Filialen und so wandern mehr Kunden in die Onlinevermittlung ab und das erhöht nun selbst wieder den Druck auf die Banken. Das ist für die Banken ein zweischneidiges Schwert, denn sie können ohne Europace kaum noch bestehen, andererseits erhöht der Erfolg von Europace den Druck auf die teilnehmenden Banken weiter. Für Hypoport als Europace-Mutter ist diese Konstellation hingegen geradezu himmlisch, denn mit jedem abgewickelten Geschäft verdient Hypoport an den Gebühren. Der Clou ist, dass die Plattform digital ist, also zusätzliche Teilnehmer nicht entsprechend höhere Kosten verursachen. Man spricht bei diesem Effekt von Skalierbarkeit. Wachstum bedeutet Ausweitung der Margen und das ist der Traum eines jeden Unternehmers. Und Hypoport wächst.

Erstes Quartal mit Rekordwerten
Die Zahlen zum ersten Quartal 2016 belegen, dass Hypoport weiter auf einer Erfolgswelle schwimmt. Der Umsatz konnte auf rund 35 Mio. EUR gesteigert werden, was gegenüber dem Vorjahreswert von 33,3 Mio. EUR nur eine bescheidene Veränderung ist. Allerdings hat die Umsetzung der Regulierung des Immobilienfinanzierungsmarktes mittels Wohnimmobilienkreditrichtlinie bei Banken, Partnern und auch bei Hypoport Ressourcen gebunden und so das Neugeschäft belastet. Dieser negative Einflussfaktor fällt künftig weg. Viel wichtiger ist der Blick auf die Erträge und hier geht Hypoport von einem Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) von mindestens 5,4 Mio. EUR aus und das bedeutet gegenüber dem Vorjahresquartal eine Steigerung um mehr als 40 Prozent. Hier zeigen sich die positiven Auswirkungen des skalierbaren Geschäftsmodells ganz eindrucksvoll.

Value trifft Growth
Hypoport ist weder eine typische Wachstumsaktie, noch ein klassischer Value-Wert. Das Wachstum ist rasant und wird auf absehbare Zeit auch kaum nachlassen, aber das KGV von 18 lässt auch nicht sofort auf eine Unterbewertung schließen. Man könnte Hypoport bei 63 EUR also als fair bewertet einschätzen, vor allem nach der Kursvervielfachung im letzten Jahr. Die EBIT-Steigerung von 40 Prozent im ersten Quartal spricht allerdings eine andere Sprache und berücksichtigt man, dass die belastenden Effekte aus der Regulierungsumsetzung, die das Neugeschäft gebremst hatten, nun abgearbeitet sind, dann dürfte auch der Umsatz in den Folgequartalen wieder stärker zulegen. Und das bei sich ausweitenden Gewinnmargen.

Wir sollten uns also an die weisen Worte Warren Buffetts erinnern, der sagte, man solle nicht auf den Einkaufspreis schauen, sondern darauf, was das Unternehmen (und damit seine Aktien) in ein paar Jahren wert sein werden. Und wenn ich diesem Rat folge, dann komme ich zu dem Schluss, dass Hypoport weiter wachsen wird, dass man mit der Technik von Europace ein einzigartiges und kaum kopierbares Produkt hat, das sich hervorragend skalieren und damit die Margen weiter wachsen lässt. Und man hat eine Quasi-Monopolstellung und die Banken müssen sich auf Europace einlassen, um überhaupt noch konkurrenzfähig bleiben zu können. Das nennt man einen ökonomischen Burggraben!

Treffen meine Annahmen zu, dann wird die Hypoport-Aktie auch dreistellige Kurse sehen. Ob dies in einem Monat, in einem Jahr oder in drei Jahren soweit ist, das kann ich nicht abschätzen. Was ich sehe ist jedoch, dass das operative Geschäft stark wächst und zwar profitabel mit weiter wachsenden Margen. Und das ist seit jeher das beste Treibmittel für steigende Börsenkurse. Daher sollte Hypoport auf dem aktuellen Kursniveau für langfristige Anleger ein lohnendes Investment sein, denn es verbindet Wachstum und Werthaltigkeit in idealer Weise.

Hypoport befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

Mittwoch, 22. März 2017

MPC Capital: Blick nach vorn in Richtung neuer Deals

Der Hamburger Asset-Manager MPC Münchmeyer Petersen Capital AG entwickelt und managt gemeinsam mit seinen Tochterunternehmen sachwertbasierte Investitionen und Kapitalanlagen für internationale institutionelle Investoren, Family Offices und professionelle Anleger. Dabei liegt der Fokus auf den Asset-Klassen Real Estate, Shipping und Infrastructure.

Nachdem zu €6 gleich zwei Kapitalerhöhungen in kurzem zeitlichen Abstand durchgeführt wurden, konnte sich der Kurs bisher noch nicht nachhaltig von dieser Marke lösen. Dabei spricht eigentlich vieles für höhere Kurse. So kommt man auf dem eingeschlagenen Turnaroundkurs weiter voran und konnte für 2016 souveräne Vorabzahlen vermelden.

Die Umsätze legten um 12,6% zu auf €53,79 Mio. und das Betriebsergebnis drehte von einem Vorjahresminus von €3,77 Mio. auf €9,92 Mio. ins Plus. Der Überschuss zog um 36,8% auf €10,22 Mio. an, wobei das Ergebnis je Aktie bei €0,33 stagnierte. Allerdings verteilt sich der Jahresüberschuss ja auch auf eine viel höhere Aktienzahl als im Vorjahr, so dass es de facto einen deutlichen Anstieg aus vergleichbarer Basis gab.

Auf der anderen Seite verbesserten die Kapitalerhöhungen und der Jahresüberschuss die Bilanzqualität erheblich, so dass MPC nun eine Eigenkapitalquote von 69,74% aufweist nach 42,28% im Vorjahr. Die von MPC betreuten Assets (Assets under Management, AuM) erreichten 2016 rund €5,1 Mrd. und damit knapp €400 Mio. weniger als im Vorjahr.
Hier schlugen sowohl Abschreibungen in der (noch) wichtigsten Sparte Schifffahrt negativ zu Buche, als auch Verkäufe von Assets. Unter anderem war ein Schifffahrtsportfolio im Volumen von €400 Mio. gewinnbringend veräußert worden. Das mittel- bis langfristiges Ziel von MPC ist, die AuM auf €10 Mrd. zu steigern.

 MPC Capital (Quelle: finanzen.net
Und hier spielt zuletzt die niederländische Tochter Cairn Real Estate (CRE) eine maßgebliche Rolle. Nicht nur, weil MPC verstärkt im Immobilienbereich wachsen will, sondern auch weil einige interessante Deals aus Holland zu vermelden waren.

Zunächst hat CRE in Kooperation mit einem internationalen institutionellen Investor sechs Value-add-Immobilien in mittelgroßen niederländischen Städten erworben. Die sechs Bürogebäuden mit einer Gesamtnutzfläche von 63.400 m² liegen direkt an Bahnstationen in den niederländischen Städten Hoofddorp, Maastricht, Zwolle, Zaandam, Amersfoort und Hengelo und im Durchschnitt sind etwa 60% der Bürofläche vermietet. Der Kaufpreis für das Portfolio lag bei rund €60 Mio.

Fast im Gegenzug verkaufte CRE den revitalisierten Bürokomplex „La Guardia“ an einen internationalen Investor zu einem Preis von über €130 Mio. Der Bürokomplex La Guardia besteht aus vier Gebäuden mit einer Gesamtfläche von rund 64.000 m², den man erst im Sommer 2014 erworben und von einem schlichten Single-Tenant-Komplex zu einem lebendigen, vielseitigen Arbeitsumfeld für unterschiedliche Mieter umgestaltet hat. Diese Transaktion war der erste Exit von CRE und unterstreicht die Strategie des Unternehmens, im Auftrag von institutionellen Investoren durch effiziente Revitalisierungsmaßnahmen qualitativ hochwertigen Büroraum zu schaffen. Der IRR (Internal Rate of Return) des Projekts lag bei rund 23% nach Steuern.

Immobilien-Fonds-Portfolio wächst
Erst im Oktober hatte MPC Capital sein Immobilien-Portfolio in den Niederlanden und Deutschland ausgebaut und 10 Einkaufszentren mit einem Gesamtvolumen von rund €60 Mio. akquiriert. Damit wird ein Immobilienfonds für Logistik- und Leichtindustrie von rund €115 Mio. auf gut € 150 Mio. ausgebaut. MPC Capital selbst ist mit einem kleineren Anteil von bis zu 5% Co-Investor, verdient künftig aber vor allem an Gebühren und Provisionseinnahmen aus dem Management des Fonds. Und die künftigen Investments werden ebenso in diese Richtung zielen.

Zukunftsmarkt Micro-Appartments für Studenten
Wie auch der Ausbau der Micro-Appartments für Studenten zeigt. Hier hatte MPC Capital Ende Juli verkündet, ein zweites Projekt in Berlin für seine Micro-Living-Plattform Staytoo initiiert zu haben. Hierzu hat man in der Leibnizstraße im Stadtteil Charlottenburg eine Büroimmobilie auf einem 1.231 Quadratmeter großen Grundstück erworben. Der Umbau soll noch in diesem Jahr beginnen und im Frühjahr 2018 abgeschlossen sein. Mit dem Erwerb des sechsten Objekts ist das Vermögen des Spezial-AIF MPC Student Housing Venture I nahezu vollständig investiert, man habe noch Luft für ein bis zwei weitere Projekte. An insgesamt fünf Standorten in Berlin-Kreuzberg, Nürnberg, Bonn, Kaiserslautern und Leipzig befinden sich weitere Staytoo-Projekte, wo sich rund 1.000 Apartments in der Umsetzungsphase befinden. Die ersten hiervon sollen im Herbst in Bonn und Nürnberg eröffnet werden.

Bei MPC kann es also bald schon weitergehen mit weiteren Deals, denn die Projekt-Pipeline ist prall gefüllt: so sind bereits Assets im Wert von mehr als €6 Mrd. identifiziert, insbesondere aus den Bereichen Real Estate und Infrastructure, und gut ein Drittel hiervon befindet sich in der tieferen Analyse seitens MPC. Für das laufende Jahr bestätigt CEO Ulf Holländer denn auch die bisherige Prognose, wonach bei einem Umsatzanstieg von mindestens 10% mit einem überproportionalem Ergebniszuwachs zu rechnen sei.

Meine Einschätzung
Aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase sind Asset-Manager sowohl von privaten als auch institutionellen Investoren gesucht, da sie eine attraktive Rendite versprechen, während Bankguthaben zunehmend mit Strafzinsen und/oder üppigen "Geldverwahrgebühren" belegt werden. Für Asset-Manager wie MPC Capital kommt die aktuelle Marktlage einem Schlaraffenland gleich und für Anleger bieten sich hier interessante Möglichkeiten, denn zumindest in der Euro-Zone stehen steigende Zinssätze in absehbarer zeit noch nicht auf der Agenda.

Trotz der noch ausstehenden Rechtsrisiken aus der Vergangenheit und allen Risiken, die sich aus dem Engagement im Bereich Schifffahrt ergeben können, scheint MPC Capital ein aussichtsreiches Chance-Risiko-Verhältnis zu bieten und daher befindet sich der Wert als aussichtsreiche Turnaround-Spekulation auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot. Wer die nötige Geduld mitbringt, sollte mittel- und langfristig bei Kursen um €6 nicht viel verkehrt machen können.

Dienstag, 21. März 2017

Fairfax Financial: Erfolgreiche Kanadier auf Buffetts Spuren

▸ Kissigs Kolumne vom 6. Februar 2017, Aktien Magazin 03/2017 

Kanada findet sich eher selten sehr weit oben auf der Investorenlandkarte, aber bei so manchem Unternehmen lohnt sich ein genauerer Blick. Bei Fairfax Financial Holdings Ltd. könnte dies so sein, denn das Geschäftsmodell erinnert stark an das von Warren Buffets Berkshire Hathaway. Und die über lange Jahre erzielte Rendite ebenso.

Buffett hat sich ein Imperium an Versicherungswerten zusammengekauft. Darunter finden sich Lebensversicherer, Rückversicherer und Sachversicherer. Die gesamte Branche steht seit einigen Jahren unter Druck, weil die immer weiter fallenden Zinsen ihr die Möglichkeiten rauben, die von Kunden eingenommenen Prämienzahlungen gewinnbringend anzulegen, bevor sie diese im Schadenfall oder ggf. bei Ablauf der Versicherung an die Versicherten auskehren müssen. Das Versicherungsbusiness ist an sich eine einträgliche Branche, jedenfalls solange man nicht um der Marktanteile wegen Policen mit Unterdeckung verkauft, und daher am Ende draufzahlt. Der eigentliche Reiz für Warren Buffett sich hier so stark zu engagieren, lag und liegt allerdings noch mehr in den enormen Cashflows des Versicherungsgeschäfts. Der Kunde zahlt regelmäßig seine Prämien und bis zum Leistungszeitpunkt der Versicherung kann diese mit dem Geld, dem sog. "Float" arbeiten. Sie kann es aufs Tagesgeldkonto legen, in Anleihen stecken oder in Aktien. Und genau das ist das Metier von Warren Buffett: Aktieninvestments.

Nun kann Otto Normalanleger natürlich nicht einfach eine Allianz-Aktie kaufen und dann auf die Prämieneinnahmen dieses Versicherungskonzerns zugreifen. Das kann Buffett auch nicht. Aber er kauft ja auch selten einzelne Versicherungsaktien als reine Geldanlage, sondern er sichert sich die Mehrheit an dem Unternehmen. Und kann es so kontrollieren und dann auf seinen Cash-Bestand zugreifen. Im Grunde stellen ihm die Versicherungskunden somit ein zinsloses Darlehen für seine Aktieninvestments zur Verfügung. Und bei einer durchschnittlichen Jahresrendite von knapp 20 Prozent besteht hier für Buffett ein großes Sicherheitspolster. Auch in den Jahren, wo viele Versicherungsschäden anfallen und somit die Prämien am Ende nicht auskömmlich waren. Selbst dann kann Buffett entspannt sein, denn dann werden die Prämien für das nächste Jahr angehoben und der Cashflow erhöht sich. Und somit sein Volumen für weitere Aktieninvestments.

Dieses Verfahren funktioniert nicht nur mit Versicherungen, sondern eigentlich mit jedem Geschäft, das hohe Cashflows erzeugt und wo diese nicht für Investitionen benötigt werden. Aber die Versicherungsbranche hat es Buffett auch deshalb so angetan, weil sie ziemlich einfach gestrickt ist. Anhand von Wahrscheinlichkeiten und Erfahrungswerten berechnet man die anzunehmenden Schäden und lässt sich diese über das Jahr gesehen von den Kunden vorab in Raten bezahlen. Buffett liebt mathematische Modelle, weil hier Emotionen keine Rolle spielen. Alles ist klar kalkulierbar und wenn etwas nicht hinhaut, kann man den Fehler rational ermitteln. Und für die Zukunft besser werden.

Nun ist Buffett zwar überdurchschnittlich schlau und gewieft, aber er ist nicht der einzige schlaue Mensch, der auf dieses Geschäftsmodell gekommen ist. Der in Richmond, Virgina beheimatete Versicherungskonzern Markel Corp. schwimmt erfolgreich auf diese Welle und auch das kanadische Unternehmen Fairfax Financial Holdings Ltd. mit Sitz in Toronto. Das sogar auf eben diese Familie Markel aus Virgina zurückgeht. Denn Fairfax Financial wurde ursprünglich 1951 als Markel Service of Canada gegründet und 1985 von Prem Watsa übernommen, einem in Indien geborenen Investor. Damals hieß das Unternehmen Markel Financial und war ein Spezialist für LKW-Versicherungen, stand aber kurz vor dem Konkurs. Den heutigen Namen nahm die Firma im Mai 1987 an und wird geführt von Chairman und CEO Prem Watsa, der auch fast die Hälfte der Firma besitzt. Er strukturierte die Firma um und änderte den Namen von Markel in Fairfax, was als Abkürzung für „fair, friendly acquisitions“ steht, also faire, freundliche Übernahmen. Und der Name ist Programm. 

Faire, freundliche Übernahmen
Wie Buffett nutzt Watsa den stetig strömenden Cashflow des Versicherungskonzerns, um sich weitere Unternehmen und Beteiligungen einzuverleiben. Und dabei beschränkt er sich ebenfalls nicht auf das Stammgeschäft in der Versicherungsbranche, sondern kauft alles, was interessante Renditen verspricht - und weiter steigende Cashflows.

Dabei ist das Versicherungsgeschäft nicht nur Mittel zum Zweck, sondern es weist seit Jahren hervorragende Ergebnisse aus. In den ersten neun Monaten des Jahres 2016 kamen die verschiedenen Versicherungstöchter auf durchschnittliche Schadensquote von 93,4 Prozent auf. Das bedeutet, dass nur 93,4 Prozent der vereinnahmten Versicherungsprämien in diesem Zeitraum auch für Schadensregulierungen und/oder Auszahlungen an die Kunden benötigt wurden. Der Rest bleibt bei Fairfax Financial hängen. Und dabei ist noch zu berücksichtigen, dass 2016 im Sommer ein erhöhtes Schadenaufkommen zu verzeichnen war. Das belegen auch die Zahlen, denn alleine für das dritte Quartal 2016 lag die Schadenquote sogar nur bei 91,3 Prozent.

Der Versicherungskonzern verdient also nicht nur mit seinen zugekauften Firmenbeteiligungen Geld, sondern sogar mit seinem Stammgeschäft. Alleine das ist schon eine beruhigende Nachricht für Anleger, denn es ist bei Weitem keine Selbstverständlichkeit. Dazu muss man nur mal nach Europa und speziell Deutschland schauen, wo die Versicherungen schwer zu kämpfen haben.

Cash für Beteiligungen
Doch was macht Watsa mit dem vielen Geld? Nun, ganz klassisch hat man den überwiegenden Teil in langlaufende US-Anleihen gesteckt, die über Jahre sichere und einigermaßen attraktive Zinsen eingebracht haben. Doch seit einiger Zeit reduziert man diese Anleihen, da einerseits das Zinsniveau nicht wirklich attraktiv ist für Neuabschlüsse und andererseits ja in absehbarer Zeit mit einigen Zinsanhebungen seitens der US-Notenbank FED zu rechnen ist. Diese Zinsanhebungen hätten auf den Anleihebestand einen negativen Einfluss, denn wenn die Zinsen steigen, fallen die Anleihekurse. Und das führt zu Abwertungsbedarf in der Bilanz.

Also investiert Fairfax noch lieber und noch mehr in Unternehmensbeteiligungen. So übernahm man am 19. Dezember für 4,9 Milliarden Dollar in bar und Aktien die in der Schweiz beheimatete Allied World Insurance. Der Konzern ist auf die Fortune-1000-Unternehmen fokussiert und hat mit einem Anteil von 59% seinen Schwerpunkt in Nordamerika. Wie auch Fairfax Financial selbst verdient Allied World gutes Geld im Versicherungsgeschäft und kann über die letzten fünf Jahre eine durchschnittliche Schadensquote von 90,4 Prozent vorweisen. Die ist sogar noch etwas besser als die von Fairfax Financial und daher stärkt Fairfax durch den Zukauf sowohl seine Marktposition als auch seine Margen. Und verleibt sich mit dieser Übernahme nebenbei auch das 9 Milliarden Dollar schwere Investmentportfolio von Allied World ein.

Weitere Beteiligungen hält Fairfax Financial an Fabriken, Einzelhändlern und Restaurantketten, wobei Watsa am liebsten Krisenfälle kauft, um an deren Genesung überdurchschnittlich zu profitieren. Neben Versicherungen kauft Watsa sich hier auch bei Banken ein, wie vor einigen Jahren bei der griechischen Europabank. Das erwies sich allerdings als teurer Fehler, wie wir alle noch erinnern. Doch Banken sind momentan weltweit günstig zu haben und so kaufte er kurz vor Jahresende einen 51-Prozentanteil an der Catholic Syrian Bank Ltd., einer 96 Jahre alten Bank in Südindien.

Und besonders aufmerken ließ sein Einstieg beim einstigen Smartphone-Pionier RIM (Research In Motion), heute firmierend unter BlackBerry. BlackBerry hat inzwischen sein eigenes Smartphonegeschäft eingestampft und entwickelt kein eigenes Betriebssystem mehr. Die neuen Modelle laufen wie so viele unter Android. Allerdings war BlackBerry immer für seine besonders hohen Sicherheitsstandards bekannt und auch heute unter Android ist dies ein Alleinstellungsmerkmal, das neue Käufer anlocken könnte, insbesondere aus dem Businessbereich. 

Wirklich interessant ist allerdings die BlackBerry-Tochter QNX Software Systems, deren Software in vielen Autos zum Einsatz kommt. QNX gilt für Infotainment-Systeme als das Beste seiner Klasse und knüpft potenten Wettbewerbern Marktanteile ab. So hat es 2015 in allen Fahrzeugen von Ford das Sync 3 von Microsoft ersetzt und auch in Systemen anderer Hersteller ist man inzwischen vertreten, darunter General Motors, Audi und Mercedes. Der Markt für autonomes Fahren wird auf ein Volumen von 42 Milliarden Dollar geschätzt und hier wird Sicherheit eines der entscheidenden Themen sein. Und bleiben. Vor allem die Sicherheit gegen Zugriffe von außen, denn wenn der Fahrer selbst schon nicht die Hände am Steuer hat, will er bestimmt nicht, dass Hacker die Steuerung übernehmen, während er mit 180 Sachen über die Autobahn brettert. So ein Horrorszenario würde sich schnell als Sargnagel dieser mit so vielen Hoffnungen verbundenen Technologie erweisen.

Gut möglich also, dass BlackBerry in diesem Zukunftsmarkt perfekt positioniert ist. Und damit auch Großaktionär Fairfax Financial, die rund 9% der Aktien halten. Bisher haben die Kanadier noch nicht viel verdient an diesem Investment, immerhin lag der durchschnittliche Einstandskurs bei etwa $17. Doch auch dies haben sie mit Warren Buffet gemein: sie haben sehr viel Geduld und einen sehr langen Atem. Und ein echtes Händchen für lukrative Investments.

Berkshire Hathaway und Fairfax Financial befinden sich auf meiner Empfehlungsliste.

Montag, 20. März 2017

Lloyd Fonds grandios: Auf die Gewinnverdopplung folgt die Dividendenverdopplung

Die Lloyd Fonds AG, ein seit über 20 Jahren auf sachwertbasierte Investitionen und Kapitalanlagen spezialisierter Investment- und Asset-Manager aus Hamburg, hat noch einmal nachgelegt. Nachdem kürzlich die vorläufigen Geschäftszahlen für 2016 vorgelegt wurden, das mit einem Konzernjahresergebnis von €3,2 Mio. abgeschlossen wurde. Damit erfüllte Lloyd Fonds die eigene Prognosen, die aufgrund der erfolgreichen Geschäftstätigkeit im Herbst und Winter jeweils nochmals angehoben worden waren. Zur Jahresmitte war das Unternehmen von einem Konzernergebnis zwischen zwei und drei Millionen Euro ausgegangen. Wie der Investment- und Asset-Manager mitteilte, hat sich das Konzernjahresergebnis damit zum zweiten Mal in Folge verdoppelt (2015: €1,6 Mio, 2014: €0,8 Mio.).

Dividende wird von 7 auf 16 Cents je Aktie angehoben
Und nun haben Vorstand und Aufsichtsrat beschlossen, auch die Aktionäre am Erfolg teilhaben zu lassen. So soll den Hauptversammlung für das Geschäftsjahr 2016 eine Dividende in Höhe von €0,16 pro Aktie vorgeschlagen werden und damit mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr (€0,07), sofern die Bilanzfeststellung, die am 11. April keine entgegenstehenden Überraschungen bringt.

 Lloyd Fonds (Quelle: finanzen.net
Zweite Personalie
Während der Geschäftsverlauf hervorragend aussieht, geben zwei aktuelle Personalveränderungen zu denken. So hatte Holger Schmitz hat der Lloyd Fonds AG mitgeteilt, dass er das Unternehmen leider aus wichtigen privaten Gründen kurzfristig verlassen müsse. Er war seit dem Jahr 2012 Generalbevollmächtigter der Lloyd Fonds AG, zuletzt verantwortete er den Bereich Immobilien. Seine Aufgaben werden zunächst von anderen Mitgliedern des Managements übernommen. Und heute, am Rand der Mitteilung über die Dividendenerhöhung, wurde erklärt, dass Prof. Dr. Eckart Kottkamp, Aufsichtsratsvorsitzender der Lloyd Fonds AG, sein Amt als Aufsichtsratsmitglied niedergelegt hat. Vorstand und Aufsichtsrat werden zur anstehenden ordentlichen Hauptversammlung einen Kandidaten für die Nachfolge zur Wahl vorschlagen. Kottkamp war seit dem Jahr 2006 Mitglied des Aufsichtsrates und dessen Vorsitzender.

Insbesondere die Tatsache, dass es keinerlei Erklärung für den sofortigen Rücktritt des Aufsichtsratsvorsitzenden gibt und auch keine in solchen Fällen salbungsvollen Abschiedsworte seitens des Unternehmen, nährt Spekulationen, dass Kottkamp nicht mit der Dividendenentscheidung und damit der Verwendung des Bilanzgewinns einverstanden war/ist. Immerhin befindet sich Lloyd Fonds in der Phase starken Wachstums und kann das Kapital selbst gut gebrauchen, um seine Geschäfte weiter auszubauen. Aber diese Begründung ist nur meine Vermutung. Auf die geschäftliche Entwicklung sollte dieser Rückzug keine negativen Auswirkungen haben.

Meine Einschätzung
Lloyd Fonds lässt die Anleger mit der deutlich erhöhten Dividende am Erfolg teilhaben und nicht wenige Anleger sehen in der Aktie einen Dividendentitel. Und mit annähernd 5% Dividendenrendite dürfte diese Positionierung gelingen.

Und auch der Abschluss eines Gewinnabführungsvertrags mit einer Tochtergesellschaft, der dazu führt, dass man nun die aufgelaufenen Verlustvorträge optimal nutzen kann, war ein schlauer Schachzug. In den nächste Jahren wird Lloyd Fonds somit keine Steuern auf erzielte Gewinne zahlen müssen.

Für geduldige Anleger ist der Nebenwert weiterhin eine spekulative Depotbeimischung wert, denn das Beste sollte noch vor dem Unternehmen liegen, wenn sich die neue Strategie richtig auszuzahlen beginnt. Das im Dezember von SRC-Research bei €4 bestätigte Kursziel dürfte mittel- und langfristig dabei nur eine Zwischenetappe bleiben.

Lloyd Fonds befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.