Donnerstag, 25. Mai 2017

Bei Aves One b(r)aut sich ganz schön was zusammen...

Der Warenhandel boomt, denn auch wenn immer mehr Handel über das Internet abgewickelt wird und Amazon und Zalando den Einzelhandelsriesen das Wasser abgraben, bleibt doch unverändert, dass die Waren irgendwoher kommen müssen. Und den größten Anteil am weltweiten Warentransport hat die Schifffahrt und diese Branche hat sich seit der Finanzkrise 2009 bisher noch nicht wieder erholt und ist von Überkapazitäten, sinkenden Frachtraten und Fusionen und Pleiten geprägt. Also insgesamt kein Szenario, in dem man investiert sein möchte. Und doch bieten sich hier auch Chancen...

Chancen, die nicht ganz offensichtlich "nur" auf einen Turnaround des stationären Einzelhandels und/oder der Schifffahrtsbranche setzen, sondern auf Bereiche, die von der Krise kaum tangiert sind und auch künftig große Wachstumschancen versprechen: Container.

Der heutige globale Warenumschlag kann nur funktionieren, wenn immer mehr Geld für IT-unterstützte automatisierte Lager- und Containerterminalsysteme ausgegeben wird - und eben für Container. Also überwiegend Standardcontainer. Denn die Logistikketten vom LKW über die Bahn, über die Terminals, die Schiffe bis hin zum Paketdienst/Logistiker basieren auf Standardisierung, die das ständige Umladen der Waren vermeiden und stattdessen auf das Umladen von Standardcontainern setzen. Nur so kann kosteneffizient globale Logistik gewährleistet werden.

Wenn nun die Container auf ihrer Reise aus China bis in den Hamburger Hafen und zum Laden von Edeka oder Lidl durch so viele Hände gehen, dann stellt sich die Frage, wem die Container gehören (müssen). Einem Logistikanbieter wie DHL? Der Reederei wie Hapag-Lloyd oder Maersk? Der Bahn? Lidl? Diese Unternehmen benötigen eine Menge Geld, um ihre Schiffsflotten zu erneuern, ihre Logistikzentren auszubauen, ihre Warenhäuser in immer neue Regionen der Welt vorstoßen zu lassen. Die relativ kapitalintensive Vorhaltung von Containern ist für sie daher keine attraktive Option. Für andere schon...

Kapitalintensiv ist eigentlich ein Begriff, den Investoren nicht gerne hören, denn wenn Kapital gebunden wird, entsteht auch immer ein Risiko, falls etwas schief geht. In einer immer schnelllebigeren Zeit möchte man sein Kapital lieber schnell und flexibel halten. Anstatt Immobilien zu kaufen, setzt man lieber auf Immobilienfonds oder Aktien von Immobilienunternehmen. Doch kurzfristig verfügbares kapital wirft aufgrund der Niedrigzinspolitik der EZB und anderer Notenbanken keine bis kaum noch Zinsen ab. Im Gegenteil, man bezahlt heute schon Strafzinsen, wenn man Geld auf dem Konto vorhält. Die Kehrseite ist, dass Banken und andere Kapitalgeber, wie z.B. Versicherungen und Pensionsfonds, händeringend auf der Suche nach Rendite bringenden Investitionsmöglichkeiten sind. Und die Banken, die selbst bei der EZB Strafzinsen für ihre Einlagen leisten müssen, sind nur allzu gerne bereit, Kredite an Investoren zu vergeben.

 Aves One (Quelle: finanzen.net
In dieser Gemengelage tun sich interessante Möglichkeiten auf und ich habe ja bereits einige Asset Manager hier im Blog vorgestellt, die von diesem Szenario profitieren. Mit Aves One kommt heute ein weiteres Unternehmen hinzu, das sich in seiner Ausrichtung allerdings deutlich von den anderen abhebt, denn Aves One ist ein Bestandshalter von Logistik-Equipment.

Erst im November wagte Aves One den "großen Schritt" an die Börse, denn zuvor wurden die Aktien nur an zwei Regionalbörsen gehandelt; zuvor unter "Pricon Invest AG" firmierend. Im November gab es dann eine große Kapitalerhöhung, bei der der Vermieter von Frachtcontainern und Güterwaggons mehr als 18 Mio. Euro einnahm, als man neue Aktien für 6 Euro je Stück ausgab. Heute notieren die Aktien im Prime Standard der Frankfurter Börse und dürften künftig für immer mehr Investoren interessant werden.

Denn das frische Geld wird zügig investiert. So wurde noch im Dezember das Wechselbrückenportfolio auf 18 Mio. Euro ausgebaut und gerade erst wurden für weitere 9 Mio. Euro 1.000 zusätzliche Wechselbrücken in Auftrag gegeben. Wechselbrücken sind Transportbehälter mit Stützbeinen, die besonders von Logistikdienstleistern aus der Kurier-, Express- und Paketbranche in Europa nachgefragt werden.

Und auch im Bereich der Container hat man stark erweitert, indem man im April zwei Portfolios zukaufte. Einmal erwarb man für 6 Mio. Dollar fabrikneue Container und dann für weitere 4 Mio. Dollar gebrauchte Container.

Schön und gut, wird mancher nun denken, aber wie lässt sich damit Geld verdienen? Aves One hat vier Geschäftsbereiche:

  • Rail Equipment: Aves One investiert in verschiedene Typen von Bahnwaggons mit einer durchschnittlichen Nutzungsdauer von bis zu 45 Jahren. Die Güterwagen sind an große Industrieunternehmen und staatliche Gesellschaften vermietet. Die Vermietung und das Management der Bahnwaggons übernehmen externe Manager, die über jahrzehntelange Erfahrung im Güterverkehr verfügen.
     
  • Container Equipment: Aves One investiert in verschiedene Typen von Seecontainern mit einer durchschnittlichen Nutzungsdauer von bis zu 15 Jahren. Die Container sind an die weltgrößten Reedereien (zum Beispiel Hapag-Lloyd, Evergreen oder Maersk) vermietet. Die Vermietung und das Management rund um die Container übernehmen externe Manager für die Aves One, die über jahrzehntelange Erfahrung im Containermanagement verfügen.
     
  • Resale Equipment: Aves One investiert in ehemalige Seecontainer sowie neue Container mit einer Nutzungsdauer von bis zu 15 Jahren. Diese Container werden dann im Resale Markt, der auch als Zweitmarkt bezeichnet wird, vermietet und verkauft. Eine Nutzung erfolgt im Wesentlichen in drei Bereichen: 1. als Storage- bzw. Lager-Behälter an Land 2. durch leichte Modifikationen des Containers als Office, Unterkunfts- oder Baustellencontainer oder 3. in seiner eigentlich Gesinnung als Transportbehälter für kurze bzw. One-Way Strecken auf See oder an Land.
     
  • Special Equipment: Im Bereich Special Equipment investiert die Aves One in Nischenmärkte für Logistik Equipment. Nischenmärkte zeichnen sich zum Beispiel durch überdurchschnittliche Renditen, verhältnismäßig geringe Marktgröße oder eine geringe Anzahl an Marktteilnehmern aus. Die Aves One investiert in Tankcontainer und Wechselbrücken mit einer Nutzungsdauer von bis zu 12 bis 20 Jahren.
    (Quelle: Unternehmensangaben)

Aves One investiert also in das Equipment und vermietet dieses langfristig. Zumeist sind die Mietverträge schon gesichert, bevor Aves One überhaupt das Equipment erwirbt. Wodurch sich das Risiko reduziert. Der Fokus der Investments liegt dabei auf Seecontainern und Bahnwaggons, wobei man sich hier überwiegend auf Standardcontainer beschränkt und damit eine andere Strategie fährt, als der ungleich größere Mitbewerber VTG. Das Asset Management, also Vermietung, Wartung usw., überlässt Aves One erfahrenen externen Asset Managern.

Hinzu kommen Investitionen in ehemalige Seecontainer, die als Lagerbehälter oder als Unterkunfts- oder Baustellencontainer eingesetzt werden und in ganze Fertigbaugaragen-Parks (Storage Parks). Hier wurde kürzlich der erste Park in Münster fertig gestellt und weitere sollen folgen. Denn im Bereich der Lagerung gibt es weltweit eine steigende Nachfrage, gerade auch von Privatleuten. Immer mehr Menschen müssen aufgrund ihrer Arbeitsplatzsituation mobil sein und können nicht immer alle ihre Gegenstände mit sich nehmen. Diese werden dann zentral eingelagert. Und auch der Trend zur Wärmedämmung alter Mehrfamilienhäuser schafft neue Probleme, denn da zumeist die Wäreverbundsysteme nur obererdig eingesetzt werden, entstehen Kälte und Feuchtigkeitsbrücken im Kellerbereich. Schimmelbildung ist die Folge - und wer lagert schon gerne seine alten Bilder, Kleidungsstücke usw. in einer schimmligen Umgebung, da kann man sie gleich wegwerfen. Die Lösung heißt Dachboden oder eine externe Unterbringung/Lagerung: eben Storage.

Wachstum auch durch Übernahmen
Aves One ist noch ein relativ kleines Unternehmen, will aber schnell und stark wachsen. Das gelingt natürlich nicht alleine durch operative Erfolge, sondern auch durch Übernahmen. Einen großen Schritt machte man durch den Zukauf der österreichischen ERR Rail Rent Vermietungs GmbH, wodurch man den Bestand an Güterwagen glatt verzehnfachte auf 4.230 Einheiten. Durch die gleichzeitige Übernahme der 33-Prozent-Beteiligung am Asset Manager ERR European Rail Rent GmbH wird künftig die komplette Wertschöpfungskette vom Eigentümer bis hin zur kaufmännischen und technischen Verwaltung der Güterwagen abgedeckt. Hierdurch fährt Aves One nun zweigleisig, was das Asset Management angeht. Denn einerseits arbeitet man mit externen Asset Managern zusammen und kann diesen Part über die neue Tochter künftig auch selbst übernehmen. Je nach Interessenlage. Gut möglich, dass auch der Bereich Asset Management perspektivisch über Zukäufe ausgebaut wird.

Mit der Übernahme stiegt die Bedeutung des Bereichs Rail Equipment innerhalb des Unternehmens natürlich stark an und auch aus diesem Grund wurde der bisherige Geschäftsführer der ERR-Gruppe, Jürgen Bauer, zum Vorstand der Aves One AG bestellt.

Durch die EEG-Transaktion und die Investitionen in Container und Wechselbrücken hat sich der Gesamtbestand der durch Aves One gemanagten Assets auf mehr als 450 Mio. Euro verdoppelt. Geplant ist, das Portfolio der Gesellschaft bis 2018 auf rund 750 Mio Euro und bis zum Jahr 2020 auf  mehr als eine Mrd. Euro auszubauen. Für 2017 und 2018 sind jeweils Investitionen von etwa 200 Mio. Euro vorgesehen.

Aber Wachstum soll nicht um des Wachstums willen erfolgen, sondern der Fokus wird auch künftig auf stabile operative Cashflows gelegt und auf die Optimierung der Finanzierungsstruktur zur Erhöhung der Rentabilität.

Nach hohem Verlust in 2016 deutliche Umsatz- und Ergebnisverbesserung in 2017 erwartet
Das Wachstum hat allerdings seinen Preis. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2016 wies Aves One einen operativen Konzerngewinn (EBITDA) von EUR 15,4 Mio. aus, wobei den größten Ergebnisbeitrag das Segment Container lieferte mit 14,2 Mio. Euro. Durch die erst im vierten Quartal 2016 erfolgte Übernahme der ERR steuerte das Segment Rail 5,5 Mio. Euro zum Konzern-EBITDA bei. Allerdings liegt das Ergebnis vor Steuern im Geschäftsjahr 2016 bei -6,4 Mio. Euro. Hierbei waren vor allem Abschreibungen in Höhe von 8,5 Mio. Euro und Zinsaufwendungen in Höhe von 14,1 Mio. die maßgeblichen Treiber, die das Ergebnis ins Minus drückten. Gegenüber dem Vorsteuerergebnis für das erste Halbjahr 2016 von -8,9 Mio. Euro zeigte sich bereits ein positiver Trend, zumal die EEG gewinnbringend arbeitet. Angesichts dieser Zahlen sich der Vorstand vor allem bei der Optimierung der Finanzierungsstruktur noch großes Potenzial.

Die Aves-Gruppe verfügte zum Ende des Geschäftsjahres 2016 über ein Bestandsportfolio von 4.230 Güterwagen, entsprechend einem Volumen von 226 Mio. Euro. Auch das Segment Container Equipment wies mit einer Flotte von rund 103.000 Containern (entsprechend 141.000 CEU) per 31. Dezember 2016 ein beachtliches Wachstum auf. Im aktuell noch kleineren Geschäftsbereich Special Equipment wurde durch Akquisitionen von Tankcontainern und Wechselbrücken per Bilanzstichtag ein Portfolio von 2.792 Einheiten, bzw. ein Volumen von rund 20 Mio. Euro geschaffen. Im Bereich Resale Equipment, welches neben der Vermietung ehemaliger Seecontainer nach Ablauf der wirtschaftlichen Nutzungsdauer auch das Selfstorage-Geschäft umfasst, wurde in 2016 mit den Vorbereitungen für die Errichtung eines ersten Storage-Parks begonnen, der im März 2017 in Münster fertiggestellt wurde.

Hier wird sich die ERR-Vollkonsolidierung über den gesamten Jahreszeitraum auswirken und nicht nur auf zwei Monate wie in 2016. Des Weiteren sollen weitere Asset-Käufe für Umsatz- und Ergebnisverbesserungen sorgen und es ist die Errichtung weiterer Storage Parks geplant.

Meine Einschätzung
Aves One ist in einem sehr interessanten Bereich tätig und setzt auf schnelles Wachstum. Man erzielt eine sehr attraktive operative Marge (EBITDA) von etwa 70 Prozent - vor Holding-Kosten. Diese sind mit knapp drei Mio. Euro übermäßig hoch und sorgten im ersten Halbjahr 2016 für die roten Zahlen. Doch hier ist Besserung in Sicht, insbesondere durch die Ausweitung des Geschäftsvolumens, denn "der Wasserkopf" verteilt sich dann besser, weil die Holding-Kosten nicht mitwachsen, während die Erlöse ansteigen. Und der Integrationsaufwand für die EEG fällt in 2017 auch erheblich niedriger aus, so dass der Vorstand die Rückkehr in die Gewinnzone plant.

Niedrige EK-Quote spricht für künftige Kapitalerhöhungen
"Börse Online" erwartet für 2017 ein Ergebnis je Aktie von 0,96 Euro und für 2018 bereits einen Überschuss von 1,25 Euro je Aktie. Bei einem aktuellen Aktienkurs von 6,80 Euro würden beide Werte deutlich einstellige KGVs bedeuten. Als Risikofaktor muss man allerdings ausdrücklich die niedrige Eigenkapitalquote von nur rund 5,5% nennen. Hier ist davon auszugehen, dass Aves One nachbessern muss und auch für das künftige Wachstum wird weiteres Eigenkapital benötigt werden. Anleger müssen sich also auf Kapitalerhöhungen einstellen und/oder auf Zukäufe in Form von "Einbringungen von Sacheinlagen". Die schwache EK-Quote und die Aussicht auf Kapitalerhöhungen dürfte auch einer der Gründe sein, weshalb der Aktienkurs nach einem Zwischenhoch zum Jahreswechsel bei knapp 9 Euro wieder deutlich zurückgekommen ist. Auf der anderen Hand bietet sich hier nochmals die Chance, zu attraktiven Kursen einzusteigen. Jedenfalls für Anleger, die bereit sind, sich längerfristig bei einem (noch) engen Nebenwert zu engagieren, der ein erhöhtes Risikoprofil aufweist. Dem stehen allerdings auch enorme Chancen gegenüber, so dass ich Aves One auf meine Empfehlungsliste nehme und mir einige Aktien ins Depot gelegt habe.

Mittwoch, 24. Mai 2017

Überschätze Dich nicht!

Menschen neigen dazu, sich selbst zu überschätzen, im Straßenverkehr wie an der Börse. So meinen 70 Prozent der Autofahrer, sie würden überdurchschnittlich gut fahren, was natürlich nicht sein kann. Was die eigenen Erfolgsaussichten an der Börse angeht, liegt die Selbstein- und überschätzung noch höher. Gefühlt scheint jeder "den Markt" schlagen zu können. Dabei versagen sogar die meisten Fondsmanager und schneiden schlechter als ihr Vergleichsindex ab. Wie die amerikanische Investmentgesellschaft Vanguard in einer Studie herausfand, hinkten 85 Prozent der aktiv verwalteten Anlagefonds im Zeitraum zwischen 1999 und 2013 ihrem Vergleichsindex hinterher. Im Umkehrschluss lagen also nur 15 Prozent der Fondsmanager besser als der Markt oder zumindest gleichauf.

»Der schlimmste Feind des Investors ist wahrscheinlich er selbst.«
(Benjamin Graham)

Die meisten Fehler an der Börse entstehen, weil Anleger zu wenig Geduld mitbringen und glauben, durch ein gutes Timing schlauer zu sein als die übrigen Anleger. Meistens schauen sie sich dazu Charts an und rückblickend betrachtet liegt klar auf der Hand, wann man kaufen und verkaufen hätte müssen. Und diese "Erkenntnis" wird dann gerne in die Zukunft fortgeschrieben. Aber das funktioniert eben nur selten bis gar nicht. Wenn es so einfach wäre, könnte es ja jeder und jeder würde an der Börse ein Vermögen verdienen. Und das möchte man nur zu gerne glauben...

Was uns Anlegern gerne dazwischenfunkt, sind unsere Emotionen. Denn wir Menschen sind Herdentiere und so neigen wir dazu, bei steigenden Kursen mit dabei sein zu wollen und Aktien zu kaufen und bei fallenden Kursen zu verkaufen. Doch wer mit der Herde investiert, verliert. Niemand schafft es, immer zum Tiefstpunkt einzusteigen und beim Höchstkurs auszusteigen. Niemand.

»Die ganze Börse hängt nur davon ab, ob es mehr Aktien gibt als Idioten oder mehr Idioten als Aktien.«
(André Kostolany)

Wenn man diese einfache Wahrheit zu akzeptieren gelernt hat, ist man schon einen großen Schritt weiter. Der nächste nötige Erkenntnisprozess ist, dass man Kursschwankungen als etwas Normales akzeptiert. Sie ändern den Preis der Aktien, nicht deren Wert! Ob der Aktienkurs bei €50 oder bei €60 steht, ändert nichts an dem Wert des Unternehmens. Lediglich der Preis für eine seiner Aktien hat sich verändert. Trotzdem ändert die Kursveränderung bei den meisten Anlegern ihre Sicht auf ihr Aktienengagement: Unternehmen mit steigenden Aktienkursen werden als erfolgreich eingestuft, jene mit sinkenden Aktienkursen als Verlierer. Dabei resultiert der Aktienkurs schlicht auf Angebot und Nachfrage nach den Aktien zu einem bestimmten Zeitpunkt. Und es ist ein Irrtum zu glauben, andere Marktteilnehmer wüssten mehr, nur weil sie Aktien kaufen oder verkaufen.

»Denke nicht in Kursbewegungen, denke in Geschäftsergebnissen.«
(Warren Buffett)

Wer langfristig an der Börse erfolgreich sein will, muss also seine Emotionen von seinen Investmententscheidungen fernhalten. Doch das ist leichter gesagt als getan. Helfen dabei kann, seine Entscheidungsprozesse zu dokumentieren und zwar so, als würde man einem Freund in einem Brief erklären, weshalb man gerade diese Entscheidung getroffen hat. So setzt man sich intensiver und weniger spontan mit seiner Entscheidung auseinander und zwingt sich, den Fokus deutlicher auf die rationalen Beweggründe für den Kauf bzw. Verkauf zu lenken. Vor allem kann mit einem solchen Börsentagebuch auch später noch aus seinen Fehlern lernen, denn mit etwas Abstand betrachtet und dem Wissen um die Entwicklung nach der Orderaufgabe hat man die Möglichkeit, seine Anlageentscheidungen noch einmal zu reflektieren und zu überprüfen, ob die eigenen Argumente und Prognosen stichhaltig waren und eingetroffen sind. Und ggf. aus gemachten Fehlern Schlüsse ziehen. Dieses "Lehrgeld" ist noch immer das am besten investierte Geld!

Und darüber hinaus sollte man sich eine Anlagestrategie zulegen und diese konsequent durchziehen. Die Grundsätze des Value Investings sind kein Hexenwerk, sondern überwiegend leicht verständliche und simpel anzuwendende Ratschläge. Und "keep it simple" ist selten ein schlechter Rat, auch an der Börse...

Montag, 22. Mai 2017

Aktiensplit und Dividendenverdopplung: Vectron macht seine Aktionäre noch glücklicher

Der Kassensystemhersteller Vectron Systems macht momentan alles richtig. Nachdem man sehr erfolgreiche Zahlen für das Geschäftsjahr 2016 präsentieren und auch das erste Quartal hieran nahtlos anknüpfen konnte, lädt Vectron nun zum 23. Juni zu seiner diesjährigen Hauptversammlung ein. Und die Einladung lässt Aktionärsherzen höher schlagen.

Denn unter TOP 2 schlägt Vectron vor, rund 55% des 2016er Jahresüberschusses als Dividende auszukehren, was umgerechnet 1 Euro je Aktie entspricht und gegenüber dem Vorjahreswert von 0,45 Euro mehr als eine Verdopplung darstellt.

Und noch besser wird es, wenn man sich bis zu TOP 9 vorarbeitet, denn dort kündigt Vectron einen Aktiensplit im Verhältnis 1:4 an. Anstelle einer bisherigen Aktie wird der Aktionär nach der Kapitalmaßnahme dann vier Aktien im Depot haben. Das wird die Aktie, die in den vergangenen Monaten pfeilartig nach oben geschossen ist, wieder auf ein Kursniveau von unter 30 Euro bringen und so optisch verbilligen und wieder für mehr Anleger interessant machen.

 Vectron Systems (Quelle: finanzen.net
Meine Einschätzung
Mit bonVito und der Coca-Cola-Kooperation GetHappy hat Vectron einen weiteren potenziellen Wachstumstreiber im Sortiment, der über alle drei Vectron-Marken und -Systeme bespielt werden kann. Der Vectron-Kundenstamm ist ein vorhandener Markt und darüber hinaus bieten bonVito die Chance auf neue Kunden, die dann auch auf das Vectron-Angebot aufmerksam gemacht werden können. Cross-Selling at it's best!

Gut ein Jahr nach meiner Erstempfehlung steht hier inkl. der Dividendenzahlung annähernd eine Verdreifachung zu Buche. Trotz des starken Kursanstiegs bietet Vectron weiters Potenzial, wenn denn die Pläne des Unternehmens mit der GetHappy-App auch nur ansatzweise aufgehen. Ob man dann an den Kurs "noch eine Null dranhängen" muss, wie Vectron-CEO Stümmler meinte, bleibt abzuwarten. Der Aktiensplit dürfte die Nachfrage nach Vectron-Aktien zusätzlich beflügeln und die Aktie ihren Aufwärtstrend weiter fortsetzen - auch wenn Anleger mit der erhöhten Volatilität zurecht kommen müssen und es auch immer wieder zu Zwischenkorrekturen und sicherlich auch einmal zu einer längeren Konsolidierung kommen wird.

Vectron befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und als einer meiner Jahresfavoriten 2017 in meinem Depot.

Börsenweisheit der Woche 21/2017

"Gelegenheiten kommen unregelmäßig. Wenn es gerade Gold regnet, stell einen Eimer vor die Tür und keinen Fingerhut."
(Warren Buffett)

Samstag, 20. Mai 2017

Liegen BOSS und Burberry bald wieder voll im Trend?

▸ Kissigs Kolumne vom 28. Juni 2016, Aktien Magazin 17/2016 

Die Modewelt sieht sich seit einiger Zeit großen Herausforderungen gegenüber und wenn man sich die Aktienkurse der großen Konzerne ansieht, kann man die Verunsicherung der Anleger über die Zukunft der Branche geradezu mit Händen greifen. Nicht erst die Insolvenz der Steilman SE Ende Februar, die erst kurz zuvor an die Börse gebracht worden war, wirft Fragen auf. Fragen nach der Verantwortlichkeit der Banken, die den Börsengang begleitet haben. Fragen nach der Seriosität des Vorstands, der zum Börsengang noch von einer „erfolgreichen Wachstumsgeschichte“ gesprochen hatte. Fragen nach der Zukunft der Adler Modemärkte, denn das börsennotierte Unternehmen gehört zu knapp 53% zu Steilmann. Und Fragen nach anderen Mode-Unternehmen, denn die Branche insgesamt geht am Stock.

Nicht erst Warren Buffett musste erkennen, dass mit heimischer Textilproduktion kein Geld mehr zu machen war, als er vor 50 Jahren die strauchelnde Berkshire Hathaway übernahm. Eines seiner schlechtesten Investment, denn die asiatische Konkurrenz produzierte so viel billiger, dass die Textilindustrie in Amerika und Europa fast vollständig von der Bildfläche verschwand. Buffett machte daher kurzerhand die Textilfabriken dicht und baute aus den Resten seine milliardenschwere Investmentholding auf.

Andere Hersteller verlagerten ihre Fertigung in die Billiglohnländer und auch deshalb kann man heute bei KiK ein T-Shirt für 3 Euro kaufen. Die Qualität spielt bei vielen Verbrauchern keine Rolle, denn die Trends wechseln immer schneller und wer angesagt bleiben will, muss sich ständig neue Outfits zulegen. Da stört es wenig, wenn die Klamotten nur einige Male getragen werden können, bevor die Farben ausgewaschen sind, die Nähte aufribbeln oder der Stoff einfach reißt. Mode und Textilien sind ein Massengeschäft und die Margen sind klein. Die großen Ketten, die sich auf die geringer Verdienenden fokussieren, graben so auch den kleinen Modegeschäften in den Innenstädten das Wasser ab. Und der Onlinehandel über Zalando, Amazon & Co. tut sein Übriges.

Krisen belasten
Und der Preiskampf wird immer härter, denn die Wirtschaftskrise in Europa und nun auch in Asien hinterlässt tiefe Spuren. Das gilt auch für die Unternehmen, die sich dem stärksten Preiskampf zu entziehen suchen, indem sie sich elitärer geben und von der Masse abheben. Das klappt natürlich nicht einfach so, die Unternehmen können sich nicht mal eben so zur In-Marke erklären und die Preise kräftig anheben. Hier muss eine Marke aufgebaut werden, die Marke muss zum Kult werden, muss angesagt sein, muss angesagt bleiben, innovativ und doch beständig, unverwechselbar.

Die Marke, die Marke, die Marke
Wie Luxus-Marken geboren und kultiviert werden macht keiner so erfolgreich vor wie der Luxusgüter-Konzern LVMH. Die eigene Luxus-Marke Louis Vuitton ist ganz oben angesiedelt, was Preise und Markenwert angeht, aber auch Hermès und Prada spielen in dieser Liga mit. Und die Konzerne verdienen weiterhin viel Geld, trotz Wirtschaftskrisen, denn die Schicht der Millionäre und Milliardäre wächst weltweit jeden Tag weiter an. Und damit die kaufkräftige Kundschaft, die bereit ist, für Exklusivität und Statussymbole viel Geld auszugeben.

Nicht ganz so hoch angesiedelt im Mode-Olymp ist die Marke Burberry. Die britische Kultmarke, die weltweit für ihr Check-Karomuster bekannt ist, versteht es ganz hervorragend, ihre Marke im Bekleidungsluxussegment zu positionieren und gleichzeitig in andere Bereiche vorzudringen, wie Parfüms und den Onlinehandel. Hier ist Burberry ganz vorne mit dabei, geradezu Innovationsführer. 

Hugo Boss möchte gerne dorthin, wo Burberry bereits ist. Der deutsche Modekonzern ist kräftig ins Schlingern geraten, weil die bisherige Strategie nicht mehr aufzugehen scheint. So hatte der langjährige Chef Lahrs versucht, die Marke BOSS höherwertig zu positionieren und aus dem gehobenen Mittelfeld ins untere Luxussegment zu hieven. Dazu wurden eigene Stores in den Einkaufsmeilen aus dem Boden gestampft, während die Verkäufe über freie Modehäuser, wie P&C oder Ansons reduziert wurden. Doch Lahrs verspekulierte sich, bekam den Spagat nicht hin. In den USA sieht sich BOSS einem harten Preiskampf ausgesetzt und will sich diesem entziehen, um die Margen nicht weiter erodieren zu lassen. In Asien, allem voran China, verkauft man die gleichen Produkte mit erheblichem Aufschlag und die chinesischen Kunden werden zunehmend preissensibel, so dass BOSS hier die Preise senken muss, um nicht zu viel Marktanteile zu verlieren. Will man jedoch die Marke jedoch exklusiver und damit teurer positionieren, sind Preissenkungen kaum eine geeignete Maßnahme. Hier hat der neue Konzernlenker einiges an Arbeit vor sich und muss beweisen, dass er BOSS wieder auf Kurs bringen kann. Gelingt dies nicht, wird es für BOSS künftig schwer werden, sich gegen die aufstrebenden Modekonzerne bestehen zu können.

Zara und H&M machen Druck
Denn die aktuellen Stars am Modehimmel kommen aus Spanien und Schweden. Inditex mit seiner Kernmarke Zara und H&M schaffen es zunehmend, die Mittelschicht in ihre Läden zu locken. Hochwertige Kleidungsstücke zu akzeptablen Preisen, dabei immer wieder aktuelle Modetrends aufzugreifen und sogar ab und zu Marken des unteren Luxussegments in den Läden zu präsentieren, trifft den Trend der Zeit. Alle anderen Modekonzerne kriegen diesen Erfolg als Breitseite voll ins Gesicht und straucheln, der eine mehr, der andere weniger.

Burberry macht jetzt auf Tasche
Den direkten Kampf gegen H&M und Inditex/Zara aufzunehmen scheint aussichtslos, und daher bleibt die Strategie vielversprechend, sich und sein Label ins höherpreisige Luxussegment zu heben. Doch das braucht Zeit und kostet viel Geld. Und so hat sich die 160 Jahre alte Traditionsmarke Burberry nach einem erneuten Gewinnrückgang zu einem satten Sparprogramm genötigt gesehen. Man möchte Prozesse verschlanken und die Angebotspalette reduzieren. Es wird künftig also weniger Produkte aus dem Bekleidungssortiment mit dem klassischen Burberry-Muster geben, dafür wird eine Offensive im Bereich der Handtaschen gestartet, weil hier höhere Margen zu erzielen sind und man hinter Louis Vuitton und Prada deutlich hinterherhinkt. Als innovativ und erfolgreich könnte sich der Schachzug erweisen, künftig verstärkt Produkte anzubieten, die auf die regionale Kundschaft zugeschnitten sind.

Großaktionär will mehr BOSS
Nachdem der Finanzinvestor Permira im letzten Jahr bei BOSS ausgestiegen war und damit ein gutes Gespür bewies, da danach der Aktienkurs aufgrund der unternehmerischen Schwierigkeiten um mehr als die Hälfte einbrach, hat BOSS-Großaktionär Gaetano Marzotto seinen Anteil von 7,1 auf nun 10,13 Prozent aufgestockt. Marzotto sitzt auch im BOSS-Aufsichtsrat und ist daher nah dran an der neuen strategischen Ausrichtung, die der neue Chef Mark Langer dem Metzinger Unternehmen verabreicht. Langer ist bereits seit sechs Jahren Finanzvorstand (CFO) und hat nun zusätzlich auch die Aufgaben des Vorstandsvorsitzenden (CEO) übernommen. Die Kostenexplosion, die BOSS zuletzt zwei Gewinnwarnungen infolge einbrockten, dürfte daher der erste Ansatzpunkt „des Neuen“ sein. Nachdem bisher Wachstum und der Auf- und Ausbau der Damen-Kollektion im Vordergrund standen, dürfte künftig eher Konsolidierung angesagt sein. Optimierung der bestehenden Einzelhandelsgeschäfte, langsameres Wachstum beim weiteren Ausbau neuer Einzelhandelsgeschäfte und effizientes Arbeiten in der Verwaltung sollen die Profitabilität wieder signifikant erhöhen.

Auf die Trendwende setzen
Sowohl BOSS als auch Burberry stehen vor Einschnitten, weil die bisherige Expansionsstrategie nicht ausschließlich erfolgreich war und angesichts des Nachfragerückgangs, insbesondere in China, Kostenreduktion und Effizienz eine größere Rolle spielen müssen. Beide Konzerne haben die Zeichen der Zeit erkannt und steuern um. Beide Unternehmen haben das Potenzial und den finanziellen Background, um sich erfolgreich weiterzuentwickeln und künftig auch ihren Anlegern wieder ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, nicht nur ihren Kunden. Für Value-Anleger bietet sich hier die Chance, sich an zwei gut positionierten Modekonzernen in einer Umbruchsituation zu beteiligen und darauf zu setzen, dass die neuen Strategien aufgehen. Dann bergen die Aktienkurse kräftiges Kurspotenzial – und in der Zwischenzeit versüßt einem die Aussicht auf Dividendenrenditen jenseits der 3 Prozent das Warten. BOSS und Burberry könnten bald wieder voll im Trend liegen…

Burberry befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Freitag, 19. Mai 2017

Empfehlungsliste

Performance seit Erstempfehlung inkl. Brutto-Dividenden. Das regelmäßige Update erfolgt jeweils zum Wochenende.














»Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.«, riet Immanuel Kant.
Also, denkt selbst! Diese Liste ist eine Anregung, mehr nicht. Sie dient dazu, dass Ihr Euch Eure eigenen Gedanken zu den Unternehmen macht, Euren eigenen Investment-Case erarbeitet. Dazu könnt Ihr gerne auf meine Einschätzungen zurückgreifen und gerne können wir über die einzelnen Positionen und das (Value) Investing diskutieren. Denn das ist der Grund, weshalb ich dieses Blog betreibe: ich möchte mit Euch ins Gespräch kommen, von Euch lernen. Ich möchte ein besserer Investor werden.


Historie der Transaktionen auf meiner Empfehlungsliste
Auf der ▸Transaktionsliste finden Sie alle Aufnahmen und Streichungen auf meiner Empfehlungsliste seit Start des Blogs.


Investor-Update
Die Empfehlungsliste ist nicht zwangsläufig identisch mit meinem Investment-Portfolio, auch wenn  sie viele Überschneidungen aufweist. Im Investor-Update beschreibe ich daher in unregelmäßigen Abständen, wie die Entwicklungen bei den einzelnen Unternehmen sich in meinem Depot als Käufe, Verkäufe oder Umschichtungen niedergeschlagen haben.


RECHTLICHER HINWEIS NACH WPHG
Viele der in meinem Blog erwähnten Werte halte oder handle ich regelmäßig. Die in diesem Blog enthaltenen Beiträge sind meine persönliche Meinung und stellen weder eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar, noch sind sie als Beratungsleistung zu werten. Ich übernehme trotz aller Sorgfalt keine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen; sie beruhen auf Quellen, die ich für vertrauenswürdig und zuverlässig halte.

Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass der Handel mit Aktien, Optionsscheinen, Zertifikaten, Optionen und anderen Finanzprodukten mit grundsätzlichen Risiken verbunden ist und zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen kann. Gewinne der Vergangenheit können zukünftige Ergebnisse nicht garantieren.

Für Investitionen, die aufgrund meiner Aussagen getätigt werden, übernehme ich keinerlei Verantwortung. Jeder Anleger handelt auf eigenes Risiko und sollte sich von einem Bank unabhängigen Experten beraten lassen, inwieweit die vorgestellten Wertpapiere zu seinem persönlichen Risikoprofil passen.

United Internet: Zurück auf dem Wachstumspfad

▸ Kissigs Kolumne vom 14. April 2017, Anlegermagazin 02/2017 

Ralph Dommermuth ist ein Selfmade-Milliardär und ihm ist dies in nur wenigen Jahren gelungen. Und zwar in Deutschland. Dabei gilt Deutschland als gründerfeindlich und wenig innovativ und umso erstaunlicher ist es, dass Dommermuth es in den letzten 30 Jahren geschafft hat, aus einem kleinen Marketingunternehmen einen weltweit agierenden Multi-Milliarden-Euro-Konzern zu formen. Eine Erfolgsgeschichte, die noch lange nicht zu Ende zu sein scheint.

Die bekannteste Marke des Konzerns ist 1&1 und mit der fing alles irgendwie an. Zunächst verkauft das Unternehmen DSL-Verträge für die Telekom und bot Webhosting an. Das war zu Zeiten, als man noch über das Kupferkabel der Telekom die gerade erst entstehenden Weiten des Internets betrat und als die ersten Unternehmen und Privatleute sich eigene Webseiten zulegten. Schon damals hatte Ralph Dommermuth eine Idee, die bis heute zur Matrix von United Internet gehört: Paketdeals. Er kaufte der Deutschen Telekom damals nämlich große Mengen an Einheiten ab und bekam darauf Rabatte und diese Einheiten bündelte er in eigene Angebote und verkaufte sie an seine Kunden. Im Grunde war schon damals Marketing der wichtigste Ausgabenblock, neben Personalkosten.

Zu Zeiten der Liberalisierung des Telekommarktes Ende der 1990er Jahre kam United Internet an die Börse und legte gleich einen fulminanten Start hin mit einem Zeichnungsgewinn von 200 Prozent. Anders als so viele andere Firmen, die es an den Neuen Markt zog, hatte das Geschäftsmodell von United Internet jedoch Substanz und insbesondere das Gespür Ralph Dommermuths für neue Entwicklungen du Trends im Telekomsektor ließ das Unternehmen profitabel wachsen. Die erzielten Cashflows setzte er ein, um auch durch Firmenkäufe gezielt zu wachsen. Und so vereint United Internet heute eine ganze Reihe bekannter Unternehmen und Marken unter seinem Dach.

Neben der Kernmarke 1&1 gehören dazu web.de und gmx, mit denen United Internet sich zum größten Anbieter im Bereich Webhosting in Europa aufschwang. Und aktuell läuft gerade die kartellrechtliche Prüfung der Übernahme von Strato, das man der Telekom abkaufen möchte. Von Freenet übernahm man das DSL-Geschäft und kaufte später auch noch Wettbewerber Versatel, wodurch man zum größten Anbieter eines eigenen Glasfasernetzes in Deutschland wurde – nach der Telekom. Durch die Übernahmen und den Eintritt in andere europäische Märkte webte Dommermuth einen europäischen Telekommunikationskonzern, der inzwischen im Konzert der Großen mitmischen kann.

Aus dem einstigen Sammelsurium an Firmenbeteiligungen hat sich so inzwischen ein schlagkräftiger Konzern entwickelt mit weltweit fast 17 Millionen kostenpflichtigen Kundenverträgen und über 34 Millionen werbefinanzierten Free-Accounts. Damit ist United Internet einer der führenden Internet-Spezialisten in Europa und kauft sich über strategische Partnerschaften auch in andere Bereiche ein. So hält man 20 Prozent am Mobilfunkprovider Drillisch (United Internet hat angekündigt, Drillsich komplett zu übernehmen, s. unten!) und 8,3 Prozent an Rocket Internet, der Startup-Schmiede von Oliver Samwer.

Operativ gliedert sich United Internet in die zwei Geschäftsbereiche "Access" und "Applications". Im ersten Segment bündelt der Konzern aus Montabaur alle Aktivitäten zu Breitband-, DSL- und Mobile-Access und damit verbundenen Anwendungen. Im Geschäftssegment Applications werden alle Anwendungen wie Personal Information Management, Webhosting, Online-Werbung und seit Neuestem auch Cloud-Anwendungen zusammengefasst. Hier beteiligte man sich gerade im Rahmen einer Kapitalerhöhung mit 29,93 Prozent an der rankingCoach GmbH, einem führenden Anbieter von cloudbasierten Online-Marketing-Lösungen.

Vertikales und horizontales Wachstum
United Internet richtet sich mit seinen Angeboten nicht mehr nur an die Endkunden, sondern auch verstärkt an Unternehmen. Hier bietet man mehr an also bloßes Webhosting für die Internetseite. Mit dem Internetbaukasten, der mit wenigen Klicks die eigene Website erstellen hilft, hat man eine ganze Branche der Webdesigner überflüssig gemacht. Die im Hintergrund laufenden Tools helfen den Unternehmen und Webesitebetreibern bei der Analyse der Klicks und des Kundenverhaltens und über die Tochter Affilinet bietet man eigene Werbebuchung für Websites und Blogs an. Im Grund wandelt United Internet hier auf den Spuren von Google, wenn auch auf deutlich kleinerer Flamme.

Des Weiteren greift man die Telekom frontal an und bietet seit Mitte letzten Jahres Geschäftskunden in Deutschland an, Glasfaseranschlüsse bis ins Büro legen zu legen. Im Festnetzgeschäft wird United Internet damit zunehmend zum Netzbetreiber. Dank der Tochter Versatel verfügt das TecDax-Mitglied inzwischen über ein Glasfasernetz von mehr als 41.000 km in Deutschland. Die Telekom hingegen setzt bevorzugt auf das Vectoring, eine Technik, die vergleichsweise günstig ist, weil sie die bestehenden Kupferleitungen nutzt. Allerdings kann Vectoring bei der Geschwindigkeit nicht mit reinen Glasfaseranschlüssen mithalten. Versatel kann hier deshalb zunehmend punkten.

Der größte Schatz ist jedoch die breite Kundenbasis, die man über die Jahre und mit verschiedenen Anwendungen zusammengekauft hat. Denn es ist wesentlich günstiger, einem Bestandskunden weitere Produkte und Dienstleistungen zu verkaufen, als einen Neukunden zu gewinnen. Und so freut sich United Internet auf Strato und deren fast 1,8 Millionen Kunden, um ihnen eine Vielzahl an weiteren Produkten aus dem United-Internet-Universum anbieten zu können.

Das Wachstum kostet natürlich etwas und das geht zulasten der Gewinne. Diese sind jedoch die Triebfeder für den Aktienkurs und so hat United Internet eine längere Konsolidierungsphase hinter sich, in der der Kurs nicht wirklich von der Stelle kam. Nicht so üppig sprudelnde Gewinne resultierten dabei auch aus der Beteiligung an Rocket Internet, denn da deren Aktienkurs überwiegend Richtung Süden tendiert, gab und gibt es bisweilen Abwertungsbedarf auf diese Beteiligung.

Abgesehen davon läuft es bei United Internet richtig rund. Und das liegt insbesondere am starken Neukundengeschäft. Letztes Jahr gewann man nämlich eine Million neue Kunden im Bereich Mobilfunk hinzu und in diesem Jahr soll die Zahl um weitere 800.000 steigen. Der Umsatz soll dabei um sieben Prozent gesteigert werden, während der operative Gewinn um 12 Prozent zulegen soll. 2016 stand hier noch ein Zuwachs von elf Prozent zu Buche. Insgesamt dürfte United Internet zum Jahresende fast die magische Marke von 20 Millionen Kunden erreichen, die Unternehmenslenker Ralph Dommermuth für 2018 und dem dann 20-jährigen Börsenjubiläum ausgerufen hatte. Und da diese Kunden immer teurere und breiter gefächerte Angebote aus dem Spektrum von United Internet abrufen, steigen Umsatz und Gewinn überproportional zum Kundenwachstum. Die zu erwartenden Gewinnzuwächse zwischen 13 und Prozent für die nächsten beiden Jahre liegen in etwa auf Höhe des zu erwartenden Kurs-Gewinn-Verhältnisses. Ein Kurs-Gewinn-Wachstums-Verhältnis von eins ist für ein Wachstumsunternehmen eher ungewöhnlich und deutet darauf hin, dass hier noch einiges an Nachholpotenzial im Aktienkurs steckt. Auch im Vergleich mit Wettbewerbern sieht United Internet keinesfalls zu teuer aus und dabei hat es noch einen unerreichbaren Wettbewerbsvorteil: den Gründer und Großaktionär Ralph Dommermuth. Ihn und sein erprobtes Gespür für Trends und gute Gelegenheiten bekommen die Aktionäre kostenlos on Top. Und so bleibt abzuwarten, ob sich das Investment in Rocket Internet auf lange Sicht nicht doch noch richtig auszahlt. In der Zwischenzeit gibt es für United Internet-Aktionäre erst einmal eine um 10 Cents auf 80 Cents je Aktie angehobene Dividende.


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ERGÄNZUNG VOM 19.05.2017, 08:05

▸ United Internet schluckt Drillisch

Der Internet- und Telekomkonzern United Internet will das Mobilfunkunternehmen Drillisch übernehmen. So soll neben den drei Anbietern Deutsche Telekom , Vodafone , Telefonica eine vierte starke Kraft im deutschen Telekommarkt entstehen. Dazu will United Internet seine Sparte 1&1 Telecommunication über zwei Kapitalerhöhungen in die Drillisch AG einbringen und so schon einmal die Mehrheit an dem TecDax-Unternehmen erwerben. 1&1 werde dabei mit 5,85 Mrd. Euro bewertet. Zudem bietet United Internet allen Drillisch-Aktionären 50 Euro je Anteil. United Internet hält bereits 20% der knapp 55 Mio. Drillisch-Aktien. Das Gebot für die übrigen Aktien liegt damit bei rund 2,2 Mrd. Euro

Donnerstag, 18. Mai 2017

Cisco Systems: Mund abputzen, weitermachen. Eigentlich läuft's doch...

Vor knapp fünf Jahren fragte ich mich, ob Cisco ein Value Investment wert sei, und habe die Aktie infolgedessen auf meine Empfehlungsliste genommen. Seitdem hat sich eine Rendite aus Kurssteigerungen und Dividendenzahlungen von mehr als 150% eingestellt, was den Netzwerkausrüster Cisco Systems zu einem erfolgreichen, aber nicht zu einem der besten meiner Investments macht. Jedenfalls kann sich die Durchschnittsrendite von mehr als 22% pro Jahr durchaus sehen lassen.

Seit fünf Jahren wird Cisco Systems von Zweifeln begleitet, von Befürchtungen über den wachsenden Konkurrenzdruck asiatischer Anbieter im Kerngeschäft Router und Switches, der Hardware für den Internet- und Datenverkehr. Und seit fünf Jahren verliert Cisco hier Umsätze und streicht zigtausende von Stellen. Auf der anderen Seite wächst Cisco immer weiter in den Bereich Software und Sicherheit hinein, weg vom Hardwaregeschäft. Und so stehen den Umsatz- und Personalrückgängen immer wieder Quartalsergebnisse gegenüber, die die Erwartungen des Marktes hinsichtlich Umsatz und Gewinn übertreffen. So auch dieses Mal, als Cisco gestern Abend seine Zahlen für das abgelaufene erste Quartal präsentierte. Die Umsätze lagen bei 11,94 Mrd.$ und damit um 0,5% unter dem Wert des Vorjahrs, allerdings auch um 40 Mio.$ über den Analystenerwartungen. Und beim Gewinn je Aktie erreichte Cisco mit 0,60$ einen um 0,02$ besseren Wert, als gedacht. Also Freude bei den Aktionären und beim Aktienkurs? Weit gefehlt...

Denn Cisco steht weiterhin vor großen Herausforderungen und hat darauf auch erneut explizit hingewiesen in seinem Ausblick für das laufende Quartal. Und der kam ziemlich schlecht bei den Börsianern an. Denn der Netzwerkausrüster rechnet mit deutlich schwächeren Geschäften. So dürfte der Umsatz im Jahresvergleich um vier bis sechs Prozent schrumpfen und zwischen 11,88 und 12,13 Mrd.$ liegen. Und damit unterhalb der bisherigen Analystenerwartungen von 12,51 Mrd.$.

Die Technik von Cisco steckt in vielen Firmen-Netzwerken, doch die Unternehmen zeigten sich zuletzt eher zurückhaltend und der harte Wettbewerb mit Konkurrenten wie Huawei und Juniper Networks setzt Cisco zusätzlich zu. Auch aus diesem Grund arbeitet Cisco an einer Neupositionierung hin zu mehr Software und Sicherheitslösungen für den Datenverkehr. Diese Transformation hatte schon unter dem langjährigen Cisco-Chef Chambers begonnen und wird von seinem Nachfolger Robbins fortgesetzt.

 Cisco Systems (Quelle: finanzen.net
So mischt der Netzwerkspezialist nicht nur bei der reinen Vernetzung der Internetwelt, sondern auch bei der Speicherung von Daten immer stärker mit, also im Cloud-Geschäft, der Auslagerung von Unternehmens-Daten auf externe Server. Und besonders der Bereich Sicherheit wird immer relevanter, wie die endlosen Debatten um Hackerangriffe gegen US-Präsidentenkandidatin Hillary Clinton zeigen. Daneben setzt Cisco auf die weiteren Wachstumsfelder Internet der Dinge, Next Generation Rechenzentren und Cloud. Hier wird Cisco auch künftig mehr Ressourcen einsetzen und Personal aufbauen und Investieren, auch über Firmenzukäufe. Die waren seit jeher Teil von Ciscos Wachstumsstrategie. Auf der anderen Seite hat Cisco keine Hemmungen, schlecht laufende Geschäftsbereiche rigoros auszudünnen. Und so werden zu den bisher ohnehin geplanten 5.500 Stellenstreichungen nun noch 1.100 weitere Stellen kommen. Cisco setzt hier auf dauerhafte Einspareffekte, allerdings dürften die zusätzlichen Maßnahmen die Kosten für das Streichprogramm noch einmal von 700 Mio.$ vor Steuern um 150 Mio.$ erhöhen. Eine einmalige Ergebnisbelastung zur Generierung dauerhafter Ergebniseffekte.

Und dennoch blickt die Börse vor allem auf den kurzfristigen Negativeffekt und schickte die Aktie fast zweistellig in den Keller. Hier könnten wir einen Vergleich zu "Big Blue" IBM ziehen. Auch dieser Dow Jones-Wert kämpft mit sinkenden Umsätzen und trennt sich von teilen seines alten Kerngeschäfts. Und wie Cisco auch kauft IBM massiv eigene Aktien zurück und erhöht stetig seine Dividendenausschüttungen, weil die Cashflows es hergeben und dennoch genügend Geld für Investitionen in Forschung, Entwicklung und Übernahmen zur Verfügung steht. Aber anders als IBM, deren Aktienkurs seit Jahren nicht von der Stelle kommt, hat sich Cisco durchaus prächtig entwickelt. Weil man bei der Transformation vorankommt und insbesondere durch gezielte Übernahmen in Zukunftsbereiche schnell(er) vorstößt.

Meine Einschätzung
Unbestritten, Cisco Systems sieht sich wachsender Konkurrenz und neuen Herausforderungen ausgesetzt und befindet sich weiterhin im Umbruch. Doch das Unternehme hat in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder bewiesen, dass es adäquat auf neue Herausforderungen reagieren kann und man schreckt auch vor der Schließung ganzer Geschäftsbereiche und der Entlassung tausender Mitarbeiter nicht zurück, um Cisco auf Erfolgskurs zu halten.

Mit dem Internet der Dinge, Sicherheitslösungen für den Internet- und Datenverkehr sowie "Smart Cities" setzt Cisco auf gleich mehrere Megatrends der Zukunft und ist hier federführend mit dabei. Daher bleibt Cisco als Quality Investment aussichtsreich und auf meiner Empfehlungsliste. Der Dow-Jones-Wert ist nach dem Kursabsturz auf rund 28 Euro mit einem KGV von knapp 14 und einer Dividendenrendite von deutlich über 3% attraktiv bewertet und bietet für Langfristanleger eine hervorragende Möglichkeit, am boomenden Wachstumsmarkt "Internet der Dinge" zu partizipieren.

Cisco Systems befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

Dienstag, 16. Mai 2017

DBAG: Nur zwei Wochen nach der Prognoseanhebung steht die nächste vor der Tür...

Eigentlich hat die Deutsche Beteiligungs AG ein eher altbackenes und langweiliges Image, immerhin bereichert der SDAX-Wert schon seit mehreren Jahrzehnten den Deutschen Kurszettel. Doch was das Unternehmen unter der Führung von Torsten Grede gerade abliefert, sprengt auch die optimistischsten Annahmen.

Erst Anfang Mai hatte die DBAG ihre Prognosen für das Geschäftsjahr 2016/2017, das zum 30. September endet, nach oben angepasst - und zwar deutlich. Das Konzernergebnis solle um mehr als 20 Prozent überschreiten und mindestens 56 Mio. Euro betragen. Bis dahin ging das Unternehmen von einem Ergebnisrückgang gegenüber dem Vorjahreswert  zwischen 10 und 20 Prozent aus.

Gewinntreiber ist zum einen das gestiegene Bewertungsniveau der Beteiligungen, denn da die DBAG nach IFRS bilanziert, fließen die Werte tagesaktuell in das Ergebnis ein. Darüber hinaus konnte die DBAG im laufenden Geschäftsjahr jedoch auch schon einige gewinnbringende Verkäufe aus ihrem Bestandsportfolio vornehmen. Und alleine im Mai folgten bereits drei weitere Exits:


DBAG veräußert Beteiligung an Romaco Group
Am 03.05.2017 schloss die Deutsche Beteiligungs AG ihre Beteiligung an der Romaco Group erfolgreich ab. Sie veräußert zunächst rund drei Viertel ihrer Anteile an dem Maschinenbauunternehmen an einen strategischen Käufer: Die Truking-Gruppe ist ein führender chinesischer Maschinenbauer, der mehrheitlich in den Händen des Gründers liegt und bereits einen Teil der Unternehmensgruppe an die Börse gebracht hat.

Auch der von der DBAG verwaltete DBAG Fund V veräußert quotal mit, so dass DBAG und DBAG Fund V mit zunächst 24,9 Prozent beteiligt bleiben. Diese Anteile werden innerhalb der kommenden drei Jahre abgegeben; DBAG und DBAG Fund V können so den Übergang des Unternehmens zum neuen Gesellschafter begleiten. Entsprechende Verträge wurden am Freitag unterzeichnet; ihr Vollzug steht noch unter dem Vorbehalt behördlicher Zustimmung.

Die DBAG und der DBAG Fund V hatten Romaco im April 2011 erworben. Jetzt beenden sie die Beteiligung erfolgreich. Der Veräußerungserlös entspricht mehr als dem Doppelten des ursprünglichen Investments. Der auf die DBAG entfallende Teil übersteigt den Wertansatz der Beteiligung im IFRS-Abschluss der DBAG zum 31. Dezember 2016; die Veräußerung führt deshalb im zweiten Quartal 2016/2017 (Stichtag: 31. März 2017) zu einem Ergebnisbeitrag von rund sechs Millionen Euro. Dieser ist in der angehobenen Jahresprognose bereits berücksichtigt.


▸ DBAG veräußert Beteiligung an Formel D
Am 12.05.2017 schloss die Deutsche Beteiligungs AG ihre Beteiligung an der Formel D GmbH sehr erfolgreich ab und veräußert ihre Anteile an 3i Group plc. Auch der von der DBAG verwaltete DBAG Fund V und das Formel D-Management veräußern ihre Anteile. Die DBAG und der DBAG Fund V hatten Formel D vor vier Jahren von den Gründungsgesellschaftern erworben und durch ein Management-Buy-out (MBO) die Familiennachfolge geregelt.

Die DBAG hatte die Formel D GmbH Marktkreisen zufolge Anfang 2013 für weniger als 100 Mio. Euro erworben und konnte nun einen Verkaufspreis jenseits der 500 Mio. Euro erzielen und damit innerhalb von nur vier Jahren ihr eingesetztes Kapital in etwas verfünfeinhalbfachen.

Der auf die DBAG entfallende Teil des jetzt vereinbarten Veräußerungserlöses übersteigt den Wertansatz der Beteiligung im IFRS-Abschluss der DBAG zum 31. März 2017. Die Veräußerung führt deshalb im dritten Quartal 2016/2017, das am 30. Juni 2017 endet, zu einem Ergebnisbeitrag von rund 10 Mio. Euro. Dieser Ergebnisbeitrag ist in der am vergangenen Dienstag veröffentlichten Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr 2016/2017 nicht berücksichtigt gewesen!


▸ DBAG veräußert Beteiligung an Schülerhilfe
Am 16.05.2017 konnte die Deutsche Beteiligungs AG auch ihre Beteiligung an der ZGS Verwaltungs-GmbH (Schülerhilfe) sehr erfolgreich veräußern und zwar an Oakley Capital Private Equity, einen in London ansässigen Finanzinvestor, zu dessen Portfolio unter anderem zahlreiche Privatschulen gehören.

Auch der von der DBAG beratene DBAG Fund VI und das Schülerhilfe-Management veräußern ihre Anteile. Entsprechende Verträge wurden gestern unterzeichnet; ihr Vollzug steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Kartellbehörden. Es wird erwartet, dass die Transaktion innerhalb der kommenden drei Monate abgeschlossen werden kann. Über den Kaufpreis haben die Vertragsparteien Stillschweigen vereinbart. DBAG und DBAG Fund VI hatten sich vor vier Jahren an Schülerhilfe beteiligt. Nach Berechnungen von Reuters sollen aber 250 Mio. Euro gezahlt worden sein, inkl. Schulden, während die DBAG vor 4 Jahren weniger als 100 Mio. Euro gezahlt hatte.

Der auf die DBAG entfallende Teil des jetzt vereinbarten Veräußerungserlöses übersteigt den Wertansatz der Beteiligung im IFRS-Zwischenabschluss zum 31. März 2017. Die Veräußerung führt im dritten Quartal 2016/2017, das am 30. Juni 2017 endet, zu einem weiteren Beitrag für das Konzernergebnis von rund 9 Mio. Euro. Dieser Ergebnisbeitrag ist nicht in der am 9. Mai 2017 veröffentlichten Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr 2016/2017 berücksichtigt gewesen!

Mindestens 19 Mio. 27 Mio. Euro oben drauf
In Summe führen die beiden letzten Verkäufe dazu, dass die kürzlich angehobene Prognose der DBAG für das Geschäftsjahr 2016/2017 zu niedrig sein dürfte und deutlich übertroffen werden dürfte. Wir stehen also vor einer weiteren Anhebung!

Rechnen wir zu der erhöhten Prognose von mindestens 56 Mio. Euro die beiden zusätzlichen Veräußerungsgewinne von zusammen 19 Mio. 27 Mio. Euro hinzu (s. unten), läge das Ergebnis für das Geschäftsjahr 2016/2017 bei mindestens 75 Mio. 83 Mio. Euro. Dabei ist nicht ausgeschlossen, dass die DBAG noch weitere gewinntreibende Exits in der Pipeline hat, denn sie verfügt über ein Beteiligungsportfolio mit knapp 40 Unternehmen, von denen eine große Zahl einen so "reifen" Status erreicht hat, dass ein Verkauf für die DBAG infrage kommt.

Meine Einschätzung
Die DBAG hat eine hervorragenden Ruf in der Branche und kann einen sehr langen und sehr erfolgreichen Track-Record aufweisen. Sie verdient nicht nur direkt über ihre Co-Investments an den Beteiligungen in den von ihr gemanagten Fonds, sondern auch an den hierfür eingenommenen Gebühren. Dies sorgt für einen stetigen und steigenden Strom an Einnahmen, losgelöst vom schwankungsanfälligeren Erfolg beim Verkauf von Beteiligungen.

 DBAG (Quelle: finanzen.net
Die DBAG verfügt über eine Eigenkapitalquote von mehr als 90 Prozent und ist seit Jahrzehnten erfolgreich am Markt unterwegs. Ihre Ausrichtung als Asset-Manager, der Beteiligungs-Fonds auflegt und sich an diesen über Co-Investments auch selbst beteiligt, funktioniert hervorragend. Dabei ist das Risiko begrenzt, während die breite Diversifikation im DBAG-Portfolio die Aktie zu einem "Best-of-Deutscher-Mittelstand-Investment" macht.

Die kürzlich erfolgte Anhebung der Jahresprognosen und die beiden zusätzlich gewinnerhöhenden Exits zeigen, welches Potenzial im DBAG-Ansatz steckt - und damit in der Aktie, die für langfristig orientierte Anleger ein ausgezeichnetes Chance-Risiko-Verhältnis aufweist.

Die jüngsten Erfolgsmeldungen, bei denen das eingesetzte Kapital innerhalb weniger Jahre vervielfacht werden konnte, dürften dem Aktienkurs weiter Auftrieb geben und die 40-Euro-Marke nur ein Zwischenschritt auf dem weiteren Weg nach oben sein. Die Analysten von SRC Research hatten vor dem heutigen Verkauf ihr Kursziel gerade erst von 40 auf 42 Euro angehoben, doch das dürfte nun ebenfalls bereits wieder überholt sein. Und wir können nun auch davon ausgehen, dass wir eine deutliche Dividendenanhebung sehen werden, so dass im nächsten März anstatt der diesjährigen 1,20 Euro eher 1,30 oder sogar 1,40 Euro ausgeschüttet werden dürften.

Die DBAG befindet sich auf meiner Empfehlungliste und in meinem Depot.


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ERGÄNZUNG VOM 18.05.2017, 09:45

▸ DBAG veräußert Beteiligung an ProXES

Die Deutsche Beteiligungs AG schließt auch ihre Beteiligung an der ProXES-Gruppe sehr erfolgreich ab und veräußert ihre Anteile an den von der Schweizer Beteiligungsgesellschaft Capvis Equity Partners AG beratenen Fonds Capvis Equity Partners IV LP. Auch der von der DBAG verwaltete DBAG Fund V veräußert seine Anteile. Das ProXES-Management reinvestiert substantiell. Entsprechende Verträge wurden heute unterzeichnet; ihr Vollzug steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Kartellbehörden. Es wird erwartet, dass die Transaktion innerhalb der kommenden drei Monate abgeschlossen werden kann. Über den Kaufpreis haben die Vertragsparteien Stillschweigen vereinbart.

Der auf die DBAG entfallende Teil des Erlöses aus der jetzt vereinbarten Veräußerung übersteigt den Wertansatz der Beteiligung im IFRS-Zwischenabschluss der DBAG zum 31. März 2017. Die Veräußerung führt im dritten Quartal 2016/2017, das am 30. Juni 2017 endet, zu einem weiteren Beitrag für das Konzernergebnis von rund 9 Mio. Euro. Auch dieser Ergebnisbeitrag ist nicht in der am 9. Mai 2017 erhöhten Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr 2016/2017 berücksichtigt gewesen. Insgesamt ergibt sich aus den drei Transaktionen ein Beitrag von gut 27 Mio. Euro, der nicht in der Prognose berücksichtigt worden war.

Warburg hat mittlerweile sein Kursziel auf 45 Euro erhöht von zuvor 39,50 Euro. Grund waren die sehr guten Halbjahreszahlen.

Montag, 15. Mai 2017

Worauf man bei Dividendenrenditen achten sollte

▸ Kissigs Kolumne vom 20. Januar 2016, Aktien Magazin 02/2016 

In Zeiten niedriger Zinsen für Spareinlagen und Anleihen gehen Anlegern langsam die Alternativen aus. Immer wieder wird dazu geraten, auf dividendenstarke Aktien zu setzen, um so eine attraktive Verzinsung zu erzielen. „Dividenden sind der neue Zins“ ist gar zu einem geflügelten Werbespruch geworden. Doch so ganz ohne Risiko ist dieser Rat natürlich nicht... 

Aktienkurse schwanken
Aktien sind bekanntlich Unternehmensanteile und diese kann man über die Börse handeln. Daher entsteht der Eindruck, der Wert des Unternehmens würde sich täglich ändern. Aber das tut er selbstverständlich nicht! Lediglich der Preis, den man für einen Anteil am Unternehmen bezahlen muss und damit der Preis des gesamten Unternehmens verändert sich mit jeder neuen Kursfeststellung. Für mittel- und langfristig orientierte Anleger sind die Kursschwankungen also kein Hinderungsgrund, sich Aktien zuzulegen.

Darüber hinaus darf man auch nicht übersehen, dass die Dividenden am Tag der Ausschüttung vom Aktienkurs abgezogen werden. Das ist der sog. Dividendenabschlag. Denn das Unternehmen zahlt ja die Gelder an seine Aktionäre aus und für das Unternehmen stellt dies einen Wertverzehr dar. Den Rest des Jahres - bzw. Quartals bei amerikanischen Unternehmen, die zumeist Quartalsdividenden zahlen - wird die nächste Dividende in Form von Unternehmensgewinnen dann wieder im Kurs "angesammelt".

Auch Dividenden schwanken
Die absolute Höhe der Dividende ist weit weniger interessant, als ihr Verhältnis zum jeweiligen Aktienkurs. Denn hieraus ergibt sich die auf das Jahr berechnete Dividendenrendite. Und die kann man dann mit dem Jahreszinssatz für Spareinlagen oder Bundesanleihen vergleichen. Je höher die Dividendenrendite, desto attraktiver ist die betreffende Aktie. Doch hier gibt es einiges zu beachten, damit man auch sicher Freude an seinem Investment hat.

So ist die Höhe der Dividenden nicht festgeschrieben, sondern wird von der Hauptversammlung beschlossen. Wachstumswerte, die auf das Kapital angewiesen sind, schütten zumeist weniger bis gar nichts aus und Unternehmen, die deutlich höhere Zahlungen vornehmen, sind oftmals gesetzte Unternehmen mit einem erfolgreichen Geschäftsmodell, das wenig zusätzliche Investitionen verlangt.

Des Weiteren sollte man unbedingt auf die Ausschüttungsquote achten, also überprüfen, wie viel der zur Verfügung stehenden Mittel als Dividende ausgekehrt werden. Im Regelfall sollte dies nicht mehr als die Hälfte sein. Während in Deutschland häufig auf den Jahresüberschuss bzw. das Ergebnis je Aktie geschaut wird, findet in den angelsächsischen Ländern hauptsächlich der freie Cashflow Anwendung. Zu Recht, wie ich meine. Denn der Jahresüberschuss beinhaltet u.a. auch Abschreibungen, während der freie Cashflow der Liquiditätszufluss aus dem operativen Geschäft ist, bereinigt um die Investitionstätigkeit. Letztlich also das Geld, das am Ende für die Aktionäre wirklich zur Verfügung steht.

Substanzverzehr als Warnsignal
Schüttet ein Unternehmen nun als Dividende mehr aus, als es verdient hat (also der freie Cashflow hergibt), zehrt es von seiner Substanz - es löst Rücklagen auf. Und dies kann ein ernsthaftes Warnsignal sein! Denn sollte dies mehrmals vorkommen, verliert das Unternehmen an Wert und der Aktienkurs wird sich dieser negativen Entwicklung nicht dauerhaft entziehen können und deutlich fallen. Man kann sich das vorstellen wie ein Motor, der ständig Öl verliert, ohne dass frisches nachgefüllt wird. Was kein normaler Mensch tun würde, weil er damit den Motor schädigt und ein großes Problem verursacht.

Übergangsweise hingegen kann ein Rückgriff auf die Rücklagen zum Zweck der Dividendenzahlung aber dennoch positiv gesehen werden, wenn zum Beispiel einmalig schwache Jahresergebnisse geglättet werden sollen und so Dividendenkontinuität zu gewährleisten. Wie zum Beispiel bei Rückversicherungsunternehmen, die Jahre mit hohen Schadensquoten so ausgleichen mit Mitteln, die sie in Jahren mit höheren Prämieneinnahmen aufgrund geringer Schadensereignisse auf die Seite gelegt hatten.

Hohe Dividendenrenditen sind nicht unbedingt positiv
Dividendenrenditen werden ermittelt, indem man die Dividende ins Verhältnis zum Aktienkurs setzt. So kann man verschiedene Unternehmen miteinander vergleichen. Diese darf man aber nicht isoliert betrachten, denn weil die Dividendenrendite ja die Komponente Aktienkurs enthält, muss man diesen zunächst hinterfragen. Denn eine hohe Dividendenrendite kann aus einer hohen Dividende oder einem niedrigen Aktienkurs resultieren. Oder einer Kombination aus beiden. Zahlt ein Unternehmen 1 EUR Dividende je Aktie, macht dies bei einem Aktienkurs von 50 EUR eine Dividendenrendite von 2 Prozent aus. Stürzt der Kurs nun dramatisch ab, z.B. aufgrund einer Gewinnwarnung des Unternehmens, und notiert nur noch bei 20 EUR, läge die Dividendenrendite schlagartig bei 5 Prozent. Das klingt viel attraktiver, ist es aber in diesem Fall nicht!

Denn vermeldet das Unternehmen eine Gewinnwarnung, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es auch eine geringere Dividende für dieses Geschäftsjahr geben wird. Wenn überhaupt noch eine gezahlt werden kann. Die überall angegebene Dividendenhöhe bezieht sich auf die Zukunft und ist eine Prognose. Die Analysten nehmen ihre Einschätzungen allerdings nicht immer unverzüglich vor, sondern bisweilen mit einigem zeitlichen Abstand, so dass die Angaben auf Börsenseiten oder in Anlegermagazinen durchaus veraltet sein können. Und während dann die Dividendenrendite optisch hoch und verlockend aussieht, kann sich dies nach der nächsten Anpassung der Prognosen dann schlagartig ändern. Eine hohe Dividendenrendite alleine sollte also niemals alleiniges Anlagekriterium sein.

Auf Dividendenaristokraten setzen
Niemand ist davor gefeit, dass Unternehmen Dividenden senken oder aussetzen. Man kann aber die Wahrscheinlichkeit erhöhen, stetige Dividenden zu erhalten. Und zwar, indem man auf die sog. Dividendenaristokraten setzt. Hierzu gehören nach den Kriterien der Ratingagentur Standard & Poors Unternehmen, die in den vorausgegangenen 25 Jahren in Folge ihre Ausschüttungen beibehalten oder erhöht haben.

»Einer der überzeugendsten Tests hoher Qualität von Firmen ist eine ununterbrochene Historie von Dividenden, die sehr viele Jahre zurückreicht.«
(Benjamin Graham)

In Deutschland findet sich hierzu jedoch kein einziges Unternehmen, daher werden hier auch weichere Kriterien angesetzt, um dem Grundprinzip Rechnung tragen zu können.


  • In jedem der vergangenen zehn Jahre muss eine Dividende ausgeschüttet worden sein.
  • In mindestens sieben dieser Jahre muss sie stabil oder höher ausgefallen sein.
  • Die Dividendenrendite muss mindestens 3 Prozent betragen.
  • Die Eigenkapitalquote muss bei mehr als 30 Prozent liegen.
  • Das Unternehmen muss einen geringen Verschuldungsgrad aufweisen.


Grundsätzlich geht es darum, nur die Unternehmen auszuwählen, bei denen auch künftig eine konstante oder sogar steigende Dividende zu erwarten ist und die durch unternehmerische Erfolge erwirtschaftet wurde.

Auch auf die Bewertung achten
Wenn man bei der Auswahl der richtigen Unternehmen nun noch auf die günstig bewerteten setzt, also auf ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) und/oder ein niedriges Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV), winken zusätzlich noch Kursgewinne während der Anlagezeit, die die Gesamtrendite des Investments noch steigern können. Denn Studien belegen, dass Aktien mit Dividendenausschüttungen langfristig deutlich höhere Kurssteigerungen verzeichnen, als solche ohne Dividendenausschüttungen. Warren Buffetts Berkshire Hathaway einmal ausgenommen. 

Negativbeispiel AT&T
Die Aktie des US-Telefongiganten ist moderat bewertet mit einem KGV unter 12. Und die Dividendenrendite fällt mit über 5,5 Prozent sehr üppig aus. Allerdings zahlt AT&T seit mehreren Jahren schon Quartalsdividenden, die um einiges über dem Free Cashflow liegen. Darüber hinaus kauft AT&T auch noch eigene Aktien zurück, so dass für das operative Geschäft immer weniger Geld zur Verfügung steht. Dieses ungesunde Missverhältnis kann früher oder später zu ernsthaften Problemen führen. Entweder AT&T reduziert seine Investitionen, was bei den ständig steigenden Anforderungen an mobile Kommunikationsnetze kaum sinnvoll wäre, oder man reduziert den Verbrauch des freien Cashflows. Was eine Reduzierung der Aktienrückkäufe und/oder der Dividenden bedeuten würde. Ein schlechtes Spiel auf Zeit.

Positivbeispiel Evonik
Anders verhält es sich beim MDAX-Konzern Evonik. Dieser teilte gerade mit, er habe das Geschäftsjahr 2015 „hervorragend abgeschlossen“ und stellte eine Dividendenerhöhung von 1 EUR auf 1,15 EUR in Aussicht. Dies entspricht einer Dividendenrendite von knapp 4 Prozent und dabei orientiert sich Evonik an dem Kriterium der Dividendenkontinuität – dieses Dividendenhöhe soll also auch für die Folgejahre das Mindestmaß sein. Und das scheint realistisch, denn Evonik schüttet nur rund 40 Prozent des um Sonderfaktoren bereinigten Konzernergebnisses aus. So bleiben dem Unternehmen immer noch genügend Mittel, um sein operatives Geschäft und Investitionen zu finanzieren. Und die Dividendenrendite von 4 Prozent kann man nur als attraktiv bezeichnen.