Donnerstag, 30. Juni 2016

Intelligent investieren im Sachwert Magazin: Buy & Hold à la Warren Buffett

In der aktuellen Ausgabe des Sachwert Magazins ist ein Artikel von mir erschienen zum Thema Buy & Hold, dem langfristigen Investieren in Qualitätsaktien.

>> Link zur Online-Version der Ausgabe 44.


Buy & Hold: Geh den Warren Buffett Weg
Warren Buffett liebt und lebt das Prinzip des Buy & Hold, des Kaufens und Behaltens. Seine bevorzugte Anlagedauer sei für immer, hat er öffentlich verkündet. Und wenn man sich die größten Positionen in dem Portfolio seiner Investmentholding Berkshire Hathaway ansieht, so sind sie teilweise seit Jahren und Jahrzehnten unverändert: Wells Fargo, American Express, Coca Cola. Auch seine im lukrativen Duracell-Deal eingetauschten Procter & Gamble-Aktien hielt er weit mehr als 10 Jahre - sie resultierten aus seinem Einstieg bei Gillette, die dann von P&G übernommen wurden.

Seine Einstellung zum langfristigen Investieren legt Buffett auch immer wieder in seinen Jahresberichten dar, die er den Berkshire-Aktionären und Anlegern weltweit zur Verfügung stellt. Zwei besonders bemerkenswerte Passagen aus Jahresberichten von Mitte der 1990er Jahre möchte ich heute mal aufgreifen und in Erinnerung rufen.

"Inaktivität erscheint uns als intelligentes Verhalten. Weder wir noch die meisten Business-Manager würden hoch profitable Tochtergesellschaften fieberhaft handeln, nur weil ein kleiner Schritt beim Zinssatz durch die Federal Reserve vorhergesagt wurde, oder weil irgendein Wall-Street-Experte seine Ansichten zum Markt geändert hätte. Warum also sollten wir uns anders verhalten bei unseren Minderheitsbeteiligungen an wunderbaren Unternehmen?"

Diese Sicht auf die Börse sollte sich jeder Anleger noch einmal vergegenwärtigen. Nur weil man Aktien jederzeit handeln kann, heißt das nicht, dass man das auch tun muss oder soll. Man sollte sich darauf besinnen, dass man sich an einem Unternehmen beteiligt, eine Partnerschaft mit den anderen Eigentümern eingeht, nicht bloß ein Lotterielos namens Aktie für ein Casino namens Börse kauft. Als würde man in eine GmbH einsteigen, dort Anteile erwerben. Die kann man nicht tagesaktuell kaufen oder verkaufen.

"Die Kunst der erfolgreichen Investitionen in öffentliche Unternehmen ist kaum unterschiedlich zu der Kunst des erfolgreichen Erwerbs von Tochtergesellschaften. In beiden Fällen möchte man einfach zu einem vernünftigen Preis ein Unternehmen in ausgezeichneter wirtschaftlicher Verfassung und einem ehrlichen Management erwerben. Danach muss man nur überwachen, ob diese Eigenschaften beibehalten werden."

Solange sich also die Rahmendaten für das Unternehmen nicht fundamental verändern und eine Neueinschätzung des Investments nötig machen, solange verändert Buffet auch seine Haltung gegenüber dieser Position nicht. Seiner Auffassung nach ist dafür das Management zuständig. Das soll das Unternehmen immer wieder an neue gesetzliche Regelungen und wirtschaftliche Herausforderungen anpassen und neu aufstellen. Das ist nicht die Aufgabe eines Aktionärs. Hier unterscheidet Buffett rigoros und deshalb ist ihm ein erfahrenes, kompetentes und ehrliches Management auch so wichtig.

Buffetts Qualitätskriterien
Er investiert daher in Unternehmen mit einem hervorragenden Business, das gegenüber seinen Konkurrenten unbezwingbare Wettbewerbsvorteile und damit eine Preissetzungsmacht hat. Beim Quality Investing wird neben der eigentlichen Bewertung anhand der Kennzahlen, wie Kurs-Gewinn-Verhältnis, Kurs-Buchwert-Verhältnis, Verschuldungsgrad, Eigenkapitalrendite oder Cashflow-Betrachtungen besonders auf die Stellung des Unternehmens im Markt geachtet, also ob es über einen Wettbewerbsvorteil gegenüber seinen Mitbewerbern verfügt ("Moat"). Und wenn diese Voraussetzungen vorliegen, dann fällt es einem Investor auch wesentlich leichter, sich zurückzulehnen und dem Management die Zügel zu überlassen, sich in Geduld zu üben, während sich das Unternehmen entwickelt. Und mit ihm der Aktienkurs. Wie uns schon Benjamin Graham, der Urvater der Fundamentalanalyse und Lehrer sowie Mentor Warren Buffetts lehrte: "Geduld ist die oberste Tugend des Investors".

In diesem Sinne wünsche ich uns allen mehr Geduld bei unseren Investments und mehr Gelassenheit beim Umgang mit dem täglichen "Blätterrauschen" der Börsenblättchen, Newsletter und Hot-Stock-Empfehlungen.

Mittwoch, 29. Juni 2016

Zahlen & Mehr: Aurelius, Deutsche Rohstoff, Lloyd Fonds, Ringmetall

Aurelius SE
Der Münchener Finanzinvestor Aurelius erwirbt Working Links, den führenden Anbieter von beruflichen und sozialen Wiedereingliederungsleistungen, mit Niederlassungen in Großbritannien, Irland und im Nahen Osten. Working Links bietet Beratungs- und Betreuungsleistungen zur Wiedereingliederung und Rehabilitation in drei verschiedenen Bereichen: Der Bereich der beruflichen Wiedereingliederung zielt darauf ab, die Lebensverhältnisse von Menschen durch Beschäftigung, Schulung und die Entwicklung persönlicher Fertigkeiten zu verbessern. Mit den sozialen Wiedereingliederungsmaßnahmen zur Rückfallprävention soll eine erneute Straffälligkeit verhindert und so die Öffentlichkeit geschützt werden. Der Bereich internationale Dienstleistungen beinhaltet Beratungsdienstleistungen zur beruflichen Wiedereingliederung für inländische Arbeitnehmer in Saudi-Arabien und Kuwait sowie die Durchführung von "Job Path", einem Programm der irischen Regierung, um Langzeitarbeitslose in sechs Regionen Irlands wieder zurück in Arbeit zu bringen. 2015 erzielte Working Links einen Jahresumsatz von rund €160 Mio. und über die Kaufsumme wurde Stillschweigen vereinbart.

Dies ist bereits die dritte Aurelius-Akquisition im zweiten Quartal 2016 und nach CEO Dr. Dirk Markus sind noch 6 bis 8 Käufe und Verkäufe in der Pipeline für dieses Jahr. Negative Auswirkungen durch den Brexit erwartet Aurelius nicht, weder für seine Tochterunternehmen in Großbritannien noch für für den Konzern. Aurelius handele von jeher eher antizyklisch und derartige gesamtwirtschaftliche Umbruchsituationen liefern für das Geschäftsmodell interessante Opportunitäten.

Deutsche Rohstoff AG
Die DRAG wird bis 18.7.2016 eine neue Unternehmensanleihe 2016/2021 (WKN A2AA05) mit einem Volumen von bis zu €75 Mio. platzieren, deren Laufzeit 5 Jahre beträgt. Der jährliche Zinssatz beläuft sich auf 5,625% und wird halbjährlich ausgezahlt. Darüber hinaus erhalten die Inhaber der Anleihe 2013/2018 (WKN A1R07G) eine Einladung zur Abgabe von Umtauschangeboten und können je €1.000 nominal der Anleihe 2013/2018 in den gleichen Betrag der neuen Anleihe 2016/2021 tauschen. Zusätzlich erhalten sie eine Barzahlung in Höhe von €40 pro €1.000 nominal, so dass der Umtausch zu 104% erfolgt.

Die DRAG verfolgt hiermit das Ziel, ihre deutlich höher verzinste Anleihe aus den Büchern zu bekommen, um sie gegen eine günstigere Variante auszutauschen. Sie hat die Möglichkeit, die alte Anleihe ab 11. Juli zu kündigen und zu 103% zurückzukaufen. Es ist davon auszugehen, dass die DRAG hiervon Gebrauch machen wird, um (Zins-)Kosten zu sparen. Das Umtauschangebot ist daher eine freundliche Variante für die Anleiheinhaber, denn die DRAG möchte diese ja nicht vergraulen, sondern als Anleger für die neue Anleihe gewinnen.

Mit den verfügbaren liquiden Mitteln, die sich per 31.12.2015 auf €83 Mio. beliefen, beabsichtigt die DRAG im Wesentlichen, Öl- und Gasbohrungen auf ihren Flächen in der Nähe von Denver im US-Bundesstaat Colorado zu finanzieren. Seit September 2015 besteht dort eine Öl- und Gasproduktion aus fünf Horizontalbohrungen, die bereits in den ersten drei Produktionsmonaten rund 35% der Investitionskosten wieder eingespielt hatten. Seit Ende März 2016 läuft ein weiteres Bohrprogramm, in dessen Rahmen insgesamt 25 Bohrungen abgeteuft werden sollen. Alle 25 Bohrungen werden voraussichtlich zwischen August und Oktober 2016 mit der Öl- und Gasproduktion beginnen. Bei den Bohrungen handelt es sich nicht um Explorationsbohrungen mit dem entsprechenden Fündigkeitsrisiko, sondern um die Entwicklung des bereits gut erschlossenen und bekannten Wattenberg Öl- und Gasfeldes.

Lloyd Fonds AG
Der Asset-Manager Lloyd Fonds verkauft zwei Hotels in Berlin und Nürnberg aus dem Bestand seines Immobilienfonds "Moderne Großstadthotels". Dessen Anleger erzielen somit eine Rendite von über 11% p.a. vor Steuern und die Lloyd Fonds AG erhält einen substantiellen Ertrag aus der Erfolgsbeteiligung. Käufer der beiden Motel One-Hotels ist die Hotelgruppe Motel One. Die beiden Hotels wurden zum 14,6-fachen der Jahresnettomiete erworben und nun konnte Lloyd Fonds sie zum rund 19,8-fachen verkaufen. Der jetzige Verkaufspreis liegt damit um rund 42% über dem damaligen Kaufpreis und da Lloyd Fonds über eine Performance-Regelung am Erfolg des Fonds beteiligt ist, verzeichnet das Unternehmen aus diesem Verkauf einen substantiellen Ergebnisbeitrag. Die Lloyds Fonds AG geht mit großen Schritten ihren Weg und mausert sich zu einem äußert erfolgreichen Turnaroundwert, der künftig verstärkt mit Schiffen und Immobilien punkten will. Nachdem man den Konzerngewinn im Geschäftsjahr 2015 auf €1,6 Mio. glatt verdoppeln konnte und damit das dritte Jahr infolge im positiven Bereich lag, wird der Hauptversammlung am 20. Juli erstmals seit vielen Jahren wieder eine Dividendenausschüttung vorgeschlagen, die bei €0,07 je Aktie liegen soll. Und auch im laufenden Jahr kommt man voran: so konnte der Asset-Manager zuletzt vermelden, er habe "ergebniswirksam" mehrere Touristen-Hotels an ein namhaftes Family Office vermittelt.

Ringmetall AG
Ringmetall, früher unter H.P.I. Holding firmierend, hat ertsmals nach der großen Firmenübernahme der Self Industries im vergangenen Jahr Unternehmenszahlen präsentiert und die können sich sehen lassen. Im ersten Quartal 2016 legte man in der neuen Firmenstruktur sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis deutlich zu: die Umsatzerlöse erhöhten sich um 35,9% auf €22,4 Mio. (Q1 2015: €16,5 Mio.), die Bruttomarge verbesserte sich von 48,5% auf 51,5% und dementsprechend überproportional stiegen auch das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) um 76,9% auf über €3,0 Mio. (Q1 2015: €1,7 Mio.) an und das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT), bei dem ein Anstieg um 114,7% auf  €1,9 Mio. zu verzeichnen war (Q1 2015: €0,9 Mio.).

Künftig möchte man einen verbesserte Kapitalmarktkommunikation an den Tag legen und heuerte hierzu den Experten Ingo Middelmenne an. Gut möglich, dass dieser schon bald Meldungen über neue Zukäufe verfassen muss, denn Ringmetall befinde sich in "fortgeschrittenen Gesprächen mit diversen interessanten Unternehmen". Ringmetall wird zurzeit noch im Entry Standrad gelistet, strebt aber mittelfristig eine Notiz im Geregelten Markt an.

Aurelius, Deutsche Rohstoff, Lloyd Fonds und Ringmetall befinden sich auf meiner Empfehlungsliste.

Buffetts Bonmots: Kursrückschläge sind kein Grund, Aktien zu verkaufen

Warren Buffett ist der erfolgreichste Investor aller Zeiten, er steht seit 50 Jahren an der Spitze seiner Investmentholding Berkshire Hathaway und hat bereits davor sehr erfolgreich Investment-Partnerships geleitet. Sein durchschnittlicher Vermögenszuwachs pro Jahr beträgt fast 20 Prozent. Und er ist einer drei reichsten Menschen der Welt.

Das kommt nicht von ungefähr, denn Buffett ist Value-Investor. Er sucht nicht nach Aktien, die schnell steigen, sondern nach Unternehmen, deren Aktien zu niedrigeren Kursen zu kaufen sind, als sie wert sind. Auch aus diesem Grund versucht er nicht, den Markt zu timen, die Börsenkurse vorherzusagen. Er schaut nicht einmal regelmäßig nach ihnen, sondern nutzt die Börse nur als Markt, an dem er Aktien kaufen und verkaufen kann. Nach ganz klar definierten Grundsätzen und nicht aufgrund makroökonomischer Überlegungen oder Börsenstimmungen.


"Wenn jemand gute Aktien hat, wäre er verrückt, wenn er nur wegen eines Kursrückschlags verkaufen würde.
Ich suche Unternehmen, die ich verstehe und von deren Zukunftsaussichten ich überzeugt bin."
(Warren Buffett)


Und so erklärt sich auch sein gutes Verhältnis zu Marktkorrekturen, denn während andere Anleger aus dem Markt heraus strömen, beginnt Buffett mit dem Kaufen. Er investiert in solide Unternehmen mit bewährtem Geschäftsmodell und gut prognostizierbaren Umsätzen und Gewinnen. Und vor allem Cashflows. Denn Buffett liebt Cashflows, aus denen speisen sich Dividenden und Aktienrückkäufe, die Buffett für eine entscheidende Komponente hält auf dem Weg des Anlegers zu Wohlstand.

Wenn nun also Aktienkurse stark einbrechen, hat Buffett kein Angst um sein Geld, das er in Aktien investiert hat. Er betrachtet stattdessen die Werte, die diese Aktien haben und entscheidet auf dieser Basis, welche Aktien er nun kauft. Denn in Kurskorrekturen kommt es regelmäßig zu panikartigen Ausverkäufen, wenn auf einmal alle Anleger gleichzeitig aus einer Aktie heraus wollen, aber nur geringe Nachfrage auf der Käuferseite vorherrscht. Der Kurs stürzt übermäßig ab und dann schlägt Buffetts Stunde: er kauft diese nun unterbewerteten Aktien. Und dabei freut er sich, dass er sie so günstig bekommt, denn er weiß, welchen Wert sie eigentlich haben und nur auf den konzentriert er sich. Nicht auf ihren Preis, ihren Kurs, nicht auf sein schon bestehendes Aktienportfolio, in dem die Kurse ja ebenfalls absinken und rechnerisch so sein Vermögen um Milliarden schmilzt. Buffett sieht nur den Wert seiner Aktien und daher kauft er, wenn andere ihm ihre Aktien geradezu aufdrängen.

Dieses Verhalten nennt man konträr und die meisten Börsengurus, die mit Aktien Vermögen gemacht haben, erzielten diese durch konträres Verhalten. "Sei gierig, wenn andere ängstlich sind, und sei ängstlich, wenn andere gierig sind" ist ein weiterer Leitspruch Warren Buffetts und beschreibt exakt seinen Investmentstil. Dass diesem so wenige Anleger folgen, liegt in der Psyche der Menschen begründet. Wir sind Herdentiere und neigen dazu, mit dem Strom zu schwimmen. Und wir haben einen angeborenen Fluchtinstinkt, der uns ohne zu überlegen, fortlaufen lässt, wenn wir Gefahr wittern. Und erst hinterher überlegen wir, ob denn die Gefahr wirklich real war. Ein Kurseinbruch an der Börse löst diesen Fluchtinstinkt aus und nur wenige Menschen gelingt es, ihn dann zu kontrollieren und genau das Gegenteil zu tun: zu bleiben, näher ran zu gehen während sich der Bär austobt.

Wenn man nun schon nicht komplett anders handeln kann, als die Masse, dann kann man wenigstens versuchen, seinen Verstand zu gebrauchen und nicht nur seinen Instinkten zu folgen. Nur weil andere Anleger ihre Aktien auf den Markt schmeißen, hat sich ja der Wert des jeweiligen Unternehmens nicht geändert. Es produziert noch immer, es verdient noch immer und es gibt noch immer Menschen Arbeit. Und daher rät Buffett zu Gelassenheit in turbulenten Börsenphasen und dazu, sich vorher die richtigen Gedanken zu machen, bevor man überhaupt eine Aktie kauft. Denn hat man seine Hausarbeiten vor dem Kauf gewissenhaft erledigt, braucht man sich bei einem Absturz des Aktienkurses keine großen Sorgen zu machen. Im Gegenteil, man kann beherzt zugreifen und Aktien unterhalb ihres wahren Wertes einsammeln. Schnäppchenjagd im Schlaraffenland sozusagen...

Montag, 27. Juni 2016

Investor-Update: Aurelius, Hypoport, M.A.X. Automation, Publity, S&T

Im Investor-Update notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

Brexit - wtf?
Es gab letzte Woche nur ein Thema: den Brexit. Nachdem die Prognosen sich nach dem Mord an der britischen Labour-Abgeordneten Cox immer mehr Richtung Bremain, also einem verbleib Großbritanniens in der EU, verschoben, und auch am Abstimmungstag noch eine knappe Mehrheit signalisierten, gab es nach der Auszählung am Freitagmorgen dann Katerstimmung und Börsenbeben. Ein DAX-Minus von fast 10 Prozent im Tagesverlauf, insbesondere im frühen (vorbörslichen) Handel, ist schon eine Besonderheit. Aber auch die anderen Weltbörsen haben mächtig Federn gelassen, die Märkte wurden vom Ausgang des Votums doch sehr überrascht.

 Quelle: CNN Money - Fear and Greed Index 
Fear-and-Greed-Index stabil
Aus dem Angst-und-Gier-Index wurde mächtig Luft abgelassen und er notiert inzwischen wieder im neutralen Bereich, nachdem er seit Monaten grüne, optimistische Stimmungssignale lieferte. Und damit zur Vorsicht mahnte.

Die Crashkurse vom Freitag haben allerdings eigentlich nur die zuvor geradezu euphorischen Kursanstiege wieder zunichte gemacht und das zeigt sich auch beim Blick auf den Wochenverlauf. Denn unterm Strich haben sich die Kurse kaum bewegt, was auch an der Wochenübersicht meiner Empfehlungsliste abzulesen ist.

Während viele Markttteilnehmer total auf dem falschen Fuß erwischt wurden, habe ich an den Crashkursen sogar profitiert - jedenfalls in der Betrachtung am Montagmorgen. Ob sich mein Agieren als schlau und gewinnbringend erweist, wird erst die Zukunft zeigen. Nachdem aber die ganz großen Kurseinbrüche in der Vergangenheit ganz überwiegend hervorragende Einstiegszeitpunkte waren, bin ich da ganz optimistisch.

Ich hatte ja die letzten Wochen über schon eine erhöhte Cash-Position aufgebaut, um ggf. günstig zuschlagen zu können. Der kräftige Anstieg der letzten Tage und die knappen Umfrageergebnisse kurz vor der Abstimmung zum Brexit gestern haben mich dann jedoch dazu veranlasst, Mittwochnachmittag zusätzlich DAX-Puts zu kaufen (HSBC T+B PUT17 DAX; WKN TD1MLC), um mein Depot abzusichern und für den Fall eines (ja quasi schon nicht mehr erwarteten Brexits) mit daraus resultierenden Gewinnen zusätzliches Nachkaufpotenzial zu schaffen. Bei der Auswahl habe ich mich darauf konzentriert, dass der Schein einen ordentlichen Hebel haben und nicht total aus dem Geld sein sollte. Ziel war, bei einem Bremain nicht zu viel Geld in den Sand zu setzen und bei einem Brexit einen schnellen, satten Gewinn einzustreichen. Und der Brexit kam, die Puts schossen am Donnerstagmorgen in die Höhe und ich habe sie bei rund 9.200 DAX-Punkten bzw. knapp 9% DAX-Minus glattgestellt mit rund 65% Gewinn. Ich habe dann auch gleich gehandelt und zwar in den aussichtsreichsten und volatilsten Werten, die am stärksten einbrachen.

Ich habe meine Publity-Position in München komplett glattgestellt zu €29, als sie andernorts bereits zu weit unter €28 notierten, und kurze Zeit später zurückgekauft zu knapp über €27. Dann habe ich Aurelius um ein Drittel aufgestockt, als diese zweistellig im Minus standen, zu durchschnittlich unter €47. Und meine Hypoport-Position habe ich ebenfalls um ein Drittel ausgebaut zu €72,50, also auch deutlich zweistellig unter Wasser. Des Weiteren habe ich ein paar M.A.X. Automation eingesammelt zu €5,40, als diese noch rund 10% im Minus notierten; meine eine Kauforder bei Villeroy & Boch zu €11,50 ist leider nicht bedient worden.

Als einzige neue Position habe ich S&T ins Depot genommen.

+ S&T AG
Seit Donnerstag habe ich die S&T AG (ehemals Gericom, später Quanmax) zu €6,70 im Depot, einen österreichischen IT-Dienstleister, der sich in den letzten Jahren aussichtsreich positioniert hat. Die Hardware-Umsätze werden zunehmend zugunsten wiederkehrender und margenstärkerer Software-Umsätze verdrängt und die Ausrichtung auf Osteuropa und die Energiebranche (Stichwort Smart-Metering) bergen noch einiges an Potenzial.


.: Cashquote
Durch die Käufe ist meine Cashquote wieder gesunken und hat sich auf unter 15% reduziert. Dass sie trotz der vielen Käufe nicht stärker gefallen ist, liegt natürlich an dem satten Spekulationsgewinn mit den DAX-Puts. Meine Investments erfolgen ausschließlich nach konsequentem Stock-Picking, denn die Gesamtmarktsituation ist weiterhin eher labil. Das Thema Brexit wird weiterhin die Schlagzeilen bestimmen, aber die konkreten Auswirkungen werden kaum kurzfristig spürbar werden, denn ein Austritt aus der EU wird erst nach langen Verhandlungen und mindestens zwei Jahren Geschacher erfolgen. Da das Referendum keine eigene Rechtswirkung hat(te), sondern lediglich eine Volksbefragung darstellte, und die Brexit-Befürworter inzwischen reihenweise eingestehen mussten, dass ihre Kernaussagen nicht zu halten sind, kann es durchaus sein, dass das britische Parlament einem EU-Austritt gar nicht zustimmen wird. Und nur der würde die britische Regierung ermächtigen, den Austritt bei der EU einzuleiten. Hier verbleibt für die nächste zeit die Unsicherheit - der große Knall ist aber vorüber und der Pulverdampf verzieht sich. Und alle erkennen, dass es mehr Krach und Qualm war, als wirkliche Zerstörungswirkung. Jedenfalls was die EU angeht. Großbritannien kann durchaus auf der Kippe stehen, weil Nordiren und Schotten sich mit großer Mehrheit für einen Verbleib in der EU ausgesprochen haben und somit deren Unabhängigkeitsbestrebungen wieder Auftrieb erhalten könnten.

Die Unternehmen werden sich auf die Auswirkungen eines Brexits vorbereiten; als Anleger sollte man Unternehmen meiden, die besonders unter dem Brexit leiden würden - oder aber gerade diese einsammeln, sollten die Kurse jetzt überproportional verdroschen werden. Ansonsten dürfte die Börse bald zum "business as usal" übergehen. Und da uns der Sommer mit dem anschließenden tendenziell eher schwankungsanfälligen Herbst bevorsteht, werde ich meine Cash-Quote eher hoch halten. Es dürfte - vereinzelt - noch weitere Schnäppchenkurse geben in den nächsten Wochen...

Börsenweisheit der Woche 26/2016

"Lass Dich nicht von Deinen Emotionen leiten. Angst und Gier sind wahrscheinlich die schlimmsten Emotionen, die man im Investmentgeschäft haben kann."
(Walter Schloss)

Freitag, 24. Juni 2016

SMEIL Award 2016: iNTELLiGENT iNVESTiEREN ist nominiert

Auch in diesem Jahr findet wieder der Wettbewerb des österreichischen Finanzportals boerse-social.com statt und mein Blog ist nominiert. Bis zum 1. Juli habt Ihr Zeit, um aus dem inzwischen großen Angebot von 111 Börsen-Websites Eure 5 Favoriten auszuwählen und wenn Ihr iNTELLiGENT iNVESTiEREN Eure Stimme gebt, würde ich mich über diese Anerkennung sehr freuen.

Das Abstimmen ist ganz einfach, lediglich auf diesen Link klicken und iNTELLiGENT iNVESTiEREN Eure Stimme geben.

Empfehlungsliste

Performance seit Erstempfehlung inkl. Brutto-Dividenden.













Historie der Transaktionen auf meiner Empfehlungsliste
Hier finden Sie alle Veränderungen auf meiner Empfehlungsliste seit Start des Blogs, alle Aufnahmen und Streichungen.

Investor-Update
Die Empfehlungsliste ist nicht zwangsläufig identisch mit meinem Investment-Portfolio, auch wenn  sie viele Überschneidungen aufweist. Im Investor-Update beschreibe ich daher in unregelmäßigen Abständen, wie die Entwicklungen bei den einzelnen Unternehmen sich in meinem Depot als Käufe, Verkäufe oder Umschichtungen niedergeschlagen haben.


RECHTLICHER HINWEIS NACH WPHG
Viele der in meinem Blog erwähnten Werte halte oder handle ich regelmäßig. Die in diesem Blog enthaltenen Beiträge sind meine persönliche Meinung und stellen keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Ich übernehme keine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen. Für Investitionen, die aufgrund meiner Aussagen getätigt werden, übernehme ich keinerlei Verantwortung. Jedes Investment kann zum Totalverlust führen!

BREXIT: Briten raus aus der EU, Schotten und Iren raus aus Großbritannien?

Nun ist es passiert, naja, es wird wohl passieren, die Briten steigen aus der EU aus. Das Lager der Brexit-Befürworter hat einen Sieg davon getragen und auch wenn dieser dünn ausfällt, sind sie doch in der Mehrheit. Die Börsen werden heute deutlich einbrechen, zu Beginn des Handels, aber danach sollte die alte Börsenweisheit greifen: "Politische Börsen haben kurze Beine". Denn...

  1. Einen schnelle EU-Austritt wird es nicht geben
    Es werden jetzt jahrelange Gespräche zwischen EU und Großbritannien folgen, wie die vielfältigen Beziehungen getrennt werden können. Einen schnellen Austritt wird es nicht geben.
     
  2. Die Regierung Cameron ist am Ende
    Premier Cameron hatte für einen Verbleib in der EU geworben, die Büchse der Pandora mit dem Referendum jedoch selbst geöffnet, mit dem er parteiinterne EU-Kritiker ruhig stellen wollte. Cameron ist politisch gescheitert und dürfte noch in diesem Jahr als Premier zurücktreten (müssen).
     
  3. Schotten und Nordiren stimmten mit großer Mehrheit für einen Verbleib in der EU
    Schotten und Nordiren stimmten anders ab als die Engländer und wollen mit großer Mehrheit in der EU bleiben. Dies dürfte deren Unabhängigkeitsbewegungen mächtig Auftrieb geben und könnte zur Abspaltung eines oder gar beider Länder von England führen.
     
  4. Keine Mehrheit im Parlament für Austritt?
    Da das britische Parlament einem Austritt zustimmen und wohl auch bereits formal einen Beschluss zum Austritt und der Aufnahme von Verhandlungen mit der EU treffen müsste, kann die Chose hier bereits scheitern. Denn im britischen Parlament sitzen auch viele Abgeordnete aus Nordirland und Schottland und ob die angesichts des Abstimmungsergebnisses ihrer Landsleute im Parlament für einen Brexit stimmen werden, kann zumindest bezweifelt werden. Das das britische Wahlsystem ein reines Direktwahlsystem ist, sind den Abgeordneten ihre Wahlkreiswähler viel näher als ihre Parteioberen. Daher ist es gut möglich, dass die Mehrheit der britischen Abgeordneten gegen einen Brexit stimmen wird, auch wenn die Mehrheit der Wähler insgesamt dafür gestimmt hat.

Es bleibt spannend, auch wie die EU sich verhalten und ggf. diesen Warnschuss (endlich) verstehen wird, um sich wieder zu dem zu entwickeln, was ursprünglich die Idee des geeinten Europas war: friedliches Zusammenleben mit Vorteilen für alle.

Die Finanzmärkte dürften sich nach der ersten kräftigen Erschütterung auf die neue Situation einstellen und schon bald zur Normalität zurückkehren. Unsicherheit ist ihr größer Feind, nicht herausfordernde Situationen. Im Nachhinein werden die Anleger wieder einmal erkennen müssen, dass derartige Kurseinbrüche in der Langfristperspektive hervorragende Kaufchancen waren. Oder wie es Warren Buffett ausdrückte: Kaufe, wenn Angst herrscht".

Montag, 20. Juni 2016

Börsenweisheit der Woche 25/2016

"Kaufe, wenn Angst herrscht, verkaufe, wenn die Gier die Oberhand gewinnt".
(Warren Buffett)

Freitag, 17. Juni 2016

PJT Partners fädelt milliardenschweren Windkraft-Deal für Blackstone ein

Die M&A-Beratung PJT Partners hat ihren ersten Deal in Deutschland abgewickelt und zwar für den US-Finanzinvestor Blackstone. Und es war ein Paukenschlag, denn im Markt für Fusionen und Übernahmen hatte hierzulande (noch) niemand PJT auf dem Schirm.

PJT ist eine Investment-Boutique, also eine Investmentbank ohne eigentliche Bank-Sparte. In diesem Bereich haben sich einige Investmentgrößen in den letzten Jahren selbständig gemacht, die zuvor bei den großen Investmentbanken an der Wall Street für Fusionen und Übernahmen zuständig waren. Sie haben ihre Expertise und ihre Kunden gleich mitgenommen. Und diese kleineren und schlagkräftigen Unternehmen kommen gut an bei den Kunden, so dass die Branche insgesamt steigende Umsätze und Gewinne zu verzeichnen hat. Was selbstverständlich auch an der allgemeinen Marktverfassung liegt, denn seit der Finanzkrise 2008/2009 hat sich der Aktienmarkt ja kräftig erholt und die Übernahmen und Fusionen erreichen immer neue Größenordnungen.

PJT steht für Paul J. Taubman, einen Investmentbanker, der 2012 nach 30 Jahren Morgan Stanley verlassen hatte, um seine eigene Investmentfirma aufzumachen - Gerüchten zufolge, weil ihm der Sprung auf dem Chefsessel bei Morgan Stanley verwehrt wurde. Innerhalb von nur zwei Jahren schaffte er es, sich im M&A-Markt (Mergers and Acquisitions) zu etablieren und gleich mehrere Milliarden-Deals einzufädeln. Was wohl daran lag, dass der 54-jährige Taubman ein ausgewiesener Experte im Bereich Fusionen und Übernahmen ist. So kam er dann auch Ende 2014 auf den Schirm von Stephen A. Schwarzman, Gründer und CEO von Blackstone, einem der erfolgreichsten Finanzinvestoren der Welt. Denn Blackstones eigene Wurzeln gehen auf genau jenen Bereich der M&A zurück, mit denen sich Schwarzman ursprünglich einmal selbständig gemacht hatte. Und seine Überlegung war, die ursprüngliche Keimzelle von Blackstone mit Taubmans Elan und Schaffenskraft zu vereinen - und von Blackstone abzuspalten. 

 PJT Partners (Quelle: finanzen.net) 
Diese Verbindung erklärt auch, weshalb die bisher in Deutschland noch nicht aktive PJT Partners einen Mega-Deal an Land ziehen konnte. So hat Johannes Gröller, Deutschlandchef von PJT, den Verkauf des Offshore-Windkraftbetreibers WindMW für den Private-Equity-Investor Blackstone eingefädelt. WindMW geht für eine unbekannte Summe an den chinesischen Stromkonzern Three Gorges. Dass die Chinesen bei Übernahmen in Europa bereit sind, auch kräftige Aufgelder zu zahlen, ist spätestens seit dem €4,5 Mrd. teuren Übernahmeangebot von Midea für den Robotikspezialisten KUKA allgemein bekannt. Und mit "Meerwind" betreibt WindMW einen der größten Windparks in der deutschen Nordsee, dessen Wert zuletzt auf €1,4 Mrd. geschätzt wurde, um mal eine Größenordnung zu nennen. PJT wird an diesem Deal also ordentlich verdient haben und auch künftig die Fühler nach weiteren lukrativen M&A-Deals ausstrecken. Die Verbundenheit zu Blackstone, dem weltweit größten Manager von alternativen Anlagen, sollte hierbei auch künftig ein echtes Asset sein, denn Blackstones Business erfordert vielfache M&A-Dienstleistungen.

Die Aktien von PJT Partners sind sehr volatil und seit dem Spin-off von Blackstone schwankte der Kurs zwischen €18,50 und 26,50 - ein Delta von fast 45%. Der Markt für Fusionen und Übernahmen läuft auf Hochtouren, nicht zuletzt auch dank der Wucht, mit der chinesische Investoren auf den europäischen und amerikanischen Markt drängen. Große Aufmerksamkeit erzielte auch die Übernahme des Karrierenetzwerks LinkedIn durch den Softwaregiganten Microsoft. Salesforce-Chef Benioff, der auch an LinkedIn interessiert war, meinte hierzu, die Tech-Branche sei "in einer Saison der Übernahmen".

Die PJT-Aktie, die ich seit dem Spin-off auf meiner Empfehlungsliste habe, kann man daher gut als spekulative Beimischung im Depot behalten - wenn man bereit ist, die bisweilen starken Schwankungen auszuhalten.