Montag, 16. Januar 2017

Hornbach Baumarkt AG: Mehr als ein bisschen Übernahmephantasie?

Vor fast genau einem Jahr nahm ich die Hornbach Baumarkt AG auf meine Empfehlungsliste, nachdem der Kurs aufgrund von Gewinnwarnungen abgestürzt war. Ich setzte auf eine baldige Besserung gepaart mit einem Schuss Übernahmephantasie seitens der ebenfalls börsennotierten Konzernmutter Hornbach Holding AG & Co. KGaA. Passiert ist bisher wenig bis nichts. Zeit also für eine Standortbestimmung...

Der Immobilienmarkt boomt in Deutschland. Noch vor wenigen Jahren in der Finanzkrise mussten Banken Milliardensummen auf notleidende Immobilienkredite abschreiben und die Zahl der Zwangsversteigerungen schnellte empor, während die Preise der Immobilien flächendeckend unter Druck gerieten. Dann kam alles anders, die Eurokrise in den südlichen EU-Staaten Griechenland, Italien, Spanien führte dazu, dass viele ihr dortiges Geld, nicht selten auch Schwarzgeld, in Sicherheit bringen wollten und Deutschland galt und gilt als Hort der Stabilität in Europa.

So gab es in den Ballungszentren eine verstärkte Nachfrage nach insbesondere hochpreisigen Immobilien seitens dieses frischen Auslandsgeldes, das auf eine eigene deutsche Kaufbereitschaft stieß. Denn auch die Deutschen streben immer mehr in die Ballungszentren, verlassen die ländlichen Räume, was dort zu Leerstand und sinkenden Preisen führt. In München, Hamburg, Berlin, Stuttgart und Frankfurt hingegen steigen die Preise weiter stark an. Dies ist natürlich auch den niedrigen Zinsen geschuldet, denn dank der Nullzinspolitik der EZB können sich immer mehr Deutsche überhaupt Wohneigentum leisten und das auch bei steigenden Preisen. Und vermögende Anleger haben das Problem, dass sie für ihr Geld bei den Banken keine Zinsen mehr erhalten und dieses Geld strömt vermehrt in den Immobilienmarkt, wo es noch annehmbare Renditen erwirtschaften kann. So steigen mit den Immobilienpreisen auch die Mieten.

 Hornbach Baumarkt AG (Quelle: finanzen.net
Und dann kamen die Flüchtlinge. Diese werden in Deutschland nach dem sog. Königsteiner Schlüssel verteilt, was nichts anderes bedeutet, als dass genau dort viele Flüchtlinge hinkommen, wo bisher auch schon viele Menschen leben. Auf dem flachen Land, wo kaum Menschen wohnen, werden so auch keine Flüchtlinge angesiedelt. Die verödenden ostdeutschen Landstriche bleiben leer. Hamburg und München, wo es kaum noch bezahlbaren Wohnraum gibt, bekommen hingegen die höchsten Zuweisungen an Flüchtlingen und der Zuzug von rund einer Million Menschen in nur einem Jahr führt daher in den Metropolen zu einer weiteren spürbaren Verknappung von Wohnraum und explodierenden Mieten.

Wer Immobilien hat und diese heute verkaufen möchte, fährt riesige Gewinne ein. Und auch wer heute kauft, kann auf Sicht von ein, zwei Jahren fast sicher mit Wertsteigerungen rechnen. Allerdings ist absehbar, dass der Preissteigerungsboom nicht anhalten kann, denn einerseits zieht auch die Bautätigkeit stark an und auf der anderen Seite sind die hohen Preise irgendwann von vielen Menschen einfach nicht mehr bezahlbar. Die starken Lohnsteigerungen der letzten Jahre haben hier einiges kompensiert, aber auch diese können nicht jedes Jahr von den Unternehmen erwirtschaftet werden.

Baumärkte sind Profiteure der zweiten Reihe
Neben der Immobilienbranche selbst profitieren auch die Baumärkte von der erhöhten Nachfrage. Denn Eigenleistungen liegen im Trend, schmälern sie doch die Kosten beim Erwerb einer Eigentumswohnung oder eines Eigenheims beträchtlich. Und auch diejenigen, die ihre Wohnung gemietet haben, setzen bei steigendem Einkommen nicht selten auf eine Verschönerung der eigenen Wohnsituation. Das gilt insbesondere auch für viele Flüchtlinge, die mit Nichts aus ihrer Heimat zu uns kommen und nach einer Übergangsphase in Notunterkünften dann in normale Wohnverhältnisse überwechseln. Häufig auch in ziemlich runtergewohnte, veraltete Immobilien, die die Städte aufgrund der Wohnungsnot „reaktivieren“ und die erheblichen Renovierungsbedarf haben.

Praktiker-Pleite mahnt zur Vorsicht
Nach der Pleite des Konkurrenten Praktiker, die zu einer Sonderkonjunktur der übrigen Baumärkte in Deutschland führte, stehen sich diese nun wieder im harten Konkurrenzkampf gegenüber. Und wie die Praktiker-Pleite gezeigt hat, ist der Markt sehr preissensibel und hier kann man nicht über Dauerrabatte punkten, ohne selbst vor die Hunde zu gehen. Der Slogan „20 Prozent auf alles, außer auf Tiernahrung“ ist mit Praktiker untergegangen und dient weiterhin als Mahnmal einer geschierten Billigstrategie, denn die Kunden strömten während der Rabattzeiten in die Läden, doch sie mieden sie ohne derartige Aktionen. Denn sie wussten, die nächste Preissenkungsrunde steht unmittelbar bevor. Daher versuchen die Baumärkte auch (nicht) mehr über den Preis ihre Werbung zu platzieren, sondern setzen auf das Heimwerkergefühl und auf lustige Typen mit kruden Einkaufserlebnissen. 

Anders als in den USA ist der deutsche Markt für Baustoffe und Baumärkte stark fragmentiert. Bei uns gibt es nicht nur zwei oder drei große Anbieter, sondern einige überregionale Große und eine Vielzahl an kleinen und mittleren Händlern, die zumeist auf lokaler Ebene aktiv sind. Und einer der mittelgroßen, bundesweit aktiven Anbieter, ist die börsennotierte Kette Hornbach.

Hornbach ist was ganz Besonderes
Dabei gibt es Hornbach gleich zweimal auf dem deutschen Börsenzettel, nämlich die Hornbach Holding AG & Co. KGaA und die Hornbach-Baumarkt AG - was nicht selten zu Verwirrungen führt und auch zu interessanten Überlegungen. Doch dazu komme ich später.

Das Unternehmen ist so strukturiert, dass die ebenfalls börsennotierte Hornbach Holding AG & Co. KGaA die Konzernmutter der Hornbach-Gruppe ist, die aus der Hornbach Immobilien AG, der Hornbach Baustoff Union GmbH und der Hornbach-Baumarkt AG besteht. Die mit Abstand bedeutendste Tochter ist dabei die selbst börsennotierte Baumarkt AG, an der die Holding 76,4 Prozent der Aktien hält. Die Baustoff Union ist im Baustoffhandel mit Gewerbekunden tätig und ein wesentlicher Teil der Immobilien, in denen die Hornbach-Baumärkte angesiedelt sind, gehören dem Unternehmen. Die Immobilien AG ist überwiegend für die Baumärkte als Entwickler tätig und vermietet die Objekte dann an die Baumarkt AG.

Für Anleger ist die im deutschen Nebenwerteindex SDAX notierte Holding interessant, wenn sie auf eine weiterhin robuste Baukonjunktur in Deutschland setzen wollen. Der Baustoffbereich ist gut nachgefragt bei Handwerkern und Bauunternehmen und die Immobilien haben nicht unbeträchtliche stille Reserven aufgebaut. Auch wenn eine Nutzung jenseits von Bau- bzw. Verbrauchermärkten kaum oder nur mit Fantasie vorstellbar ist. Hinzu kommt die Mehrheitsbeteiligung an den Baumärkten, so dass die Holding breit aufgestellt ist.

Überflüssig komplexe Struktur
Ich habe mich allerdings auf die Hornbach Baumärkte konzentriert, weil sich hier eine interessante Konstellation ergeben hatte. Als die Holding an die Börse kam, wurde bewusst ein separates Listing der Baumarkttochter angestrebt, um sich weitere Finanzierungsmöglichkeiten zu erschließen. Einerseits über die Aktiennotiz selbst und die Möglichkeit, weitere Anteile zu verkaufen bzw. Kapitalerhöhungen durchführen zu können, und andererseits über eigene Fremdfinanzierungsoptionen für die Baumarkttochter. Um dennoch nicht die Zügel aus der Hand geben zu müssen, wurden die Aktien der Baumarkt AG in Stammaktien und stimmrechtslose Vorzugsaktien unterteilt.

Seit Ende 2015 hat sich hier einiges verändert. Die Holding wurde in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) umgewandelt, bei der die Familientreuhand der Komplementär, also der persönlich haftende Gesellschafter, ist. Diese neue Konstruktion stellt sicher, dass die Familientreuhand bei der Holding auch künftig das Sagen haben wird, auch wenn weitere Aktien verkauft werden sollten, ob über die Börse, im Wege einer Kapitalerhöhung oder durch Abgabe an einen weiteren Großaktionär. 

Und dann wurden bei der Baumarkt AG die Stamm- und Vorzugsaktien zusammengelegt, wodurch sich eine interessante Spekulation für Anleger ergibt. Denn für den Großaktionär bietet die separate Börsennotierung der Baumarkt-Tochter in dieser neuen Aufstellung kein Vorteil mehr. Im Gegenteil: die Börsennotierung der Baumarkt AG bringt nun also vor allem unnötige Kosten mit sich und hohen Aufwand für die kapitalmarktgerechte Aufbereitung der Geschäfts- und Finanzberichte. Kosten und Aufwand, den man sich sparen würde, wenn die Baumärkte wieder vollständig in die Holding integriert würden.

Kommt die Übernahme?
Und hier sind wir nun an dem Punkt, wo das Schwein durch den Knick bricht: sollte sich die Hornbach-Familie dazu entschließen, diese Eingliederung anzugehen, dann müsste die Holding die ausstehenden Aktien der Baumarkt AG aufkaufen. Und dies wird im Rahmen eines Übernahmeangebots nur mit einem deutlichen Aufschlag auf den aktuellen Börsenkurs erfolgreich über die Bühne gehen können, sonst werden die freien Aktionäre keine Stücke aus der Hand geben. 

Aktuell notieren die Aktien der Baumarkt AG bei knapp €28. Ende 2015 stand die Notiz noch bei €33, doch dann verhagelte eine Gewinnwarnung den Anlegern die gute Laune. Das operative Ergebnis war um gut drei Viertel eingebrochen und das eigentliche Kerngeschäft, die Baumärkte in Deutschland, erzielen kaum noch Gewinne. Der kleine Restgewinn stammte von den Auslandsaktivitäten.

Der Börsenkurs reagierte äußerst verschnupft auf die Meldung und hat sich seitdem noch nicht wieder signifikant erholt. Zwar betonte das Management, dass es sich um einmalige Effekte handelte, aber das muss sich erst noch erweisen. Im dritten Quartal 2016 stiegen die Erlöse um 4,7% auf €968 Mio., wobei die Hornbach Baumärkte auf vergleichbarer Fläche knapp 3% zulegen konnten. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) stieg sogar um mehr als ein Drittel, so dass die Aussicht besteht, dass das Unternehmen in diesem jahr seine Jahresziele erreichen wird. Dabei forciert man weiter das Onlinegeschäft und nimmt hier viel Geld in die Hand. Und sollten die Maßnahmen erfolgreich sein, sind hier zusätzliche Umsätze und steigende Gewinnanteile zu erwarten.

Unter der Annahme, dass sich die Hornbach Baumärkte kein dauerhaftes Margenproblem eingefangen haben, sondern der Gewinneinbruch wirklich auf besagte Einmaleffekte zurückzuführen waren, dürfte sich hier Kurssteigerungspotenzial andeuten. Hinzu kommt die Übernahmephantasie durch die neu gestaltete Unternehmensstruktur im Konzern. Die allgemein gute Konjunktur im deutschen Bausektor dürfte der gesamten Branche geben und daher können Anleger hier auf ein Wiedererstarken der Hornbach Baumarkt-Aktie setzen. Kurstreiber bleibt aber vor allem die Übernahmephantasie, weil beim Herauskaufen des Streubesitzes hier in dem erforderlichen Bewertungsgutachten wohl erhebliche stillen Reserven aufgedeckt würden.

Die Hornbach Baumarkt AG befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Börsenweisheit der Woche 03/2017

"Per se ist ein Staatsdefizit nichts Furchterregendes. Solange ein Defizit nicht über einen längeren Zeitraum schneller ansteigt, als die Wirtschaft wächst, ist es wenig bedrohlich".
(Warren Buffett)

Sonntag, 15. Januar 2017

Umfrage: Was ist die optimale Anzahl an Depotwerten?

Inspiriert durch Davids Frage, möchte ich von euch wissen, wie viele Depotwerte nach eurer Ansicht optimal sind.

»Hallo Michael, könntest du bei Gelegenheit einmal etwas zu einem (deiner Meinung nach) idealen Portfolio-Aufbau schreiben oder gar ein Muster-Beispiel veröffentlichen? Soweit ich gesehen habe wurde dieses Thema hin und wieder am Rande erwähnt, doch wurde (so glaube ich) nie konkret darauf eingegangen. Insbesondere würde mich interessieren, inwiefern sich der Aufbau bei einem Value Investors von einem "herkömmlichen Aufbau" (mit anderen Worten nach der Portfoliotheorie nach Markowitz) unterscheidet (bekanntlich diversifiziert Warren Buffett ja nicht mit der Anzahl Positionen, sondern dadurch, dass er seine Positionen genauestens kennt). Wie viele Positionen sind deiner Meinung nach ideal? Welche Größe sollte eine Position maximal haben? Wann (und wie) entscheidest du, ob du eine Position reduzierst? Bei Buffet machen seine zwei größten Positionen ja rund 40% und seine größten sechs Positionen rund 75% aus. Bist du trotzdem der Meinung, dass eine Position eine gewisse Größe nicht übersteigen sollte? Wie viel Prozent am Portfolio machen deine Turnaround-Positionen aus? In welchem Verhältnis stehen die Währungen zueinander und wie viel Prozent machen die jeweiligen Sektoren am Portfolio aus?«

Meine Antwort dazu lautete:

Moin David,
ich glaube nicht, dass sich der Portfolioaufbau hinsichtlich der Anzahl der Positionen nach dem Investmentstil unterscheidet, also ob man Value Investor ist oder nach anderen Grundregeln vorgeht. Das ist eher eine Frage des persönlichen Stils und der eigenen Einschätzung. Je geringer die Anzahl der Portfoliopositionen, desto höher das Risiko bei einem Fehlgriff signifikante Verluste zu erleiden. Andererseits bedeutet Konzentration auch höhere Chancen, wenn man nämlich auf's richtige Pferd gesetzt hat. Zum Thema Konzentration vs. Diversifikation habe ich ja schon mehrfach etwas geschrieben.

Zu Buffetts Depot muss man allerdings auch sagen, dass wir ja nur die Positionen sehen, die an der Börse notiert sind - und auch nur die US-Werte. Positionen wie z.B. Swiss Re oder Munich Re tauchten in den Übersichten nie auf. Auch sieht man nicht die Eisenbahn BNSF, BH Energy (ehemals MidAmerican Energy), Duracell oder Precision Castparts, die Buffett für knapp $37 Mrd. übernommen hatte. Oder seine Preferred Stocks (so was wie ne Wandelschuldverschreibung) bei Bank of America, die Buffett kurz vor Ablauf ausüben will und die BoA dann zu einer seiner fünf größten Depotpositionen machen wird. Ganz so konzentriert ist sein Portfolio also nicht... (Details zu Buffetts 3. Quartal 2016)

Mein eigener Ansatz ist durchaus eine Konzentration. Ich habe vier Basisinvestments, die auch die größten Positionen darstellen. Alle zusammen kommen auf knapp 25% Depotanteil. Daneben einige halb so große Positionen und zusätzlich eine größere Zahl von kleineren Positionen, die so um die 2% Depotanteil ausmachen. Diese kleineren Positionen sind u.a. die Turnaroundwerte; hier diversifiziere ich schon stark, weil das Risiko eines Totalausfalls nicht unerheblich ist und ich damit mein Depot nicht zu sehr ins Risiko stellen will. Klappt der Turnaround und der Kurs vervielfacht sich, wirkt sich der Erfolg trotzdem noch auf das Gesamtdepot aus. Natürlich nicht so stark, als wenn ich nur 5 Aktien kaufen würde und allesamt Turnaroundwerte. Das wäre ein enormer Hebel, aber eben auch in beide Richtungen. Doch Benjamin Graham lehrt uns, zuerst auf das Risiko zu schauen und erst im Anschluss auf die mögliche Renditechance.

Nach Währungen diversifiziere ich nicht wirklich. Überwiegend habe ich Euro-Werte im Depot und einige US-Werte. Was die Branchen angeht, bin ich eher konzentriert: Beteiligungsgesellschaften. Diese haben zumeist selbst ja ein breiteres Spektrum, also sehe ich das als Quasi-Branchendiversifikation" an. Da ich wiederum hauptsächlich auf deutsche Beteiligungsgesellschaften setze, ist in deren Beteiligungsportfolios der Anteil an Automobilzulieferern übergewichtet. Und Maschinenbau. Also klassischer deutscher Mittelstand.

Wenn eine Einzelposition 25% Anteil am Depot überschreitet, dann schaue ich schon sehr genau hin. Wenn der Zuwachs unternehmerisch gerechtfertigt ist, könnte es sein, dass ich die Position so beibehalte. Im Regelfall dürfte es aber auf eine Reduzierung hinauslaufen, um das Depot nicht in Schieflage zu bringen.

Also, wie seht ihr das? Wie viele Depotwerte bevorzugt ihr und weshalb?

▶ Bitte macht auch bei der dazu gehörigen Umfrage in der rechten Menüleiste mit! 

Anleger sollten auf solide Dividendenwerte setzen!

An der Sinnhaftigkeit von Dividendenausschüttungen scheiden sich die (Anleger-) Geister. Während die einen meinen, Dividenden seien wichtig, vertreten andere die Auffassung, sie seien schlicht Geldverschwendung. Man solle lieber auf Unternehmen setzen, die ihre Gewinne thesaurieren, also vollständig einbehalten - denn dadurch würde sich der Wert des Unternehmens und somit auch der Aktienkurs erhöhen.

Einen ausführlichen Artikel zu Dividenden und Dividendenrendite habe ich hier verfasst, daher möchte ich jetzt auf zusätzliche Aspekte eingehen. Denn neben der Absicherung, die Dividenden für den Anleger darstellen (wenn es mit den Kurssteigerungen mal nicht so läuft, erhält man immerhin die Dividende), machen Dividendenausschüttungen auf langfristige Sicht rund 40% des Gesamtertrages eines Depots aus.

Auf der anderen Seite wird gegen Dividendenausschüttungen gerne der Zinseszinseffekt ins Feld geführt: auf das einmal investierte Kapital werden Erträge erwirtschaftet und dann einbehalten, so dass sich im nächsten Jahr Erträge auf das Ursprungskapital zuzüglich des eingehaltenen Gewinns ergeben. Wer also seine Gewinne nicht abzieht, sondern reinvestiert, erzielt langfristig eine viel höhere Rendite. Das funktioniert allerdings nicht nur, wenn Unternehmen die Gewinne einbehalten, sondern auch, wenn die Gewinne in Form von Dividenden an die Aktionäre ausgeschüttet werden und diese sie dann wieder investieren. Der Zinseszinseffekt ist also kein Argument für oder gegen Dividenden, sondern ausschließlich ein Argument für das Wiederanlegen der Erträge!

Als weiteres Argument gegen Dividendenzahlungen greift die Abgeltungssteuer. Denn in Deutschland muss man seine Dividendenerträge ja versteuern, sofern sie oberhalb des Sparer-Pauschbetrages liegen (801/1.602 EUR p.a.). Andererseits müssen inzwischen auf Kursgewinne auf Aktien voll versteuert werden, denn seit 2009 gehören auch sie - wie die Zins- und Dividendenerträge - zu den Einkünften aus Kapitalvermögen. Ob der Anleger Einkünfte durch Kursgewinne oder Dividenden erzielt, ist dem Finanzamt also egal; beides wird gleich hoch im Jahr der Einkünfteerzielung versteuert. Und hier liegt ein Nachteil der Dividenden, denn diese muss man jährlich versteuern, während die Kursgewinne erst in dem Jahr anfallen, in dem die Aktien verkauft werden. Der Zinseszinseffekt wirkt auch hier und zwar leicht gegen die Dividenden. Was sich allerdings auf lange Sicht durchaus aufsummiert, so wirkt nun mal der Zinseszinseffekt.

Auf der anderen Seite wiegen die Vorteile der Dividenden schwer: sie werden jährlich ausgeschüttet und der Anleger erhält so eine Rendite, ohne dass er hierzu Aktien veräußern muss. Gerade für Langfristanleger ist das ein nicht unwesentliches Argument. Des Weiteren kann man die gesammelten Dividendenerträge natürlich auch in andere Unternehmen investieren, als jene, von denen die Dividendenerträge stammen. Man hat also die Möglichkeit, zu diversifizieren. Verbleiben die Gewinne vollständig im Unternehmen, entfällt diese Option.

Mein Fazit
Ob man auf die Dividendenstrategie setzt, hängt vor allem von der eigenen Situation ab. Zielt man mit seinen Aktieninvestments auf einen stetigen Einnahmestrom, kommt man um regelmäßige Dividendenausschüttungen kaum herum. Und auch für Anleger, die sich erst kurz mit Aktienanlagen beschäftigen oder nur wenig Zeit mit dem Studium von Geschäftsberichten und somit eigenem Research verbringen möchten, sind solide Dividendenwerte eine ausgezeichnete Wahl, um langfristig Vermögen aufzubauen und unterjährig einen schönen Einkommensstrom zu generieren.

Anleger, die sich intensiver mit der Materie beschäftigen und die gezielt auf Stock-Picking gehen, auch bei Nebenwerten oder Turnaroundkandidaten, für die sind hohe Dividendenrenditen nicht der Schwerpunkt. Denn diese Unternehmen benötigen zumeist ihren gesamten erzielten Cashflow, um zu überleben und/oder ihr Geschäft auszubauen und können sich daher eine Dividende gar nicht leisten. Oder müssen diese Summen im Anschluss über Kapitalerhöhungen wieder hereinholen, was keine sehr sinnvolle Strategie ist, da nur unnötig Steuerlasten auf Seiten der Aktionäre und Kosten beim Unternehmen (für die Dividendenausschüttung und die Durchführung der Kapitalerhöhung) anfallen.

Ich investiere in letzter Zeit wieder verstärkt in Unternehmen, die keine oder nur geringe Dividenden ausschütten, da ich meinen Fokus wieder verstärkt auf Nebenwerte und auch Turnaroundaktien gelegt habe.

Für den Durchschnittsanleger sind aber solide Dividendenwerte für die Langfristanlege erste Wahl. Große, ertragsstarke Unternehmen mit solider - möglichst stetig steigender - Dividendenzahlung sollten die Basis eines jeden Wertpapierdepots bilden! Doch auch bei den beigemischten Nebenwerten sollte man auf solide Gewinne und eine attraktive Dividendenrendite achten.

Auswahl der Dividendenperlen
Bei der Auswahl dieser Aktien sollte man nicht einfach nur auf die Höhe der Dividendenrendite schauen. Denn eine zu hohe Dividendenrendite resultiert oftmals aus deutlich eingebrochenen Aktienkursen (wenn das Unternehmen Probleme hat; entsprechend werden dann auch die Gewinn- und Dividendenerwartungen in absehbarer zeit ebenso reduziert werden und die optisch hohe Dividendenrendite sinkt entsprechend) oder aus Einmaleffekten (z.B. wenn Tochterunternehmen verkauft und der Ertrag als Bonus an die Aktionäre ausgeschüttet wird). Dividendenrenditen sollten nicht zu hoch und nicht zu niedrig sein.

Dies sind die Grundsätze bei der Auswahl von Dividendenwerten:

  • das Unternehmen sollte mehr Gewinn gemacht haben als Dividende ausgeschüttet werden soll (also kein Substanzverzehr)
  • die Ausschüttungsquote sollte zwischen 40% und 60% des Gewinns liegen,
  • die Dividendenrendite sollte zwischen 2% und 6% liegen,
  • die Dividenden sollten in der Vergangenheit regelmäßig gezahlt und möglichst gesteigert worden sein.

Anders als deutsche Unternehmen zahlen gerade US-amerikanische Unternehmen oftmals ihre Dividenden quartalsweise aus, manche sogar monatlich. Dann erhält man mehrmals im Jahr Teilzahlungen, was ich persönlich als angenehm empfinde. Da Dividendenzahlungen sich im Aktienkurs als Abschlag auswirken, fällt dies bei Quartalsdividenden natürlich deutlich weniger ins Gewicht als bei Jahresdividenden. Andererseits muss man bei ausländischen Aktien immer auch das Wechselkursrisiko beachten sowie sich mit der möglicherweise anfallenden Quellensteuer auseinandersetzen. Beide Aspekte wirken sich je nach Herkunftstland des Unternehmens unterschiedlich aus.

Samstag, 14. Januar 2017

Kimberly Clark: Der unerkannte Champion

▸ Kissigs Kolumne vom 18. April 2016, Aktien Magazin 10/2016 

Manchmal gelingt Unternehmen ein echter Marketing-Coup, wenn nämlich das eigene Produkt zum Begriff wird. Der Pritt-Stift von Henkel ist so ein Geniestreich, Tesafilm von Beiersdorf oder der Edding. „Hast du mal ein Kleenex?“ ist auch so eine gängige Redewendung, wenn man mal ein Taschentuch braucht. Bei der Werbung kommt es ja darauf an, einen Markennamen bekannt zu machen und den Bedarf nach diesem Produkt zu wecken. Das geht ganz schön ins Geld, aber wenn man den Begriff Kleenex hört, weiß man sofort, um was es sich handelt und wofür man es braucht.

Was der Konsument in der Regel nicht weiß und was ihm auch völlig egal sein kann, ist der Hersteller dieses Produkts. Für Anleger hingegen ist diese Information Geld wert, denn wir sprechen von Konsumgütern, den langweiligen Dingen des täglichen Bedarfs, an die man nicht viele Gedanken verschwendet. Hier gibt es selten wirkliche Innovationen, Käufer campen nicht vor den Läden und es bilden sich keine langen Schlangen kreischender Teenager, wenn es mal wieder ein Produktupdate gibt. Und auch auf Partys wird kaum über Toilettenpapier oder Windeln gesprochen, da sind andere Themen hipper. Doch gerade diese kleinen Helferlein des Alltags, die jeder ständig benötigt, lassen Anlegerherzen höher schlagen, denn es besteht ein reger und steigender Bedarf, ohne selbst das alles verändernde Internet und der Drang in die mobile Welt ist keine Konkurrenz. Jedenfalls wäre mir bisher keine App bekannt, die beim Naseputzen helfen könnte und auch eine cloudbasierte Lösung scheint kaum vorstellbar…

Latente Goldgräberstimmung
Börsenaltmeister André Kostolany erinnerte immer gerne daran, dass während des Goldrausches nicht unbedingt die Goldsucher reich wurden, sondern vor allem diejenigen, die ihnen die nötigen Utensilien verkauften: Schaufeln, Spitzhacken oder auch Jeans. Das waren sichere Einnahmequellen, egal ob der Goldsucher nun auf eine Goldader stieß oder enttäuscht aufgeben musste.

In der Welt der nützlichen Nebensächlichkeiten ist Kimberly-Clark zuhause. Die Mutter des Kleenex wurde 1872 von John Kimberly, Havilah Babcock, Charles Clark und Frank Shattuck als Papierhersteller gegründet und expandierte hierauf aufbauend in viele weitere Bereiche. Neben den Konsumentenprodukten ist Kimberly-Clark besonders stark bei Hygiene- und Verbrauchsmaterialien positioniert und bei uns bekannte Marken sind u.a. Camelia, DryNites, Huggies, Kleenex, Servus oder Hakle. Die Produkte des Unternehmens sind eine gefühlte Selbstverständlichkeit, was dazu führt, dass auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten die Nachfrage nicht sinkt. Wird das Geld knapper, spart man nicht unbedingt zuerst am Toilettenpapier.

 Kimberly-Clark Corp. (Quelle: finanzen.net
Dabei bestechen die Produkte durch ein attraktives Preis-Leistungsverhältnis, sind nicht unbedingt billig, aber eben auch nicht zu teuer. Die große Nachfrage nach ihnen macht es auch für große Handelskonzerne wie Walmart interessant, sie im Sortiment zu haben. In Deutschland finden sich die Produkte nicht nur in den Supermärkten und Discountern, sondern auch in den Regalen der Drogerieketten und daher reißt der Absatz nicht ab. Nach Firmenangaben nutzen jeden Tag fast 25 Prozent der Weltbevölkerung Produkte von Kimberly-Clark. Und stetiger Absatz bedeutet einen hohen Cashflow und Cashflows sind das Treibmittel für die Börsenkurse, das sieht man auch beim Kimberly-Clark auf den ersten Blick. Geradezu wie an der Perlenschnur hochgezogen wirkt der Kurs, jede kleine Korrektur wird innerhalb kürzester Zeit wieder ausgeglichen und der Kurs steigt auf neue Höhen. Und das ist nicht verwunderlich, denn eine steigende und alternde Weltbevölkerung vergrößert ständig das Nachfragepotenzial nach den Produkten, dazu kommt der sich erst öffnende Markt in Asien, der hohes zusätzliches Wachstum verspricht. Neue Produktionsmethoden machen die Produkte weniger energieintensiv in der Herstellung und ressourcenschonender in der Produktion, was die Umwelt schont und auch die Kosten senkt.

Kimberly-Clark kommt nach der Abspaltung seiner Krankenhausbedarfssparte Halyard auf ein organisches Wachstum von 4 Prozent pro Jahr und erzielt eine Profitmarge von 19 Prozent. Das Management ist aufgrund des zweistelligen Wachstums in den Schwellenländern sogar so optimistisch, dass es kürzlich seine Gewinnprognose angehoben hat.

Noblesse oblige
Kimberly-Clark gehört zwar nicht dem Dow-Jones-Index der 30 wichtigsten US-Unternehmen an der New York Stock Exchange an, aber man gehört zu einem anderen illustren Kreis, den sog. Dividendenaristokraten. Das sind jene Unternehmen, die seit mindestens 25 Jahren ihre Dividendenausschüttungen jedes Jahr kontinuierlich gesteigert haben und die daher als besonders solide und attraktiv für Renditejäger gelten. Kimberly-Clark hat kürzlich erst seine vierteljährliche Dividendenzahlung um vier US-Cents auf nun 92 US-Cents angehoben und damit das 44. Jahr infolge. Damit kommt das Unternehmen auf eine ansehnliche Dividendenrendite von 2,7 Prozent. 

Darüber hinaus verwöhnt das Unternehmen seine Aktionäre auch mit einem ausgedehnten Aktienrückkaufprogramm, wodurch die Anzahl der ausstehenden Aktien reduziert und somit der Gewinn je Aktie erhöht wird. Und je weniger Aktien es gibt, desto höher der auf jede einzelne Aktie entfallende Gewinnanteil. Die soliden Cashflows und die Aktienrückkäufe dürften ein Garant dafür sein, dass die Aktienkurse weiter steigen und auch die Dividendenausschüttungen.

Mit Kimberly-Clark legt sich der Anleger eine Aktie in sein Depot, die selbst in Krisenzeiten nur selten starke Kurseinbrüche hinnehmen muss. Das Geschäftsmodell ist beinahe als krisenresistent zu bezeichnen und daher hat sich der Aktienkurs immer wieder schnell von Rücksetzern erholt. Die Produkte sind immer gefragt und der demografische Wandel sowie die wachsende Weltbevölkerung lassen die Nachfrage weiter ansteigen. Eine Aktie, die man getrost für Jahre oder gar Jahrzehnte ins Depot legen kann, ohne dass man sich großartige Gedanken darüber machen müsste. Solide, bodenständig und renditestark, das sind – neben langweilig – die Attribute, die Kimberly-Clark auszeichnen und zu einem Basisinvestment für wertorientierte Langfristanleger machen.


In der aktuellen Ausgabe 01/2017 des Aktien Magazins findet sich ein brandaktueller Artikel von Tim Schäfer zu Kimberly Clark 

Freitag, 13. Januar 2017

Empfehlungsliste

Performance seit Erstempfehlung inkl. Brutto-Dividenden. Das regelmäßige Update erfolgt jeweils zum Wochenende.














»Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.«, riet Immanuel Kant.
Also, denkt selbst! Diese Liste ist eine Anregung, mehr nicht. Sie dient dazu, dass ihr euch eure eigenen Gedanken zu den Unternehmen macht, euren eigenen Investment-Case erarbeitet. Dazu könnt ihr gerne auf meine Einschätzungen zurückgreifen und gerne können wir über die einzelnen Positionen und das (Value) Investing diskutieren. Denn das ist ja genau der Grund, weshalb ich dieses Blog betreibe: ich möchte mit euch ins Gespräch kommen, von euch lernen und ein besserer Investor werden.


Historie der Transaktionen auf meiner Empfehlungsliste
Auf der Transaktionsliste finden Sie alle Aufnahmen und Streichungen auf meiner Empfehlungsliste seit Start des Blogs.


Investor-Update
Die Empfehlungsliste ist nicht zwangsläufig identisch mit meinem Investment-Portfolio, auch wenn  sie viele Überschneidungen aufweist. Im Investor-Update beschreibe ich daher in unregelmäßigen Abständen, wie die Entwicklungen bei den einzelnen Unternehmen sich in meinem Depot als Käufe, Verkäufe oder Umschichtungen niedergeschlagen haben.


RECHTLICHER HINWEIS NACH WPHG
Viele der in meinem Blog erwähnten Werte halte oder handle ich regelmäßig. Die in diesem Blog enthaltenen Beiträge sind meine persönliche Meinung und stellen weder eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar, noch sind sie als Beratungsleistung zu werten. Ich übernehme trotz aller Sorgfalt keine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen; sie beruhen auf Quellen, die ich für vertrauenswürdig und zuverlässig halte.

Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass der Handel mit Aktien, Optionsscheinen, Zertifikaten, Optionen und anderen Finanzprodukten mit grundsätzlichen Risiken verbunden ist und zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen kann. Gewinne der Vergangenheit können zukünftige Ergebnisse nicht garantieren.

Für Investitionen, die aufgrund meiner Aussagen getätigt werden, übernehme ich keinerlei Verantwortung. Jeder Anleger handelt auf eigenes Risiko und sollte sich von einem bankunabhängigen Experten beraten lassen, inwieweit die vorgestellten Wertpapiere zu seinem persönlichen Risikoprofil passen.

Andere Ansichten: Record-Day-Einführung verzögert deutsche Dividendenausschüttungen

An einen interessanten, aber nicht schönen, Aspekt erinnerten jüngst die "Finanzjournalisten". Dabei geht es um die vom Bundestag beschlossene Aktienrechtsnovelle, die ab diesem Jahr greift und die eine liebgewonnene deutsche Tradition schrottet: die Dividendenausschüttung am Tag direkt nach der Hauptversammlung. Aus, vorbei, passé. Der EU sei - mal wieder - gedankt.

Mit Beginn der Dividendensaison 2017 müssen auch deutsche Aktionäre länger auf die Dividendenausschüttung warten, denn diese wird nun in der Regel erst drei Geschäftstage nach dem Aktionärstreffen erfolgen. Mit weit reichenden Folgen!

Denn bislang erhielt die Dividenden, wer am Tag der Hauptversammlung um 23.59 die Aktie im Depot hatten und der Dividendenabschlag (Ex-Dividende) erfolgte dem entsprechend zum Börsenstart am Tag nach der HV. Ab sofort müssen wir uns allerdings auf angelsächsische Verhältnisse einstellen. Es gibt einen sog. "Record-Day", der drei Geschäftstage nach der Hauptversammlung liegt und an dem die Dividende rechnerisch vom Aktienkurs abgezogen wird. Allerdings kann die HV auch eine abweichende Regelung beschließen, was das bisherige automatisierte verfahren erheblich kompliziert. Der Dividendenjäger muss nun darauf achten, was die HV beschließt, um sicherzugehen, dass er die Dividende auch erhält. Denn nicht wenige Anleger, private wie auch institutionelle, spekulieren auf die Ausschüttungen und wer nun zu früh verkauft, erhält unter Umständen keine Dividendenzahlung. Sehr ärgerlich, diese verkomplizierende EU-Harmonisierung.

Die Finanzjournalisten machen die Auswirkungen auch an einem konkreten Beispiel deutlich, an der Siemens AG, die wegen des Geschäftsjahresschlusses 30. September stets als ein der ersten deutschen Aktiengesellschaften ihre HV abhält. Das wird also ab diesem Mal so ablaufen: Das Aktionärstreffen findet am Mittwoch, den 1. Februar 2017 statt, der Record Day, an dem die Dividende bezahlt und vom Aktienkurs abgeschlagen wird, ist entsprechend am Montag, den 6. Februar 2017. Wer also vor dem 6. Februar seine Aktien veräußert, geht leer aus.

Die EU sollte sich mal endlich darauf besinnen, die besten Regelungen als allgemeinverbindlich zu erklären und nicht immer die schlechtesten. Europa ist für die Bürger da, nicht für die Bürokraten. Auch wenn die das offensichtlich anders sehen...

Scherzer & Co. nimmt bei Lotto24 Millionengewinn mit

Die Scherzer & Co. AG, Spezialist für Investments in börsennotierte deutsche Nebenwerte, hat momentan einen Lauf. Nicht nur, dass ihre größte Portfolio-Position GK Software von einem Rekordhoch zum nächsten eilt und neben operativen Erfolgen auch eine gehörige Portion Übernahmephantasie seitens des Partners SAP mitbringt (Scherzer hält mehr als 5% an GK Software), sondern auch der - bisher - drittgrößte Wert Lotto24 macht ausgesprochen Freude. Denn seit dem Einstieg von Scherzer & Co. hat sich der Aktienkurs vervielfacht und in den regelmäßigen NAV-Meldungen zeigte sich der Kursanstieg immer deutlicher, denn Scherzer & Co. hatten einen Anteil von 4,67% an dem Online-Lottovermarkter gemeldet bzw. 1,13 Mio. Aktien.

Bis heute. Denn in den weiteren steilen Anstieg hinein - der Kurs hat sich alleine seit August von €5 auf aktuell über €8 um mehr als 60% verteuert, baute Scherzer diese Beteiligung ab und unterschritt die 3%-Schwelle, was eine Stimmrechtmitteilung erforderlich machte. Daher wissen wir, dass Scherzer & Co. am 11. Januar nur noch 2,53% der Lotto24-Anteile hielt bzw. gut 610.000 Stück. Was wir nicht wissen ist, ob Scherzer & Co. seitdem weitere Lotto24-Aktien veräußert hat oder plant, dies in nächster Zeit zu tun. Hier müssen wir wohl bis zur nächsten NAV-Meldung per 31. Januar warten, um Näheres zu erfahren. Klar ist allerdings, dass alleine die Veräußerung der nun gemeldeten knapp 510.000 Aktien zu einem Gewinn von über einer Million Euro bei Scherzer & Co. führen wird. Kein schlechter Start ins Börsenjahr 2017.

 Scherzer & Co. (Quelle: finanzen.net
Meine Einschätzung
Die Aktien von Scherzer & Co. notieren aktuell bei €2,20 und damit um knapp 4% unterhalb ihres nach der erfolgreichen FIDOR-Transaktion anzusetzenden NAVs von €2,29. Allerdings haben die Januar-Kurszuwächse insbesondere bei GK Software und Lotto24 den NAV weiter anschwellen lassen, so dass er inzwischen deutlich über €2,30 liegen wird bei €2,37 liegt (s.u.).

Und in Scherzers Portfolio schlummern erhebliche Millionenpotenziale aufgrund werthaltiger Nachbesserungsrechte aus Spruchstellenverfahren bzw. Squeeze-outs. Insbesondere die zu erwartende AXA-Nachbesserung könnte inkl. der zuzurechnenden Anteile der Beteiligungen an der RM Rheiner Management AG und der Allerthal-Werke AG im Erfolgsfall den NAV um deutlich mehr als €1 je Aktie erhöhen. Hier ist allerdings nicht mit einem kurzfristigen Ergebnis zu rechnen, so dass sich Scherzer-Aktien für geduldige und langfristig orientierte Anleger zu einem echten Schatz entwickeln könnten. Und das scheint auch Scherzer-Vorstand Peter Neuroth so zu sehen, denn kurz vor Silvester hat er zum wiederholten Mal Scherzer-Aktien gekauft. Dieses Mal für knapp €25.000 zu Kursen um €2,09.

Scherzer & Co. befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.


_____________________________________
ERGÄNZUNG VOM 13.01.2016, 18:25

Gereon Kruse hat auf boersengefluester.de einige interessante Aussagen online gestellt, die er im Gespräch mit Scherzer-CEO Dr. Georg Issels erfahren hat. Demnach hält Scherzer aktuell an seinem Restbestand von 2,53% fest, da man weiter "Feuer und Flamme" für Lotto24 sei, würde diesen aber bei weiter steigenden Kursen tendenziell eher abbauen. Immerhin sei man "zu deutlich niedrigeren Kursen" eingestiegen. Den heutigen NAV je Scherzer-Aktie beziffert Dr. Issels auf €2,37, so dass der Abschlag bei einem Kurs von €2,24 momentan rund 6,7% beträgt. Gegenüber dem NAV per 01.01.2016 von €1,98 bedeutet dies eine Steigerung von annähernd 20%.

Hypoport: Wachstumsstarkes und profitables Fintech-Unternehmen

▸ Kissigs Kolumne vom 26. April 2016, Aktien Magazin 11/2016 

Immer wieder gibt es Trends, die sind so in, dass sich früher oder später jeder damit zu schmücken versucht. Und wie ein Chamäleon verpassen sich dann auch Unternehmen dieses neue Label, bei denen dies den eigentlichen Kern ihres Geschäfts nicht einmal mehr ansatzweise widerspiegelt.

Zu Neuer Markt-Zeiten war Logistik ein solches In-Thema. Es war absehbar, dass der boomende Onlinehandel einen immer größer werdenden Marktanteil vom Gesamtkuchen abknabbern würde und die vielen Pakete mussten ja zugestellt werden. Darüber hinaus waren hierzu nicht nur bei den Paketdiensten große Herausforderungen zu stemmen, sondern auch die Onlinehändler selbst mussten ihre Lager- und Versandkapazitäten ständig neu auf den Prüfstand stellen und ausbauen. Durch Gebäude, Warenwirtschaftssysteme, Personal. Diese schöne neue Welt war hip, klassisches Speditionswesen, also mit Lkws Waren über die verstopften Straßen zu transportieren, total out. Und einem mörderischen Preiskampf ausgesetzt. Trotzdem haben viele Speditionen, auch börsennotierte, sich des Labels Logistik bemächtigt, um sich selbst den Anschein eines modernen und innovativen Geschäftsmodells zu geben. Eine ziemliche Mogelpackung und schaut man auf die Aktienkurse der wenigen verbliebenen Logistikwerte aus dieser Zeit, dann sieht man, dass letztlich die Anleger die Zeche für diesen Etikettenschwindel gezahlt haben.

Das hindert freilich keinen Unternehmenslenker und keinen Marketingstrategen, dieses „bewährte“ Täuschungskonzept in anderen Branchen zu wiederholen. Um Geld von Anlegern einzusammeln, ist es jedenfalls gut geeignet. Man erinnere sich nur daran, dass Deutschlands größter Kohlekraftwerksbetreiber RWE sich in seiner TV-Werbung als innovatives Neue Energien-Unternehmen präsentiert hat, das bei Solar- und Wasserkraft voRWEggeht. Dabei ist diese Sparte eher eine marginale Randerscheinung im Energiemix des fossillastigen Klimakiller-Konzerns.

Fintech ist die neue Logistik
Seit einiger Zeit überrollt die nächste Welle die Börsen, die Fintechs. Klassische Banken ächzen seit Jahren darunter, dass immer mehr Kunden lieber online am heimischen PC ihre Bankgeschäfte abwickeln und immer seltener in die personalintensiven Filialen kommen. Vor 15 Jahren wurden die Comdirectbank oder Consors noch als Tagesgeldbanken belächelt, dann schnappten sie den Filialbanken und Sparkassen den Wertpapierhandel weg, da ihre Gebühren weniger als die Hälfte der üblichen Provisionen ausmachten und Abwicklung und Service auch noch reibungsloser gewährleistet wurden. Die Online-Broker von damals sind inzwischen zu Vollbanken herangewachsen und werden kaum noch belächelt. Viel zu stark punkten sie in Sachen Profitabilität und Service im Vergleich zu ihren strauchelnden Mutterkonzernen.

 Hypoport (Quelle: finanzen.net) 
Doch nicht sie sind es, die die Fintech-Revolution ausgelöst haben, sondern überwiegend kleine, innovative Unternehmen im Finanzsektor. Social-Trading-Banking, Peer-to-Peer-Lending, Mobile-Payment sind Schlagworte aus der Fintech-Branche. Die Möglichkeiten und Angebote sind vielfältig und kaum überschaubar und bei vielen muss sich erst noch beweisen, dass sie auf Kundenakzeptanz stoßen und das zeug haben, sich am Markt auch durchzusetzen. Sie haben allerdings eines gemein: sie erodieren das klassische Bankgeschäft. Dabei sind es zumeist keine Killer-Applikationen, die von heute auf morgen die Filialbanken ersetzen, aber sie knabbern Stück für Stück an deren Geschäftsmodell und bringen sie unter enormen Kostendruck. Die Hypovereinsbank als Tochter der italienischen UniCredit ist dabei, die Hälfte ihrer Filialen in Deutschland zu schließen. Die Deutsche Bank dünnt ihr Filialnetz um hunderte von Filialen aus, bei Volksbanken und Sparkassen sieht die Lage nicht anders aus. Einerseits können die Filialbanken so erheblich Personal sparen, andererseits begeben sie sich zunehmend in direkte Konkurrenz zu Onlinebanken – und da können sie mit ihren historisch hohen Kostenstrukturen kaum bestehen. Und aufgrund der reduzierten Filialen und damit persönlichen Kundenkontakte fehlt ihnen die Vertriebsschiene für ihre Provisionsprodukte. Nachdem auch das Investmentbanking mehr Probleme als Gewinne abwirft, schien in den letzten 15 Jahren der Vertrieb von Lebensversicherungen und Bausparverträgen das neue lukrative Standbein der Banken zu sein. Doch auch dieses ist inzwischen mehr als wurmstichig.

Auch PayPal ist Fintech
Eines der bekanntesten und profitabelsten Fintechs ist PayPal, der Online-Bezahldienst, den Tesla-Vorreiter Elon Musk einst gegründet hatte und der lange Jahre Teil von Ebay war. Seit letztem Jahr ist PayPal wieder selbständig und stellt im Internet eine eigene Bezahlmacht dar. Kaum ein häufig frequentierter Online-Shop, der nicht PayPal als Bezahloption anbietet. Außer Amazon natürlich, die gerade einen eigenen Bezahldienst zu starten versuchen. PayPal ist bequem, sicher und schnell. Und die Gebühren sind vergleichsweise günstig. Vor allem ist es von Käufern und Verkäufern gleichermaßen akzeptiert, was der entscheidende Vorteil gegenüber der neuen Konkurrenz ist. Dass die deutschen Banken nun mit einer eigenen Lösung namens Paydirekt an den Markt gingen, hat bisher noch niemand mitbekommen. Weder gibt es viele Shops, in denen man damit bezahlen kann, noch bietet Paydirekt irgendetwas, was PayPal nicht schon seit Jahren leistet.

Nachdem die Banken also auf mehr und mehr Geschäftsfeldern kräftig Boden verlieren, hatten sie wenigstens auf das Kreditgeschäft gehofft. So eine Immobilienfinanzierung ist schon beratungsintensiv und kann nicht einfach mit ein paar Klicks online erledigt werden. Schließlich geht es auch um große Summen, da ist die Seriosität des persönlichen Kontakts mit dem Bankberater ein echtes Asset. Naja war… dann kam die Bankenkrise, das Image der Banken rauschte in den Keller, immer häufiger werden enorme Skandale und finstere Machenschaften bekannt, wo sie Banken und Banker zulasten der Kunden und Steuerzahler die Taschen vollgestopft haben. Inzwischen sind in Umfragen nur noch Politiker weniger beliebt als Banker und werden als noch weniger glaubwürdig eingestuft. Und das hat auch konkrete Auswirkungen auf das Kreditgeschäft, denn neue Konkurrenten haben es folgerichtig leichter, den Banken den Schneid abzukaufen. Da man diesen nicht mehr vertraut, kann man sich ebenso gut an jemand anderen wenden, denn das Risiko scheint nicht ungleich größer zu sein.

Hypoport ist unbekannt und dennoch überall
Und hier treffen wir auf Hypoport, ein Unternehmen, das niemand kennt, denn Hypoport selbst tritt gegenüber Bankkunden nicht in Erscheinung. Das Unternehmen ist ein Finanzdienstleister und bedient mit seinen drei Sparten unterschiedliche Segmente. Der unbedeutendste Bereich ist die Beratung und Finanzierungsabwicklung für institutionelle Kunden beim Sozialen Wohnungsbau. Daneben ist man hinter Marktführer Interhyp zweitstärkster Anbieter bei der Online-Finanzierungsvermittlung an Privatkunden, die man über die Tochter Dr. Klein bedient. Und man hat über die Tochter Europace, wo man für institutionelle Kunden, vor allem Banken, Finanzierungen und Finanzprodukte online abwickelt, de facto eine Monopolstellung in Deutschland.

Dr. Klein ist online zu erreichen und dort bekommt Otto-Normalverbraucher schnell einen Kredit für seine neue Eigentumswohnung oder sein neues Auto vermittelt. Zusätzlich gibt es in ausgesuchten Großstädten auch richtige Filialen. Das Kreditverfahren ist hochgradig standardisiert und führt für die meisten Fälle schnell ans Ziel. Wo es schwierig wird, weil es bei der Bonität zwickt oder weil Selbständige mehrere unterschiedliche Einkommensarten haben, da wird das Geschäft einfach nicht gemacht. Diese aufwändigen und daher weniger margenträchtigen „Problemfälle“ überlässt man dann der Konkurrenz der Filialbanken.

Kursrakete war gestern
Im letzten Jahr 2015 hat Hypoport den Kursturbo gezündet und die Aktie hat sich um mehrere hundert Prozent in die Höhe geschraubt. Vom Höchstkurs bei rund 80 EUR ist der Wert inzwischen wieder deutlich zurückgekommen und nach der großen Anfangseuphorie pendelt der Kurs seit einiger Zeit um Kurse von 65 EUR.

Während Hypoport im Bereich Business-to-Consumer mit seiner Marke Dr. Klein zwar sehr erfolgreich ist, aber sich auch starken Wettbewerbern wie InterHyp und Check24 ausgesetzt sieht, sollten Anleger ihren Fokus vor allem auf das Quasi-Monopol Europace legen, wo Hypoports Kunden Banken und Finanzdienstleister sind. Hier steigt die Zahl der Partner weiterhin stark an, da immer mehr Banken ihre Geschäfte auch über Europace abwickeln und inzwischen auch verstärkt die Volksbanken und Sparkassen hinzukommen.

Damit reduzieren die Filialbanken ihre Kosten und können im Wettbewerb gegen Banken mit hohem Kostenapparat besser bestehen. Diese schließen weitere Filialen und so wandern mehr Kunden in die Onlinevermittlung ab und das erhöht nun selbst wieder den Druck auf die Banken. Das ist für die Banken ein zweischneidiges Schwert, denn sie können ohne Europace kaum noch bestehen, andererseits erhöht der Erfolg von Europace den Druck auf die teilnehmenden Banken weiter. Für Hypoport als Europace-Mutter ist diese Konstellation hingegen geradezu himmlisch, denn mit jedem abgewickelten Geschäft verdient Hypoport an den Gebühren. Der Clou ist, dass die Plattform digital ist, also zusätzliche Teilnehmer nicht entsprechend höhere Kosten verursachen. Man spricht bei diesem Effekt von Skalierbarkeit. Wachstum bedeutet Ausweitung der Margen und das ist der Traum eines jeden Unternehmers. Und Hypoport wächst.

Erstes Quartal mit Rekordwerten
Die Zahlen zum ersten Quartal 2016 belegen, dass Hypoport weiter auf einer Erfolgswelle schwimmt. Der Umsatz konnte auf rund 35 Mio. EUR gesteigert werden, was gegenüber dem Vorjahreswert von 33,3 Mio. EUR nur eine bescheidene Veränderung ist. Allerdings hat die Umsetzung der Regulierung des Immobilienfinanzierungsmarktes mittels Wohnimmobilienkreditrichtlinie bei Banken, Partnern und auch bei Hypoport Ressourcen gebunden und so das Neugeschäft belastet. Dieser negative Einflussfaktor fällt künftig weg. Viel wichtiger ist der Blick auf die Erträge und hier geht Hypoport von einem Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) von mindestens 5,4 Mio. EUR aus und das bedeutet gegenüber dem Vorjahresquartal eine Steigerung um mehr als 40 Prozent. Hier zeigen sich die positiven Auswirkungen des skalierbaren Geschäftsmodells ganz eindrucksvoll.

Value trifft Growth
Hypoport ist weder eine typische Wachstumsaktie, noch ein klassischer Value-Wert. Das Wachstum ist rasant und wird auf absehbare Zeit auch kaum nachlassen, aber das KGV von 18 lässt auch nicht sofort auf eine Unterbewertung schließen. Man könnte Hypoport bei 63 EUR also als fair bewertet einschätzen, vor allem nach der Kursvervielfachung im letzten Jahr. Die EBIT-Steigerung von 40 Prozent im ersten Quartal spricht allerdings eine andere Sprache und berücksichtigt man, dass die belastenden Effekte aus der Regulierungsumsetzung, die das Neugeschäft gebremst hatten, nun abgearbeitet sind, dann dürfte auch der Umsatz in den Folgequartalen wieder stärker zulegen. Und das bei sich ausweitenden Gewinnmargen.

Wir sollten uns also an die weisen Worte Warren Buffetts erinnern, der sagte, man solle nicht auf den Einkaufspreis schauen, sondern darauf, was das Unternehmen (und damit seine Aktien) in ein paar Jahren wert sein werden. Und wenn ich diesem Rat folge, dann komme ich zu dem Schluss, dass Hypoport weiter wachsen wird, dass man mit der Technik von Europace ein einzigartiges und kaum kopierbares Produkt hat, das sich hervorragend skalieren und damit die Margen weiter wachsen lässt. Und man hat eine Quasi-Monopolstellung und die Banken müssen sich auf Europace einlassen, um überhaupt noch konkurrenzfähig bleiben zu können. Das nennt man einen ökonomischen Burggraben!

Treffen meine Annahmen zu, dann wird die Hypoport-Aktie auch dreistellige Kurse sehen. Ob dies in einem Monat, in einem Jahr oder in drei Jahren soweit ist, das kann ich nicht abschätzen. Was ich sehe ist jedoch, dass das operative Geschäft stark wächst und zwar profitabel mit weiter wachsenden Margen. Und das ist seit jeher das beste Treibmittel für steigende Börsenkurse. Daher sollte Hypoport auf dem aktuellen Kursniveau für langfristige Anleger ein lohnendes Investment sein, denn es verbindet Wachstum und Werthaltigkeit in idealer Weise.

Hypoport befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

Donnerstag, 12. Januar 2017

Fondsmanager waren 2016 ihr Geld nicht wert. Mal wieder nicht...

Grottenschlechte Bilanz, die Fondsmanager in 2016 da wieder einmal abgeliefert haben. Nach Auswertung des Schweizer Analysehauses Ifund Research konnten nur acht Prozent der Manager für europäische Aktien nach Gebühren ihr Vergleichsbarometer übertreffen, bei US-Aktien waren es 14 Prozent. Bei Schwellenländern übertrafen immerhin mehr als ein Drittel den Index, wie Fonds professionell berichtet.

Die Manager hätten überwiegend auf's falsche Pferd gesetzt, nämlich defensive Konsumgüteraktien. Diese hätten aber im vergangenen Jahr unterdurchschnittlich abgeschnitten; ganz im Gegenteil zu Rohstoffwarten, die aber in den meisten Fonds stark untergewichtet blieben. Ein Lichtblick für Value-Anleger gibt es aber auch: Value-Aktien übertrafen erstmals seit Langem wieder Wachstumstitel. Auch das hätte allerdings die meisten Fondsmanager nicht erkannt.

Unterm Strich bleibt die Erkenntnis, dass Geldanlage in Aktienfonds besser ist als sein Geld auf dem Sparkonto entwerten zu lassen. Wer aber schon so schlau ist, in Aktien zu investieren, der sollte lieber wirklich clever agieren und sich die - nicht verdienten! - horrenden Gebühren der Fondsmanager sparen. Dadurch alleine steigt die jährliche Rendite schon um einige Prozentpunkte an. Und wie macht man das? Nun, man kauft entweder passiv verwaltete Indexfonds, also ETFs (Exchange-traded Funds), wie es Warren Buffet oder John C. Bogle, Gründer der Vanguard Company, den Anlegern raten.

»Suche nicht nach der Nadel im Heuhaufen. Kaufe einfach den Heuhaufen.«
(John C. Bogle)

Oder man setzt - wie ich - auf eigenes Research und Stock-Picking. Letzteres ist aber nicht jedermanns Sache und erfordert natürlich Know-how und Zeit. Sich die Mühe zu machen, um aus dem Heer der Fondsmanager diejenigen 8 Prozent herauszufiltern, die besser abschneiden als der Index, die kann man sich jedenfalls sparen - oder in das gezielte Auswählen von Einzelwerten investieren...