Montag, 27. Februar 2017

Gewerbeimmobilienspezialist DIC Asset schreibt Verluste. Und wird immer attraktiver...

Die Frankfurter DIC Asset AG ist ein auf Gewerbeimmobilien spezialisiertes Unternehmen und im Nebenwertesegment der Deutschen Börse SDAX beheimatet. Von den starken Preissteigerungen am deutschen Immobilienmarkt konnte der Aktienkurs in den letzten Jahren nicht so stark profitieren und das hat auch handfeste Gründe. Oder hatte, wie ein genauerer Blick auf das Unternehmen zeigt. Und so könnte sich für langfristig orientierte Anleger hier eine Gelegenheit auftun, auch wenn der Immobilienmarkt schon ziemlich ausgereizt erscheint. Immerhin steht DIC für Deutsche Immobilien Chancen...

Vor einiger Zeit hatte ich an dieser Stelle die DIC Asset als lohnenswerte Immobilienspekulation vorgestellt. In diesem halben Jahr ist der Aktienkurs um gute 10 Prozent angestiegen, was sich durchaus sehen lassen kann. Zumal Immobilienwerte zuletzt nicht mehr so gesucht waren.

Verschuldung wird sukzessive abgebaut
Und im Grunde hat sich seit meiner Empfehlung vor einem halben Jahr nichts Wesentliches verändert. Denn DIC Asset kommt auf dem eingeschlagenen Weg zum Erfolg gut voran. So war in den vergangenen Jahren immer wieder eine Unterbewertung bei DIC Asset prognostiziert worden, die aber durch den sehr hohen Verschuldungsgrad (Loan-to-Value) mehr als kompensiert wurde. So kurz nach der Immobilien- und Finanzkrise blicken die Anleger verstärkt auf Risiken, die sich aus einem zu hohen Leverage ergeben können. Hier kam DIC Asset aber gut voran, denn man nutzt die hohen Cashflows aus den Mieteinnahmen dazu, die Verschuldung zu senken. Und auch über Immobilienverkäufe wurden Schulden abgebaut, so dass der LtV inzwischen unter 60% gefallen ist, nachdem er im Vorjahr noch 62,7% betrug. Und auch damals hatte man ihn schon reduziert. Dabei geht DIC Asset inzwischen auch wieder lukrative neue Engagements ein.

Neue Finanzierung bringt Verlust und Gewinnsteigerungen
Einen echten Coup hat DIC Asset aber mit seiner neuen Finanzierung für die bestehenden Immobilienkredite gelandet. Denn man hat die Gunst der Stunde genutzt und sich langfristig die aktuell günstigen Zinskonditionen gesichert, indem man ein 960-Millionen-Euro-Portfolio refinanziert hat. Und zwar zu sensationell günstigen 1,7%. Durch diese erfolgreiche Refinanzierung des sog. "Commercial Portfolios" in Höhe von €960 Mio. stärkt das Unternehmen FFO und Cashflow erheblich und wird so ab 2017 seinen jährlichen Zinsaufwand um €20 Mio. reduzierten.

Der Durchschnittszinssatz über alle Bankverbindlichkeiten sinkt somit von 3,4% auf 1,7% bei einer durchschnittlichen Laufzeit der Finanzschulden von 5,9 Jahre (vor Refinanzierung 4,3 Jahre). Insgesamt belaufen sich die Finanzverbindlichkeiten zum 31. Dezember 2016 auf €1,6 Mrd. und liegen damit auf Vorjahresniveau.

 DIC Asset (Quelle: finanzen.net
2016 mit hohem Verlust, dafür ab 2017 deutlich höhere Gewinne
Die Umfinanzierung bringt einen einmaligen Verlust mit sich, denn DIC Asset muss in 2016 hierfür eine einmalige Vorfälligkeitsentschädigung in Höhe von €59 Mio. bezahlen. Im Gegenzug erzielt man dafür dauerhaft gewinnsteigernde Entlastungen beim FFO von gut €20 Mio. pro Jahr und somit im Finanzergebnis. Bereinigt um die Einmalaufwendung aus der Refinanzierung verbesserte sich das Zinsergebnis in 2016 mit €-46,7 Mio. gegenüber dem Vorjahr um 22% (2015: €-59,8 Mio.). Die Eigenkapitalquote des Unternehmens fiel zum Jahresende auf 31,6% (31. Dezember 2015: 32,3%), während der Netto-Verschuldungsgrad in Bezug auf den Portfoliomarktwert (LtV) auf 59,9% gesenkt werden konnte.

Diesen Einmalverlust in 2016 sollte man also schnell abhaken, denn er wurde als Investition in die Zukunft billigend in Kauf genommen. Operativ kann DIC Asset nämlich Erfolge vorweisen. So stiegen die Assets under Management (AuM) zum Jahresende auf €3,5 Mrd. (Vorjahr €3,2 Mrd.) und der Net Asset Value (NAV, Nettovermögenswert) betrug zum Jahresende €880,0 Mio. (31. Dezember 2015: €884,1 Mio., was einem NAV je Aktie von €12,83 entspricht nach €12,89 im Vorjahr.

Auch die Anleger sollen an den operativen Erfolgen beteiligt werden und so will DIC Asset seine Dividende um 3 Cents bzw. rund 8% auf €0,40 je Aktie anheben.

Meine Einschätzung
Nachdem DIC Asset im laufenden Jahr seine Prognosen angehoben hatte, lag man beim Jahresabschluss sogar noch teilweise über diesen Werten. Für das Jahr 2017 geht das Unternehmen von einem deutlich verbesserten operativen Ergebnis und einem um bis zu 28% ansteigenden FFO zwischen €57 Mio. und €60 Mio. aus, also einem FFO je Aktie von €0,83 bis €0,88. Schaut man auf den Aktienkurs, so notiert dieser mit €9,40 noch immer mehr als 27% unter dem NAV von €12,83 - ein Abschlag, der kaum mehr zu rechtfertigen ist.

Neben den eigenen weiter gestiegenen Erfolgsaussichten hat DIC Asset aber noch ein weiteres Ass im Ärmel, nämlich die fast 25-prozentige Beteiligung am Wettbewerber WCM. Nach der jüngsten Änderung der Rechtslage zu steuerlichen Verlustvorträgen, von denen WCM reichlich aufweist, könnte für die DIC Asset ab Ende diesen Jahres sogar ein Aufstocken der WCM-Position oder gar eine Komplettübernahme möglich sein, ohne die Verlustvorträge zu gefährden. Oder ggf. ein Verkauf der Anteile an einen Dritten, der sich an WCM beteiligen oder das Unternehmen ganz übernehmen will. Nicht auszuschließen ist auch eine Einigung mit "Mr. WCM" Karl Ehlerding, der WCM durch die Insolvenz geführt hatte und die treibende Kraft hinter der Wiederauferstehung ist. Und der sich wohl kaum kampflos "sein Baby" aus der Hand nehmen lassen wird. Nachdem er Conwert seine Anteile vergolden konnte, dürfte er auch über die finanziellen Kapazitäten verfügen, um noch stärker bei der WCM mitzumischen.

Ich habe die DIC Asset auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot. Das Unternehmen dürfte eines der besten Chance-Risiko-Verhältnisse im Branchensektor aufweisen. Das Risiko ist begrenzt, das operative Geschäft und das Finanzergebnis werden die Gewinne über die nächsten Jahre signifikant erhöhen und die Aktie notiert mehr als ein Viertel unterhalb ihres Substanzwertes. Die vormals zu hohe Verschuldung ist inzwischen auf ein branchenübliches Maß gesenkt worden und soll perspektivisch weiter abgebaut werden, während die AuM ansteigen. Für Langfristanleger, die nicht auf schnelle Kursgewinne mit entsprechend hohen Verlustrisiko aus sind, dürfte die Aktie von DIC Asset vermutlich die sicherste Wahl sein. Und eine Gewinnbringende...

Börsenweisheit der Woche 09/2017

"Du brauchst nicht jede Aktie kaufen. Wenn Du sie nicht verstehst, lass es sein. Es gibt tausende Aktien, such eine andere."
(Warren Buffett)

Samstag, 25. Februar 2017

Kaufe niedrig, verkaufe nie

"Kaufe niedrig, verkaufe nie" ist ein bekanntes Mantra von Warren Buffett und beschreibt perfekt die sog. Buy & Hold-Strategie. Es wird oft missverstanden und fehlinterpretiert und daher viel zu selten beachtet. Leider. Dabei weiß der gute Kaufmann, dass der Gewinn im Einkauf liegt und je besser der Einkaufspreis, desto höher ist die Chance auf einen Gewinn. Und umso niedriger ist auch das Risiko, die Ware nicht zu einem guten Preis wieder loszuwerden, also einen Verlust realisieren zu müssen.

Es gibt Kritiker, die Buy & Hold als veraltet, antiquiert und unzeitgemäß bezeichnen und sie verweisen auf Aktien, wie die der Deutschen Telekom. Diese haben Anleger im Jahr 2000 zu Mondpreisen von über €100 gekauft und wer sie noch immer hat, sitzt auf massiven Verlusten von bis zu 85%. Und das nach 17 Jahren.

Doch "Kaufen & Halten" bedeutet eben nicht, zu jedem Kurs zu kaufen und starrsinnig daran festzuhalten, sondern es bedingt, zu niedrigen Kursen einzusteigen und die Aktien dann nicht (zu schnell) wieder aus den Händen zu geben. Warren Buffett hält einige Aktien in seinem Portfolio bereits seit über 40 Jahren und genau diese Aktien haben ihn zum Multimilliardär und drittreichsten Menschen der Welt gemacht.

Das Entscheidende ist also, niedrig zu kaufen. Und niedrig ist ein Aktienkurs nach Value-Gesichtspunkten immer dann, wenn der faire Wert des Unternehmens deutlich über dem aktuellen Börsenkurs liegt. In die Suche nach dem richtigen Unternehmen muss man die größte Sorgfalt und die meiste Zeit investieren. Die Auswahl der Aktien ist das A&O des Investierens, nicht das Kaufen, nicht das Verkaufen. Man muss die Geschäftsberichte studieren, die Bewertung des Unternehmens anhand von Kennzahlen vornehmen und so den fairen Wert des Unternehmens bestimmen. Erst dann vergleicht man diesen fairen Wert mit dem aktuellen Börsenkurs. Und kann man die Aktie deutlich unterhalb des fairen Wertes kaufen, also mit einer Sicherheitsmarge von gut 20%, dann und nur dann sollte man diese Aktien kaufen.

»Jedes intelligente Investieren ist das Investieren in Werte - mehr bekommen als das, wofür Du bezahlst. Investieren ist, wenn Du wenige großartige Unternehmen findest und dann auf Deinem Hintern sitzt.«
(Charlie Munger)

Dieses Verfahren führt dazu, dass man relativ sicher die richtigen Unternehmen findet und auf mittlere und lange Sicht auf die Gewinneraktien setzt. Aber es bedeutet auch, dass die meiste Arbeit zu dem (unerwünschten) Ergebnis führt, dass der richtige Zeitpunkt zum Einstieg in eine Aktie nicht vorliegt. Aber dann muss man sich nicht grämen, denn der faire Wert eines Unternehmens ändert sich wesentlich langsamer, als das sein Aktienkurs tut. Eine gute Analyse kann man jährlich fortschreiben und wenn der Markt eine seiner regelmäßig wiederkehrenden Übertreibungsphasen hat, kann man die Aktie günstig kaufen. Und dann wartet man ab, man übt sich in Geduld, dieser wohl wichtigsten Eigenschaft eines Value-Investors. Denn die Börse wird mit Sicherheit die Übertreibung nach unten (Panik) wieder abbauen und erst zur Normalität übergehen und sich irgendwann wieder in eine Übertreibung nach oben hineinsteigern (Euphorie). Wenn dann der Aktienkurs deutlich über dem fairen Wert des Unternehmens notiert, (erst) dann sollte man sich entscheiden, ob man die Aktie verkauft und die Gewinne mitnimmt, oder ob man weiterhin von dem Unternehmen und seinen Aussichten überzeugt ist - und dann sollte man konsequent die Aktien halten, auch wenn der Kurs absehbar eine Zeit lang konsolidieren dürfte.

»Geduld ist die oberste Tugend des Investors.«
(Benjamin Graham)

Solche Phasen übersteht man leicht(er), wenn die Aktien auch eine attraktive Dividende abwerfen. Und daher ist die Dividendenrendite ein nicht zu unterschätzendes Kriterium bei der Auswahl der richtigen Aktien für die Buy & Hold-Strategie. Doch die drei entscheidenden Kriterien für erfolgreiche Investments bleiben: Geduld, Geduld und Geduld.

Freitag, 24. Februar 2017

Empfehlungsliste

Performance seit Erstempfehlung inkl. Brutto-Dividenden. Das regelmäßige Update erfolgt jeweils zum Wochenende.














»Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.«, riet Immanuel Kant.
Also, denkt selbst! Diese Liste ist eine Anregung, mehr nicht. Sie dient dazu, dass Ihr Euch Eure eigenen Gedanken zu den Unternehmen macht, Euren eigenen Investment-Case erarbeitet. Dazu könnt Ihr gerne auf meine Einschätzungen zurückgreifen und gerne können wir über die einzelnen Positionen und das (Value) Investing diskutieren. Denn das ist der Grund, weshalb ich dieses Blog betreibe: ich möchte mit Euch ins Gespräch kommen, von Euch lernen. Ich möchte ein besserer Investor werden.


Historie der Transaktionen auf meiner Empfehlungsliste
Auf der Transaktionsliste finden Sie alle Aufnahmen und Streichungen auf meiner Empfehlungsliste seit Start des Blogs.


Investor-Update
Die Empfehlungsliste ist nicht zwangsläufig identisch mit meinem Investment-Portfolio, auch wenn  sie viele Überschneidungen aufweist. Im Investor-Update beschreibe ich daher in unregelmäßigen Abständen, wie die Entwicklungen bei den einzelnen Unternehmen sich in meinem Depot als Käufe, Verkäufe oder Umschichtungen niedergeschlagen haben.


RECHTLICHER HINWEIS NACH WPHG
Viele der in meinem Blog erwähnten Werte halte oder handle ich regelmäßig. Die in diesem Blog enthaltenen Beiträge sind meine persönliche Meinung und stellen weder eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar, noch sind sie als Beratungsleistung zu werten. Ich übernehme trotz aller Sorgfalt keine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen; sie beruhen auf Quellen, die ich für vertrauenswürdig und zuverlässig halte.

Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass der Handel mit Aktien, Optionsscheinen, Zertifikaten, Optionen und anderen Finanzprodukten mit grundsätzlichen Risiken verbunden ist und zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen kann. Gewinne der Vergangenheit können zukünftige Ergebnisse nicht garantieren.

Für Investitionen, die aufgrund meiner Aussagen getätigt werden, übernehme ich keinerlei Verantwortung. Jeder Anleger handelt auf eigenes Risiko und sollte sich von einem bankunabhängigen Experten beraten lassen, inwieweit die vorgestellten Wertpapiere zu seinem persönlichen Risikoprofil passen.

Donnerstag, 23. Februar 2017

Publity baut NPL-Portfolio um weitere 831 Millionen auf 3,2 Milliarden Euro aus

Publity, ein Investor in und Asset-Manager von deutschen Büroimmobilien mit langjähriger Erfahrung im Bereich der Immobilienfinanzierung in Sondersituationen, lebt vom Ankauf, der Entwicklung und dem anschließenden Verkauf von Gewerbeimmobilien. Und das im Auftrag von Finanzinvestoren und für die von Publity selbst aufgelegten Publikumsfonds.

Vor einiger Zeit damit begonnen, darüber hinaus ein zweites lukratives Standbein aufzubauen, die Verwertung sog. Non-performing Loans (NPLs), also nicht bedienter Kredite. Insbesondere im letzten Jahr konnte man mehrere Servicing-Verträge an Land ziehen und das NPL-Portfolio auf €2,4 Mrd. ausbauen. Und nun gibt es einen weiteren Auftrag zur Verwertung eines NPL-Portfolios mit rund €831 Mio. Forderungshöhe, so dass das betreute NPL-Portfolio auf insgesamt rund €3,2 Mrd. anwächst. Der Servicing-Vertrag mit einem internationalem Investor läuft für 5 Jahre und das Portfolio umfasst circa 980 Immobilien-Kredite. Üblicherweise erhält Publity bei derartigen Aufträgen eine Servicing-Fee und ist so mit 22% am Verwertungserlös beteiligt. Es winken also erkleckliche erfolgsabhängige Provisionseinnahmen.

 Publity (Quelle: finanzen.net
Meine Einschätzung
Publity hatte zuletzt mit tollen Nachrichten aufwarten können. Neben der Gewinnverdopplung im Geschäftsjahr 2016 kaufte man eine Reihe von neuen Immobilien ein. Und mit dem neuen NPL-Servicing-Vertrag beweist Publity einmal mehr, dass man als Partner für internationale Finanzinvestoren erste Wahl ist. Hierdurch schafft sich Publity ein zweites, stetiges Einnahmestandbein. Kerngeschäft bleibt natürlich Haupttreiber für Publitys Gewinne. Und diese liegen bei Publity im Einkauf, realisiert werden sie allerdings erst beim Verkauf.

In beiden Bereichen ist Publity nach wie vor sehr rege aktiv - und erfolgreich. Die avisiert Dividende von €2,80 je Aktie, was beim aktuellen Kurs von €38 einer Dividendenrendite von mehr als 7% entspricht, sollte bis zur HV im Juni für zusätzliche Nachfrage nach Publity-Aktien sorgen und danach dürfte sich der Blick wieder verstärkt auf das operative Geschäft richten. Deutlich höhere Kurse winken, wenn Publity weiterhin so zuverlässig Erfolge vermelden und seine Prognosen einlösen kann.

Publity befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

Mittwoch, 22. Februar 2017

Welchen Informationswert bieten Insider-Trades wirklich?

Allgemein nimmt man an, Insider hätten einen besseren Durchblick bei ihrem Unternehmen als Außenstehende. Und bzgl. des Vorstands sollte man sogar darauf hoffen! Wenn nun diese Insider, also Vorstände oder Aufsichtsräte und ihre engen Familienmitglieder, Aktien des eigenen Unternehmens handeln, sollte man hellhörig werden. Denn dahinter kann mehr stecken, als die bloße Entscheidung eines Anlegers. Muss aber nicht.

Insiderverkäufe
Wenn Insider Aktien "ihres" Unternehmens verkaufen, wird dies schnell als negatives Signal verstanden. Außenstehende vermuten dann, dass die Insider Kenntnis von negativen Fakten oder schlechten Nachrichten haben und deshalb ihre Aktien abstoßen - Insiderverkäufe drücken daher nicht selten zusätzlich auf den Kurs.

Dabei gibt es viele Gründe, weshalb Insider ihre Aktien verkaufen: manchmal sind Aktien(optionen) Teil des Gehalts, oder der Insider möchte sich ein neues Haus kaufen und benötigt dafür Geld. Vielleicht möchte er auch nur seine Anlagen breiter diversifizieren oder er muss eine teure Scheidungsvereinbarung finanzieren. Auch diese Gründe können hinter Insiderverkäufen stehen, es müssen nicht zwangsweise negative Erwartungen hinsichtlich der Unternehmensentwicklung sein.

Für mich stellen Insider-verkäufe keinen Grund dar, meine entsprechenden Aktien zu verkaufen. Allerdings sind sie ein Erinnerungssignal und führen dazu, dass ich mir die Aktie, das Unternehmen und meinen Investmentcase noch einmal genauer ansehe und abklopfe, ob sich hier etwas zum Negativen verändert hat. Sollte dies der Fall sein, dann verkaufe ich ggf. die Aktien.

Insiderkäufe
Dem gegenüber gibt es eigentlich nur einen einzigen Grund, weshalb Insider die Aktien "ihres" Unternehmens kaufen: sie glauben an das Unternehmen und gehen von steigenden Aktienkursen aus. Denn auch Insider haben kein Geld zu verschenken, sondern wollen mit ihrem Unternehmen und ihren Aktien Geld verdienen. Und auch Börsenlegende Peter Lynch wies darauf hin, dass die Chancen auf eine positive Entwicklung des Aktienkurses größer ist, wenn es starke Insiderkäufe gegeben hat.

Einige Unternehmen räumen ihren Mitarbeitern auch die Möglichkeit ein, Belegschaftsaktien zu erwerben. Diese bekommen sie dann auch mit einem deutlichen Abschlag auf den aktuellen Börsenwert. Ich halte das für eine ganz ausgezeichnete Sache, für beide Seiten. Auch wenn es Leute gibt, die das verteufeln - aus Sicht der Mitarbeiter. Weil sie von Risikoballung sprechen. Denn einerseits ist das Arbeitseinkommen bei diesem Unternehmen konzentriert und dann auch noch das Vermögen. Geht das Unternehmen pleite, hätte man hier doppelt verloren. Allerdings... kaum ein Mensch arbeitet heute noch 40 Jahre bei dem gleichen Unternehmen. Also gilt die Riskohäufung nur für eine begrenzte Zeit.

Ich finde es positiv, wenn Unternehmen ihr Management durch eine Beteiligung binden und zusätzlich motivieren können. Und wenn Vorstände nur 75% des aktuellen Börsenkurses bezahlen für eine Aktie, die sie kaufen, dann muss das nicht schlecht sein. Kostet die Aktie 100 EUR und der Vorstand kauft sie zu 75 EUR, dann hat das Unternehmen noch immer das 75-fache für seine 1-Euro-Aktie erhalten. Und würde es eine förmliche Kapitalerhöhung mit Bezugsrecht der Altaktionäre durchführen, läge der Bezugspreis auch in den meisten Fällen um 15 bis 25 Prozent unterhalb des aktuellen Aktienkurses, um die neuen Aktien attraktiv und die Kapitalerhöhung zu einem Erfolg zu machen.

Ich halte den Aspekt, dass das Management nicht nur auf sein Gehalt, sondern auch auf den Wert der Aktien schaut, für wünschenswert. Denn das bringt eher nachhaltige Überlegungen und Vorteile für die Entwicklung des Unternehmens ein, losgelöst von möglichen, an den Jahresgewinn gekoppelten, Tantiemen-Regelungen.

Fazit
Insider-Trades können eine Bedeutung haben. Aber es kommt eben immer auf den jeweiligen Einzelfall an. Sehe ich eine Meldung über Insider-Trades, dann lohnt es sich, hier genauer hinzusehen. Und sich aus dem Gesamtbild eine Meinung zu machen und ggf. die Erkenntnisse in die eigene Anlageentscheidung mit einfließen zu lassen. Vor allem Käufe signalisieren eine klare Meinung bezüglich des Unternehmens bzw. des Aktienkurses und Anleger können dies als zusätzliches positives Signal verstehen. Bei Insiderverkäufen hingegen sollte man keine voreiligen Schlüsse ziehen - solange man nicht recherchieren kann, weshalb der Insider verkauft, bleibt alles Spekulation. Und aus Unkenntnis heraus sollte man keinesfalls Investmententscheidungen treffen, weder Käufe noch Verkäufe.

Die Deutsche Beteiligungs AG wird kräftig unterschätzt

▸ Kissigs Kolumne vom 31. Oktober 2016, Aktien Magazin 29/2016 

Die DBAG, wie die Deutsche Beteiligungs AG auch gerne genannt wird, ist eine der ältesten deutschen Beteiligungsgesellschaften, bei der mit knapp 20 Prozent die Drogeriefamilie Rossmann mit an Bord ist. Das SDAX-Mitglied ist weniger auf Sanierung und Verkauf seiner Tochtergesellschaften aus, sondern viel mehr auf Bestandsauf- und ausbau. Man unterscheidet sich hier ganz deutlich von Finanzinvestoren wie Aurelius, Blackstone oder KKR & Co.

Vor einigen Jahren gab es dennoch einen Schwenk in der Geschäftspolitik, als man vom klassischen eigenen Beteiligungsgeschäft zum Asset-Management überging. Seitdem legt man Beteiligungsfonds auf, in die private und institutionelle Investoren Geld einbringen können, ohne sich direkt an der DBAG als Aktionäre beteiligen zu müssen. Diese Fonds sind als geschlossene Beteiligungsfonds ausgelegt und sind damit nicht über die Börse handelbar. Die DBAG verwaltet und managt diese Fonds und erhält hierfür Managementgebühren, was für einen stetigen Einnahmestrom sorgt. In dieser Sparte konnte die DBAG ihr Ergebnis in den vergangenen 10 Jahren auf 20 Millionen Euro p.a. vervierfachen.

Darüber hinaus bleibt die DBAG eine klassische Beteiligungsgesellschaft und übernimmt daher an diesen Fonds auch selbst Anteile bzw. tritt bei Investment des Fonds als Co-Investor auf. So partizipiert sie auch an den eigenen operativen Erfolgen, kann über diese Konstruktion jedoch mit dem gleichen eingesetzten Eigenkapitalanteil wesentlich mehr bewegen, da ja der Großteil der Gesamtinvestitionen von Investoren stammen. Es wird nicht nur mehr Geschäftsvolumen erzielt, sondern die DBAG kann nun auch größere Übernahmen stemmen und daher ganz andere Kaliber ins Radar nehmen.

Auf der anderen Seite ist für die DBAG der Eigenkapital-Hebel bei einem einzelnen erfolgreichen Verkauf der Beteiligung natürlich entsprechend geringer, da sie nicht mehr 100% an den Tochterunternehmen hält, sondern nur noch eine Minderheitsbeteiligung. Diese ist in der Regel aber durchaus ansehnlich und beträgt zumeist zwischen 10 und 20 Prozent. Den Rest übernehmen die DBAG-Beteiligungsfonds, so dass die DBAG insgesamt die Kontrolle übernimmt.

Die durchschnittliche Haltedauer für Investments der DBAG im eigenen Portfolio liegt bei fünf Jahren und von den aktuell rund 25 Beteiligungen sind rund ein Viertel schon vier und mehr Jahre dabei. Und somit reif für einen Exit, bei dem die DBAG ihr selbst eingesetztes Kapital durchschnittlich verdreifacht. Für ihre Aktionäre hat sie so über die letzten 15 Jahre betrachtet 15,2 Prozent und über die letzten 10 Jahre immerhin noch 13 Prozent an durchschnittlich Erträgen erwirtschaftet.

Da die DBAG jedoch eher selten spektakuläre Geschäftsabschlüsse verkündet, ist sie bei vielen Anlegern trotzdem nicht auf dem Schirm; sie dürfte jedoch eines der am meisten unterschätzten Unternehmen auf dem deutschen Börsenzettel sein.

Auf den zweiten Blick
Also schauen wir uns die Deutsche Beteiligungs AG mal etwas genauer an. Da fällt zunächst ins Auge, dass die DBAG ihr Geschäftsjahr nicht am 31. Dezember enden lässt, sondern jeweils zum 30. September. Auch deshalb findet ihre Hauptversammlung zumeist schon im März statt, was für Dividendenjäger kein ganz unwichtiger Aspekt ist. Darüber hinaus bilanziert die DBAG nicht nach HGB, sondern nach IFRS, den internationalen Bilanzierungsstandards. Das hat vor allem die Auswirkung, dass die von ihr gehaltenen Beteiligungen jeweils zum Ende des Quartals zum dann gerade aktuellen Marktwert bewertet werden. Diese Wertansätze orientieren sich am Stand der Börsen und den daraus angeleiteten Bewertungen vergleichbarer Unternehmen. Im Ergebnis schwanken die Bewertungen der Tochtergesellschaften und damit der von der DBAG ausgewiesene NAV (Buchwert) dadurch stärker als bei nach HGB bilanzierenden Unternehmen. Die DBAG-Bilanz nach IFRS weist folglich erheblich niedrigere stille Reserven auf, als es nach HGB der Fall wäre. Das ist jetzt keine große Besonderheit, auch Aurelius bilanziert auf diese Weise, aber es hat durchaus konkrete Auswirkungen auf die ausgewiesenen Gewinne.

Gewinnträchtige Verkäufe treiben das Ergebnis
Der Geschäftsansatz der DBAG zielt auf den Kauf von gut eingeführten mittelständischen Unternehmen, die erfolgreich am Markt unterwegs sind. Sanierungsfälle übernimmt sie nicht. Sie schielt nicht auf schnelle Renditen, sondern auf eine nachhaltige Entwicklung der Portfoliounternehmen. Und trotzdem verkauft auch die DBAG von Zeit zu Zeit ihre Tochtergesellschaften und erzielt damit nicht selten hohe Gewinne. Besonders in Erinnerung bleiben dürfte der Verkauf der damals mit Abstand größten Beteiligung, der börsennotierten HOMAG AG an die ebenfalls börsennotierte Dürr AG. Den daraus erzielten außerordentlich hohen Gewinn kann man im Chart der DBAG noch heute ablesen.

Den erzielten Verkaufserlös hat die DBAG seitdem sukzessive in neue Beteiligungen gesteckt und damit das Portfolio deutlich breiter aufgestellt. Verkäufe fallen jetzt nicht mehr ganz so spektakulär aus, aber dennoch nicht minder gewinnbringend. So hat die DBAG in ihrem ersten Geschäftsquartal diesen Jahres einen Quartalsgewinn von 30 Millionen Euro ausweisen können, der sich vor allem aus dem Verkauf zweier Beteiligungen speiste, darunter auch den der Spheros-Gruppe. Alleine diese beiden Beteiligungen erbrachten einen Gewinnanteil von 10 Millionen Euro.

Im dritten Geschäftsquartal sah die Welt dann kurzzeitig anders aus, denn kurz vor dessen Bilanzstichtag am 30. Juni hatten die Britten für den Brexit gestimmt, also den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Die Aktienkurse brachen daraufhin zweistellig ein und damit auch das Quartalsergebnis der DBAG. Dank IFRS-Bilanzierung. Denn die gesunkenen Aktienkurse führten zu einem reduzierten Bewertungsansatz der DBAG-Beteiligungen, der mit einem Minus von 12 Millionen Euro zu Buche schlug und das Quartalsergebnis unter dem Strich auf ein Minus von 5,7 Millionen Euro drückte. Was im Umkehrschluss nichts anderes bedeutet, als dass die DBAG in jenem Quartal operativ immerhin weitere 6,3 Millionen Euro verdient hatte. Und wir alle wissen, wie kurzfristig der Brexit-Schock der Börsen war und daher war auch abzusehen, dass das nächste Quartalsergebnis der DBAG mindestens die Abwertung besagter 12 Millionen wieder ausgleichen würde.

Mehr Kapital für noch mehr Investments
Die DBAG nutzte dann auch die Gunst der Stunde und führte eine Kapitalerhöhung durch, wodurch sie ihr Eigenkapital um 10 Prozent erweiterte. Der Markt nahm dies sehr positiv auf, also ohne größere Kursabschläge, da die DBAG verkündet hatte, dass sie dieses Geld in weitere interessante Beteiligungen zu investieren gedenke. So stieg sie beim MedTech-Unternehmen Polytech ein, was die DBAG bis zu 12 Millionen Euro an Eigenmitteln für einen 18-prozentigen-Anteil kostete, während rund 76 Prozent vom DBAG Fund VI übernommen werden. Die übrigen Anteile wird das Management des Unternehmens erwerben. Polytech war die zehnte Beteiligung des DBAG Fund VI, der nach dieser Transaktion zu mehr als 75 Prozent investiert ist. Somit bleibt noch Raum für eine weitere Akquisition, da die DBAG-Fonds grundsätzlich nicht mehr als 85 Prozent des Kapitals investieren, um noch trockenes Pulver zu haben für Add-on-Zukäufe für die Portfoliounternehmen.

Des Weiteren hat die DBAG einen neuen Buy-out-Fonds im Gesamtvolumen von einer Milliarde Euro aufgelegt, den DBAG Fund VII, und die Mittel wurden zwischenzeitlich vollständig eingeworben. Dabei wird der Eigenanteil der DBAG rund 200 Millionen Euro betragen und damit ein Fünftel des Fondsvolumens. Die frisch eingeworbenen Gelder aus der Kapitalerhöhung sind also bereits verplant und werden nicht lange auf dem Girokonto zinslos vor sich hin darben. Durch den Start dieses weiteren Fonds vergrößert sich für die DBAG künftig die Basis für die Gebühreneinnahmen aus der Fondsberatung.

Endspurt im Schlussquartal
Und nun gab die Deutsche Beteiligungs AG jüngst Vorabzahlen zum vierten Geschäftsquartal bekannt und damit auch für das gesamte am 30. September endenden Geschäftsjahr. Und diese Zahlen liegen deutlich über den eigenen Erwartungen und über denen der Analysten.

Entgegen der bisherigen Prognosen, wonach ein um mindestens um 20 Prozent über dem Vorjahresergebnis von 27 Millionen Euro liegendes Ergebnis in Höhe von 40 Millionen Euro angepeilt war, wird das Ergebnis nun zwischen 48 und 52 Millionen Euro landen. Also noch einmal um 20 Prozent über den vorherigen Prognosen, wodurch die DBAG im abgelaufenen Geschäftsjahr annähernd eine Gewinnverdopplung erzielen konnte. Langweilig klingt irgendwie anders.

Ganz wesentlicher Treiber des Jahresergebnisses war das vierte Geschäftsquartal und dabei das Bewertungsergebnis, das im vorangegangenen Quartal ja noch für einen kurzfristigen Ergebniseinbruch gesorgt hatte. Doch auch der Exit bei der Broetje-Automation GmbH an die Shanghai Electric Group spielte eine Rolle. Dieser Verkauf war der Schlusspunkt einer sehr erfolgreichen strategischen Weiterentwicklung bei dem Automatisierungsspezialisten. Und auch wenn über den Kaufpreis zwischen den Vertragsparteien Stillschweigen vereinbart wurde, übersteigt dieser jedoch den Wertansatz der Beteiligung im IFRS-Konzernabschluss vom 30. Juni 2016 und die DBAG erzielte eine Rendite oberhalb ihrer üblichen Erwartungen.

Geänderte Dividendenpolitik
Auf die Dividendenhöhe hat das erneute Übertreffen der Prognosen allerdings keine unmittelbare Auswirkung. Der Vorstand geht unverändert davon aus, dass der Vorschlag an die Hauptversammlung mindestens auf der Höhe der Dividende des vorangegangenen Geschäftsjahres liegen wird, die 1,00 Euro je Aktie betragen hatte. Hintergrund ist, dass die DBAG ihr Dividendenpolitik "verstetigen" möchte. Anstelle der bisherigen Aufteilung in eine Basis- und eine Sonderdividende soll künftig eine stabile Dividende gezahlt werden, die - wann immer möglich - erhöht werden soll. Doch auch bei „nur“ einem Euro würde die DBAG eine attraktive Dividendenrendite von knapp 3,3 Prozent erzielen.

Die Musik spielt allerdings stärker im operativen Geschäft, denn die hier ist die DBAG äußerst erfolgreich unterwegs. Und das sollte sich auch künftig im Aktienkurs widerspiegeln, so dass Anlegern sich bei der Deutschen Beteiligungs AG ein interessantes Gesamtpaket bietet aus moderater Bewertung, attraktiver Dividendenrendite und interessanten Zukunftsperspektiven. Unter Chance-Risiko-Gesichtspunkten sollte die DBAG ihr Mauerblümchendasein bald hinter sich lassen. Verdient hat sie es sich jedenfalls, im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Deutsche Beteiligungs AG befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.


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ERGÄNZUNG VOM 22.02.2017, 09:15

▸ Heute Hauptversammlung / Gewinnsprung im Geschäftsjahr 2015/16

Heute findet die Hauptversammlung der DBAG statt und wer in Genuss der Dividenden von €1,20 kommen möchte, muss heute vor Börsenschluss Aktien der DBAG in seinem Depot haben. Die Auszahlung erfolgt nicht mehr am morgigen Tag, sondern mit einigen tagen Verzögerung - das ist der neuen, internationalem Recht angepassten, Rechtslage geschuldet.

Für das Geschäftsjahr 2015/16 konnte die DBAG hervorragende Ergebnisse präsentieren. Das Konzernergebnis lag bei 50,2 Mio. EUR verglichen mit 27 Mio. EUR im elfmonatigen Rumpfgeschäftsjahr 2014/2015. Im Konzernergebnis ist als wichtigste Einflussgröße das Ergebnis aus dem Beteiligungsgeschäft von 60,1 Mio. EUR enthalten. Dieses basiert ganz wesentlich auf der Wertsteigerung des fortgeführten Portfolios, das auch von der insgesamt guten Kapitalmarktentwicklung während des Geschäftsjahres profitierte. Darüber hinaus sind Erfolge aus der gewinnbringenden Veräußerung von mehreren Beteiligungen enthalten, wie des Autozulieferers Spheros, des Anlagenbauers Broetje Automation und des Fertigungsspezialisten Grohmann Engineering, den Tesla kürzlich übernommen hatte. Das Konzern-Gesamtergebnis erreichte hingegen nur 43,0 Mio. EUR, da sich der Verfall des Rechnungszinsfußes negativ bemerkbar machte, der zur Bemessung der Pensionsrückstellungen verwendet wird.

Die Eigenkapitalrendite je Aktie, die die DBAG als zentrale Steuerungsgröße verwendet, übersteigt mit 16,0% die Eigenkapitalkosten signifikant. Das vorangegangene (elfmonatige Rumpf-) Geschäftsjahr 2014/2015 hatte die DBAG mit einem Konzernergebnis von 27,0 Millionen Euro und einer Eigenkapitalrendite von 10,0 Prozent beendet.


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ERGÄNZUNG VOM 24.02.2017, 10:15

▸ DBAG veräußert FDG-Gruppe

Die DBAG kann einen weiteren erfolgreichen Verkauf einer Beteiligung vermelden und veräußert ihre Anteile an der FDG-Gruppe nach sehr erfolgreicher Entwicklung an CM-CIC Investissement, einen französischen Finanzinvestor aus der Crédit Mutuel (CM11)-CIC-Gruppe. Über den Kaufpreis haben die Vertragsparteien Stillschweigen vereinbart. Der Veräußerungserlös beträgt allerdings mehr als das Doppelte der ursprünglichen Investition und entspricht dem Wertansatz der Beteiligung im Zwischenabschluss zum 31. Dezember 2016. Daher führt die Veräußerung nicht zu einem weiteren Ergebnisbeitrag im laufenden am 31. März 2017 endenden zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2016/2017. Es zeigt aber, wie realistisch die DBAG ihre Beteiligungen bewertet.

Neben der DBAG selbst veräußern auch der von der DBAG verwaltete DBAG Fund V und das FDG-Management ihre Anteile, die man im Juni 2010 von den Gründerfamilien im Zuge einer Familien-Nachfolgeregelung erworben hatte.

Meine Einschätzung
Mehr als eine Verdopplung des eingesetzten Kapitals innerhalb von sechseinhalb Jahren ist eine sehr zufriedenstellende Rendite und ein weiterer großer Erfolg für das DBAG-Management. Die DBAG bleibt ein Basisinvestment für langfristig orientierte Anleger.

Montag, 20. Februar 2017

Mutares: Dank Kurswechsel endlich wieder kräftig Rückenwind

Mutares ist eine international ausgerichtete deutsche Beteiligungsgesellschaft, die Aurelius nachstrebt und sich nach Kapitalerhöhungen, Aktiensplits und Börsensegmentwechsel für Anleger attraktiver gestalten will. Das ist auch nötig, denn Mutares konnte den eigenen Ansprüchen bisher nicht gerecht werden und hat mit einigen Unwägbarkeiten und Problemen zu kämpfen. Der Kursverlauf der letzten Monate zeichnet dieses Scheitern unschön nach. Im letzten Jahr gab es eine Kapitalerhöhung zu €17,50 und da haben sich die Anleger wohl mehr versprochen. Kaum vorstellbar, dass noch viele Zeichner bei den letztjährigen Tiefstkursen von €11 ihre Aktien nicht auf den Markt geschmissen haben.

Probleme und Risiken
Die französische E-Commerce-Tochter Pixmania ist letztes Jahr pleite gegangen und das spricht nicht für ein gutes Näschen bei der Auswahl lukrativer Unternehmen, denn die hatte man erst kurze Zeit zuvor erworben.

Des Weiteren gibt es ein nicht unbeträchtliches Öl- und Gasrisiko im Portfolio, denn die größte Tochter EUPEC ist im Bereich Beschichtungen für Pipelines aktiv und eine weitere Tochter, die französische Beteiligung BSL, stellt Pipelines her. Der gesunkene Ölpreis und die von den Öl-Konzernen drastisch zusammengestrichenen Investitionskosten haben ebenso negative Auswirkungen wie die Zweifel rund um das Pipelineprojekt North Stream 2. Dort hat Mitbewerber Wasco den Auftrag zur Beschichtung der Pipelines an Land gezogen und EUPEC. Für 2016 kalkuliert EUPEC mit einem signifikanten Rückgang der Erlöse und einem deutlich niedrigeren operatives Ergebnis als 2015.

Und auch bei der seit Anfang 2012 zu Mutares gehörenden GeesinkNorba Group, einem Hersteller von Müllfahrzeugen, ist die Liquiditätslage weiterhin angespannt.

Zum Halbjahr 2016 rutschte das EBITDA von €12,9 auf gerade einmal €4,0 Mio. ab und unterm Strich ergab sich sogar ein Fehlbetrag von €7,07 Mio., nachdem in der entsprechende Vorjahresperiode noch ein Überschuss von €1,56 Mio. erzielt werden konnte.

Chancen und Hoffnungen
Doch Mutares scheint die Zeichen der Zeit erkannt zu haben und steuert nun um. Bereits im ersten Halbjahr 2016 hat man kräftig in den Ausbau des Teams und der Infrastruktur investiert und auch sie Strategie wurde angepasst. Anstatt wie bisher Stand-Alone-Restrukturierungsfälle zu akquirieren, will man künftig Cluster bilden und auch durch Synergien und Formierung größerer Einheiten  Werte generieren und heben. Das klingt aussichtsreicher und erfolgversprechender, weil man so beim Exit auch ganz andere Interessenten ansprechen kann, nämlich strategische Investoren, für die das Übernahme-Target dann keine kleine Rand-Ergänzung ist, sondern ggf. ein weiteres Elefanten-Standbein. Und auch geographisch bewegt sich Mutares mit dem Schwerpunkt Frankreich in einem Bereich, den Aurelius oder Bavaria bisher nicht abdecken. Das Ziel, bald 1 Mrd. Umsatz in den Beteiligungsunternehmen zu erzielen, ist jedenfalls schon mal eine markige Ansage, doch es müssen auch Taten folgen.

 Mutares (Quelle: finanzen.net
Im dritten Quartal 2016 konnte der Mutares-Konzern immerhin schon den Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum trotz signifikanter Verkäufe bei €159,3 Mio. nahezu konstant halten (Q3-2015: €163,7 Mio.) und auf ein starkes organisches Umsatzwachstum der Beteiligungen STS Acoustics, Elastomer Solutions und Geesinknorba verweisen. Das operative Ergebnis (EBITDA) belief sich im dritten Quartal auf €4,2 Mio. (Q3-2015: €6,3 Mio.) und wurde von signifikanten Ergebnisverbesserungen bei STS Acoustics, Elastomer Solutions, A+F und Zanders getragen.

Und Mutares gibt weiter Gas... Artmadis, ein Mutares-Portfoliounternehmen ist der führende Großhändler für Haushaltswaren in Frankreich. Nach der erfolgreichen Übernahme des belgischen Großhändlers Verbeelen hat Artmadis zwei weitere Unternehmenszukäufe getätigt, welche das Post-Merger- Umsatzniveau des Unternehmens auf über €100 Mio. steigern werden. Artmadis ist Frankreichs führendes Großhandelsunternehmen für Gläser, Geschirr und Küchenartikel und beliefert alle großen französischen Handelsunternehmen, sowie Möbelhäuser und Onlinehändler. mutares erwarb das Unternehmen im Jahr 2012 und hat es durch die Einführung eines umfassenden Serviceangebots im Category Management erfolgreich repositioniert. Durch die Akquisition von Verbeelen konnte Artmadis in den belgischen Markt expandieren und Zugang zum attraktiven Segment von Hotels Restaurants und Cafés erhalten.

Als nächstes hat Mutares ein unwiderrufliches Angebot zur Übernahme von zwei französischen Werken der Mecaplast Gruppe abgegeben, die einen Umsatz von €70 Mio. mit der Produktion von Innen- und Außenverkleidungsteilen für leichte und schwere LKW erwirtschaften. Die Akquisition wäre eine ideale Ergänzung für das Mutares-Portfoliounternehmen STS, einem führendem Anbieter von innovativen Lösungen zur Geräusch- und Wärmedämmung, der nahezu alle europäischen LKW- Hersteller von drei Standorten in Italien aus beliefert. In den beiden profitablen Werken der Mecaplast-Gruppe werden 340 Mitarbeiter an den französischen Standorten Izernore und Précigné beschäftigt und ein Umsatz von €70 Mio. generiert. Der Auftragsbestand beträgt €600 Mio. und sichert voraussichtlich die Auslastung über mehrere Jahre. Beide Standorte liegen in direkter Kundennähe und verschaffen STS eine nochmals breitere Kundenbasis. Die Produktion von Innen- und Außenverkleidungsteilen für leichte und schwere LKW ergänzt das bestehende Produktportfolio von STS ideal. Das Unternehmen erwirtschaftete im Jahr 2015 einen Umsatz von ca. €135 Mio. und wird im vierten Quartal 2016 ein neues Werk in Polen in Betrieb nehmen, das durch zwei Großaufträge bereits nahezu ausgelastet ist.

Kurze Zeit später gab Mutares ein unwiderrufliches Angebot zur Übernahme des Nutzfahrzeug-Zuliefergeschäfts der Plastic Omnium Gruppe ab. Das Nutzfahrzeug-Zuliefergeschäft der Plastic Omnium Gruppe verfügt über fünf Werke in Frankreich, zwei Werke in China und jeweils ein Werk in Deutschland und Mexiko mit insgesamt 1.500 Mitarbeitern. Im Jahr 2015 wurde ein Umsatz von €190 Mio. mit Außenverkleidungsteilen für die Kabine von LKW erwirtschaftet. Alle großen europäischen LKW-Hersteller zählen zum Kundenkreis. Die Werke befinden sich in direkter Kundennähe. Zusammen mit STS und der Akquisition der beiden Werke der Mecaplast Gruppe formt mutares einen global führenden Nutzfahrzeugzulieferer für Innen- und Außenteile mit einem Umsatz von €400 Mio. und 2.700 Mitarbeiten in 15 Werken. Die neue Gruppe wird über Standorte in Frankreich, Italien, Deutschland, Polen, China und Mexiko verfügen. Das Produktportfolio ergänzt sich ideal und erlaubt eine Vielzahl an Synergien und Cross-Selling- Möglichkeiten.

Aber auch in anderen Bereichen ist Mutares aktiv und hat von der amerikanischen SPX Corporation das internationale Anlagenbauunternehmen Balcke-Dürr übernommen. In 2015 hat das Unternehmen mit 650 Mitarbeitern einen Umsatz von €142 Mio. erzielt und verfügt neben der Firmenzentrale in Düsseldorf über Entwicklungscenter und Produktionsstätten in Deutschland, Italien, Polen, China und Indien. Balcke-Dürr fertigt Komponenten für die Energieeffizienz und die Reduktion von Emissionen für die chemische und energieerzeugende Industrie. und wird Teil von Mutares "Engineering & Technology"-Segment.

Und jüngst gelang ein weiterer positiver Schritt, denn Mutares vermeldete den Verkauf von EUPEC Deutschland an die Wasco-Gruppe, die das Werk für den Pipelinebau verwenden werden. Im Idealfall kann der Verkaufspreis bis zum Jahr 2019 sogar auf €32 Mio. steigen und das operative Geschäft der EUPEC Frankreich bleibt Teil der mutares-Gruppe. Für Mutares ist dies alles in Allem eine zufriedenstellende Lösung,  wie auch Robin Laik, CEO von mutares, bestätigt.

Meine Einschätzung
Mutares steuert um und kauft kräftig ein, auch wenn einige der jüngsten Zukäufe noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Genehmigungen stehen. Die neue Strategie klingt viel versprechend und auch wenn die nächsten Zahlen bei Mutares noch nicht den großen Ergebnis-Effekt bringen werden, dürften die Zukäufe für neue Energie sorgen - das Ziel von €1 Mrd. Umsatz des Beteiligungs-Portfolios ist jedenfalls in Reichweite. Das dürfte auch dem Aktienkurs analog zum Voranschreiten des operativen Geschäft wieder Leben einhauchen.

Ob der Sonderertrag aus dem EUPEC Deutschland Verkauf als Sonderdividenden ausgeschüttet oder lieber für weitere Zukäufe verwendet wird, bleibt abzuwarten - und betrifft sowieso erst das Geschäftsjahr 2017 und somit die Ausschüttung im Kalenderjahr 2018. Die diesjährige Dividende, die nach der Hauptversammlung am 19. Mai ausgeschüttet wird, dürfte jedenfalls deutlich niedriger ausfallen als im Vorjahr. Sofern es überhaupt eine Dividende gibt. Wobei mich eine vollständige Streichung nicht weiter stören würde, denn mir ist es lieber, dass Mutares das Geld für seinen Turnaround und lukrative Zukäufe steckt. Dennoch glaube ich, dass man die Aktionäre nicht mit einer vollständigen Streichung zu sehr verärgern will und alleine deshalb schon eine Grunddividende ausschütten wird.

Ich denke, bei Mutares wird gerade der Grundstein gelegt für eine erfolgreiche Investment-Story à la Bavaria oder Aurelius und für geduldige und risikobereite Anleger bietet sich hier ein attraktives Chance/Risiko-Verhältnis. Daher befindet sich Mutares auf meiner Empfehlungsliste und ich bin Mitte Dezember bei €11 mit einer ersten Position eingestiegen. Seitdem habe ich in den Kursanstieg hinein bei zwischenzeitlichen Rücksetzern meine Position weiter ausgebaut.


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ERGÄNZUNG VOM 20.02.1027, 15:45

SMC Research hebt in einem Analyseupdate seine Einschätzung auf BUY und erhöht das Kursziel auf €24,70 (zuvor €22,00) an. Grund ist ein über den Erwartungen liegender Verkaufserlös für EUPEC Deutschland sowie eine erhöhte Prognosesicherheit.

Börsenweisheit der Woche 08/2017

"Nutze die Vorteile eines Privatanlegers: habe Geduld, sei unabhängig und ignoriere das Geschrei der Menge".
(Jason Zweig)

Samstag, 18. Februar 2017

Und was tat sich in Warren Buffetts Depot im 4. Quartal 2016?

Value Investor Warren Buffett, das "Orakel von Omaha",musste für seine Investmentholding Berkshire Hathaway wieder das sog. Formular 13F bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) einreichen. In diesem vierteljährlich vorzulegenden Dokument müssen institutionelle Asset-Manager ab einem verwalteten Vermögen von $100 Mio. ihre Investments in US-amerikanischen börsennotierter Unternehmen stichtagsbezogen offenlegen.

Veränderungen im 4. Quartal 2016
Auch im abgelaufenen Quartal gab es einige Veränderungen an Buffetts Positionen.

Käufe
Vor allem bei US-Airlines hat Buffett zugegriffen und ist neben den im 3. Quartal eröffneten Positionen eine weitere Positionen eingegangen. So erwarb er 23,8 Mio. weitere Aktien von American Airlines und verdoppelte seine Position, verfünffachte seinen Anteil an United Continental durch den Erwerb von zusätzlichen 24,4 Mio. Aktien und bei Delta Airlines verachtfachte er seine Position sogar durch den Zukauf von 53,7 Mio. Anteilen. Neu ist sein Aktienpaket an Southwest Airlines, wo er 43,2 Mio. Aktien erwarb.

Ich denke, dass diese Airline-Käufe nicht von Buffett selbst initiiert sind. Er hat sich jahrzehntelang gegen Investments in Airlines ausgesprochen, auch wenn sich das Business der US-Airlines in den letzten Jahren natürlich grundlegend verändert hat. Wie sein Partner Charlie Munger ausführte, sei es ähnlich wie bei Eisenbahnen. Auch dies sei jahrzehntelang ein mieses Business gewesen, aber seitdem es nur noch eine Handvoll Anbieter gäbe, habe Berkshire sich hier engagiert. Das spricht dafür, dass Buffett und Munger den Airline-Investments nicht (mehr) grundsätzlich negativ gegenüberstehen. Allerdings war Buffett immer ein Verfechter des konzentrierten Investierens. "Warum sollte ich die zweitbeste Aktie kaufen, wenn ich auch die beste kaufen kann?", ist eines seiner Mantras. Und nun kauft Berkshire Hathaway großflächig Aktien von gleich vier US-Airlines - ein Investmentstil, den Peter Lynch geprägt hat. Daher glaube ich, dass diese Investments auf seine "Leutnants" Todd Combs und/oder Ted Weschler zurückgehen.

Neben Airlines kaufte Berkshire Hathaway 535.257 Aktien der Bank of New York Mellon, die er bereits letztes Quartal aufgestockt hatte, und kaufte weitere 42 Mio. Aktien von Apple, was einer Steigerung um 275% entsprach. Insbesondere der Kauf von Apple im 2. Quartal 2016 sorgt(e) für großes Aufsehen und steht auch jetzt im Fokus der Kommentatoren. Mit rund 4,5% Anteil an berkshires Portfolio ist Apple nun schon die siebtgrößte Position, was die börsennotierten Pakete angeht.

Ganz neu im Depot sind allerdings auch zwei weitere Werte: Buffett kaufte 166,6 Mio. Anteile am Satellitenradiobetreiber Sirius XM sowie 8 Mio. Aktien des Saatgut-Spezialisten Monsanto. Dieser wird gerade von der deutschen Bayer übernommen und offenbar glaubt Buffett hier an ein Gelingen.


Verkäufe
Im Grunde hat Berkshire keine Positionen reduziert, sondern geradezu ausgemistet, denn alle Verkäufe waren Komplettverkäufe von Positionen. So hat Buffett 90% seiner restlichen Aktien vom weltgrößten Einzelhandelsgiganten Walmart abgestoßen, dessen Aktien Buffett bereits das ganze Jahr 2016 hindurch immer weiter verkauft hatte - die letzten verbliebenen 1,4 Mio. Aktien dürften inzwischen auch eliminiert worden sein und ihr Auftauchen in der Liste liegt eher am Stichtag 31.12., zu dem die Verkäufe noch nicht ganz abgeschlossen waren, als an einem Festhalten an dieser Kleinstposition. Bei Verizon hat sich Buffett zu 99,99% zurückgezogen und die letzten 928 Aktien im Bestand dürften ebenfalls Anfang Januar ausgemustert worden sein.

Die Positionen am Pipelinebetreiber Kinder Morgan und an dem Landmaschinenhersteller Deere & Co. hatte Buffett ja schon über einen längeren Zeitraum reduziert und nun sind sie komplett aus seinem Depot verschwunden. Ebenso Liberty Media Corp. (sowohl die A- als auch die C-Aktien), Lee Enterprises und Now Inc.


Unverändert
Bei vielen von Buffetts größten Positionen gab es keinerlei Veränderungen, so bei The Kraft Heinz Co.Wells Fargo, Coca ColaIBM, American ExpressUS BancorpDavita Healthcare Partners und Moody's.

Bemerkenswert ist dabei, dass Kraft Heinz gerade mit seiner 143-Milliarden-Dollar-Offerte bei Unilever abgeblitzt ist. Zumindest im ersten Anlauf. Hier dürfte in nächster Zeit einiges an Bewegung reinkommen. Und Wells Fargo ist wieder unangefochten die zweitgrößte Position im Depot, nachdem sich der Kurs im letzten Quartal um mehr als 20% erholt hat von seinem Absturz infolge des Skandals um gefälschte Kundenkonten.

 Veränderungen in Berkshire Hathaways Portfolio (Quelle: http://warrenbuffettstockportfolio.com

Buffett ist kein Freund des Diversifizierens
Buffett konzentriert sein Portfolio auf einige wenige große Kerninvestments. So machen seine srei größten Positionen Kraft Heinz, Wells Fargo und Coca Cola zusammen schon fast 50% aus und die sieben größten Positionen stehen für zusammen gut 75% seines Börsen-Portfolios.

Buffett setzt auf Corporate America...
Warren Buffett hat bekanntgegeben, seit dem Wahlsieg Donald Trumps für mehr als $12 Mrd. US-Aktien gekauft zu haben. Obwohl er zuvor dessen Konkurrentin Hillary Clinton unterstützt und auch Trump wegen dessen Steuer- und Finanzgebarens öffentlich angegangen war. Er ist hier kein Kind von Traurigkeit, sonder stellt bei Investments auf rein rationale Überlegungen ab. Und die sprechen nun einmal nach wie vor für Aktien, insbesondere für US-Aktien. Die Aktienkäufe sowie die Kurssteigerungen im letzten Quartal hievten sein Portfolio an börsennotierten Unternehmen über die Marke von $150 Mrd.

...und liebt das Rückversicherungsbusiness
Aber Buffetts Berkshire Hathaway hat auch jenseits von Aktienkäufen Milliarden investiert bzw. verdient. So übernahm man vom Versicherungsriesen AIG Risiken aus alten Versicherungsverträgen. Berkshire tritt ja nicht nur als Erstversicherer auf, sondern unterhält eine große Rückversicherungssparte.

Die Berkshire-Hathway-Tochter Nico übernimmt einen Großteil der langfristigen Risiken aus Verträgen, die AIG in den Jahren bis Ende 2015 abgeschlossen hatte, wozu der Großteil des US-Haftpflichtgeschäfts von AIG aus dieser Zeit gehört. Für den Rückversicherungs-Deal bezahlt der Versicherer ADVERTISEMENT bis Mitte des Jahres $9,8 Mrd. an Nico zzgl. Zinsen für die Zeit seit Anfang 2016. Für die Schäden aus den Verträgen, die über die ersten $25 Mrd. hinausgehen, übernimmt Nico künftig 80 Prozent. Die Haftung der Berkshire-Hathaway-Tochter ist dabei auf höchstens $20 Mrd. gedeckelt.

Ein typischer Buffett-Versicherungsdeal. Berkshire erhält heute fast $10 Mrd., die man gewinnbringend investieren kann, und mögliche Risiken - und damit potenziell Versicherungsleistungen und -zahlungen - werden ggf. erst später fällig. Wenn überhaupt.

Meine Einschätzung
Berkshire Hathaway befindet sich auf meiner Empfehlungsliste. Die starke Abhängigkeit vom Versicherungsgeschäft birgt meines Erachtens ziemliche Risiken, doch die eingeläutete Zinswende in den USA wird den Versicherern dort das Leben wieder leichter machen. Buffett selbst sagte über diese Sparte, dass sie in den nächsten Zehn Jahren "nicht mehr so gut laufen werde wie in den letzten 30 Jahren". Das Chance-Risiko-Verhältnis in diesem Bereich hat sich jedenfalls zuletzt wieder verbessert - auch deshalb habe ich Berkshire Hathaway seit einigen Wochen wieder mit einem Kauf-Votum versehen.

Auch die zuletzt schwächelnde Eisenbahnsparte, die Tochter BNSF, könnte sich fangen, da sie stark vom Transport von Kohle und für die US-Öl- und Schiefergasindustrie abhängt. Und hier sorgt Donald Trump momentan für Goldgräberstimmung, so dass sich dies positiv auf das Geschäft von BNSF auswirken könnte. Da man aber viele Güter aus Mexiko in die USA transportiert, würden Zollbarrieren und/oder Reisebeschränkungen eher dämpfen.

Unter dem Strich stellt Berkshire Hathaway ein gutes Investment für langfristig orientierte Anleger dar. Sie ist inzwischen wie ein Fonds der erfolgreichsten Unternehmen der USA, garniert mit einer Reihe von nicht börsennotierten Mittelstandsperlen.

 Berkshire Hathaways Portfolio (Quelle: http://warrenbuffettstockportfolio.com

Was das 13F-Formular nicht zeigt...
In Buffetts Portfolio befinden sich ja auch eine Menge an nicht-börsennotierten Unternehmen. So taucht die im Januar 2016 abgeschlossene 37-Milliarden-Dollar-Übernahme von Precision Castparts (PCP) in dieser Liste nicht auf, weil dieses Unternehmen nicht mehr an der Börse notiert ist. Ebenso verhält es sich mit den milliardenschweren Unternehmen Duracell (die er im Tausch für seine Procter & Gamble-Aktien erhielt), General Re, Berkshire Hathaway Energy (vormals MidAmerican Energy) oder der Eisenbahngesellschaft Burlington Northern Santa Fe (BNSF) sowie einer Vielzahl kleinerer Firmen, wie Nebraska Furniture, See's Candies oder dem Hamburger Motorrad-Zubehörhändler Detlev Louis, den Buffett 2015 erwarb.

Preferred Stocks
Darüber hinaus enthält Buffetts Portfolio einige sog. "Preferred Stocks" (nicht mit den deutschen Vorzugsaktien zu verwechseln). Diese Aktien enthalten Sonderrechte, die über die der allgemeinen Aktien hinausgehen, und werden daher eher als Hybrid-Instrumente angesehen, denn als Aktien.

▸ Bank of America
2011 stieg Buffett ein und zwar durch eine in zwei Teile strukturierte Transaktion. Für $5 Mrd. kaufte er "Cumulative Perpetual Preferred Stocks", die keine Laufzeitbeschränkung haben und jährlich 6% an Zinsen abwerfen. Sie können nicht in "Common Stocks" (Stammaktien) getauscht werden. Aber Warren Buffett wäre nicht Warren Buffett, gäbe es nicht den zweiten Part. Denn zusätzlich erhielt er "Warrants" (Wandeloptionen), die es ihm erlauben, bis September 2021 für $5 Mrd. BoA-Aktien zu kaufen und zwar zu einem festgelegten Preis von $7,14 je Aktie. Bei Ausübung dieser Option würde Buffett 6,5% an BoA übernehmen. Am 30.06. notierten die BoA-Aktien bei $13,27. In seinem 2014er Geschäftsbericht schrieb Buffett, er wolle die Optionen kurz vor Ende der Laufzeit wandeln und daher ist BoA objektiv betrachtet unter den sieben größten Positionen in Berkshires Portfolio.

▸ Dow Chemical
2008 stellte Buffett Dow Chemical $3 Mrd. für die Übernahme der Spezialchemiefirma Rohm & Haas Co. zur Verfügung und erhielt im Gegenzug Preferred Stocks, die eine jährliche Dividende von 8,5% ausschütten, oder $255 Mio. Dabei hat Dow Chemical das Recht, die Preferred Stcokks in ganz normale Aktien umzuwandeln, wenn ihr Aktienpreis für 20 Tage innerhalb einer Periode von 30 Tagen oberhalb von $53,72 schließt. Dabei würde Buffett 62,6 Mio. Stammaktien erhalten zu einem festgelegten Bezugspreis von $41,32. Was ihn zu einem der größten Aktionäre von Dow Chemical machen würde.

▸ Goldman Sachs
2008 bereits griff Buffett Goldman Sachs unter die Arme durch eine ebensolche in zwei Teile strukturierte Transaktion, die später auch als Blaupause für den BoA-Deal diente. Für $5 Mrd. kaufte er "Cumulative Perpetual Preferred Stocks" und "Warrants", die es ihm erlaubten, für $5 Mrd. Goldman Sachs-Aktien zu kaufen und zwar zu einem festgelegten Preis von $115 je Aktie. Doch fünf Jahre später stand die Aktie bereits bei $160 und beide Seiten einigten sich auf eine Lösung, die die Aktienzahl nicht zu sehr in die Höhe treiben und somit die Anteile der übrigen Aktionäre zu stark verwässern würde. Anstatt dass Buffett 43,5 Mio. Aktien zu $115 kaufte, übertrug ihm Goldman Sachs 13,1 Mio. Aktien - und zwar unentgeltlich. Netto lief das damals auf dasselbe Ergebnis hinaus. Die inzwischen nochmals auf rund 11 Mio. Aktien reduzierte Position in Buffetts Portfolio hat ihn also unter dem Strich keinen Penny gekostet!