Dienstag, 30. August 2016

Warren's BYD: Buffetts chinesische Wette auf den Erfolg der Elektro-Mobilität

 Warren Buffett 
Die BYC Co Ltd. ist ein chinesischer Elektro-Mobilitäts-Spezialist und obwohl Elektromobilität gerade en vogue ist, wird eigentlich immer nur über Tesla gesprochen und das neue Modell, das in ein paar Jahren mal auf den Markt kommen wird. Dabei spielt vor allem im Reich der Mitte die Musik, wenn es um Absatzmöglichkeiten und Wachstumspotenziale bei Elektro-Autos geht.

BYD, ein Akronym für build your dreams, baut Elektro-Autos für den chinesischen Markt und ist bereits profitabel. Insbesondere im Bereich von Elektro-Bussen ist man führend und hat auch schon in Deutschland E-Busse verkauft; insgesamt rollten schon mehr als 10.000 Stück vom Band. Für dieses Jahr peilt das Unternehmen den Absatz von 120.000 Elektro- und Hybridfahrzeugen an und bliebe damit der weltgrößte Elektro-Auto-Hersteller, deutlich vor Tesla, die mit 80.000 Autos planen.

Top Halbjahreszahlen
Und dass BYDs Pläne nicht nur Luftblasen sind, konnte man bei Vorlage der Halbjahreszahlen sehen, in dem $2,25 Mrd. umgesetzt wurden und damit 160 Prozent mehr als im Vorjahresraum. Insgesamt erlöste das Unternehmen sogar, $6,54 Mrd., denn man baut auch noch konventionelle Autos. Der Gewinn sprang um 384 Prozent auf €0,31 Mrd. nach oben, wobei damit dennoch nur das untere Ende der selbst ausgegebenen Prognose von 382 bis 425 Prozent Wachstum erreicht wurde. In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres sollen die Gewinne um 83 bis 91 Prozent steigen, plant BYD, und damit schwächt sich das rasante prozentuale Wachstum ab, in absoluten Zahlen stehen die Ampeln weiterhin voll auf Grün.

Hohe Abhängigkeit von Subventionen
Der Boom kommt nicht von ungefähr, denn China leidet unter einer extremen Luftverschmutzung und steuert daher stark um in Richtung regenerativer Energien und sauberer Antriebsarten. Daher unterstützt die Regierung die Branche mit Milliardensubventionen, was auch die immer stärkere Beliebtheit der Elektro-Autos (mit) erklärt. So flossen von 2013 bis 2015 nach Reuters-Angaben $7,2 Mrd. an Subventionen und auf einzelne Autos entfallen bisweilen mehr als $10.000. Bis zum Jahr 2020 sollen 5 Mio. Elektro-Autos auf den Straßen fahren und der Geldregen zeigt durchaus Wirkung: So wuchs im vergangenen Jahr wuchs der Absatz von Plugin-Hybrid- und reinen Batteriefahrzeugen um 350 Prozent auf 331.000 Stück, während in Deutschland gerade einmal 19.000 Wagen abgesetzt wurden. Einheimische Hersteller werden bei der Förderung allerdings bevorzugt; so erlässt der chinesische Staat den Käufern dieser Modelle die Mehrwertsteuer.

BYDs Pläne gehen inzwischen weit über Elektro-Autos hinaus, und ähnlich wie Teslas Elon Musk ist der Traum, alles zu elektrifizieren, was irgendwie einen Antrieb hat. Und dabei setzt BYD nicht etwas auf Zulieferer, sondern baut fast alle Komponenten selbst, vor allem die Batterien. Und diese werden in Zukunft die Schlüsseltechnologie sein, wenn es um Autos geht, nicht der Motor selbst, so wie heute. Denn Elektromotoren sind vergleichsweise simpel, die Batterietechnik hingegen nicht. Sie ist heute und morgen der Dreh- und Angelpunkt, wenn es um den Erfolg der Modelle geht. Denn sie entscheidet über das (bisher noch) wichtigste Kriterium: die Reichweite. BYDs neue Modelle kommen hier auf Werte jenseits der 400 km und damit liegen sie in Bereichen, die Käufer als angenehm empfinden und die ihnen ein subjektives Sicherheitsgefühl geben hinsichtlich der Alltagstauglichkeit und der Verfügbarkeit von Elektro-Tankstellen.


 BYD Co. Ltd. (Quelle: finanzen.net) 
BYD illustre Partner: Daimler, Buffett, Munger, Samsung
BYD ist schon länger im Bereich der Elektroantriebe und Batteriesystem tätig und kann daher einige interessante Partner aufweisen. Und Anteilseigner. Aus Deutschland dürfte vor allem Daimler bekannt sein, die ihr Aktienpaket an Tesla verkauft haben und nun Betterien von den Chinesen beziehen werden. Daimler-Chef Dieter Zetsche soll sogar gesagt haben, der Verkaufstag des Tesla-Aktienpakets sei der einzige Tag gewesen, an dem Daimler mit E-Mobilität Geld jemals verdient habe. Auch bei der Stuttgarter Edelkarosserieschmiede, dass die Tage der Verbrennungsmotoren sich dem Ende zuneigen und man hat die Abkehr vom gehypten Ex-Partner Tesla mit Bedacht eingeläutet. Nicht nur, weil zunehmend Zweifel aufkommen, ob Tesla nicht auf veraltete Batterietechnik setzt, sondern Daimler ist beim chinesischen Unternehmen BYD ("Build your Dreams" Anteilseigner und damit beim mit Abstand größten E-Auto-Hersteller der Welt. Unter der Marke Denza wird in China von beiden Konzernen gemeinsam überwiegend E-Mittelklassefahrzeuge angeboten, die chinesische Fertigungseffizienz mit den hohen Qualitätsstandards von Daimler verbinden. Es ist davon auszugehen, dass Daimler die hier gemachten Erfahrungen und die Technik früher oder später für seine eigene Mercedes-Modelle übernehmen wird.

Neben Daimler gibt es bei BYD allerdings weitere weltbekannte Anteilseigner. So ist Warren Buffetts Berkshire Hathaway seit 2008 über ihre Energietochter Aktionär und hat damals für das Aktienpaket von 10% rund $232 Mio. bezahlt. Heute sind die Aktien das Achtfache wert, denn der Konzern wird mit insgesamt $18,4 Mrd. an der Börse bewertet. Auch Buffets Partner Charlie Munger hat sich privat zusätzlich Anteile gesichert und kürzlich wurde bekannt, dass der koreanische Elektronikgigant Samsung sich mit 4% eingekauft hat, in dem er junge Aktien einer Kapitalerhöhung zeichnete. Und ich bin auch seit einiger Zeit mit an Bord, allerdings mit einem deutlich kleineren Anteil...

Meine Einschätzung
BYD baut bereits E-Autos für den chinesischen Markt und agiert profitabel. Insbesondere im Bereich von E-Bussen ist man führend und hat auch schon in Deutschland E-Busse erfolgreich abgesetzt. BYD sollte auch dank seiner finanzstarken und langfristig orientierten Großaktionäre Warren Buffett und Charlie Munger, sowie seiner internationalen Partner Daimler und Samsung einer der Gewinner des E-Mobilitätstrends sein. Für Anleger sollte sich ein langfristig orientiertes Investment in dieser Boombranche und in den Marktführer auszahlen. So gehen die Prognosen für Deutschland inzwischen für das Jahr 2025 nicht mehr von knapp 5% Anteil der Elektro-Autos aus, sondern nun von 20 bis 25% der produzierten Wagen. Wurden im gesamten Vorjahr weltweit 540.000 Elektroautos ausgeliefert, verkaufte die Autoindustrie allein im Juni 312.000 Elektroautos und damit 49% mehr als im Vorjahresmonat. Dieser neue Mega-Trend ist nicht nur für die Hersteller eine enorme Herausforderung, sondern auch für die Autozulieferer, denen die Abnehmer ihrer Stammprodukte, wie Motor- und Antriebskomponenten wegfallen werden.

BYD befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

Montag, 29. August 2016

Börsenweisheit der Woche 35/2016

"Der Totalverlust ist die hässliche Schwester des Turnarounds."
(Michael C. Kissig)

Samstag, 27. August 2016

Turnaround-Spekulation als Value Investment?

Spricht man an der Börse von einem Turnaround, hat man es mit einem Unternehmen zu tun, das in erheblichen Schwierigkeiten steckt. Das kommt gar nicht so selten vor und Peter Lynch klassifiziert deshalb in seinem Buch "Der Börse einen Schritt voraus" Turnaround-Werte gar als eigene Aktienkategorie. Bei diesen wankenden Unternehmen hat sich der Aktienkurs zumeist entsprechend negativ entwickelt und ist entweder stetig oder plötzlich deutlich zurückgegangen. Die Unternehmen reagieren überwiegend mit den selben Maßnahmen darauf: Stilllegung von Fabriken, Freisetzung von Personal, Veräußerung von Randbereichen, radikale Kostenreduzierung, Konzentration auf das Kerngeschäft. Wenn Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten kommen und ihr Börsenkurs abstürzt, kann dies eine lukrative Chance für Anleger sein. Und zwar nicht nur für Spekulanten, die der Nervenkitzel reizt, sondern auch für langfristig orientierte Value-Investoren.

Doch es gibt bestimmte Voraussetzungen, die vorliegen müssen, damit das Chance-Risiko-Verhältnis für ein Engagement spricht. Denn "nur weil eine Aktie fällt, heißt das nicht, dass sie nicht noch weiter fallen kann", warnt Peter Lynch. Aktien sind nicht deshalb preiswert, weil ihr Kurs abgestützt ist, denn das würde voraussetzen, dass der Aktienkurs sich wieder auf das alte Niveau erholt. Nur dann lohnt es sich, in diese "gefallenen Engel" zu investieren! Deshalb muss man herausfinden, weshalb das Unternehmen in Schwierigkeiten steckt, was es dagegen zu tun gedenkt und wie erfolgversprechend diese Maßnahmen sein werden.

Beispiele für "gefallene Engel" gibt es immer reichlich: Nokia, BlackBerry, IVG, Praktiker, Commerzbank, EonTwintec, oder die ganze Bandbreite der Solarwerte. Sie alle eint, dass sie einst heiß gehandelt wurden, dass ihre Bewertungen hoch und ihre Aussichten rosig waren. Doch dann kam der Absturz, es wurden Trends verpasst (Nokia, BlackBerry), Fehlinvestitionen getätigt (IVG), zu spät auf sich ändernde gesetzliche Rahmenbedingungen reagiert (Twintec) oder eine selbstzerstörerische Strategie eingeschlagen (Praktiker, IVG, Commerzbank). Die Aktien der einstigen Lieblinge können heute zu Ausverkaufspreisen erworben werden, und zu ihren Glanzzeiten hätte man sich nach solchen Kursen die Finger geleckt. Und doch... die Aktien stehen nicht ohne Grund so tief, manche sind gar zum Penny-Stock verkommen, und Aktionäre sollten sich der Risiken stets bewusst sein: sie sind Eigentümer, keine Gläubiger. Im Insolvenzfall bekommen die Eigentümer als letztes Geld, wenn alle anderen bereits vollständig ausgezahlt wurden. Doch meistens liegt die Insolvenzquote deutlich unterhalb der Forderungen der Gläubiger, so dass Aktionäre nur in ganz seltenen Fällen aus den Masse-Erlösen bedient werden können. Der Totalverlust ist die hässliche Schwester des Turnarounds.

Eine Turnaround-Spekulation setzt auf das Ausbleiben der Insolvenz, auf die erfolgreiche Restrukturierung  des Unternehmens. Als Anleger muss man also einschätzen (können), ob das Unternehmen wieder die Kurve kriegt, oder nicht. Das ist gar nicht so leicht, man braucht sich nur Yahoo anzusehen, die seit Jahren verzweifelt versuchen, mit ständig wechselnden Strategien und Partnern in ihrem einstigen Hauptmarkt, den Internet-Werbeanzeigen, gegen den Branchengiganten Alphabet (Google) zu punkten. Oder Hewlett-Packard, der Inbegriff von Computer-Hardware der vergangenen Jahrzehnte, die den Trend zu Tablets komplett verschlafen haben und bisher kaum zu Hoffnungen Anlass geben, dass sie jemals wieder die Kurve kriegen könnten.

Dass es auch erfolgreiche Turnarounds gibt, beweist Apple. Richtig gelesen, das Unternehmen, das die Trends setzt, die iPods, die iPhones und iPads erfunden hat, das zum Unternehmen mit der höchsten Marktkapitalisierung wurde und das sich anschickt, als wertvollste Marke die Markenikone Coca Cola abzulösen. Dieses Unternehmen des vor einigen Jahren verstorbenen legendären Visionärs Steve Jobs stand Mitte der 1990er Jahre vor der Pleite und wurde damals von Erzfeind Microsoft gerettet. Ohne das visionäre Wirken von Steve Jobs wäre Apple heute Industriegeschichte wie Commodore mit ihrem C64. Und ohne Steve Jobs hätte es Microsofts Windows niemals gegeben - aber das ist eine andere Geschichte. Entscheidend ist, dass Turnarounds nicht einfach passieren, sondern dass sie harte Arbeit sind. Und es stellt sich die Frage, ob man als Aktionär, also Außenstehender, seriös bewerten kann, ob ein Turnaround-Versuch gelingt.


"Der Totalverlust ist die hässliche Schwester des Turnarounds."
(Michel C. Kissig)


Man kann dies anhand der betriebswirtschaftlichen Kennzahlen erkennen, wenn also die Verluste verschwinden und wieder Gewinne geschrieben werden, wenn der Cashflow ins Positive dreht, wenn der Verschuldungsgrad sinkt und die Margen steigen. Oder man erkennt es anhand der neuen Produkte, die den Händlern aus den Händen gerissen werden und auf einen unternehmerischen Erfolg schließen lassen. Zu diesem Zeitpunkt kann man in die Aktien investieren und sollte auf der sicheren Seite sein, dass absehbar keine Insolvenz mehr droht. Allerdings kauft man die Aktien auf diese Art keinesfalls mehr zum Tiefstkurs, denn den haben die Spekulanten erwischt, die Zocker, eben diejenigen, die ins fallende Messer gegriffen haben und zufälligerweise zum richtigen Zeitpunkt eingestiegen sind. Denn mehr als Zufall ist es nicht.

"Kaufe nicht, wenn der Kurs am niedrigsten ist, verkaufe nicht,
wenn er am höchsten ist. Das können nur Lügner."

Es scheint, als wenn für Value-Investoren nicht wirklich etwas zu holen wäre mit Turnaround-Werten. Und doch hat Warren Buffett seine Milliarden gerade mit Unternehmen gemacht, die in Krisen steckten und deren Kurse dramatisch abgestürzt waren. Richtig, jener Investor, der stets auf Ertragsstärke setzt, auf stetige und steigende Unternehmensgewinne, auf Einstiegskurse unterhalb des fairen Wertes der Aktien und dessen Mantra lautet, keine mittelmäßigen Unternehmen zu kaufen, sondern sich ausnahmslos an den Besten zu beteiligen.

 Warren E. Buffett 
Wie das zusammen passt? Buffett setzt auf Top-Unternehmen, auf Coca Cola, auf American Express, auf Geico, auf Wells Fargo - Unternehmen, die von hervorragenden Leuten geführt werden, die solide Finanzen aufweisen (hohe Renditen und geringe Verschuldung) und die in ihrem Markt schier unangreifbar sind, sich also eine Festung errichtet haben, einen sog. "ökonomischen Burggraben". Auch solche Unternehmen geraten - verschuldet oder unverschuldet - in unternehmerische Krisensituationen oder in einen allgemeinen Börsencrash und genau dann kauft Warren Buffett die Aktien dieser herausragenden Unternehmen. Er setzt auf die Dauergewinner, wenn sie gerade keiner haben will, und gibt ihre Aktien nicht wieder her. Seine Investmentphilosophie lautet: "kaufe niedrig, verkaufe nie".

Und das ist das Geheimnis der erfolgreichen Turnaround-Spekulation: nicht, eine Aktie zu kaufen, weil sie gefallen ist und vielleicht wieder steigen könnte, sondern die Aktien von herausragenden Unternehmen zu kaufen, wenn sie gerade billig zu haben sind, in der Gewissheit, dass sie wieder auf ihren fairen Wert steigen werden!

Hierfür benötigt man Geduld, man muss nicht nur die besten Unternehmen finden, sondern man muss auch auf den richtigen Zeitpunkt warten, um günstig einzusteigen. Bisweilen wartet Buffett jahrelang auf diesen Moment, um sich in einem Unternehmen zu engagieren. Und es stört ihn auch nicht, wenn er in der Zwischenzeit für seine Liquidität nur geringe Zinsen erhält - denn wenn der perfekte Einstiegszeitpunkt gekommen ist, dann fährt er langfristig deutlich höhere Renditen ein, als ihm eine bessere Verzinsung seines Cash-Bestands zuvor gebracht hätte.


"Geduld ist die oberste Tugend des Investors."
(Benjamin Graham)


Machen Sie es wie Warren Buffett, finden Sie die besonderen Unternehmen, schreiben Sie sie auf eine Liste und ermitteln Sie den fairen Wert des Unternehmens. Dann ziehen Sie, wie von Benjamin Graham in seinem Standardwerk "Intelligent Investieren" beschrieben, eine Sicherheitsmarge ("Margin of Safety") von mindestens 20% ab, und bestimmen sie so den Kurs, zu dem sie einsteigen wollen. Dann warten Sie darauf, dass der Aktienkurs auf oder unter dieses Niveau fällt und dann kaufen Sie soviel sie können. Anschließend warten Sie, während die Käufe der anderen Ihr Aktienpaket immer wertvoller und Sie reich macht.

"Große Anlagemöglichkeiten kommen immer dann, wenn hervorragende Unternehmen
vorübergehend in schwieriges Fahrwasser geraten und deshalb unterbewertet werden."
(Warren Buffett)

Freitag, 26. August 2016

Empfehlungsliste

Performance seit Erstempfehlung inkl. Brutto-Dividenden.













Historie der Transaktionen auf meiner Empfehlungsliste
In der Transaktionsliste finden Sie alle Aufnahmen und Streichungen auf meiner Empfehlungsliste seit Start des Blogs.

Investor-Update
Die Empfehlungsliste ist nicht zwangsläufig identisch mit meinem Investment-Portfolio, auch wenn  sie viele Überschneidungen aufweist. Im Investor-Update beschreibe ich daher in unregelmäßigen Abständen, wie die Entwicklungen bei den einzelnen Unternehmen sich in meinem Depot als Käufe, Verkäufe oder Umschichtungen niedergeschlagen haben.


RECHTLICHER HINWEIS NACH WPHG
Viele der in meinem Blog erwähnten Werte halte oder handle ich regelmäßig. Die in diesem Blog enthaltenen Beiträge sind meine persönliche Meinung und stellen keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Ich übernehme keine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen. Für Investitionen, die aufgrund meiner Aussagen getätigt werden, übernehme ich keinerlei Verantwortung. Jedes Investment kann zum Totalverlust führen!

Genworth Financial: Übernahme von AIGs United Guaranty-Sparte beflügelt

Vor einigen Tagen berichtete das Wall Street Journal, dass sich der weltgrößte Versicherungskonzern AIG seinem Ziel nähere, seine Immobilienkreditversicherungssparte loszuschlagen. Bisher hatte AIG den Plan verfolgt, einen Minderheitsanteil der Sparte an die Börse zu bringen, doch nun scheint die Arch Capital Group bereit zu sein, $3,4 Mrd. für die gesamte  United Guaranty-Sparte zu bezahlen.

Dies beflügelt auch den Aktienkurs von Genworth Financial Inc. (NYSE: GNW), denn die ehemalige Versicherungssparte des US-Giganten General Electric ist aufgrund erheblicher Probleme selbst auf der Suche nach einem Abnehmer seiner entsprechenden Sparte. Und der kolportierte Kaufpreis zeigt durchaus attraktive Konditionen auf, sowohl für den Käufer als auch den Verkäufer. Vielleicht ist hier für Genworth Financial mehr zu holen, als die Börse bisher annimmt.

 Genworth Financial Inc. (Quelle: finanzen.net) 
Mit einem Kurs, der bei nur rund 20% des NAV notiert, wird Genworth Financial aktuell als Quasi-Ausfall bepreist und der seit Monaten immer mehr Fahrt aufnehmende Turnaround wird noch weitgehend ignoriert.

Doch langsam scheint hier ein Umdenken einzusetzen und eine Neubewertung von Genworth Financial an der Börse könnte bevorstehen. Was nicht bedeutet, dass wir in absehbarer Zeit gleich die früheren All-Time-High-Kurse von knapp $37 sehen werden. Zur Zeit liegt der Kurs noch gut 80% unter dieser Marke und hat gerade erst die $4,5 überwunden (€4,10). Ein Blick auf den Langzeitchart zeigt, dass die starken Kurszuwächse mit der Kursverdopplung seit den Tiefstständen zu Jahresanfang nur ein Tropfen auf den heißen Stein sind auf dem Weg zurück in normale Bewertungsrelationen...

Genworth Financial befindet sich als Turnaround-Spekulation auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

Auch auf "dieboersenblogger.de" wird ab heute intelligent investiert

Seit heute erscheinen die Artikel dieses Blogs auch auf den Seiten eines der erfolgreichsten und renommiertesten Börsenblogs der DACH-Region, nämlich auf "dieboersenblogger.de". Ich freue mich über die Anfrage und damit verbundene Wertschätzung und bin dem Betreiber Marc Schmidt dankbar für die schnelle Umsetzung.

Mit der Übernahme meiner Artikel auf dieboersenblogger.de dürfte sich deren Reichweite deutlich erhöhen und das Konzept des Value Investings noch mehr Beachtung finden und das ist mir seit Start meines Blogs vor fast 5 Jahren ein besonderes Anliegen. Daher bietet sich mir heute die Gelegenheit, allen sporadischen und regelmäßigen Lesern zu danken, dass sie immer wieder den Weg auf dieses Blog finden und hier ihre Zeit mit mir und meinen Ansichten verbringen und ihr Wissen mit mir und den anderen Lesern teilen. Das empfinde ich nach wie vor nicht als Selbstverständlichkeit und ich lerne viel aus den Diskussionen und Anregungen mit euch. Danke dafür!

DIC Asset: Lohnenswerte Substanzspekulation. Und noch einiges mehr...

Die im Nebenwertesegment der Deutschen Börse SDAX beheimatete Frankfurter DIC Asset AG ist ein auf Gewerbeimmobilien spezialisiertes Unternehmen und damit in einem Bereich tätig, der von den starken Preissteigerungen am deutschen Immobilienmarkt noch nicht so stark erfasst wurde. Und auch aus anderen Gründen könnte sich ein genauerer Blick auf das Unternehmen für langfristig orientierte Anleger lohnen. Immerhin steht DIC für Deutsche Immobilien Chancen.

Während man mit Immobilien und Immobilienaktien in Deutschland zuletzt richtig gut Geld verdienen konnte (der DIMAX der Immobilienwerte hat seit Ende 2014 den DAX um gut das Dreifache ausperformt), haben die DIC-Aktien diese Rallye nicht wirklich mitgemacht. Zugegeben, der Aktienkurs hat sich von den Tiefstkursen Ende 2011 von €5 auf aktuell fast €9 nicht schlecht entwickelt, verglichen mit anderen Immobilienwerten hinkt er aber meilenweit hinterher. Und schaut man auf seinen historischen Höchststand von €34, den er 2006 und damit unmittelbar vor der Immobilien- und Finanzkrise erreichte, sieht es sogar ziemlich trostlos aus. Und dafür gab es Gründe. Doch ebenso gibt es Argumente, weshalb DIC Asset nun bald aus seinem Dornröschenschlaf erwachen könnte.

Verschuldungsgrad bremst
DIC Asset hat gleich mehrere entscheide Schwachstellen, schon seit Jahren. Einerseits drückt ein recht hoher Verschuldungsgrad, der dem Unternehmen in der Immobilienkrise fast das Rückgrat gebrochen hat. Zum anderen wies DIC Asset immer eine überdurchschnittlich hohe Leerstandquote auf, was Zweifel an der Qualität der Liegenschaften nährte. Im Halbjahresbericht 2016 gab man nun bekannt, dass man die Leerstandquote auf 6,1% senken konnte, nachdem man zum Vorjahr noch auf 7,2% kam. Kein kleiner und kein ganz unwichtiger Punkt, wenn es um die Bewertung des Unternehmens geht. Darüber hinaus gab es immer wieder Kritik, das Geschäftsmodell sein eher undurchsichtig, weil man sowohl als Projektentwickler, Co-Investor als Bestandshalter von Immobilien agiere.

Diese Schwachpunkte hat das Management erkannt und geht die Beseitigung aktiv an. So wird trotz Ausschüttung einer attraktiven Dividende sukzessive die Verschuldung abgebaut und damit verbessern sich die Bilanzrelationen. Der Verschuldungsgrad oder LTV (Loan-to-Value) konnte von zeitweilig deutlich über 60% auf inzwischen akzeptable 57% gesenkt werden. Und bezüglich des Geschäftsmodells sortiert DIC Asset aus. So hat man vor rund anderthalb Jahren verkündet, dass man die Entwicklung von Gewerbeobjekten ab 2015 gemeinsam mit dem US-amerikanischen Finanzinvestor KKR & Co. in der gemeinsamen Tochter German Estate Group (GEG) betreiben wird. Doch nun hat der Vorstand angekündigt, sich vom volatilen Projektentwicklungsgeschäft und von den bestehenden Joint-Venture-Strukturen ganz trennen zu wollen. Was nichts anderes heißt, als dass man die eigenen Anteile an der GEG abgeben will. Und mit KKR & Co. dürfte ein übernahmewilliger Investor schon parat stehen, es wird wohl "nur" eine Frage des Preises sein.

 DIC Asset (Quelle: finanzen.net) 
Chancen winken
Und damit kommen wir bereits zu den möglicherweise bestehenden Chancen. Denn zuletzt hat die DIC Asset vor allem durch ihren Einstieg beim Mitbewerber WCM von sich Reden gemacht, wo man sich in einem Überraschungscoup mehr als 20% der Anteile gesichert hatte, die inzwischen auf knapp 25% ausgebaut wurden. WCM habe ich ja hier seit ihrem Neustart auf der Liste und die Aktien haben sich, wie auch das Unternehmen, fulminant entwickelt. Bisher wird noch gerätselt, was die DIC Asset mit dem Anteilspaket von WCM wirklich erreichen will, aber es gibt durchaus Hinweise. So glaube ich nicht, dass man mehr als 25% der Aktien übernehmen wird, denn das würde den Verlustvortrag in Höhe mehrerer hundert Millionen Euro in der WCM zunichtemachen. DIC Asset wird allerdings versuchen, den Anteil bei 25% zu halten, also auch bei Kapitalerhöhungen mit- oder nachziehen. Die üppige Dividendenzahlung von WCM dürfte allerdings nicht das einzige Argument für den Einstieg sein und bei einem Kursniveau von über €3 notiert die WCM-Aktie mit einem deutlichen Aufschlag auf ihren Nettoinventarwert (NAV). Zukäufe bieten sich hier momentan nicht an.

Nun könnte man auf den Gedanken kommen, dass es die DIC Asset ernst meint mit der Transformation ihres Geschäftsmodells und dass die Ankündigung von CEO Aydin Karaduman so gedeutet werden kann, dass man mittelfristig seinen eigenen Immobilienbestand sukzessive oder auf Schlag an die WCM abgeben oder in diese einbringen will. Erklärtes Ziel der WCM ist ja, mittelfristig einen Bestand von 1 Milliarde Euro aufzubauen, und nach schnellem Start im Jahr 2015 geht man zuletzt eher verhaltener zu Werke. Vielleicht arbeiten beiden Parteien, die verdächtig ruhig zum Thema DIC-Beteiligung geblieben sind, im Hintergrund ja bereits am "großen Wurf". Zunächst hat DIC Asset jedoch die Optimierung des eigenen Immobilienportfolios von rund €1,7 Mrd. auf der Agenda und möchte sich hier von Liegenschaften im Wert von €100 Mio. trennen. Auch hier könnte durchaus Interesse seitens WCM bestehen, das wäre dann eine vergleichsweise "kleine Lösung". So oder so wird bei WCM nicht mehr viel gegen den Willen der DIC Asset passieren, hier wird es früher oder später ein engeres Zusammengehen oder -arbeiten geben.

Wandel hin zum Asset-Manager
Für die DIC Asset stellt sich dann aber irgendwann die Frage, was aus dem Unternehmen wird, sollte man sich vom eigenen Bestandsportfolio komplett trennen. Hier deutet der Trend Richtung Asset-Management, eine Sparte, in der DIC Asset bereits tätig ist und die man kräftig ausbauen will. Man möchte also Immobilien für Dritte betreuen und bewirtschaften und so mit wenig Eigenkapitaleinsatz stetige Provisionen und Gebühren vereinnahmen. Und regelmäßige Leser meines Blogs wittern spätestens jetzt, wo mein Interesse für die DIC Asset herkommt, denn entsprechende Geschäftsmodelle halte ich für sehr aussichtsreich angesichts der Strafzinspolitik der Notenbanken und mehrere aussichtsreiche Werte aus diesem Bereich hier im Blog vorgestellt, eine Patrizia Immobilien, eine Publity, eine Deutsche Beteiligung, eine Ernst Russ, eine Lloyds Fonds oder eine MPC Capital.

Hoher Abschlag zum Substanzwert
Doch während dieses Szenario noch Zukunftsmusik ist, sprechen auch heute schon gute Argumente für die Aktien von DIC Asset. Denn im Gegensatz zu vielen Immobilienunternehmen auf dem deutschen Kurszettel, die mit teilweise beträchtlichen Aufschlägen auf den NAV gehandelt werden, bekommt man die Aktien der DIC Asset mit einem signifikanten Abschlag. Der Substanzwert liegt nämlich momentan bei rund €13 und der Aktienkurs notiert bei €8,75, mithin nur bei 67% des Substanzwerts. Im Klartext: man kann also heute DIC-Aktien zu einem Drittel unterhalb ihres Substanzwertes kaufen! Angesichts der herausragenden Aussichten im Gewerbeimmobilienbereich schier unglaublich und wohl nur darauf zurückzuführen, dass dies schon seit längerer Zeit so ist und die Börse hier noch blind ist. Denn während andere Immobilienaktien die historischen Abschläge zum NAV mittlerweile in satte Aufschläge verwandelt haben, hat die Börse dies bei DIC Asset bisher komplett verschlafen. Doch ich glaube, dass sich dies demnächst ändern wird.

Niedriges Kurs-FFO-Verhältnis lockt
Für eine deutliche Unterbewertung der DIC Asset-Aktien spricht aber noch ein weiteres Argument. Bei Immobilienunternehmen kommt es weniger auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) an, sondern der Blick richtet sich auf die FFO, die Funds from Operations. Einerseits um das Unternehmen selbst zu bewerten, aber auch zum Vergleich mit seiner Peergroup, also den Unternehmen mit ähnlichen Geschäftsmodellen. Die Kennzahl FFO bemisst die Rentabilität des operativen Geschäfts und errechnet sich aus dem Ergebnis des Vermietungsgeschäfts abzüglich aller Kosten, Zinsen und Steuern. Dieses Geld steht dann für Investitionen und Dividenden zur Verfügung. Entscheidender Unterschied der FFO zum KGV, das ja auf den Jahresüberschuss abzielt, ist das Nichteinbeziehen von Veräußerungsgewinnen (oder -verlusten). In den FFOs bleiben somit die möglicherweise sehr hohen Einmaleffekte ausgeblendet und die dauerhafte Leistungsfähigkeit des operativen Geschäfts tritt zutage.

Im Vergleich zur Peergroup weist DIC Asset ein ziemlich moderates Kurs-FFO-Verhältnis auf. Die 2016er FFOs dürften bei etwa €0,65 liegen, das Unternehmen selbst erwartet €0,63 bis €0,66. Dass die FFO unterhalb der des Vorjahres liegen werden, liegt an strategiekonform durchgeführten Portfolioverkäufen. Und die bringen natürlich keine Mieteinnahmen mehr. Dividiert man nun den Kurs durch die FFO, kommt man auf den Faktor 13,5. DIC Asset wird also momentan mit dem 13,5-fachen FFO bewertet, während eine Adler Real Estate hier auf 25,5 kommt oder die Deutsche Wohnen auf 29,5. Die auch im Gewerbesektor tätige WCM kommt immerhin noch auf einen Faktor von 18,2. Auch bei dieser Betrachtungsweise scheint der Kurs der DIC Asset-Aktie einigen Nachholbedarf zu haben. Oder anders ausgedrückt: erhebliches Kurspotenzial.

Gewinn explodiert, Prognosen erhöht
Kürzlich wurden die Halbjahresergebnisse präsentiert und im Anschluss konsequenterweise die Jahresprognosen erhöht. Denn Der Gewinn stieg von €5 Mio. auf €20,2 Mio. an, was maßgeblich auf Verkaufserfolge aus dem Bestand und auf ein verbessertes Zinsergebnis zurückzuführen ist. Der relativ hohe Verschuldungsgrad bietet durch ein Senken der Zinssätze natürlich auch noch einiges an Ergebnisverbesserungspotenzial für die Zukunft. So kommt Konkurrent WCM auf einen durchschnittlichen Zinssatz von unter 2,1% - davon ist DIC Asset noch um einiges entfernt, zumal ein Großteil der Kreditverbindlichkeiten älteren Datums sind und erst nach und nach zur Um- oder Nachfinanzierung anstehen - mit entsprechend niedrigeren Zinssätzen und Zinslasten. Die Folge sind dann ein verbessertes Zinsergebnis und unterm Strich bleibt mehr Gewinn kleben. Doch auch ohne die lukrativen Verkaufe brummt das Geschäft, denn das operative Ergebnis wurde um satte 15% gesteigert!

Attraktive Dividendenrendite
Und zu guter Letzt hat DIC Asset Anfang Juli eine Dividende von €0,37 je Aktie ausgeschüttet und kommt damit bezogen auf den aktuellen Börsenkurs auf eine Dividendenrendite von mehr als 4%. Auch dies ist ein Argument, das für ein langfristiges Engagement in DIC Asset spricht.

Meine Einschätzung
DIC Asset bewegt sich in einem boomenden Markt und hat mit der Übernahme von 25% der Anteile an der WCM einen echten Erfolgscoup gelandet. Das Unternehmen wandelt sich hin zu einem Asset-Manager und will sich von volatileren und spekulativeren Unternehmensbereichen trennen. Hinzu kommt eine deutliche Unterbewertung der Aktien ggü. ihrem Substanzwert und vergleichbaren Unternehmen.

Aus all diesen Gründen habe ich mir kürzlich Aktien von DIC Asset ins Depot gelegt und nehme das Unternehmen auf meine Empfehlungsliste. Der Wert sollte auch bei einer deutlichen Börsenkorrektur nach unten hin gut abgesichert sein und aufgrund der massiven Unterbewertung, gepaart mit einer Reihe potenzieller Gewinntreiber, bietet sich dem langfristig orientierten Anleger bei der DIC Asset ein ausgezeichnetes Chance-Risiko-Verhältnis.

Mittwoch, 24. August 2016

Investor-Update: Icahn, Soros, Aurelius, Deutsche Rohstoff, Ringmetall, Steico

Im Investor-Update notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

Sommerrallye und nun...?
Die meisten Marktteilnehmer wurden eiskalt auf dem falschen Fuß erwischt, denn sie hatten sich bereits vor Wochen auf fallende Kurse eingestellt und sich entsprechend positioniert. Und dann das... die Börsen stiegen scheinbar unaufhaltsam an, zweistellige Kursgewinne allenthalben, neue Allzeithöchststände bei S&P 500, Dow Jones und MDAX. Doch der Sommer neigt sich dem Ende zu und wir steuern saisonal auf den statistisch schlechtesten aller Börsenmonate zu, den September. Die Luft wird also dünner.

 Quelle: CNN Money - Fear and Greed Index 
Fear-and-Greed-Index stabil auf hohem Niveau
Der Angst-und-Gier-Index befindet sich seit einigen Tagen im obersten Viertel, wenn auch noch nicht im Grenzbereich. Das signalisiert, dass die Marktteilnehmer eher optimistisch sind und wenig(er) auf die Risiken blicken. Doch die sind nicht kleiner geworden.

Die steigenden Börsenkurse werden schon länger nicht (mehr) von steigenden Unternehmensgewinnen begleitet, sondern vor allem durch die liquiditätsgetriebene Politik der Notenbanken befeuert. Da es kaum Zinsen für Geldanlagen gibt, wandert immer mehr Geld in die Aktienmärkte, wo es Dividenden und evtl. auch Kursgewinne gibt. Eine verlockende Aussicht angesichts sonst drohender Strafzinsen bei Kontoguthaben.

Und dann steht auch noch der September vor der Tür und mit ihm die schwierigste Börsenphase des Jahres, wo es in der Vergangenheit regelmäßig zu heftigen Kursgewittern kam. Und das Potenzial für einen Einbruch ist durchaus vorhanden, schließlich haben die Börsen gerade neue Höchststände erklommen und die Sorglosigkeit der Anleger nimmt zu. Auch die sog. Margin Debt ist zuletzt deutlich zurückgegangen. Die zeigt an, zu wie viel Prozent US-Anleger Aktien auf Kredit gekauft haben. Und sie korreliert stark mit der Entwicklung der US-Börsen. Ihr - vorauslaufendes - Sinken bei steigenden US-Indizes ist daher ein weiteres Warnzeichen. Und auch die aktuell eher positive Einschätzung vieler Börsenbriefe ist meist ein guter Kontra-Indikator, ebenso, dass in den Boulevardzeitungen verstärkt über die Börse und die angeblichen großen Gewinnchancen die Rede ist.


"Ich bin bei Aktien mehr gehedged denn je, denn der Tag der Abrechnung wird kommen".
(Carl Icahn)


 Carl Icahn 
Starinvestoren wetten auf Kurseinbrüche
Zu "guter" Letzt sind da noch Starinvestoren wie George Soros oder Carl Icahn, die ihre Aktienbestände seit einiger Zeit reduzieren und im Gegenzug massiv Put-Optionen anhäufen, mit denen sie auf fallende Aktienkurse setzen. So hatte George Soros bereits im ersten Quartal massiv Puts auf den S&P 500-Index gekauft und seinen Bestand im zweiten Quartal sogar noch auf 4 Mio.-Put-Optionen verdoppelt. In Summe bedeuten all diese Faktoren, dass sich die Chancen auf eine heftige Herbstkorrektur erhöht haben, während die Chancen auf eine ungebremste Fortsetzung der Rallye schwinden.

Ich bin ja beileibe kein Timing-Experte und ich investiere nicht aufgrund makroökonomischer Überlegungen (anderes als George Soros), sondern ich kaufe Aktien von heute oder morgen unterbewerteten Aktien mit erheblichem Gewinnpotenzial. Aber... ich ziehe aus den Zeichen meine Schlüsse. Und daher habe ich meinen Aktienbestand reduziert. Ich habe die Werte der meisten Positionen verkleinert auf Positionsgrößen von etwa 3%, nur bei ausgesuchten Werten sind die Anteile höher geblieben (auch wenn ich sie ebenfalls in absoluten Zahlen reduziert habe). So bleibt Aurelius die größte Position im Depot, jedoch um ein Viertel kleiner als noch vor einigen Wochen. Und die Deutsche Rohstoff AG ist ebenfalls mit über 7% übergewichtet, ebenso Steico und Ringmetall mit je 5%.

Ergänzend und ganz neu hinzugekommen ist ein DAX-Put (HSBC T+B PUT17 DAX; WKN TD1MLC), der mir vor Kurzem bzgl. des Brexit-Votums schon tolle Dienste geleistet hat. Den nehme ich als Absicherung meines restlichen Portfolios und auch als Spekulation auf fallende Kurse. Geht meine Befürchtung auf und die Kurse kommen stärker ins Rutschen, gleicht der Put zunächst die Kursverluste der Bestandsaktien aus und er erhöht meine Liquidität, die mir dann für Nachkäufe zur Verfügung steht. Und kommt kein Kurseinbruch, dürfte ich nicht allzu viel mit dem Put verlieren, dann werte ich diese Verluste als Versicherungsprämie.

Weshalb ich einen Put auf den DAX ausgewählt habe, wo ich doch hauptsächlich deutsche Nebenwerte und US-Werte im Depot habe? Weil die Erfahrung zeigt, dass der DAX zumeist heftiger von Kurseinbrüchen heimgesucht wird, als SDAX, S&P oder Dow Jones. Das ist das ganze Geheimnis dahinter...

Der DAX-Put ist aktuell mit rund 10% in meinem Portfolio gewichtet, sollten die Kurse aber anfangen zu rutschen und Panik an die Märkte zurückkehren, werde ich die Position in fallende Kurse hinein weiter aufstocken.


.: Cashquote
Durch den Kauf des DAX-Puts ist meine Cashquote natürlich wieder gesunken, nachdem ich ja zuvor bei den meisten Werten die Depotgewichtung reduziert und somit Cash aufgebaut hatte. Meine verfügbare Cash-Quote beläuft sich daher aktuell auf knapp 15%.


P.S.:
Übrigens, zu Icahn und Soros. Die beiden sind nicht der Grund, weshalb ich mich gegen fallende Kurse absichere und Weltuntergangsszenarien von Marc Faber (Dr. Doom) schon mal gar nicht. Die positionieren sich mit Puts und danach (!) erzählen sie aller Welt, dass die Börsen einbrechen werden. Die versuchen also, auf Kosten der anderen Anleger Geschäfte zu machen, man kann das schon als "Front-Running" bezeichnen. Ich finde es jedenfalls unsauber und habe mich bzgl. Carl Icahn und Apple ("Die Aktien sind mindestens $200 wert", während er schon bei $100 verkaufte) ja auch ausgiebig mit diesem Thema befasst. Grundsätzlich bleibe ich Optimist in Sachen Aktien und halte es mit den weisen Worten von Bernard Baruch: "Die Bären machen die Schlagzeilen, die Bullen machen das Geld"...

Dienstag, 23. August 2016

Lieber einfach statt kompliziert

Value Investing, das wertorientierte Investieren, kommt ohne komplizierte mathematische Formeln aus, es setzt vielmehr auf den gesunden Menschenverstand und Geduld. Je einfacher und langweiliger das Geschäftsmodell ist, desto interessanter ist es grundsätzlich für Value Investoren. Man kauft Anteile an soliden Unternehmen, die von ehrlichen und fähigen Leuten geführt werden und das zu einem Kurs, der unterhalb des fairen Wertes liegt, also das Gewinnpotenzial des Unternehmens (noch) nicht widerspiegelt.

"Wenn ein Unternehmen gut läuft, wird die Aktie letztendlich folgen."
(Warren Buffett)

Warren Buffett ist der Überzeugung, dass man sich weder mit Marktprognosen noch mit Charts aufhalten sollte, sondern vor allem mit dem Lesen der Geschäftsberichte der Unternehmen. Da steht alles drin, was ein Value Investor über das Unternehmen wissen muss und dort findet er die Zahlen und Daten, die er für die Bewertung des Unternehmens und die Ermittlung von dessen fairen Wert benötigt. Und er rät, Geld nur in Unternehmen zu investieren, deren Geschäft man auch versteht.

"Man sollte sein Geld in Unternehmen stecken, die auch ein absoluter Vollidiot
leiten könnte. Denn irgendwann wird unweigerlich genau das passieren."
(Warren Buffett)

Machen Sie's wie Warren Buffett, machen Sie's nicht unnötig kompliziert. Intelligentes Investieren ist keine Wissenschaft, es ist solides Handwerk anhand einiger weniger, aber wichtiger Regeln. Man muss nicht zaubern können, um langfristig an der Börse Geld zu verdienen.

Börsenkurse steigen langfristig an
Dabei sollte man sich (auch) nicht mit der Suche nach dem perfekten Timing beschäftigen, dem besten Zeitpunkt für einen Einstieg. Denn langfristig macht es kaum einen Unterschied, zu welchem Zeitpunkt man in Aktien investiert hat, langfristig steigen die Kurse schier unaufhaltsam an. Der ökonomische Fortschritt, das Wachstum der Weltbevölkerung und der (auch deshalb) global zunehmende Wohlstand, schlagen sich in der Kursentwicklung nieder.


"Die beste Zeit für die Geldanlage ist dann, wenn man Geld hat. Die Geschichte
deutet nämlich darauf hin, dass nicht der Zeitpunkt zählt, sondern die Zeit."
(Sir John Templeton)


 Quelle: tradingeconomics.com

Insbesondere der Chartverlauf des Dow Jones Index über die letzten hundert Jahre zeigt die Entwicklung sehr deutlich an. Die ganz kleine Delle ziemlich weit links ist übrigens "der große Crash" von 1929 mit der sich anschließenden Weltwirtschaftskrise.


"Langfristig werden die Aktienmärkte für gute Nachrichten sorgen. Im 20. Jahrhundert durchlebten
die USA zwei Weltkriege und weitere traumatische und teure militärische Konflikte, eine
Depression, mehrere Rezessionen, Börsenpaniken, Ölschocks, Virenpandemie und den
Rücktritt eines Präsidenten. Dennoch stieg der Dow Jones von 66 auf 11497."
(Warren Buffett)

Daraus können wir lernen, dass für den nachhaltigen Börsenerfolg das Market-Timing einen geradezu zu vernachlässigenden Faktor darstellt, während eine andere Charaktereigenschaft ganz wesentlich zum Erfolg beiträgt: Geduld, die nach Benjamin Graham "oberste Tugend des Investors".

Anleger sollten also auf die einfachen, unkomplizierten Unternehmen setzen und dann die nötige Muße aufbringen, bis diese sich positiv entwickeln. Den Fortschritten im operativen Geschäft werden die Aktienkurse fast unweigerlich folgen.

Montag, 22. August 2016

(Noch) höhere Margen: Steico kündigt millionenschwere Rekordinvestitionen an

Die Steico SE, ein Hersteller holzfaserbasierter Bauprodukte, profitiert vom Trend zum nachhaltigen und CO2-armen Bauen und auch die beiden großen Trends hin zu Immobilien in Ballungsräumen und schnelle Lösungen für die Flüchtlingsunterbringung bieten dem Unternehmen zusätzliche Chancen. Erst kürzlich wurden "saustarke" Halbjahreszahlen vorgelegt, die belegen, dass sich die Unternehmensstrategie des "integrierten Holzbausystems" richtig auszahlt. Eine steigende Nachfrage nach ökologischen Holzfaser-Dämmstoffen und die erfreulichen Margenbeiträge aus der neuen Produktionsanlage für Furnierschichtholz sind maßgebliche Treiber dieser erfreulichen Entwicklung.

Steico steht nach wie vor im harten Preiswettbewerb bei Dämmmaterialien und kämpft dabei mit Überkapazitäten in der Branche. Aus diesem Grund hat man sich vor einiger Zeit entschlossen, neue Produktionskapazitäten aufzubauen, um fremdvergebene Teilaufträge selbst abwickeln zu können, wodurch man weniger abhängig von Zulieferern wurde und in diesem Bereich eine höhere Wertschöpfungstiefe erreicht und somit insgesamt höhere Margen. Das Management hat dem entsprechend auch seine Gesamtjahresprognose konkretisiert und erwartet nun "ein EBIT-Wachstum im oberen zweistelligen Prozentbereich".

 Steico SE (Quelle: finanzen.net) 
Die bisherigen Investitionen von annähernd €50 Mio. werden nun durch ein weiteres Investitionsprogramm von €45 Mio. ergänzt. Geplant ist eine Verdoppelung der jährlichen Produktionskapazitäten von derzeit rund 80.000 cbm auf rund 160.000 cbm. Hierfür wird die bestehende Linie für Furnierschichtholz entsprechend modifiziert und erweitert. Die bestehende Linie, die Anfang 2016 in Betrieb genommen wurde, wurde von Beginn an mit Blick auf eine künftige Erweiterung geplant und errichtet. Dass diese Erweiterung bereits nach kurzer Zeit erfolgen kann, ist der erfreulich hohen Nachfrage nach Furnierschichtholz aus verschiedenen Branchen zu verdanken.

Nicht ganz unwichtig für Aktionäre ist dabei, dass das Investitionsprogramm über die Erweiterung des bestehenden Konsortialvertrages, und somit über Fremdmittel, erfolgen wird und nicht über eine Kapitalerhöhung. Des Weiteren hatte man bei der Erstinvestition vorausschauend bereits eine spätere Ausweitung mit einkalkuliert, so dass aufgrund der vorbereitenden Planungen für die Erweiterung die Gesamtinvestitionen nun rund €15 Mio. unterhalb der Kosten für die erste Produktionslinie liegen werden. Und das wird der künftigen Wirtschaftlichkeit in Form höherer Margen und Gewinne zugutekommen!

Meine Einschätzung
Kaum verwunderlich dürfte sein, dass sich meine Einschätzung in den letzten Wochen nicht sehr verändert hat; sie ist weiterhin sehr positiv. Die Investitionen von weiteren €45 Mio. sind angesichts der Überkapazitäten und des Preisdrucks in der Branche durchaus mit Risiken verbunden, setzen aber im margenstarken neuen Bereich an, so dass sich das Wagnis auszahlen sollte. Durch die Investitionen werden Kosten gespart und die Margen ausgeweitet und man kann gleichzeitig davon profitieren, dass die herkömmlichen Wärmeverbundsysteme aufgrund ihrer Problembehaftung (Krebsrisiko, Umweltschädlichkeit, Brandgefahr) sukzessive vom Markt gedrängt werden und immer häufiger hochwertige ökologische Dämmmaterialien zum Einsatz kommen. Darüber hinaus verbreitert die eigene Stegträger-Produktion die Angebotspalette und sorgt für eine Verbreiterung und Ausweitung der Margenbasis.

Der Margenausweitung steht gegenüber, dass ein nicht unerheblicher Umsatzanteil in Großbritannien (rund 15%), dem zweitwichtigsten Absatzmarkt nach Deutschland, erzielt wird, und hier dürfte die Pfund-Abwertung im Zuge des Brexit-Votums - zumindest vorübergehend - für eine Margenabschwächung sorgen.

Ich habe Steico seit vielen Jahren auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot und werde das Unternehmen auf seinem erfolgreichen Weg noch lange Zeit weiter begleiten. Steico bietet für langfristig orientierte Anleger ein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis.