Donnerstag, 22. Juni 2017

Publity nach der Rekorddividende: Ist die Luft jetzt raus oder startet die Aktie durch?

Publity, der erfolgreiche Investor in und Asset-Manager von deutschen Büroimmobilien, hat soeben seine Hauptversammlung hinter sich gebracht und auf dieser wurde die Rekorddividende von 2,80 Euro je Aktie beschlossen. Damit verschwindet das Thema Dividende von der Agenda und der Fokus der Anleger dürfte sich wieder stärker auf das operative Geschäft richten - das ja die üppigen Dividenden erst einmal verdienen muss...

Die Hauptaktivitäten des Unternehmens liegen im Erwerb, der Verwaltung und der Verwertung von gewerblichen Grundstücken und Gebäuden. Dabei konzentriert sich Publity vor allem auf die Ballungszentren Frankfurt und München sowie andere deutsche Großstädte. Zuletzt hat man sich aber auch mit den umliegenden Städten der Randgebiete dieser Metropolen befasst und sich hier stärker engagiert. Das Unternehmen übernimmt dabei alle Aufgaben der Wertschöpfungskette, also die Strukturierung von Anlageprodukten für institutionelle und private Investoren, den Ankauf der Immobilien oder von NPLs (Non Performing Loans) sowie das Asset-Management und die Verwertung/Verkauf. In allen Stadien der Wertschöpfungskette verdient Publity Gebühren und/oder Provisionen.

In diesem Jahr gab es bisher zwei einschneidende Ereignisse für Publity. Zum Einen gewann man die von Publity-CEO und Großaktionär Thomas Olek ins Leben gerufene Consus Commercial Property AG als Kunden. Dieser "Erfolg" ist natürlich nicht wirklich schwer gefallen, aber das macht das Business nicht minder einträglich, denn Consus hat selbst keine Ankaufsabteilung und überlässt dieses Feld entgeltlich vollständig der Publity. Und zum Anderen gewann Publity einen südamerikanischen Investor, der für einen Milliardenbetrag Gewerbeimmobilien in Deutschland erwerben möchte - durch Publity. Und zwar mit deutlich geringerer Renditeerwartung als bei den bisherigen Publity-Kunden aus der Finanzszene üblich. Insofern hat sich Publity hier keine Kunden-Konkurrenz ins Haus geholt, sondern mit den beiden Deals sein Leistungsspektrum erweitert.

 Quelle: Publity 
Kurz vor der Hauptversammlung gab Thomas Olek den Analysten von GSC Research ein Interview und darin finden sich einige bemerkenswerte Aussagen. Olek sieht Publity gut aufgestellt, um die eigenen Prognosen zu erfüllen. Diese seien, wie Olek betont, in Bezug auf die AuM (Assets under Management) kürzlich erst erhöht worden, so dass Publity nun von AuM von 5,2 Mrd. Euro per Ende 2017 und 7,0 Mrd. Euro per Ende 2018 ausgeht. Durch die Ausweitung des Ankaufsspektrums ergäben sich eine höhere Schlagdistanz, auch wenn Publity nicht mehr so oft zum Zuge komme, wie noch vor einigen Jahren. Darüber hinaus könnten durchaus weitere Investoren an Bord kommen, was die AuM noch zusätzlich erhöhen würde.

Publity hat zwar hohe Mittelzusagen im Milliardenbereich von Finanzinvestoren, diese aber noch nicht vollständig in AuM umsetzen können. Alleine aus der Investition dieser Mittel heraus ergeben sich weitere Gewinnpotenziale auf Sicht der nächsten Jahre.

Für das laufende Geschäftsjahr ist Olek optimistisch und plant eine weitere Umsatz- und Ergebnissteigerung. Durch Beurkundungen von Objektverkäufen habe man bereits jetzt umfangreiche Erlöse und Gewinne für 2017 gesichert, zu denen noch Erträge aus dem erwarteten Anstieg der AuM, Erlöse aus weiteren Objektverkäufen sowie aus der Verwertung unseres NPL-Portfolios hinzukämen.

Meine Einschätzung
 Publity AG (Quelle: finanzen.net
Das Mandat der Consus ermöglicht es Publity, deutlich kleinere Objekte zu erwerben und zu betreuen, als es bisher der Fall war. Und das Südamerika-Mandat lässt zu, dass Publity hier qualitativ niedrigere und damit risikoreichere Standorte erwirbt, da die Renditeerwartungen bei diesem neuen Mandanten niedriger liegen, als bei den bisherigen Mandaten von internationalen Finanzinvestoren. Insbesondere bei dem Südamerika-Mandat geht Publity davon aus, dieses auf der bestehenden Asset Management Plattform ohne den Aufbau nennenswerter zusätzlicher Ressourcen umsetzen zu können. Was nichts anderes heißt, als dass man sein Geschäftsmodell skalieren kann, also ohne nennenswerte zusätzliche kosten mehr Umsatz und damit mehr Gewinn erzielen können wird. Und auch bei dem Consus-Mandat verdient Publity prächtig, denn Consus verfügt über keine eigene Bewertungs- und Ankaufserfahrung und nutzt vollständig das Publity-Know-How und Personal. Gegen entsprechendes Entgelt. Auch hier dürfte Publity überproportional dran verdienen.

Unterm Strich zeigen die beiden neuen Mandate, dass es Olek und seiner Publity weiter gelingt, neue Mandate an Land zu ziehen, so dass die für Ende diesen Jahres anvisierten 5,2 Mrd. Euro AuM (Assets under Management) schon heute in greifbarer Nähe liegen sein dürften. Die stetigen Provisions- und Gebühreneinnahmen dürften weiter deutlich zulegen, da mit jedem neuen Objektankauf der Zähler mitrattert.

Hierzu tragen natürlich auch die umfangreichen NPL-Mandate bei, die inzwischen 3,2 Mrd. Euro ausmachen und wo Publity nach der Verwertung 22% der Verkaufserlöse als Provision vereinnahmen kann. Hier fallen in der Zwischenzeit bis zum Verwertungserfolg erst einmal Kosten an, die Provision fließt erst beim Verkaufserfolg, also in den nächsten Jahren. Und natürlich kann man die 22% nicht an den Nominalwert des NPL-Portfolios berechnen, denn hier wird nur ein Bruchteil des ursprünglichen Nominalwerts noch beizutreiben sein.

Nachdem im Zuge der überraschenden Kapitalerhöhung unmittelbar nach der letzten Hauptversammlung der Aktienkurs mächtig unter Druck geraten war, gab Olek zwei interessante Aussagen ab: eine Kapitalerhöhung für 2017 schließt er aus und inzwischen bestünden die Partner nicht mehr auf Co-Investments seitens Publity von 3%, sondern würden sich zumeist auch mit 1% zufrieden geben. Auch hieraus ergibt sich ein geringerer Eigenkapitalbedarf für Publity und ein geringeres Erfordernis, beim AuM-Wachstum ggf. frisches EK einwerben zu müssen.

Publity ist weiter gut auf Kurs und selbst ein nachlassen des Immobilienbooms dürfte sich nicht allzu negativ auf das Geschäft auswirken. Der NPL-Bereich dürfte dann eher noch zusätzliches Wachstum bieten. Eine spürbare Anhebung des Zinsniveaus hingegen könnte es für Publity schwerer machen, weitere Mandate von Investoren an Land zu ziehen, da alternative Anlagen, wie Termingelder, wieder an Attraktivität gewinnen würden. Aber von diesem Szenario sind wir noch ein ganzes Stück weit entfernt.

Publity befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und nachdem ich aus steuerlichen gründen vor der Dividendenausschüttung meinen Aktienbestand deutlich reduziert hatte, habe ich nun damit begonnen, ihn ex-Dividende wieder aufzustocken.

Dienstag, 20. Juni 2017

S&T und Kontron können nach den erfolgreichen HV-Voten ihre Verschmelzung angehen

Der Linzer Technologiekonzern S&T AG ist den selbstgesteckten Zielen seines CEO und ehemaligen Großaktionärs Hannes Niederhauser einen großen Schritt näher gekommen, denn sowohl die Hauptversammlung der Kontron AG als auch die der S&T AG haben jeweils mit großer Mehrheit dem Verschmelzungsvertrag der beiden Unternehmen zugestimmt. Die Verschmelzung der Kontron AG auf die 100 prozentige Tochter der S&T AG, die S&T Deutschland Holding AG, in der das Embedded-Know-How der Gruppe gebündelt wird, soll die Stellung des zukünftigen Unternehmensverbunds für Embedded Module, Boards und Systeme sowie Internet der Dinge weiter ausbauen. Über die Softwarekompetenz der S&T-Gruppe hat die Kontron zudem die Möglichkeit, das Produktportfolio mit Softwarelösungen und Softwaredienstleistungen zu erweitern und ihre Technologieführerschaft zu stärken.

Niederhauser möchte mit der gebündelten Power von Kontron und S&T Technologie- und Marktführer werden und bereits ab 2018 die Eine-Milliarde-Euro Marke beim Umsatz überschreiten. Zwischenziel für das Geschäftsjahr 2017 sind Umsätze zwischen 860 und 890 Millionen Euro und ein EBITDA von 50 Millionen Euro.

Meine Einschätzung
Nach den zustimmenden Voten der beiden Hauptversammlungen kann nun die Verschmelzung angegangen werden. Erhebliche Sanierungsvorarbeiten auf Seiten Kontrons wurden bereits im Vorfeld geleistet, so dass künftig der Fokus auf dem heben der Synergiepotenziale und der zu schaffenden neuen gemeinsamen Schlagkraft liegen wird. Bisher konnte Hannes Niederhauser immer überzeugen und seine Visionen erfolgreich umsetzen. Und auch bzgl. Kontron scheint er auf dem richtigen Pfad zu sein und nach dem Thema IT-Sicherheit für S&T ein weiteres, wichtiges Zukunftsfeld zu besetzen.

S&T befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Montag, 19. Juni 2017

Weltmarktführer Ringmetall kauft munter weiter zu. Und bleibt aussichtsreich...

Die inzwischen als Industrieholding agierende Ringmetall AG (früher H.P.I. Holding AG) ziert nun schon mehr als vier Jahre meine Empfehlungsliste. Damals stellte ich hier das "schön langweilige Beteiligungsdornröschen" vor und bis heute hat das Unternehmen noch kein bisschen von seinem Schwung verloren. Aus der bisherigen europaweit tätigen Beteiligungsgesellschaft wird seit einiger Zeit eine operativ tätige globale Industrieholding geformt mit dem Schwerpunkt Industrial Packaging und Industrial Handling für Kunden in der chemischen, petrochemischen, pharmazeutischen und Lebensmittel verarbeitenden Industrie. Aus der grauen Provinzmaus wird ein globaler Herr der Ringe.

Das Jahr 2016 hatte man mit Rekordwerten abschließen können und auch das erste Quartal 2017 lief verheißungsvoll an. So erhöhte sich der Konzernumsatz deutlich um 19,2 Prozent auf 26,7 Mio. Euro (Q1 2016: 22,4 Mio. Euro). Der Rohertrag stieg um 13,6 Prozent auf 11,8 Mio. Euro (Q1 2016: 10,4 Mio. Euro), wenngleich auch die Rohertragsmarge vor dem Hintergrund des stahlpreisbedingt gestiegenen Materialaufwands mit 44,3 Prozent geringer ausfiel als im Vorjahr (Q1 2016: 46,5 Prozent). Dieser Effekt wirkte sich entsprechend auch auf die weiteren Ergebnismargen aus. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) lag mit 3,2 Mio. Euro um 7,9 Prozent über dem Vorjahreswert (Q1 2016: 3,0 Mio. Euro), während das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) 2,1 Mio. Euro noch stärker bzw. um 9,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr zulegte (Q1 2016: 1,9 Mio. Euro).

Doch Ringmetall ruht sich nicht auf seinen Erfolgen aus, sondern forciert sein Geschäft. Auf der einen Seite kann man noch immer erhebliche Synergieeffekte aus der großen Self Industries-Übernahme heben, was den Margen und Gewinnen zugute kommt, und andererseits befindet man sich weiterhin auf Einkaufstour. Nachdem man sich bereits vor einigen Jahren dem großen Wachstumsmarkt China zugewandt hat, übernimmt man dort nun im Rahmen eines Asset Deals mit HongRen einen chinesischen Produzenten von Spannringen und Fassverschlusssystemen. HongRen mit Sitz in Changzhou erwirtschaftete im abgelaufenen Geschäftsjahr 2016 mit 29 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 1,2 Mio. Euro bei einem deutlich positiven Ergebnisbeitrag. Zu den Produkten von HongRen zählen neben Fassspannringen für unterschiedliche Anwendungsbereiche auch Hebelverschlüsse für Industriefässer. Das Unternehmen ist überdurchschnittlich gut am chinesischen Markt positioniert und verfügt über langjährige Geschäftsbeziehungen zu wichtigen Kunden der Verpackungsindustrie. Insbesondere verschafft sich Ringmetall einen "optimalen Zugang" zum Asiengeschäft des international führenden Fassherstellers Greif.

 Ringmetall (Quelle: finanzen.net)
Obwohl es sich um eine relativ kleine Übernahme handelt, schaut man auch hier auf die Kosten und auf Einsparpotenziale, nicht nur auf die Chancen. So wird die HongRen-Produktion an den chinesischen Standort von Ringmetall in Changshou verlagert.

Neben den gewachsenen Kundenbeziehungen will Ringmetall aber vor allem vom langjährigen Markt-Knowhow und den sehr guten Kunden- und Lieferantenbeziehungen von HongRen profitieren. Die erhöhten Produktionskapazitäten eröffnen darüber hinaus nun auch die Möglichkeit zum Export nach Singapur, Malaysia, Korea und Australien und die Produktion von Hebelverschlüssen soll stückzahlenmäßig weiter erhöht werden und HongRen so zum internen Lieferanten der Ringmetall-Gruppe ausgebaut werden.

Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart, jedoch meint Ringmetall, sich in seinem üblichen Rahmen zu bewegen. Aufgrund der regulatorisch-administrativen Vorgaben in China rechnet Ringmetall mit einem Closing der Übernahme gegen Ende des erst Jahres 2017. Des Weiteren befindet man sich mit weiteren Zielunternehmen in fortgeschrittenen Stadien der Vertragsverhandlungen,, so dass es im laufenden Geschäftsjahr 2017 noch zu mindestens einem weiteren Zukauf kommen soll.

Meine Einschätzung
Ringmetall ist in der Vergangenheit insbesondere durch Zukäufe gewachsen und hier hat man auch für 2017 noch mehr im Blick. Nicht jede Übernahme klappte in der Vergangenheit, aber die letzten Zukäufe - insbesondere Self Industries - sind echt gelungen. Hier dürfen sich Aktionäre also berechtigt Hoffnungen machen, dass Ringmetall seinen eingeschlagenen Kurs weiter erfolgreich fortsetzen wird.

Der Aktienkurs hat nach einem starken Anstieg zuletzt auf einem Niveau von über 3 Euro konsolidiert und die eingespielten Ergebnisse zeigen, dass das erhöhte Kursniveau auch seine Berechtigung hat. Mittelfristig dürfte Ringmetall eine Umsatzverdopplung anpeilen und weitet seine Geschäftsaktivitäten sukzessive in angrenzende Bereiche aus. Das ist ein vielversprechender Ansatz und daher sollte Ringmetall weiterhin eine attraktive Depotbeimischung bleiben. Defensiv mit begrenztem Rückschlagpotenzial; auf der anderen Seite mit stetiger positiver Geschäftsentwickelung und immer für Überraschungen gut. Insbesondere durch sinnvolle Übernahmen. Dass diese ggf. durch kleinere Kapitalmaßnahmen finanziert werden, sollte Anleger nicht schrecken. Denn diese haben sich in der Vergangenheit mehr als bezahlt gemacht. Und auch die Analysten von Montega bewerten die Aktie von Ringmetall weiter positiv und heben heute ihr Kursziel auf 3,90 Euro an (bisher 3,50 Euro).

Ich habe Ringmetall auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

Börsenweisheit der Woche 25/2017

"Warum nicht Geld in einer Firma anlegen, die man mag? Mae West sagte: ‚Zuviel des Guten kann wunderbar sein‘".
(Warren Buffett)

Sonntag, 18. Juni 2017

Weshalb Fairfax Financial jetzt kein Investment (mehr) wert ist

Prem Watsas Fairfax Financial Holdings Ltd. habe ich erst vor einiger Zeit hier im Blog vorgestellt und auf meine Empfehlungsliste genommen. Der Kurs ist seitdem weiter abgebröckelt und nun leicht zweistellig im Minus. Das alleine stimmt mich nicht nachdenklich, allerdings bin ich bei der Überprüfung meiner Investments zu dem Schluss gekommen, dass ich heute Fairfax Financial. nicht mehr kaufen würde.

Bei  meinem Einstieg habe ich kein glückliches Timing-Händchen beweisen, aber die Gründe für die schlechte Entwicklung liegen doch woanders. So ist Fairfax in Kanada beheimatet und das Land leidet nicht nur unter Donald Trumps Strafzöllen (gegen die Holzindustrie) und Trumps Attacken gegen den Freihandel, speziell das NAFTA-Abkommen, sondern vor allem unter der sich immer stärker zuspitzenden Lage am kanadischen Häusermarkt und der drohenden massiven Belastung für den Banken - und Finanzsektor. Diese Bedrohung ist nicht neu, ich habe sie nur nicht als so gewichtig eingestuft, wie ich es jetzt tue. Vielmehr war meine Überlegung, dass Fairfax ausreichend global diversifiziert ist mit seinen Investments und Beteiligungen. Doch hier zweifele ich meine These selbst zunehmend an.

 Fairfax Financial (Quelle: finanzen.net) 
Einerseits ist Fairfax Financial stark in US-Anleihen investiert und auch wenn man den Bestand bereits reduziert, so werden die Anleihekurse von den Zinsanhebungen der US-Notenbank FED empfindlich getroffen - und sorgen für Abwertungsbedarf in der Fairfax-Bilanz, wenn auch nur bis zum Laufzeitende, sofern sie nicht vorher verkauft werden. Doch genau das tut man jetzt. Und andererseits kauft Fairfax weltweit Finanzunternehmen, Banken und Versicherungen. Nicht nur in Griechenland und der Eurozone kauft man sich - vermeintlich - billig ein, sondern auch in Indien und andernorts. Und genau hier entstehen zusätzliche Risiken, denn ein Finanzkollaps von Kanadas Immobilienmarkt dürfte auch Assekuranzen und Banken weltweit treffen. Keinesfalls in dem Ausmaß wie bei der globalen Immobilien- und Finanzkrise, aber die vormals lukrativen kanadischen Investments dürften einiges an Abschreibungsbedarf mit sich bringen, sofern die Situation eskaliert.

In Summe überwiegen für mich die Risiken inzwischen die Chancen deutlich und daher streiche ich Fairfax Financial von meiner Empfehlungsliste.

Aktienkategorien

Wer sein Geld in Unternehmen investieren will, möchte (Kurs)gewinne erzielen. Dies gelingt zumeist nur, wenn das Unternehmen Gewinn erwirtschaftet und zwar dauerhaft. Bei der Betrachtung der Gewinne kennt man allerdings nur die Vergangenheit, während die zukünftigen Aussichten/Erträge geschätzt werden müssen. Das macht die Bewertung schwierig. Um diese Einschätzung erfolgreich vornehmen zu können, schlägt Peter Lynch in seinem Buch "Der Börse einen Schritt voraus" deren Einteilung in sechs Kategorien vor.


Aktienkategorien

  1. Wachstumsschwache Aktien
    Große, alte Unternehmen mit einem Wachstum knapp oberhalb des Bruttosozialprodukts.
     
  2. Stetige Aktien
    Kontinuierlich wachsende Unternehmen.
     
  3. Wachstumsstarke Aktien
    Kleine, aggressive, neue Unternehmen, die mit 20 bis 25 Prozent pro Jahr wachsen.
     
  4. Zyklische Aktien
    In zyklischen Branchen lösen sich Expansion und Schrumpfung regelmäßig ab (Auto, Stahl, Chemie, Luftfahrt, Chips) und genauso verhält es sich mit den Gewinnen.
     
  5. Turnaround-Aktien
    Zumeist arg mitgenommene Unternehmen, die stark geschwächt sind und einem drohenden Konkurs nur knapp entgehen können. Kein Wachstum, Kurse auf Tiefstniveau - kurz: Todeskandidaten. Jedoch mit einem Hoffnungsschimmer auf Rettung.
     
  6. Substanz-Spekulation
    Das Unternehmen verfügt über Betriebsvermögen, dass die Börse bei ihrer Bewertung bisher übersehen hat. Diese Substanz kann aus Immobilien bestehen, Maschinen oder hoher Liquidität und sogar aus Verlustvorträgen (weil das Unternehmen zukünftig Steuern spart).

Will man also die künftige Ertragslage beurteilen, hängt dies davon ab, zu welcher Kategorie das Unternehmen gehört.

Bei Zyklikern sind keine dauerhaften Erträge vorhanden, Gewinne und Verluste wechseln sich ab (man denke an Chip-Hersteller). Hier muss man schon durch das Timing des Ein- und Ausstiegs Geld verdienen; für langfristig orientierte Investoren sind dies 'schwierige' Unternehmen.

Und zwischen Turnaround-Kandidaten und wachstumsstarken Aktien liegen Welten, insbesondere beim vorherrschenden Risiko. Während ein Turnaround-Wert mit sich selbst kämpft, um wieder auf die Beine zu kommen, wachsen andere Unternehmen rasant und ziehen so umgehend aggressive Nachahmer an, die ihm so die Gewinnmargen und Erträge nehmen.

Bei Wachstumsaktien kann man die Wachstumsraten in einem expandierenden Markt also nur fortschreiben, wenn es hier hohe Eintrittsbarrieren für Mitbewerber gibt (z.B. Urheberrecht oder hohe Anfangsinvestitionen), ansonsten wird sich das Wachstumstempo schnell abschwächen - was dann wiederum Auswirkungen auf die Bewertung des Unternehmens hat.

Fazit
Hat man die Aktien einer Kategorie zugewiesen, kennt man die grundlegenden Erwartungen, die man an die Entwicklung des Unternehmens haben kann. Und hieraus resultierende die Gewinnerwartungen. Als nächstes kann man auf dieser Basis dann die Unternehmensgewinne selbst näher in  Augenschein nehmen und dann Vergleiche anstellen mit Unternehmen aus der selben Branche und in einem vergleichbaren Stadium der Unternehmensentwicklung. Es ergibt sich hieraus nicht nur eine absolute Bewertung des Unternehmens, sondern auch eine relative im Verhältnis zu ähnlichen Firmen, der sog. Peer-Group.

Freitag, 16. Juni 2017

Empfehlungsliste

Performance seit Erstempfehlung inkl. Brutto-Dividenden. Das regelmäßige Update erfolgt jeweils zum Wochenende.














»Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.«, riet Immanuel Kant.
Also, denkt selbst! Diese Liste ist eine Anregung, mehr nicht. Sie dient dazu, dass Ihr Euch Eure eigenen Gedanken zu den Unternehmen macht, Euren eigenen Investment-Case erarbeitet. Dazu könnt Ihr gerne auf meine Einschätzungen zurückgreifen und gerne können wir über die einzelnen Positionen und das (Value) Investing diskutieren. Denn das ist der Grund, weshalb ich dieses Blog betreibe: ich möchte mit Euch ins Gespräch kommen, von Euch lernen. Ich möchte ein besserer Investor werden.


Historie der Transaktionen auf meiner Empfehlungsliste
Auf der ▸Transaktionsliste finden Sie alle Aufnahmen und Streichungen auf meiner Empfehlungsliste seit Start des Blogs.


Investor-Update
Die Empfehlungsliste ist nicht zwangsläufig identisch mit meinem Investment-Portfolio, auch wenn  sie viele Überschneidungen aufweist. Im Investor-Update beschreibe ich daher in unregelmäßigen Abständen, wie die Entwicklungen bei den einzelnen Unternehmen sich in meinem Depot als Käufe, Verkäufe oder Umschichtungen niedergeschlagen haben.


RECHTLICHER HINWEIS NACH WPHG
Viele der in meinem Blog erwähnten Werte halte oder handle ich regelmäßig. Die in diesem Blog enthaltenen Beiträge sind meine persönliche Meinung und stellen weder eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar, noch sind sie als Beratungsleistung zu werten. Ich übernehme trotz aller Sorgfalt keine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen; sie beruhen auf Quellen, die ich für vertrauenswürdig und zuverlässig halte.

Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass der Handel mit Aktien, Optionsscheinen, Zertifikaten, Optionen und anderen Finanzprodukten mit grundsätzlichen Risiken verbunden ist und zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen kann. Gewinne der Vergangenheit können zukünftige Ergebnisse nicht garantieren.

Für Investitionen, die aufgrund meiner Aussagen getätigt werden, übernehme ich keinerlei Verantwortung. Jeder Anleger handelt auf eigenes Risiko und sollte sich von einem Bank unabhängigen Experten beraten lassen, inwieweit die vorgestellten Wertpapiere zu seinem persönlichen Risikoprofil passen.

Kleine Meldung, Riesending: Corestate Capital und die Hannover Leasing-Übernahme

Die in Luxemburg beheimatete Corestate Capital Holding SA ist ein Immobilien-Beratungsunternehmen, das seine Kunden europaweit während allen Lebenszyklen einer Immobilie begleitet: von der Akquisition über das aktive Asset Management über Projektentwicklung bis hin zum Verkauf von Gewerbe- und Wohnimmobilien. Dabei ist Corestate Dienstleister und nicht Bestandshalter der Immobilien. Also ein klassischer Asset Manager. Corestate war erst vergangenen Oktober an die Börse gegangen und hat seitdem ein rasantes Tempo vorgelegt, was das Aufbauen neuer Geschäftsfelder und Zukäufe angeht. Und der Kurs hat mit dem Wachstumstempo locker Schritt halten können: vom Emissionskurs bei 17 Euro hat die Aktie um mehr als 150 Prozent zulegen können und wer meiner Erstempfehlung Ende März bei knapp 27 Euro folgte, kann sich auch über ein Kursplus von deutlich mehr als 50 Prozent freuen. Und heute gab es endlich die Nachricht, die so unscheinbar daherkommt, dass man sie fast beiläufig übersehen könnte. Dabei ist sie "der Game-Changer" für Corestate...

Denn heute hat die BaFin der Übernahme der Hannover Leasing grünes Licht gegeben. Im Dezember 2016 hatte Corestate Capital den Kauf von 94,9% der Anteile an der Hannover Leasing GmbH & Co. KG einschließlich der zur Hannover Leasing-Gruppe gehörenden Konzerngesellschaften bekannt gegeben. Der Vollzug der Transaktion stand unter dem Vorbehalt des Abschlusses des Inhaberkontrollverfahrens durch die BaFin, das nunmehr erfolgreich abgeschlossen ist. Die BaFin hat mitgeteilt, dass dem Erwerb keine Untersagungsgründe entgegenstünden, so dass der Vollzug der Transaktion Anfang Juli diesen Jahres erfolgen kann. Verkäufer sind im Wesentlichen die Mehrheitsgesellschafter Landesbank Hessen-Thüringen Girozentrale (Helaba) und die Hessisch-Thüringische Sparkassen-Beteiligungsgesellschaft (HTSB). Die Helaba bleibt als Minderheitsgesellschafter mit 5,1 Prozent an der Hannover Leasing Gruppe beteiligt. So umgeht man die Zahlung der Grunderwerbssteuer.

 Corestate Capital (Quelle: finanzen.net
Die Auswirkungen der HL-Übernahme kann man gar nicht genug betonen, denn zum Jahresende 2016 hatte die Corestate Capital Assets und Management (AuM) von rund 2,5 Mrd. Euro unter Betreuung und durch die Übernahme der HL werden die AuM auf deutlich mehr als 16 Mrd. Euro in die Höhe katapultiert! Das liegt daran dass, besagte Hannover Leasing einmal einer der größten Anbieter geschlossener Immobilienfonds für Privatanleger in Deutschland war, inzwischen legt man allerdings fast ausschließlich Fonds für institutionelle Kunden auf. Mit der Übernahme will Corestate seinen Zugang zu neuen institutionellen Kapitalquellen verbessern, insbesondere erhält Corestate nicht nur besseren Zugang zum Markt für geschlossene Fonds für Groß- und Kleinanleger, sondern auch die Möglichkeit, offene Immobilienspezialfonds nach deutschem Recht aufzulegen (sog. offene Spezial-AIF). Corestate will dem entsprechend auch das Publikumsfondsgeschäft fortführen, denn die HL hat noch immer fast 70.000 Privatanleger als Kunden.

Damit nähert sich Corestate auf einen Schlag der Patrizia Immobilien an, nicht nur was die Geschäftsausrichtung angeht, sondern auch bei der Größe der AuM. Corestate und seine Aktionäre profitieren dabei von den Verwaltungsgebühren, die aus dem Fondsgeschäft stammen und das künftig in ganz neuen Größenordnungen. Und es bieten sich erhebliche Synergien zwischen Corestate und Hannover Leasing. Zumal die HL zuletzt eher lethargisch vor sich hinschlummerte, während Corestate äußerst agil am Markt unterwegs ist und neue Geschäfte anbahnt. Sollte es Corestate gelingen, den schlafenden Riesen HL wachzuküssen, dürften hier enorme Schätze gehoben werden können.

Corestate Capital-CEO Sascha Wilhelm zeigt sich dann auch entsprechend begeistert: "Die Übernahme der Hannover Leasing stellt eine attraktive Kombination aus vertraglich gesicherten, langfristigen Asset-Management Umsätzen und großem Potenzial für Neugeschäft dar. Wir erweitern und diversifizieren das Produktangebot und verbessern unseren Zugang zu neuen Kapitalquellen".

Meine Einschätzung
Corestates Wachstumstempo ist beeindruckend und die Potenziale durch die Übernahme der Hannover Leasing sind enorm. Ab dem zweiten Halbjahr 2017 wird die HL in das Corestate-Zahlenwerk einfließen und spätestens dann werden die Anleger realisieren, was sich hier für eine Perle entwickelt. Aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase sehe ich hier gute Chancen, dass Anleger mittel- und langfristig überdurchschnittliche Renditen einfahren können mit einem Investment in Corestate-Aktien. Auch und trotz eines schon vor allem in Deutschland gut gelaufenen Immobilienmarkts.

Corestate Capital befindet sich in meinem Depot und auf meiner Empfehlungsliste.

Mittwoch, 14. Juni 2017

Villeroy & Boch: Tradition trifft Zukunft. Und den Geist der Zeit...

▸ Kissigs Kolumne vom 22. Mai 2017, Aktien Magazin 14/2017 

Wenn es auf dem deutschen Kurszettel ein Traditionsunternehmen gibt, dann dürfte dies Villeroy & Boch sein. Die Marke ist jedem ein Begriff, nicht nur der Großmutter, die noch der Idee nachhängt, dass gute Geschirrset müsse von Generation zu Generation weitervererbt werden, um dann beim Sonntagskaffee im großen Familienkreis aufgetischt zu werden.

Doch die Zeiten der großen Familien und häufigen Zusammenkünfte sind längst vorbei und auch der Stellenwert der Aussteuer samt Omas hochwertigem Kaffeeservice ist deutlich gesunken. Anhand des Kursverlaufs der Villeroy & Boch-Aktie kann man dies gut ablesen. Denn schaut man weit in die Vergangenheit zurück, dann findet man Anfang der 1990er Jahre Kurse von über 35 Euro. Das ist beinahe doppelt so hoch wie heute und doch liegen die aktuellen 19 Euro, die man für jetzt einen Anteil an der Börse bezahlen muss, um das Fünffache höher, als zum Tiefstkurs während der Finanzkrise, als man eine Aktie für gerade mal 3,10 Euro bekam.

Dieses Auf- und Ab der Kurse spiegelt die Geschichte des Unternehmens gut wider und zeigt, wie schwer es Traditionsunternehmen mitunter haben, sich aus ihren traditionellen Geschäftsfeldern zu lösen und sich neu zu erfinden. Villeroy & Boch ist dies seit seiner Gründung im Jahr 1748 mehrfach gelungen. Obwohl man weiterhin vor allem für das hochwertige Porzellangeschirr bekannt ist, bieten die Saarländer heute ein weitaus breiteres Angebotsspektrum an. So ist man inzwischen zu einem Einrichtungs- und Ausstatterhaus geworden, das Architekten, Planern und Bauherren Einzel- und Komplettangebote bietet zum Thema Inneneinrichtung, Bad und Armaturen, Wohnkultur. Ganz wesentliches Element der Firmenphilosophie ist dabei der Qualitätsanspruch.

Villeroy & Boch beschäftigt weltweit rund 7.000 Mitarbeiter und fertigt an 14 Produktionsstätten in Europa, Mexiko und Thailand komplette Einrichtungen für Bad und Küche mit Komponenten, wie Waschbecken, WCs, Bidets, Urinale, Duschwannen, Armaturen, Dusch- und Badewannen aus hochwertigem Kunststoff, keramische Küchenspülen, Bad- und Küchenmöbel, Bad-Accessoires. Durch eigene Vertriebsgesellschaften und Importeure ist das Unternehmen in 125 Ländern der Erde vertreten und es gelingt dem Unternehmen, seinen guten Namen als Porzellanmanufaktur in die neuen Bereiche zu transferieren und sich hier als hochwertiger Life-Style-Anbieter zu positionieren. Darüber hinaus betreibt Villeroy & Boch inzwischen in 20 Ländern eigene Online-Shops und bietet seine Produkte über 5.250 Verkaufsstellen weltweit an. Mit 29 Prozent Umsatzanteil bleibt dabei Deutschland der wichtigste Markt, gefolgt vom restlichen Westeuropa mit 30 Prozent, Nordeuropa mit weiteren 13 Prozent und Osteuropa mit 10 Prozent. Die Region Asien/Australien/Afrika steuert 12 Prozent bei, und „die Amerikas“ 6 Prozent.

Der Erfolg von Villeroy & Boch liegt in der starken Marke, doch auch eine solche muss gepflegt und weiter entwickelt werden. Dabei ist es dem Unternehmen in den letzten Jahren gelungen, seine Produkte aus unterschiedlichen Bereichen stärker in Richtung Lifestyle zu positionieren und das etwas angestaubte Image moderner und trendiger aufzustellen. Und das ist inzwischen so gut gelungen, dass Villeroy & Boch im letzten Geschäftsjahr mit neuen Problemen zu kämpfen hatte: mit Lieferengpässen.

 Villeroy & Boch (Quelle: finanzen.net
2016 konnte das Unternehmen seinen Umsatz um 2 Prozent steigern, wobei man unter Währungseinflüssen zu leiden hatte. Insbesondere der Mexikanische Peso, der Rubel und das Britische Pfund in Folge des Brexit-Votums haben deutlich an Wert verloren und damit auch den Umsatz negativ belastet. Um die Währungseffekte bereinigt, hätte der Umsatz sogar um weitere 3,3 Prozent höher gelegen. Der inzwischen größte Bereich Bad & Wellness legte insgesamt um 5,5 Prozent zu und hier kann das Unternehmen vor allem mit Badmöbeln punkten. Dagegen durchläuft der Traditionsbereich Tischkultur eine Neustrukturierung und die Entscheidung, sich auf margenstärkere Handelskanäle zu konzentrieren, kostete Umsatzanteile. Ebenso der restriktivere Umgang mit Rabattaktionen, sowie die Übertragung des Zweitmarkengeschäfts in das Lizenzgeschäft.

Auch wenn einige Entscheidungen Umsatz kosten, folgen sie doch einem höheren Zweck. Denn sie steigern die Rentabilität und hieran hatte Villeroy & Boch viele Jahre zu knabbern. Auch deshalb hat man sich schon vor längerer Zeit entschieden, einige traditionelle Produktionsstandorte aufzugeben. Eine positive Randerscheinung dabei ist, dass man nun teilweise in besten Citylagen von Ballungszentren über großflächige Grundstücke verfügt. Und der globale Trend zur Urbanisierung findet nicht nur in Deutschland statt, wo die Immobilienpreise in den Metropolen in die Höhe schießen und Bauland immer mehr zur Mangelware wird. So hat man vor einigen Jahren sein Grundstück in Lübeck verkauft und im schwedischen Gustavsberg ist man inzwischen mitten in der Projektabwicklung. So wurden in den Jahren 2013 bis 2016 Sondererträge von knapp 15 Mio. Euro realisiert. Hier stehen noch restliche Zahlungen aus, doch interessanter ist natürlich der Blick nach vorne. Und der führt uns nach Luxemburg.

Beim dortigen ehemaligen Werksgelände im „Rollingergrund“ wurde im Dezember die erste von zwei Teilflächen an die Stadt Luxemburg verkauft. Ein Großteil des hierfür angefallenen Verkaufserlöses wurde allerdings durch Rückstellungen für Abriss-, Rückbau- und Sanierungsarbeiten, zu denen sich Villeroy & Boch verpflichtet hat, aufgezehrt. Das Risiko ist also in der Bilanz bereits verarbeitet, während die Chancen erst noch kommen. So erhöhen laut Geschäftsbericht die gemeinsam mit der Stadt Luxemburg erzielten Fortschritte bei der Baurechtsschaffung den aktuellen Verkehrswert der zweiten Teilfläche des Entwicklungsgebietes um 12,2 Mio. Euro. Es bleibt abzuwarten, welche Sondererträge Villeroy & Boch am Ende insgesamt aus dem Luxemburger Gelände ziehen kann, allerdings gehen Experten aktuell davon aus, dass nach kompletter Vermarktung bei Villeroy & Boch zwischen 30 und 35 Mio. Euro hängen bleiben werden. Und die dürfte in den kommenden zwei bis drei Jahren erfolgen.

Nun sind diese hohen Sondererträge allerdings nur ein schönes Zubrot, das Hauptaugenmerk sollten Anleger weiterhin auf das Brot-und-Butter-Geschäft richten. So hat sich im Geschäftsjahr 2016 der operative Cashflow auf knapp 78 Mio. Euro mehr als verdoppelt und die Nettoliquidität vervierfachte sich sogar auf 60,7 Mio. Euro. Das ist vor allem auf das Umsatzwachstum zurückzuführen bei einem gleichzeitigen Abbau von Vorräten sowie Forderungen aus Lieferungen und Leistungen. Darüber hinaus hat das Unternehmen vorübergehend seine Investitionen etwas zurückgefahren, wobei im Bereich Tischkultur insbesondere in den Ausbau und die Optimierung des Einzelhandelsnetzes investiert wurde.

Für 2017 erwartet der Vorstand bei einer fortgesetzt mäßigen weltwirtschaftlichen Dynamik einen Anstieg des Konzernumsatzes um 3 bis 5 Prozent sowie eine Steigerung des operativen EBIT um 5 bis 10 Prozent. Das Investitionsvolumen soll auf 35 Mio. Euro anwachsen und ganz überwiegend in den größten Bereich Bad & Wellness fließen. Hier will man die Kapazitäten erweitern, um die im letzten Jahr aufgetretenen Lieferengpässe bei Produktneuheiten zu beheben. Vor allem die neuen spülrandlosen WCs scheinen ein echter Kassenschlager zu sein.

Im Hinblick auf die mit 200 Mio. Euro recht hohen Pensionsverpflichtungen geht das Unternehmen davon aus, hier auf der sicheren Seite zu sein. Man diskontiert aktuell mit 1,25 Prozent und führt den Rückstellungen weniger zu, als man entnehmen muss. Die Pensionsverpflichtungen reduzieren sich also tendenziell. Und sollte das Zinsniveau sich in Zukunft wieder normalisieren, also erhöhen, würde dies sogar ergebniswirksame Reduzierungen der Rückstellungen nach sich ziehen. Also perspektivisch weitere Sondererträge.

Während Villeroy & Boch auch künftig rund die Hälfte des operativen Jahresergebnisses als Dividenden auskehren will, gilt dies nicht für die genannten Sondererträge. Hier gibt es weder Pläne für Extradividenden noch für Aktienrückkäufe. Daher dürften sich Anleger auf absehbare Zeit auf die normale Dividende einstellen, die aktuell immerhin rund 3 Prozent bietet. Also viel mehr als das Sparbuch.

Villeroy & Boch ist ein klassisches Langfristinvestment mit einem gewaltigen Schuss Tradition. Gleichzeitig fährt das Management einen Modernisierungskurs, ohne das Unternehmen, die Mitarbeiter und die Kunden zu überfordern. Und das kommt nicht von ungefähr, denn die Gründerfamilien halten weiter das Heft in der Hand. Sie sind sowohl im Aufsichtsrat als auch im Vorstand aktiv und an der Börse sind nur die stimmrechtslosen Vorzugsaktien notiert. Damit dürfte der Blick weniger auf die 270 Jahre Unternehmensgeschichte gerichtet sein, als vielmehr auf die langfristige Zukunft. Villeroy & Boch ist ein klassisches Buy & Hold-Investment, bei dem sich die Aktien hervorragend zum Vererben eignen. Wie das dazu passende Kaffeeservice der Großmutter.

Villeroy & Boch befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Dienstag, 13. Juni 2017

MBB: Insiderverkäufe ebnen Weg für SDAX-Aufnahme

Bei der mittelständischen Beteiligungsholding MBB SE geht es weiter Schlag auf Schlag. Nach dem erfolgreichen Börsengang der Tochter Aumann vermeldete das Unternehmen nun, dass sich die Gründer und Großaktionäre von einem Aktienpaket getrennt hätten. Was normalerweise für ein Aufhorchen sorgen sollte, hat einen einfachen Hintergrund - und der ist nicht die Absicht, Geld zu erzielen. Denn das hätten die Großaktionäre auch in Form einer üppigeren Dividendenausschüttung erreichen können. Nein, man trennt sich von insgesamt rund 6 Prozent der Aktien und gibt diese an institutionelle Investoren ab, um den Streubesitzanteil zu erhöhen. Gesagt, getan. Die 400.000 Aktien wurden zu 98 Euro außerbörslich platziert und der Freefloat steigt somit auf 35,2 Prozent an und die Großaktionäre halten künftig jeweils 32,4 Prozent bzw. zusammen 64,8% an MBB.

Gewünschter Effekt dieser Maßnahme ist, dass MBB mit dem erhöhten Freefloat näher dran an das erklärte Ziel rückt, in absehbarer Zeit in den SDAX aufgenommen zu werden. Bei den Kriterien kommt es neben der Börsenkapitalisierung und dem Börsenumsatz auch auf einen ausreichenden Streubesitzanteil an.

 MBB SE (Quelle: finanzen.net
Delignit räumt weitere Aufträge ab
Nachdem der Aktienkurs der MBB die letzten Tage stärker konsolidierte, was nach dem rasanten Kursanstieg der letzten Monate von 40 auf knapp 120 Euro auch normal und wünschenswert ist/war, kann MBB nun wieder mit positiven Nachrichten punkten.

Die börsennotierte Tochter Delignit hatte Anfang Juni Folgeaufträge für ihre Bahnsparte verkünden können und gab heute zwei Serienaufträge im Automotivebereich bekannt sowie die Gründung einer US-Dependance in Atlanta, Georgia. Und Delignit war auch Thema beim Interview des MBB-Chefeinkäufers Karalus, das er mit der Euro Am Sonntag führte, und in dem es um die anstehenden Zukäufe geht. MBB will in diesem Jahr noch mindestens eine Übernahme tätigen und geht dabei von einem Eigenkapitaleinsatz von bis zu 40 Mio. Euro aus. Mit dem aktuellen "Dry Podwer" könnte man also bis zu 5 derartige Übernahmen stemmen. Wobei auch vom Volumen her kleinere Add-on-Zukäufe für die Tochtergesellschaften angedacht sind, insbesondere für Delignit und den Cloud- und Datenspezialisten DTS.

Meine Einschätzung
Die mit Abstand größte Tochter, die Aumann AG, wird auch künftig eine gewichtige Rolle spielen. Denn MBB hält 53,6 Prozent der Aktien an der E-Mobilitäts- und Automotive-Company und damit was Unternehmen bilanziell voll konsolidiert in der MBB-Bilanz - und am Ende eine gehörige Portion Minderheitenanteile abgezogen. MBB wird versuchen, mit weiteren lukrativen Zukäufen seine Abhängigkeit von dieser einen Tochter, die für mehr als die Hälfte der MBB-Umsätze und Gewinne steht, zu verringern und das Beteiligungsportfolio wieder breiter auszustellen. Das hierfür nötige Cash ist in großzügigem Maße vorhanden und die ersten Targets hat MBB auch bereits im Auge. Allerdings muss auch der Preis stimmen, ein bei MBB seit jeher ganz entscheidendes Kriterium.

MBB ist die größte Position in meinem Depot und befindet sich seit vielen Jahren auf meiner Empfehlungsliste. Sie ist die mit Abstand erfolgreichste Position und konnte kürzlich als erste den Status "Tenbagger" für sich beanspruchen, nachdem sich der Kurs seit meiner Erstempfehlung mehr als verzehnfacht hatte - inkl. der Bruttodividendenzahlungen.

Was die Bewertung angeht, so dürfte MBB aktuell fair bewertet sein. Denn wenn man die Börsenkapitalisierung der börsennotierten Töchter Aumann und Delignit sowie die Cash-Reserven zusammenrechnet, dann werden die übrigen Tochtergesellschaften fast mit Null bewertet, geht man von der Börsenkapitalisierung von MBB aus. Der größte Hebel bleibt die Kursentwicklung von Aumann; für das künftige unternehmerische Potenzial sind aber die nächsten Zukäufe mindestens ebenso entscheidend. MBB bleibt daher für mich eine aussichtsreiche und langfristig gut positionierte Investition. Sofern keine breite Marktkorrektur einsetzt und/oder Aumann deutlich die - hohen - Erwartungen enttäuschen sollte, dürften Kurse von unter 100 Euro für MBB auf lange Sicht interessante Kaufkurse sein. Anleger sollten allerdings nicht erwarten, dass der Kurs in gleichem Tempo weiter ansteigen wird, wie er es die letzten sechs Monate getan hat...

Aumann, Delignit und MBB befinden sich auf meiner Empfehlungsliste.


_____________________________________
ERGÄNZUNG VOM 14.06.2017, 16:45

▸ Sycomore Asset Management ist neuer Großaktionär bei MBB

Der Großteil des Aktienpakets von 6 Prozent der MBB-Aktien, das die Gründerfamilien an institutionelle Anlegern abgegeben haben, fand seinen Weg in das Depot der französischen Sycomore Asset Management, wie die eben veröffentlichte Stimmrechtsmitteilung besagt. Die Franzosen werden damit zum drittgrößten Aktionär von MBB, noch vor Finanzchef Anton Breitkopf, der ebenfalls 30.000 seiner 76.000 MBB-Aktien veräußert hatte. Seine restlichen 46.000 Aktien entsprechen etwa 0,7 Prozent der MBB-Aktien.

Meine Einschätzung
Nach dieser Meldung muss sich niemand Sorgen machen, dass die MBB-Aktien schnell wieder auf den Markt kommen und den Kurs drücken könnten. Mit der Sycomore Asset Management wurde ein langfristig orientierter Großaktionär gefunden, was dem Unternehmen zusätzliche Stabilität verschafft und des Weiteren aufzeigt, das auch jenseits des Managements und der Gründer noch erhebliches Potenzial in der MBB-Aktie gesehen wird.