Freitag, 16. August 2019

Crash-Szenario "Hindenburg-Omen"? Führ mich zum Schotter!

Es gibt schon skurrile Börsenmuster, die für Kauf- oder Verkaufentscheidungen herhalten müssen. Eines davon ist das sog. "Hindenburg-Omen", das aus fünf teilweise komplizierten charttechnischen Bedingungen besteht. Und an dieser Stelle kann der konsequente Value Investor sich bereits entspannt zurücklehnen, da er ja aufgrund fundamentaler Daten in Unternehmen investiert und nicht wegen zufälliger Kurven(ver)wirrungen des Aktienkurses.

Das Auftreten des Hindenburg-Omens - und es geistert die letzten Tage wieder einmal durch die Medien - soll eine Phase deutlicher Kursabschläge hervorsagen und es hat interessante Treffer zu verzeichnen. So tauchte es vor den Crashs 1987 und 2007/2008 teilweise mehrfach auf und daraus speist sich sein Nimbus. Allerdings ist es keine besonders seltene Erscheinung und wer sich stets auf diesen ominösen Propheten verlassen hat, hat einige langanhaltende Hausse-Phasen verpasst - so im August 2010 oder im Juni 2012. Ärgerlich und teuer, wenn man diese Phasen steigender Kurse nur vom Spielfeldrand aus betrachten konnte...


Tatsächlich weist das Hindenburg-Omen nur eine Trefferquote von 25% auf, es liegt also in Dreiviertel aller Fälle falsch. Roulette hat eine Trefferquote von immerhin annähernd 50%.

»Betrachten Sie die Schwankungen des Aktienmarktes als Ihren Freund und nicht als Ihren Feind. Profitieren Sie von der Torheit Anderer, statt an ihr teilzunehmen.«(Warren Buffett)

Doch was ist, wenn das Hindenburg Omen dieses Mal richtig liegt?

Dann böten sich endlich wieder viele Kaufgelegenheiten bei hervorragenden Unternehmen. Denn wer konsequent unterbewertete Aktien erwirbt, der wird nach einer langen Phase steigender Kurse immer weniger Investitionsmöglichkeiten finden, da tolle Unternehmen (zu) hoch bewertet werden. Dem entsprechend dürften Value Investoren auf einigen Cash-Reserven sitzen und diese Liquidität wartet auf attraktive Investitionsmöglichkeiten. Und wer wenig(er) Reserven hat, braucht auch nicht zu verzagen; ein Blick auf einen langfristigen Chart des S&P 500 oder des Dow Jones-Index zeigt, dass alle Kurseinbrüche nur kurze, wenn auch heftige, Zwischenspiele sind der Aktienbörsen auf einem scheinbar unaufhaltsamen Weg nach oben. Und diese Kursentwicklung ist auch nachvollziehbar, denn die Weltbevölkerung steigt weiter an und immer mehr Menschen leben in Wohlstand. Die Börse reitet diesen Trend...

Einen sehr ausführlichen Artikel von Robert Rethfeld zur Interpretation des Hindeburg-Omens findet sich auf marktEINBLICKE.


1 Kommentar:

  1. Das Hindenburg Signal ist in der Tat ziemlich verstaubt und unglaubwürdig, da es aus meiner Sicht zunehemend eine konträre Anwendung findet. Um einen genauen Markteinblick zu bekommen, muss man eine Etage tiefer gehen und verstehen, wie sich das Verhalten der Anlageklassen abbildet. Ich nenne mal einige der wichtigsten Market-Breadth Indikatoren welche seit vielen Jahren hervorragende Arbeit leisten, um Börsenboden/hoch anzuzeigen:

    - Adv/Dec Volume Ratio
    - Breadth Momentum Oscilliator
    - VGT vs TLT Weekly mit OBOS Zonen
    - Rate of Change of Dec Issue
    - NAAIM Exposure Index
    - Summation Index

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