Freitag, 3. März 2017

Was ist... Value Investing?

Als Urvater des Value Investing gilt Benjamin Graham, ein US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler und legendäre Investor, dessen 1934 erschienenes Buch "Security Analysis" noch heute als die „Bibel des Value Investing" gilt. Es beeinflusste neben Warren Buffett auch weitere Börsenlegenden wie John TempletonPhilip A. Fisher und Peter Lynch.

Value Investing ist eine Anlagestrategie, bei der Kauf- und Verkaufsentscheidungen für Wertpapiere ausschließlich unter Bezug auf deren realwirtschaftlichen Gegenwert, den so genannten inneren Wert, getroffen werden. Dieser wird durch eine sog. Fundamentalanalyse ermittelt. Der innere Wert wird dann mit den aktuellen Börsenkursen verglichen und so gezielt zeitweilige Ineffizienzen der Finanzmärkte bei der Preisbildung ausgenutzt: liegt der Aktienkurs unterhalb des inneren Werts, wird die Aktie gekauft und gegebenenfalls bei Aktienkursen deutlich oberhalb des inneren Werts wieder verkauft.

Das erklärte Ziel der Strategie liegt einerseits in der Vermeidung von Verlusten und unangemessen niedriger Renditen auf das eingesetzte Kapital. Als gewollter Nebeneffekt stellen sich dabei in der Regel für die jeweilige Anlageklasse überdurchschnittlich hohe Erträge in Form von Kursgewinnen ein.

»Wenn die Verluste minimiert werden, erzeugen durchschnittliche Gewinne überdurchschnittliche Ergebnisse.« (Benjamin Graham)

Auf der anderen Seite geht es beim Value Investing konkret um die Suche nach unterbewerteten Unternehmen, also Aktien, die unterhalb ihres fairen Werts notieren. Als Maßgabe für den inneren Wert eines Wertpapiers können dabei der Substanz- oder Liquidationswert, der Ertragswert oder das realwirtschaftliche Wachstum dienen. Weil jedoch die Ermittlung des inneren Werts gewissen Schwierigkeiten unterliegt und meist nur eine ungefähre Schätzung erlaubt, operieren Value Investoren mit einer sog. Sicherheitsmarge ("Margin of Safety"), also einem ausreichenden Abstand zwischen dem Preis und dem geschätzten inneren Wert des Wertpapiers. Sie wird zumeist zwischen 30 und 50% angesetzt. Denn je tiefer der Kaufpreis zum inneren Wert, desto geringer ist das Risiko mit der Anlage Geld zu verlieren. Die Sicherheitsmarge ist das zentrale Anlagekonzept beim Value Investing.

»Value Investing ist eine Philosophie; keine bloße Ansammlung von Anlageinstrumenten, sondern eine Frage der Einstellung, eine intellektuelle Grundlage.«
(Lawrence A. Cunningham)

Die Bewertung einer Aktie lässt sich aber eben nicht ausschließlich an einer Reihe von Kennzahlen festmachen, wie Warren Buffett 1992 in seinem Jahresbrief an die Aktionäre von Berkshire Hathaway erläuterte:

»Wir denken, dass es sich bei dem Begriff „Value Investing“ um ein Synonym handelt. Was ist „Investieren“, wenn es nicht die Suche nach einem Wert ist, der zumindest ausreicht, um den Kaufpreis zu rechtfertigen? Für eine Aktie wissentlich mehr als ihren kalkulierten Wert auszugeben, in der Hoffnung, dass diese bald für einen noch höheren Preis verkauft werden kann, sollte Spekulation genannt werden (die weder illegal, unmoralisch oder - aus unserer Sicht - finanziell nahrhaft ist).

Ob angemessen oder nicht, der Begriff „Value Investing“ wird weitläufig verwendet. Üblicherweise bedeutet er den Kauf von Aktien mit Eigenschaften wie einem niedrigen Kurs-Buchwert-Verhältnis, einem niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnis oder einer hohen Dividendenrendite. Unglücklicherweise sind solche Merkmale, selbst in Kombination, nicht im entferntesten dafür entscheidend, ob ein Anleger wirklich etwas kauft, das seinen Preis wert ist, und somit wahrhaft nach den Grundsätzen des Value Investing handelt.

Entsprechend stehen die entgegengesetzten Merkmale wie etwa ein hohes Kurs-Buchwert-Verhältnis, ein hohes Kurs-Gewinn-Verhältnis oder eine niedrige Dividendenrendite nicht im Widerspruch zu einem wert-orientierten Kauf.«

Daher legt Buffett großen Wert auf der Stellung eines Unternehmens im Markt, also auf ein herausragendes Geschäftsmodell und möglichst hohe Wettbewerbsvorteile, den sog. ökonomischen Burggraben oder economic Moat. Und wenn das richtige Unternehmen zu einem attraktiven Preis gefunden ist, dann braucht der erfolgreiche Anleger nur noch eines: Geduld. Und Geduld bezeichnete Benjamin Graham einst als die oberste Tugend des Investors.

»Jedes intelligente Investieren ist das Investieren in Werte - mehr bekommen als das, wofür Du bezahlst. Investieren ist, wenn Du wenige großartige Unternehmen findest und dann auf Deinem Hintern sitzt.«
(Charlie Munger)

1 Kommentar:

  1. Hallo Herr Kissing,
    schön zu sehen, dass das Thema Value Investing immer mehr in den Fokus vieler Anleger und Investoren rückt. Sicherlich auch das Verdient von Beiträgen wie dem obigen. Gerade jetzt wenn die Börse wieder mehr und mehr das Interesse vieler Menschen weckt und die Kurse stark ansteigen wird es wichtig mit den richtigen Methoden "echte Werte" zu identifizieren. Vielleicht interessieren Sie in diesem Zusammenhang auch unsere fundamentalen Analysen auf www.finanzoo.de
    Viele Grüße aus Nürnberg,
    Stefan Schöffel

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