Montag, 29. Juni 2015

Investor-Update: GEA, Jungheinrich, MAX Automation, KKR

Im Investor-Update notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

Zum heutigen Ausverkauf an den Börsen und einem DAX-Verlust von 3,6% verweise ich auf die Börsenweisheit dieser Woche von Martin D. Sass: "Der Aktienmarkt ist der einzige Markt, vor dem die Leute weglaufen, wenn dort ein Ausverkauf stattfindet".

+ Blackstone Group
Der Euro-Anstieg bot die Gelegenheit, zu 36 EUR noch ein paar weitere Stücke günstig einsammeln zu können.

+ Deutsche Rohstoff
Den Kursrückgang bei der Deutschen Rohstoff AG auf unter 17 EUR habe ich heute morgen im frühen Handel zu einem weiteren Nachkauf genutzt. Die DRAG ist nun die drittgrößte Position in meinem Portfolio nach Blackstone und Aurelius.

+ GEA Group
GEA ist ein deutscher Spezial-Maschinenbauer mit Schwerpunkt in der Nahrungsmittelindustrie. Hier bestehen sehr hohe Eintrittsbarrieren für potenzielle Wettbewerber und GEA ist hervorragend im globalen Markt positioniert, glänzt auch mit der einen oder anderen Übernahme. Einzig der hohe Aktienkurs hat mich bisher von einem Engagement abgehalten, aber der Kurs war die letzten Wochen schon etwas zurückgekommen und heute morgen gab es einen weiteren Abschlag von mehr als 8 Prozent. Bei knapp 38 EUR habe ich mich dann bei dem MDAX-Wert nicht mehr bremsen können und eine erste Position aufgebaut.

+ Jungheinrich Vz.
Unglaublich, ich hätte nicht gedacht, dass ich Aktien von Jungheinrich noch einmal deutlich unter 60 EUR sehen würde. Bei knapp über 58 EUR habe ich heute morgen weitere Stücke eingesammelt.

- KKR & Co. L.P.
Nach dem letzten Investor-Update vom 20.06. bin ich von Alex auf einen sehr interessanten Artikel aufmerksam gemacht worden, bei dem Apollo, Blackstone und KKR miteinander verglichen werden. Zwar geht es vordergründig um die Karrierechancen und die Aussicht auf erfolgsabhängige Gehaltsbestandteile, aber die Darstellung fußt auf den Geschäften, die die drei Private Equity Firmen seit der Finanzkrise getätigt haben - und welche stillen Reserven in ihren Beständen schlummern. Diese sind die zu erwartenden Gewinne, die in den nächsten 5 Jahren an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Und Blackstone liegt mit großem Abstand weit vorne in diesem Vergleich. Ich habe daher KKR weiter reduziert und setze aufgrund des größeren Potenzials künftig stärker auf Blackstone.

+ MAX Automation
Eine mittelständische Industrieholding mit dem Schwerpunkt auf Automation und Fertigungsprozessen. Die Beteiligungsfirma gehört inzwischen zur Günther-Gruppe, einer der reichsten Familien Deutschlands, und positioniert sich neu. Beteiligungen, die nicht zum Kerngeschäft gehören, werden verkauft, neue Beteiligungen werden erworben. Die Zahlen für das erste Quartal 2014 waren aussichtsreich, der Auftragsbestand erreichte neue Rekorde und jüngst wurde eine Neustrukturierung der Fremdfinanzierung bekannt gegeben, die für die nächsten 5 Jahre positive Auswirkungen auf die Ergebnislage des Konzerns von jeweils rund 1 Mio. EUR haben wird. Zum Vergleich: der Jahresüberschuss 2014 lag bei 10 Mio. EUR. Das einstellige KGV für 2016 und die Dividendenrendite von über 3% sehen sehr verlockend aus. Die Dividenden wird übrigens am Mittwoch ausgeschüttet, am Tag nach der Hauptversammlung am 30. Juni. Alles zusammen verlockend genug für mich, um das Kursmassaker heute morgen für eine erste Position zu nutzen.

- / + WCM
Ich habe meinen Bestand an WCM letzte Woche mit erheblichem Gewinn veräußert und werde die Kapitalerhöhung über meine Bezugsrechte voll mitgehen. Ich habe sogar noch Bezugsrechte über die Börse hinzugekauft, weil ich glaube, dass WCM aufgrund der Fokussierung auf Gewerbeimmobilien und der enormen Verlustvorträge die wohl aussichtsreichste Spekulation am deutschen Immobilienmarkt ist. Sobald die Kapitalerhöhung abgeschlossen ist, wird sich der Fokus schnell auf die nackten Zahlen der vielen Neukäufe an Gewerbeimmobilien richten und das Potenzial der Gesellschaft deutlicher werden. Inzwischen wird ja bereits über eine mögliche Aufnahme in den SDAX spekuliert. Ich halte das nicht für abwegig, die Entwicklung gibt das her. Einzig die atemberaubende Geschwindigkeit, mit der WCM seinen Turnaround vorantreibt, lässt einen manchmal nach Luft schnappen.

.: Cashquote weiter angestiegen - aufgrund des WCM-Sondereffekts
Der von mir zuletzt erwartete Abverkauf an den Börsen findet heute statt und ich habe meine erhöhte Liquidität gezielt zu Käufen genutzt. Dennoch ist meine Cashquote unter dem Strich etwas angestiegen, da ich ja KKR und WCM verkauft habe. Allerdings muss ich ja die Kapitalerhöhung berücksichtigen, was zu einem erheblichen Mittelabfluss führen wird. "Frei" ist also meine erhöhte Cashquote wegen der WCM-Bezugsrechte nur bedingt und unter dem Strich habe ich so gesehen inzwischen weniger Cash zur Verfügung als letzte Woche. Dennoch halte ich weiter Pulver trocken, denn es ist nicht gesagt, dass der heutige Absturz sich nicht die nächsten Tage wiederholen könnte. Denn bzgl. Griechenland und Euro ist noch immer keine finale Entscheidung gefallen, das Gezerre und Gewürge wird weitergehen und die Unsicherheit an den Märkten bestehen bleiben. Und hervorragende langfristige Einstiegschancen bieten in Top-Unternehmen.

Da Famila vorhin meine Euros klaglos gegen Waren eingetauscht hat, macht mir Griechenland  nicht wirklich Sorgen. Denn ob die Griechen künftig weiterhin in Euro zahlen können, betrifft mich in Deutschland allenfalls am Rande...

Kommentare:

  1. Freut mich, dass ich "Einfluss" auf dich hatte nach dem ich in letzter Zeit so viel von deinen Ideen gelernt hab und viel Spaß beim lesen deiner Artikel hatte. Finde dein Handeln logisch und nachvollziehbar - jetzt muss BX nur noch besser laufen als KKR ;)

    Wow, mit M.A.X und GEA gleich mal zwei neue Ideen in einem Post raushauen. Da werd ich mir gleich mal die letzten GB raussuchen müssen.

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    1. Auch ich lerne und Wissen hat noch niemandem geschadet, Alex. M.A.X. habe ich in Kommentaren - hier im Blog schon einmal erwähnt, GEA hingegen nicht. Der Kurs war seit Jahren so weit weg von dem, was ich mir als Einstiegskurs vorstellen konnte, dass ich nie zugeschlagen habe. Und trotzdem stieg der Kurs immer weiter, wie auch bei Wirecard. Tolles Unternehmen, tolle Story, tolles Wachstum - zu teuer. Aber zumindest bei GEA gab es jetzt diesen heftigen Kursrückgang und das habe ich ausgenutzt.

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    2. Martin Kellermann25. Oktober 2016 um 12:33

      Lieber Herr Kissig,
      wie bewerten Sie eigentlich den jüngsten Kurssturz bei GEA Group? Sie hatten die Aktie ja zwischenzeitlich mal auf Ihrer Empfehlungsliste, auch damals waren Sie nach einem Rücksetzer eingestiegen.
      Auch ich beobachte die Aktie immer mal wieder, aber meistens ist sie mir zu teuer. Und jetzt wirft mir einerseits die Tatsache, dass kurz nach einem Investorentag solch schlechte Nachrichten veröffentlicht werden, einen Schatten auf die Arbeit des Managements. Andererseits ist das Geschäftsmodell großartig, wie ich aus dem Bekanntenkreis weiß, und die bisherige Performance überzeugend.
      Herzliche Grüße,
      MK

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    3. Ich bin etwas schaumgebremst, eben weil das Management durch sein Verhalten viel Vertrauen verspielt hat. Und dann ist dies nicht die erste Umsatz- und Gewinnwarnung von GEA in den letzten Jahren, das untergräbt ebenfalls das Vertrauen in das Management. Darüber hinaus ist die starke Ausrichtung auf den Bereich Milch/Molkerei schon ein Problem, wenn so viele Milchbauern aufgrund der Dumpingpreise vor dem Ruin stehen. Und die EU-Sanktionen gegen Russland bzw. die Retourkutsche der Russen gegen deutsche Landwirtschaftsprodukte sind ebenfalls nicht hilfreich. Und auf Sicht werden die nicht aufgehoben werden. Daher weist GEA für mich momentan trotz des Kursrutsches kein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis auf.

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    4. Martin Kellermann26. Oktober 2016 um 09:46

      Vielen Dank für Ihre Einschätzung! Insbesondere die Auswirkungen des Russland-Geschäfts hatte ich noch gar nicht hinreichend bedacht, und die Entwicklung der Beziehungen zu Russland zu prognostizieren, wage ich momentan nicht...
      Eine interessante Einschätzung zu GEA fand sich übrigens vor einigen Tagen in "Finanz und Wirtschaft", wohl nicht zufällig in der Rubrik "Hot Corner": http://www.fuw.ch/article/hot-corner-jedes-zweite-bier-dank-gea/

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  2. Sehr interessanter Artikel werde mich mal auf die Tipps stürzen. Gucken ob man da noch gut Einsteigen kann.
    Vielen Dank.

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    1. Danke für das Lob. Vielleicht konnte ich Dir ja eine interessante Anregung geben...

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  3. Ist das ein Schwenk in Richtung Maschinenbau/Industrie, oder reiner Zufall dass die (Gea, MAX, Jungheinrich) jetzt gerade alle zusammen reinkommen?

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    1. Der Deutsche Mittelstand und insbesondere der Maschinenbau ist immer für Investments gut. Jeednfalls wenn der Preis stimmt. Ich habe Jungheinrich ja schon länger auf der Empfehlungsliste und auch bei die MBB SE hat ja Töchter in diesem Bereich. M.A.X. Automation scheint gerade die Kurve zu kriegen hin zu moderatem Wachstum bei verbesserten Margen - gefällt mir gut und wird vom Markt noch nicht richtig wahrgenommen. Liegt wohl an der eher enttäuschenden (unternehmerischen) Performance der vergangenen Jahre. Aber mit neuem Großaktionär, neuem Vorstand und neuer Strategie wird das Unternehmen zunehmend attraktiv. Und GEA... tja, toller Burggraben im Nahrungsmittelbereich und immer schon einen Blick wert. Eben "nur" zu teuer bisher. Und wie sagte Roland Könen? "Ein gutes Unternehmen, zu teuer bezahlt, ist ein schlechtes Investment".

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