Montag, 31. Juli 2017

Weshalb Warren Buffett nicht in Bitcoins, 3D-Druck oder Biotech investiert

Warren Buffett ist der weltweit bekannteste und erfolgreichste Value Investor und er investiert anhand bestimmter Kriterien in Aktien. Anfangs waren diese vor allem durch die Lehren seines Mentors und Lehrers Benjamin Graham geprägt und stützen sich vor allem auf Kennzahlen und starke Unterbewertungen. Charlie Munger inspirierte ihn, sich stärker an Markt- und Preissetzungsmacht, Wettbewerbsvorteilen, hohen Eigenkapitalrenditen und steigenden Cashflows zu orientieren und so hat sich Warren Buffett vom Value Investor zum Quality Investor weiterentwickelt.

Diese Kriterien sind nicht auf bestimmte Branchen beschränkt sondern finden sich übergreifend bei vielen Unternehmen bzw. ihren Aktien. Und doch setzt Buffett bekanntlich auf eher langweilige Branchen und ist nicht auf der Suche nach den "Investmentstorys von morgen". Dabei ist abzusehen, dass die Biotech-Branche die Welt verändern wird, ebenso der 3D-Druck. So wie vormals die Autoindustrie oder die Eisenbahn. Weshalb also Buffetts Zurückhaltung?

Im Prinzip ist es ganz simpel: denn Buffett interessiert sich nicht dafür, ob eine Branche oder ein Unternehmen etwas Revolutionäres erfindet, ob es die Welt verändert oder fast aus den Angeln hebt. Er versucht nicht, heute schon in das Iphone von morgen zu investieren, oder in das nächste Blockbuster-Medikament. Das überlässt er anderen. Denn die meisten dieser Pioniere scheitern und gehen Pleite. Zurück bleiben einige wenige Anbieter, die sich durchgesetzt haben.


Schaut man sich an, wie viele Eisenbahnunternehmen es heute noch in den USA gibt, kann man diese fast an einer Hand abzählen. Und Autohersteller sind es gerade mal noch drei - in der Anfangszeit des Automobils gab es hunderte Hersteller alleine in den USA. Sicher, wenn es einem gelingt, genau die eine Aktie zu finden, die am Ende das Rennen macht, dann ist man fein raus. Und reich. Aber blickt man zurück auf die Internetblase und all die gescheiterten Geschäftsmodelle von Web-Unternehmen, dann muss man erkennen, dass vor 15 Jahren  nicht absehbar war, dass Amazon oder Ebay oder Cisco sich durchsetzen und nicht eine der vielen anderen Startups aus dem Silicon Valley. Die meisten endeten im Totalverlust für ihre Anleger. Nur wenige werden zu einer Apple oder eine Google.

»Der Schlüssel zum erfolgreichen Investieren liegt nicht in der Frage, wie sehr eine Industrie die Gesellschaft beeinflusst oder ob sie wachsen wird, sondern darin, herauszufinden ob ein bestimmtes Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil hat, und wenn ja, wie lange dieser anhalten wird.«
(Warren Buffett)

Für Buffet sind diese "Chancen" keinen zweiten Blick wert, wenn überhaupt einen ersten. Was nicht heißt, das man damit kein Geld verdienen kann. Aber Buffett hält sich strikt an seinen Kompetenzkreis ("Circle of Competence") und er versteht sich als Investor, nicht als Spieler. Für ihn werden die Unternehmen erst dann interessant, wenn sie "gesetzt" sind, wenn sie Geld verdienen, ein nachvollziehbares Geschäftsmodell und solide Bilanzen vorzuweisen haben. Für Buffett ist alleine entscheidend, dass die Unternehmen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten absehbar steigende Renditen und Gewinne abwerfen. Dann, und nur dann, sind sie reif für Buffetts Investmentuniversum namens Berkshire Hathaway. Und durch das strikte befolgen seiner eigenen goldenden Regeln des Value Investings wurde Warren Buffett zum drittreichsten Menschen der Welt.

Berkshire Hathaway befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Kommentare:

  1. Hallo Michael,

    Bitcoins bilden ein dezentrales Währungssystem ab. Im Unterschied zum herkömmlichen Währungssystem wird die Inflation quasi unmöglich gemacht, da das Mining von Bitcoins mit Zunahme der Netzwerkknoten durch einen Algorithmus ("Proof of Concept") erschwert wird. Zudem ist die Anzahl der Bitcoins auf max. 21 Millionen beschränkt. Daneben steht eine große Community hinter dem Bitcoin-Konzept. Da es nur eine Frage der Zeit ist, bis es zum nächsten Crash auf den Finanzmärkten kommt (Stichwort "Nullzins-Politik" der EZB, etc.), wird die Investition in Bitcoins und einige andere Kryptowährungen (z.B. Ethereum) aus oben erwähnten Gründen für jeden Langzeit-Investor interessant.

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    1. Einfach mal unter greater fool theorie googeln! Kann mir einer den inneren Wert eines bitcoins verständlich erklären? Im Laufe der Geschichte gab es so viele Spekulationsobjekte. Ich sehe ehrlich gesagt keinen unterschied zwischen seltenen Muscheln, Tulpenzwiebeln oder irgendwelchen Bitcoins. Die Leute kaufen, weil das Spekulationsobjekt in der Vergangenheit im Preis drastisch gestiegen ist und hoffen in naher Zukunft dieses Spekulationsobjekt an einen anderen Idioten, der bereit ist dafür mehr zu bezahlen, zu verkaufen. Was passiert aber wenn jeder Idiot sich schon zu hochen Preisen eingedeckt hat?

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  2. Etwa 50% der Krypto-Marktkapitalisierung entfällt auf Bitcoin. Wenn Bitcoin crasht, zieht es alle anderen Krypto-Währungen mit nach unten. Dann gibt es durchaus eine schöne Möglichkeit bei anderen Kryptowährungen einzusteigen, allerdings nicht heute und nicht zu diesen Preisen. Blockchain ist auf jeden Fall zukunftsweisend, aber ich glaube das andere, ausgereifte Ansätze wie beispielsweise Ethereum erfolgreicher sein werden. Bitcoin ist einfach nur ein unhandlicher, unschöner Maschinen-Code- also eine Aneinanderreihung von Buchstaben und Zahlen. Ethereum und andere hingegen sind leicht zu lesen, wie eine Sprache. Daher beschäftigen sich auch mehr Entwickler damit. Folglich heißt dies, dass für genau solche Krypto-Währungen um ein Vielfaches mehr an Apps/Applications geschaffen werden. Heute ist der Tag gekommen - ich bin gespannt ob Bitcoin in zwei separate Währungen aufgegliedert wird oder nicht. Ich kann es mir aber beim besten Willen nicht wirklich vorstellen. Wir werden sehen.

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    1. Und jetzt ist es doch passiert! Bitcoin wird in zwei verschiedene Währungen aufgesplittet. Mal schauen was kurzfristig passiert. Zurzeit wird der "Fork" aktiviert und man sollte nicht traden, wenn man sein Geld nicht verlieren will. Sobald das Traden wieder ohne einen potentiellen Verlust möglich ist, bin ich bespannt was mit dem Kurs passiert.

      @Michael: Natürlich ist es reine Spekulation und viele Charakteristika erinnern mich an Angel/Early Seed-Investments. Man kann nur einen Best Guess anstellen auf Grundlage der Informationen die einem bereits vorliegen. Es gibt 4-5 potentielle Kandidaten mit hoher Erfolgswahrscheinlichkeit. Zu gegebener Zeit werde ich eine kleine Summe auf diese Player verteilen. Jeder verfolgt seinen Stil. Ich bin gerne bereit ein paar Euro in meinen "Speculation Basket" zu packen und zu sehen was passiert.

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  3. Moin ihr beiden,

    Ihr zeigt hier (ungewollt) auf, was ich mit meinem Artikel beschreibe: unbestritten werden Blockchains und Kryptowährungen unsere Zukunft massiv beeinflussen. Doch muss man heute darauf setzen? Ist das ein Investment oder eher Spekulation oder gar nur Zockerei? Warren Buffetts Ansicht hierzu ist klar: »Der Schlüssel zum erfolgreichen Investieren liegt nicht in der Frage, wie sehr eine Industrie die Gesellschaft beeinflusst oder ob sie wachsen wird, sondern darin, herauszufinden ob ein bestimmtes Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil hat, und wenn ja, wie lange dieser anhalten wird«. Und welches Unternehmen/Konsortium nun bei der Blockchain die Nase vorn haben wird und welche Kryptowährung Bestand haben und sich durchsetzen wird, ist heute noch nicht einmal für Nerds und Profis absehbar. Also schon gar nicht für Laien und Kleinanleger...

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  4. @Moritz Was ist der innere Wert von Bargeld (Euro, Dollar, etc.)? Früher war das Bargeld durch staatliche Goldreserven gesichert, heutzutage wird bei Bedarf einfach neues Geld in Umlauf gebracht. Wenn du einen Kredit beantragst, dann musst du erst einmal haufenweise Papiere bei der Bank deines Vertrauens abgeben um deine Bonität nachzuweisen. Wenn alles durch ist, wird einfach neues Geld gedruckt und auf dein Konto überwiesen, und darauf musst du dann brav Zinsen zahlen. Der innere Wert von Bitcoins besteht in einer breiten Community, welche das traditionelle, zentralisierte Finanzsystem ablehnt. Natürlich tummeln sich da aktuell viele Spekulanten herum, welche den Preis von Bitcoins und anderen Kryptowährungen künstlich nach oben befördern. Es braucht einfach eine gewisse Zeit bis sich so eine disruptive Technologie wie Blockchain langrfristig durchsetzt. Bis dahin haben Investitionen in Bitcoins einen rein spekulativen Charakter. Hier hat Michael den Nagel auf den Kopf getroffen. Ein Vergleich zu Tulpenzwiebeln/Muscheln wäre hier jedoch nicht angebracht, es sei denn eine große Community einigt sich darauf mit Tulpenzwiebeln/seltenen Muscheln zu bezahlen.

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