Dienstag, 7. April 2020

Was ist... ein Short-Squeeze?

Ein Short-Squeeze ist eine besondere Form einer Käuferpanik an der Börse, die zu stark steigenden Kursen eines Wertpapiers führt. Dabei geht sie eigentlich auf die Annahme sinkender Aktienkurse zurück. Insbesondere in den USA ist es üblich, dass Langfristinvestoren ihre Aktien auf Zeit verleihen und dafür eine Gebühr einstreichen. Sie haben dann während der Laufzeit dieser Leihe keine Gelegenheit, die Aktien zu verkaufen. Der Ausleihende hingegen hat die Absicht, diese geliehenen Aktien sofort an der Börse zu verkaufen. Er muss sie jedoch spätestens zum Ende der Leihe wieder zurückkaufen, um sie dem Verleiher zurückgeben zu können. Und genau das ist der Haken an der Sache...


Short-Selling

Dieses Procedere macht daher nur dann Sinn, wenn der Ausleihende sich ziemlich sicher ist, dass die Aktien stark fallen werden. Denn dann verkauft er heute noch zu relativ hohen Kursen in der Annahme, sie zu einem späteren Zeitpunkt deutlich niedriger zurückkaufen zu können (sog. Short-Selling bzw. Leerverkaufen). Die Differenz ist sein Gewinn - abzüglich des Entgelt, das er für die Aktienleihe bezahlen musste.

Je näher das Ende Leihfrist rückt, desto risikoreicher wird es für den Short-Seller. Denn sollte der Aktienkurs zwischenzeitlich wider Erwarten steigen, würde sein potenzieller Gewinn dahinschmelzen und ggf. sogar in einen Verlust umschlagen. Und genau dies kann zu einem Short-Squeeze führen, einer Kaufpanik der Short-Seller. Wenn nämlich (zu) viele auf sinkende Kurse setzen, der Kurs jedoch stark ansteigt, wollen müssen sich immer mehr Leerverkäufer noch schnell mit den Aktien eindecken, bevor der Kurs noch weiter ansteigt und sie in Bedrängnis bringt. Doch genau diese zusätzliche Nachfrage bei einem ohnehin schon ansteigenden Aktienkurs führt zu einem weiteren Anheizen der Kaufseite und somit zu noch stärker steigenden Aktienkursen. Für den Leerverkäufer entsteht so ein Teufelskreis, eine Kaufpanik, ein Melt-up. Für alle anderen Aktionäre ist es eine willkommene Kurssteigerung und für manchen auch eine emotionale Genugtuung, wenn "sein" Aktienkurs zuvor unter den Attacken der Short-Seller gelitten hatte...

Kommentare:

  1. Dafür war die VW Aktie in der Vergangenheit mal ein hervorragendes Beispiel! #Merckle

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  2. Erleben wir das gerade? Kenne mich mit diesen Szenarien nur sehr wenig aus, bin normaler Aktienkäufer;) Aber es steigt alles stark an, dabei könnte es ja gut sein, dass eigentlich noch viele auf fallende Kurse gesetzt haben oder?

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    1. Ich denke, die starken beiden Erholungswellen in den letzten Wochen waren jeweils Short-Squeezes. Nicht nur, weil viele auf weiter fallende Kurse gesetzt hatten, sondern es gab und gibt eben auch viele, die auf hohen Cashbeständen sitzen in der Hoffnung, noch tiefer wieder einsteigen zu können. Und die stark steigenden Kurse erhöhten den Druck gewaltig, wieder in den markt einzusteigen. FOMO, Fear of missing out, die Angst, etwas zu verpassen.

      Wie sich die Kurse weiter entwickeln, weiß niemand. Die Wirtschaft wird sich jedenfalls nicht so schnell erholen, eher erstmal langsam, sobald sie den Absturz hinter sich und einen Boden gefunden hat. Die Kurse hingegen... das hängt auch davon ab, wie viel wirklich schon durch den Absturz eingepreist war/ist. Denn die negativen Nachrichten kommen jetzt ja erst. Aber ob die wirklich noch schocken? Man fürchtet ja vor allem, was man nicht versteht. Und wenn die Corona-Zahlen jetzt zurückgehen und wir langsam wieder zur Normalität zurückkehren, während wir die schlimmen, aber erwarteten, Nachrichten aus der Wirtschaft präsentiert bekommen, könnte dies als "wissen wir ja" hingenommen werden, weil man das Gefühl hat, die Lage zu überblicken und auch, was weshalb geschieht. Das wiederum wäre kein Nährboden für Panik (mehr). We will se...

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    2. Danke für die Antwort!

      Ja das ist jetzt die spannende Frage, wie sich der Markt entwickelt. Irgendwie habe ich auch das Gefühl, dass schon so viele negative Meldungen auf dem Tisch liegen und nicht mehr zu neuen Schocks führen dürften. Andererseits war es oft so, dass Tiefs durchaus noch mal getestet werden. Davon gehen auch viele Chartanalytiker aus. Und soweit ich das überblicke, war es ja auch in der Finanzkrise so, dass durch Pleiten, Insolvenzen durchaus auch noch Monate später noch neue Schocks und Tiefs entstehen können. Wissen wir alles nicht, spannend auf jeden Fall. Erste Käufe hatte ich zumindest Nahe der Tiefs gemacht.

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    3. Ein guter Artikel dazu beim Templeton finde ich: https://www.franklintempleton.de/institutionelle/article?contentPath=html/ftthinks/common-de/blogs/us-aktien-unsicherheit-auf-lange-sicht.html

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