Mittwoch, 12. April 2017

KAP Beteiligungs-AG: Carlyles Trüffelschwein für den Deutschen Mittelstand

Die KAP Beteiligungs-AG ist ein relativ unbeachtetes deutsches Beteiligungsunternehmen, das aber in nächster Zeit aus seinem Dornröschenschlaf erwachen könnte. KAP hat jahrelang in nicht immer  gut laufende Mittelständler investiert und ab und zu schöne Verkaufserfolge erzielen können. Was zu üppigen Dividendenausschüttungen führte, allerdings nicht in  jedem Jahr. Dann erfolgte der Strategieschwenk und die vorhandenen Mittel wurden in Aktien großer, börsennotierte Unternehmen angelegt. Was KAP für mich (noch) uninteressanter machte. Doch der Wind hat sich gedreht, denn ein neuer Großinvestor ist an Bord und mit ihm wird eine neue Strategie verfolgt. Und hier wird es dann auch interessant...

Der neue große Anteilseigner ist niemand geringeres als der international tätige Finanzinvestor Carlyle Group. Der hat sich in großem Stil eingekauft und den KAP-Aktionären ein Übernahmeangebot unterbreitet. Doch man bot nur den Mindestpreis von 20,92 Euro und der lag sogar noch unterhalb des Buchwerts von gut 22 Euro. Dem entsprechend gering war die Carlyle angediente Stückzahl, insgesamt nämlich nur 20.718 KAP-Aktien bzw. ein Anteil von 0,3128%. Dennoch kommt Carlyle nun in Summe auf 3.531.718 KAP-Aktien und das entspricht somit rund 53,3134% des Grundkapitals und der Stimmrechte der KAP.

Carlyle kann bei KAP nun also durchregieren und seine Ziele umsetzen. Und über die neuen Ziele hat KAP inzwischen auch seine Aktionäre informiert und zwar in der Unternehmensmeldung vom 17. Februar, in der es nicht nur um das erfreuliche Jahresergebnis für 2016 ging:

"Nach vorläufigen Berechnungen erzielte die mittelständische Beteiligungsgesellschaft aus Fulda im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Konzernumsatz von 385,8 Mio. EUR (2015: 374,5 Mio. EUR). Das ist ein Zuwachs von rund 3% im Vergleich zum Vorjahr. Fast alle Firmen im Beteiligungsportfolio haben ihren Teil zu dem Wachstum beigetragen. 
Das Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) beläuft sich nach vorläufigen Zahlen auf 18,0 Mio. EUR (2015: 12,0 Mio. EUR) und lag damit um 50 % über Vorjahr. Darin enthalten sind Sondererträge von 4,1 Mio. EUR bei der Tochtergesellschaft it-novum sowie aus dem Verkauf von Grundstücken von insgesamt 1,0 Mio. EUR (2015: 3,2 Mio. EUR). Das um die Sondererträge bereinigte Ergebnis hat sich somit um 46 % von 8,8 Mio. EUR auf 12,9 Mio. EUR erhöht. 
Die gute Entwicklung des Geschäftsjahres ist auch auf den erfreulichen Verlauf des 4. Quartals zurückzuführen. Sowohl die Geschäfte im Segment engineered products als auch bei den Präzisionsteilen für die Automobilzuliefererindustrie (Segment automotive components) haben gut performt. Fast alle Beteiligungsunternehmen verzeichneten eine höhere Kundennachfrage als im Vorjahresquartal. Insgesamt kann von einem überdurchschnittlichen Schlussquartal gesprochen werden. 
Im Segment engineered products wurde mit einem Anstieg der Erlöse um 6,2 % auf 282,3 Mio. EUR (2015: 265,8 Mio. EUR) weiter Fahrt aufgenommen. Das Segmentergebnis konnte auch aufgrund des Sonderertrages bei it-novum auf 16,6 Mio. EUR (2015: 8,0 Mio. EUR) mehr als verdoppelt werden. Zur Verbesserung des Segmentergebnisses haben vor allem die Unternehmen Mehler Engineered Products (MEP) und OLBO & MEHLER TEX (OMT) beigetragen. Insbesondere MEP China erfreut mit einer recht deutlichen Ergebnisverbesserung. Hier wird der Break-even nun für 2017 angestrebt. OMT konnte davon profitieren, dass die Beteiligung Synteen & Lückenhaus im zweiten Quartal auf die OMT verschmolzen wurde. Hier machen sich bereits jetzt erste positive Synergieeffekte bemerkbar. Die übrigen Unternehmen des Segments - Caplast, Elbtal, Kirson und Riflex - haben das gute Ergebnisniveau des Vorjahres halten oder sogar leicht verbessern können. 
Im Segment automotive components lagen die Erlöse mit 104,8 Mio. EUR trotz eines schwieriger gewordenen Marktumfeldes nur knapp unter dem Vorjahreswert von 106,6 Mio. EUR. Der Absatzrückgang bei den Injektorkörpern für LKW-Diesel war für den leichten Rückgang des Segmentumsatzes verantwortlich. Trotzdem konnte das Segmentergebnis auf 2,2 Mio. EUR (2015: 1,5 Mio. EUR) gesteigert werden. Besonders gut lief es bei der Gear Motion-Gruppe. Dank vieler neuer Produkte legte der Umsatz zu und das Ergebnis stieg. Trotz des beschriebenen Absatzrückganges bei den Injektorkörpern und dem daraus resultierenden Umsatzrückgangs, hat die Geiger-Gruppe durch weitere Effizienzsteigerungen nun erstmals seit vielen Jahren wieder den Break-even Punkt erreicht. Wermutstropfen ist die Entwicklung bei der Bebusch GmbH, wo Umsätze und Ergebnis deutlich rückläufig waren. 
Im Segment all other segments wurden keine Umsatzerlöse erzielt. Das Segmentergebnis fiel mit -3,9 Mio. EUR (2015: -0,3 Mio. EUR) deutlich schlechter aus als geplant. Bei der Immobiliengesellschaft Schäfflerbachstraße, Augsburg konnte noch kein Investor für das Projekt "Design-Hotel im alten Kesselhaus" gewonnen werden. 
Bei der Stöhr & Co. AG konnte die Betriebsprüfung abgeschlossen werden. Die letzte Hauptversammlung , die am 23. Februar 2017 in Frankfurt stattfindet, wird u. a. die Schlussrechnung billigen. Anschließend wird die Beendigung der Liquidation in das Handelsregister angemeldet. 
Das Wertpapierportfolio wurde in 2016 teilweise veräußert. Die Erlöse betrugen 13,3 Mio. EUR. Der Verkauf von 60.000 Aktien der Allianz AG und 210.834 Aktien der Deutschen Bank AG ging mit einen Ertrag von 4,6 Mio. EUR in das Ergebnis ein. Das Wertpapierdepot valutierte am 31. Dezember 2016 bei 18,6 Mio. EUR. Am 02.01.2017 wurde auch der noch verbliebene Depotbestand mit einem ergebniswirksamen Ertrag in Höhe von 10,9 Mio. EUR veräußert. Damit ist das Wertpapierdepot der KAP-Beteiligungs-AG nun vollständig liquidiert.
Das Ergebnis vor Ertragsteuern beträgt 20,6 Mio. EUR (2015: 10,8 Mio. EUR). Die Nettofinanzverschuldung beträgt am Bilanzstichtag 65,1 Mio. EUR (2015: 59,3 Mio. EUR). 
Die Sachinvestitionen liegen plangemäß mit 23,6 Mio. EUR (2015: 15,5 Mio. EUR) über dem Vorjahr, wobei die Investitionsschwerpunkte bei MEP, Präzisionsteile Dresden (PTD) und Caplast lagen. Die Abschreibungen betragen 21,3 Mio. EUR (2015: 22,6 Mio. EUR). Zum Stichtag beschäftigt der Konzern 2.597 (2015: 2.597) Mitarbeiter.
Die KAP-Beteiligungs-AG plant auch im laufenden Geschäftsjahr mit einem Umsatzzuwachs und der erneuten Verbesserung der Rentabilität. Die Schwelle von 400 Mio. EUR Umsatz ist erreichbar und das Ergebnis sollte zumindest in die Nähe des 2016er Ergebnisses liegen, nur diesmal ohne Sondererträge."

Es bleibt also festzuhalten, dass die verbliebenen Beteiligungen noch einiges an Arbeit für das Management bedeuten, sich hier aber Effizienzgewinne realisieren lassen sollten. Des Weiteren kann man davon ausgehen, dass in den nächsten Jahren der eine oder andere gewinnbringende Exit erfolgen dürfte.

Entscheidend sind aber andere Passagen der Meldung. Denn das Management der KAP bleibt an Bord, der Aktienbestand ist inzwischen mit sattem Gewinn veräußert worden und... jetzt kommt's... Carlye wird KAP zu einem mittelständisch geprägten Beteiligungsunternehmen mit langen Haltezeiten nutzen und ausbauen, also weit weg von der eigentlichen Strategie eines Finanzinvestors. Obwohl die finanzielle Firepower von Carlyle hinter KAP steht, wird sich die KAP Beteiligungs-AG eigenständig in Richtung einer MBB oder einer MAX Automation entwickeln. Aufgrund der neuen Ausrichtung wird man so auch für Familienunternehmen attraktiv, die Nachfolgeprobleme haben und ihrem Unternehmen dennoch eine langfristige Perspektive geben wollen.

 KAP Beteiligungs-AG (Quelle: finanzen.net
Hier steht die KAP Beteiligungs-AG noch ganz am Anfang und Anleger haben die Chance, von Beginn an dabei zu sein. Bei inzwischen 32 Euro je Aktie wird die KAP mit gut 215 Mio. Euro an der Börse bewertet, das ist nicht (mehr) billig. Und von einem Abschlag auf den Buchwert kann auch keine Rede mehr sein. Andererseits winkt eine üppige Dividende für 2016, die bis hin zu 2 Euro reichen könnte, wie es Carlyle angedeutet hatte. Das würde auf eine Dividendenrendite von 6,25% hinauslaufen zur Hauptversammlung im August Anfang Juli.

Interessanter sind aber die möglichen Deals, die KAP in den nächsten Jahren an Land ziehen wird. Ich bin ja eh ein Fan (deutscher) Beteiligungsgesellschaften und sehe die Lage, trotz der ambitionierten Preise für Unternehmen, weiterhin sehr positiv. Und auch bzgl. der bestehenden Beteiligungen dürfte sich durch die Sanierer von Carlyle einiges mehr tun, als das bisher der Fall war. Daher sind hier wohl einige bisher versteckte Werte zu heben. Und was man mit Add-on-Käufen für bestehende Beteiligungen erreichen kann, haben Blue Cap mit der Neschen-Übernahme und MBB mit dem Aumann-Zukauf ja vorgemacht. Daher denke ich, dass KAP Beteiligungen kein billiges, aber ein aussichtsreiches Investment für dividendenorientierte Anleger sein kann, die die nötige Geduld mitbringen, um bei diesem Neustart von Anfang an dabei zu sein. Und Geduld bemisst sich nicht an Monaten oder Quartalen, sondern an Jahren. Zu berücksichtigen ist auch, dass die Börsenumsätze nicht gerade üppig sind; man sollte also nicht einfach unlimitiert drauflos kaufen. Da gilt entsprechend für einen späteren Verkauf der Aktien, auch hier muss man ggf. etwas Geduld mitbringen, um nicht unlimitiert überzogen schlechte Kurse zu verursachen.

Ich habe jedenfalls vor diese Geduld aufzubringen, und mich dem entsprechend bei der KAP Beteiligungs-AG eingekauft. Und ich nehme sie auf meine Empfehlungsliste.

Kommentare:

  1. Grundsätzlich hatte ich diese Idee auch schon. Aber bisher hat mir nicht gefallen, dass sie auch immer wieder einen Exit vorhatte. Das, was Du hier schreibst, hat für mich Hand und Fuß, jedoch kann ich leider überhaupt nicht einschätzen, was diese Fa. für Ertragserwartungen in 2017 und 2018 hat. Hast Du hier etwas Einblick?

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    1. Naja, KAP hat ja selbst seine Erwartungen an 2017 kommuniziert: "Die KAP-Beteiligungs-AG plant auch im laufenden Geschäftsjahr mit einem Umsatzzuwachs und der erneuten Verbesserung der Rentabilität. Die Schwelle von 400 Mio. EUR Umsatz ist erreichbar und das Ergebnis sollte zumindest in die Nähe des 2016er Ergebnisses liegen, nur diesmal ohne Sondererträge". Das wäre schon mal eine ordentliche Hausnummer, das Ergebnis (ohne Sondererträge) zu halten. Denn ich glaube kaum, dass in dieser Prognose bereits Zukäufe oder Exits enthalten sind. Die sind aber die Würze des neuen Geschäftsmodells und wir werden wohl im Verlauf des Jahres sehen, ob und wie gut die neue Strategie funktioniert. Auf der Basis wird man dann auch die Aussichten für 2018 bewerten können und müssen. Aber wie ich schon schrieb, man benötigt Geduld bei diesem Investment. Der Einstieg von Carlyle ist nicht das Ende der Entwicklung bei KAP, es ist noch nicht einmal das Ende des Anfangs (um mal Winston Churchill zu bemühen). Es wurde nun ein ganz neues Kapitel aufgeschlagen und andere Unternehmen zeigen, dass dieser Weg sehr erfolgreich beschritten werden kann. Gerade das Thema Nachfolgeregelung ist im Mittelstand ein ganz elementares und es erzeugt zunehmend Druck auf die Inhaber, weil immer weniger Kinder bereit sind, in die Fußstapfen der Eltern zu treten und das Familienunternehmen zu übernehmen. Eine große Chance für die MBBs, DBAGs und KAPs dieser Welt. Und mich als deren Aktionär...

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  2. Ich habe noch eine Frage an Dich.
    Kannst Du was zu der Fa. Carlyle sagen. Ich höre sie heute erstmalig.

    Ich meine hierbei Qualität, Erfahrung und handelnde Personen.

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    1. Naja, nicht viel mehr, als das Internet (Wikipedia) selbst hergibt. The Carlyle Group ist eine der größten US-amerikanischen Private-Equity-Gesellschaften und von der Rechtsform her eine Limited Partnership (L.P.). Von den Private Equity Firmen halte ich ja schon eine Menge, hatte ja auch lange Blackstone und KKR im Depot und auf meiner Empfehlungsliste, diese aber wegen steuerlicher Probleme wegen der Rechtsform dann komplett gestrichen. Im Prinzip sind diese PE-Firmen Schattenbanken; sie agieren so, wie Banken es früher taten, nur dass die Banken inzwischen streng reguliert (oder schon stranguliert) werden. Ich sehe die PE-Firmen eher als Unterstützer des notwendigen Wandels an, nicht als Heuschreckenplage. Dem entsprechend habe ich hier auch keine Berührungsängste. Wobei KAP ja nicht als PE-Vehikel genutzt werden soll, das würde auch gar keinen Sinn machen, hier eine eigene Tochtergesellschaft zwischenzuschalten.

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  3. Nachdem ich mit einem Fond bei MPC ziemlich reingefallen bin, kaufe ich keine Produkte von solchen Gesellschaften mehr. Ich bin jetzt sehr stark in Beteiligungsgesellschaften investiert und freue mich immer über Deine Beiträge. Dabei bin ich vor einiger Zeit (mit Erfolg) auf die MPH gestoßen und verfolge die Entwicklung. Die hat neben Immobilien auch einen Fokus aus Pharma (Haemato), SchönheitsOP´s (M1 Kliniken). Ich denke dass die auch zu Deinen Ideen passen müsste. Sie ist nicht mehr operativ tätig sondern fungiert nur noch als Holding mit Magnum als Großaktionär.

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    1. Aktien aus dem Dunstkreis der Magnum sind für mich ein No-Go. Deren diverse Töchter (Windsor, MPH Pharma, Haemato, GCI Beteiligungen, CR Capital Real Estate) sind nur deren Spielbälle, da wurden (werden?) schon mal die Assets hin- und hergeschoben und/oder die Beteiligungen. Die MPH war mal eine Tochter der Windsor AG (die machte damals in Immobilien). Die Haemato war ebenfalls eine Windsor-Tochter, allerdings im Pharmasektor aktiv. Dann wurde die Windsor zu einer Tochter der MPH und auf die Haemato verschmolzen. Anschließend wurden bestimmte Aktivitäten (Afrika-Geschäft, Kliniken) wieder herausgelöst und sind nun eine eigene börsennotierte AG (M1 Kliniken AG). Alles undurchsichtig, aber immer zum Vorteil der Magnum. Da lasse ich die Finger von.

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    2. Danke für die Einschätzung. Ich habe festgestellt, dass Du früher schon einmal im Hinblick auf Windsor/Magnum aktiv warst. Ich bin im Hinblick auf alle Akteure ohnehin zurückhaltend. Das gilt auch für Publity (Olek), MPC (mit denen ich als Fondsanlege schlechte Erfahrungen gemacht habe)und Ernst Russ und deren HCI-Vergangenheit. Die einzigen wo ich bisher nichts festgestellt habe sind die Maher von DIC.

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