Donnerstag, 27. April 2017

Monsanto: Was treibt Buffett bloß in diese Aktie?

▸ Kissigs Kolumne vom 07.03.2017, Aktien Magazin 06/2017 

Warren Buffett ist nicht nur einer der reichsten Menschen auf unserem Erdball und als Value-Investor eine Legende, sondern er steht auch für einen zurückhaltenden, bescheidenen Charakter. An ihm ist wenig Auffälliges, abgesehen von seiner Unauffälligkeit. Vermutlich auch deshalb ist er ein gern gesehener Gast zum Thema Börse bei Fernsehstationen und Journalisten. Buffett versteht es, komplizierte Dinge in wenigen Worten unkompliziert darzustellen.

Auch ich bin ein großer Fan seiner viele Börsenzitate, die einen mal zum Schmunzeln und mal zum Nachdenken bringen. Oder beides. Und eine dieser vielen Weisheiten ist, man könne mit schlechten Leuten keine guten Geschäfte machen.

»Mit schlechten Leuten macht man keine guten Geschäfte.«
(Warren Buffett)

Dies ist ein wichtiger Grundsatz des Value Investings, denn man bindet sich ja langfristig an ein Unternehmen. Und wenn dieses von Menschen geführt wird, denen man nicht trauen kann, sollte man die Finger davon lassen.

Eine Regel, die man gar nicht oft und laut genug betonen kann, denn an der Börse war es Jahrhunderte lang üblich, Investoren über den Tisch zu ziehen. Ob es mit "Orient-Compagnien", Eisenbahnen, Stromhändlern (wie bei Enron) oder mit beinahe jeder Neuer Markt-Klitsche war: es wurde immer erstunken und erlogen was das Zeug hielt. Da wurden Umsätze und Gewinne vom Vorstand frei erfunden (wie bei Comroad), oder es wurden Kurse vorsätzlich in ungeahnte Höhen manipuliert, weil die Initiatoren zuvor diese Penny-Stocks günstig eingesammelt hatten und dann diese Ramschaktien an gierige Privatanleger teuer verkauften. Am Ende war immer der Anleger, der diesen schlechten Leuten auf den Leim ging, der Dumme.

Good business, good management, good price
Deshalb legt Buffett bei seinen Beteiligungen so einen hohen Wert auf ein verlässliches, vertrauenswürdiges Management. Er weiß, dass er die vielen Firmen in seinem Portfolio nicht selbst führen kann, daher braucht er Manager, die dies für ihn tun. Und die Grundlage dieser Zusammenarbeit ist Vertrauen.

Das gilt bereits bei der Übernahme, wenn Buffett in ein Unternehmen neu einsteigt. Gerne möchte er dann das bestehende Management an Bord lassen, denn diese Leute sind einer der wichtigsten Gründe, weshalb Buffett überhaupt einsteigt. Der Kaufpreis spielt nur eine Nebenrolle, Qualität und Beständigkeit sind die entscheidenden Eckpfeiler von Buffetts Investmentstil.

Und aus dieser Charaktereigenschaft, die der mittlerweile 86-jährige mit seinem 94-jährigen Partner Charlie Munger teilt, folgt auch, dass Buffett nicht in Geschäfte investiert, die nicht „koscher“, die unmoralisch sind. Seine Integrität ist ihm extrem wichtig.

»Man braucht 20 Jahre, um sich einen guten Ruf aufzubauen, und nur fünf Minuten, um ihn zu verlieren. Wer das beherzigt, handelt bewusster.«
(Warren Buffett)

Und nun das…
Kürzlich musste Warren Buffett für seine Investmentholding Berkshire Hathaway wieder das sog. Formular 13F bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) einreichen. In diesem vierteljährlich vorzulegenden Dokument müssen institutionelle Asset-Manager ab einem verwalteten Vermögen von 100 Millionen Dollar ihre Investments in US-amerikanischen börsennotierter Unternehmen stichtagsbezogen offenlegen.

Vor allem bei US-Airlines hat Buffett zugegriffen und Millionen von Aktien der vier großen US-Fluglinien American Airlines, United, Delta Airlines und Southwest Airlines erworben. Daneben kaufte Berkshire Hathaway Aktien der Bank of New York Mellon, von Apple sowie Anteile am Satellitenradiobetreiber Sirius XM.

Und Buffett erwarb für rund 872 Millionen Dollar 8 Millionen Aktien des Saatgut-Spezialisten Monsanto, der gerade vom deutschen Pharmakonzern Bayer übernommen wird. Und insbesondere dieser letzte Kauf ist bemerkenswert, gleich in mehrerer Hinsicht.

Schreckgespenst Montanso
Denn Monsanto ist nicht irgendeine Firma, Monsanto ist eine der meist gehassten Unternehmen. Monsanto ist der weltweit führende Hersteller von gentechnisch verändertem Saatgut und die real und eingebildet hiervon ausgehenden Gefahren für Menschen, Tiere und Umwelt führen regelmäßig zu Proteststürmen gegen das Unternehmen. In Europa und Deutschland noch viel mehr als in den USA, wo eine Vielzahl von Farmern inzwischen völlig abhängig ist von Monsantos Saatgut.

Auch deshalb hat es großes Stirnrunzeln und Kopfschütteln ausgelöst, dass der deutsche Pharmariese Bayer ausgerechnet dieses Unternehmen mit diesem schlechten Image übernehmen will. Aber die Bayer-Offerte im Volumen von 66 Milliarden Dollar ist Realität und liegt bei gut 30 Kartell- und Prüfbehörden weltweit zur Genehmigung vor. Die Leverkusener hatten ihr Anfangsangebot nachbessern müssen, aber nun zu 128 Dollar je Monsanto-Aktie unterstützt auch dessen Management die Übernahmeofferte. Aber weshalb auch Buffett?

Nun könnte an sich darauf zurückziehen, dass es nicht Buffett selbst war, der die Anlageentscheidung getroffen hat. Denn seine beiden „Investment-Leutnants“ Ted Weschler und Todd Combs verwaltet inzwischen selbstständig Berkshire-Portfolios von mehreren Milliarden Dollar. Doch ich denke, es wäre zu kurz gesprungen zu behaupten, die beiden hätten einfach weniger Skrupel oder eine niedrigere moralische Hemmschwelle bei Investments. Zumal beide von Buffett persönlich ausgesucht und eingestellt wurden und sie sich stets mit Buffett über ihre Portfolios und Transaktionen austauschen.

Buffett geht’s (nur) ums Geld
Der Grund für den Monsanto-Kauf dürfte ein viel profanerer sein: Geld. Buffett kauft Monsanto nicht, weil er von dem Unternehmen so viel hält oder das Geschäftsmodell so überzeugend findet. Vielmehr erinnert der Einstieg an eine von Buffetts eher unbekannten Seiten: den Arbitragehandel. Denn zu früheren Zeiten hat Buffett gerne Arbitragegeschäfte gemacht und dabei Kursunterschiede zu seinem Vorteil genutzt. Er kauft gerne den Dollar für 50 Cents. Des Weiteren hat auch schon mal für einige Monate ExxonMobil-Aktien ins Depot genommen, weil er diese Aktien als bessere Geldanlage einstufte, als sein Tagesgeldkonto. Beileibe also kein Value-Investment, für das Buffett eigentlich steht.

Die Übernahme-Offerte
Und wenn wir uns nun die Konditionen des Bayer-Angebots für Monsanto anschauen, dann werden wir fündig. Bayer bietet 128 Dollar je Monsanto-Aktien und zwar in bar. Keine Bayer-Aktien, sondern Cash. Und die Monsanto-Aktien notieren zurzeit bei 111 Dollar, also gut 15 Prozent unter dem Angebot. Offenbar haben viele Marktteilnehmer Zweifel am Gelingen der Übernahme; allein die hohe Zahl an behördlichen Zustimmungen ist gewaltig. Es ist daher davon auszugehen, dass Bayer eine Reihe von Kompromissen eingehen wird müssen, um die Offerte zu einem erfolgreichen Ende bringen zu können. Wobei Bayer in den USA 12.000 Menschen beschäftigt und Monsanto weltweit 20.000. Insofern dürfte in den USA die Offerte am wenigsten Probleme bekommen, trotz der neuen America-First-Doktrin von Präsident Trump.

Doch welche Abstriche Bayer auch machen muss, sie ändert nichts am Übernahmepreis von 128 Dollar. Nur ein Scheitern bzw. Abbrechen der Übernahme würde sich negativ auf den Monsanto-Aktienkurs auswirken.

Und hier dürfte der Grund für Buffetts Einstieg bei Monsanto liegen: er glaubt an ein Gelingen der Übernahme. Und wenn man davon ausgeht, dass die behördlichen Genehmigungen etwa ein Jahr in Anspruch nehmen, dann würde er am Ende dieses Jahres eine Rendite von 15 Prozent erzielt haben. Bei vergleichsweise geringem Risiko. Und das ist genau die Art von Geschäft, für die Buffett bekannt ist: niedriges Risiko, attraktiver Rendite. Eine bessere Rendite als auf dem Tagesgeldkonto kann er mit seiner Investition fast sicher einstreichen. Und seine Cash-Position von knapp 80 Milliarden Dollar erlaubt ihm durchaus weitere Aktienkäufe, ohne dass er zwischenzeitlich auf das in Monsanto-Aktien „geparkte“ Geld, angewiesen wäre.

»Regel Nummer eins lautet: nie Geld verlieren. Regel Nummer zwei lautet: vergiss nie Regel Nummer eins«.
(Warren Buffett)

Wer wie Buffett an einen Erfolg der Übernahme durch Bayer glaubt, kann sich ebenfalls Monsanto-Aktien ins Depot legen. In der Vergangenheit hat es sich häufig als lukrativ erwiesen, Buffett bei seinen Investmententscheidungen zu folgen…

Kommentare:

  1. Hallo Michael,

    wiedereinmal ein sehr interessanter Artikel.
    Wie funktioniert das für einen Monsanto-Aktionär eigentlich genau mit der Übernahme durch Bayer? Angenommen die Übernahme durch Bayer gelingt. Würde man dann das Geld (also den Übernahmekurs von 128$ pro Aktie) erhalten und ist dann seine Monsantoaktien los?

    Viele Grüße
    Tim

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