Dienstag, 30. Juli 2019

Ist Grenke noch auf Kurs? Neugeschäft läuft besser als erwartet, doch die Gewinne leiden...

Leasingspezialist Grenke gab bekannt, dass man beim Neugeschäft anstelle der bisher erwarteten 14% Zuwachs im laufenden Jahr nun wohl eher mit 16% bis 19% rechne. Das zeigt, dass das Geschäftsmodell funktioniert und das Wachstum auch ins angrenzende europäische Ausland und die USA Früchte trägt.

Dass der Kurs kräftig abschmiert und die Aktie auf knapp 80 Euro drückt, liegt an den gleichzeitig gesenkten Gewinnerwartungen. Denn nachdem Grenke im Vorjahr 131 Mio. Euro verdient hatte, ging man bisher von 147 bis 156 Mio. Euro Gewinn aus. Doch nun ruderte man etwas zurück und schraubte die eigenen Erwartungen auf 138 bis 148 Mio. Euro runter. Moderat, was man vom fünfzehnprozentigen Kurseinbruch nicht gerade behaupten kann...


Grenkes erste Prognosesenkung seit zehn Jahren


Eine Prognosesenkung ist nie angenehm, aber diese von Grenke ist "kein Problem". Im Gegenteil, sie zeigt den zunehmenden Erfolg von Grenkes Geschäftsmodell.

Klar, die Aussage muss ich erklären: wir haben in den letzten Wochen und Monaten mitbekommen, dass die Konjunktur deutliche Bremsspuren aufweist und reihenweise Unternehmen ihre Umsatz- und Gewinnerwartungen kappen. Für Grenke sind das eigentlich gute Zeiten, weil mehr Unternehmen lieber auf Leasing zurückgreifen werden als auf eigene Anschaffungen. Allerdings, und hier kommt die Kehrseite der Medaille, führen wirtschaftlich schlechtere Zeiten auch zu höheren Insolvenzen und Kreditausfällen. Und Leasingverträge sind auch nur eine besondere Form von Krediten.

Grenke (Quelle: wallstreet-online.de)
Grenke läuft hierbei natürlich nicht blauäugig ins offene Messer. Stattdessen sorgt man adäquat vor und betreibt Risikovorsorge. Das Unternehmen schaut sich die volkswirtschaftlichen Risiken an und bricht diese auf die seine Kunden herunter. Hieraus ermittelt Grenke die Wahrscheinlichkeit von Kreditausfällen und diese diese Wahrscheinlichkeit steigt aufgrund der ruppigeren Wirtschaftslage an. Noch sind diese Ausfälle nicht konkret, aber sie könnten es werden. Daher sorgt Grenke vor und bildet hierfür heute schon entsprechende Rückstellungen, die heute das Ergebnis belasten und damit den Gewinn. Sollten sich die Risiken in Zukunft konkretisieren und wirklich Kreditausfälle zu beklagen sein, treffen sie Grenke dann nicht mehr, weil man die gebildeten Rückstellungen entsprechend auflöst. Treten die Risiken hingegen nicht oder nur teilweise ein, dann sind die Rückstellungen ebenfalls aufzulösen - dann wirken sie sich allerdings ergebniswirksam aus und erhöhen ggf. das Ergebnis der Zukunft zusätzlich.


Meine Einschätzung

Grenkes operatives Geschäft brummt und es läuft sogar besser als bisher gedacht. Die Konjunktureintrübung birgt jedoch zunehmende Risiken, denen Grenke heute bereits durch Rückstellungen entgegenwirkt. Diese Risikovorsorge ist nötig, sie ist sinnvoll, sie gehört vor allem zum originären Geschäftsmodell von Grenke dazu. Wir alle hatten uns nur daran gewöhnt, dass unsere Wirtschaft seit vielen Jahren auf Hochtouren läuft und damit auch unterdurchschnittlich wenige Insolvenzen und Kreditausfälle einhergingen. Hier setzt jetzt eine Normalisierung ein und darüber muss man nicht gleich in ein Jammertal stürzen. Grenke wird künftig höhere Risikorückstellungen verbuchen und dem entsprechend wird die Marge etwas leiden. An den positiven Aussichten bzgl. des Wachstums und des Erfolgs des Geschäftsmodells ändert dies wenig bis nichts.

Ich hatte Grenke einmal als "relativ krisenfestes Wachstumsunternehmen" bezeichnet und diese Einschätzung behalte ich bei. Grenke ist ein Qualitätsunternehmen mit einem erprobten Geschäftsmodell und einem funktionierenden ökonomischen Burggraben. Der heutige Kurseinbruch auf 80 Euro könnte sich mittelfristig als eine gute Einstiegsmöglichkeit erweisen...

Disclaimer
Grenke befindet sich auf meiner Beobachtungsliste und in meinem Depot.

Kommentare:

  1. Hallo Michael, ich sehe die Situation bei Grenke genau wie Du und habe heute schon nachgekauft. Mich würde interessieren, welches Umsatzpotential der Markteintritt in die USA versprechen könnte, wie die Konkurrenz beim Leasing an sich und speziell beim Small Ticket Leasing einzuschätzen ist. Vielen Dank für Deine Antwort. R. Brummer

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Michael,

    an dieser Stelle erstmal danke für den Bericht/Einschätzung. Ich habe die auch auf meiner Liste seit einiger Zeit.
    Aber mal eine Frage zu einem anderen Unternehmen, dass zufällig bei mir heute oben stand.

    Ist VARTA für dich nicht interessant? Trotz oder gerade wegen der "zukunkftssparte" der Höhrgerätebatterien und seines Österreichischen Investors?
    Ist mir gerade beim überfliegen so aufgefallen, daher die Frage, ob und wenn , wann sie für dich interessnt wären.

    Viele Grüße und weiter so.

    Dagobert

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. VARTA habe ich auf dem Radar, aber bei der Aktie ist bereits sehr viel Euphorie vorweggenommen. Der Markt wächst und die Aussichten auf den E-Boom (auch) bei Speichertechnologien/-medien kommt ins Rollen. Aussichtsreich, aber (mir momentan zu) teuer.

      Löschen