Mittwoch, 31. Mai 2017

Grenke: relativ krisenfestes Wachstumsunternehmen

▸ Kissigs Kolumne vom 20. April 2017, Aktien Magazin 11/2017 

Die Cloud ist in aller Munde und wer Zukunftsphantasie wecken will, versucht sich mit diesem Begriff zu schmücken. Und so verstehen heute auch viele unter IT-Outsourcing das Verlagern in die Cloud. Moderne Unternehmen bauen ihre eigenen Rechenzentren ab, keines erwirbt mehr eigene PC-Tower oder Softwarepakete, alles wird von IT-Dienstleistern erledigt. Die Großen der Branche heißen Amazon (AWS), Microsoft (Azure) oder IBM. Diese Giganten kämpfen um die Cloud. Dagegen sieht das Geschäft der gründergeführten Grenke AG geradezu altbacken und antiquiert aus, denn der SDAX-Konzern verdient sein Geld mit klassischem IT-Leasing.

In den letzten Jahren hat sich der Aktienkurs von Grenke verfünffacht, doch seit Anfang 2016 kommt er nicht mehr richtig von der Stelle. Aber vielleicht lohnt sich doch ein genauerer Blick auf das Unternehmen und seine Zukunftsaussichten. Trotz der Cloud oder gerade auch deswegen.

Grenke weist heute eine Börsenkapitalisierung von 2,5 Milliarden Euro auf, ist also bei Weitem keine kleine Klitsche. Das zeigt sich auch am Leasingvolumen, das rund 5 Milliarden Euro beträgt und sich 560.000 Verträge stützt. Das liegt daran, dass sich Grenke auf das sog. Small-Ticket-Leasing für kleine und mittlere Unternehmen spezialisiert hat. Bei diesem kleinteiligen Geschäft werden vor allem IT-Produkte wie PCs, Drucker, Kopierer, Telekommunikationsgeräte oder Software verleast und zwar ab einem Anschaffungswert von 500 Euro. Dabei ist man mit über 120 Standorten in 30 Ländern vertreten; in Europa ist man fast flächendeckend präsent und in Deutschland, Italien und der Schweiz sogar Marktführer. Neben dem Leasinggeschäft setzt Grenke noch auf zwei weitere Standbeine, das Factoring, also der Ankauf von einzutreibenden Forderungen, und das Bankgeschäft, das sich vor allem auf die Finanzierung von Existenzgründern fokussiert. Eindeutiger Schwerpunkt ist aber das Leasinggeschäft, womit Grenke 90 Prozent seiner Erträge erzielt.

Das Geschäftsmodell
Grenke verleast IT-Infrastruktur an mittelständische Firmen, was nichts anderes heißt, als dass Grenke das vom Kunden gewünschte Produkt erwirbt und anschließend an den Kunden vermietet. Dieser kann es nach Ablauf der Vertragslaufzeit erwerben, doch übernimmt er es nicht, verbleibt das Eigentum bei Grenke. Da Grenke jedoch die Abschreibungen in der Regel so wählt, dass die Geräte am Ende der Leasingszeit mit Null in den Büchern stehen, besteht hier kein Restwertrisiko, wie man es von Autoleasingverträgen her kennt. Vielmehr kann Grenke die Geräte dann überholen lassen und beim Verkauf einen zusätzlichen Gewinn einstreichen. Daher ist das größte Risiko für Grenke, dass der Kunde während der Laufzeit seine Leasingraten nicht mehr bedienen kann. Und hier treffen wir wieder auf die beiden weiteren Sparten von Grenke, Factoring und Bankgeschäft.

Denn Grenke verkauft seine offenen Leasingforderungen an die Grenke Bank AG weiter und sichert sich so ab. Neben diesem Factoring refinanziert sich Grenke selbst auch über die Grenke Bank und sichert sich so günstige Refinanzierungskosten. Grenke verdient also gleich an mehreren Punkten der Wertschöpfungskette. Darüber hinaus bietet man diese Leistungen auch externen Kunden an, was das Geschäftsfeld rentabler macht. Denn das Geschäft ist skalierbar: Grenke hat einmalig die Aufwendungen und Kosten, während bei einer steigenden Zahl von Kunden zwar Umsatz und Erlöse steigen, aber die Kosten viel weniger stark. Man könnte sagen, Grenke kann sein Geschäft stärker auslasten, ohne gleich weiteres Personal einstellen zu müssen.

Hohes Expansionstempo
Und da sind wir auch schon beim nächsten Punkt, der Expansion. Neukunden erhält Grenke vor allem dabei über Telefon, Post und zunehmend auch das Internet. Da das Verleasen kleinerer IT-Produkte relativ margenarm ist, erfordert dies ein hohes Maß an Standardisierung der Vertragsabwicklung, um das Geschäft rentabel betreiben zu können. Der durchschnittliche Warenkorb liegt hierbei unterhalb von 10.000 Euro und das macht diese Nische für größere Wettbewerber wie Banken eher uninteressant.

Teile und expandiere
Andererseits kann Grenke sein Geschäftsmodell relativ einfach auf weitere Standorte duplizieren. Und dabei agiert man äußerst geschickt, denn sobald Grenke-Standorte eine bestimmte Größe erreichen, werden diese in zwei Einheiten geteilt. Dadurch verbessert sich die regionale Abdeckung und die Nähe zum Kunden bleibt gewährleistet. Darüber hinaus behält sich Grenke bei der üblicherweise per Franchise organisierten internationalen Expansion das Recht vor, nach einer gewissen Dauer die Filialen selbst zu übernehmen, wodurch man das eigene Risiko in der Anlaufphase senkt.

Geschäftsverlauf
Abgesehen vom Jahr 2009, also mitten in der Finanzkrise, konnte Grenke seine Leasingerträge in jedem der letzten 10 Jahre steigern. Im Schnitt legte das Zinsergebnis seit 2007 um fast 15 Prozent und der Nettogewinn des Konzerns um rund 14 Prozent pro Jahr zu. Dieser recht krisensichere Geschäftsverlauf erklärt sich daraus, dass im Gegensatz zu großen Leasinggütern wie Autos oder Maschinen die Anschaffung und Erneuerung der IT-Ausrüstung relativ unabhängig von Wirtschaftszyklen stattfindet. Im Gegenteil, oft nimmt in schwächeren Konjunkturphasen die Neigung zum Leasing derartiger Geräte sogar noch zu. Dem steht das Risiko gegenüber, dass in Krisenzeiten gerade auch kleinere, schwächer kapitalisierte Unternehmen besonders zu leiden haben und daher die Ausfallraten steigen. Doch dagegen hat sich Grenke mit der externen Grenke Bank AG und seinem Factoringgeschäft ja gewappnet.

Neben der hohen Konjunkturresistenz ist vor allem die starke Wettbewerbsposition von Grenke ein Garant für den Erfolg. Die starke Expansion, insbesondere ins europäische Ausland, bietet für Grenke zusätzliche Wachstumsperspektiven. Aufgrund der Eurokrise sind Finanzierungspartner gerade in der Eurozone zurückhaltender geworden, was alternative Finanzierungsformen wie Leasing und Factoring für kleinere Unternehmen attraktiver macht. Grenke profitiert als deutsches Unternehmen hier besonders von den relativ günstigen Refinanzierungsmöglichkeiten in Deutschland und kann diesen Wettbewerbsvorteil im Ausland schlagkräftig einsetzen.

Klassisches Familienunternehmen
Wolfgang Grenke leitet als Gründer noch immer das Unternehmen und über die Grenke Vermögensverwaltungs GmbH hält die Familie mehr als 42 Prozent der Anteile. Für Aktionäre bietet sich hier der Vorteil, dass der Chef nicht nur die unternehmerischen Zügel in der Hand hält, sondern als Großaktionär auch ein erhebliches Interesse am langfristigen Wohlergehen seines Unternehmens hat und nicht auf schnelle und kurzlebige Erfolge aus ist. In den kommenden Jahren rechnet Grenke mit einem etwas verhalteneren Wachstumspfad und visiert hier durchschnittlich 12 Prozent jährliches Wachstum an. Da man auch über Zukäufe wachsen will, dürfte hier allerdings noch Spielraum für positive Überraschungen sein. Das gilt auch für den Aktienkurs, dem der nach der nächsten Hauptversammlung am 11. Mai geplante Aktiensplit im Verhältnis 3 zu 1 einen zusätzlichen Schub geben könnte, da sich dadurch der Aktienkurs optisch erheblich verbilligen und mehr Interesse auf sich ziehen dürfte.

Doch auch ohne diese kosmetische Kapitalmaßnahme bietet Grenke starke Wachstumsperspektiven bei einem überdurchschnittlich krisenresistenten Geschäftsmodell. Das inhabergeführte Unternehmen weist ein positives Chance-Risiko-Verhältnis auf und sollte sich somit besonders für langfristig orientierte Anleger eignen.

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