Samstag, 2. November 2019

Arista Networks: Das war's ja dann wohl erstmal...

Arista Networks ist ein Netzwerkausrüster und setzt mit seinen leistungsfähigen Hochgeschwindigkeits-Netzwerk-Switches vor allem auf Cloud-Anwendungen und Echtzeit-Computing. Hier hat man Platzhirsch Cisco Systems jahrelang die Butter vom Brot nehmen können und enorme Wachstumsraten hingelegt - profitables Wachstum wohlgemerkt.

Nun hat Arista starke Quartalszahlen hingelegt, aber mit seinen Aussagen zu einem zu erwartenden heftigen Einbruch im vierten Quartal die Anleger in Panik versetzt und den Aktienkurs um 25% in die Tiefe rauschen lassen. Aber ist das schon das Ende des Elends?

Rückwärts hui, Vorwärts pfui

Schauen wir zunächst mal auf die beeindruckenden Zahlen des abgelaufenen Quartals: Der Umsatz schnellte im dritten Quartal um 16,17% in die Höhe und lag mit $654,24 Mio. über den Erwartungen ($653,3 Mio.). Der bereinigte Gewinn je Aktie stieg um starke 27,49% auf $2,69 und toppte die Analystenerwartungen von $2,41 deutlich. Das operative Ergebnis legte fast ebenso stark zu und ging mit $228,61 Mio. um 26,47% besser durchs Ziel als noch vor einem Jahr, während ein Nettoergebnis von $208,90 Mio. eingespielt wurde, was 23,96% mehr war als im dritten Vorjahresquartal.

Arista Networks (Quelle: wallstreet-online.de)
Bis hierhin ist alles prima, aber dann folgte der Ausblick auf die Zukunft und hier zunächst auf das laufende vierte Quartal. Aristas CEO Jayshree Ullal erklärte, es gäbe einen "plötzlichen Rückgang im vierten Quartal bei einem bestimmten Cloud-Titanen-Kunden", der Arista kürzlich mitgeteilt habe, er werde die Aktualisierung seiner Server verschieben, und verlagere seine neuen Gerätebestellungen auf Echtzeit, um die Ausgaben zu senken - und Arista hatte mit Aufträgen diesen fest gerechnet.

Eine ähnliche Nachricht gab es bereits vor einiger Zeit und man ging davon aus, dass der damalige Einbruch auf eine - vorübergehende - Zurückhaltung von Amazon zurückzuführen sei, Aristas mit Abstand wichtigstem Kunden. Nachdem Ullal im Earnings Call ausführte, dass Microsoft und Facebook jeweils für rund 10% des 2019er Umsatzes sorgen und dass Microsoft keine Anzeichen für ein nachlassendes Orderaufkommen zeige, deutet alles darauf hin, dass Facebook der "Übeltäter" ist.

Die Konsequenz ist, dass Arista für das vierte Quartal nun nur noch einen Umsatz zwischen $540 und $560 Mio. erwartet und damit deutlich weniger als die bisherigen Konsensschätzungen von $686,2 Mio.

Vorübergehende Wachstumsdelle oder schmlimmer?

Bis hierhin klingt es danach, dass die Aufträge nur verschoben werden und dann drängt sich der Gedanke geradezu auf, dass der 25-Prozent-Kurssturz eine Nachkaufgelegenheit sein könnte. Doch CEO Ullal führte im Earnings Call weiterhin aus, dass sich Aristas Wachstum auch in 2020 weiter verlangsamen wird. Hintergrund sei, dass viele Cloud-Titan-Kunden ihre Cloud-Infrastruktur länger nutzen und damit den Kauf und damit die Nachfrage nach neuen Geräten entsprechend geringer ausfällt. Darüber hinaus läuft es bei der 400-Gig-Adoption nicht so rund, wie geplant. Ursprünglich sollte die Bereitstellung bereits in der zweiten Jahreshälfte 2019 beginnen können, allerdings kann Arista bisher gerade mal die Testversionen liefern, so dass sich alles um mehr als ein Jahr verzögert und weit in die zweite Jahreshälfte 2020 verschiebt. Die Mainstream-Produktion dürfte erst im Jahr 2021 anlaufen und damit ist zu erwarten, dass Kunden sich auch mit ihren Aufträgen entsprechend zurückhalten und die Entwicklung abwarten.

Meine Einschätzung

Arista ist ein hoch profitables Wachstumsunternehmen in einem boomenden Markt, dessen größte globale Player alle Kunden bei Arista sind: Amazon (AWS), Microsoft (Azure), Alphabet (Google Cloud), Facebook. Dies erzeugt auf der anderen Seite natürlich auch Abhängigkeiten und wenn einer dieser "Titanen-Kunden" Aufträge verschiebt, dann hat das schnell heftige Auswirkungen auf Aristas Business. Diese höhere Volatilität ist ein Risiko, das man in Kauf nehmen und einkalkulieren muss. Nun zeigt sich jedoch, dass Arista Probleme bei der Einführung einer neuen Generation hat und dies verzögert nicht nur die Geschäfte, sondern es kann ebenso darauf hindeuten, dass Arista vor größeren Herausforderungen steht. Denn es ist ja nicht sicher, dass der Launch nun wie erhofft in 2020 erfolgt und die Kunden die neuen Geräte auch annehmen.

Anleger müssen nun also entscheiden, ob sie weiter an Bord bleiben oder den Kursabsturz zum Einstieg nutzen, auch wenn die Geschäfte in den nächsten zwölf, fünfzehn Monaten wohl deutlich langsamer zulegen, als man das bisher von Arista gewohnt war. Dies könnte im Kurs nun eingepreist sein. Auf der anderen Seite kann es allerdings durchaus passieren, dass auch noch ein weiterer Titanen-Kunde seine Aufträge verschiebt und Arista nochmals einen heftigen Punch einstecken muss mit möglicherweise einem weiteren deftigen Kursrutsch. Oder dass Arista sich mit seiner neuen Generation verhoben hat und hier länger Ungemach droht.

Aus dieser Gemengelage habe ich für mich die Entscheidung getroffen, dass ich bei Arista erstmal an die Seitenlinie gehe. Der zweite massive Auftragseinbruch bei einem Titanen-Kunden innerhalb von sechs Monaten und die Probleme bei der 400-Gig-Adoption machen mich skeptisch. Unterm Strich haben Anleger in den letzten beiden Jahren mit Arista-Aktien keine Rendite eingefahren, obwohl der Kurs in der Zwischenzeit auch schon fast doppelt so hoch stand wie nach dem jetzigen neuerlichen Kursrutsch. Momentan sieht es nicht danach aus, dass die Geschäfte bei Arista in den nächsten zwölf Monaten so gut laufen werden, dass der Kurs hiervon überdurchschnittlich profitieren könnte. Daher warte ich die weitere Entwicklung erstmal ab; sollte Arista wieder in die Spur zurückfinden, wird der Wert auch für mich wieder interessant(er).

Ich streiche Arista Newtorks daher von meiner Beobachtungsliste. Nach rund anderthalb Jahren bleibt ein Verlust von 12,4%.

Disclaimer

Alphabet, Amazon, Arista Networks, Cisco Systems, Facebook, Microsoft befinden sich auf einer Beobachtungsliste und in meinem Depot.

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