Dienstag, 10. August 2021

Kissigs Aktien Report: Jetzt in China investieren? Aber sicher!

Im Rahmen meiner Kooperation mit dem "Aktien Report" von Armin Brack nehme ich mir in unregelmäßigen Abständen interessante Unternehmen vor. Die Ausgaben des "Aktien Reports" und/oder "Geld Anlage Reports" erreichen ihre Leser samstags kostenlos und "druckfrisch" im Email-Postfach und man kann sich ▶ hier beim "Geld Anlage Report" anmelden. Bonbon für die Leser meines Blogs: einige Tagen später darf ich die Analysen dann auch hier veröffentlichen.

Aktien Report Nr. 73 vom 30.07.2021

Jetzt in China investieren? Aber sicher!

China-Aktien treiben Anlegern Schweißperlen auf die Stirn und Tränen in die Augen. Sie machen einfach keinen Spaß. Dabei sind sie deutlich preiswerter als ihre amerikanischen Wettbewerber und verleiten immer wieder Schnäppchenjäger zum Einstieg.

Das Problem bei solchen Schnäppchen ist, dass sie keine Schnäppchen sind, wenn sie Schnäppchen bleiben. Anders gesagt: löst sich die vermeintliche Unterbewertung nicht irgendwann auf, hat man sie zwar schön günstig gekauft, aber man kann sie auch nur wieder zu günstig verkaufen. Zwischen An- und Verkauf liegt die erzielte Rendite und wenn mit einem Schnäppchen nicht mehr zu verdienen ist als mit einem teuren Qualitätstitel, weshalb sollte man sich dann das Schnäppchen ins Depot legen?

Um zu erkennen, ob China-Aktien echte Schnäppchen sind und sich der Einstieg lohnt, müssen wir uns die Rahmenbedingungen ansehen, die die Kurse belasten.

China ist eine Diktatur

Das Reich der Mitte unterliegt einer Einparteienherrschaft und damit fehlen grundlegende demokratische und freiheitliche Rechte westlicher Demokratien. Freie Wahlen sind eines dieser Schlüsselelemente, also die Möglichkeit, seine Regierung auszutauschen. Rechtsstaatlichkeit ist ein anderes, also die Möglichkeit, sich vor unabhängigen Gerichten gegen staatliche Maßnahmen zu wehren.

Fehlen diese beiden Faktoren, ist man völlig vom Wohlwollen der Machthaber und/oder ihrer Bürokraten abhängig, sowohl die Menschen als auch die Unternehmen.

China strebt die Weltherrschaft an

Wir nehmen China als aufstrebendes, aber noch rückständiges Land wahr. Und es hat auch wirklich vor zwei-, dreihundert Jahren komplett den Anschluss verloren. Bis dahin war es allerdings über Jahrtausende führend in der Welt. Chinesen haben lange vor den Europäern die Astrologie Astronomie entdeckt und den Lauf der Sterne vorhersagen können, sie konnten Jahrhunderte vor den Europäern sicher über die Ozeane navigieren, sie haben Jahrhunderte vor den Europäern die Dampfmaschine erfunden und noch viel früher das Schießpulver.

Aber wie Johann Wolfgang von Goethe es treffend auf den Punkt brachte: "Es ist nicht genug, zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun."

Die Chinesen hatten das Wissen, aber sie haben die Anwendungsmöglichkeiten nicht erkannt. Sowohl die Dampfmaschine als auch das Schießpulver verwendeten sie jahrhundertelang lediglich zur Belustigung, um kunstvolle Maschinen zum Leben zu erwecken oder für buntes Feuerwerk zu sorgen. Hätten sie das Potenzial richtig erkannt, hätte wohl China die Welt kolonialisiert und die industrielle Revolution wäre einige Jahrhunderte früher gestartet und nicht von England aus.

Chinas Selbstverständnis ist, dass es die Welt anführt. Und dass die Vormachtstellung der Europäer und später der USA seit knapp 200 Jahren nur eine Laune der Geschichte ist, ein Schlagloch auf Chinas Weg zur Weltherrschaft.

Chinesen denken langfristig, in Zeitabschnitten von 50, 100 oder 300 Jahren. Wir Europäer und die Amerikaner denken 10, vielleicht 15 Jahre in die Zukunft. Wenn überhaupt. Und deshalb sind uns kurzfristige Siege so wichtig, während die Chinesen darauf achten, dass sie stets ihren langfristigen Zielen näher kommen, auch wenn sich andere zunächst stärker selbst auf die Schultern klopfen mögen.

China gegen die USA

Die Chinesen haben in den letzten Jahrzehnten ihre Machtstellung immer weiter ausgebaut. Sie geben Ländern in Asien, Afrika, Südamerika und Osteuropa großzügig Kredite und bauen deren Infrastruktur. Das wurde und wird dankend angenommen. Doch inzwischen fordern sie immer öfter auch die Gegenleistung und zwar nicht nur in Zinsen und Rückzahlungen. Sondern sie fordern Wohlverhalten ein im großen Kampf gegen die USA. China diktiert den vermeintlich souveränen Staaten, wie sie sich zu verhalten haben. Das ist schlicht Finanzimperialismus.

Die USA haben es nicht anders gemacht. Während sich Europa in zwei Weltkriegen gegenseitig in die Steinzeit zurück gebombt hat, blieben die USA von solchen Zerstörungen verschont. Sie konnten daher den Europäern zweimal finanziell beim Wiederaufbau unter die Arme greifen und diese wurden daher immer abhängiger von "Uncle Sam".

Die Amerikaner verstehen also sehr gut, was die Chinesen da tun. Und unter Donald Trump gingen sie auf Konfrontationskurs, um das chinesische Vordringen zu stoppen. Oder zumindest zu verlangsamen. Trump ist (erstmal) Geschichte und unter Joe Biden weht ein anderer Wind. Aber nicht in Bezug auf China. Zwar poltert er weniger, aber seine Haltung gegenüber den Chinesen ist genauso ablehnend und hart. Wenn nicht sogar noch härter als die von Trump. Und Biden sucht den Schulterschluss mit den europäischen Verbündeten, die Trump so oft und fortgesetzt brüskierte, dass er sie China (und Russland) geradezu in die Arme trieb.

Handelskrieg

Der USA-China-Handelskrieg findet auf unterschiedlichen Ebenen statt. In der direkten Auseinandersetzung ihrer Unternehmen als Wettbewerber. Dann durch die Abschottung der eigenen Märkte gegen diese ausländischen Konkurrenten. Des Weiteren durch das Ausspionieren von Daten der jeweils anderen staatlichen und privaten Stellen sowie von Unternehmensgeheimnissen.

Beide Länder setzen ihre eigenen Unternehmen unter Druck, nicht (mehr) die Daten ihrer Kunden mit staatlichen Stellen des jeweils anderen Landes zu teilen – oder Institutionen, auf die die staatlichen Stellen Zugriff haben.

Das betrifft auch Drittstaaten und deren Unternehmen, also vor allem die Europäer, die zwischen die Fronten geraten.

Während die USA der mit Abstand größte Finanzmarkt der Welt sind, gilt China als die aufstrebende Supermacht mit stärkerem Wachstum und reichlich Aufholpotenzial. Auch wenn Indien ihm diesen Rang zunehmend streitig macht.

Der Aktionär ist der Dumme

Will man als Aktionär international investieren, kam und kommt man um die USA nicht umhin. Ihre Börsen haben sich deutlich besser entwickelt in den letzten Jahrzehnten als die in Europa. Nicht nur, aber durchaus prägend, zuletzt vor allem durch die großen Technologiefirmen wie Apple, Alphabet, Amazon, Facebook, Microsoft, Netflix usw.

Doch auch China hat attraktive und wachstumsstarke Firmen zu bieten, wie Alibaba, Tencent, Baidu, JD.com und viele mehr. Doch anders als bei den US-Werten kann man nur teilweise direkt in die chinesischen Unternehmen investieren, nämlich in diejenigen, die in Hongkong gelistet sind. Direktinvestments in die sogenannten A-Shares (auch Red Chips genannt) sind theoretisch zwar möglich, allerdings mit einem enormen Aufwand und enormen Kosten verbunden, weil man dafür extra ein Konto bei einem chinesischen Broker eröffnen müsste. In der Praxis ist das kaum sinnvoll bzw. realisierbar.

Der Handel von in Hongkong notierten Aktien ist dagegen inzwischen bei geeigneten Brokern direkt an der Hongkong Stock Exchange (HKEX) problemlos und günstig möglich, z.B. bei Interactive Brokers. Einige dieser Aktien, darunter alle wichtigen und großen wie Alibaba und Tencent, sind auch über deutsche Börsen handelbar (wobei hier der Spread, also die Differenz zwischen An- und Verkauf hoch sein kann und ein Handel damit eher unattraktiv bzw. mit hohen Kosten verbunden).

Immer riskanter wird dagegen der Kauf von sogenannten ADRs.

American Depository Receipts (ADR)

Aktuell sind rund 250 chinesische Unternehmen als ADRs an US-Börsen gelistet, mit einer Marktkapitalisierung von insgesamt über zwei Billionen Dollar. Auch ADRs sind nur eine indirekte Beteiligung an den Unternehmen. Und die US-Regierung hat bereits unter Donald Trump die Regeln verschärft. So müssen ADRs künftig die Standards und Vorgaben der US-Börsen für gelistete Unternehmen erfüllen und damit ihre Bücher gegenüber US-Behörden offenlegen. Tun sie dies nicht, werden sie von der Börse verbannt.

Für die chinesischen Firmen ein Problem, denn China untersagt ihnen, ihre Bücher gegenüber ausländischen Behörden, und vor allem den USA, offenzulegen. Daher könnte es nach einer Übergangsfrist, die noch zwei Jahre läuft, zu einem Delisting von einigen oder im Extremfall allen China-ADRs an den US-Börsen kommen, sofern sich die politischen Kontrahenten nicht auf eine Kompromisslösung einigen können.

Sobald ein Delisting erfolgt ist, besteht kaum noch eine Möglichkeit die ADRs zu verkaufen und sein Geld zurückzubekommen. Daher leiden ihre Kurse bereits im Vorfeld erheblich. Das Beispiel von China Mobile ist dabei die Blaupause.

Anfang des Jahres wurden aufgrund einer Executive Order des damals noch amtierenden Noch-Präsidenten Donald Trump die Aktien von China Mobile von der New York Stock Exchange genommen. Während institutionelle Investoren ihre US-ADRs in Hongkong-gelistete Aktien konvertieren konnten, wurde US-Privatanlegern diese Möglichkeit nicht geboten und sie verbuchen hohe Verluste.

Daher ziehen immer mehr China-Unternehmen mit US-ADRs Listings an der Hongkonger Börse in Betracht bzw. haben ein solches bereits vorgenommen. Am Freitag meldete sich nun die US-Wertpapieraufsicht SEC in Person ihres CEOs Gary Gensler zu Wort. Gensler erklärte, dass chinesische Firmen sich bis auf weiteres nicht mehr für ein IPO in den USA registrieren können. Sie sollen abwarten bis sie von der SEC entsprechende Vorgaben hinsichtlich Risiko-Disclosures erhalten. Ob der Registrierungsprozess irgendwann wieder aufgenommen werden kann, ist fraglich.

Bereits notierte ADRs werden aber von dieser Regelung vorläufig nicht tangiert.

Gensler begründete diesen Schritt mit dem Hinweis, dass viele US-Anleger nicht wissen würden, dass sie mit dem Kauf von ADRs nur in Mantelfirmen ("shell companies") investieren und nicht direkt in die Firmen.

Gensler bezieht sich dabei auf die so genannten Variable Interest Entity-Struktur dieser Firmen.

Variable Interest Entities (VIE)

Diese VIEs sind außerhalb Chinas registrierte Offshore-Vehikel, die sich im Privatbesitz chinesischer Staatsbürger befinden und deshalb Anteile an chinesischen Firmen halten dürfen. Ausländische Investoren können wiederum Anteile der VIEs halten und investieren somit indirekt in die zugrundeliegenden chinesischen Aktien.

Das bringt einige Probleme mit sich. China hat diese Struktur niemals offiziell anerkannt oder gar abgesegnet. Der Härtetest, wie die Eigentumsrechte in einem Konfliktfall behandelt werden, steht noch aus. Ein Worst Case-Szenario wäre, dass China einfach "dicht" macht und die Anleger in die Röhre schauen. Das dürfte so nicht passieren, weil dann US-Anleger in großem Stil geschädigt würden und China mit heftigen Vergeltungsreaktionen der USA rechnen müsste.

Allerdings hat China bereits angekündigt, man werde künftig genauer hinschauen, wie diese VIEs genau aufgebaut sind und zwar speziell im Hinblick auf den Faktor Datenschutz und damit die Frage, ob Daten von chinesischen Bürgern (z.B. Bewegungsdaten wie sie die Ride Hailing-App Didi ja aufzeichnet, deren Muttergesellschaft Didi Global vor kurzem via IPO an die New York Stock Exchange gegangen ist) in "falsche Hände" geraten könnten. Entsprechend wurden kurz nach dem IPO gegen Didi Untersuchungen eingeleitet. Die App wurde vorübergehend aus den App Stores verbannt und es können somit vorläufig auf diesem Weg keine Neukunden mehr akquiriert werden. Der Aktienkurs gab deutlich nach.

Konfliktpotenzial hat auch folgendes: Die chinesische Börsenaufsicht schreibt vor, dass die Prüfungsberichte der an ausländischen Börsen kotierten chinesischen Firmen auf dem Festland hinterlegt sein müssen und nicht von fremden Regulatoren eingesehen werden können. Man bekommt lediglich die Zahlen aus den VIEs zu Gesicht. Und muss darauf vertrauen, dass diese korrekt sind. Genau das will die USA aber ändern.

Meide China! Oder?

Durch diese Entwicklungen notieren chinesische Aktien inzwischen mit deutlichen Bewertungsabschlägen gegenüber ihren US-Pendants. Die niedrigere Bewertung und der hieraus resultierende niedrigere Aktienkurs ist der Risikoabschlag.

Anleger, die sich die ohne Frage weiterhin großen Chancen im Reich der Mitte nicht entgehen lassen wollen, haben einige Möglichkeiten, auch ohne direkt einzelne Chinaaktien zu kaufen.

Zunächst können sie auf internationale Konzerne aus den USA oder Europa setzen, die einen hohen Anteil ihrer Umsätze in China machen – wie z.B. die deutschen Automobilhersteller. Hier schwingt allerdings das Risiko mit, dass regulatorische Eingriffe oder Rechtsunsicherheiten auch hier zu empfindlichen Einbußen führen können.

Alternativ könnte man sich auch in den angrenzenden Ländern nach attraktiven aufstrebenden Wachstumsunternehmen umsehen. Sea Limited aus Singapur wäre eine Alternative im Bereich Online-Shopping, Gaming und Payments. Oder Südkoreas E-Commerce-Leader Coupang, das kürzlich an die Börse strebte.

Allerdings ist man auch hier nicht immer vor unliebsamen Überraschungen gefeit. Der letzte Dolchstoß von Chinas KP richtete sich ja gegen die EdTech-Unternehmen, also private Bildungsanbieter. Bildung ist in China immer mehr aus staatlichen Institutionen heraus gedriftet und wurde zu einer teuren Privatangelegenheit. Teilweise haben chinesische Familien 40 Prozent ihres Einkommens für Förder- und Nachhilfeunterricht ihrer Kinder aufgewendet. Dagegen geht die Regierung nun vor und entzieht den E-Learning-Anbietern die Geschäftsgrundlage.

Diesen Schritt hat Südkorea aus einer ganz ähnlichen Situation heraus bereits vor 10 Jahren ebenso vollzogen. Allerdings gab es damals keinen weltweiten Aufschrei, obwohl es auch börsennotierte Unternehmen traf.

Die wohl aussichtsreichste Möglichkeit, auf chinesisches Wachstum zu setzen, sind daher China-ETFs. Allerdings muss man sich hier schon genau informieren, damit man sich nicht solche ins Depot legt, die vor den gleichen Herausforderungen und Problemen stehen, wie der Anleger selbst. Anders ausgedrückt: es macht dem entsprechend keinen Sinn, sich einen China-ETF zuzulegen, der hauptsächlich In China-ADRs investiert.

Zwei ETFs könnten hier infrage kommen:

1. iShares China Large Cap UCITS ETF
    (ISIN: IE00B02KXK85, WKN: A0DK6Z, Ticker: IQQC)

    Die 10 größten Positionen des ETFs machen zusammen 58,32% aus und sind:

    1. Alibaba Group Holding Ltd Ordinary Shares, Zykl. Konsumgüter, 9,51%
    2. Tencent, Kommunikation, 8,48%
    3. Meituan Dianping Class B, Zykl. Konsumgüter, 8,46%
    4. China Construction Bank Corporation Class H, Finanzen, 5,56%
    5. Wuxi Biologics (Cayman) Inc., Gesundheitswesen, 5,06%
    6. Ping An Insurance (Group) Company of China Ltd. Class H, Finanzen, 4,64%
    7. JD.com Inc Ordinary Shares - Class A, Zykl. Konsumgüter, 4,57%
    8. Xiaomi Corp. Class B, Technologie, 4,27%
    9. Industrial and Commercial Bank of China Limited Class H, Finanzen, 4,16%
    10. NetEase Inc Ordinary Shares Kommunikation, 3,61%
Der börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Fund, ETF) soll die Rendite des FTSE China 50 Index als seinem Referenzindex widerspiegeln. Er besteht aus 50 der nach Gesamtmarktkapitalisierung auf Freefloat-Basis größten und liquidesten Unternehmen, die an der Hong Kong Stock Exchange notiert sind. Einzelne Titel dürfen höchstens 9 % vom gesamten Index ausmachen, und alle Unternehmen, die einen Anteil von mehr als 4,5 % haben, dürfen zusammen genommen höchstens 38 % vom gesamten Index ausmachen.

2. iShares MSCI China A UCITS ETF 
    (ISIN: IE00BQT3WG13, WKN: A12DPT, Ticker: 36BZ)

    Die 10 größten Positionen des ETFs machen zusammen 20,26% aus und sind:

    1. Kweichow Moutai Co. Ltd. Class A, Basiskonsumgüter, 5,47%
    2. Contemporary Amperex Technology Co. Ltd. Class A, Industrie, 2,92%
    3. Wuliangye Yibin Co. Ltd. Class A, Basiskonsumgüter, 2,42%
    4. China Merchants Bank Co. Ltd. Class A, Finanzen, 2,37%
    5. Ping An Insurance (Group) Company of China Ltd. Class A, Finanzen, 1,44%
    6. China Tourism Group Duty Free Corp Ltd Class A, Zykl. Konsumgüter, 1,24%
    7. Shenzhen Mindray Bio-Medical Electronics Co. Ltd. Class A, Gesundheitswesen, 1,22%
    8. LONGi Green Energy Technology Co Ltd Class A, Technologie, 1,12%
    9. BYD Co Ltd Class A, Zykl. Konsumgüter, 1,07%
    10. Shanxi Xinghuacun Fen Wine Factory Co Ltd, Basiskonsumgüter, 0,99%
Der börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Fund, ETF) bildet die Wertentwicklung des MSCI China A International Index ab und investiert in die im Index enthaltenen Wertpapiere. Der MSCI China A International Index besteht aus der A-Aktien-Komponente des MSCI China All Shares Index. Er dient der Abbildung der Wertpapiere von Unternehmen mit hoher und mittlerer Marktkapitalisierung, die in der Volksrepublik China (VRC) ihren Sitz haben und an den Börsen in Shanghai und Shenzhen in Renminbi gehandelt werden.

Beide ETFs investieren also in chinesische Aktien, die in Shenzhen oder Hong Kong gelistet sind und umschiffen damit die größten Probleme für ausländische Investoren.

Der China Large Cap ist schon länger investierbar und weist in den letzten fünf Jahren eine deutliche Underperformance gegenüber dem MSCI World-Index von 8,3% zu 89,7% auf. Das liegt allerdings vorwiegend an der insgesamt deutlich schwächeren Performance von Emerging Markets-Aktien in diesem Zeitraum.

Der MSCI China A-ETF wurde erst vor rund zwei Jahren aufgelegt, kann in dieser Zeit aber mit knapp 40% Rendite mit dem MSCI World-Index mithalten.

Mein Fazit

Chinas weist höhere Wachstumsraten auf als die USA oder Europa. Auch weil sich die chinesische Mittelschicht noch herausbildet und stark zunimmt. Seine Unternehmen sind wachstumsstark und deutlich günstiger bewertet als ihre US-Pendants. Dafür gibt es allerdings auch handfeste Gründe.

Risikobereite Anleger können darauf setzen, dass China nur vorübergehend die regulatorischen Daumenschrauben anzieht und dass die KP kein Interesse daran hat, ihre Unternehmen abzuwürgen. Die sicherste und vermutlich nervenschonendste Variante ist, sich einen geeigneten ETF ins Depot zu legen. So kann man von den erhofften Wert- und Kurssteigerungen profitieren, ohne sich zu viele Gedanken über regulatorische oder rechtliche Stolpersteine Gedanken machen zu müssen.

Der Aufpreis für diese erkaufte Seelenruhe ist auch nicht allzu hoch, denn beide ETFS weisen Total Expense Ratios (TER) von 0,74% bzw. 0,40% pro Jahr auf, so dass sich die Kostenbelastung im vertretbaren Rahmen hält. Darüber hinaus sind beide ETFs sparplanfähig, so dass Anleger mit ihnen auch schrittweise in Chinaaktien investieren können.

Das chinesische Schriftzeichen für Krise besteht aus zwei Teilen: Risiko und Chance. Es kommt eben darauf an, was man draus macht…

11 Kommentare:

  1. Moin Michael,
    off topic, aber vielleicht interessant fuer Dich?
    https://arxiv.org/pdf/1910.10099.pdf via Joachim Klement,
    "Warum mehr Trendfolger(Hunde) des Hasen(Value-Investors) Tod sind"
    LG
    Joerg

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  2. War vielleicht zu kryptisch, die Argumentation geht ungefaehr so:
    "Je mehr Trendfolger, je kurzfristiger die Trader/Trades unterwegs sind, je laenger dauern die Trends. Value-Investoren kaufen guenstig und warten, und warten, und warten ... so kommt kein neuer Trend auf und sie warten weiter ... die Masse der Boersenteilnehmer aber surft die (bereits bestehenden) Trends weiter, faengt aber kaum neue Trends an?
    Deshalb ist "Value-Investor" das neue arm und Trendfolger das neue reich."
    Bis zum Trendwechsel (aber nur kurz) ;-)
    Oder was meinst Du? Wie findest du die Argumentationslinie? Macht die en gros Sinn?
    LG Joerg

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    1. Die Beobachtung ist richtig, aber die Schlussfolgerung meiner Meinung nach nicht, da eine falsche Kausalität hergestellt wird. Übersetzt heißt das: ja, der Trend (Growth outperformt Value) dauert deutlich länger als die historische Value-Growth-Wechselzyklik gewöhnlich und dauert an. Und ja, Value-Investoren kaufen gerne die ungeliebten und günstigen Aktien, die sich aber bisher nicht wirklich erholen bzw. eine Überrendite erzielen können. Deshalb bringen Value-Strategien seit Jahren unterdurchschnittliche Renditen.

      Die Schlussfolgerung jedoch, dass dies an Trendfolgestrategien liegt bzw. daran, dass die Leute immer mehr Geld einfach nur in Trendaktien schaufeln, halte ich für zu kurz gesprungen. Denn das ist nicht die Ursache, sondern bereits eine Auswirkung/Folge der eigentlichen Ursache. Und diese liegt in den dauerhaft niedrigen Zinsen. Value performt besser als Growth, wenn Zinsen steigen und ein gewissen Mindestniveau (also im Plusbereich der Renditen) aufweisen. Weil steigende Zinsen unprofitable Geschäftsmodelle, deren Gewinne in weiterer Ferne liegen, schnell sehr viel teurer machen.

      Wir haben aber weiterhin anhaltende niedrige Zinsen und deshalb fließt (1.) so viel Geld in Aktien und (2.) in Wachstumsaktien, was deren Outperformance weiter befeuert und anhalten lässt.

      Meiner Meinung nach werden Value-Aktien wieder eine Überrendite erwirtschaften, wenn die Zinsen nicht nur kurzfristig steigen, sondern sich ein Zinssteigerungstrend ausbildet, der eher Jahre als Monate anhalten wird. Vorher nicht.

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    2. Danke, Michael,

      Ein weiterer Unterschied zu "frueher": die Tradingkosten und Spreads gehen inzwischen gegen Null. Das beguenstigt schnelles "auf Trends auf- und abspringen" und koennte die Zyklizitaet (Growth/Value) der Vergangenheit ebenfalls verwaessern?

      Die Marktstimmung bei Kryptos erinnert mich aber schon an den Neuen Markt/Internet-Bubble (Gier-Modus, Tanz-auf-dem-Vulkan)?

      Die niedrigen Zinsen sind sicherlich dem allen foerderlich (Zentralbank-Put: Die Maerkte sind too-big-to-fail, also werden die Spekulanten stets von den Zentralbanken wieder rausgehauen werden, denn diese sind ohnmaechtig) aber ob alleinige Ursache?

      Was meinst Du, WIE koennte ein Trendwechsel zu (merklich) hoeheren Zinsen kommen und WANN? (oder willst du ewig warten?)

      LG Joerg

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    3. Unternehmen sind Produktivkapital, sie erwirtschaften Erträge. Und Aktien sind Anteile daran. Kryprowährungen hingegen sind hier eher mit Edelmetallen gleichzusetzen, also als Geldaufbewahrungsmittel und/oder Tauschmittel. Gold bringt keine Zinsen, keine Dividenden, Gold produziert nichts. Man kauft es alleine aus dem einen Grund, weil man hofft, irgendwann jemanden zu finden, der einem mehr dafür gibt, als man selbst ausgegeben hat.

      Sicher, auch bei Aktien tun das viele Anleger - die Spekulanten. Die Investoren beteiligen sich an den Unternehmen und lassen dort ihr Geld für sich arbeiten. Das ist ein elementarer Unterschied.

      Ich gebe Dir Recht, dass einige Entwicklungen schon Erinnerungen an 2000 hochkommen lassen. Der Hype um Wasserstoff, um Kryptos und natürlich der IPO-Boom, bei dem man ja fast blind zeichnen und Gewinne einstreichen kann. Andererseits gibt es, anders als vor 20 Jahren, heute genügend Geld, um Wachstumsunternehmen und Startups zu finanzieren. Damals waren noch Banken federführend bei der Finanzierung, heute sind es Private Equity Firmen, Asset Manager, Venture Capital Fonds, Hedge Fonds uvm. Die Börse ist da nur eine Möglichkeit, um sich zu finanzieren. Da die Anleger hören/lesen, wie die Bewertungen der interessanten Startups in immer neue Finanzierungsrunden kräftig in die Höhe geschraubt werden, wollen sie natürlich dann auch sofort an Bord, wenn die Firmen endlich an die Börse kommen. Oftmals ohne zu wissen, was die Unternehmen überhaupt für ein Geschäftsmodell haben.

      Zur Zinswende... ich weiß nicht, wann die Zinsen wieder steigen werden. Ebenso wenig weiß ich, wann die Notenbanken anfangen, den Geldhahn etwas zuzudrehen. Die Zinsanhebungen der US-Notenbank haben den Crash von 2000 ausgelöst. Und auch den von 2018 (auch wenn das noch als Korrektur durchging). Die werden da also sehr vorsichtig rangehen und mit langem verbalem Vorlauf, so dass die Märkte sich über viele Monate bereits an den Gedanken gewöhnen können. Und dann auch ganz sachte und in Trippelschritten.

      Solange das Zinsniveau nicht über 4% ansteigt, bleiben Aktien allererste Wahl. Über 4% werden Anleihen zur Alternative und graben Aktien das Wasser ab. Weil Aktien grundsätzlich risikoreicher als Anleihen sind und der Zinssatz die Risikoprämie darstellt. Bekommt man als für quasi risikolose 10-jährige US-Staatsanleihen 4%, müssten Aktien schon 7% bis 8% abwerfen, um attraktiver zu sein. Je höher der Zins also über 4% steigt, desto unattraktiver/risikoreicher werden Aktien im Vergleich zu Anleihen. Und je mehr Leute dann Geld aus dem Aktien- in den Anleihemarkt umschichten, desto schlechter für die Aktienkurse. Aber bis es soweit ist, ist es noch ein langer Weg. Ich denke, vor Ende 2023 brauchen wir uns hierüber keine ernsthaften Gedanken zu machen. Und dann vermutlich auch noch länger nicht.

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  3. Hallo Michael,

    wie sieht es eigentlich mit der Softbankbeteiligung an Alibaba aus? Sind das auch ADRs und damit ein Risiko?

    LG Markus

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    1. Moin Markus,
      Softbank Group/Son hat die Beteiligung an Alibaba im Jahr 2000 gekauft (ich kann Dir nicht sagen, ob Alibaba damals bereits eine Aktiengesellschaft war). Alibaba ist ja erst viel später an die Börse gegangen. Die Regelungen, dass ausländische Unternehmen sich nicht an chinesischen Firmen beteiligen dürfen, sind mWn erst später eingeführt worden. Ich bin mir daher sicher, dass Softbank keine ADRs hat. Und ich glaube auch nicht, dass es VIEs sind, denn die Beteiligung muss ja 2000 durch die chinesischen Behörden abgesegnet worden sein. Ebenso sollte es sich bei Prosus und deren Anteil an Tencent verhalten, die haben sich ja auch vor 20 Jahren direkt beteiligt.

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  4. Von chinesischen Aktien und ETF halte ich mich fern. Politisches Risiko ist enorm. Wie die Vergangenheit immer wieder gezeigt hat. Man liest in den Foren dann immer wieder, genau wie hier: "aber die haben ja auch kein Interesse daran, ihre eigenen Firmen abzuwürgen".

    DOCH.

    GENAU DAS passiert doch, immer und immer wieder. Wer "zu mächtig" wird oder der ideologie der KP in die Quere kommt, wird zurechtgestutzt oder verschwindet.
    Wünsche euch Kommie-Zockern viel Glück :>

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  5. Vielen Dank, Michael, interessanter Artikel, dem ich im grossen und ganzen zustimme. Eine unterschiedliche Einschaetzung habe ich bezueglich China's Risiko: klar ist der amerikanische Aktienmarkt (noch) dominant, doch sind eben viele ameriklnische Aktien schon sehr hoch bewertet, und fuer mich zeigt sich seit einiger Zeit immer deutlicher die Aushoehlung der amerikanischen Demokratie (nicht nur der, doch Amerika hat Signal-Funktion). Trump war fuer mich ein Symptom einer tiefergehenden Faeule.
    Obgleich ich mir nichts mehr als demokratische Prinzipien wuensche, glaube ich, dass China in vielen Angelegenheiten einfach sehr viel effektiver ist als die USA. Die derzeitige Bildungsreform ha ja, wie Du auch selbst schreibst, gute Gruende.
    Ich halte daher Asien/Pazifik fuer eine der vielversprechendsten Regionen der Welt, nicht nur China selbst, sondern auch Laender, die in sein Handelsnetz mit eingebunden werden: Vietnam, Thailand, Korea... China hat ja in seiner Geschichte viel weniger Kriege gefuehrt als der Westen, sich immer viel mehr auf grosszuegige Handelsdiplomatie verlassen, und die wirkliche Gefahr, die ich sehem ist die, dass die USA vielleicht doch noch einen Krieg anfangen koennten - wenn das geschieht, koennte die Welt, wie wir sie kennen, enden.
    Noch ein Wort zu Value vs. Growth: man sollte nicht glauben, dass sich die Dinge notwendigerweise einfach in die Zukunft fortschreiben werden.

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  6. Vielen Dank für den sehr guten Artikel. Ich denke auch, dass es am besten ist China über einen ETF abzudecken.
    Leider bin ich mir jetzt unsicher, ob mein China-ETF der im Depot ist, in ADR oder die Aktien investiert hat.
    Wie kann man das herausfinden? (WKN: A2PESQ)

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    1. Dein China-ETF wird ja von der UBS aufgelegt, also wäre die eine geeignete Ansprechadresse für die Frage, ob der Fonds ADRs enthält (www.ubs.com). Des Weiteren gibt es ja einen Verkaufsprospekt (letzter Stand 1.4.21) und/oder die "Wesentlichen Anlegerinformationen".

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