Montag, 1. Juli 2013

25 Jahre DAX - Feier für einen Überflüssigen?

Der Deutsche Aktienindex (DAX) wurde 25 Jahre alt und das wurde groß gefeiert. Mit seiner Einführung 1988 wurden die 30 größten börsennotierten Unternehmen der Frankfurter Börse in einem Index zusammengefasst und so ein allgemeines Stimmungsbild der Börsenlage in Deutschland abgebildet - und zwar in Echtzeit. Der bis dato bestimmende und breiter aufgestellte FAZ-Index wurde schnell in den Hintergrund gedrängt.

Wie auch beim Dow Jones Index, dem FTSE-100, dem Nikkei oder dem Hang-Seng-Index räumen die Medien in ihrer Berichterstattung dem Auf und Ab des DAX nicht unerheblichen Raum ein und der Beobachter ist geneigt, aus der Indexentwicklung auf die allgemeine Entwicklung an der Börse und in der Wirtschaft zu schließen. Dabei sollte genau dieser Irrtum tunlichst unterlassen werden!

Denn obwohl der DAX die 30 größten Schwergewichte der deutschen Industrie enthält, handelt es sich einerseits nur um die börsennotierten Unternehmen und insbesondere die Wirtschaft in Deutschland wird von einem breiten Mittelstand getragen. Daher bildet der DAX nur unzureichend die allgemeine Entwicklung ab. Hinzu kommt, dass der DAX einige Branchen deutlich übergewichtet (z.B. Automobile) und sich die Zusammensetzung häufig ändert. Was wiederum zur Folge hat, dass der heutige Indexstand mit dem von früher schwer(er) zu vergleichen ist. Und die Entwicklung einzelner Werte kann teilweise erheblich von der Entwicklung des DAX insgesamt abweichen. So stand der DAX bereits im Jahr 2000 bei 8.000 Punkten mit einer Deutschen Telekom bei über 100 EUR. Und im Jahr 2013, bei erneuten 8.000 DAX-Punkten liegt der Kurs der Telekom bei gerade einmal 9 EUR. Während sich der Index also von seinem starken Einbruch (2003 lag er bei nur noch 2.300 Punkten) erholt hat, ist dies nicht bei allen Indexwerten der Fall.

Losgelöst von diesen allgemeinen Unzulänglichkeiten eines Index stellt sich die Frage, inwieweit der Indexstand für einen langfristig anlegenden Investor interessant ist. Und die Antwort ist so kurz wie einfach: überhaupt nicht. Denn ob der DAX bei 1.000 oder 10.000 Punkten steht, ist für mich als Value-Investor belanglos. Ich kaufe keine Aktien, weil der DAX niedrig ist und ich verkaufe keine Aktien, weil er hoch steht. Ich kaufe, weil ich ein Anteile an herausragenden Unternehmen zu einem deutlich unter ihrem fairen Wert liegenden Aktienkurs kaufen kann - und dem entsprechend verkaufe ich die Aktien, wenn sie deutlich über dem fairen Wert notieren. In der Zwischenzeit tue ich nichts, sondern "sitze auf meinem Hintern und warte ab", wie es Charlie Munger, der kongeniale Partner Warren Buffets formulierte. Was der Index währenddessen treibt, hat für mich keine Relevanz! Und daher sehe ich die Veränderungen des DAX-Standes eher als Gradmesser für die allgemeine Stimmungslage am Markt, die den Börsenkommentatoren unermüdlich Munition für (zumeist nichtssagende) Kommentare bietet - mehr hat mir der Index nicht zu bieten. Abgesehen davon, dass ich heute diesen Artikel verfassen kann. Immerhin etwas...

1 Kommentar:

  1. Richtig, aber auch richtig ist, dass man bei DAX 2300 erheblich mehr Unternehmen findet, die
    unter ihrem Wert notieren, und auch viel weiter unter ihrem Wert, als bei Dax 8700.

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