Donnerstag, 14. Juni 2018

Peter Lynch mahnt: "Verliebe dich nie in eine Aktie. Bleibe immer aufgeschlossen!"

Menschen neigen zu selektiver Wahrnehmung; sie gewichten Argumente, die ihre eigene Meinung stützen als jene, die dem eigenen Standpunkt widersprechen. Man nennt das auch "Confirmation Bias" oder Bestätigungsfehler.

Doch da uns Benjamin Graham schon lehrte, vor allem unser Kapital zu erhalten, also an die Risiken zu denken, muss sich ein Anleger dieser eigenen Schwäche bewusst sein, wenn er langfristig Erfolg haben möchte.


»Ein Investment liegt immer dann vor, wenn nach einer gründlichen Analyse in erster Linie Sicherheit und erst im Anschluss daran eine zufriedenstellende Rendite steht.«
(Benjamin Graham)

Hat man sich die Mühe gemacht und eine Aktie gründlich analysiert, also die Geschäftsberichte der vergangenen Jahre studiert, viele Artikel zum Geschäft und dem Marktumfeld gelesen und die Bewertung unter die Lupe genommen, und ist zu dem Schluss gekommen, dass man die richtige Aktie für ein Investment gefunden hat, dann sucht man hierfür nach Bestätigung. Man sucht die Herde. Denn zumindest im Unterbewusstsein regt sich Unwohlsein, wenn man gegen den Strom schwimmt, wenn man der einzige ist, der anders handelt, anders investiert.

»Verliebe dich nie in eine Aktie. Bleibe immer aufgeschlossen.«
(Peter Lynch)

Allerdings gibt es zu jedem Zeitpunkt Argumente, die für ein Unternehmen und seine Aktien sprechen und solche, die dem entgegenstehen. Und wenn sich der Kurstrend der Aktie dreht, drehen sich fast ebenso schnell die Meinungen - auch derjenigen, die zuvor noch das Gegenteil behauptet haben. Der Erfolg hat viele Väter, der Misserfolg ist Vollwaise.

»Wenn du alle Fakten zusammen hast, kann deine Entscheidung richtig sein; wenn du nicht alle Fakten zusammen hast, kann sie nicht richtig sein.«
(Bernard Baruch)

Also, wie geht man mit diesem menschlichen Verhalten um, das einen als Anleger so viel Geld kosten kann?

  • Man sollte die Gegenargumente nicht einfach abtun, sondern versuchen, sie objektiv zu betrachten. Sich also vorstellen, man würde selbst diese Meinung vertreten und schauen, ob man für diese eine Bestätigung findet. Ist das nicht der Fall, umso besser.
     
  • Des Weiteren kann man generell vor einer Kauf- oder Verkaufsentscheidung die Gegenposition einnehmen. Will man eine Aktie kaufen, sollte man sich vorher überlegen, was für einen Verkauf sprechen könnte. Und will man sie verkaufen, sollte man nach Kaufargumenten suchen. 

Dies ist nicht banal, denn wir neigen dazu, die Depotpositionen nicht nach ihrem Wert und ihrem Potenzial zu betrachten, sondern im Verhältnis zu unserem Einstandskurs. Und das ist natürlich ziemlich dämlich.

»Ein Börsianer darf seine Papiere nie im Verhältnis zum Einkaufspreis einschätzen, sondern zum Tagespreis.«
(André Kostolany)

Denn die Aktie und die anderen Marktteilnehmer interessiert nicht, ob wir eine Aktie zu 10, 20 oder 50 Euro gekauft haben. Und das Potenzial in dem Unternehmen orientiert sich erst recht nicht daran. Auch hier gilt, dass man sich bei Investments von den objektiven Fakten leiten sollte, nicht von seinen subjektiven Gefühlen. Und zur Objektivität verhelfen uns die Ansichten der Anderen wesentlich eher, als das Wiederkäuen unserer eigenen Argumente.

»Sobald man der Überzeugung ist, etwas scheine eine gute Investition zu sein, schränkt dies die Verarbeitung relevanter Informationen erheblich ein
(Thomas Gilovich)

Man sollte sich niemals den Gegenargumenten verschließen, sondern diese auf ihre Substanz hin überprüfen. Andererseits darf man auch nicht blind einfach nur den Tipps der Anderen nachlaufen, denn auch diese unterliegen bei ihrer Einschätzung ja der selektiven Wahrnehmung und verfolgen mit ihren öffentlich abgegebenen Tipps nicht selten handfeste - auch mal finanzielle - Eigeninteressen. Und so landet der kluge Investor schlussendlich bei Immanuel Kant, der sagte: "Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen". Dieser Rat ist ein ganz hervorragender, nicht nur an der Börse. Aber eben besonders hier!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen