Freitag, 2. Oktober 2015

Investor-Update: KKR, SHW

Im Investor-Update notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

Sell-Offs bieten Chancen
Eine eherne Börsenregel lautet, man solle niemals in ein fallendes Messer greifen. Soll heißen, in einen Kursabsturz hinein zu kaufen, bringt meistens Kursverluste mit sich, zumindest auf kurze Sicht. Ratsamer erscheint es abzuwarten, bis sich der Kursabsturz verlangsamt und in eine Kurserholung übergeht.

Nun, manchmal sind Kursabstürze aber heftige Übertreibungen und bieten so große Chancen, dass man einfach zugreifen muss. Ob man damit richtig liegt, erweist sich natürlich erst im Nachhinein. Ich habe diese Woche genutzt, um bei drei Unternehmen zuzulangen.

+ KKR & Co. L.P.
Der Kurs von KKR ist in der vergangenen Woche noch einmal deutlich gefallen und ich denke, dies ist eine inzwischen maßlose Übertreibung nach unten. Klar, KKR ist im Bereich der Öl- und Gasförderung aktiv und baut dieses Engagement zur Zeit noch aus, aber diese Investments hat man bereits im letzten Quartal 2014 massiv abgeschrieben. Klar, eine große Ol-Förderfirma aus dem KKR-Portfolio musste gerade Insolvenz anmelden. Klar, die Börsenturbulenzen beeinträchtigen KKRs Möglichkeiten, Beteiligungen zu Höchstpreisen an die Börse zu bringen. Aber sie setzen sie nicht außer Kraft! Denn aktuell läuft gerade das IPO des weltgrößten Zahlungsabwicklers First Data, bei dem KKR auch nach dem Börsengang das Sagen haben wird. Dieses Asset ist übrigens in KKRs Bilanz bereits längst auf 60% des Einkaufspreises abgewertet worden, denn KKR hatte First Data kurz vor der Finanzkrise für sehr viel Geld übernommen - und auch dank der Abschreibungen wird KKR nun doch noch Gewinne aus dem Investment ziehen. Außerdem hat man sich jüngst mit 10% an Oz Minerals beteiligt, einem australischen Kupfer-Förderer. Ein klassisch antizyklisches Investment. Und das gefällt mir, denn KKRs Investments sind ja mittel- und langfristiger Natur, erst nach einigen Jahren wird die Ernte eingefahren. Und dabei sollte man nicht übersehen, dass KKR noch etliche Engagements aus der Zeit der Finanzkrise in den Büchern hat, die heute mit großen Wertzuwächsen zu Geld gemacht werden (können). Da winken auf absehbare Zeit weiterhin üppige Erträge und Dividenden - die aufs Jahr hochgerechnete Dividendenrendite liegt bei knapp 11 Prozent! Ich habe meinen KKR-Bestand daher also zu knapp 14,50 EUR weiter ausgebaut.

+ SHW
SHW ist ein deutscher Automobilzulieferer und operiert damit nicht gerade in meiner Lieblingsbranche, wie ich vor gut einem Jahr bereits ausführte, als ich fragte, ob deutsche Autozulieferer wieder kaufenswert seien. Allerdings gibt es bei SHW nun eine Sondersituation, die die Aktie nach einem echten Schnäppchen aussehen lässt. Denn SHW hat das Problem, dass man zu erfolgreich ist, der Umsatz legt stark zu, die Gewinne sinken. Und das hat seinen Grund, denn SHW hat Kapazitätsprobleme, die Produkte aus dem Bereichen Bremsanlagen und Kraftstoffpumpen werden dermaßen von den großen Autoherstellern nachgefragt, dass SHW gar nicht genug produzieren kann. Deshalb müssen für Teilbereiche andere Unternehmen involviert werden, was zu deutlichen Mehrkosten führt. Das Management hat das Problem erkannt und das Investitionsprogramm soll hier Abhilfe schaffen - künftig ist also mit einer deutlichen Margen-Erhöhung zu rechnen und damit mit höheren Gewinnen. Allerdings gab es unlängst die Meldung, ein "bedeutender Kunde" wolle künftig Teilstücke von SHW-Komponenten selbst fertigen und daraufhin wurden die Gewinnprognosen deutlich zurückgenommen. Der Aktienkurs stürzte daraufhin ziemlich ab. Und nun kommt noch der Abgas-Skandal bei VW hinzu und SHW macht mit VW immerhin etwa ein Viertel seines Umsatzes. Zeit für eine weitere Verkaufswelle bei SHW, die zwischenzeitlich auf unter 20 EUR rutschten, also fast auf das Niveau während der Finanzkrise.

Der Kurseinbruch von weit mehr als 50% ist meiner Ansicht nach mehr als übertrieben und überbewertet die ohne Frage vorhandenen Probleme und daher habe ich mir zu 20 EUR ein paar SHW-Aktien ins Depot gelegt.


.: Cashquote
Meine Cashquote ist aufgrund der beiden Käufe nahe an die Marke von 20 Prozent gefallen, doch ich fühle mich damit nicht (mehr) unwohl. Da inzwischen jeder, wirklich jeder davon ausgeht, dass der Markt eigentlich nur weiter fallen kann, glaube ich, dass wir das Gröbste hinter uns haben und in etwa auf dem Börsenniveau sind, von dem aus die nächste Erholung einsetzen wird. Ob dies nun in der nächsten Woche oder einige Wochen später beginnt, kann ich natürlich nicht abschätzen. Auch steht nun die nächste Berichtssaison in den USA an und zuletzt sind die Prognosen derart zusammengestutzt worden, dass die Unternehmen sie kaum noch unterbieten können. Was Spielraum bietet für positive Überraschungen...

Kommentare:

  1. Interessant, dass du jetzt doch in Richung der Autozulieferer gehst. Nachdem sie lange ehr teuer waren, ist der Preis ja inzwischen wieder ziemlich in Ordnung - allerdings würde ich fragen warum gerade SHW, was gefällt dir da besser als bei anderen Zulieferern? Andere wie Grammer, Hella, ElringKlinger sind ja ähnlich gefallen in letzter Zeit. Grammer und Polytec gibts gerade zum Buchwert (ohne dass sie diese angesprochenen Probleme hätten), während SHW noch ein großes Stück drüber liegt. Andere haben wie Paragon eine überzeugende Wachstumsstory. Und wenn man bei solchen Kapazitätsproblemen wie SHW und ElringKlinger nicht schnell die Produktion hochfahren kann oder andernfalls die Preise erhöhen, sehe ich das auch als eine strukturelle Schwäche des Geschäftsmodells - wer weiß ob nicht gerade wenn in zwei Jahren die Kapazitäten ausgebaut sind die nächste Absatzkrise droht, oder bis dann noch mehr Kunden auf Eigenproduktion umsteigen?

    Soll keine prinzipielle Kritik sein, ich finde auf dem aktuellen Preisniveau es shcon interessant, wenn alleine die Dividende konstant gehalten werden könnte ;)

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    1. Ich bin nach wie vor kein Freund von Investments in den Automobilsektor und das nicht erst seit dem Abgasskandal bei VW. Die Zulieferer sind ebenfalls keine meiner bevorzugten Branchen, auch wenn ich ja einige Industrieholdings bzw. Beteiligungsgesellschaften auf meiner Empfehlungsliste habe, die auch in diesem Bereich aktiv sind (z.B. Delignit, MBB, MAX Automation).

      Bei SHW gefällt mir der unternehmerische Fokus auf Sicherheit (Bremssysteme) und Umwelt (Öl- und Benzin-Pumpen, CO2-Einsparung, Leichtbau). Hier werden die Abnehmer auch künftig hohes Interesse an neuen und fortschrittlichen Produkten haben.

      Die Kapazitätsprobleme bei SHW sind nicht neu, die gibt es bereits seit letztem Jahr. Und die Investitionen zielen ja auch genau in diese Richtung und sind bereits teilweise umgesetzt. Das Management hat also die Probleme nicht nur erkannt, sondern auch den Lösungsweg eingeschlagen. Das spricht für SHW. Und neben der Gewinnwarnung hat SHW eine umfassende Aktionärsmitteilung herausgegeben, wo die aktuellen Probleme, Entwicklungen, Perspektiven detailliert aufgelistet werden. Ich sehe die Risiken nach dem Kursabsturz weitgehend in den Kursen eskomptiert, während die Chancen momentan überhaupt nicht wahrgenommen werden. Auch das spricht für ein Engagement in SHW.

      Ob die Dividenden bei 1 EUR gehalten werden kann, muss man abwarten. SHW möchte jedenfalls weiterhin 30 bis 40 Prozent des Jahres Konzernjahresüberschusses ausschütten.

      All diese Faktoren sprechen für die SHW-Aktie. Ob sie einzeln oder teilweise auch für andere Automobilzulieferer gelten, kann ich jetzt nicht einschätzen, weil ich mich mit diesen nicht näher beschäftigt habe. Die Gewinnwarnung von Elring Klinger hat mich jedenfalls auch an die Probleme bei SHW erinnert, nur um ein Jahr versetzt.

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  2. Hallo Michael,

    KKR und SHW habe auch ich mir ins Depot geholt. SHW als Beimischung, KKR aufgrund der guten Aussichten, vor allem die momentanen Investments in Rohstoffe lässt mein Interesse steigen, und meine Begeisterung.

    First Data, und andere Unternehmen, werden KKR in Zukunft sehr viel Geld einbringen, davon bin ich überzeugt.

    Auch die Deutsche Rohstoff habe ich mir jetzt ins Depot geholt für ca. 14 € je Aktie. Ich werde auch jeden Monat einen "kleinen" Betrag in die DRAG investieren.

    Mit freundlichen Grüßen aus Bayern,





    D

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    1. KKR, DRAG, SHW - drei antizyklische Investments, die uns auf längere Sicht viel Freude machen sollten.

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  3. Servus
    KKR ist interessant. Ist eine LP und wie wird dann die Dividende steuerlich behandelt?
    Gruß
    Sky

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    1. Bei Limited Partnerships (L.P.) wird bei Dividendenausschüttungen meiner Information nach keine Abgeltungssteuer abgezogen. Allerdings sind die Ausschüttungen nach deutschem Recht natürlich nicht steuerfrei. Man muss sie im Rahmen seiner Einkommensteuererklärung also angeben und versteuern. Das ist die Anlage KAP (Kapitalerträge).

      KKR (und auch Blackstone Griup L.P.) zahlen jedoch nicht eine Dividendensumme, sondern die Ausschüttungen erfolgen aus mehreren "Töpfen". Das hat den Hintergrund, dass beide durchaus versuchen, die Steuerbelastung für ihre Aktionäre gering zu halten. Es gibt reguläre Dividendenausschüttungen, die auch der US-Quellensteuer unterliegen, dann gibt es Ausschüttungen aus Tochter-Fonds und auch Zahlungen aufgrund von "Kapitalherabsetzungen". Anstelle einer Zahlung hat man dann vielleicht 5 Teilzahlungen, die in der Summe aber auf das gleiche Ergebnis kommen. Am Jahresende erhält man von seiner Depotbank (manchmal nur auf Nachfrage!) eine sog. Jahreserträgnisaufstellung, in der die ganzen Angaben zu finden sind. Die trägt man dann in die Anlage KAP ein und das Finanzamt sieht dann ja, die Höhe der Einnahmen und die bereits gezahlten Steuern und muss dann ggf. die Differenz noch einfordern oder zurückerstatten.

      Grundsätzlich sollte man sagen, dass es sich für Privatleute immer lohnt, die Anlage KAP abzugeben und nicht einfach zu erklären, man habe keine Einkünfte oberhalb des Sparer-Pauschalbetrages erzielt. Denn wenn man die Anlage KAP abgibt, macht das Finanzamt eine sog. "Günstigerprüfung". Das bedeutet, sie prüfen, ob die Pauschalabzugsregelung von 25% + Soli + Kirchensteuer für den Steuerpflichtigen günstiger ist, oder ob sein individueller Einkommensteuersatz niedriger ist - die günstigere Variante findet dann Anwendung. Bedeutet, wenn man selbst nur auf einen Steuersatz von 20% kommt, erhält man die Differenz vom Finanzamt zurück. Sollte man also nicht einfach verschenken...

      Eine eigene praktische Erfahrung, wie dies nun in der privaten Steuererklärung abzuwickeln ist, kann ich leider nicht mitteilen, da meine Aktien ja in einer GmbH liegen und hier andere Steuerregeln gelten, um die sich der (für GmbHs gesetzlich vorgeschriebene) Steuerberater kümmert.

      Grundsätzlich kann man wohl sagen, dass für KKR-Dividenden genauso viel oder wenig Steuern zu bezahlen sind, wie für andere US-Dividendeneinnahmen. Nur der Weg ist ein etwas anderer.

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  4. Vielen Dank für die ausführliche Erklärung. Hört sich ja kompliziert an, mit den 5 verschiedenen Dividendenzahlungen.
    Ich glaube ich kaufe erstmal KCAP oder RSO :)

    Zumindest weiss ich jetzt, das die Günstigerprüfung Sinn macht:
    Wie kann ich meinen persönlichen Steuersatz ausrechnen?

    Sie müssen die von Ihnen gezahlte Einkommensteuer mal Hundert nehmen und dann durch Ihr zu versteuerndes Einkommen teilen. Wie viel Einkommensteuer Sie bezahlt haben und wie hoch Ihr zu versteuerndes Einkommen ist, können Sie in Ihrem Steuerbescheid nachschauen.

    Ein Beispiel: Ein Single hat 2014 insgesamt 30.000 Euro verdient und 5.558 Euro Einkommensteuer bezahlt. Der persönliche Steuersatz errechnet sich also wie folgt:

    5.558 Euro x 100 / 30.000 Euro = 18,52 Prozent
    (ist im übrigen eine Beispielrechnung)





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    1. Nein, die Dividendenzahlungen sind nicht kompliziert, anstatt eine Zahlung über 1.000 EUR kommen dann vier über 100, 200, 300, 400 EUR. Und vier Abrechnungen zu den Zahlungen. Das ins Verhältnis zu den Chancen und der hohen Dividendenrendite gesetzt, ist den "Aufwand" mehr als wert, finde ich.

      Der Clou an der Günstigerprüfung ist, dass sie ohne Risiko ist. Das Finanzamt führt die durch und sollte sich die Einzelveranlagung nach dem persönlichen Steuersatz als nachteilig für den Steuerschuldner herausstellen, wird sie nicht nachträglich angewandt. Man muss also eigentlich nicht selbst vorab rechnen.

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  5. Die Commerzbank hat in einer neuen Analyse ihr Kurziel für SHW deutlich von 57 auf 35 EUR gesenkt. Auf dem aktuellen Kursniveau von 22 EUR entspricht dies einem Kurspotenzial von 60% und folgerichtig lautet das Analystenvotum "kaufen".

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