Samstag, 13. Mai 2017

Abschied von Bavaria Industries

Bavaria Industries hat alles richtig gemacht und über die letzten Jahre tolle Renditen eingefahren. Auf meiner Empfehlungsliste tauchte sie erst vor anderthalb Jahren auf und damit relativ spät; ich hatte hier anderen Beteiligungsgesellschaften wie MBB oder Aurelius den Vorzug gegeben, obwohl ich auch Bavaria immer auf dem Kieker hatte. Bis jetzt.

Bavaria hat sich im letzten Jahr von großen Beteiligungen getrennt. Insbesondere mit der größten, der TriStone, hat man fette Gewinne eingestrichen. Bavaria notiert noch immer unterhalb des NAV und daher sollte sie eigentlich ein Kauf sein/bleiben. Doch man ändert die Geschäftspolitik. Anstatt weiterhin erfolgreich Sanierungsfälle zu übernehmen, aufzupäppeln und mit großem Gewinn wieder zu veräußern, setzt Bavaria künftig auf Investments in große börsennotierte Unternehmen. Damit wird Bavaria also zu eine Kapitalanlagegesellschaft, wie ein Index-Fonds. Zugleich verbleiben im Beteiligungsportfolio noch Reste an Gesellschaften und die haben zuletzt enttäuscht. Hier wird also Geld verbrannt, ohne große Perspektiven für diese Unternehmen zu haben. Und die Kombination aus diesen beiden Faktoren macht Bavaria Industries für mich für die Zukunft zu einem uninteressanten Investment. Da kann ich mir gleich einen Index-ETF zulegen und hab dann die taumelnden Beteiligungen nicht als Mühlstein am Hals. Und im Bereich der Beteiligungsgesellschaften herrscht ja kein Mangel an interessanten Werten.

Bei Sanierungsspezialisten wird man bei Blue Cap oder Mutares fündig, bei Beteiligungsholdings dürfte man mit MBB oder Indus sehr gut fahren, oder mit der kleinen GBK Beteiligungen. Und natürlich mit der Deutschen Beteiligungs AG, die als Asset Manager einen außerordentlich guten Job macht und noch viele "reife" Unternehmen in Bestand hat, die sie nun sukzessive verkauft und so in Gewinne ummünzt.

Ich streiche Bavaria also von meiner Empfehlungsliste. Unterm Strich bleiben nach anderthalb Jahren 30% Rendite bzw. 20,7% pro Jahr. Das kann sich mehr als sehen lassen.

Kommentare:

  1. Hey Michael,
    ich durfte vergangene Woche einem Vortrag von Bavaria CEO Reimar Scholz lauschen. Dabei erwähnte er dass der Wechsel der Investments hin zu börsennotierten Valuetiteln eigentlich eher aus der Not heraus geboren ist. Bavaria hat eigentlich die selben Probleme wie Buffett: Sie sitzen auf einem Haufen von Cash und finden kaum mehr brauchbare und günstig bewertete PE-Deals. Mit einem DAX-Etf kann man sie trotzdem nicht vergleichen, die Titel kommen viel selektiver und auch internationaler in den Bestand.

    VG
    Markus

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    1. Der entscheidende Strategieschwenk ist doch, dass Bavaria keine Sanierungsfälle mehr übernehmen will. (Nur) deshalb hat man Probleme, günstige Targets zu finden. Man schafft sich also das Problem selbst, über das man sich beklagt. Also konkrete Gegenfrage: weshalb sollte ich in Bavaria Geld investieren, wenn die dieses Geld doch nur in DAX-Titel stecken? Die Expertise von Bavaria liegt eben nicht in der Auswahl von börsennotierten Aktien, sondern im Aufstöbern und restrukturieren von Pleitefirmen. Und genau deshalb war Bavaria so erfolgreich und eine so interessante Depotposition.

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    2. Die Not hat sich Bavaria selber geschaffen, indem sie sich standhaft weigern, auch nur einen Cent Dividende auszuschütten. Statt also die Anlagenot zu beheben und insbesondere nach Tristone einen Teil des Gewinns an die Aktionäre zurückzugeben, steckt man das Geld in börsennotierte Aktien - einem Geschäftsfeld in dem man bisher keine großartige Kompetenz bewiesen hat. Warum sollte ich mich darauf einlassen? Wer sollte sich überhaupt darauf einlassen? Der Kurs wird weiter sinken, denke ich und dann kann ja Bavaria die Aktienrückkäufe wieder aufnehmen, solange bis man den letzten Kleinaktionär endlich rausgekauft hat und die Bude schliessen kann.

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  2. Ich sehe keinen Strategieschwenk. Herr Scholz kauft Sanierungsunternehmen nur, wenn der Preis nicht höher ist als ca. das fünffache EBITDA bzw. sechsfache EBIT. Dies hat er aus meiner Sicht immer wieder kommuniziert. Nachdem der Markt dies derzeit nicht hergibt ist es nur logisch, wenn er sein Geld in guten Unternehmen parkt. Ob er dies genauso gut macht wie das Sanierungsgeschäft bleibt natürlich dahingestellt. Was mir aber Vertrauen gibt ist, dass er aus einer Marktkapitalisierung von 57 Mio Euro 310 Mio in elf Jahren gemacht hat.

    Klaus Leitner

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    1. Die gute Performance der Vergangenheit zweifle ich ja nicht an - nur kann man sie eben nicht einfach in die Zukunft fortschreiben. Bei keinem Unternehmen. Im Falle der Bavaria aber noch weniger, eben weil Scholz nicht mehr so agiert wie früher, sondern sich auf neues Terrain wagt. Dass er hier ähnliche Erfolge erzielt wie als Sanierer, muss er doch erst noch beweisen. Der "Track-Record" in seinem Aktionärsbrief jedenfalls überzeugt nicht, denn dort wird auf weit überdurchschnittliche Erfolge bei der Aktienauswahl verwiesen. Allerdings ging man dauerhaft von einem Crash-Szenario an den Märkten aus und hatte deshalb nur eine minimale Investitionsquote, so dass man unterm Strich nicht besser abgeschnitten hat als der DAX.

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