Donnerstag, 21. September 2017

Paul Hartmann streicht die Jahresziele. Und ich die Segel...

Paul Hartmann stellt eine breite Palette an medizinischen Produkten her, von Verbandsmaterialien über Pflege- und Desinfektionsmittel hin zur Inkontinenzversorgung. Ich hatte das Unternehmen während meines Krankenhausaufenthalts vor knapp zwei Jahren unter die Lupe und auf meine Empfehlungsliste genommen, weil mir das Geschäftsmodell gefallen hat und die damalige Auslösung des Pool-Vertrags einiger Großaktionäre "mehr Action" im Aktionariat versprach, also einen erhöhten Börsenumsatz und vielleicht mittelfristig sogar eine Übernahmespekulation. Nun, so richtig aufgegangen sind meine Überlegungen nicht. Zwar hat sich der Kurs von Paul Hartmann ganz passabel gemacht und es gab auch schöne Dividenden einzustreichen, aber ansonsten schnarchte das Unternehmen weiter vor sich hin. Das erhoffte Wachküssen ist bis heute ausgeblieben.


Und nun muss Paul Hartmann auch noch seine Jahresprognose kappen. Auf Basis der Entwicklung der ersten acht Monate des Geschäftsjahres 2017, der zu erwartenden Herausforderungen in den nächsten Monaten und der damit verbundenen gedämpften Geschäftsaussichten hat der Vorstand beschlossen, den Ausblick für das EBIT der Hartmann Gruppe für das laufende Geschäftsjahr 2017 zu reduzieren. Das jetzt erwartete EBIT liegt bei etwa 135 Mio. Euro und damit knapp 4 Mio. Euro unterhalb des Vorjahreswertes. Bisher war von einem moderaten EBIT-Wachstum ausgegangen worden. Als Gründe wird gleich ein ganzes Potpourri aufgeführt, wie die neue europäische Medizinprodukteverordnung und die damit verbundenen regulatorischen Kosten und erhöhten regulatorischen Aufwendungen, der aktuell hohe Preisdruck im Markt sowie die sich langsamer als geplant entwickelnden US-Aktivitäten.

Alles zusammen klingt nicht so, als würde sich hier schnell und nachhaltig eine Besserung einstellen, so dass auch mittelfristig eher raue Zeiten auf Paul Hartmann und seine Aktionäre zukommen. Was mich dazu veranlasst, die Reißleine zu ziehen und meine Paul Hartmann-Spekulation zu beenden. Mein Investmentcase ist schlicht nicht aufgegangen und ich nehme den Wert von meiner Empfehlungsliste. Unter dem Strich bleibt unter Einbeziehung der Dividenden und des heutigen Kursabsackers ein passables Ergebnis von 18% bzw. einer jährlichen Rendite von 9,3%.

Kommentare:

  1. Moin Michael,

    Es wird auch nicht leichter in diesen Zeiten, da alle im Gesundheitswesen sparen (müssen). Ich selber arbeite auch in einer Klinik und habe festgestellt, wie zunehmend Produkte von Hartmann aus dem Sortiment genommen wurden. Jedoch nicht auf Kosten der Qualität. Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich Produkte von folgenden Börsenunternehmen empfehlen Smith + Nephew, Coloplast Group, und Fresenius. Wenn ich zurückdenke, ist es eigentlich "erschreckend" wie sehr Fresenius sich mit ihren Produkten ausgebreitet hat. Wenn es Aktien von der B. Braun Melsungen AG zu kaufen gäbe, würde ich sofort kaufen, da ich ihren Produkten täglich überzeugt bin.

    beste Grüße Hans-Jürgen

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Coloplast fand ich immer grundsätzlich interessant. Doch die haben ja Probleme in England (gehabt?), aber wegen des Brexits und dem großen GB-Exposures bleibe ich zurückhaltend. Und weil es Dänen sind (und damit meine ich die Steuerbelastung bei den Dividenden und den ggf. damit einhergehenden bürokratischen Aufwand).

      Löschen
    2. Es gibt ja noch genügend andere interessante Unternehmen im "Healthcare-Sektor" Angefangen bei JNJ, GILD,.... sowie jede Menge gute REITs. Jedenfalls bin ich ausreichend fündig geworden. :-)

      Hans-Jürgen

      Löschen
  2. Hartmann bleibt als Defensivinvestment auf meiner Watchlist. Bei Kursen unter 400 Euro würde ich eine gute Kaufmöglichkeit sehen. Ich sehe vernünftige Margen, Umsatzwachstum und eine hohe Eigenkapitalquote. Das Ertragsproblem muss gelöst werden.

    AntwortenLöschen
  3. Das Problem der Hartmänner liegt mE ganz woanders. Die in der Veröffentlichung genannten Probleme sind nichts neues und könnnen bestenfalls als Erklärung herhalten, dass das Ergebnis-wachstum verlangsamt ist. Regulatorische Kosten sind tägliches Brot, und fallen nicht vom Himmel, da muss man drauf eingerichtet sein. Der Preisdruck ist allgegenwärtig und ihm muss durch Cost-management und vor allem durch Innovationen begegnet werden.
    Naja, und das Thema USA - da sind wir bei dem Trauerspiel Nr. 1 bei Hartmann: Die Internationalisierung geht viel zu langsam.
    Ursache der Malaise sind m.E. ursächlich die Eigentümerstruktur, die mit der aktuellen Ergebnissituation ganz zufrieden sind, weil sie ein defensives, konjunkturunabhängiges Investment neben dem zyklischen Zementgeschäft suchen. ABer sekundär auch der Vorstand, der in den Laden keinen Drive reinbringt. Mag daran liegen, dass er vom AR ausgebremst wird, mag sein, dass er selbst das nicht kann oder will. Das kann ich nicht beurteilen.
    Nastarowje

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich bin weitgehend Deiner Meinung. Gerade das Aufbrechen dieser verkrusteten Strukturen, dass "mehr Drive" reinkommt in den Laden wegen der Beendigung des Pool-Vertrags, das war mein Investmentcase. Aber das hat sich nicht konkretisiert, daher schnarcht man weiter vor sich hin. Mittel- und langfristig bleibt man aber kaum in seiner Wohlfühlzone, die Konkurrenz lässt Hartmann kaum in Ruhe träumen, sondern wird den Laden bedrängen und ihm sukzessive Marktanteile abnehmen. Den Lahmsten fressen die Konkurrenten zuerst. Und wie Hans-Jürgen schon schrieb, sind andere in diesem Markt schneller, agiler, besser.

      Löschen