Sonntag, 24. März 2019

Kissigs Klookschieterei: Die 12. Börsenwoche im Rückspiegel mit Hornbach Baumarkt, MBB, WashTec

Stetig kletterten die Kurse in der letzten Börsenwoche und markierten neue Jahreshochs; der DAX überschritt sogar kurz die 11.800er Marke, bevor ihm die Luft ausging. Vor allem der starke Einbruch von Bayer wegen eines neuen Glyphosat-Urteils setzte dem DAX schwer zu, bevor dann am Freitag alle Märkte kräftig einbrachen, weil sich ein Anflug von Panik an den Bond-Märkten breit machte, was die Bank-Aktien stärker unter Druck brachte. Denn die Zinskurve sendete ein Rezessionswarnzeichen und das macht aus Börsianern schnell Bärsianer (ha, der Preis der Woche für den schlechtesten Wortwitz geht ja wohl klar an mich!). Kurz erklärt: normaler weise liegen die Zinssätze für langlaufende Anleihen über denen für kurzlaufende; kehrt sich dieses Verhältnis um, spricht man von einer "inversen Zinsstrukturkurve" und das ist ein sehr schlechtes Signal für die kurzfristige wirtschaftliche Entwicklung. Meistens. Wenn dies denn länger anhält, aber das muss sich erstmal zeigen. Und wie die Börsenkurse darauf reagieren, bleibt auch abzuwarten. Denn es erhöhen sich momentan deutlich die Zeichen, dass die amerikanische Notenbank wohl nicht nur keine weiteren Zinsanhebungen mehr vornehmen wird, sondern dass es sogar in den nächsten Monaten zu Zinssenkungen kommen könnte. Und die sind seit jeher das größte Treibmittel für steigende Börsenkurse...


Börsentheater, 1. Akt: Die Politik

Sorry, dieses Mal spielt "The Don" keine Hauptrolle in meinem Börsentheater, der war letzte Woche ungewöhnlich still und wenig präsent. Ob das damit zusammenhängt, dass US-Sonderermittler Robert Mueller seinen Bericht wegen der möglichen Verstrickungen von Trump und seinem Wahlkampfteam in Aktivitäten der Russen, die die Präsidentenwahl 2016 beeinflussen wollten und beeinflusst haben. Der Bericht ist (noch?) nicht öffentlich bekannt, aber beide Lager versuchen sich schon daran, die politische Deutungshoheit darüber zu erlangen.

Und dann war da noch der Brexit. Eigentlich sollte er ja Ende kommender Woche stattfinden, am 29. März, aber die EU hat Theresa May einen letzten, kurzen Aufschub gewährt, um doch noch den Brexit-Vertrag durchs Parlament zu boxen. Das Ganze ist ein politischer Offenbarungseid der britischen Politklasse und zeigt ein durch und durch gespaltenes Land. Sowohl die Torries als auch Labour haben keine einheitliche Position zu diesem wohl generationsprägendsten Thema und auch die einzelnen Landesteile sind tief gespalten: während England raus will/wollte aus der EU, wollten Waliser, Schotten, Nord-Iren drin bleiben. Die Alten wollten ihr Empire zurück, während die Jungen ihre Zukunft klar in der EU und der Gemeinschaft sahen. Anstatt ihr eigenes Unvermögen und Scheitern einzugestehen, beleidigte die Premierministerin lieber das Parlament als unfähig. Ihre Aufgabe, die Nation zu einen, nimmt sie jedenfalls nicht wahr. Und so war, ist und bleibt (erstmal) weiter alles unklar in Sachen Brexit...


Börsentheater, 2. Akt: Die Unternehmen

Einige bemerkenswerte Entwicklungen bei Unternehmen von meiner Beobachtungsliste gab es dann aber auch noch in den letzten Tagen.

Hornbach Baumarkt

Bei der Hornbach Baumarkt AG bin ich ja bereits vor gut einem halben Jahr ausgestiegen und die jetzt vorgelegten Zahlen inkl. der nochmaligen Verfehlung der ohnehin schon gesenkten Ziele haben mich in meiner negativen Einschätzung weiter bestärkt. Hornbach Baumarkt liefert einfach nicht mehr ab und das, obwohl die Rahmenbedingungen kaum noch besser sein könnten. Bleibt schwierig, mit dieser Aktie Geld zu verdienen - weil es das Unternehmen auch nicht hinkriegt. Und sollte man doch Erfolge mit der Digitalisierungsstrategie feiern können, dürfte man sich damit ausgerechnet Amazon als Konkurrenz auf die eigene bisher abgeschottete Spielwiese holen. Seit jeher war das keine gute Idee, wie viele andere Branchen schmerzhaft lernen konnten. Denn das Credo von Amazon Chef Jeff Bezos lautet: "Deine Marge ist meine Chance"...

MBB

Bei MBB sorgte die Meldung, dass man den Angebotspreis für den großen Aktienrückkauf auf 96 Euro erhöht von bisher 89 Euro nicht für einen neuen Kurssprung, sondern eher für Verwirrung. Ich sehe das nicht so kritisch, denn da der faire Wert je Aktie bei über 100 Euro liegt, bringt der Aktienrückkauf auch so noch einen Wertzuwachs für das Unternehmen und die Aktionäre. Ich denke, die beiden Großaktionäre Nesemeier und Freimuth hatten eher Angst, zu viel von "ihrer" MBB abgeben zu müssen, denn sie hatten ja erklärt, bei Aktienrückkauf voll mitzuziehen. Wegen des deutlich erhöhten Börsenkurses schien das Angebot aber vielleicht nicht mehr attraktiv genug, und wenn zu wenige andere Aktionäre ihre Aktien angedient hätten, wäre der Anteil der beiden Großaktionäre (jeweils 32,4% Anteile) evtl. deutlich Richtung 50%-Schwelle gefallen. Was kaum in deren Interesse wäre. Wie schon öfter erwähnt, spielt bei MBB aber nicht der Aktienrückkauf die entscheidende Rolle, sondern die möglichen anstehenden Zukäufe. wegen dieser Perspektive, die dann auch den Abschlag des Kurses auf den NAV verringern sollte, ist MBB einer meiner Nebenwertefavoriten für 2019.

WashTec

Bei WashTec hat das Amerikageschäft erwartungsgemäß enttäuscht und die 2018er Zahlen kräftig verhagelt. Dass auf den Gewinneinbruch ein deutlich zweistelliges Kursplus folgte, ist allerdings ebenfalls auf das Zahlenwerk zurückzuführen. Denn die Befürchtung, dass es noch schlimmer kommen könnte und dass die Probleme sich über einen längeren Zeitraum hinziehen würden, hat WashTec eindrucksvoll widerlegt und einen sehr optimistischen Ausblick auf das Jahr 2019 gegeben. Fußend auf dem ohnehin besten Ergebnis der Firmengeschichte in Europa (für 2018) peilt die WashTec-Gruppe in 2019 ein deutliches Umsatzwachstum bei einem deutlichen Anstieg des EBIT an. Insbesondere in der zweiten Jahreshälfte sollen Umsatz- und Ergebnis stark zulegen. Und damit kehrt WashTec in die Spur zurück, die mich mal in das Unternehmen gelotst hatten. Denn egal, ob sich Diesel, Benzin, Wasserstoff oder Elektroantrieb durchsetzen, gewaschen werden (müssen) die Autos immer.

Ach ja, für die anstehende Hauptversammlung wurde eine auf Vorjahresniveau liegende Dividenden von 2,45 Euro je Aktie vorgeschlagen.

Angst und Gier

Der Fear & Greed Index von CNN Money zeigte sich die Woche über stabil um die 65 Punkte, tauchte dann aber am Freitag deutlich ab auf jetzt 60 Punkte. Das signailisiert auf den ersten Blick weiterhin Entspanntheit, aber die wieder aufgekommene Unsicherheit wegen der inversen Zinsstruktur könnte gerade zu Wochenbeginn hier für eine weitere Talfahrt sorgen.

Mein "operativer Net Worth" ist am Freitag auch deutlich eingeknickt und liegt nun für 2019 bei einem Zuwachs von 17,5%. Damit bin ich mehr als zufrieden und das wäre als Ergebnis am Jahresende eine sehr gute Rendite.

Auf gut Börsengeschäfte. Es bleibt spannend...


Disclaimer
MBB und WashTec befinden sich auf meiner Beobachtungsliste und in meinem Depot.

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