Mittwoch, 21. März 2018

WashTec: Gewaschen wird immer…

Die Börsen befinden sich in Turbulenzen, so viel ist mal sicher. Ob es sich um den von einigen herbeigeredeten Crash handelt, wird sich erst noch zeigen. Zumindest handelt es sich um eine deutliche Korrektur, denn der DAX gab innerhalb weniger Tage um mehr als 10 Prozent ab.

Einige Mahner weisen darauf hin, dass sich die Börsen seit neun Jahren in einem anhaltenden Kursaufschwung befänden, der ohne nennenswerte Korrekturen ausgekommen sei. Und daher wäre die Zeit einfach reif für einen Crash. Da ist etwas dran. Doch bei näherer Betrachtung nicht wirklich viel. Denn schaut man auf den Verlauf des DAX seit dem Tiefpunkt der Finanzkrise im Jahr 2009, dann findet man in dieser Zeit schnell eine ganze Reihe von scharfen Rücksetzern und in vier Phasen waren diese sogar bemerkenswert: im Sommer 2011 verlor der DAX zwischen Hoch- und Tiefpunkt 34 Prozent und während der zehnmonatigen Korrekturphase von April 2015 bis Februar 2016 ebenfalls knapp 30 Prozent. Und auch die beiden mehrwöchigen Einbrüche im Sommer 2012 und im Herbst 2014 mit jeweils rund 17,5 Prozent waren durchaus spürbare Korrekturen, die mit panikartigen Verkaufswellen einher gingen.

Darüber hinaus gibt es Marktbeobachter, die Börsenphasen nicht vom jeweiligen Tiefpunkt aus berechnen, sondern ab dem Zeitpunkt, als der Index sein vormaliges Hoch überschritt. Für den DAX würde dies bedeuten, dass er erst im Jahr 2013 seine Vorkrisenhöchststände bei 8.000 Punkten überwurden hätte und wir uns nach dieser Lesart erst seit fünf Jahren in einem Bullenmarkt befänden. Was wiederum eine vergleichsweise kurze Zeitspanne wäre und auch unter diesem Aspekt noch keinen Crash als „zwingend erforderlich“ an die Wand malen würde.


Wie dem auch sei… Tatsache ist, dass die Börsen sich in den vergangenen Jahren prächtig entwickelt haben und dass die Unternehmensgewinne hierbei nicht Schritt halten konnten. Die Hausse wurde und wird auch durch die extrem niedrigen Zinsen befeuert und die abzeichnende Zinswende sorgt für Befürchtungen, die Aktienkurse würden hierunter erheblich leiden. Ich halte diese Ängste für übertrieben, weil ich nicht von einer schnellen und abrupten Zinswende ausgehe. Vielmehr werden die Notenbanken, allen voran die amerikanische FED, nur moderate Zinsschritte vornehmen, um Konjunktur und Aktienmarkt nicht abzuwürgen. Und die EZB hat noch auf längere Sicht gar keinen Spielraum für Zinsanhebungen.

Also machen wir uns frei von derartigen makroökonomischen Gedankenspielen. Die Vorstände werden dafür bezahlt, dass sie ihre Unternehmen auf alle alten und neuen Herausforderungen ausrichten und dazu gehören auch Phasen steigender Zinsen.

Doch das bedeutet natürlich nicht, dass man als Anleger bedenkenlos jede Aktie kaufen oder die makroökonomischen Herausforderungen völlig ignorieren sollte. Natürlich nicht! Aber man sollte auf die bewährten Bewertungs- und Analyseverfahren setzen und erprobte Strategien nicht einfach über Bord werfen, nur weil der Dollar dies machen oder die Zinsen jenes veranstalten könnten. Man sollte auf das erprobte Rüstzeug eines Warren Buffett zurückgreifen, der dazu rät, nicht auf den Marktbewegungen zu achten, sondern auf die Unternehmensentwicklung. Und Aktien von den Unternehmen einzusammeln, die vorübergehend von der Börse abgestraft werden, um diese mit einer Sicherheitsmarge einkaufen zu können. Und genau eine solche Gelegenheit bietet sich gerade beim SDAX-Wert WashTec.

Wer oder was ist WashTec?
Das Unternehmen kennen nicht viele Leute, obwohl die meisten von uns mit seinen Produkten öfter in Berührung kommen. Jedenfalls diejenigen, die ein eigenes Auto haben. Denn Washtec entwickelt, baut und betreibt Waschanlagen für Personen- und Lastkraftwagen. Wer bei einer Tankstelle oder bei einer der vielen separaten Waschstraßen einkehrt, trifft in den meisten Fällen auf Waschstraßen aus dem Hause WashTec. Das Augsburger Unternehmen ging aus der Fusion der Firmen Kleindienst und California Rohé hervor und kaufte später noch die Wesumat zu, ein Unternehmen aus dem Bereich der Fahrzeugreinigung. Hieraus entstand dann die WashTec AG und im Jahr 2008 erwarb man noch den Waschchemie-Hersteller AUWA-Chemie GmbH, so dass das Produktsortiment der WashTec AG heute Portalwaschanlagen für PKWs, Nutzfahrzeug-Waschanlagen, Selbstbedienungs-Waschtechnik, Waschstraßen, Wasseraufbereitungsanlagen sowie Waschchemie umfasst. Im technischen Bereich fungiert die Unternehmensgruppe inzwischen auch als Softwarehersteller für das Management von Waschanlagendienstleistungen.

 WashTec (Quelle: wallstreet-online.de
In Deutschland erzielt WashTec mit knapp 40 Prozent den größten Umsatzanteil und beschäftigt weltweit mehr als 1.700 Mitarbeiter. Das Kerngeschäftsmodell, also der Verkauf neuer Anlagen, ist weniger attraktiv, da eher margenschwach. Allerdings verdient WashTec an Service und Verbrauchsmaterialien und auch am Betrieb eigener Waschanlagen ziemlich gut. Das Wachstum kommt vor allem über den Verkauf von Chemieprodukten. Kernmarkt ist Europa, gefolgt von den USA.

Man kann beim Geschäftsmodell also durchaus Parallelen ziehen zu Softwareherstellern wie Adobe oder Microsoft, sowie zu Onlinehandelsgigant Amazon. WashTec verdient nicht mit der Hardware sein Geld, die möchte man nur möglichst breitflächig verkaufen. Sondern man erzielt im Anschluss an Wartung und Serviceleistungen sein Geld. Und eines sollte klar sein: Amazon wird niemals Konkurrent für WashTec werden, denn es ist kaum vorstellbar, dass wir jemals online unsere Autos waschen können werden. Insofern hat WashTec hier schon einmal einen Vorteil gegenüber vielen anderen Branchen…

Allerdings ist WashTec ganz nah dran an den großen Umbrüchen in der Automobilindustrie. Und momentan ist noch überhaupt nicht absehbar, ob Dieselmotoren vom Markt verschwinden, ob Benzinmotoren schnell zum Auslaufmodell werden und ob sie durch Elektro- und/oder Wasserstoffautos ersetzt werden. Und auch nicht, ob und wie schnell autonomes Fahren Einzug in unseren Alltag halten wird. Doch welcher dieser Trends sich nun durchsetzt, es deutet alles darauf hin, dass auch künftig massenhaft Autos verkauft und dass die Menschen nicht alle mit dem Fahrrad, dem Bus oder dem Zug fahren werden. Und für WashTec zählt eigentlich nur das. Denn ob ein Elektrofahrzeug oder ein Benziner benutzt wird, dreckig werden sie alle. Und dann müssen sie gewaschen werden…

Schaut man auf den Kursverlauf der letzten Jahre, zeichnet sich genau auch diese Entwicklung dort ab: ein erfolgreiches Unternehmen, das Jahr um Jahr seine Umsätze und Gewinnen erheblich steigern kann. Bis zuletzt. Denn vor einigen Wochen gab es einen dramatischen Kurseinbruch von mehr als 20 Prozent. Und genau hier erinnern wir uns an Warren Buffetts Rat, sich ein hervorragendes Unternehmen gerade dann anzuschauen, wenn es unter die Räder kommt.

Der Kurssturz ereignete sich, als WashTec seine Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr präsentiert hat. Die waren hervorragend ausgefallen und belegten den weiter intakten Erfolgstrend. Doch beim Ergebnis hatten sich einige Analysten noch mehr erwartet. Doch WashTec hat im vierten Quartal seine Investitionen in Zukunftsprojekte in die Höhe gefahren, was natürlich das Ergebnis belastet. Und zusätzlich musste das Unternehmen beim Ausblick für das erste Quartal kleinere Brötchen backen. Hier erwartet man eine Geschäftsentwicklung „unterhalb des Vorjahresniveaus“. Autsch. Das klingt so gar nicht nach erfolgreichem Wachstumsunternehmen. Die Börse strafte WashTec gnadenlos ab und schickte den Kurs um mehr als 20 Prozent in den Keller.

Doch was ist genau passiert? WashTec hat lediglich darauf hingewiesen, dass man im ersten Quartal des Vorjahres eine besonders hohe Nachfrage zu verzeichnen gehabt hatte und dass aufgrund dieses hohen Basiseffekts das Ergebnis des ersten Quartals 2018 hier nicht ganz anschließen werden kann. Über das Jahr gesehen wird sich der Effekt glätten und WashTec befindet sich weiterhin auf Erfolgskurs.

Und nun?
Der massive Kurseinbruch hat mehr als 250 Millionen Euro an Börsenwert vernichtet und das ist in dieser Dimension kaum nachvollziehbar. Anstatt 85 muss man nun nur noch 65 Euro für eine Aktie bezahlen und damit so wenig wie zuletzt im April 2017. Warren Buffett rät uns auch, lieber ein hervorragendes Unternehmen zu einem guten Preis zu kaufen, als ein gutes Unternehmen zu einem hervorragenden Preis. Bei WashTec kann man aktuell ein hervorragendes Unternehmen zu einem attraktiven Preis einsammeln und damit auf Sicht der nächsten Jahre kaum etwas verkehrt machen. Und sich damit einreihen neben die Experten der Shareholder Value Beteiligungen AG, die WashTec mit rund 10 Prozent in ihrem Depot gewichtet haben. Und die Value-Experten um Frank Fischer hatten in den vergangenen Jahren ein ausgesprochen gutes Näschen für ausgezeichnete Investmentideen. Es sieht so aus, als würde dies auch auf WashTec zutreffen. Denn Autos werden immer gewaschen…

WashTec befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Kommentare:

  1. Ich kann mich der grundsätzlichen Einschätzung voll anschließen ... aber: Für Washtec könnte 2018 so etwas wie ein (potentiell schwieriges) Übergangsjahr werden. Demnächst wird die neue Produktgeneration vorgestellt und auf dem Markt gebracht werden. So etwas hat immer die Gefahr, das es länger dauert, es Anfangsprobleme gibt, Zusatzkosten anfallen etc. Längerfristig gesehen schaut es natürlich anders aus. Da gibt das neue modulare Produktkonzept die Chance, die Margen nochmals deutlich zu verbessern. Hr. Blaschke hat mit Rational gezeigt, was alles möglich ist. Ihm traue ich auch bei Washtec noch viel zu. Das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, 2018 wird ein ruckeliges Jahr für WashTec, deshalb ist der Kurs ja auch so abgestürzt. Zum Glück für mich, denn ich konnte endlich vergleichsweise günstig einsteigen!

      Löschen
  2. Eventuell würde sich der Einstieg auch per Sparplan lohnen.
    Ich habe mir die Washtec auch schon längere Zeit angeschaut aber dann doch irgendwie aus den Augen verloren. Wie sind eure Meinungen zu einem Investment via Sparplan ?

    AntwortenLöschen