Freitag, 5. Juli 2019

Mit Tomra Systems dem Plastikmüll erfolgreich den Kampf ansagen

Tomra Systems ist in einem stark wachsenden Markt tätig, dem Sortieren. Klingt auf den ersten Blick nicht so spannend, ist es aber doch. Denn die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig und zuvorderst sind die Norweger bekannt durch seine vielen Flaschen-Rückgabe-Automaten, die wir alle aus Einzelhandelsmärkten kennen. Recyling oder "Urban Mining" ist ein Megatrend in den Industrieländern, das hatte ich am Beispiel des führenden US-Entsorgungsunternehmens Waste Management mal ausführlich dargelegt ("Waste Management oder der Geruch des Geldes"). Neuer ist der weltweite Kampf gegen den Plastikmüll und Mikroplastik, den die EU bereits vor einem Jahr aufgenommen hat und der inzwischen immer mehr in unserem Bewusstsein landet - nicht zuletzt deshalb, weil immer mehr Länder Asiens die dorthin verschifften Müll- und Plastikberge nicht mehr annehmen und einfach wieder in die Herkunftsländer zurückschicken: zu uns. Mit der Folge, dass wir uns selbst um unseren Müll kümmern müssen, um das Sortieren, das Trennen, das Recyceln und am Ende das Verbrennen.

Das kostet viel Geld und steigende Müllgebühren sind zu keinem Zeitpunkt ein Wahlkampfschlager für Politiker. Eine positive Folge hieraus ist, dass zusammen mit der wachsenden Umwelt- und Klimaschutzbewegung "Fridays for Future" die Initiative zum schonenderem Einsatz von Energie und Ressourcen und zur Müllvermeidung immer mehr Fahrt aufnimmt...


Man ahnt es schon: im Plastikmüll steckt viel Geld und auch wenn noch nicht klar ist, wie am Ende die gesetzlichen Regelungen konkret aussehen, ergibt sich doch ein klares Muster: es sollen mehr Wertstoffe wiederverwertet werden. Und dabei wird Tomra Systems einer der ganz großen Gewinner sein. Was nicht nur daran liegt, dass Tomra bereits Marktführer im Bereich der Pfandautomaten ist, sondern weil das Unternehmen die dahinterstehende Technologie längst auch in anderen Sparten einsetzt und in weitere Branchen expandiert.

Während in den Anfängen des Recylings noch auf Handarbeit gesetzt wurde, wird heutzutage das Sortieren überwiegend von Maschinen übernommen. Hierbei werden ausgeklügelte System eingesetzt, die vor allem über Sensoren und Kameras optische Erkennung ermöglichen. Nur so lassen sich die verschiedenen Materialien und Stoffe effektiv trennen. Und es liegt förmlich auf der Hand, dieses Systeme auch woanders einzusetzen, wo nach dem gleichen Prinzip vorgegangen werden kann.


Horizontales und vertikales Wachstum

Neben der Expansion in die Breite entwickelt Tomra Systems seine Anlagen aber auch ständig qualitativ weiter. So wurde letztes Jahr ein neuartiges Sortiersystem vorgestellt, dass zwischen ein- und mehrwandigen Kunststoffen unterscheiden kann. Damit können sowohl PET-Flaschen als auch Plastikbehälter für Obst und Gemüse im selben Arbeitsschritt getrennt werden. Das ist insofern ein großer Fortschritt, als dass die Verpackungen und Flaschen vor dem Sortieren ja zunächst zerkleinert werden, um sie überhaupt sortieren und trennen zu können. Und dass Tomra hier nun die Qualität seiner Linsen weiter optimieren konnte und damit die Erkennung von mehr und schwieriger zu erkennenden Merkmalen ermöglicht hat, wird nicht nur im Bereich der Kunststoffe einen großen Fortschritt bringen, sondern auch in anderen Einsatzgebieten.

Denn Tomra ist auch bei der Sortierung von Lebensmitteln groß im Geschäft, denn Tomras inzwischen größte Sparte ist die der Lebensmittel-Sortier-Anlagen. Konsumenten fragen zunehmend verpackte Lebensmittel nach und gleichzeitig steigt die Nachfrage nach gesunder Nahrung wie Nüssen oder getrockneten Früchten. Diese müssen nicht nur abgewogen, sondern auch nach Qualität und ggf. Farbe sortiert werden. Dafür benötigt man optische Sensoren und Systeme, die diese Auswahlprozesse voll automatisch übernehmen. Und ob nun unterschiedliche Nussarten oder Metall- von Plastikschnipseln separiert werden sollen, beiden Vorgängen liegt der gleiche Mechanismus zugrunde und das schafft für Tomra Systems weitere Potenziale.


Wachstumsschübe durch Übernahmen

Doch Tomra wächst nicht nur aus sich selbst heraus, sondern auch durch gezielte Übernahmen. So hat Tomra seine Expansion im Sektor globaler Lebensmittelsortierlösungen mit der Übernahme der BBC Technologies fortgesetzt. Hierdurch kommen die Präzisionssortiersysteme und innovativen Fülllösungen für Körbchen und Klappschalen für Blaubeeren und andere Kleinfrüchte zu Tomra Foods eigenem Angebot an Fruchtinspektions- und -sortiertechnologie hinzu.

Des Weiteren hat Tomra auch www.freshtracker.com übernommen, eine innovative Software, mit der Tomra seine anderen Entwicklungen bei Daten- und Analyselösungen ergänzen will. Freshtracker ermöglicht die Rückverfolgbarkeit der Ursprünge und Merkmale von einzelnen Produkten vom Erzeuger, der Verarbeitung und Verpackung bis hin zur Verkaufsstelle.

Und auch in meiner Heimatstadt wurde ein aufstrebendes Unternehmen aus dem Bereich der Sortierung von abgebauten Rohstoffen übernommen und auch wenn diese Übernahme schon einige Jahre zurückliegt, erinnert mich das Firmenschild bei jedem erneuten Dranvorbeifahren wieder daran, in welche Bereiche Tomra sein Business noch skalieren kann und welche Wachstumsmöglichkeiten sich diesem Unternehmen noch bieten.


Und dann auch noch E-Mobilität

Recycling und Wertstoffgewinnung sind an sich schon interessante, zukunftsweisende Themen, aber Tomra Systems ist vor einiger Zeit auch noch in einen besonders trendigen Markt eingestiegen: das Recycling von Elektrobatterien. Wer immer das Rennen um das beste Elektroauto auch machen wird, BMW, BYD oder Tesla, es wird nicht ohne Energiespeicher gehen. In den nächsten Jahren wird es eine Flut an neuen Modellen geben und die meisten werden als Elektroautos auf den Markt kommen. Und auch bei Lkws befeuern Daimler und Tesla diesen Trend hin zur Elektromobilität.

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Trotz aller Qualitätsprobleme will Tesla in seiner Gigafactory neben Autobatterien Energiespeicher für die regenerative Energiegewinnung fertigen, die in Gebäuden zum Einsatz kommen sollen. Und natürlich nutzen wir alle Smartphones, Tablets oder auch Wearables. Alle diese Entwicklungen haben gemein, dass sie Strom verbrauchen und möglichst ohne Kabel auskommen müssen. Daher benötigen sie Energiespeicher bzw. Batterien. Die beste und gängigste Batterietechnik ist aktuell noch die der Lithium-Ionen-Batterien und je mehr Geräte diese Speicher nutzen, desto mehr werden auch verschlissen. Und landen auf dem Müll. Doch neben Lithium werden auch große Mengen anderer Rohstoffe und Edelmetalle benötigt, wie Kobalt, Kupfer, Wolfram und die sogenannten Seltenen Erden. Die sind nicht in unbegrenzten Mengen verfügbar, daher drängt es sich geradezu auf, die einmal in den Akkus verbauten Wertstoffe wiederzuverwerten. Vor allem in so rohstoffarmen Regionen wie Europa.


Meine Einschätzung

Tomra Systems ist führend beim Sortieren und beim Recyclen und man versteht es, die dahinterstehende Technik immer weiter zu verbessern und damit in angrenzende Branchen vorzudringen. Man bedient einen schnell und schneller wachsenden Markt und vergrößert diesen durch Expansion und Übernahmen ständig – das bringt überdurchschnittliches Wachstum. Und weil man nicht jedes Mal das Rad neu erfinden muss, sondern seine Ideen immer wieder woanders neu einsetzen kann, erzielt man Skaleneffekte und damit sich stetig verbessernde Margen.

Ich erwähne das, weil Tomra Systems Mitte Juni erstmals über 30 Euro notierte und mit einer 2020er KGVs jenseits der vierzig üppig bewertet erscheint. Andererseits erzielt man Wachstumsraten von fast 20 Prozent pro Jahr und das relativiert diese Betrachtung schon wieder. Auch gerade, weil weitere Wachstumsschübe vor der Tür stehen. Daher sollte Tomra Systems nicht nur ein Investment für diejenigen sein, die ein gutes (Umwelt-) Gewissen haben möchten, sondern die Aktie sollte sich auch für diejenigen lohnen, die auf einen der großen Megatrends der Zukunft setzen wollen: Wertstoff-Recycling.

Ich habe mir jedenfalls am Freitag zu durchschnittlich 28,324 Euro erstmals eine größere Position an Tomra Systems gegönnt als Ergänzung meines Engagements bei Waste Management. Und ich nehme in Kauf, dass bei einem Norwegischen Unternehmen die Behandlung der 25-prozentigen Quellensteuer mit einigen Aufwand verbunden ist - was für mich besonders unerfreulich ist, da meine Aktien ja in einer GmbH liegen und daher die 0815-Lösungen für Privatanleger leider nicht greifen. Angesichts der eher mauen Dividendenrendite werde ich mir also genau überlegen, ob hier der hohe Aufwand gerechtfertigt ist. Aber das ist eine andere Geschichte...

Disclaimer
Ich nehme Tomra Systems auf meine Beobachtungsliste und in mein Depot.

Kommentare:

  1. Tomra News aus Wedel
    nicht Kursrelevant aber immerhin aus der Heimat
    Schade das der Kurs zur Zeit nicht so richtig läuft

    https://newsroom.tomra.com/tomras-ore-sorting-technology-delivers-impressive-improvement-at-stornoway-diamonds-renard-mine/

    Gruß Börge

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    1. Ich denke, dass Tomra momentan als zyklischer Maschinenbauwert wahrgenommen und daher überdurchschnittlich kritisch beäugt wird. Da man jedoch stark wachsende Zukunftsmärkte bedient, sollte Tomra bald wieder zu alter Stärke zurückfinden. Wie bald, das ist die Frage...

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