Sonntag, 20. Oktober 2019

Die 42. Börsenwoche im Rückspiegel: Kissigs Klookschieterei mit Bausch Health, Steico, Wirecard

Die vergangene Börsenwoche brachte dem Deutschen Aktienindex DAX ein neues Jahreshoch, das er aber am Freitag nicht halten konnte. Und auch in den USA notieren die führenden Indizes Dow Jones und S&P 500 nur um wenige Prozentpunkte unterhalb ihrer vormaligen Allzeithochs.

Eigentlich sieht das nach Euphorie aus, doch davon ist wenig zu spüren. Immerhin gehen die Konjunkturindikatoren und Wirtschaftsdaten weiter in den Keller, so dass China mit nur noch 6% im dritten Quartal das niedrigste Wirtschaftswachstum seit 30 Jahren aufweist und auch von politischer Seite gibt es keine positiven Impulse.

Auffällig ist, dass Deutschlands Börsenunternehmen immer öfter in das Visier von aktivistischen Investoren geraten, die sich einkaufen und dann das Management unter Druck setzen, damit es das Unternehmen umstrukturiert und/oder Teile verkauft. Und auch die Zahl der Short-Attacken nimmt deutlich zu; Wirecard und Corestate Capital sind nur zwei Unternehmen, die es in der letzten Woche erwischt hat.


Bei einer Short-Attacke leihen sich Leerverkäufer Aktien und verkaufen diese am Markt, um im Anschluss mit einem negativen Bericht an die Öffentlichkeit gehen, wodurch se den Aktienkurs abstürzen lassen, wodurch den Leerverkäufern aus dem Kursabsturz große Gewinne entstehen, wenn sie ihre Short-Position dann viel günstiger wieder eindecken, um die geliehenen Aktien zurückgeben zu können. Wobei Wirecard fortgesetzt von der Financial Times mit Vorwürfen überzogen wird, die jede Verbindung zu Shortsellern katageorisch abstreitet, und bei Corestate reichte bereits die Meldung aus, dass der berüchtigte Shortseller Muddy Waters erstmals eine Leerverkaufsposition von mehr als 0,5% gemeldet hat. Short-Attacken im engeren Sinn liegen hier also nicht vor.

Aktivistische Investoren und Short-Attacken sind Vorgänge, die vor einigen Jahren in Deutschland noch undenkbar waren, als die hiesige Börsenlandschaft eine Trutzburg aus gegenseitigen Kapital- und Personenverflechtungen war, in die kein Außenstehender eindringen konnte. Diesen Schutz gibt es heute nicht mehr, aber das ist nicht der einzige Grund, weshalb deutsche Unternehmen immer öfter ins Fadenkreuz geraten und ihre Aktienkurse taumeln.

Der zweite Grund ist, dass viele Unternehmen, gerade in Deutschland, nicht fit für die Zukunft sind. Sie verschlafen internationale Trends und ruhen sich auf alten Erfolgen aus, wie der gesamte Automobilsektor, oder sie leiden massiv unter dem Konjunktureinbruch und den Strafzöllen, wie der Maschinenbau. Und doch tun sie (zu) wenig bis gar nichts, um sich anzupassen, was aus meiner Sicht an den Niedrigzinsen liegt, weil sich auch schlecht laufende und sogar marode Unternehmen immer weiter mit billigem frischen Geld versorgen und so ihre Probleme aussitzen können. Doch das ist keine Lösung, denn die Welt wartet nicht auf Corporate Germany, sondern das dicke Ende wird die Unternehmen einholen. Ich habe das ausführlicher in meiner jüngsten Kolumne "Der Tod des Risikos – Paradies oder Zombieland?" für das Anlegermagazin der Börse Stuttgart dargelegt - das Magazin erscheint quartalsweise und steht für Mitglieder des kostenlosen Anlegerclubs der Börse Stuttgart zur Verfügung ( zum Anlegerclub).

Wer meine These, dass Deutschland die Zukunft verpennt, nicht kritiklos hinnehmen möchte, kann sich ja einfach mal eine Liste machen, welche deutsche Unternehmen bei den globalen Zukunftstehemen eine führende Rolle einnehmen: Onlinehandel, bargeldloses Bezahlen, Smart Cities/Internet of Things (Industrie 4,0), Künstliche Intelligenz, autonomes Fahren, E-Speichertechnologien, Wasserstoff, Erschließung des Weltraums, Smartphones/Wearables, Betriebssysteme (PC, Smartphone, Tablet, aber auch Automobile usw.), Smart Home. Sicher, je länger die Liste, desto häufiger werden auch deutsche Unternehmen darauf zu finden sein. Aber nicht/kaum an führender Stelle. Deutschland gleicht hier den Neanderthalern am Ende der Eiszeit, die sich in immer höhere Lagen zurückziehen mussten, weil sie mit den dauerhaft steigenden Temperaturen nicht zurecht kamen. Auf den Bergen lag noch Schnee, aber irgendwann war die Spitze erreicht und es gab kein Nahrung und keine Zukunft mehr. Im Gegensatz zu den Neanderthalern wissen wir um die Veränderungen und wir können auch die Konsequenzen absehen. Aber handeln wir auch entsprechend? Die Antwort lautet: Nein. Bisher jedenfalls nicht. In Deutschland ist uns das Thema Datenschutz viel wichtiger als Innovation. Also findet diese woanders statt und wir stehen als Bedenkenträger ganz am Ende der Entwicklung. Wie bei vielen Entwicklungen, z.B. dem Ausbau der Stromtrassen, um den Offshore-Windstrom aus der Nordsee in die Industriezentren im Süden transportieren zu können. In Deutschland wird lieber geklagt und nur eines vereint uns: wir sind dagegen. gegen alles. Dabei liegt die Lösung natürlich nicht darin, den Datenschutz abzuschaffen oder die ganze Republik mit Strommasten zuzukleistern und dafür jedes Naturschutzgebiet zu zerstören. Nein, die Lösung liegt im Abwägen der Chancen und Risiken, der Vor- und Nachteile und am Ende dieses Abwägungsprozesses in konsequenten Entscheidungen, die dann nicht mehr 20 Jahre lang vor Gericht wieder und wieder wiedergekäut und verzögert werden, so dass bei Feststehen des Urteils der Grund für den Streit längst belanglos geworden ist, weil die Welt und mal wieder rechts und links überholt hat.

Die Lösung lautet also: Mut zu Innovation, zu Veränderung. Und die damit einhergehenden Nachteile akzeptieren und abmildern. Aber davon sind wir in Deutschland meilenweit entfernt. Und daher findet Fortschritt woanders statt...


Börsentheater, 1. Akt: Die Politik


Im USA-China-Handelskrieg gibt es nichts Neues. Die letzte Woche verkündete Einigung ist natürlich keine, weil man in den nächsten Wochen erst noch einen Vertrag daraus schmieden muss, den dann beide Präsidenten (und ihre Parlamente) billigen und unterzeichnen müssen. Und der Teufel steckt ja bekanntlich im Detail, so dass auf die heute gefühlte Einigung auf einen Phase-Eins-Vertrag morgen schon eine Zuspitzung des Konflikts mit weiteren Strafzöllen folgen kann.

Strafzölle haben die USA gegen einzelne EU-Staaten verhängt und das trifft besonders Deutschland und Frankreich hart. Hintergrund ist ein Schiedsverfahren, in dem der EU verbotene Subventionen für Airbus angelastet werden und daher dürfen die USA die Strafzölle erheben, solange die EU die schädliche Subventionspraxis nicht abgestellt hat. Die EU hat selbstverständlich die Einwendung gemacht, dass die Praxis längst verändert wurde, aber das parallel laufenden Verfahren ist noch nicht abgeschlossen und das wird auch noch ein paar Monate dauern. Bei positivem Ausgang müssten die USA ihre Sanktionen wieder zurücknehmen oder die EU dürfte entsprechende Sanktionen gegen die USA bzw. US-Unternehmen verhängen.

Natürlich subventionieren die USA auch Boeing und die EU klagt dagegen. Aber dieses verfahren dauert auch noch an und wird wohl frühestens in 2020 abgeschlossen. Wenn das Schiedsgericht auch die US-Subventionen für illegal erklärt, darf die EU ihrerseits Sanktionen gegen die USA verhängen. Man erkennt das Muster und kann nur entsetzt sein: anstatt des globalen Freihandels, der viel Wohlstand geschaffen hat, ist die heutige Welt vor allem geprägt durch neue Handelsbarrieren und Sanktionen.

Und dann gibt es noch das leidige Thema Brexit. Erstaunlicherweise gibt es einen neuen Vertragsentwurf für ein Abkommen zwischen PM Johnson und der EU, aber wenige(er) erstaunlich gibt es keine Zustimmung seitens des UK-Parlaments dazu. Die Briten-Parlamentarier wissen nur, worüber sie sich nicht einig sind und was sie nicht wollen. Beschämende Clowns sind das!!! Nun haben sie die Abstimmung am Samstag torpediert, weil sie einen Antrag angenommen haben, dass vor der Abstimmung über den Brexit-Vertrag zunächst alle dafür nötigen Gesetzesvorhaben/ -änderungen vom UK-Parlament ratifiziert sein müssen. Bedeutet, dass man wohl frühestens am Dienstag weitermachen kann und wird. Zwischenzeitlich hat Johnson der EU geschrieben und um einen Aufschub ersucht - weil ein Gesetz ihn dazu zwingt. Diesen Brief hat er nicht unterschrieben, aber einen zweiten geschickt, in dem er sich gegen einen Aufschub ausspricht. Die EU kann nun ihrerseits sehen, was sie aus dem Kuddelmuddel macht. Ach ja, an Helloween will UK aus der EU austreten, sind ja noch ein paar Tage... Und selbst wenn man sich noch am 31.10.2019 um 23:59:59 auf einen Vertrag einigen würde, könnten dessen Regelungen wohl kaum am 1.11.2019 um 00:00:01 in Kraft treten und umgesetzt/angewandt werden.

Falls ich über diese politische Inkompetenz beiderseits des Atlantiks frustriert klinge, dann liegt das daran, dass ich darüber zutiefst frustriert bin. Als überzeugter Anhänger der repräsentativen Demokratie und der sozial flankierten Marktwirtschaft bin ich angesichts der Entwicklungen in den letzten Jahren zunehmend fassungslos. Und das betrifft auch die zunehmende Beschneidung unser Freiheit durch immer mehr Meinungsdiktate und Denkverbote. Radikale Spinner, von rechts und links, bekommen immer mehr Raum für ihre Wahnideologien und die Konsequenz ist, dass immer mehr Themen stigmatisiert und Probleme nicht mehr angesprochen und diskutiert werden (können). In der Folge verabschieden sich immer mehr Menschen aus den Diskussionsprozessen, aber die Gedanken, die Emotionen, die Ängste, die werden dadurch ja nicht weniger. Im Gegenzug nimmt das Empfinden stark zu, "die da oben" würden sich ja sowieso nicht um die Probleme kümmern, sondern vor allem um sich selbst. Was wieder Wasser auf die Mühlen der Ideologen und Verschwörungstheoretiker ist. Eine entsetzliche Entwicklung, die genau so schon in den 1930er Jahren stattgefunden hat. Mit bekanntem Ausgang...


Börsentheater, 2. Akt: Die Unternehmen


So, nun aber zum Eingemachten und einigen interessanten Meldungen zu aktuellen oder ehemaligen Unternehmen auf meiner Beobachtungsliste.


Bausch Health

Bausch Health hieß früher Valeant und wurde von Hedgefonds-Manager Bill Ackmann mal als "die neue Berkshire Hathaway" tituliert. Er setze Milliarden auf und in das kanadische Unternehmen und verlor dann das meiste davon. Ich habe das Unternehmen seit Anfang 2017 als Turnaround-Spekulation im Depot und der Kurs lag in diesen fast drei Jahren um knapp 50% im Minus, aber auch schon um 50% im Plus. Viel verdient habe ich mit der Spekulation bisher also nicht.

Der Absturz von Valeant ist auf auf eine Short-Attacke von Citron Research zurückzuführen, die eine ganze Reihe an Betrugsvorwürfen und Bilanzmanipualtionen sowie unethisches Geschäftsgebaren von Valeant offen legten. Und, das muss man an dieser Stelle mal konstatieren, Citron Research hat saubere Arbeit geleistet und die meisten Vorwürfe bestätigten sich mit der Zeit. Der Aktienkurs von Highflyer Valeant brach in sich zusammen und verlor über 90% - und Citron Research und andere Shortseller verdienten sich eine goldene Nase. Und ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich betonen, dass Citron Research sich bei Valeant um den Kapitalmarkthygiene verdient gemacht hat, denn das Aufdecken unsauberer Geschäftspraktiken und Bilanzbetrügereien hilft allen Anlegern - auch wenn es die investierte Aktionäre natürlich viel Geld kostet, weil der Aktienkurs einbricht. Und selbst wenn die Short-Attacke mit eigenen Leerverkaufspositionen und damit eigenen Gewinnerzielungsabsichten einhergeht, macht sie es nicht alleine deshalb unmoralisch oder anrüchig. Dies ist eine Short-Attacke nur dann, wenn mit falschen oder bewusst falsch interpretierten Darstellungen von Fakten die Kurse manipuliert werden. Aber zurück zum eigentlichen Vorgang...

Wesentlicher Treiber von Valeant waren teure Übernahmen von Pharmafirmen oder -produkten, deren Preise anschließend vervielfacht wurden. Oft in Nischensegmenten, wo es keine Konkurrenzprodukte gab, so dass die Patienten sich nicht gegen die Erhöhungen wehren konnten. Es kam sogar zu Untersuchungen durch den US-Kongress. Am Ende musste Valeant Preiserhöhungen zurücknehmen und enorme Abschreibungen auf seine überteuerten Zukäufe vornehmen, was die Gewinne pulverisierte. Was blieb, waren die enormen Milliardenschulden. Und die großen zweifel, ob Valeant diese jemals würde zurückzahlen können.

Und dann übernahm der Papa. Genauer gesagt Joe Papa übernahm die Führung von Valeant und erklärte, er werde das Business konsolidieren und durch Verkäufe die Schuldenlast senken. Auf diesen Aussagen fußt mein Investmentcase, bzw. meine Turnaround-Spekulation.

"First thing I need to do is stabilize the company... then after that I’ve got to turn it around and that’s going to be launching some of these new products. I’ve got to make sure that I’ve taken care of the debtholders… and then importantly honestly generate the total shareholder return."
(Joe Papa, 2016)

Zu seinem Amtsantritt kaufte Papa signifikant Valeant-Aktien und damit liegt er rund 40% in Minus. Er kauft immer noch weitere Aktien, wenn auch nicht mehr im Millionenvolumen, und setzt seinen Plan konsequent um. Und man kann sagen, dass das Unternehmen heute ein völlig anderes ist, als vor drei Jahren - folgerichtig heißt es auch nicht mehr Valeant, sondern ist nach seinem größten Geschäftsfeld benannt, Bausch & Lomb.

Und nun das... in der "Woche der Shortseller" kam Citron Research um die Ecke und veröffentlichte einen neuen Research-Bericht über Bausch Health. Üblicherweise brechen Aktienkurse dabei ein, doch der Kurs von Bausch Health hat im Wochenverlauf sogar deutlich zugelegt. Was daran liegt, dass Shortseller Citron Research in seinem "Update" die Seiten wechselt und geradezu ein Loblied auf das Unternehmen und vor allem Joe Papa singt. Dieser habe alle seine Versprechungen eingehalten, habe das Unternehmen von der unsäglichen Valeant-Vergangenheit befreit, die Schulden um viele Milliarden gesenkt, so dass bis 2023 keine signifikanten Rückzahlungen mehr anstünden, und er habe das Business konsolidiert. Bausch Health verzeichnet wieder steigende Umsätze, steigende Gewinne und könne mit neuen Produkten und Medikamenten punkten.

Citron Research kommt zu dem Urteil, dass der Markt diese positiven Veränderungen noch überhaupt nicht eingereist habe und Bausch Health noch immer mit einem starken Valeant-Abschlag bewerte, der aber nicht (mehr) gerechtfertigt sei und sich heute als deutliche Unterbewertung des Unternehmens darstelle. Zumal Bausch Health keinerlei Exposure im Opioid-Skandal habe und mit seinem starken Fokus auf Seh-Einschränkungen einen wachsenden Mega-Markt bediene. Kurzum, Citron Research meint, man solle denen Kredit einräumen, die ihn verdienen, und dazu zähle nun auch Bausch Health - und man setzt ein Kursziel von 40 Dollar als fairen Wert an.

Ich habe mit diesem Wertansatz kein Problem, denn ich denke auch, dass Bausch Health den Turnaround geschafft hat. Man war anfangs gezwungen, Tafelsilber zu verkaufen und obwohl unter massiven Druck, erzielte Joe Papa dafür erstaunlich gute Preise. Auch die Refinanzierung von ablaufenden Krediten und Anleihen gestaltete sich als durchaus überraschend positiv und heute muss Bausch Health keine Unternehmensteile oder Präparate mehr verkaufen. Dennoch sagte Papa zuletzt wieder ausdrücklich, dass Bausch Health heute eher eine Beteiligungsgesellschaft im Gesundheitsbereich sei und bereit, jeden Geschäftsbereich zu verkaufen, wenn ein Käufer denn einen Preis biete, der die Potenziale der Sparte auf lange Zeit einpreise. Das gelte für Randaktivitäten ebenso wie für das Kerngeschäft Bausch & Lomb.

Wie Papa 2016 versprach, er hat das Unternehmen stabilisiert, er hat die Bilanz in Ordnung gebracht und die Schuldenseite stabilisiert, er hat neue Produkte erfolgreich am markt platziert, die den Cashflow und die Gewinne antreiben, und nun folgt die Fokussierung auf den "Shareholder Return". Mit anderen Worten: Bausch Health hat die Intensivstation verlassen und die Reha erfolgreich abgeschlossen. Jetzt beginnt der zweite Frühling. Also der ertragreiche Teil meiner Turnaround-Spekulation...



Steico

Starke Zahlen für die ersten neun Monate hat Steico präsentiert. Der Umsatz stieg um 14,7% auf €215,3 Mio. und das EBITDA um 34,8% auf €45,0 Mio. während das EBIT um 36,9% auf €26,8 Mio. zulegte. Der Periodenüberschuss konnte um 45,2% auf €19,6 Mio. zulegen, wobei die Ergebnisse jeweils neue Bestmarken darstellten.

Die 9-Monats-Ergebnisse sind zwar durch einen positiven Sondereffekt geprägt, da im dritten Quartal die polnische Produktionsgesellschaft eine Gutschrift von rund €2,4 Mio. als Ausgleich für stark gestiegene Strompreise erhalten hat seitens der polnischen Regierung, aber auch ohne diesen Effekt laufen die Geschäfte von Steico hervorragend und das Unternehmen konnte seine Profitabilität weiter steigern.

Steico geht davon aus, dass die positive Entwicklung in den kommenden Monaten weiter anhalten wird, wobei dies ggf. durch einen frühen Wintereinbruch negativ beeinflusst werden kann. Für das Gesamtjahr 2019 geht Steico von einem Umsatzwachstum über 10% und einer EBIT-Quote im Bereich um die 10% (in Bezug auf die Gesamtleistung) aus. In 2020 sollte der positive Trend bei Wachstum und Profitabilität anhalten dank der stabilen Baukonjunktur, insbesondere im Holzbau, auch wenn sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in etlichen Branchen eingetrübt haben.

Die Energiepreisentwicklung ist bisher ein starker Kostentreiber, aber Steico steuert aktiv gegen und setzt künftig auf Biomasse als Energieträger an den polnischen Produktionsstandorten Czarna Woda und Czarnakow; so kann der teure Erwerb nötiger CO2-Zertifikate reduziert werden, was sich künftig positiv in der GuV und den Margen niederschlagen wird.

Steico trotz dem Konjunkturabschwung, weil die Baukonjunktur weiterhin brummt und der Trend hin zu nachhaltigen Dämmmaterialien anhält. Mitbewerbe sind vom markt verschwunden, was Druck von den Margen nimmt und auch auf den Brexit sollte Steico inzwischen ausreichend vorbereitet sein, so dass hier keine größeren Belastungen zu erwarten sein sollten, die den Kurs nicht schon länger gedrückt hätten.

Nach einer fast zweijährigen Konsolidierungsphase, in der der Kurs unterm Strich nicht vom Fleck gekommen ist, stehen die Vorzeichen gut, dass die sehr gute Unternehmensentwicklung bald auch wieder von der Börse honoriert wird und der Kurs einen verdienten Anlauf Richtung €30 nimmt und diese Marke dann auch überwindet.


Wirecard

Wirecard sah sich in dieser Woche mit einem weiteren Negativ-Bericht von Financial Times-Redakteur Dan McCrum konfrontiert und der Kurs brach daraufhin zweistellig ein. Die Vorwürfe sind im Grunde der zweite Aufguss der Anschuldigungen aus dem Frühjahr und bieten wenig Neues. Wirecard selbst konnte sie aber bisher auch nicht schlagkräftig (genug) wiederlegen. Und das ist das zentrale Problem für die Aktionäre. Man muss wohl oder übel CEO Markus Braun glauben, denn die Firmenstruktur von Wirecard ist so verworren, dass selbst Experten Schwierigkeiten haben, sich da durchzufinden. Und deshalb ist und bleibt Wirecard angreifbar, weil es eben eine einfachen Antworten gibt und daher immer Zweifel bleiben werden.

Auf der anderen Seite hat Wirecard auch nicht genügend unternommen, um sich besser aufzustellen. Dem rasanten Wachstum der letzten Jahre scheint die Organisation nicht wirklich folgen zu können und muss sich hier breiter aufstellen: quantitativ und qualitativ. Auch was die Kapitalmarktkommunikation angeht. Des Weiteren wäre es sinnvoll, das Unternehmen weniger komplex zu strukturieren und nachvollziehbar(er) zu machen.

Einen ersten ernsthaften Schritt will Wirecard nun gehen, indem es einen Sonderprüfer beauftragt, den Vorwürfen der Financial Times nachzugehen und die aufgeworfenen Fragen möglichst vollumfänglich zu durchleuchten und aufzuklären. Das ist ein wichtiges und starkes Signal, dass Wirecard sich nicht (mehr) versteckt und das Problem auszusitzen versucht. Aber es wird natürlich Zeit in Anspruch nehmen, bis Ergebnisse vorliegen und dann noch mehr Zeit, ggf. nötige Veränderungen vorzunehmen. Und obwohl Wirecard fast täglich neue Kooperationen vermelden kann, ist es durchaus negativ zu werten, dass sich CEO Markus Braun so intensiv mit den Vorwürfen befassen muss, denn er sollte sich ja lieber um das Unternehmen und sein Business kümmern (können).

Der Kursabsturz hat keine Auswirkungen auf meinen Investmentcase. Allerdings muss ich mich natürlich schon fragen, ob und wieso ich falsch gelegen habe mit meiner Entscheidung, mich an Wirecard zu beteiligen und den Wert relativ hoch in meinem Depot zu gewichten.

Ich halte Wirecard für ein stark wachsendes und seriöses Unternehmen. Ich bin überzeugt davon, dass die Vorwürfe der FT sich weitgehend in Luft auflösen werden und weder die Umsätze noch die Gewinne von Wirecard infrage stehen. Ob die Vorwürfe aber so aufgeklärt/entkräftet werden können, dass Kritiker keinen Ansatzpunkt mehr haben und keine Restzweifel mehr bestehen (können), halte ich für wenig wahrscheinlich. Und ich kann auch nicht ausschließen, dass es weitere/andere Vorwürfe gegen Wirecard geben wird in Zukunft. Und ob diese nun haltbar sind oder aus der Luft gegriffen, jede weitere Short-Attacke würde dem Wirecard wohl deutlich zusetzen und in zweistellige Kurseinbrüche münden.

Mein(e) Fehler

Das ist aus meiner Sicht kein Grund, Wirecard-Aktien aus dem Depot zu werfen bzw. sie zu meiden. Aber man muss dieses Szenario bei seinen Überlegungen mit einpreisen und es als latente Gefahr akzeptieren. Was bedeutet, dass der Kurs von Wirecard immer ein deutlich überdurchschnittliches Maß an Volatilität aufweisen wird - solange Wirecard wegen seiner Struktur so angreifbar bleibt. Mit anderen Worten: wenn man einen fairen Wert für Wirecard ermittelt angesichts seiner Wachstumsraten im Verhältnis zu seinem Kurs, sollte man einen zusätzlichen Risikoabschlag vornehmen. Die jüngste Attacke hat den Kurs um rund 10% abstürzen lassen, die vorherigen um etwa 40% bzw. 30%. Mit einem zusätzlichen Risiko-Puffer von 20% sollte man also schon agieren.

Der zweite Punkt ist die Gewichtung im Depot. Und hier habe ich wirklich einen Fehler gemacht. Ich fahre ja einen konzentrierten Investmentstil, daher habe ich nicht so viele Werte im Depot. Neben der Frage, ob die hohen Chancen bei Wirecard die hohen Risiken rechtfertigen (vor allem im Vergleich zum Chance-Risiko-Verhältnis anderer Werte), ist für ein langfristig ausgerichtetes Qualitätsdepot entscheidend, vor allem die Risiken klein zu halten. Und da passt Wirecard nicht ins Profil! Da war ich zu sorglos und bezahle nun den Pries dafür, Wirecard so hoch gewichtet zu haben.

Nicht falsch verstehen, der Fehler erklärt sich nicht aus dem Kursabsturz selbst oder weil die Short-Attacke erfolgt ist und man nun schlauer ist. Nein, der Fehler liegt darin, dass ich ignoriert habe, dass die Wahrscheinlichkeit für eine weitere Short-Attacke gegen Wirecard viel höher war/ist, als bei anderen Werten. Sie war vielleicht nicht absehbar, aber doch nicht unwahrscheinlich. Und hier habe ich mich zu sicher gefühlt und falsch gehandelt.

Meine Konsequenz aus dieser Erkenntnis ist, dass ich meinen Wirecard-Anteil im Depot deutlich reduziert habe. Mit fast €125 habe ich einen satten Verlust realisiert und wenn ich auf den Schlusskurs von Freitag schaue, bin ich froh, so zeitig zum Umdenken gekommen zu sein. Ich weiß auch noch nicht, ob ich mich von Wirecard komplett trennen werde. Das will ich nicht übers Knie brechen, denn es spricht durchaus vieles für das Unternehmen und die Akte. Ich habe mein Exposure jetzt auf ein Niveau reduziert, mit dem ich mir gelassen die Zeit nehmen kann, um zu einer Entscheidung zu kommen. Und die hängt natürlich auch davon ab, wie das Unternehmen mit der Krise umgeht und welche Schritte es nun einleitet. Denn das höchste Kapital im Geldgeschäft ist Vertrauen und Wirecard hat wieder einmal eine Menge davon verspielt/verloren. Das kann sich auf Dauer auch sehr negativ auf das Business auswirken und auch aus diesem Grund ist es wichtig, dass Wirecard sich dem Problem stellt und es behebt.


Angst und Gier & Ups and Downs


Der Fear & Greed Index von CNN Money hat sich in der letzten Woche um weitere 9 Punkte auf jetzt 50 Punkte und damit ins neutrale Terrain nach oben gearbeitet, obwohl die Kursen am Freitag an der Wall Street noch einmal ins Rutschen kamen.

Mein "operativer Net Worth" hat weiter nachgegeben: der Jahreszuwachs (YTD) liegt um 3% niedriger bei jetzt 21,5%, was vor allem auf den massiven Einbruch der hoch gewichteten Wirecard-Position zurückzuführen ist - und auf die Euro-Stärke ggü. dem Dollar, denn der Zuwachs um fast 2 Cents führte auf Euro-Basis zu entsprechenden Kursabschlägen der US-Aktien. Das Ergebnis liegt weiterhin weit über meiner Zielgröße von 15% Rendite pro Jahr, wenn auch nicht mehr annähernd so deutlich wie noch Mitte des Jahres.

Auf gute Börsengeschäfte. Es bleibt spannend...

Disclaimer
Bausch Health, Steico und Wirecard befinden sich auf meiner Beobachtungsliste und in meinem Depot.

Kommentare:

  1. Moin

    Es ist mir nicht schlüssig warum du deine Wirecard Anteile reduziert hast.
    Die Frage ist, ob du auch verkauft hättest wenn die Aktien von Wirecard nun 20 Prozent zugelegt hätten. Weil auch dann wäre Wirecard nach deiner Argumentation übergewichtet gewesen. Ich denke nicht.
    Die Verluste werden grundsätzlich immer anders wahrgenommen als Kursgewinne. Dies aber als Grundlage für Investmententscheidungen zu nutzen ist nicht sehr rational.
    Ich habe den starken Kursverfall als Chance ergriffen und sehr stark bei 110 Euro aufgestockt.
    Die starken Shortattacken ändern an meiner Unternehmensbewertung rein garnichts. Ich sehe Wirecard gerade in Hinblick auf die starken Wachstumsraten als unterbewertet an.
    Bei einer Shortquote von 17 Prozent wird sich der Kursverlauf auch schnell wieder normalisieren, da diese auch irgendwann covern müssen. Somit sehe ich dort entspannt in die Zukunft.
    Ich halte das ständige Angleichen der Depotgewichtung als Zeitverschwendung da dies einfach nur Ressourcen bindet und bei der nächsten starken Kursentwicklung anderer Werte wieder hinfällig ist.
    Habe Vertrauen in deine Investmententscheidungen, weil daran hat dir es in diesem Fall gefehlt

    Danke für deine Arbeit

    Gruß

    Ronny

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    1. Ne, da haste mich missverstanden, Ronny. Du argumentierst mit dem Kursverlauf und genau darauf stelle ich nicht ab. Ich habe bei Wirecard meinen Bestand nicht reduziert, weil der Kurs gefallen ist, sondern weil die Wahrscheinlichkeit von Short-Attacken bei Wirecard signifikant höher ist als bei anderen Aktien. Einerseits, weil es schon drei gab und dann, weil Wirecard diese Flanke bisher nicht geschlossen hat und auch nur schwer schließen kann wegen der komplexen Struktur. Eine erhöhte Wahrscheinlichkeit von Short-Attacken bedeutet aber auch ein erhöhtes Risiko. Und das hatte ich zu optimistisch bewertet bzw. nicht realistisch genug. Daher war die Gewichtung in meinem Depot zu hoch. Und ob man die ohne Zweifel vorhandenen Chancen bei Wirecard im Depot haben muss, hängt doch auch von den möglichen Alternativen ab. Finde ich Unternehmen, noch dazu im gleichen Sektor, mit ähnlichen Chancen, aber geringeren Risiken, dann sind sie die bessere Wahl. Und darüber denke ich noch nach; denn Wirecard bietet steigende Gewinne, steigende Cashflows und demnächst auch Aktienrückkäufe. Hinzu kommen die erwartbar positiven Effekte aus den ganzen neu eingegangenen Partnerschaften/Kooperationen.

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  2. Du vergleichst die Zeiten mit den 1930er und hältst eine 100%-ige Aktienquote?

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    1. Die heutige Entwicklung kann zu ähnlichen Ergebnissen wie in den 1930er Jahren führen. Kann. Wenn es einfach so weiter geht. Das muss es aber nicht, vielleicht gibt es auch rechtzeitig ein Umdenken, zum Beispiel durch Wahlen, bei denen vernünftige(re) Leute an die Macht kommen. Das gleiche Resultat wie in den 1930er Jahren ist also nicht zwangsläufig vorgezeichnet und daher muss ich das ja auch nicht vorwegnehmen in meinem Depot/bei meinen Anlageentscheidungen. Aber ich behalte es im Hinterkopf und achte stets darauf...

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  3. Moin Michael, Respekt für Deine Entscheidung bei WIRECARD, nach einigem Hin und Her kann ich sie nachvollziehen. Es handelt sich eben bei W. anscheinend nicht um ein solides Unternehmen, sondern um eine typische Zeitgeist-Schmiede. Wir haben wohl alle im Hinterkopf, daß ein DAX-Unternehmen per se eine gewisse Seriösität verkörpert, das sollten wir, glaube ich, grundlegend überdenken, nicht nur im Falle von WIRECARD. Der Langfrist-Ansatz wird zunehmend schwieriger, weil die Zusammenhänge und das Geschäftsgebaren sich völlig verändert haben. Es geht doch vielfach nur ums schnelle Geld. Dieser Aspekt lässt mich daran zweifeln, ob für die nächsten 5-10 Jahre überhaupt Verlässlichkeit bei Zahlen und Planungen gegeben ist. Deshalb muss ich mich fast zwangsläufig damit beschäftigen, wie und wo ich investiere, um "den Dollar für 50 Ct." kaufen zu können. Die Chance auf kurzfristige Gewinne ist durch die extrteme Volatilität durchaus vorhanden, deshalb kaufe ich in der Regel auch nach, oder nutze Abstürze zum Einstieg. Mit der Langfrist-Strategie hat das dann allerdings auch nur bedingt zu tun, weil ich lieber den Spatz in der Hand habe als die Taube auf dem Dach. Dabei gebe ich mich dann schon zufrieden, wenn ich netto 10 Prozent einstreichen kann (in der Regel bei 14 % brutto). Das führt natürlich nicht zu wahnsinnigen Gewinnen, aber im Vergleich mit TG und Sparbuch schneide ich regelmäßig ganz gut ab. Und Turnarounder liebe ich natürlich auch. Die Schnelllebigkeit und die Sucht nach dem immer neuen Hype wird das Hamsterrad aber irgendwann zum Glühen bringen und die Hamster werden abspringen. Ich wage sogar die steile These, daß die übernächste Generation die Smartphones wieder in die Tonne knallt und analog leben möchte, ohne KI und vor allem ohne digitale Demenz. Wir kennen doch alle die Retrowelle, die wird eines Tages auch das Silicon Valley erreichen. Bill Gates weiß das schon lange und macht sich seine eigenen Gedanken , aber das ist ein anderes Thema. Fakt ist, bei WIRECARD ist der Fahrstuhl schwer in Betrieb und es bleibt verlockend, vermeintlich günstig einzukaufen. Aber wenn ich Dich richtig verstanden habe, hast Du Deine Position nicht vollständig aufgelöst. Falls es richtig schmutzig wird und der Kurs zweistellig wird, kannst Du ja nochmal auf einen günstigen Einstieg lauern. Die Geschäftsaussichten sehen ja eigentlich nicht schlecht aus und Dein Ansatz seinerzeit mit Softbank scheint mir auch plausibel. Deshalb nochmal Hut ab vor Deiner Offenheit, das hebt sich absolut positiv von den vielen Selbstdarstellern ab, die sonst im Netz unterwegs sind. Ab und zu lese ich bei Dir rein, sehr gerne übrigens, weil ich Deine Ansätze und Erklärungen i.d.R. sehr gut nachvollziehen kann, wir suchen uns halt doch immer auch ein bisschen Bestätigung. (:-) Vielen Dank und weiterhin viel Freude beim Suchen der Stecknadel. Gruß Konrad

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  4. Hallo,
    scheinbar beauftragt Wirecard doch keinen Sonderprüfer...

    Schlagzeile der FAZ von Heute

    Am Freitag hatte es geheißen, nach den Bilanzvorwürfen gegen Wirecard habe das Unternehmen einen Sonderprüfer engagiert. Nun folgt das Dementi: Man habe andere Dinge zu tun.

    er Zahlungsdienstleister Wirecard braucht nach Einschätzung von dessen Aufsichtsratsvorsitzendem seine Bücher nicht außer der Reihe prüfen zu lassen. Die Wirtschaftsprüfer des Konzerns machten ihre Arbeit anscheinend ordentlich, sagte Wulf Matthias der britischen Zeitung „Financial Times“ (FT). Auf den ersten Blick sei die Untersuchung der Angelegenheiten durch EY ausreichend.

    Die öffentliche Diskussion über mögliche Probleme in den Bilanzen von Wirecard sei ein Ärgernis, sagte Matthias weiter. Es gebe jeden Tag drei endlose Geschichten zum Unternehmen. Er habe sie sich nicht im Detail angeschaut. Man habe andere Dinge zu tun.

    hier der Link, wenn das erlaubt ist.
    https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/forderung-zurueckgewiesen-offenbar-doch-keine-sonderpruefung-bei-wirecard-16442638.html

    Joe

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    1. Hallo,

      ich würde mich in erster Linie auf Informationen direkt vom Unternehmen verlassen. Laut der Investor Relations Seite von Wirecard ist eine Sonderprüfung beauftragt.

      Grüße

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    2. Man muss leider konstatieren, dass der Wirecard-Aufsichtsratsvorsitzende heillos überfordert ist. Der CEO kündigt an, es werde am Wochenende eine Entscheidung hinsichtlich einer Sonderprüfung geben, dann wird der AR-Vorsitzende in der Financial Times zitiert, er habe sich die FT-Anwürfe nicht im Detail angesehen, halte sie aber für unbegründet und lehne eine Sonderprüfung ab, weil die die Jungs von Ernst & Young ja wohl einen solide Prüfung vorgenommen hätten. Eine Sonderprüfung würde nichts bringen, weil es keine neuen Erkenntnisse geben können und damit auch das Problem der immer neuen FT-Vorwüfe nicht aus der Welt zu schaffen sei. Und dann verkündet Wirecard heute morgen doch eine Sonderprüfung durch KPMG, wobei in der Unternehmensmeldung der AR-Chef Wulf Matthias zitiert wird mit den Worten: "Wir haben vollstes Vertrauen in die bisherigen Prüfungshandlungen und deren Ergebnisse. Wir gehen davon aus, dass die erneute unabhängige Prüfung dazu führt, alle weiteren Spekulationen endgültig zu beenden". Also der exakt gegenteiligen Position, die er gestern noch verkündet hat. Und wohl noch immer in völliger Unkenntnis der Vorgänge und Vorwürfe.

      So viel Dilettantismus ist echt unfassbar!

      Der Aufsichtsrat muss dringend mit Profis besetzt werden, die 1. vom Business Ahnung haben und 2. der Aufgabe eines AR in einem DAX-Unternehmen gewachsen sind. Und vor allem muss der überforderte AR_Chef schnellstmöglich abgehen, jeder weitere Tag im Amt ist mindestens einer zu viel!

      Zur Sonderprüfung: die ist natürlich zu begrüßen, auch wenn sie kaum kurzfristig irgendwelche Ergebnisse bringen wird. Ist aber so wie ein Trainerwechsel in der Bundesliga, danach ist erstmal Ruhe, weil ja "irgendwas passiert" und der Verein gehandelt hat und darauf kann er eine zeitlang verweisen, weil ja nicht sofort Ergebnisse vorliegen können und das völlig klar ist.

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  5. Lieber Michael,
    Woher hast du die Informationen, dass Wirecard undurchsichtig ist? Das wird ständig irgendwo gepostet. Aber verstehen wir andere Firmen besser? Ich habe viel in Wirecard investiert und habe ziemlich alle Publikationen und Nachrichten rund um das Unternehmen seit fast fünf Jahren gelesen. Warum glauben wir immer noch McCrum und anderen, gerade McCrum sollte doch schon gar nicht mehr schreiben dürfen. Niemals wurde etwas an echter Kriminalität im Unternehmen entdeckt. NIE!!! Wirecard hat eine Banklizenz und weiß genau, dass sie die verliert und alles auf dem Spiel steht, wenn es wirklich etwas gäbe. Ich freue mich, dass der CEO gelassen bleibt und sich nicht treiben lässt. Auch das ist eine Antwort und besser als Aktionismus. Die haben doch schon alles offengelegt in den letzen Jahren, andere Unternehmen agieren auch nicht besser und schneller. Gut zu wissen: Wirecards Kunden sind andere Unternehmen, nicht etwa Einzelpersonen. Ein B2B-Unternehmen also. Deshalb hat Wirecard schon oft darauf hingewiesen, im Interesse seiner Kunden keine sensiblen Daten zu veröffentlichen.
    Und du hast doch selber Peter Lynch zitiert, bei 20% Kurssturz auf der Käuferseite zu sein, weil wir vorher die Hausaufgaben gemacht haben. Irgendwann werden die Attacken der FT aufhören, da bin ich sicher. Herzliche Grüße!!! Phil Jordan

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    1. Er ist doch selbst nur ein Dampfplauderer und hat wenig Einblick. Alleine der Satz
      "Die Vorwürfe sind im Grunde der zweite Aufguss der Anschuldigungen aus dem Frühjahr und bieten wenig Neues." zeigt schon die Grenzen seiner Welt auf. Das ist völliger Unsinn. Im Frühjahr ging es um Buchungen in Singapur.
      Lies Dir zum Vergleich folgende Analyse durch
      https://www.wallstreet-online.de/diskussion/1140904-62021-62030/wirecard-top-oder-flop#beitrag_61729258#beitrag_61729180
      da hast Du mehr davon!!

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    2. Stimmt, heute twittert er

      "Kaufe niemals eine Aktie, wenn du nicht damit leben kannst, dass sich der Kurs halbiert."
      (Warren Buffett)

      und dann wirft er die Nerven weg, wenn sich die Aktie um 20% oder was es war (vielleicht auch 30%) verbilligt

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    3. Moin Unknown,
      an welcher Stelle habe ich denn geschrieben, dass Wirecard undurchsichtig ist? Ich kritisiere, dass seine Firmenstruktur so verworren ist, dass selbst Experten Schwierigkeiten haben, sich da durchzufinden. Daher ist Wirecard so angreifbar und ich halte es für sinnvoll, das Unternehmen weniger komplex zu strukturieren und nachvollziehbar(er) zu machen. Beides habe ich fast wortwörtlich in dem Artikel geschrieben und das hat nichts mit "undurchsichtig" im Sinne von "nebulös" zu tun.

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  6. Immer wieder geil zu sehen, wie die Emotionen bei einigen Leuten hochgehen, wenn Wirecard kritisiert wird. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf?

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  7. Ich bin gespannt, was die FT Finanzjournalisten noch bei Wirecard entdecken. Die FT ist eine große, renommierte Zeitung. Es sieht nicht so aus, dass es nur eine Shortattacke ist. Eine interessante Show ist das. Ich bin im Publikum und schaue mir die ganze Komödie gerne an. Der Aufsichtsrat hat gerade ganz kurz verraten in welcher Richtung es gehen kann. "Wir brauchen keine Sonderprüfung". Aha...
    Ich finde es jedoch gut, dass Michael seinen Fehler erkannt hat und konsequent geblieben ist. Viele verbilligen und stocken auf, keiner kennt die Wahrheit. Kopf oder Zahl?

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    1. Was haben sie denn bisher "entdeckt"? Einige Mio Unregelmäßigkeiten in Singapur, die Wirecard selbst schon 1 Jahr vorher aufgefallen waren und deshalb eine Kanzlei mit der Prüfung beauftragt hatte. Bei 2000 Mio Gesamt-Umsatz. Darüber hinaus hat die FT unzulässig gemutmaßt, "ob da nicht noch mehr sein könnte". Das ist "Journalismus" auf unterstem Niveau.
      In Dubai haben sie nun entdeckt, dass sie keine Ahnung von Wirecards Geschäft haben. Kunden mit Kundengruppen verwechseln, meine Güte... Agieren wie Neulinge auf einem Projekt, die alles, was sie nicht verstehen, als falsch bezeichnen. Kann ich nicht im Ansatz ernst nehmen.
      Last not least die Kooperation mit Short-Sellern, Kommentar überflüssig.

      Dass die FT früher als seriöse Zeitung galt, sollte man nicht in die Gegenwart projizieren. Herr Gauland galt auch mal als seriöser Politiker...

      Es grassiert überall die gleiche Krankheit, nämlich die Gier um die Aufmerksamkeit der Massen. Und wenn einige Unseriöse mit Populismus Erfolg haben, wird es für die bisher Seriösen schwierig, ohne Populismus weiterhin Erfolg zu haben. Und in England gibt es seeeehr viele unerträglich populistische Zeitungen... McCrum's Artikel generieren Traffic, das ist es was für die FT zählt.

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    2. Die FT ist eine renommierte Zeitung, die in der Oberliga für Wirtschaftsjournalismus spielt. Journalismus auf unterste Niveau - ja, aber nicht bei FT. Wenn sie etwas schreiben, dann haben sie auch Beweise, sei Dir sicher. Schauen wir, was noch in Dubai los ist...Und die Singapur-Gerschichte ist noch nicht zu Ende. Vlt. kommt noch etwas?
      Das wird sehr sehr interessant und spannend. Besonders für Investierte. Das Image von Wirecard ist am Boden, das Geschäft ist voll mit Fragezeichen, nicht mal Wirtschaftsprüfer blicken so richtig durch. Und die Investoren? Sie blicken noch weniger und lassen sich Märchen erzählen. So eine Firma will ich in meinem Depot nicht haben.

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    3. Nur, weil eine renommierte Zeitung etwas veröffentlicht, heißt das nicht, dass es dafür auch Beweise gibt und/oder die Darstellung der Wahrheit entspricht. Die gefälschten Hitler-Tagebücher, die der Stern veröffentlicht hat? Die New York Times, die monatelang die angeblichen Beweise für das Atom-Programm von Saddam Hussein verteidigt und als seriös dargestellt hat, die dann für Bush/Cheney die Rechtfertigung für den Einmarsch im Irak waren? Oder die gefälschten Artikel/Reportagen von Claas Relotius, die nicht nur im Spiegel erschienen sind?

      Die heutigen Medien arbeiten kaum noch mit fest angestellten Redakteuren, sondern vor allem mit Freelancern, die nur dann Geld verdienen, wenn sie Aufsehen erheischende Storys bringen. Das führt dazu, dass die unter enormen Druck stehen und der eine oder andere (ich will das gar nicht verallgemeinern!) dann auch seine eigene Realität zusammenspinnt, um "liefern" zu können. Das kommt ja sogar bei Forschern vor, die Studien und Ergebnisse fälschen, um weiter Fördermittel zu bekommen. Wobei doch klar ist, dass die Fälschungen irgendwann auffallen müssen! Trotzdem tun sie es. Und daher würde ich keiner Zeitung einfach so einen Persilschein ausstellen und immer die Frage stellen: "Cui bono?". Wer profitiert...?

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    4. Michael, möchtest Du darauf wetten, ob es Wahrheit ist oder nicht? Ich nicht.

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  8. Also ich finde es gut, dass meinen seinen Prinzipien treu bleibt und seiner eigenen Strategie folgt. Da mag noch so viel Kritik kommen, warum einen Anteil von Herrn Kissig verkauft worden ist. Und da ist ein gut gemeinter Rat für jeden Investor. Folge deinen eigenen Leitlinien.
    Ich persönlich habe die Attacke auch zur Aufstockung genutzt. Wircard nimmt bei mir auch einen etwas erhöhten Anteil ein (15% Depot).

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