Dienstag, 20. August 2019

Buffetts bester Rat? Mach es einfach statt kompliziert, suche nachvollziehbare Geschäftsmodelle, die Bestand haben werden!

Value Investoren können weitgehend ohne komplizierte mathematische Formeln auskommen, indem die Anhänger des Wert orientierten Investierens einfach auf den gesunden Menschenverstand setzen. Und auf Geduld.

Je einfacher und langweiliger das Geschäftsmodell ist, desto interessanter ist es grundsätzlich für Value Investoren. Man kauft Anteile an soliden Unternehmen, die von ehrlichen und fähigen Leuten geführt werden und das zu einem Kurs, der unterhalb des fairen Wertes liegt, also das Gewinnpotenzial des Unternehmens (noch) nicht widerspiegelt...


»Mach es einfach, nicht kompliziert: suche Unternehmen mit nachvollziehbaren Geschäftsmodellen aus, die Bestand haben werden.«
(Warren Buffett)

Warren Buffett ist der Überzeugung, dass man sich weder mit Marktprognosen noch mit Charts aufhalten sollte, sondern vor allem mit dem Lesen der Geschäftsberichte der Unternehmen. Da steht alles drin, was ein Value Investor über das Unternehmen wissen muss und dort findet er die Zahlen und Daten, die er für die Bewertung des Unternehmens und die Ermittlung von dessen fairen Wert benötigt. Und er rät, Geld nur in Unternehmen zu investieren, deren Geschäft man auch versteht.

»Man sollte sein Geld in Unternehmen stecken, die auch ein absoluter Vollidiot leiten könnte. Denn irgendwann wird unweigerlich genau das passieren.«
(Peter Lynch)

Mach es wie Warren Buffett, mach es nicht unnötig kompliziert. Intelligentes Investieren ist keine Wissenschaft, es ist solides Handwerk anhand einiger weniger, aber wichtiger Regeln. Man muss nicht zaubern können, um langfristig an der Börse Geld zu verdienen.

»Wenn Sie in eine Firma investieren wollen, sollten Sie in der Lage sein zu erklären, warum. Und zwar in einer einfachen Sprache, die ein Fünftklässler verstehen könnte, und schnell genug, damit der Fünftklässler sich nicht langweilt.«
(Peter Lynch)

Peter Lynch rät, das zu kaufen, was man kennt. Und das in doppeltem Sinne: nicht nur Marken oder Produkte aus dem eigenen Umfeld, sondern Unternehmen, die man kennt, die man verstanden hat, die man erklären kann. Nicht in jedem Detail, aber doch so gut, das man schnell und auf den Punkt erläutern kann, was das Unternehmen tut und wie es sein Geld verdient. Und was das Besondere daran ist im Vergleich zu seinen wichtigsten Wettbewerbern.

»Wenn ein Unternehmen gut läuft, wird die Aktie letztendlich folgen.«
(Warren Buffett)

Auf lange Sicht steigen die Börsenkurse immer

Dabei sollte man sich (auch) nicht mit der Suche nach dem perfekten Timing beschäftigen, dem besten Zeitpunkt für einen Einstieg. Denn langfristig macht es kaum einen Unterschied, zu welchem Zeitpunkt man in Aktien investiert hat, langfristig steigen die Kurse schier unaufhaltsam an. Der ökonomische Fortschritt, das Wachstum der Weltbevölkerung und der (auch deshalb) global zunehmende Wohlstand, schlagen sich in der Kursentwicklung nieder.

»Langfristig werden die Aktienmärkte für gute Nachrichten sorgen. Im 20. Jahrhundert durchlebten die USA zwei Weltkriege und weitere traumatische und teure militärische Konflikte, eine Depression, mehrere Rezessionen, Börsenpaniken, Ölschocks, Virenpandemie und den Rücktritt eines Präsidenten. Dennoch stieg der Dow Jones von 66 auf 11.497.«
(Warren Buffett)

War da was?

Insbesondere der Chartverlauf des Dow Jones Index über die letzten hundert Jahre zeigt die Entwicklung sehr deutlich auf. Die ganz kleine "Unwucht" ziemlich weit links ist übrigens "der große Crash" von 1929 mit der sich anschließenden Weltwirtschaftskrise (bei der logarithmischen Darstellung des Charts sieht dieser natürlich weniger dramatisch aus). Und auch im neuen Jahrhundert steigen die Aktien allem Unbill zum Trotz weiter an, denn inzwischen kämpft der Dow Jones Index mit der Marke von 26.000 Punkten und notiert damit fast anderthalb mal so hoch wie zum 1. Januar 2000.

Aus dieser (Kurs-) Entwicklung können wir lernen, dass für den nachhaltigen Börsenerfolg das Market-Timing einen geradezu zu vernachlässigenden Faktor darstellt, während eine andere Charaktereigenschaft ganz wesentlich zum Erfolg beiträgt: Geduld, die nach Benjamin Graham "oberste Tugend des Investors". Legt man den S&P 500 zugrunde, reduziert sich statistisch das Risiko, mit Aktien Geld zu verlieren, auf Null, wenn man mindestens 12 Jahre durchhält und seine Aktien nicht verkauft. Ganz klar: Geduld wird belohnt!

»Die beste Zeit für die Geldanlage ist dann, wenn man Geld hat. Die Geschichte deutet nämlich darauf hin, dass nicht der Zeitpunkt zählt, sondern die Zeit.«
(Sir John Templeton)

Anleger sollten also auf die einfachen, unkomplizierten Unternehmen setzen und dann die nötige Muße aufbringen, bis diese sich positiv entwickeln. Den Fortschritten im operativen Geschäft werden die Aktienkurse fast unweigerlich folgen.


Meine Lese-Tipps
▶ "Buffett. Die Geschichte eines amerikanischen Kapitalisten" von Roger Lowenstein
▶ "Das Tao des Warren Buffett" von Mary Buffett und David Clark
▶ "Die Essays von Warren Buffett: Die wichtigsten Lektionen für Investoren" von Lawrence A. Cunningham
▶ "Investieren mit Warren Buffett. Sichere Gewinne mit der Fokus-Strategie" von Robert G. Hagstrom
▶ "So liest Warren Buffett Unternehmenszahlen" von Mary Buffett und David Clark
▶ "So macht es Warren Buffett: 24 einfache Anlagestrategien" von James Pardoe
▶ "Warren Buffett. Das Leben ist wie ein Schneeball" von Alice Schroeder
▶ "Warren Buffett – Der Jahrhundertkapitalist" von Gisela Baur
▶ "Warren Buffett: Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie." von Robert G. Hagstrom

Kommentare:

  1. Dem kann man nur zustimmen!

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  2. Na ja, Buffett pfeift seit vielen Jahren aus dem letzten Loch. Seine Investments der letzten Jahre waren durchs Band Grottenschlecht.

    https://www.tipranks.com/hedge-funds/warren-buffett

    Auch er hat, wie viele anderen Steinzeit-Legenden der Wallstreet, Probleme mit den QE Märkten. Dass er sich nun endlich und so langsam mit Techs eindeckt zeigt, dass er zunehmend von seinen Grundsätzen abweicht. Zuletzt hat er doch wirklich den "Wunderknaben" Jeff Bezos entdeckt! Beim "Wunderknaben" Steve Jobs war er viele Jahre zu spät. Auch andere "Wunderknaben" wie Jack Dorsey, Jeff Green, Satya Nadella oder Mark Zuckerberg hat er bis heute nicht erkannt. Steigt Buffett ein dann ist es Zeit darüber nachzudenken, zu verkaufen oder womöglich gleich auf fallende Kurse zu setzen!

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    1. Die Darstellung über Nadella ist schlicht falsch. Buffett hat und wird niemals in Microsoft investieren, weil er mit dessen Gründer Bill Gates so eng befreundet ist und er jeglichen Anschein von Insiderwissen vermeiden will. Bzgl. Jobs und Bezos hat Buffett ja selbst unumwunden zugegeben, dass er zwar das Potenzial der Unternehmer und Unternehmen erkannt hat, aber nach seinen Maßstäben keinen Investmentcase ableiten konnte. Das ist erst anders, seitdem er viel mehr Gewicht auf den Burggrabenaspekt und dauerhafte Wettbewerbsvorteile legt, als auf die Bewertung bzw. den Preis.

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    2. Dass Buffet vor Insiderwissen nicht zurück schreckt hat er bei JPM schon lange bewiesen. Buffett und Jamie Dimon kennen sich sehr gut. Buffetts Co-Investmentchef Todd Combs sitzt bei JPM im Verwaltungsrat. Zudem haben im Sommer 2018 Buffett und Dimon andere Unternehmenschefs dazu aufgefordert, auf Quartalsprognosen zu verzichten. Viele grosse US-Banken erhöhen ihre Risikovorsorge. JPM reduzierte sie deutlich und kauft in erheblichem Umfang eigene Aktien zurück. Wettbewerbsvorteile und Preissetzungsmacht kann ich bei seinem Agieren nur noch sehr selten erkennen. Aktienrückkäufe, raffiniertes Financial-Engineering und extreme Kurspflege sind in den Vordergrund gerückt. Buffett ist für mich seit vielen Jahren ein Null-acht-fünfzehn Auslaufmodell, welches seine Glanzzeiten in der Kindergartenbörse von 1975-2000 hatte.

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    3. Kurz vor der DotCom Blase haben auch viele Buffett ausgelacht. Die Bewertungen bei High Tech Aktien sind jetzt teilweise so exorbitant hoch und auch die "Buffett hat es versaut, ich kann es viel besser" Investoren sind so viele, dass ich mir langsam Sorgen bzgl. der weiteren Marktentwicklung von Techaktien mache.

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    4. Also die heutige Bewertung von Tech-Aktien mit der Bewertung zu Zeiten der DotCom Blase zu vergleichen halte ich für falsch. Die großen Tech-Unternehmen verdienen unfassbar viel Geld und sind für die enormen Wachstumsraten vom KGV her gar nicht mal so hoch bewertet (Auch wenn ich nicht viel vom KGV als Bewertungskriterium halte).

      Zum Beispiel Alphabet wächst mit rund 20 % pro Jahr und wird mit einem KGV im mittleren 20er Bereich bewertet. Zudem beträgt der Verschuldungsgrad magere 31 %. Dort von einer Blase zu sprechen, halte ich für fragwürdig.

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    5. Ich rede von den kleinen hochbewerteten Trendunternehmen wie MongoDB, Zoom, Twilio, Shopify etc. Shopify z.B. EV/Sales FWD von 25, Price/Cash Flow FWD von 652... Gehts noch??? Also wer so was einkauft, muss wissen, dass die nächsten 5-6 Jahre Wachstum schon im Kurs sind. Und ob sie so lange so stark wachsen steht in den Sternen.

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