Samstag, 31. März 2018

Benjamin Graham lehrt: Geduld ist die oberste Tugend des Investors!

Beim Erwerb von Aktien das richtige Timing zu erwischen, ist fast unmöglich. Daher sollte man es gar nicht erst versuchen. Ist man von einem Unternehmen überzeugt und bekommt man die Aktien zu einem guten Preis, sollte man zugreifen. Und die Aktien halten, auch wenn der Kurs erst einmal fallen sollte.

Denn sobald man Aktien erworben hat, ist man darauf angewiesen, dass andere ihren Wert erkennen und ebenfalls kaufen. Sonst steigen die Aktienkurse ja nicht, denn sie basieren auf Angebot und Nachfrage. Man kann aber nicht beeinflussen, ob und wann andere Anleger den wahren Wert des Unternehmens erkennen und dessen Aktien kaufen. Daher sollte man seine eigene Einschätzung nicht vom Aktienkurs abhängig machen und auch nicht nervös werden, wenn der Kurs einige Zeit - manchmal Jahre - benötigt, um auf seinen fairen Wert zu steigen.

»Geduld ist die oberste Tugend des Investors.«
(Benjamin Graham)

Der üblichste Fehler der Anleger ist es, heißen Nachrichten und anspringenden Kursen hinterherzulaufen. Aber das funktioniert nicht, denn damit bezahlt man nur die Kursgewinne der Anderen. Denn nachdem der Kurs einen Luftsprung gemacht hat, konsolidiert er meistens einige Zeit. Und die Anleger, die nur wegen der heißen Nachrichten in die Aktien gestürmt sind, kriegen kalte Füße, wenn die Kurse nicht mehr weiter steigen - und verkaufen wieder. Nicht selten mit Verlust.


»Wenn man billig einkauft, muss man Geduld mitbringen und abwarten, bis der Markt einem zustimmt.«
(Joel Greenblatt)

Erfahrene Anleger wissen hingegen, dass Aktien die meiste Zeit vor sich hin dümpeln. Zwischen 80 und 90 Prozent der Anlagegewinne entstehen daher in einem relativ kurzen Zeitfenster, nämlich zwischen 2 und 7 Prozent der Anlagedauer. Die meiste Zeit über bringt eine Aktie also kaum Performance, während sie in kurzen Phasen deutlich ansteigt. Wer diese wenigen kurzen Phasen verpasst, lässt auch den Großteil der Gesamtrendite dieser Aktie liegen. Daher muss man an den starken Tagen investiert sein, ansonsten wird man immer deutlich schlechter abschneiden als der Durchschnitt.

»Wer nicht bereit ist, eine Aktie zehn Jahre zu halten, sollte sie keine zehn Minuten besitzen.«
(Warren Buffett)

Während der tristen Tage ohne Kurssteigerungen, ohne Nachrichten und ohne Esprit, muss man Geduld haben und diese Zeiten einfach durchstehen. Die "tollen Tage" entschädigen einen dafür und die damit einhergehende Performance des Investments, wenn man sie sich alle paar Monate mal ansieht (aber keinesfalls täglich!). "Buy & Hold" wird diese Strategie genannt und sie ist der Weg des Warren Buffett und auch sein kongenialer Partner Charly Munger rät zu Buy & Hold. Denn sie ist die einzige Strategie, die langfristig eine überragende Performance bietet.

»Es ist so gut wie unmöglich, mit Market-Timing zuverlässig Geld zu verdienen; es lohnt sich mehr, langfristig zu investieren und Unebenheiten auszuhalten.«
(Christopher H. Browne)

Kommentare:

  1. Eben deshalb zockt man als Investor ja nicht auf den "wahren Wert des Unternehmens" aka die Dummheit der anderen, was immer nur eine vornehmere Form des Timings ist ...

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    1. Da irrst Du Dich. Timing zielt auf den Preis, also den Kurs einer Aktie. Man hofft, zu einem billigeren Kurs wieder einsteigen zu können. Value Investing zielt auf den Wert ab. Wenn der Preis/Kurs unterhalb dieses Werts liegt, dann kauft man. Das hat aber nichts mit Timing zu tun. Value Investoren kaufen nicht in der Hoffnung, die Aktien zu einem späteren Zeitpunkt teurer wieder verkaufen zu können, sondern um sich günstig (unter Wert) in ein zukunftsträchtiges, solides Unternehmen einkaufen zu können. Das Ziel ist nicht die Kurssteigerung der Aktie, sondern die Wertsteigerung des Unternehmens. Diese kann durch die Steigerung des Aktienkurses angezeigt werden, muss aber nicht.

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  2. Du vermengst halt immer das Value Investing (Preis unter Wert kaufen - Preis beim fairen Wert (oder darüber) verkaufen), das sich natürlich für den Preis interessieren muss, weil es den ja mit dem Wert vergleicht, mit dem Buy&Hold, das sich nur für den Wert des Unternehmens und sein Wachstum intessiert. "Fairer Wert" - schon das ist eine Vermengung, den fair kann immer nur der Preis sein, niemals der Wert. Was sollen denn denn das buy&hold die "tollen Tage" mit dem fairen Preis angehen, wenn er auf hold gepolt ist? Hat Buffet etwa verkauft, als der Dow fast übergeschnappt ist? Oder ein Einzelwert? Gekauft wird, wenn ein Unternehmen Wachstum verspricht, verkauft wird, wenn es an seine Wachstumsgrenze gekommen ist, und dabei ist es dann das Timing (fast) völlig egal, also ob die Tage nun toll sind und der Markt im Moment gerade die eigenen Vorstellungen teilt oder nicht. Aber klar - die Katjuschas dieser Welt, also die große Mehrheit, machen es andersrum und die Experten, die vermengen es halt ...

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    1. 100% richtig.
      Value investing: gap zwischen preis und wert ausnutzen und bei fairem Preis verkaufen. Siehe Seth Klarmen (Margin of safty = gap zw. Preis und wert) oder David Dreaman. Können mental nur die wenigsten anwenden, weil man gegen den Trend geht und psychologisch nur mit einer bestimmten Persönlichkeit zu vereinbaren ist.

      Buy and hold: wunderbares Unternehmen finden und halten wie in guten so auch in schlechten Zeiten. Siehe Philipp Fischer. Nicht so mein Ding, weil ich nicht die Zukunft vorher sehen kann.

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    2. Genau den letzten Punkt beim Buy & Hold, den gibste falsch wider. Es geht eben nicht darum, Aktien auch "in schlechten Zeiten" gnadenlos im Depot zu behalten. Das ist ein Irrglaube. Verkauft wird nicht, nur weil der Kurs sinkt, sondern die Aktie wird so lange gehalten, wie die positiven Kriterien, auf deren Grundlage man einmal die Aktie erworben hat, noch vorliegen. Also z.B. bei Burggrabenaktien der Burggraben und die positiven Unternehmensaussichten. Sind die weiterhin gegeben, dann kann/sollte man einen Kurseinbruch ignorieren und ggf. sogar aufstocken. Liegen sie nicht mehr vor, ist der Kurs egal - man sollte verkaufen.

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  3. Ist schon ratsam, auf den guten Herrn Graham zu hören. Wer diese Tugend nicht sein eigen nennen kann, hat meiner Meinung nach sowieso nichts am Aktienmarkt verloren.
    Nur von Geduld alleine wird man noch lange nicht zu einem anständigen Investor, da gehört dann doch etwas mehr dazu.. Glücklicherweise ist es ja auch nicht die einzige Tugend, sondern nur die oberste.

    Viele Grüße vom Depotstudent :)

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