Dienstag, 19. März 2019

Benjamin Graham lehrt: Geduld ist die oberste Tugend des Investors!

Beim Kauf von Aktien das richtige Timing zu erwischen, ist fast unmöglich. Daher sollte man es gar nicht erst versuchen. Ist man von einem Unternehmen überzeugt und bekommt man die Aktien zu einem guten Preis, sollte man zugreifen. Und die Aktien halten, auch wenn der Kurs erst einmal fallen sollte.

Denn sobald man Aktien erworben hat, ist man darauf angewiesen, dass andere ihren Wert erkennen und ebenfalls kaufen. Sonst steigen die Aktienkurse ja nicht, denn sie basieren auf Angebot und Nachfrage. Man kann aber nicht beeinflussen, ob und wann andere Anleger den wahren Wert des Unternehmens erkennen und dessen Aktien kaufen. Daher sollte man seine eigene Einschätzung nicht vom Aktienkurs abhängig machen und auch nicht nervös werden, wenn der Kurs einige Zeit - manchmal Jahre - benötigt, um auf seinen fairen Wert zu steigen.

»Geduld ist die oberste Tugend des Investors.«
(Benjamin Graham)

Der üblichste Fehler der Anleger ist es, heißen Nachrichten und anspringenden Kursen hinterherzulaufen. Aber das funktioniert nicht, denn damit bezahlt man nur die Kursgewinne der anderen. Denn nachdem der Kurs einen Luftsprung gemacht hat, konsolidiert er meist eine Weile. Und die Anleger, die nur wegen der heißen Nachrichten in die Aktien gestürmt sind, kriegen kalte Füße, sobald die Kurse nicht weiter ansteigen und verkaufen wieder. Nicht selten mit Verlust.


»Wenn man billig einkauft, muss man Geduld mitbringen und abwarten, bis der Markt einem zustimmt.«
(Joel Greenblatt)

Erfahrene Anleger wissen hingegen, dass Aktien die meiste Zeit vor sich hin dümpeln. Zwischen 80 und 90 Prozent der Anlagegewinne entstehen daher in einem relativ kurzen Zeitfenster, nämlich zwischen 2 und 7 Prozent der Anlagedauer. Die meiste Zeit über bringt eine Aktie also kaum Performance, während sie in kurzen Phasen deutlich ansteigt. Wer diese wenigen kurzen Phasen verpasst, lässt auch den Großteil der Gesamtrendite dieser Aktie liegen. Daher muss man an den starken Tagen investiert sein, ansonsten wird man immer deutlich schlechter abschneiden als der Durchschnitt.

»Wer nicht bereit ist, eine Aktie zehn Jahre zu halten, sollte sie keine zehn Minuten besitzen.«
(Warren Buffett)

Während der tristen Tage ohne Kurssteigerungen, ohne Nachrichten und ohne Esprit, muss man Geduld haben und diese Zeiten einfach durchstehen. Die "tollen Tage" entschädigen einen dafür und die damit einhergehende Performance des Investments, wenn man sie sich alle paar Monate mal ansieht (aber keinesfalls täglich!). "Buy & Hold" wird diese Strategie genannt und sie ist der Weg des Warren Buffett und auch sein kongenialer Partner Charly Munger rät zu Buy & Hold. Denn sie ist die einzige Strategie, die langfristig eine überragende Performance bietet.

»Es ist so gut wie unmöglich, mit Market-Timing zuverlässig Geld zu verdienen; es lohnt sich mehr, langfristig zu investieren und Unebenheiten auszuhalten.«
(Christopher H. Browne)

Dabei geht es nicht darum, Aktien auch "in schlechten Zeiten" gnadenlos im Depot zu behalten. Das ist ein Irrglaube. Buy & Hold bedeutet nicht, kaufen und vergessen, sondern kaufen und sich entwickeln lassen. Verkauft werden Aktien dabei nicht, nur weil der Kurs sinkt, sondern die Aktie wird so lange gehalten, wie die positiven Kriterien, auf deren Grundlage man einmal die Aktie erworben hat, noch vorliegen. Also z.B. bei Qualitätsaktien der ökonomische Burggraben und die positiven Unternehmensaussichten. Solange diese weiterhin gegeben sind, kann und sollte man einen Kurseinbruch ignorieren und ggf. sogar aufstocken. Liegen sie ursprünglichen Qualitäten nicht mehr vor, sollte man die Aktien verkaufen, unabhängig vom dann gerade aktuellen Kurs.

Daher kommt dem von Benjamin Graham entwickelten Konzept der Sicherheitsmarge eine so große Bedeutung zu. Je größer der Abschlag des Aktienkurses auf den fairen Wert einer Aktie beim Kauf ist, desto geringer ist das Risiko, mit dem Investment einen Verlust zu erleiden - selbst wenn man sich in einigen oder gar sämtlichen Punkten seines Investmentcases geirrt hat. Und natürlich ist die Chance auf große Kursgewinne ebenfalls umso größer, je günstiger man eine Aktie eingekauft hat. Auch an der Börse liegt der Gewinn letztlich im Einkauf, nicht im Verkauf...



Meine Lese-Tipps
▶ "Die Geheimnisse der Wertpapieranalyse" von Benjamin Graham und David Dodd
▶ "Die Graham-Methode. Benjamin Grahams Value-Investing Schritt für Schritt" von Janet Lowe
▶ "Intelligent investieren" von Benjamin Graham

Kommentare:

  1. Juten Tach !
    Ja, das ist so eine Sache mit der Geduld. Wenn man deine Artikel liest, denkt man gerne zurück und reflektiert, wie oft man sich selbst an die Ratschläge der Altmeister gehalten hat. Und es stimmt, zumindest in meinem Fall: Die Kurse dümpeln vor sich hin, und auf einmal geht es 10% hoch - ich mit meinem Wissen könnte das gar nicht timen, selbst wenn ich wollte. Dann bereits investiert zu sein, ist also zumindest für mich der lohnenswertere Weg. Natürlich habe ich auch mal die Nerven verloren, aber auch du hast ja zuletzt bei Corestate entnervt hingeschmissen :)
    Keine Kritik - war nie dort investiert, verfolge nur deinen Blog und deine Posts bei W:O.
    Da hat auch dir mal die Geduld gefehlt - oder waren es noch andere Gründe? Mir kommt das alles "spanisch" vor, mit den CEO-Wechseln, dem Kurs und den LV. Könnte ich nicht gut mit schlafen, und auch das ist ja einer der Ratschläge der Altmeister :)

    Freitag ist schon HV-Tag bei DIC - bist zu zufällig dort? Denkst du, beim aktuellen Kurs sollte man so kurz vor der Dividende noch nachkaufen? Oder lieber abwarten bis nächste Woche?

    Einen schönen Tag wünsche ich !

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    1. Nein, ich bin nicht bei der DIC-HV. Und ich würde eine Aktie nur wegen der Dividende auch nicht kaufen; in der Regel geht bei Dividendenwerten der kurs auch vor der Zahlung hoch, während er danach erstmal in die Knie geht, weil das Interesse nachlässt. Bei DIC Asset wird es eh bisschen "anders", da ja am Montag der Dividendenabschlag erfolgt, aber die Dividende erst geraume Zeit später (Zahltermin ist der 29.4.) auf dem Konto eintrudeln wird (wegen der Möglichkeit, sich die Dividende in Form von Aktien auszahlen zu lassen).


      Nochmal zu Corestate: ich habe dort nicht meine Geduld verloren, sondern wollte dort nicht mehr Mitaktionär sein aus benannten Gründen. In meinen Augen sind zwei sehr unterschiedliche Aspekte.

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