Donnerstag, 27. Oktober 2016

Habe Geduld!

Beim Erwerb von Aktien das richtige Timing zu erwischen, ist fast unmöglich. Daher sollte man es gar nicht erst versuchen. Ist man von einem Unternehmen überzeugt und bekommt man die Aktien zu einem guten Preis, sollte man zugreifen. Und die Aktien halten, auch wenn der Kurs erst einmal fallen sollte.

Denn sobald man Aktien erworben hat, ist man darauf angewiesen, dass andere ihren Wert erkennen und ebenfalls kaufen. Sonst steigen die Aktienkurse ja nicht, denn sie basieren auf Angebot und Nachfrage. Man kann aber nicht beeinflussen, ob und wann andere Anleger den wahren Wert des Unternehmens erkennen und dessen Aktien kaufen. Daher sollte man seine eigene Einschätzung nicht vom Aktienkurs abhängig machen und auch nicht nervös werden, wenn der Kurs einige Zeit - manchmal Jahre - benötigt, um auf seinen fairen Wert zu steigen.

»Geduld ist die oberste Tugend des Investors.«
(Benjamin Graham)

Der üblichste Fehler der Anleger ist es, heißen Nachrichten und anspringenden Kursen hinterherzulaufen. Aber das funktioniert nicht, denn damit bezahlt man nur die Kursgewinne der Anderen. Denn nachdem der Kurs einen Luftsprung gemacht hat, konsolidiert er meistens einige Zeit. Und die Anleger, die nur wegen der heißen Nachrichten in die Aktien gestürmt sind, kriegen kalte Füße, wenn die Kurse nicht mehr weiter steigen - und verkaufen wieder. Nicht selten mit Verlust.

»Wenn man billig einkauft, muss man Geduld mitbringen und abwarten, bis der Markt einem zustimmt.«
(Joel Greenblatt)

Erfahrene Anleger wissen hingegen, dass Aktien die meiste Zeit vor sich hin dümpeln. Zwischen 80 und 90 Prozent der Anlagegewinne entstehen daher in einem relativ kurzen Zeitfenster, nämlich zwischen 2 und 7 Prozent der Anlagedauer. Die meiste Zeit über bringt eine Aktie also kaum Performance, während sie in kurzen Phasen deutlich ansteigt. Wer diese wenigen kurzen Phasen verpasst, lässt auch den Großteil der Gesamtrendite dieser Aktie liegen. Daher muss man an den starken Tagen investiert sein, ansonsten wird man immer deutlich schlechter abschneiden als der Durchschnitt.

»Wer nicht bereit ist, eine Aktie zehn Jahre zu halten, sollte sie keine zehn Minuten besitzen.«
(Warren Buffett)

Während der tristen Tage ohne Kurssteigerungen, ohne Nachrichten und ohne Esprit, muss man Geduld haben und diese Zeiten einfach durchstehen. Die "tollen Tage" entschädigen einen dafür und die damit einhergehende Performance des Investments, wenn man sie sich alle paar Monate mal ansieht (aber ja nicht täglich!). "Buy & Hold" wird diese Strategie genannt und Buy & Hold ist der Weg des Warren Buffett. Sie ist die einzige, die langfristig eine überragende Performance bietet.

»Es ist so gut wie unmöglich, mit Market-Timing zuverlässig Geld zu verdienen; es lohnt sich mehr, langfristig zu investieren und Unebenheiten auszuhalten.«
(Christopher H. Browne)

Kommentare:

  1. Schöner Beitrag, das motiviert! Unterbewertung und Market Timing richtig zu erkennen ist natürlich schwer, aber einen fairen Preis und günstige Einstiegsmöglichkeiten lassen sich natürlich trotzdem identifizieren! Der glaube an die unmöglichkeit von Market Timing und an die Effizienz Markt Hypothese sollte nicht den Verstand vernebeln, so dass man fatalistisch zu jedem Preis kauft, wie es einige ETF-Investoren tun.
    Sehr schöne Zitate! Danke dafür!

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    1. Auf mehrere Jahrzehnte gesehen, kann ein passiver ETF Investor zu jedem Preis kaufen.

      Und bitte beweis deine Aussage, dass Market-Timing doch nicht unmöglich sei? Diese Formel macht Dich sofort zum Milliardär. Ich bin gespannt.

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    2. Hey,
      Man kann zu jedem Preis kaufen, aber die Rendite ist langfristig natürlich niedriger, weil du weniger Papiere für den selben Preis erhältst.
      Man ist nicht automatisch Milliardär, wenn man den Markt schlägt, sondern hat eben einfach eine höhere Rendite. Die aktuellen Bewertungen für ganze Märkte und einzelne Aktien entstehen ja aufgrund unterschiedlicher Ziele und Vorgaben der handelnden Akteure. Beispielsweise werden bei kleinen kurzfristigen Unsicherheiten schon Milliarden Euro von Lebensversicherern etc. abgezogen, weil ihre Aufgabe eher im vermeiden von Risiko liegt. Als Privatanleger kann man genau davon profitieren und zum Beispiel ETF kaufen, wenn Geld aus den Märkten gezogen wird. Nahezu jedes Jahr gibt es große Rücksetzer, damit möchte ich garnicht verneinen, dass regelmäßiges investieren ohne großes beachten der Kurse eine stattliche Rendite hervorbringen kann. Ich spare nur das Geld, dass ich für einen USA ETF ausgeben möchte lieber, bis das KGV nicht mehr bei über 25 liegt.
      Die Möglichkeit eine höhere Rendite als der Markt zu haben bedeutet nicht, dass man Geld drucken und jedes Jahr konstant 20% Gewinn einfahren kann, aber schon zwei Prozentpunkte p.a. sind langfristig ein bedeutender Unterschied.
      Beweise du doch bitte, wieso es nicht möglich sein soll, besser als der Mittelwert aller Anleger zu sein? Das Aktiv gemanagte Fonds Restriktionen unterliegen, die es schwierig bis unmöglich machen den Markt langfristig zu schlagen steht dabei natürlich auf einem anderen Blatt.

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  2. Ich kann Jasper nur zustimmen - tolle Zitate. Sie passen wirklich super zum Text und inspirieren. Ich kann nur zustimmen, dass "tolle Tage" für die Geduld, die man sonst aufbringen muss total entschädigen. Das mit der Geduld musste ich auch erst schmerzhaft durch einige übereilte Situationen / Trades lernen - aber inzwischen habe ich mich und mein Temperament ziemlich gut im Griff und ich schaffe es tagelang gar nicht ins Depot zu schauen. Zu wochenlang mag ich es nicht kommen lassen - dafür interessieren mich Nachrichten und deren Impact einfach zu sehr. Nur nervös werden darf man eben nicht :-)

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