Donnerstag, 14. September 2017

Mit schlechten Leuten macht man keine guten Geschäfte

Dies ist ein wichtiger Grundsatz des Value Investings, denn man bindet sich ja langfristig an ein Unternehmen. Und wenn dieses von Menschen geführt wird, denen man nicht trauen kann, sollte - nein muss! - man die Finger davon lassen.

Eine Regel, die man gar nicht oft und laut genug betonen kann, denn an der Börse war es Jahrhunderte lang üblich, Investoren über den Tisch zu ziehen. Ob es mit "Orient-Compagnien", Eisenbahnen, Stromhändlern (Stichwort Enron) oder mit beinahe jeder Neuer Markt-Klitsche war, es wurde immer erstunken und erlogen was das Zeug hielt. Da wurden Umsätze und Gewinne vom Vorstand frei erfunden, oder es wurden Kurse vorsätzlich in ungeahnte Höhen manipuliert, weil die Initiatoren zuvor diese Penny-Stocks günstig eingesammelt hatten und dann in die aufgrund ihrer eigenen geschaffenen künstlichen Nachfrage teuer verkauften. Am Ende war immer der Anleger, der diesen schlechten Leuten auf den Leim ging, der Dumme.

Wer nun glaubt, die immer strenger werdenden Regeln der Börsen und die Börsenaufsichten würden Betrugs- und Manipulationsversuche ganz verhindern können, liegt falsch. So lief es auch beim Leuchtenhersteller Hess, der kurz nach seinem Börsengang zugeben musste, seine Bilanzen illegal aufgeblasen zu haben. Insgesamt wurde um 45 Mio. Euro geschönt. Comroad lässt grüßen... Das Nachsehen haben die  Aktionäre denn die Papiere sind in einer ersten Reaktion um 65% eingebrochen. Und das zurecht, denn nur vier Monate nach dem Börsengang war Hess pleite.


Der Rausschmiss der Vorstände ist natürlich nur eine erste Sofortmaßnahme, auch der Aufsichtsrat muss sich die Frage gefallen lassen, ob er genau genug hingesehen hat und vor allem die Wirtschaftsprüfer sind hier in der Pflicht, denn die hatten Einsicht in die Bücher und haben uneingeschränkte Bestätigungsvermerke erteilt. Und dann waren beim Börsengang noch Konsortialbanken beteiligt, die ebenfalls Prüfverpflichtungen gehabt haben - und nicht schlecht verdienten am Börsengang. Bei ihnen allen werden sich Geschädigte schadlos zu halten versuchen und das Unternehmen wird auf absehbare Zeit nur noch damit und mit sich selbst beschäftigt sein. Das operative Geschäft wird in erheblichem Maße leiden, der Image-Verlust wird auch bei Kunden und Zulieferern ein Übriges tun.

Buffets Regel Nr. 1: Niemals Geld verlieren!
Manch Schnäppchenjäger wird denn auch versucht sein, jetzt billig einzusteigen. Doch die Risiken sind unkalkulierbar. Nicht nur wegen der noch unbekannten Schadenhöhe und der langwierigen Prozesse, die das Unternehmen immer wieder negativ in die Schlagzeilen bringen werden, sondern vor allem weil es keine Möglichkeit gibt, eine Bewertung vorzunehmen. Denn sicher ist doch momentan nur eines: den bisher vorgelegten Zahlen kann man nicht vertrauen. Sie wurden manipuliert, das hat das Unternehmen selbst veröffentlicht. Und wer einmal lügt...

»Ein Investment liegt immer dann vor, wenn nach einer gründlichen Analyse in erster Linie Sicherheit und erst im Anschluss daran eine zufriedenstellende Rendite steht.«
(Benjamin Graham)

Als ich vor einiger Zeit darlegte, weshalb man Neuemissionen meiden solle, hatte ich als Begründung unter anderen angeführt, das Zahlenwerk sei noch nicht verlässlich und man solle erst einmal abwarten, wie sich das Unternehmen an der Börse bewähre, wie sicher seine Prognosen sind und ob es die Erwartungen erfüllen könne. Das ist nach wie vor richtig, auch wenn ich damit sicher nicht die vorsätzliche Manipulation von Umsätzen und Erträgen gemeint habe. Die kommen auch bei "altgedienten" Börsenunternehmen vor, dagegen kann man sich als außenstehender Anleger nur schwer schützen. Und deshalb betont Investmentlegende Warren Buffett immer wieder, wie wichtig ein verlässliches und charakterlich einwandfreies Management ist.

»Wir wollen uns nicht mit Managern zusammentun, die keine bewundernswerten Fähigkeiten haben – egal wie attraktiv die Aussichten ihres Unternehmens sind. Uns ist es noch nie gelungen, mit einer schlechten Person gute Geschäfte zu machen.«
(Warren Buffett)

Immer wachsam sein und bleiben!
Wenn es also Anzeichen auf Unregelmäßigkeiten gibt und dieses ein latentes Problem ist, dann ziehen Sie die Reißleine! Warten sie nicht auf bessere Zeiten, investieren Sie lieber in seriöse Unternehmen. Und suchen Sie sich als Geschädigter eine Interessenvertretung gegen die Täter, z.B. die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V. (DSW). Lassen Sie die Betrüger nicht einfach so mit ihrer Masche davonkommen, denn wenn wir Anleger es den Abzockern zu leicht machen, versuchen die es immer wieder.

Am sinnvollsten ist natürlich, sich von vornherein gar nicht erst auf unseriöse oder unlautere Geschäftspraktiken einzulassen und um Aktien einen großen Bogen zu machen, die von derartigen Leuten geführt werden. Die möglichen Chancen wiegen die Risiken und das drohende Ungemach keinesfalls auf.

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