Montag, 25. Juli 2016

Mit schlechten Leuten macht man keine guten Geschäfte

Dies ist ein wichtiger Grundsatz des Value Investings, denn man bindet sich ja langfristig an ein Unternehmen. Und wenn dieses von Menschen geführt wird, denen man nicht trauen kann, sollte - nein muss! - man die Finger davon lassen.

Eine Regel, die man gar nicht oft und laut genug betonen kann, denn an der Börse war es Jahrhunderte lang üblich, Investoren über den Tisch zu ziehen. Ob es mit "Orient-Compagnien", Eisenbahnen, Stromhändlern (Stichwort Enron) oder mit beinahe jeder Neuer Markt-Klitsche war, es wurde immer erstunken und erlogen was das Zeug hielt. Da wurden Umsätze und Gewinne vom Vorstand frei erfunden, oder es wurden Kurse vorsätzlich in ungeahnte Höhen manipuliert, weil die Initiatoren zuvor diese Penny-Stocks günstig eingesammelt hatten und dann in die aufgrund ihrer eigenen geschaffenen künstlichen Nachfrage teuer verkauften. Am Ende war immer der Anleger, der diesen schlechten Leuten auf den Leim ging, der Dumme.

Wer nun glaubt, die immer strenger werdenden Regeln der Börsen und die Börsenaufsichten würden Betrugs- und Manipulationsversuche ganz verhindern können, liegt falsch. Gestern kam die Meldung, dass der erst im Oktober an die Börse gegangene Mittelständler Hess seine beiden Vorstand freigestellt hat und eine externe Untersuchung eingeleitet hat wegen des Verdachts, mindestens seit 2011 Umsätze erfunden und geschönt zu haben. Mit Wissen des Vorstands! Comroad lässt grüßen... Das Nachsehen haben die  Aktionäre denn die Papiere sind in einer ersten Reaktion um 65% eingebrochen.

Der Rausschmiss der Vorstände ist natürlich nur der Anfang, auch der Aufsichtsrat muss sich die Frage gefallen lassen, ob er genau genug hingesehen hat und vor allem die Wirtschaftsprüfer sind hier in der Pflicht, denn die hatten Einsicht in die Bücher und haben uneingeschränkte Bestätigungsvermerke erteilt. Und dann waren beim Börsengang noch Konsortialbanken beteiligt, die ebenfalls Prüfverpflichtungen gehabt haben - und nicht schlecht verdienten am Börsengang. Bei ihnen allen werden sich Geschädigte schadlos zu halten versuchen und das Unternehmen wird auf absehbare Zeit nur noch damit und mit sich selbst beschäftigt sein. Das operative Geschäft wird in erheblichem Maße leiden, der Image-Verlust wird auch bei Kunden und Zulieferern ein Übriges tun.

Buffets Regel Nr. 1: Niemals Geld verlieren!
Manch Schnäppchenjäger wird denn auch versucht sein, jetzt billig einzusteigen. Doch die Risiken sind unkalkulierbar. Nicht nur wegen der noch unbekannten Schadenhöhe und der langwierigen Prozesse, die das Unternehmen immer wieder negativ in die Schlagzeilen bringen werden, sondern vor allem weil es keine Möglichkeit gibt, eine Bewertung vorzunehmen. Denn sicher ist doch momentan nur eines: den bisher vorgelegten Zahlen kann man nicht vertrauen. Sie wurden manipuliert, das hat das Unternehmen selbst veröffentlicht. Und wer einmal lügt...

»Ein Investment liegt immer dann vor, wenn nach einer gründlichen Analyse in erster Linie Sicherheit und erst im Anschluss daran eine zufriedenstellende Rendite steht.«
(Benjamin Graham)

Als ich vor einiger Zeit darlegte, weshalb man Neuemissionen meiden solle, hatte ich als Begründung unter anderen angeführt, das Zahlenwerk sei noch nicht verlässlich und man solle erst einmal abwarten, wie sich das Unternehmen an der Börse bewähre, wie sicher seine Prognosen sind und ob es die Erwartungen erfüllen könne. Das ist nach wie vor richtig, auch wenn ich damit sicher nicht die vorsätzliche Manipulation von Umsätzen und Erträgen gemeint habe. Die kommen auch bei "altgedienten" Börsenunternehmen vor, dagegen kann man sich als außenstehender Anleger nur schwer schützen. Und deshalb betont Investmentlegende Warren Buffett immer wieder, wie wichtig ein verlässliches und charakterlich einwandfreies Management ist.

»Wir wollen uns nicht mit Managern zusammentun, die keine bewundernswerten Fähigkeiten haben – egal wie attraktiv die Aussichten ihres Unternehmens sind. Uns ist es noch nie gelungen, mit einer schlechten Person gute Geschäfte zu machen.«
(Warren Buffett)

Immer wachsam sein und bleiben!
Wenn es also Anzeichen auf Unregelmäßigkeiten gibt und dieses ein latentes Problem ist, dann ziehen Sie die Reißleine! Warten sie nicht auf bessere Zeiten, investieren Sie lieber in seriöse Unternehmen. Und suchen Sie sich als Geschädigter eine Interessenvertretung gegen die Täter, z.B. die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V. (DSW). Lassen Sie die Betrüger nicht einfach so mit ihrer Masche davonkommen, denn wenn wir Anleger es den Abzockern zu leicht machen, versuchen die es immer wieder.

Am sinnvollsten ist natürlich, sich von vornherein gar nicht erst auf unseriöse oder unlautere Geschäftspraktiken einzulassen und um Aktien einen großen Bogen zu machen, die von derartigen Leuten geführt werden. Die möglichen Chancen wiegen die Risiken und das drohende Ungemach keinesfalls auf.

Kommentare:

  1. Hallo Michael,

    woher soll man wissen ob das Management seriös ist oder nicht?
    Bei Enron und Hess waren die Wirtschaftsprüfer und der Aufsichtsrat wohl mit involviert.

    Ich denke aber, dass über 90% der Unternehmen schon seriös sind und die Skandale verfälschen einfach nur das Gesamtbild der Börse.

    Small und Micro Caps sind nicht unseriöser als Mid und Large Caps, sie werden nur häufiger Opfer von externen Kursmanipulationen(Empfehlung von Dritten) als Mid und Large Caps aufgrund der engen Märkte. Wenn ich falsch liege, dann berichtige mich bitte!! Es ist nur meine Einschätzung.

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    1. Man kann nicht in die Köpfe schauen, aber man kann sich schon einen Eindruck verschaffen. Sich die Vita der Personen in Vorstand und Aufsichtsrat ansehen und über Google gründeln. In die Geschäftsberichte der Vorjahre blicken und herausfinden, wie das Management mit seinen Prognosen und Fehlern umgeht. Steht man zu Fehleinschätzungen und legt sie offen? oder werden vor allem Erfolge herausgestellt und über Misserfolge kein Wort mehr verloren? Wie werden die Risiken im Geschäftsbericht dargestellt? Da kann man schon ein Gefühl für das Management bekommen - und im Zweifelsfall lieber die Finger davon lassen.

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  2. Sehr gut gesagt! Wenn man es mit Finanz-Hütchenspielern zu tun bekommt, die die Bilanzen fälschen und Firmenteile gegen wertlose Assets ausverkaufen (wie KTG Agrar zuletzt) wird man als kleiner Aktionär am Ende dumm dastehen. Also besser in die vielen seriösen und profitablen Unternehmen investieren die es gibt.

    Apropos: was macht eigentlich deine Nanostart? War direkt das erste was mir bei dem Thema eingefallen ist ;)
    http://www.intelligent-investieren.net/2016/05/nanostart-value-play-oder-einfach-nur.html?showComment=1463760183966#c7632404282493362800

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  3. Hallo Michael,

    danke für den Einblick und den ehrlichen Text. Ich wollte auch schon ein bisschen mehr in das ganze Thema einsteigen finde aber auch, vor allem als Neuling, dass es schon sehr schwierig ist hier zu durchschauen wer seriös ist und wer nicht. Genau deshalb hab ich mich bis jetzt zwar etwas eingelesen, aber getraut noch nicht wirklich.

    Liebe Grüße
    Marco

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  4. Ich habe letztens einen spannenden Vergleich zum Thema Value Investing gehört. Da man beim Value Investing ja von einer langfristigen oder gar lebenslänglichen Entscheidung ausgeht, hat ein Bekannter Value Investing mit der Ehe verglichen :)
    Es sollte eine wohl überlegte Entscheidung sein aufgrund einer fundamentalen Analyse. Kommt es jedoch zum Vertrauensbruch sollten auch solche langfristigen Entscheidungen kritisch und rational hinterfragt werden. Gelungener Artike!

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    1. Warren Buffett rät, nur dann Aktien zu kaufen, wenn man auch bereit ist, diese für mindestens 5 Jahre zu halten. Diese Frage kann man sich ja (spätestens) unmittelbar vor Aufgabe der Kauforder stellen: fühle ich mich wohl, wenn ich diese Aktie in den nächsten 5 Jahren nicht verkaufen kann, egal, was passiert? (Nur) wenn die Antwort bedingungslos "ja" lautet, sollte man kaufen...

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  5. Hallo Michael,

    man sollte immer darauf achten, dass der Cashflow positive ist, denn das ist der einzige wert der nicht großartig geschönt werden kann, Bareinnahmen sind Bareinnahmen da gibt es nichts dran zu rütteln!!! Die Enron Pleite hätte man vorhersehen können, wenn man sich nur mal die Kapitalflussrechnung angeschaut hätte, denn dieser war meistens negativ.

    Man darf nicht vergessen zum Jahresüberschuss gehören auch Forderungen die noch nicht bezahlt wurden sind sowie Wertsteigerungen von Beispielweise Immobilien oder Beteiligungen und das ohne überhaupt ein Cent geflossen ist.

    Der Cashflow ist also die ehrlichste Kennziffer die ein Privatinvestor hat, daher wundert es mich, dass du in dein Block gar nicht darüber schreibst. Value Investoren wie Buffett legen großen wert auf den Cashflow!

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    1. So einfach ist es leider auch nicht. Erstens kann man beim Cashflow auch tricksen und zweitens ist nicht jedes Unternehmen mit negativem fcf über einen gewissen Zeitraum automatisch schlecht.

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    2. Bei negativen FCF sollten dennoch die Alarmglocken angehen. Für mich wäre es dennoch ein KO-Kriterium.

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    3. Starre Kriterien sind immer Blödsinn.

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    4. Da scheinst Du aber viel Zeit zu haben, Daniel ;) Aktien gibt es wie Sand am Meer, und diese fallen dann einfach durchs Sieb.

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    5. Na was machst Du zum Beispiel mit einem Unternehmen das Du schon besitzt weil es gute Cashflowzahlen hat und das plötzlich in einen anderen Investitionszyklus kommt, wo es ein paar Jahre keinen positiven Cashflow hat. Verkaufst Du blind?

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    6. Ich halte auch von zu starrem Kennzahlenglauben nichts, denn alle Kennzahlen weisen Stärken und Schwächen auf. Der Cash-flow ist schon eine der besten und ein positiver Free Cash-flow ist eigentlich grundsätzlich positiv zu werten und zumeist ein gutes Zeichen. Andererseits ist ein sinkender bzw. sogar negativer Free Cash-flow durchaus ein Achtungssignal, wo man genauer hinsehen sollte. Hier gilt es, die Gründe zu hinterfragen! Es kann - und oft ist es das auch - ein Gefahrenzeichen sein, muss es aber nicht. Als Universalkennzahl taugt er jedefalls meiner Meinung nach nicht.

      Ich weise gerade bei größeren Unternehmen in meinen Artikeln oft auf die Entwicklung des Free Cash-flow hin, weil ich ja auch ein Freund regelmäßiger Dividendenausschüttungen bin. Diese sollten aber nicht aus der Substanz erfolgen, sondern aus dem Geld, das am Ende übrig geblieben ist, eben dem Free Cash-flow.

      Bei Wachstumswerten und/oder Nebenwerten und/oder Turnaround-Spekulationen ist der Free Cash-flow jedoch oftmals (nch) negativ und das ist für mich keinesfalls ein K.O.-Kriterium, sondern Anlass für einen genaueren Blick.

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  6. Hallo Michael,

    ein interessantes Thema, das du hier angestoßen hast.

    Ich selbst musste leidvoll in der jüngeren Vergangenheit erfahren, dass ich meinem Bewertungsmodell dringend die Komponente "Bewertung des Managements" hinzufügen muss. Aber wie so oft, tut man sich mit den "weichen" Bewertungsparametern etwas schwieriger: Hier können eben nicht einfach Zahlen zu Kennzahlen geformt und dann verglichen werden. Aber nach den Vorgängen um KTG Agrar bin auch ich geläutert. :-)

    Ich möchte noch ergänzen, dass neben der (unverzichtbaren) Integrität des Führungspersonals, die du hier ansprichst, auch die Identifikation des Managements mit der strategischen Ausrichtung des Unternehmens wichtig ist. Viele erfolgreiche Unternehmen fahren über Jahrzehnte ein strategisches Grundkonzept, dessen Änderung meines Erachtens nur erfolgen sollte, wenn es auch wirklich Probleme bereitet.

    Mit den besten Grüßen

    Oliver

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    1. Moin Oliver,
      ein Unternehmen, dass ständig seine Strategie ändert bzw. ändern muss, dürfte kaum ins Raster eines Value Investments fallen und/oder für die langfristige Anlage geeignet sein. Dass das Management hinter der Strategie des Unternehmens stehen und diese im Idealfall auch mit- und fortentwickeln sollte, sehe ich auch so. Bewerten kann man die Qualität des Managements letztlich nur anhand in früheren Jahren gemachten Aussagen und dem Abgleich mit der heutigen Realität. Was traf von den Prognosen ein, was ging schief. Und wie ist der Umgang mit den Ergebnissen, den Erfolgen, aber insbesondere mit den Fehlern. Werden sie selbstkritisch analysiert und daraus nachvollziehbare Schlüsse gezogen? Hierzu halte ich das Studium der Geschäftsberichte und ggf. der Quartalsberichte und Corporate News für unerlässlich.

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