Dienstag, 1. August 2017

Meide Neuemissionen!

Wagt eine Aktiengesellschaft den Sprung aufs Börsenparkett, nennt man diesen Börsengang neudeutsch Initial Public Offering (IPO). Medienwirksame IPOs der letzten Jahre waren u.a. Facebook, AlibabaRocket InternetZalando oder jüngst Delivery Hero.

Für ihr IPO erstellen die Unternehmen einen umfassenden Emissionsprospekt, der alle relevanten Informationen enthalten muss, vor allem aber erläuternde Hinweise zu den Risiken und in den diversen Börsenblättchen - und Blogs - wird über den Börsengang berichtet, zumeist mit Handlungsempfehlungen. Also eine sichere Sache, sollte man meinen, oder?

Zu Zeiten des Neuen Markts war das so. Egal, zu welchem Preis unrentable Unternehmen an die Börse gebracht wurden, die Emissionen waren mehrfach überzeichnet und die Kurse schossen durch die Decke. Das lag jedoch nicht an den Unternehmen, sondern an der liquiditätsgetriebenen Hausse, der Gier der Anleger und an dem vielen billigen Geld, mit dem die Notenbanken den Markt geflutet hatten. Zumindest letzteres ist auch heute gegeben, aber von Euphorie an den Börsen sind wir meilenweit entfernt.

Von Kursverlusten und Pleiten
Und wenn man sich die Kursentwicklung einiger Börsengänge der jüngsten Zeit ansieht, drängt sich nicht der Eindruck auf, man hätte hier als erster dabei sein müssen. So hat sich der Kurs der Rocket-Internet-Aktien nach der Emission inzwischen halbiert und auch die Kurse anderer IPOs haben deutlich nachgegeben, schauen Sie sich Groupon oder Snapchat an. Allerdings sind viele der jüngeren IPOs schnell wachsende Internet-Unternehmen, bei denen Umsatz- und Kundenwachstum hoch bewertet werden und die Aussicht auf zukünftige Erträge und Gewinne versprechen. Und hier liegt genau das Risiko, denn die Erwartungen sind das eine, die Realität das andere. Weder Groupon noch Snapchat konnten mit Geschäftszahlen überzeugen und haben die hochfliegenden Erwartungen nicht erfüllt. Der Aktienkurs nimmt nun die entsprechenden Anpassungen vor und die Anleger sitzen auf den Kursverlusten - während sich diejenigen, die frühzeitig an den Unternehmen beteiligt waren, wie auch die Unternehmensgründer, satte Millionen- oder gar Milliardenerlöse aus dem Verkauf ihrer überteuerten Aktien gezogen haben. Daneben gibt es aber auch "grundsolide" Unternehmen, die an die Börse streben, wie der Modekonzern Steilmann. Der allerdings nach nur wenigen Monaten Insolvenz anmelden musste. Ein Armutszeugnis für alle Beteiligten, Banker, Berater, Firmenlenker, und Prüfungsgegenstand seitens der BaFin und vermutlich auch der Staatsanwaltschaft. Immerhin geht es um die Frage, ob Anleger bewusst getäuscht (im Juristendeutsch "betrogen") worden sind, als ihnen die Aktien angedreht wurden.


Sind alle IPOs schlecht?
Muss - oder sollte - man daraus den Schluss ziehen, dass man mit IPOs nur verlieren kann? Ich denke nicht. Vielmehr ist die Lehre, dass es auf die Bewertung der Unternehmen ankommt, ob man investieren sollte, oder nicht. Und da es sinnvoll ist, in unterbewertete Aktien zu investieren, um dann davon zu profitieren, dass sie wieder auf ihren fairen Wert steigen, wird man bei IPOs kaum fündig werden. Denn diese Unternehmen wurden von den Konsortialbanken auf ihren Wert hin abgeklopft und aus dieser Bewertung ergab sich der Emissionspreis bzw. die Preisspanne für das IPO. Hier eine Unterbewertung zu vermuten würde bedeuten, man setzt darauf, dass die beteiligten Banken Geld verschenken würden. Denn die Banken verdienen am Emissionsvolumen und je höher der Preis, desto größer der Verdienst der Bank. Wirkliche Schnäppchen sind bei einem IPO also kaum zu machen.

Das macht die Unternehmen nicht zu schlechten Firmen, oft aber zu schlechten Investments. Denn für einen langfristig orientierten Value-Investor ist der Einstiegspreis natürlich ein ganz entscheidendes Kriterium. Nur wenn man günstig und deutlich unter Wert einsteigt, erzielt man auch eine hohe Rendite. Daher muss man dem Markt, der Börse, die Chance geben, eine Unterbewertung der Aktie zuzulassen. Und das wird eben nicht beim IPO passieren, sondern allenfalls erst später, wenn die Aktie sich im großen Teich mit den anderen Unternehmen um die Gunst der Anleger bewähren muss.

»Du brauchst dich nicht wirklich darum zu kümmern was bei IPOs eigentlich los ist. Leute gewinnen jeden Tag im Lotto.«
(Warren Buffett)

Warren Buffett meint zu IPOs, es wäre unsinnig anzunehmen, dass man als Anleger besser informiert sei, als die (Aktien abgebenden) Insider. Man solle daher nicht an IPOs teilnehmen, sondern sich erst mal einige Zeit den Kursverlauf an der Börse ansehen und dem Markt Zeit geben, seine Bewertung für die Aktien vorzunehmen und dieser dann seine eigene Einschätzung gegenüberzustellen.

Kommentare:

  1. Bei spin offs schlage ich dagegen gerne zu

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    1. Stimmt. Spin-offs sind ja meistens die ungeliebten Teile eines Unternehmens, die dieses loswerden will. Doch später entwickeln sich diese Spin-offs nicht selten deutlich besser als der "alte" Wert. Wohl auch, weil sie nun viel freier agieren können als zuvor im Konzernverbund, wo sie nur ein Spartendasein fristeten. Corvesto, Lanxess oder PJT Partners sind solche Beispiele...

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