Montag, 17. April 2017

Beherrsche deine Emotionen

Emotionen bestimmen unser Leben, beinahe auf jedes Ereignis reagieren wir emotional, es ist instinktiv. Und es ist der Grund, weshalb wir so viele Fehlentscheidungen treffen, zumindest an der Börse. Denn was die Evolution für das menschliche Miteinander so sinnvoll eingerichtet hat, verleitet uns dazu, in wichtigen Momenten genau das Falsche zu tun.

Dispositionseffekt
Menschen neigen dazu, Negatives deutlich intensiver wahrzunehmen, als positive Erlebnisse. Auch negative Nachrichten geben wird wesentlich häufiger weiter als positive. Dass wir also Verluste viel stärker empfinden als Gewinne, nennt man Dispositionseffekt. Diese Verlustaversion führt dazu, dass Anleger sich nicht von den Aktien trennen, die besonders weit im Minus notieren. Und zwar aus Angst vor den realisierten Verlusten, nicht etwa, weil das Unternehmen herausragende Perspektiven aufweist und man dessen Aktien "nur" zu teuer eingekauft hat. In diesem Fall sollte man dann dringend verbilligen, also nachkaufen, um seinen Einstandskurs zu verbessern.

All-Time-High-Bias
Gleichzeitig verleitet dieselbe Angst dazu, Gewinne nicht laufen zu lassen, sondern viel zu schnell zu realisieren. Die wirklich großen Kursgewinne, Peter Lynch nennt sie "Ten-Bagger" (Kursverzehnfacher) gehen einem so natürlich durch die Lappen.

»Du wirst Deine Ergebnisse nicht verbessern, indem du die Blumen ausreißt und das Unkraut gießt.«
(Peter Lynch)

Große Börsenlegenden, wie Warren Buffettt, verdanken ihren außerordentlichen und dauerhaften Börsenerfolg nicht nur dem Glück, sondern zu einem wesentlichen Teil der Fähigkeit, die Börse rein rational zu betrachten. Jeder "normale" Mensch freut sich, wenn seine Aktien im Kurs steigen, und seine Stimmung ist gedrückt, wenn sie fallen. Nicht so bei Warren Buffett, denn er denkt nicht an den Kurswert der Aktien, die seinen Vermögensstand dokumentieren. Dieser ist ihm völlig gleichgültig, denn er kauft keine Aktien, sondern Anteile an Unternehmen. Er würde die Unternehmen auch kaufen, wenn sie keine Aktien ausgegeben hätten und er sie nicht einfach über die Börse erwerben könnte. Das macht es für ihn nur leichter, ist aber keine Voraussetzung für seine Engagements. Tatsächliche befinden sich viele Unternehmen im Portfolio seiner Beteiligungsholding Berkshire Hathaway, die nicht börsennotiert - und damit nicht so sehr im Fokus der Öffentlichkeit - sind.

»Ich denke nicht darüber nach, ob ein Markt nach oben oder nach unten geht. Ich kümmere mich nur darum, ob ich ein Unternehmen zu einem akzeptablen Preis kaufen kann. Ich sehe mich nicht als Teil eines Bullenmarkts, sondern als Teilhaber an wunderbaren Firmen. Ich muss zu einem Preis kaufen, der mich glücklich macht.«
(Warren Buffett)

Für Buffett bedeuten fallende Kurse nicht Vermögensverlust, sondern Einstiegsmöglichkeiten. Da er als Grundlage für seine Käufe den fairen Wert eines Unternehmens ermittelt und dann davon noch eine Sicherheitsmarge abzieht, legt er seinen maximalen Einstiegskurs fest. Und daran orientiert er sich ganz  konsequent, denn durch diese Methode erhöht er seine Chancen, mit seinen Investments Geld zu verdienen, ganz erheblich. Allerdings bedeutet sie auch, dass er bisweilen mehrere Jahre darauf warten muss, bis er zum Zuge kommt. Aber er hat die nötige Geduld und dann schlägt er zu und kauft so viele Anteile wie möglich.

»Anleger machen oft den Fehler, Marktschwankungen als Fakt und nicht als Meinung zu begreifen.«
(Seth Klarman)

Der Durchschnittsanleger kann hieraus lernen. Er darf seine Investments nicht im Verhältnis zu seinem Einstiegskurs betrachten, sondern er sollte nur darauf schauen, ob sie attraktiv bewertet sind und positive Zukunftsaussichten aufweisen. Dann sollte er sie behalten oder sogar aufstocken. Kommt er hingegen zu dem Schluss, er sollte lieber nicht in einem bestimmten Wert oder einer Anleihe investiert sein, muss(!) er sie verkaufen. Unabhängig davon, zu welchem Kurs er einmal eingestiegen ist.

»Ein Börsianer darf seine Papiere nie im Verhältnis zum Einkaufspreis einschätzen, sondern zum Tagespreis.«
(André Kostolany)

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