Sonntag, 13. Juni 2021

Gordon Gekko warnt: "Beherrsche Deine Emotionen. Sonst verlierst Du den Kopf". Und Geld!

Emotionen bestimmen unser Leben, beinahe auf jedes Ereignis reagieren wir emotional und handeln oft instinktiv. Das ist der Grund, weshalb wir so viele Fehlentscheidungen treffen, nicht nur an der Börse, aber dort besonders oft. Denn was die Evolution als Überlebensinstinkt so sinnvoll eingerichtet hat, verleitet uns dazu, bei Börsengeschäften genau das Falsche zu tun, wenn es drauf ankommt. Und zwar immer und immer wieder, weil wir instinktiv handeln, ohne nachzudenken, von Gier getrieben. Oder Panik...

Das Szenario kennt wohl jeder Anleger: der Kurs einer Aktie fällt, obwohl es eigentlich gut aussieht für das Unternehmen und keine negativen Nachrichten vorliegen. Dennoch bröckelt der Kurs Stück für Stück ab und man fragt sich, weshalb - und beginnt, selbst auch an einen Verkauf zu denken. Doch immer dann, wenn man diesem Impuls nachgibt, drehen die Aktien fast unweigerlich und die Aktie beginnt wieder zu steigen. Doppelt ärgerlich. Und vermeidbar. Denn die (emotionalen) Abläufe sind fast immer die selben.

Die Anleger verkaufen nicht das Unternehmen, sie verkaufen den Markt. Sie sitzen auf hohen Kursgewinnen und haben Angst vor einem Crash. Deshalb verkaufen sie ihre Aktien. Dabei haben die meisten keine Ahnung, das das Unternehmen macht, sie wissen nicht, wie es läuft. Sie kennen nur den Kurs und haben die Aktie gekauft, weil jemand anderes sie auch hatte und damit Gewinne eingefahren hat. Nun fällt der Kurs und sie denken, irgendjemand muss dann ja mehr wissen und wollen nicht der Dumme sein, der als letzter ausgestiegen und seine ganzen Gewinne wieder verloren hat. Dummerweise macht dieses Verhalten sie fast zwangsläufig genau zu diesem Dummen. Weil der Kurs irgendwann wieder dreht, wenn der emotionale Verkaufsdruck nachgelassen hat und sie dann nicht mehr an Bord sind. Und auch nicht wieder einsteigen, wenn der Kurs dreht, weil sie dem Anstieg nicht trauen. So ist die Börse, so war sie immer schon. Angst und Gier regieren und treiben die Kurse. Geduld, Analyse und Stockpicking treiben die Kursgewinne - auf lange Sicht.


Dispositionseffekt

Menschen neigen dazu, Negatives deutlich intensiver wahrzunehmen, als positive Erlebnisse und wir geben diese negative Nachrichten auch wesentlich häufiger weiter als Positives. Dem entsprechend empfinden wir Verluste viel stärker als Gewinne und das nennt man Dispositionseffekt. Die hieraus resultierende Verlustaversion führt dazu, dass Anleger sich nicht von den Aktien trennen, die besonders weit im Minus notieren. Und zwar aus Angst vor den realisierten Verlusten, nicht etwa, weil das Unternehmen herausragende Perspektiven aufweist und man dessen Aktien "nur" zu teuer eingekauft hat. In diesem Fall sollte man dann dringend verbilligen, also nachkaufen, um seinen Einstandskurs zu verbessern.
»Beherrsche Deine Emotionen. Sonst verlierst Du den Kopf.«
(Gordon Gekko alias Michael Douglas in "Wall Street")

All-Time-High-Bias

Gleichzeitig verleitet dieselbe Angst dazu, Gewinne nicht laufen zu lassen, sondern viel zu schnell zu realisieren. Die wirklich großen Kursgewinne, Peter Lynch nennt sie "Ten-Bagger" (zu Deutsch: Verzehnfacher), gehen einem so natürlich durch die Lappen. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Aktie nach einem Allzeithoch ein weiteres generiert, viel höher, als dass sie von da an zu sinken beginnt...

Exemplarisch sei einfach mal auf den Chart des Dow Jones Index verwiesen - betrachtet man diesen über eine sehr langen Zeitraum, zum Beispiel 100 Jahre, erkennt man schnell, dass es schier unendlich viele neue Allzeithochs gegeben hat. Immer und immer wieder. Trotz der zwischenzeitlichen Phasen, wo es auch mal bergab ging.
»Du wirst Deine Ergebnisse nicht verbessern, indem du die Blumen ausreißt und das Unkraut gießt.«
(Peter Lynch)
Große Börsenlegenden, wie Warren Buffett, verdanken ihren außerordentlichen und dauerhaften Börsenerfolg nicht nur dem Glück, sondern zu einem wesentlichen Teil der Fähigkeit, die Börse rein rational zu betrachten. Jeder "normale" Mensch freut sich, wenn seine Aktien im Kurs steigen, und seine Stimmung ist gedrückt, wenn sie fallen. Nicht so Warren Buffett, denn er denkt nicht an den Kurswert der Aktien, die seinen Vermögensstand dokumentieren. Dieser ist ihm völlig gleichgültig, denn er kauft keine Aktien, sondern Anteile an Unternehmen. Er würde die Unternehmen auch kaufen, wenn sie keine Aktien ausgegeben hätten und er sie nicht einfach über die Börse erwerben könnte. Das macht es für ihn nur leichter, ist aber keine Voraussetzung für seine Engagements.
»Ich denke nicht darüber nach, ob ein Markt nach oben oder nach unten geht. Ich kümmere mich nur darum, ob ich ein Unternehmen zu einem akzeptablen Preis kaufen kann. Ich sehe mich nicht als Teil eines Bullenmarkts, sondern als Teilhaber an wunderbaren Firmen. Ich muss zu einem Preis kaufen, der mich glücklich macht.«
(Warren Buffett)
Tatsächliche befinden sich viele Unternehmen im Portfolio seiner Beteiligungsholding Berkshire Hathaway, die nicht börsennotiert - und damit nicht so sehr im Fokus der Öffentlichkeit - sind. Buffett betrachtet die Unternehmen nach ihrem Wert, nicht nach ihrem Kurs Und so wertet Buffett fallende Kurse nicht etwa also Vermögensminderung, sondern als Einstiegsmöglichkeit.
»Die Börse ist nur der Marktplatz, die Wertschöpfung findet im Unternehmen statt.«
(Warren Buffett)
Da er als Grundlage für seine Käufe den fairen Wert eines Unternehmens ermittelt und dann davon noch eine Sicherheitsmarge abzieht, legt er seinen maximalen Einstiegskurs fest. Und daran orientiert er sich ganz  konsequent, denn durch diese Methode erhöht er seine Chancen, mit seinen Investments Geld zu verdienen, ganz erheblich. Allerdings bedeutet sie auch, dass er bisweilen mehrere Jahre darauf warten muss, bis er zum Zuge kommt. Aber er hat die nötige Geduld und dann schlägt er zu und kauft so viele Anteile wie möglich.
»Anleger machen oft den Fehler, Marktschwankungen als Fakt und nicht als Meinung zu begreifen.«
(Seth Klarman)
Der Durchschnittsanleger kann hieraus lernen. Er darf seine Investments nicht im Verhältnis zu seinem Einstiegskurs betrachten, sondern er sollte nur darauf schauen, ob sie attraktiv bewertet sind und positive Zukunftsaussichten aufweisen. Dann sollte er sie behalten oder sogar aufstocken. Kommt er hingegen zu dem Schluss, er sollte lieber nicht in einem bestimmten Wert oder einer Anleihe investiert sein, muss (!) er sie verkaufen. Unabhängig davon, zu welchem Kurs er einmal eingestiegen ist.
»Ein Börsianer darf seine Papiere nie im Verhältnis zum Einkaufspreis einschätzen, sondern zum Tagespreis.«
(André Kostolany)

6 Kommentare:

  1. Moin Moin !
    Kostolany und Buffet schreiben viel über gute Bewertungen, zu welchen sie kaufen.
    Du kaufst ja zu absolut jedem Preis - denkst du, Bewertungen sind überholt? Buffet und co sind ja nicht mehr die Jüngsten, und der Markt ist heute sicherlich ein anderer...

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    1. Nein, ich kaufe nicht zu "jedem Preis". Ich nehme eine Chance-Risiko-Abwägung vor und bei hohen Chancen und ggf. vorliegenden starken Qualitätsmerkmalen und/oder hohen Wachstumsraten bin ich bereit, einen höheren Preis zu zahlen.

      Deine Einschätzung, dass der markt sich verändert hat, teile ich. Aber das tut er ständig, man kann jede Dekade ein anderes Grundmuster erkennen. Das Alter der Anleger hat damit weniger zu tun; es geht eher um die Bereitschaft, sich den neuen Herausforderungen immer wieder zu stellen und die neuen Gegebenheiten zu akzeptieren und in seinen Investmentcase zu integrieren. Buffett und Munger sind beide über 90 Jahre alt. Aber sie lesen ständig und bilden sich permanent weiter fort. Ich denke, sie sind besser im Bild über die aktuellen Entwicklungen als 95 Prozent der übrigen, jüngeren Menschen. Das bedeutet aber nicht, dass sie in alles investieren, über das sie sich informieren. Gerade bei neuen Entwicklungen gehen die meisten Startups pleite und es setzen sich nur wenige von den frühen Leadern durch. Wer dann auf diese setzt, kann in der Regel noch immer sehr viel gewinnen, aber eben zu deutlich geringerem Risiko.

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  2. Danke für deine Antwort. Ich beneide dich um deine Kaufwut auch bei in meinen Augen absurden Bewertungen. Hat in der Vergangenheit sehr gut funktioniert, während es mich vom Kauf guter Unternehmen abgehalten hat, welche bisher gut "performt" haben.
    Kann mich nicht freimachen vom Blick in die Kennzahlen, um zu schauen wie die Gewinne sich zum Aktienpreis verhalten, oder wie die historische Bewertung des Unternehmens aussieht....ich muss wohl auch einfach blind zugreifen.
    Momentan zB hätte ich gerne einen Wasserversorger, american water oder american states water (einen von beiden hattest du glaube ich auch auf dem Radar/Depot) - aber die sind sooo teuer für einen durchregulierten Versorger. Sind wie Techunternehmen bewertet, völlig verrückt die Aktienpreise seit vielen Monaten. Und es geht immer weiter !! Zum verzweifeln :>

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    1. Ich denke, Du unterliegst einen Denkfehler - und deshalb unterstellst Du mir (und anderen), "blind" und ohne auf die Bewertung zu achten, einfach irgendwas zu kaufen.

      Wo siehst Du denn die "absurden Bewertungen"? Starrst Du nur auf das KGV? Und relativ gesehen dann im Vergleich zum historischen KGV? Tja, dann musste scheitern...

      Der Gewinn ist als Kennzahl denkbar ungeeignet, weil er simpel zu manipulieren ist. Ken Fisher hat bereits 1985 in seinem ersten Buch schlüssig dargelegt, dass das KGV völlig ungeeignet ist. Es hält sich trotzdem über Generationen, weil es so schön einfach zu ermitteln und zu vergleichen ist. Aber es ergibt keinen Sinn für die Bewertung!!! Selbst Buffett verwendet den Gewinn seit einigen Jahren nicht mehr als Bewertungsmaßstab. Ebenso wenig den Buchwert. Hat er ausführlich in seinen Aktionärsbriefen erläutert...

      Die historischen Vergleiche sind ungeeignet, weil sie unter anderen Voraussetzungen zustande gekommen sind. Wir haben heute ein Zinsniveau von null und das schon länger und noch für länger. Der heutige Wert einer Aktie ist die Summe all der Unternehmensgewinne der Zukunft, abgezinst auf den heutigen tag. Und der Abzinsungsfaktor bestimmt sich nach dem risikolosen Zins (für eine 10-jährige US-Staatsanleihe). Wenn der risikolose Zins aber bei 0,5% liegt, dann sind die künftigen Gewinne viel mehr wert, als wenn er bei 3% oder 5% liegt. Die Bewertungen (KGVs) aus 2015 oder 2010 oder früher hatten aber aber solch hohe Abzinsungsfaktoren in der Berechnung. Hätte das Zinsniveau damals schon so dauerhaft niedrig gelegen wie heute, wären damals schon viel höhere Bewertungen gerechtfertigt gewesen. Also sind ei historischen Bewertungen als Vergleichsmaßstab ungeeignet! Es sei denn, man geht davon aus, dass wir in absehbarer Zeit und dauerhaft wieder solche Zinsniveaus erreichen. Mit jeden Zinsniveauanstieg würden die Gewinne der Zukunft weniger wert und damit die heutigen Bewertungen höher. Und natürlich würde ein steigendes Zinsniveau vor allem die unprofitablen Wachstumsunternehmen besonders hart treffen, weil deren Gewinne vor allem in der Zukunft liegen, während Microsoft, Apple oder Facebook ja heute schon fette Gewinne und vor allem Cashflows einfahren.

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  3. ja, tatsächlich schaue ich auch auf die von dir genannten kennzahlen. Und tatsächlich lasse ich mir die Microsoft-Bewertung in Verbindung mit den zukunftsaussichten des unternehmens, der branche, des marktes auch noch erklären. Aber warum zum Teufel sind Wasserversorger teurer als Microsoft bewertet? An der 1% Dividendenrendite im Vergleich zu einer Anleihenverzinsung kann es doch nicht liegen ! Und bei vielen anderen Aktien das selbe. Waste Management, so teuer. Next era energy, Stromversorger ! Kein Fintech ! Dadurch werfen die Aktien auch alle kaum noch Rendite ab. Und warum steigt das alles erst seit kurzem? Dass Nullzinsniveau ist doch schon seit vielen Jahren gesetzt !
    ich dreh am Kabel weil ich es nicht verstehe und glaube, dass diese vermeintlichen Überbewertungen irgendwann auch wieder korrigiert werden müssen. Und weil ich nichts mehr kaufen mag "zu diesen Preisen" und zu diesen mickrigen Dividendenrenditen.

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    1. Wasserversorgung ist ein Monopolbusiness. Wer irgendwo Wasserleitungen verbuddelt hat und betreibt, muss keine Konkurrenz fürchten - es ist einfach völlig unrentabel, zwei separate Wasserversorgungsnetze aufzubauen. In den USA ist das Netz extrem zersplittert, es gibt sehr viele und zumeist kommunale Anbieter. Die Wassernetze sind das erste, woran Kommunen Geld sparen. Nicht umsonst ist die Infrastruktur in den USA auf Dritter Welt-Niveau.

      Der Klimawandel führt zu steigenden Temperaturen und zur Ausbreitung von Wüsten. Dürreperioden nehmen zu und werden länger. Wasser wird zur Mangelware. Gleichzeitig sind vielerorts die Wasserleitungen undicht und eine Großteil des Wassers versickert. Der Wasserversorger fördert 100%, kann aber nur 70% oder 50% beim Verbraucher abrechnen, weil der Rest nie ankommt. Das schädigt seinen Geldbeutel und die Umwelt, denn das Grundwasser steht nicht endlos zur Verfügung. Da kommen dann Spezialisten wie Xylem ins Spiel, deren Systeme Lecks in Wasserleitungen aufspüren und beheben. Deren Dienste werden immer stärker nachgefragt.

      Die Wasserversorger, wie American Water Works als Marktführer, kaufen ständig neue kommunale Wasserversorger hinzu und erweitern so ihr Leitungsnetz. Meistens müssen sie nicht so viel bezahlen, weil die Netze der kommunalen Versorger völlig runtergewirtschaftet sind, dass ein großer Investitionsstau aufgelaufen ist. AWK finanziert den Kaufpreis und die Investitionen, hat aber ab der 1. Sekunde verlässliche wiederkehrende Einnahmeströme (durch die Wassernutzer). Diese stetigen Einnahmen bewertet die Börse heute deutlich höher als früher (wie beim SaaS-Business). Zusätzlich mit den niedrigen Zinsen haben sich die Aussichten für ein Asset-intensives Business wie das von AWK damit deutlich verbessert - und die Börse preist das ein.

      Sollten die Zinsen merklich anziehen, dürfte der Kurs stärker unter Druck geraten, weil dann die Schulden teurer refinanziert werden müssen und das Businessmodell nicht mehr so attraktiv ist.

      Zwei Abers.. 1. soweit ist es noch nicht und 2. ist AWK für Investoren trotzemde noch interessant, weil eine verlässliche Rendite von um die 5% (nicht Dividende, sondern operativ erwirtschaftete Rendite) viel attraktiver ist als Negativzinsen auf dem Konto. Denn man sollte nicht vergessen, dass noch immer Anlagenotstand herrscht und immer mehr Geld auf der Suche nach Rendite ist...

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