Dienstag, 4. September 2018

Gordon Gekko warnt Anleger: "Beherrsche deine Emotionen. Sonst verlierst du den Kopf."

Emotionen bestimmen unser Leben, beinahe auf jedes Ereignis reagieren wir emotional und handeln oft instinktiv. Und das ist genau der Grund, weshalb wir so viele Fehlentscheidungen treffen, zumindest an der Börse. Denn was die Evolution für das menschliche Miteinander so sinnvoll eingerichtet hat, verleitet uns dazu, in wichtigen Momenten bei Börsengeschäften genau das Falsche zu tun.

Dispositionseffekt
Menschen neigen dazu, Negatives deutlich intensiver wahrzunehmen, als positive Erlebnisse und wir geben diese negative Nachrichten auch wesentlich häufiger weiter als Positives. Dem entsprechend empfinden wir Verluste viel stärker als Gewinne und das nennt man Dispositionseffekt. Die hieraus resultierende Verlustaversion führt dazu, dass Anleger sich nicht von den Aktien trennen, die besonders weit im Minus notieren. Und zwar aus Angst vor den realisierten Verlusten, nicht etwa, weil das Unternehmen herausragende Perspektiven aufweist und man dessen Aktien "nur" zu teuer eingekauft hat. In diesem Fall sollte man dann dringend verbilligen, also nachkaufen, um seinen Einstandskurs zu verbessern.

»Beherrsche Deine Emotionen. Sonst verlierst du den Kopf.«
(Gordon Gekko alias Michael Douglas in "Wall Street")

All-Time-High-Bias
Gleichzeitig verleitet dieselbe Angst dazu, Gewinne nicht laufen zu lassen, sondern viel zu schnell zu realisieren. Die wirklich großen Kursgewinne, Peter Lynch nennt sie "Ten-Bagger" (zu Deutsch: Verzehnfacher), gehen einem so natürlich durch die Lappen. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Aktie nach einem Allzeithoch ein weiteres generiert, viel höher, als dass sie von da an zu sinken beginnt. Exemplarisch sei einfach mal auf den Chart des Dow Jones Index verwiesen - betrachtet man diesen über eine sehr langen Zeitraum, zum Beispiel 100 Jahre, erkennt man schnell, dass es schier unendlich viele neue Allzeithochs gegeben hat. Immer und immer wieder. Trotz der zwischenzeitlichen Phasen, wo es auch mal bergab ging.


»Du wirst Deine Ergebnisse nicht verbessern, indem du die Blumen ausreißt und das Unkraut gießt.«
(Peter Lynch)

Große Börsenlegenden, wie Warren Buffett, verdanken ihren außerordentlichen und dauerhaften Börsenerfolg nicht nur dem Glück, sondern zu einem wesentlichen Teil der Fähigkeit, die Börse rein rational zu betrachten. Jeder "normale" Mensch freut sich, wenn seine Aktien im Kurs steigen, und seine Stimmung ist gedrückt, wenn sie fallen. Nicht so Warren Buffett, denn er denkt nicht an den Kurswert der Aktien, die seinen Vermögensstand dokumentieren. Dieser ist ihm völlig gleichgültig, denn er kauft keine Aktien, sondern Anteile an Unternehmen. Er würde die Unternehmen auch kaufen, wenn sie keine Aktien ausgegeben hätten und er sie nicht einfach über die Börse erwerben könnte. Das macht es für ihn nur leichter, ist aber keine Voraussetzung für seine Engagements.

»Ich denke nicht darüber nach, ob ein Markt nach oben oder nach unten geht. Ich kümmere mich nur darum, ob ich ein Unternehmen zu einem akzeptablen Preis kaufen kann. Ich sehe mich nicht als Teil eines Bullenmarkts, sondern als Teilhaber an wunderbaren Firmen. Ich muss zu einem Preis kaufen, der mich glücklich macht.«
(Warren Buffett)

Tatsächliche befinden sich viele Unternehmen im Portfolio seiner Beteiligungsholding Berkshire Hathaway, die nicht börsennotiert - und damit nicht so sehr im Fokus der Öffentlichkeit - sind. Buffett betrachtet die Unternehmen nach ihrem Wert, nicht nach ihrem Kurs Und so wertet Buffett fallende Kurse nicht etwa also Vermögensminderung, sondern als Einstiegsmöglichkeit.

»Die Börse ist nur der Marktplatz, die Wertschöpfung findet im Unternehmen statt.«
(Warren Buffett)

Da er als Grundlage für seine Käufe den fairen Wert eines Unternehmens ermittelt und dann davon noch eine Sicherheitsmarge abzieht, legt er seinen maximalen Einstiegskurs fest. Und daran orientiert er sich ganz  konsequent, denn durch diese Methode erhöht er seine Chancen, mit seinen Investments Geld zu verdienen, ganz erheblich. Allerdings bedeutet sie auch, dass er bisweilen mehrere Jahre darauf warten muss, bis er zum Zuge kommt. Aber er hat die nötige Geduld und dann schlägt er zu und kauft so viele Anteile wie möglich.

»Anleger machen oft den Fehler, Marktschwankungen als Fakt und nicht als Meinung zu begreifen.«
(Seth Klarman)

Der Durchschnittsanleger kann hieraus lernen. Er darf seine Investments nicht im Verhältnis zu seinem Einstiegskurs betrachten, sondern er sollte nur darauf schauen, ob sie attraktiv bewertet sind und positive Zukunftsaussichten aufweisen. Dann sollte er sie behalten oder sogar aufstocken. Kommt er hingegen zu dem Schluss, er sollte lieber nicht in einem bestimmten Wert oder einer Anleihe investiert sein, muss (!) er sie verkaufen. Unabhängig davon, zu welchem Kurs er einmal eingestiegen ist.

»Ein Börsianer darf seine Papiere nie im Verhältnis zum Einkaufspreis einschätzen, sondern zum Tagespreis.«
(André Kostolany)

Kommentare:

  1. Hallo Michael,

    Diesen Post sollte man sich direkt neben seinen Computer hängen. Es liest sich sehr leicht, aber die Umsetzung ist dann doch eine andere Geschichte. Ich habe mich in deinem Beitrag auch z.T. wieder erkannt. Es stimmt, die Aktie die an Wert verloren hat verkauft man ungern, weil man denkt das wird schon wieder. Manchmal klappt es, aber manchmal eben nicht.

    Ich habe aktuell selber so ein Papier im Depot, ich glaube du auch. PEH, wenn ich mir den Kursverlauf der letzten Wochen anschaue kommt mir das grauen. Was mich daran stört, so richtig weiß man nicht warum der Kurs diesen Verlauf genommen hat. Halten oder verkaufen.
    :-)

    dir noch einen schönen Tag.
    Mario

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  2. Das Prinzip ist kein Neues, aber in der gut dargestellten Art habe ich es noch nie gelesen.
    Danke dafür!

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