Sonntag, 10. Dezember 2017

Welchen Informationswert bieten Insider-Trades wirklich?

Allgemein nimmt man an, Insider hätten einen besseren Durchblick bei ihrem Unternehmen als Außenstehende. Und bzgl. des Vorstands sollte man sogar darauf hoffen! Wenn nun diese Insider, also Vorstände oder Aufsichtsräte und ihre engen Familienmitglieder, Aktien des eigenen Unternehmens handeln, sollte man hellhörig werden. Denn dahinter kann mehr stecken, als die bloße Entscheidung eines Anlegers. Muss aber nicht.

Insiderverkäufe
Wenn Insider Aktien "ihres" Unternehmens verkaufen, wird dies schnell als negatives Signal verstanden. Außenstehende vermuten dann, dass die Insider Kenntnis von negativen Fakten oder schlechten Nachrichten haben und deshalb ihre Aktien abstoßen - Insiderverkäufe drücken daher nicht selten zusätzlich auf den Kurs.

Dabei gibt es viele Gründe, weshalb Insider ihre Aktien verkaufen: manchmal sind Aktienoptionen Teil des Gehalts, oder der Insider möchte sich ein neues Haus kaufen und benötigt dafür Geld. Vielleicht möchte er auch nur seine Anlagen breiter diversifizieren oder er muss eine teure Scheidungsvereinbarung finanzieren. Auch diese Gründe können hinter Insiderverkäufen stehen, es müssen nicht zwangsweise negative Erwartungen hinsichtlich der Unternehmensentwicklung sein.


Für mich stellen Insiderverkäufe keinen Grund dar, meine entsprechenden Aktien zu verkaufen. Allerdings sind sie ein Erinnerungssignal und führen dazu, dass ich mir die Aktie, das Unternehmen und meinen Investmentcase noch einmal genauer ansehe und abklopfe, ob sich hier etwas zum Negativen verändert hat. Sollte dies der Fall sein, dann verkaufe ich ggf. die Aktien.

Insiderkäufe
Dem gegenüber gibt es eigentlich nur einen einzigen Grund, weshalb Insider die Aktien "ihres" Unternehmens kaufen: sie glauben an das Unternehmen und gehen von steigenden Aktienkursen aus. Denn auch Insider haben kein Geld zu verschenken, sondern wollen mit ihrem Unternehmen und ihren Aktien Geld verdienen. Und auch Börsenlegende Peter Lynch wies darauf hin, dass die Chancen auf eine positive Entwicklung des Aktienkurses größer ist, wenn es starke Insiderkäufe gegeben hat.

Einige Unternehmen räumen ihren Mitarbeitern auch die Möglichkeit ein, Belegschaftsaktien zu erwerben. Diese bekommen sie dann auch mit einem deutlichen Abschlag auf den aktuellen Börsenwert. Ich halte das für eine ganz ausgezeichnete Sache, für beide Seiten. Auch wenn es Leute gibt, die das verteufeln - aus Sicht der Mitarbeiter. Weil sie von Risikoballung sprechen. Denn einerseits ist das Arbeitseinkommen bei diesem Unternehmen konzentriert und dann auch noch das Vermögen. Geht das Unternehmen pleite, hätte man hier doppelt verloren. Allerdings... kaum ein Mensch arbeitet heute noch 40 Jahre bei dem gleichen Unternehmen. Also gilt die Riskohäufung nur für eine begrenzte Zeit.

Ich finde es positiv, wenn Unternehmen ihr Management durch eine Beteiligung binden und zusätzlich motivieren können. Und wenn Vorstände nur 75% des aktuellen Börsenkurses bezahlen für eine Aktie, die sie kaufen, dann muss das nicht schlecht sein. Kostet die Aktie 100 EUR und der Vorstand kauft sie zu 75 EUR, dann hat das Unternehmen noch immer das 75-fache für seine 1-Euro-Aktie erhalten. Und würde es eine förmliche Kapitalerhöhung mit Bezugsrecht der Altaktionäre durchführen, läge der Bezugspreis auch in den meisten Fällen um 15 bis 25 Prozent unterhalb des aktuellen Aktienkurses, um die neuen Aktien attraktiv und die Kapitalerhöhung zu einem Erfolg zu machen.

Ich halte den Aspekt, dass das Management nicht nur auf sein Gehalt, sondern auch auf den Wert der Aktien schaut, für wünschenswert. Denn das bringt eher nachhaltige Überlegungen und Vorteile für die Entwicklung des Unternehmens ein, losgelöst von möglichen, an den Jahresgewinn gekoppelten, Tantiemen-Regelungen.

Fazit
Insider-Trades können eine Bedeutung haben. Aber es kommt eben immer auf den jeweiligen Einzelfall an. Sehe ich eine Meldung über Insider-Trades, dann lohnt es sich, hier genauer hinzusehen. Und sich aus dem Gesamtbild eine Meinung zu machen und ggf. die Erkenntnisse in die eigene Anlageentscheidung mit einfließen zu lassen. Vor allem Käufe signalisieren eine klare Meinung bezüglich des Unternehmens bzw. des Aktienkurses und Anleger können dies als zusätzliches positives Signal verstehen. Bei Insiderverkäufen hingegen sollte man keine voreiligen Schlüsse ziehen - solange man nicht recherchieren kann, weshalb der Insider verkauft, bleibt alles Spekulation. Und aus Unkenntnis heraus sollte man keinesfalls Investmententscheidungen treffen, weder Käufe noch Verkäufe.

Insiderdeals im Blick behalten
Eine gelungene Übersicht über Insiderdeals bietet wallstreet-online.de in der Rubrik Aktien unter Insidertrades. Zum Einen werden dort die aktuellsten Indiserdeals chronologisch aufgelistet und zum Anderen kann man dort den Unternehmensnamen anwählen und findet dort die Deals bzgl. dieses Wertes.

Kommentare:

  1. In diesem Zusammenhang ist auch der Insider-Kauf von Oliver Samwer bei Rocket Internet beachtenswert, wie bei The Motley Fool nachzulesen ist: "Deshalb macht der Samwer-Kauf Rocket Internet jetzt so interessant". Und die Beteiligungsgesellschaft Rocket Internet habe ich ja auch vor einigen Wochen auf meine Empfehlungsliste genommen...

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  2. "Ich halte den Aspekt, dass das Management nicht nur auf sein Gehalt, sondern auch auf den Wert der Aktien schaut, für wünschenswert."

    Ein guter Punkt. Auch ich halte das für äußerst wünschenswert. Doch es ist meiner Meinung nach wenn dann nur in kleineren Aktiengesellschaften der Fall. Bestenfalls bei aus traditionellen Familienunternehmen entstammenden Aktiengesellschaften, in denen Manager aus den eigenen Reihen stammen und noch Unternehmer im Unternehmen sind. Bei Großkonzernen müssen wir jedoch realistisch sein. Tandiemenzahlungen stehen im Vordergrund und Aktienoptionen sind ein netter Zusatzverdienst.

    Insiderverkäufen stehe ich auch nicht sonderlich skeptisch gegenüber. Die Bedenken kommen ganz klar aus der Analogie der Begrifflichkeiten Insiderwissen, Insiderhandel und Insiderverkäufe. Die drei Begriffe haben bis auf den Bestandteil "Insider" nicht direkt etwas miteinander zutun. Ganz im Gegenteil.

    Insiderwissen hat jeder Manager - egal ob Kapitalmarktrelevant oder nicht.
    Insiderhandel steht unter Strafe.
    Insiderverkäufe sind meldepflichtig, offizielle einsehbar und rechtmäßig.

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  3. Einst ist klar, wenn es wieder eine Finanzkrise gibt, und ein angeblicher Pleite Kandidat vor der Tür steht. Der CEO aber trotzdem wie verrückt mit seinem eigenen Geld Aktien seines eigenen Unternehmens kauft, so wird dieser mit hoher Wahrscheinlichkeit innerhalb der nächsten 6 Monate nicht pleite gehen. Bester Fall ist die Immofinanz, mein Mentor hatte damals 100000 stk zu je 0,10€ erworben.

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  4. Guter Artikel.

    "Sehe ich eine Meldung über Insider-Trades, dann lohnt es sich, hier genauer hinzusehen." Gibt es vielleicht Seiten, die markante/nennenswerte Insidertrades ausweisen/behandeln/kommentieren?? Also ohne dass ich bei finanzen.net oder entsprechenden US-Seiten einzelne Unternehmen öffne und dann dort jeweils nach möglichen Insidertrades suchen muss.

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    1. Bei wallstreet-online.de wird man fündig unter "Aktien / Insidertrades". Zum Einen werden dort die aktuellsten Indiserdeals chronologisch aufgelistet und zum Anderen kann man dort den Unternehmensnamen anwählen und findet dort die Deals bzgl. dieses Wertes.

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  5. Danke für den Artikel.
    In diesem Zusammenhang sei auch die auf dieser Seite empfohlene Corestate Capital erwähnt. Dort kaufte der Aufsichtsrat Ulrich Plett am 14.12.17 für stattliche 192.000 € Aktien zu einem Kurs von 48 €.

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    1. Ich werte den Insider-Kauf bei Corestate Capital auch als weiteres positives Signal, dass sich die offensichtliche Unterbewertung bald auflösen dürfte. Und dass demnächst weitere interessante Deals anstehen...

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