Montag, 10. August 2015

Buffett im 2. Quartal ohne Fortune

Star-Investor Warren Buffett ist kein Freund von Quartalsberichten, weder bei den Unternehmen, in die er investiert, noch bei seiner eigenen Investment-Holding Berkshire Hathaway. Und der jüngst zum 2. Quartal 2015 vorgelegte Bericht wird auch bei seinen Aktionären keine Freudensprünge auslösen, denn Berkshires Gewinn ist massiv eingebrochen.

Versicherungssparte massiv unter Druck
Zu seinem fünfzigsten Firmenjubiläum hätte Buffet vermutlich lieber anders präsentiert, als einen Rückgang des Nettogewinns von 37% auf 4,01 Mrd. USD. Dabei machte vor allem das Versicherungsgeschäft, die tragende Säule des BH-Konglomerats, Sorgen. Die Sparte, zu der BHRE und der Autoversicherer Geico gehören, erzielte mit 939 Mio. USD 40% weniger Gewinn als im Vorjahresquartal - was auf erheblich gestiegene Haftungsansprüche seitens der Kunden zurückgeführt wird. Allerdings steht das Versicherungsgeschäft zunehmend unter Druck weil aufgrund der Niedrigzinsphase verstärkt branchenfremde Anbieter, wie Pensionskassen und Hedgefonds, in den Versicherungsmarkt drängen und mit Dumpingpreisen den etablierten Versicherern die Kunden abspenstig machen. Der Chef der BH-Rückversicherungssparte, Ajit Jain, Cousin des ehemaligen Co-Chefs der Deutschen Bank, Anshu Jain, hatte bereits vor kurzem angekündigt, sich künftig auch stärker in Sach- und Unfallversicherungen engagieren zu wollen. Seit jeher kein margenstarkes Geschäft. Die starke Fokussierung Berkshires auf Versicherungen könnte zu einem nicht unerheblichen Problem werden.

Beteiligungen bringen's auch nicht
Berkshire Hathaway ist an mehr als 80 Firmen beteiligt, darunter viele nicht börsennotierte - von großen Versicherungen, die Frachteisenbahn Burlington Northern Santa Fe (BNSF) bis hin zu Zeitungen und einer großen Energiesparte, die zunehmend in Solarenergie investiert. Zu den bekanntesten börsennotierten Beteiligungen gehören die US-Firmen American Express, Coca-Cola, Wells FargoWalmart und IBM und seit der Übernahme von Kraft Foods der Nahrungsmittelgigant Kraft Heinz Co.

 Berkshire Hathaway, B-Aktie (Quelle: comdirect.de)
Doch diese großen Beteiligungen des 84-Jährigen liefen deutlich schwächer als im Vorjahresquartal, das Dank erfolgreicher Aktiengeschäfte besonders stark gewesen war. Die Erträge lagen nur noch bei 123 Mio. USD, wo ein Jahr zuvor noch stolze 2,06 Mrd. USD ausgewiesen werden konnten. Besonders die Aktie von American Express, eine von Buffetts größten Beteiligungen, lief schwach und hat im ersten Halbjahr rund 15% verloren. Ebenfalls mies entwickelte sich, fast schon traditionell, die IBM-Aktie mit einem Minus von rund 5% und Coca Cola ist unterm Strich nahezu unverändert. Weitere große Positionen sind Procter & Gamble mit einem Abschlag zum Jahresbeginn von 18% und Walmart mit 16%. Wells Fargo, Buffetts mit Abstand größte Position und etwa doppelt so groß wie AMEX oder IBM, hat in diesem Jahr immerhin rund 5% zugelegt.

Hier fühlt man sich beinahe schon an die Zeiten der "Dotcom-Blase" um die Jahrtausendwende erinnert, als Internet- und Biotech-Werte in astronomische Höhen schossen und die "Langeweiler-Aktien" vor sich hin dümpelten oder gar Kursverluste zu verzeichnen hatten. Berkshire Hathaway als Sammelbecken dieser Langweiler kam mächtig unter die Räder und Buffett wurde als Dinosaurier der Börse bezeichnet, der es nicht mehr drauf habe. Nun, die Internet-Blase platzte und Berkshires Aktienkurs vervielfachte sich seitdem weiter, während viele dieser New-Economy-Aktien pleite gingen oder in Bilanzierungsskandale verwickelt waren. Oder beides.

Man sollte Buffett wegen eines einzelnen Quartalsergebnisses also keinesfalls abschreiben! Und man sollte bedenken, dass Buffetts Portfolio nicht nur aus den börsennotierten Aktiengesellschaften besteht, sondern eben auch eine Vielzahl an nicht-börsennotierten Unternehmen enthält, bei denen die Bewertungen nicht so stark schwankt wie bei Aktienkursen, sondern die anhand objektiverer Kriterien wie Buchwert, Umsatz und Gewinnen bewertet werden.

"Solange unsere Investments in jedem Jahr 15 Prozent zulegen,
mache ich mir um Quartalszahlen keine Sorgen."
(Warren Buffett)

Am Rande erwähnt sei noch, das Buffett im Vorjahresquartal mit Finanzmarktwetten 2,06 Mrd. USD eingefahren hat, während zwischen April und Juni 2015 hierbei nur magere 123 Mio. USD übrig blieben.

Berkshires Buchwert je Aktie steigt
Immerhin, beim Umsatz konnte Berkshire zulegen und zwar um 3% auf 51,4 Mrd. USD. Die aus Buffetts Sicht wesentlich wichtigere Kennzahl als der Quartalsgewinn, ist der Buchwert und den konnte Buffett seit Jahresbeginn immerhin um 2,4% steigern. Deutlich weniger als sein 50-jähriger Durchschnittswert von annähernd 20%, aber immerhin liegt er im Plus. Trotz des schlechten Quartals.

Unglaubliche Erfolgsgeschichte
Seitdem Warren Buffett 1965 in die damals strauchelnde Textilfirma Berkshire Hathaway übernahm und in der Folge zu einer Investmentholding umbaute, stieg der Aktienkurs um beispiellose 1,8 Millionen Prozent und machte Buffett mit einem Vermögen von rund 67 Mrd. USD zum dritt reichsten Menschen der Welt. Bis Ende 2014 hat die Berkshire-Aktie im Schnitt jedes Jahr doppelt so viel zugelegt wie der S&P 500 Index und Berkshire ist inzwischen das viertgrößte börsennotierte Unternehmen der Welt mit einer Marktkapitalisierung von 354 Mrd USD. Größer sind nur Apple, Google und Microsoft, die von Bill Gates gegründete Softwareschmiede - und dem inzwischen reichsten Menschen der Welt und langjährigen Freund Warren Buffetts.

Einschätzung
Berkshire Hathaway befindet sich auf meiner Empfehlungsliste. Allerdings seit einiger Zeit nur noch als Halteposition, weil die starke Abhängigkeit vom Versicherungsgeschäft meines Erachtens immer größere Risiken birgt. Und über diese Sparte sagte Buffet kürzlich selbst, dass sie in den nächsten Zehn Jahren "nicht mehr so gut laufen werde wie in den letzten 30 Jahren". Die soeben vorgelegten Quartalszahlen geben hierzu einen ersten Vorgeschmack...

Kommentare:

  1. Ich verstehe auch nicht warum Warren weiterhin Versicherungen hält, obwohl er weiß das sie nicht mehr so gut laufen werden. Er könnte sie ja Stück für Stück veräußern und auf andere Unternehmen setzen. Langfristig glaube ich auch nicht das die Versicherungen wieder neue Höchststände erreichen bzw. durch künftige Marktbereinigung einige bekannte Versicherungen in die Insolvenz gehen.

    Wobei es gibt ja noch die deutsche Regierung...

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    1. Für Buffett sind die Versicherungen ja zuvorderst Cash-Maschinen, die ihm Liquidität für seine Investments bringen. Daher wird er hier nur ungern zurückstecken wollen. Allerdings gilt dies natürlich nur für die Versicherungen, auf die er auch direkt Zugriff hat bzw. die im Berkshire-Cash-Pool agieren, weil sie voll konsolidiert sind. Für Finanzbeteiligungen, wie die Munich Re oder die Swiss Re gilt das nicht. Bei diesen rechne ich über kurz oder lang mit einem Verkauf der Positionen.

      Bei den deutschen Versicherungen hat der Staat ja bereits einseitig eingegriffen und neue Regeln beschlossen, die die Versicherten viel Geld kosten bei der Rendite. Lebensversicherungen sind die pure Geldverschwendung geworden.

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  2. Berkshire ist ein tolles Unternehmen, es ist aber zu groß geworden. Wie jedes Unternehmen auch, verlangsamt sich das Wachstum aufgrund der Milliarden. Es ist dennoch anerkennenswert, dass Warren trotz der Milliarden weiterhin profitabel investiert.

    Die Versicherungsbranche (GEICO, und die anderen Versicherungen) wird noch viele Probleme verursachen.

    Ich glaube, dass bald Berkshire eine Dividende auszahlen wird - davor wird sie aber noch den ein oder anderen Großeinkauf tätigen.







    D

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    1. Ja, Dividenden und Aktienrückkäufe werden für Berkshire Hathaway zunehmend zu einer realistischeren Option, da es (auch für) Buffett immer schwieriger wird, noch passende Übernahmeziele zu finden. Diese sind inzwischen überwiegend zu klein, um eine signifikante Auswirkung auf BH und sein Zahlenwerk zu haben.

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  3. Vor einer Dividendenauszahlung sollte Berkshire dennoch Milliarden auf die Seite legen, denn meiner Meinung nach investiert momentan Warren zu viel in IBM. Das wird lang- oder kurzfristig auch die Aktionäre treffen.

    American Express verliert an Marktanteile und verdient weniger, auch der starke Dollar drückt da nochmal extra auf den Gewinn. Das viel größere Problem ist hier IBM. IBM geht es nicht gut, die Innovation - das wichtigste Gut eines Technologiekonzerns - ist nicht mehr da. Die gerade verdienten Milliarden muss IBM in Geschäfte investieren, die Zukunft haben - Hoffnungen wecken.... IBM investiert das Geld lieber in Aktienrückkäufe, was für mich völlig unnötig und unproduktiv ist - IBM wird genauso wie HP enden und die Berkshire-Aktionäre werden einiges an Geld verlieren, leider.

    Ich wollte das kurz noch erwähnen :-)!




    D

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    1. Ich sehe Buffetts IBM-Investment (noch) nicht so negativ wie Du, auch wenn ich ihm bisher nichts abgewinnen kann. Es muss sich erst noch zeigen, ob IBM die Transformation hin zu einem Software- und Dienstleistungsunternehmen wirklich schafft. Anders als Buffett habe ich aber immer die Möglichkeit, mir einen passenden Anteil an IBM zu sichern - er muss hierzu ja ettliche Milliarden investieren und da macht er sich im Regelfall die Kaufkurse selbst kaputt. Bei IBM passiert ihm das bis bisher nicht und darüber freut er sich. Er ist von IBM überzeugt. Erstaunlich ist eigentlich nur, dass nach Buffetts Kauf so viele Value-Anhänger IBM toll finden, die vorher nichts davon wissen wollten. Es scheint hier ein gewisses "Sicherheitsnetz" zu geben, weil Buffett ja auch kauft und dann kann es ja nicht so falsch sein, oder?

      Naja, bisher gibt es eine Menge von Erwartungen, weshalb IBM zu einem tollen Value-Investment werden könnte. Ich schaue es mir weiterhin von der Seitenlinie aus an, ob diese Erwartungen auch beginnen, einzutreffen. Dann steige ich ggf. auch ein, je nachdem...

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    2. Das Cloud-Geschäft, in dem die "Zukunft" für IBM liegt, ist meiner Meinung nach schon mehr oder weniger verloren. Google, Microsoft und vor allem Amazon sind schon deutlich weiter und bieten auch einen sehr guten Service an. Ich wüsste also nicht, warum ich zu IBM wechseln sollte als Konzern.

      IBM muss mit den Milliarden, das es (noch) erwirtschaftet, sorgsam(er) umgehen! IBM muss sich neu erfinden, und dazu gehört es auch vielleicht, sich radikal umzuwandeln. Von einem historischem Computer-Unternehmen hin zum neuen Softwareunternehmen. So ist die Sicherheitsbereich sehr lukrativ. Die Zahl der Smartphones, Computer und Tablets wird langfristig steigen - enorm - diese Geräte brauchen Sicherheit - das könnte IBM dann übernehmen. In Sicherheit sind (noch) nicht viele Unternehmen wirklich aktiv - ich würde sogar sagen, dass es hier sehr gute Chancen für IBM gibt. Selbstverständlich muss aber IBM dafür Zukäufe tätigen, und das nicht wenige! Es muss extrem investiert werden, wie beim Amazon - vielleicht sogar mehr als Amazon.

      Ja, es ist schon erstaunlich, dass bei einem Einstieg Warrens der Markt bzw. die anderen Value-Anhänger davon ausgehen, dass der Aktie nichts passieren kann. Es gibt wenige Aktien, die sich als Flop erwiesen haben in Warrens Portfolio - Münich Re. und IBM könnten einer dieser weniger Flop sein.

      Ich werde in IBM investieren, wenn IBM wieder anfängt zu Träumen - und für diesen Traum Milliarden investiert.....





      D

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