Freitag, 6. Januar 2017

Hidden Champion: Steico, der unbekannte Weltmarktführer

▸ Kissigs Kolumne vom 5. September 2016, Aktien Magazin 24/2016 

Deutschland lebt vom Mittelstand, der rund 90 Prozent aller Arbeitsplätze stellt und das Rückgrat unseres Wohlstandes bildet. Während die großen Industriekonzerne den meisten Bürgern bekannt sind und ihre Produkte sich in unseren Wohnungen oder Garagen befinden, gibt es viele kleinere Unternehmen, die beinahe gänzlich unbekannt sind. Und dennoch nicht weniger erfolgreich.

Die Steico SE aus dem bayerischen Feldkirchen im Landkreis München ist ein solches Unternehmen. Steico kann man mit Fug und Recht als „Hidden Champion“ bezeichnen, denn die Bayern sind nämlich Weltmarktführer bei Holzfaser-Dämmstoffen und erreichen in Europa einen Marktanteil von über 50 Prozent. Darüber hinaus stellt das Unternehmen noch Hanf-Dämmstoffe, Stegträger und Hartfaserplatten her. Klingt langweilig, ist aber durchaus reizvoll.

Steico ist in einer an Bedeutung gewinnenden Nische aussichtsreich positioniert und profitiert gleich von mehreren Trends, denn nicht erst, seitdem „globale Erderwärmung“ und „Energiewende“ die Titelseiten der großen Boulevardblätter beherrschen, ist allseits (an)erkannt, dass der beste Weg zum Energiesparen nicht in besserer Energieausnutzung liegt, sondern in der Vermeidung von Energieverbrauch. Und der mit deutlichem Abstand größte Energieverbraucher in Deutschland ist nicht die Industrie und auch nicht die Kraftfahrzeuge, sondern der private Wohnraum. Insbesondere für das Heizen werden Jahr für Jahr Milliardensummen aufgewandt und hier gibt es enorme Einsparpotenziale, da die meisten Gebäude unzureichend isoliert sind und viel zu viel der teuren Heizwärme unmittelbar an die Umwelt abgeben.

Wärmeverbundsysteme offenbaren Schwächen
Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Regierung immer neue, striktere Energievorschriften erlässt, und diese inzwischen nicht mehr nur Neubauvorhaben treffen, sondern auch den Altbestand. Neben dem Erfordernis, die alten Heizungen auszutauschen, kommt hier der Wärmedämmung eine ganz besondere Rolle zu. Nun ist Steico nicht einfach ein weiterer Anbieter der typischen Wärmeverbundsysteme, die man am Markt relativ günstig einkaufen kann, sondern Steico setzt auf ökologische Materialien und damit auf ein höherpreisiges Segment. Die Nachfrage der Bauherren ist daher geringer als nach den klassischen Wärmeverbundsystemen. Doch das ändert sich gerade. Denn diese typischen Systeme haben erhebliche Nachteile: sie kommen mit Feuchtigkeit nicht gut klar und schimmeln bzw. werden von Pilzen befallen, was dazu führt, dass sie mit hochgiftigen Stoffen beschichtet werden, die ansonsten nirgendwo mehr eingesetzt werden dürfen. Und obwohl diese Gifte "gebunden" sind, werden sie doch vom Regen ausgewaschen und gelangen so ins Grundwasser, nachdem sie die Fassade heruntergelaufen sind. Wenig erbauliche Vorstellung, zumal höchst krebserregend.

Ein weiterer Nachteil ist, dass diese Wärmeverbundsysteme ganz überwiegend auf Styropor u.ä. basieren, und es hier vermehrt zu Brandproblemen kommt. Denn wenn das Zeug erst einmal Feuer gefangen hat, ist es schier unmöglich zu löschen. Immer mehr Experten raten daher von der Verwendung dieser Systeme ab, die Feuerversicherungen machen ebenfalls Druck. Es ist also abzusehen, dass die bisherigen Standardlösungen in der jetzigen Form keine Zukunftsperspektive haben - Alternativen, und zwar aktuell verfügbare - werden gesucht. Und gefunden. Bei Steico.

Hohe Preise und Konkurrenzdruck
Die ökologischen Systeme von Steico weisen überwiegend Vorteile auf, allerdings eben auch einen Nachteil: sie sind (noch) deutlich teurer als die klassischen Wärmeverbundsysteme. Und es gibt einen starken Konkurrenzdruck in der Branche, so dass die Margen keine Wunderergebnisse bieten können.

Doch Steico ist hier sehr gut unterwegs und steigert seine Effizienz immer weiter. Doch nicht nur „Financial Engeneering“, also verbesserte Finanzierungskonditionen und bessere Auslastung sind die Gewinntreiber, sondern Steico geht in die Breite. Bisher hatte man zur Abrundung des Sortiments Furnierschichtholz als reine Handelsware vertrieben, doch vor zwei Jahren entschied man sich, diese zugekauften Produkte selbst herzustellen und sogar für fremde Unternehmen zu produzieren. 

 Steico SE (Quelle: finanzen.net) 
Erfolgversprechende Investitionen in die Zukunft
Und so investierte Steico massiv in seine Zukunft und hat letztes Jahr eine neue Anlage im polnischen Czarna Woda in der Nähe von Danzig in Betrieb genommen. Das Investitionsvolumen von 50 Millionen Euro war damals für ein Unternehmen mit einer Börsenkapitalisierung von gerade einmal gut 100 Millionen Euro durchaus ein gewagter Schritt. Allerdings auch ein sehr gut durchdachter. Denn Czarna Woda liegt in einer Sonderwirtschaftszone, so dass Steico dort für die nächsten 10 Jahre keine Ertragssteuern bezahlen muss. Und das kommt natürlich der Gewinn- und Verlustrechnung zugute und damit den Aktionären.

Inzwischen ist die neue Fabrik in Produktion gegangen und so spart sich Steico künftig nicht nur den Einkauf der Furnierschichthölzer, sondern kann bisher fremdvergebene Teilaufträge selbst abwickeln, wodurch man weniger abhängig von Zulieferern wird und in diesem Bereich eine höhere Wertschöpfungstiefe erreicht - und somit insgesamt höhere Margen.

Halbjahreszahlen können überzeugen
Die kürzlich vorgelegten Halbjahreszahlen, waren von einer steigenden Nachfrage nach ökologischen Holzfaser-Dämmstoffen und die erfreulichen Margenbeiträge aus der neuen Produktionsanlage für Furnierschichtholz maßgeblich getrieben und sorgten bei den Aktionären für wahre Freundestürme. So legte der Umsatz in den ersten sechs Monaten gegenüber dem Vorjahreswert um fast 10 Prozent zu, das EBITDA konnte um mehr als 50 Prozent auf rund 17,5 Millionen Euro gesteigert werden und operative Ergebnis (EBIT) sogar um mehr als 80 Prozent auf knapp 10 Millionen Euro. Der Periodenüberschuss stieg von 3,8 auf 6 Millionen Euro an und damit um rund 58 Prozent.

Höhere Jahresprognose und Zukunftsinvestition
Diese Zahlen belegen, dass sich die Unternehmensstrategie des "integrierten Holzbausystems" bezahlt macht und das Management hat folgerichtig nun auch seine Gesamtjahresprognose angehoben und erwartet nun "ein EBIT-Wachstum im oberen zweistelligen Prozentbereich".

Doch die Anhebung der Gewinnprognose ist nur eine erfreuliche Nachricht, denn Steico hat nicht vor, sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen. Im Gegenteil, man trägt dem großen Erfolg mit der neuen Furnierschichtanlage Rechnung. Denn aufgrund der erfreulich hohen Nachfrage nach Furnierschichtholz aus verschiedenen Branchen werden die Kapazitäten viel früher als erwartet ausgeschöpft sein und so hat man verkündet, die Anlage zu erweitern. Die bisherigen Investitionen von annähernd €50 Mio. werden nun durch ein weiteres Investitionsprogramm von €45 Mio. ergänzt. Geplant ist eine Verdoppelung der jährlichen Produktionskapazitäten von derzeit rund 80.000 cbm auf rund 160.000 cbm und ein Produktionsstart in 2018. Hierfür wird die bestehende Linie für Furnierschichtholz entsprechend modifiziert und erweitert. Die bestehende Linie, die Anfang 2016 in Betrieb genommen wurde, wurde von Beginn an mit Blick auf eine künftige Erweiterung geplant, so dass für die Erweiterung die Gesamtinvestitionen nun rund 15 Millionen Euro unterhalb der Kosten für die erste Produktionslinie liegen werden. Und das wird der künftigen Wirtschaftlichkeit in Form höherer Margen und Gewinne zugutekommen! Das Investitionsprogramm soll über die Erweiterung des bestehenden Konsortialvertrages, und somit über Fremdmittel, erfolgen wird und nicht über eine Kapitalerhöhung.

Chancen überwiegen Risiken
Die Investitionen von weiteren 45 Millionen Euro sind angesichts der Überkapazitäten und des Preisdrucks in der Branche durchaus mit Risiken verbunden, setzen aber im margenstarken neuen Bereich an, so dass sich auch dieses Wagnis auszahlen sollte. Zumal die Investition wieder in der steuerbegünstigen Wirtschaftszone Czarna Woda liegt. Durch die Investitionen werden Kosten gespart und die Margen ausgeweitet und man kann gleichzeitig davon profitieren, dass die herkömmlichen Wärmeverbundsysteme aufgrund ihrer Problembehaftung (Krebsrisiko, Umweltschädlichkeit, Brandgefahr) sukzessive vom Markt gedrängt werden und immer häufiger hochwertige ökologische Dämmmaterialien zum Einsatz kommen. Darüber hinaus verbreitert die eigene Stegträger-Produktion die Angebotspalette und sorgt für eine Verbreiterung und Ausweitung der Margenbasis.

Dieser Margenausweitung steht gegenüber, dass bisher rund 15 Prozent des Steico-Umsatzes in Großbritannien erzielt wird, dem zweitwichtigsten Absatzmarkt nach Deutschland. Hier dürfte die Pfund-Abwertung im Zuge des Brexit-Votums für eine zumindest vorübergehende gegenläufige Margenabschwächung sorgen, während die Sparte Furnierschichtholz von der Brexit-Problematik weitgehend unberührt bleibt. Die neuen Investitionen verringern sogar die Abhängigkeit vom britischen Markt.

Steico bleibt langfristig ein Kauf
Die erfolgreiche operative Entwicklung von Steico ist der Börse nicht verborgen geblieben und so hat der Kurs sich im letzten halben Jahr stark entwickelt. Zahlte man zum Jahresanfang noch unter 8 Euro je Aktie, werden inzwischen mehr als 12 Euro aufgerufen. Dieses Kursplus von 50 Prozent sollte langfristig orientierte Anleger aber nicht abhalten, sich diese Hidden Champion einmal näher anzusehen. Denn nach einer jahrelangen Konsolidierung werden die Erfolge des Unternehmens endlich von der Börse honoriert und Steico stellt erfolgreich die Weichen für die Zukunft. Die Börsenkapitalisierung hat inzwischen die Marke von 160 Millionen Euro passiert und die neuen Investitionen dürften die Gewinnmarge weiter erhöhen. Damit bietet sich für Anleger eine interessante Option, in einen aussichtsreich positionierten Hidden Champion in einer boomenden Nische zu investieren, der ihnen in den nächsten Jahren viel Freude bereite sollte.

Steico befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

Kommentare:

  1. Hi Mike,

    Interessantes Unternehmen, dass du da vorschlägst. Die Eigenakapitalrendite ist mit 7,4% etwas gering, aber man hat ein KBV von unter 1 und einen okay KGV. Verschuldungsgrad ist auch in gutem Rahmen.

    Werde ich mal beobachten. :)

    Alles Gute

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  2. Der heutige 5-Prozent-Kurssprung liegt vermutlich weniger an meinem Artikel sondern eher daran, dass "Die Vorstandswoche" Steico für ihr Realgeld-Depot gekauft hat mit Kurs €14,06. ;-)

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