Montag, 15. Mai 2017

Worauf man bei Dividendenrenditen achten sollte

▸ Kissigs Kolumne vom 20. Januar 2016, Aktien Magazin 02/2016 

In Zeiten niedriger Zinsen für Spareinlagen und Anleihen gehen Anlegern langsam die Alternativen aus. Immer wieder wird dazu geraten, auf dividendenstarke Aktien zu setzen, um so eine attraktive Verzinsung zu erzielen. „Dividenden sind der neue Zins“ ist gar zu einem geflügelten Werbespruch geworden. Doch so ganz ohne Risiko ist dieser Rat natürlich nicht... 

Aktienkurse schwanken
Aktien sind bekanntlich Unternehmensanteile und diese kann man über die Börse handeln. Daher entsteht der Eindruck, der Wert des Unternehmens würde sich täglich ändern. Aber das tut er selbstverständlich nicht! Lediglich der Preis, den man für einen Anteil am Unternehmen bezahlen muss und damit der Preis des gesamten Unternehmens verändert sich mit jeder neuen Kursfeststellung. Für mittel- und langfristig orientierte Anleger sind die Kursschwankungen also kein Hinderungsgrund, sich Aktien zuzulegen.

Darüber hinaus darf man auch nicht übersehen, dass die Dividenden am Tag der Ausschüttung vom Aktienkurs abgezogen werden. Das ist der sog. Dividendenabschlag. Denn das Unternehmen zahlt ja die Gelder an seine Aktionäre aus und für das Unternehmen stellt dies einen Wertverzehr dar. Den Rest des Jahres - bzw. Quartals bei amerikanischen Unternehmen, die zumeist Quartalsdividenden zahlen - wird die nächste Dividende in Form von Unternehmensgewinnen dann wieder im Kurs "angesammelt".

Auch Dividenden schwanken
Die absolute Höhe der Dividende ist weit weniger interessant, als ihr Verhältnis zum jeweiligen Aktienkurs. Denn hieraus ergibt sich die auf das Jahr berechnete Dividendenrendite. Und die kann man dann mit dem Jahreszinssatz für Spareinlagen oder Bundesanleihen vergleichen. Je höher die Dividendenrendite, desto attraktiver ist die betreffende Aktie. Doch hier gibt es einiges zu beachten, damit man auch sicher Freude an seinem Investment hat.

So ist die Höhe der Dividenden nicht festgeschrieben, sondern wird von der Hauptversammlung beschlossen. Wachstumswerte, die auf das Kapital angewiesen sind, schütten zumeist weniger bis gar nichts aus und Unternehmen, die deutlich höhere Zahlungen vornehmen, sind oftmals gesetzte Unternehmen mit einem erfolgreichen Geschäftsmodell, das wenig zusätzliche Investitionen verlangt.

Des Weiteren sollte man unbedingt auf die Ausschüttungsquote achten, also überprüfen, wie viel der zur Verfügung stehenden Mittel als Dividende ausgekehrt werden. Im Regelfall sollte dies nicht mehr als die Hälfte sein. Während in Deutschland häufig auf den Jahresüberschuss bzw. das Ergebnis je Aktie geschaut wird, findet in den angelsächsischen Ländern hauptsächlich der freie Cashflow Anwendung. Zu Recht, wie ich meine. Denn der Jahresüberschuss beinhaltet u.a. auch Abschreibungen, während der freie Cashflow der Liquiditätszufluss aus dem operativen Geschäft ist, bereinigt um die Investitionstätigkeit. Letztlich also das Geld, das am Ende für die Aktionäre wirklich zur Verfügung steht.

Substanzverzehr als Warnsignal
Schüttet ein Unternehmen nun als Dividende mehr aus, als es verdient hat (also der freie Cashflow hergibt), zehrt es von seiner Substanz - es löst Rücklagen auf. Und dies kann ein ernsthaftes Warnsignal sein! Denn sollte dies mehrmals vorkommen, verliert das Unternehmen an Wert und der Aktienkurs wird sich dieser negativen Entwicklung nicht dauerhaft entziehen können und deutlich fallen. Man kann sich das vorstellen wie ein Motor, der ständig Öl verliert, ohne dass frisches nachgefüllt wird. Was kein normaler Mensch tun würde, weil er damit den Motor schädigt und ein großes Problem verursacht.

Übergangsweise hingegen kann ein Rückgriff auf die Rücklagen zum Zweck der Dividendenzahlung aber dennoch positiv gesehen werden, wenn zum Beispiel einmalig schwache Jahresergebnisse geglättet werden sollen und so Dividendenkontinuität zu gewährleisten. Wie zum Beispiel bei Rückversicherungsunternehmen, die Jahre mit hohen Schadensquoten so ausgleichen mit Mitteln, die sie in Jahren mit höheren Prämieneinnahmen aufgrund geringer Schadensereignisse auf die Seite gelegt hatten.

Hohe Dividendenrenditen sind nicht unbedingt positiv
Dividendenrenditen werden ermittelt, indem man die Dividende ins Verhältnis zum Aktienkurs setzt. So kann man verschiedene Unternehmen miteinander vergleichen. Diese darf man aber nicht isoliert betrachten, denn weil die Dividendenrendite ja die Komponente Aktienkurs enthält, muss man diesen zunächst hinterfragen. Denn eine hohe Dividendenrendite kann aus einer hohen Dividende oder einem niedrigen Aktienkurs resultieren. Oder einer Kombination aus beiden. Zahlt ein Unternehmen 1 EUR Dividende je Aktie, macht dies bei einem Aktienkurs von 50 EUR eine Dividendenrendite von 2 Prozent aus. Stürzt der Kurs nun dramatisch ab, z.B. aufgrund einer Gewinnwarnung des Unternehmens, und notiert nur noch bei 20 EUR, läge die Dividendenrendite schlagartig bei 5 Prozent. Das klingt viel attraktiver, ist es aber in diesem Fall nicht!

Denn vermeldet das Unternehmen eine Gewinnwarnung, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es auch eine geringere Dividende für dieses Geschäftsjahr geben wird. Wenn überhaupt noch eine gezahlt werden kann. Die überall angegebene Dividendenhöhe bezieht sich auf die Zukunft und ist eine Prognose. Die Analysten nehmen ihre Einschätzungen allerdings nicht immer unverzüglich vor, sondern bisweilen mit einigem zeitlichen Abstand, so dass die Angaben auf Börsenseiten oder in Anlegermagazinen durchaus veraltet sein können. Und während dann die Dividendenrendite optisch hoch und verlockend aussieht, kann sich dies nach der nächsten Anpassung der Prognosen dann schlagartig ändern. Eine hohe Dividendenrendite alleine sollte also niemals alleiniges Anlagekriterium sein.

Auf Dividendenaristokraten setzen
Niemand ist davor gefeit, dass Unternehmen Dividenden senken oder aussetzen. Man kann aber die Wahrscheinlichkeit erhöhen, stetige Dividenden zu erhalten. Und zwar, indem man auf die sog. Dividendenaristokraten setzt. Hierzu gehören nach den Kriterien der Ratingagentur Standard & Poors Unternehmen, die in den vorausgegangenen 25 Jahren in Folge ihre Ausschüttungen beibehalten oder erhöht haben.

»Einer der überzeugendsten Tests hoher Qualität von Firmen ist eine ununterbrochene Historie von Dividenden, die sehr viele Jahre zurückreicht.«
(Benjamin Graham)

In Deutschland findet sich hierzu jedoch kein einziges Unternehmen, daher werden hier auch weichere Kriterien angesetzt, um dem Grundprinzip Rechnung tragen zu können.


  • In jedem der vergangenen zehn Jahre muss eine Dividende ausgeschüttet worden sein.
  • In mindestens sieben dieser Jahre muss sie stabil oder höher ausgefallen sein.
  • Die Dividendenrendite muss mindestens 3 Prozent betragen.
  • Die Eigenkapitalquote muss bei mehr als 30 Prozent liegen.
  • Das Unternehmen muss einen geringen Verschuldungsgrad aufweisen.


Grundsätzlich geht es darum, nur die Unternehmen auszuwählen, bei denen auch künftig eine konstante oder sogar steigende Dividende zu erwarten ist und die durch unternehmerische Erfolge erwirtschaftet wurde.

Auch auf die Bewertung achten
Wenn man bei der Auswahl der richtigen Unternehmen nun noch auf die günstig bewerteten setzt, also auf ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) und/oder ein niedriges Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV), winken zusätzlich noch Kursgewinne während der Anlagezeit, die die Gesamtrendite des Investments noch steigern können. Denn Studien belegen, dass Aktien mit Dividendenausschüttungen langfristig deutlich höhere Kurssteigerungen verzeichnen, als solche ohne Dividendenausschüttungen. Warren Buffetts Berkshire Hathaway einmal ausgenommen. 

Negativbeispiel AT&T
Die Aktie des US-Telefongiganten ist moderat bewertet mit einem KGV unter 12. Und die Dividendenrendite fällt mit über 5,5 Prozent sehr üppig aus. Allerdings zahlt AT&T seit mehreren Jahren schon Quartalsdividenden, die um einiges über dem Free Cashflow liegen. Darüber hinaus kauft AT&T auch noch eigene Aktien zurück, so dass für das operative Geschäft immer weniger Geld zur Verfügung steht. Dieses ungesunde Missverhältnis kann früher oder später zu ernsthaften Problemen führen. Entweder AT&T reduziert seine Investitionen, was bei den ständig steigenden Anforderungen an mobile Kommunikationsnetze kaum sinnvoll wäre, oder man reduziert den Verbrauch des freien Cashflows. Was eine Reduzierung der Aktienrückkäufe und/oder der Dividenden bedeuten würde. Ein schlechtes Spiel auf Zeit.

Positivbeispiel Evonik
Anders verhält es sich beim MDAX-Konzern Evonik. Dieser teilte gerade mit, er habe das Geschäftsjahr 2015 „hervorragend abgeschlossen“ und stellte eine Dividendenerhöhung von 1 EUR auf 1,15 EUR in Aussicht. Dies entspricht einer Dividendenrendite von knapp 4 Prozent und dabei orientiert sich Evonik an dem Kriterium der Dividendenkontinuität – dieses Dividendenhöhe soll also auch für die Folgejahre das Mindestmaß sein. Und das scheint realistisch, denn Evonik schüttet nur rund 40 Prozent des um Sonderfaktoren bereinigten Konzernergebnisses aus. So bleiben dem Unternehmen immer noch genügend Mittel, um sein operatives Geschäft und Investitionen zu finanzieren. Und die Dividendenrendite von 4 Prozent kann man nur als attraktiv bezeichnen.

Kommentare:

  1. Hallo Michael,

    lustig. Bei mir musste auch AT&T den Kopf hinhalten, als ich schrieb, warum das Schielen auf hohe Dividendenrenditen langfristig unglücklich machen kann.

    Darüber hinaus sind aber auch Dividendenaristokraten nicht wasserdicht. Hier mal ein paar Arisktokraten mit zu zu hoher Ausschüttung:

    Black Hills, Chevron, Eli LIlly, Exxon, Kellog, Merck & Company, Mercury General, Northwestern Gas, Occidendal Petroleum, Oneok, Raven Industries, Schlumberger, Telephone & Data Systems, The Southern Company, ...

    Ich bevorzuge deshalb Unternehmen, die ihren Gewinn in den letzten Jahren konstant gesteigert haben.

    Gruß,

    Torsten

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  2. hey herr Kissig ,

    ich verfolge die Dividendenstrategie schon seit Jahren aber bei ihnen schaue ich auch paar mal täglich vorbei um was zu lernen danke für so ein Blog ,mich würde mal interessieren was für sie die 10 besten Dividendenaktien sind, die man leben lang halten kann ?

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    1. Freut mich, dass Dir mein Blog beim Investieren hilft.

      Da ich ja ja keine reine Dividendenstrategie fahre und daher auch nicht nach diesem Gesichtspunkt meine Investments auswähle, kann ich Deinem Wunsch nach Aufzählung der 10 besten Dividendenaktien leider jedoch nicht nachkommen. Dividenden sind immer nur Teil meines Investmentcases, nie die Grundlage, so dass ich keine solche Übersicht habe bzw. führe.

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