Mittwoch, 16. August 2017

Und was tat sich in Warren Buffetts Depot im 2. Quartal 2017?

Value Investor Warren Buffett, das "Orakel von Omaha", musste für seine Investmentholding Berkshire Hathaway wieder das sog. Formular 13F bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) einreichen. In diesem vierteljährlich vorzulegenden Dokument müssen institutionelle Asset-Manager ab einem verwalteten Vermögen von $100 Mio. ihre Investments in US-amerikanischen börsennotierter Unternehmen stichtagsbezogen offenlegen.

Veränderungen im 2. Quartal 2017
Auch im abgelaufenen Quartal gab es einige bemerkenswerte Veränderungen an Buffetts Positionen.

Käufe
Überraschen kam Buffetts 10-prozentiger Einstieg Immobilien-REIT (Real Investment Trust) Store Cap Corp., die sich auf Handelsimmobilien mit mittelgroßen Mietern konzentrieren. Die Sorge, ob die Händler dem zunehmenden Druck seitens des Online-Handels gewachsen sein werden und dem entsprechend die Immobilien ihren (Miet-) Wert erhalten können, hatte den Aktienkurs unter Druck gebracht. Der vergleichsweise günstige Einstiegskurs bei einer attraktiven Dividendenrendite und mittel- bis langfristig stabilen Aussichten, dürften für Buffett der Grund für den Kauf gewesen sein.

Die zweite völlig neue Position ist die von Synchrony Financial, der ehemaligen Finanzsparte von General Electric. Die zunehmende Verschuldungskrise privater Haushalte in den USA hat den Kurs taumeln lassen und auch hier stieg Buffett gegen den Trend ein. Er liebt Kreditkartenfirmen und hält ja auch große Pakete an American Express, Mastercard und VISA.


Aufgestockt hat Buffett bei der Bank of New York Mellon und zwar gewaltig. Immerhin hat er seinen bestand um 52% ausgebaut. Die BNYM ist keine klassische Privatkundenbank, sondern eine Depotbank und Vermögensverwalter. Man verwaltet mehr als 1,7 Billionen Dollar an Vermögen und über 30 Billionen an Wertpapieren im Depot. Buffett kauft hier schon seit geraumer Zeit immer weiter zu.

Seine Zukäufe bei General Motors sind ebenfalls keine neue Entwicklung; auch hier ist Buffett seit einigen Quartalen immer wieder auf der Käuferseite und hat seinen Bestand im letzten Quartal um weitere 20% ausgebaut.

Bei Apple hat Buffett kaum noch aufgestockt. Das verwundert nicht, denn aufgrund seiner massiven Käufe und des erfreulichen Kursanstiegs ist diese Position mit 18,75 Mrd. Dollar bzw. 11,5% Anteil inzwischen Buffetts drittgrößte Position.


Verkäufe
Während Buffett die Finanzsparte von General Electric kauft, hat er den ehemaligen Mutterkonzern selbst komplett aus seinem Depot gestrichen, immerhin 10,5 Mio. Aktien. Auch Wabco Holdings teilt dieses Schicksal, auch wenn bis Quartalsultimo "erst" 98% verkauft waren.

Größere Aufmerksamkeit erhielt Buffetts Abkehr von IBM. Viele Jahre lang war Buffett der größte Verfechter von "Big Blue" und wurde nicht müde, die Strategie von Chefin Virginia "Ginni" Rometty zu unterstützen. Ihm hatten es die tief verwurzelten Kundenbeziehungen angetan, die er als den Moat ansah. Daher störten ihn auch 20 Quartale in Folge mit sinkenden Umsätzen nicht, denn er war ja eher auf der Kaufseite. Doch nun steckt Buffett in einem Dilemma. Denn als größer Aktionär kann er nicht einfach seine Aktien über die Börse verkaufen, ohne einen Crash in diesem Wert auszulösen. Doch er ist nicht mehr von IBM überzeugt, wie er selbst öffentlich zugab. Nachdem er bereits im ersten Quartal 2017 gut 17 Mio. Aktien verkauft hatte, reduzierte er nun im zweiten Quartal seinen Bestand um weitere 16% bzw. 10 Mio. Aktien und hält nun noch 54 Mio. Stücke. Dem Kurs haben diese Verkäufe und die öffentliche Abkehr Buffetts jedenfalls nicht gut getan, er schmierte deutlich ab. Unterm Strich dürfte er mit seinem Investment bisher ein erkleckliches Minus eingefahren haben, trotz der üppigen Dividenden. Und was aus seiner restlichen Position wird und ob Buffetts Sel-off weitergeht, bleibt abzuwarten...

Reduziert hat Buffett seine Positionen bei den US-Fluglinien. Delta Airlines, United Airlines und American Airlines wurden zwischen 2,5% und 4,6% abgebaut. Nur seinen Anteil in Southwest Airlines ließ er unangetastet.

Und auch bei Wells Fargo, seiner zweitgrößten Depotposition, verkaufte Buffett knapp 2,5% seiner Anteile. Man könnte dahinter Kritik am neuerlichen Skandal wittern, doch Buffett hält Wells Fargo weiter die Treue. Er setzt auf rigorose Aufklärung und Ausmisten. Der Hintergrund seines Aktienverkaufs ist schlicht, dass wegen der ständigen Aktienrückkäufe Buffetts Anteil an Wells Fargo über 10% angestiegen ist. Und die Behörden Buffett keine Ausnahmeregelung zugestehen wollten. Wenn Berkshire Hathaway nämlich mehr als 10% der Anteile an dieser systemrelevanten Bank hält, hätte man Berkshire Hathaway selbst als systemrelevant eingestuft. Mit erheblich verschärften regulatorischen Auflagen, von erhöhten Eigenkapitalpflichten, Dokumentations- und Aufsichtspflichten bis hin zum Erstellen eines "Testaments" im Falle einer Abwicklung und/oder Konkurses. (Nur) um dies zu umgehen, reduzierte Buffett also seinen Anteil, so dass er nun wieder unter der Marke von 10% der Anteile liegt und auch in den nächsten Quartalen nicht erneut Aktien verkaufen muss. Mit 16% Depotanteil bleibt Wells Fargo mit einigem Abstand auf die Nummer 3, Apple, die zweitgrößte Position hinter Kraft Heinz.


Unverändert
Bei vielen von Buffetts größten Positionen gab es keinerlei Veränderungen, so bei The Kraft Heinz Co.Coca ColaAmerican Express, Phillips 66US BancorpDavita Healthcare Partners und Moody's.

Bemerkenswert ist dabei, dass Kraft Heinz kürzlich mit seiner 143-Milliarden-Dollar-Offerte bei Unilever abgeblitzt ist. Zumindest im ersten Anlauf. Hier dürfte in nächster Zeit einiges an Bewegung reinkommen, da die Konsolidierung der Branche weiter en vogue ist.

Eine massive Veränderung gab es es allerdings kurz nach Toresschluss, denn Buffett hat seine Wandeloptionen bei der Bank of America gezogen und hält nun 700 Mio. ihrer Aktien. Bezahlt hatte er dafür vergleichsweise wenig. Denn Buffett stieg bereits 2011 bei der damals kriselnden BoA ein und zwar durch eine in zwei Teile strukturierte Transaktion. Für 5 Mrd. Dollar kaufte er "Cumulative Perpetual Preferred Stocks", die keine Laufzeitbeschränkung haben und jährlich 6% an Zinsen abwerfen. Sie können nicht in "Common Stocks" (Stammaktien) getauscht werden. Aber Warren Buffett wäre nicht Warren Buffett, gäbe es nicht den zweiten Part. Denn zusätzlich erhielt er "Warrants" (Wandeloptionen), die es ihm erlauben, bis September 2021 für 5 Mrd. Dollar BoA-Aktien zu kaufen und zwar zu einem festgelegten Preis von 7,14 Dollar je Aktie. Schlusskurs am Freitag an der NYSE war 25 Dollar! Er macht also mit der Ausübung der Optionen knapp 18 Dollar Gewinn je Aktie und in Summe sind das - festhalten - 12,6 Mrd. Dollar. Gewinn! Die ganzen erhaltenen Zinsen der letzten sechs Jahr nicht eingerechnet.

Mit einem aktuellen Wert von 17,15 Mrd. Dollar katapultiert dies Bank of America auf Schlag auf den fünften Platz in Buffetts Portfolio zwischen American Express und IBM.

 Veränderungen in Berkshire Hathaways Portfolio (Quelle: http://warrenbuffettstockportfolio.com
Buffett ist kein Freund des Diversifizierens
Buffett konzentriert sein Portfolio auf einige wenige große Kerninvestments. So machen seine vier größten Positionen Kraft Heinz, Wells Fargo, Apple und Coca Cola zusammen schon 62% aus und die sieben größten Positionen stehen für zusammen gut 75% seines Börsen-Portfolios. Rechnen wird die neue Nummer 5 noch hinzu, liegen die fünf größten Positionen zusammen bei fast drei Viertel Depotanteil.

Meine Einschätzung
Berkshire Hathaway befindet sich auf meiner Empfehlungsliste. Die starke Abhängigkeit vom Versicherungsgeschäft birgt meines Erachtens ziemliche Risiken, doch die eingeläutete Zinswende in den USA wird den Versicherern dort das Leben wieder leichter machen. Buffett selbst sagte über diese Sparte, dass sie in den nächsten zehn Jahren "nicht mehr so gut laufen werde wie in den letzten 30 Jahren". Das Chance-Risiko-Verhältnis in diesem Bereich hat sich jedenfalls zuletzt wieder verbessert, allerdings hat die Versicherungssparte zuletzt operativ mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Vor allem deshalb ging Berkshires Gewinn das zweite Quartal in Folge deutlich zurück.

Im Eisenbahnbereich verspürt BNSF (Burlington Northern Santa Fe Railroad) seit einiger Zeit kräftig Gegenwind aufgrund gefallener Rohstoffpreise für Öl und Kohle. Im zweiten Quartal konnte dieser Trend etwas gestoppt werden und gleichzeitig greifen die Maßnahmen zur Kostenreduzierung bei BNSF. Unterm Strich legte die Profitabilität so um 24 Prozent zu, so dass BNSF annähernd 1 Mrd. Dollar zum operativen Ergebnis Berkshires beisteuern konnte.

Unter dem Strich stellt Berkshire Hathaway ein gutes Investment für langfristig orientierte Anleger dar. Sie ist inzwischen wie ein Fonds der erfolgreichsten Unternehmen der USA, garniert mit einer Reihe von nicht börsennotierten Mittelstandsperlen. Und Buffett ist weiter auf der Suche nach attraktiven Investments. So wurde zuletzt von seinem Luxusproblem berichtet: er sitzt inzwischen auf einem Cash-Berg von mehr als 100 Mrd. Dollar. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass wir in absehbarer Zeit einen oder mehrere große Deals sehen werden. Denn auch wenn Buffett Cash als Renditebringer sieht, dient es ihm vor allem dazu, bei günstigen Gelegenheiten zugreifen zu können. Wir dürfen also gespannt sein...

 Berkshire Hathaways Portfolio (Quelle: http://warrenbuffettstockportfolio.com

Was das 13F-Formular nicht zeigt...
In Buffetts Portfolio befinden sich ja auch eine Menge an nicht-börsennotierten Unternehmen. So taucht die im Januar 2016 abgeschlossene 37-Milliarden-Dollar-Übernahme von Precision Castparts (PCP) in dieser Liste nicht auf, weil dieses Unternehmen nicht mehr an der Börse notiert ist. Ebenso verhält es sich mit den milliardenschweren Unternehmen Duracell (die er im Tausch für seine Procter & Gamble-Aktien erhielt), General Re, Berkshire Hathaway Energy (vormals MidAmerican Energy) oder der Eisenbahngesellschaft Burlington Northern Santa Fe (BNSF) sowie einer Vielzahl kleinerer Firmen, wie Nebraska Furniture, See's Candies oder dem Hamburger Motorrad-Zubehörhändler Detlev Louis, den Buffett 2015 erwarb.

Große mediale Beachtung fand Buffetts Einstieg beim kanadischen Immobilienfinanzierer Home Capital, der in massiven finanziellen Problemen steckt(e), da sich der kanadische Häusermarkt in einer ziemlichen Blase befindet. Anders als in den USA haben die kanadischen Immobilienwerte in der Immobilien- und Finanzkrise nämlich nur unwesentlich etwas abbekommen und strebten fast unbeirrt in neue, immer luftigere Höhen. Doch langsam braut sich in Land des Ahorns eine Krise zusammen rund um Immobilien und Immobilienkredite. Und nach bewährtem Muster ist Buffett antizyklisch eingestiegen bei Home Capital; Berkshire Hathaway gibt 400 Mio. CAD als Aktieninvestment und 2 Mrd. CAD als Not-Kreditlinie. Alleine Buffets Einstieg hat die Bonität verbessert und die Befürchtungen zerstreut, Home Capital könnte pleite gehen. Der Aktienkurs setzte nach Bekanntgabe von Buffetts Engagement denn auch gleich zu einer deutlichen Erholung an.


Preferred Stocks
Darüber hinaus enthält Buffetts Portfolio einige sog. "Preferred Stocks" (nicht mit den deutschen Vorzugsaktien zu verwechseln). Diese Aktien enthalten Sonderrechte, die über die der allgemeinen Aktien hinausgehen, und werden daher eher als Hybrid-Instrumente angesehen, denn als Aktien.

▸ Dow Chemical
2008 stellte Buffett Dow Chemical $3 Mrd. für die Übernahme der Spezialchemiefirma Rohm & Haas Co. zur Verfügung und erhielt im Gegenzug Preferred Stocks, die eine jährliche Dividende von 8,5% ausschütten, oder $255 Mio. Dabei hat Dow Chemical das Recht, die Preferred Stcokks in ganz normale Aktien umzuwandeln, wenn ihr Aktienpreis für 20 Tage innerhalb einer Periode von 30 Tagen oberhalb von $53,72 schließt. Dabei würde Buffett 62,6 Mio. Stammaktien erhalten zu einem festgelegten Bezugspreis von $41,32. Was ihn zu einem der größten Aktionäre von Dow Chemical machen würde.

▸ Goldman Sachs
2008 bereits griff Buffett Goldman Sachs unter die Arme durch eine ebensolche in zwei Teile strukturierte Transaktion, die später auch als Blaupause für den BoA-Deal diente. Für $5 Mrd. kaufte er "Cumulative Perpetual Preferred Stocks" und "Warrants", die es ihm erlaubten, für $5 Mrd. Goldman Sachs-Aktien zu kaufen und zwar zu einem festgelegten Preis von $115 je Aktie. Doch fünf Jahre später stand die Aktie bereits bei $160 und beide Seiten einigten sich auf eine Lösung, die die Aktienzahl nicht zu sehr in die Höhe treiben und somit die Anteile der übrigen Aktionäre zu stark verwässern würde. Anstatt dass Buffett 43,5 Mio. Aktien zu $115 kaufte, übertrug ihm Goldman Sachs 13,1 Mio. Aktien - und zwar unentgeltlich. Netto lief das damals auf dasselbe Ergebnis hinaus. Die inzwischen nochmals auf rund 11 Mio. Aktien reduzierte Position in Buffetts Portfolio hat ihn also unter dem Strich keinen Penny gekostet!

▸ Lanxess
Im Mai stieg Buffett beim deutschen Chemiekonzern Lanxess ein. Über Berkshires Rückversicherungstochter General Re kontrolliert Buffett nun mehr als 3% der Anteile des ehemaligen Bayer-Spin-offs.

Kommentare:

  1. Hallo Herr Kissig,

    können Sie bitte nochmal kurz drauf eingehen, wieso Sie immer noch eine große Abhängig zur Versicherungssparte bei Berkshire sehen, wenn doch die fünf größten Beteiligungen ~ 75% des Depots ausmachen und davon keine stark im Versicherungsgeschäft vertreten ist.

    Liebe Grüße

    Thorsten

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    1. In Buffetts Portfolio sehen wir ja nur die börsennotierten US-Beteiligungen. Weder General Re, noch Geico noch Berkshire Hathaway Specialty Insurance tauchen hier auf. Berkshire Hathaway Energy oder Precision Castparts (vor einigen Jahren für 37 Mrd. Dollar übernommen) oder Duracell auch nicht. Und wie der letzte Quartalsbericht zeigt, hat die - schwächelnde - Versicherungssparte immerhin fast ein Viertel des gesamten Quartalsgewinns von 4,3 Mrd. Dollar beigesteuert. In guten Quartalen ist es auch schon mal deutlich mehr...

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  2. Manchmal frag ich mich ja schon, ob die Aktienkurse anhscließend nicht nur steigen, weil die ganze Welt auf sein Handeln schaut und es ihm nachmacht. Bei BYD habe ich mich trotz eines unguten Gefühls hinreißen lassen und siehe da: Seitwärtsbewegung... Es wird halt leider nicht alles zu Gold, was Herr Buffet anfasst ;-)

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