Sonntag, 5. Mai 2019

Kissigs Klookschieterei: Die Börsenwoche 18/2019 im Rückspiegel mit Alphabet, Berkshire Hathaway, Corning, Funkwerk, KKR, MasterCard, Softbank, Steico, Xylem

Die "Earnings Season" in den USA hat die Börsen weiterhin im Griff und es vergeht kein Tag, an dem nicht mindestens ein Unternehmen heftigen Kursschwankungen ausgesetzt ist, weil es die Erwartungen des Marktes verfehlt. In die eine oder andere Richtung.

Beste Beispiele dafür sind Alphabet, die enttäuschten, oder Funkwerk, die überraschten, und MasterCard, die mal wieder einfach "nur" lieferten.

Quartalsergebnisse dürfen kein Maßstab für langfristig orientierte Anleger sein. Die Ergebnisse, aber vor allem auch die Erläuterungen des Managements, wie die sich ihre Zahlen erklären (oder schönreden), das sind jedoch durchaus nützlich für die Überprüfung des eigenen Investmentcases. Stimmt die Richtung noch, passen die Zahlen ins große Bild, deuten sich Entwicklungen an, über die man sich genauere Gedanken machen sollte? Oder sind schlechte Zahlen nur eine einmalige Sache und vielleicht eher stichtagsbezogen? Sind erwartete Aufträge evtl. nur um ein paar Tage oder Wochen verschoben? Dann besteht kein Grund zur Panik, das Unternehmen scheint weiterhin auf Kurs. Und dann bieten kurzfristige Kurseinbrüche eine willkommene Chance, um den eigenen Aktienbestand etwas aufzustocken...



Börsentheater, 1. Akt: Die Politik


Auch in der letzten Woche gab es politisch nicht viel Weltbewegendes. "Donaldissimo" verschärft die Gangart gegenüber Iran, zieht in Venezuela rhetorisch die Zügel an und lässt eine 22 Jahre alte Gesetzesregelung in Kraft treten, die US-Bürgern das Recht einräumt, vor US-Gerichten gegen frühere Enteignungen auf/in Kuba vorzugehen. Und damit nicht etwa gegen Kuba und sein sozialistisches Regime, sondern gegen diejenigen, die diese enteigneten Güter später gekauft haben. Also ausländische Investoren, wie auch Unternehmen aus Deutschland, die auf und mit Kuba Handel treiben. "The Don" hat also kein Problem damit, dass künftig deutsche oder EU-Firmen vor US-Gerichten auf Schadensersatz verklagt werden - und die EU antwortet mit deutlichen Worten. Sie räumt EU-Unternehmen und Privatpersonen das Recht ein, ggf. im direkten Gegenzug Vermögenswerte der nutznießenden US-Firmen in der EU pfänden und enteignen zu lassen. Am Ende also ein Nullsummenspiel, aber erkauft mit Tränen und enormen Kosten und einer weiteren Konfliktlage zwischen den USA und verbündeten Nationen. Ach ja, der von Trump gewünschte "Kollateraleffekt" stellt sich auch noch ein: die Bereitschaft, in und mit Kuba Geschäfte zu machen, dürfte deutlich sinken, denn wer hat schon Lust auf so ein rechtliches Scharmützel. Und dieses Vorgehen ist auch nicht neu, die Mafia oder die chinesischen Triaden wenden es seit Jahrhunderten an. Es nennt sich Schutzgelderpressung. Tut man nicht, was die anderen wollen, drohen sie mit einem Schaden. Also gibt man ihren Forderungen nach und/oder bezahlt sie dafür, dass den Schaden nicht (selbst) anrichten. "Don Trump". Mal sehen, wer ihm als nächstes den Ring küssen muss...

In Deutschland stehen die Zeichen auf Europawahl. Und da muss sich dann auch der Juso-Chef Kevin Kühnert zu Wort melden und großflächige Enteignungen als Gebot der Stunde verkünden. Wie wählbar kann eine SPD noch sein, wenn ihre (einzig verbliebene) Hoffnungsfigur sich offen gegen unsere Freiheitlich Demokratische Grundordnung stellt und eine "DDR 2.0" propagiert? Nun kann man für den Kevin ins Feld führen, dass er einfach nur jung und dumm ist, keine Ahnung hat und unter einem massiven Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS) leidet, und ihn dem entsprechend als harmlosen Spinner abtun. Aber es gibt genügend gefährliche Spinner, die solche Aussagen ernst nehmen und in die Tat umzusetzen versuchen. Der Verfassungsschutz hat schon andere aus nichtigeren Gründen beobachtet und ich bin mal gespannt, ob es die Jusos jetzt in den nächsten Verfassungsschutzbericht schaffen. Ansonsten bleibt festzustellen, dass es kaum noch einen Grund gibt, die SPD zu wählen. Aber jetzt einen triftigen mehr, es nicht zu tun.


Börsentheater, 2. Akt: Die Unternehmen


"Früher" wurden solche Spinner einfach ignoriert und gar nicht wahrgenommen. Aber dank Internet, Facebook, Twitter und dem drängenden Verlangen der Online-Gazetten, endlich mal mit einer "echten Nachricht" aufwarten zu können, bekommen sie eine viel zu große Bühne und werden übergewichtet wahrgenommen. Auch ich nutze diese Bühne und wende mich nun lieber wieder der Börse und den Unternehmen zu, denn da liegt mein Interesse. Und eures vermutlich auch, sonst wärt ihr ja nicht auf diesem Blog und genau diesem Artikel "gestrandet". Also, auf zu den Unternehmen, denn da gibt es einiges Interessantes zu berichten...


Alphabet

Keine guten Nachrichten hatte der Google-Mutterkonzern Alphabet für seine Anleger parat. So musste man nicht nur einen empfindlichen Gewinnrückgang um 29% auf 6,7 Mrd. Dollar verschmerzen, der sich nur zum Teil auf die - erneute - hohe Kartellstrafe der EU-Kommission (1,7 Mrd. Dollar) zurückführen lässt, sondern vor allem das abgeschwächte Umsatzwachstum (17%) bereitet Anlegern zunehmend Sorgen. Alphabet hat mit hohen Kosten zu kämpfen (+16,5% auf 30 Mrd. Dollar), immer stärkeren regulatorischen Eingriffen und einen stärker attackierten Kerngeschäft rund um das Werbeanzeigen bei Google. Facebook ist hier aggressiv(er) und wächst vor allem bei mobilen Endgeräten und auch Amazon nimmt beim Advertising zunehmend Fahrt auf - zulasten von Google.

Alphabet steckt dafür immer mehr Geld in seine "Other Bets", wie Waymo (autonomes Fahren) oder Nest. Doch die werfen keine Gewinne ab und immer öfter werden vormals "zukunftsweisende" Projekte sang- und klanglos einfach eingestampft. Das erinnert fatal an die erfolglose Strategie von Yahoo!, die sich in Rekordzeit vom einstigen Pionier des Internets zum scheintoten Dinosaurier entwickelt haben. Inwieweit Alphabets angekündigte Online-Gaming-Plattform Stadia hier eine Erfolgsgeschichte wird, muss sich erst noch zeigen. Immerhin tritt man gegen hier gegen die Konsolen-Platzhirsche Microsoft, Sony und auch Nintendo an. Und die werden Alphabet kaum kampflos das Feld überlassen und einpacken.

Auf Google zu setzen, scheint nicht mehr wirklich aussichtsreich zu sein. Zwar wachsen Umsatz und Gewinne in der (wichtigsten) Alphabet-Sparte noch immer, aber das wird nicht mehr lange so weitergehen. Und neue Cashcows sind nicht in Sicht. Andererseits ist Alphabet in seiner jetzigen Struktur eben auch eher eine Beteiligungsgesellschaft und daher wäre meine Strategie für das Unternehmen, seine erfolgsversprechendensten Töchter/Sparten separat an die Börse zu bringen, um so Mehrwert für die Aktionäre zu schaffen. Erstaunlich, dass noch kein aktivistischer Investor vom Schlag eines Daniel Loeb, Carl Icahn oder Paul Singer auf diesen - wenn auch großen - Zug aufgesprungen ist. Aber das kann ja noch kommen. Ich habe leider zu wenig Geld, als dass die mich ernst nehmen würden...

Der zuletzt skizzierte Aspekt ist mein hauptsächlicher Investmentcase bei Alphabet. Sollte sich hier nichts in diese Richtung tun in nächster Zeit, dürfte Alphabet bei mir zur Disposition stehen, denn es gibt ansonsten aussichtsreichere Unternehmen.


Berkshire Hathaway

Die Investmentholding von Warren Buffett und Charlie Munger hat an diesem Wochenende zur Hauptversammlung nach Omaha geladen und gleichzeitig ihre Ergebnisse für das erste Quartal 2019 präsentiert. Und die verschlagen einem den Atem - auf den ersten Blick. Denn unterm Strich steht ein Quartalsgewinn von 21,7 Mrd. Dollar, während er im Vorjahreszeitraum noch bei minus 1,1 Mrd. Dollar gelegen hatte. Doch im Grunde kann man den Gewinn vergessen, denn er hat wenig Aussagekraft. Nachdem nämlich im letzten Jahr die Vorschriften zur Rechnungslegung verändert wurden, muss Berkshire nun auch unrealisierte Buchgewinne oder -verluste aus seinen Aktienbeständen im Gewinn (oder Verlust) ausweisen. Und bei einem Investmentportfolio von mehr als 100 Mrd. Dollar erzeugen die Börsenbewegungen natürlich erhebliche Schwankungen, die sich nun auch direkt in der Gewinn- und Verlustrechung niederschlagen. Diese Kursgewinne oder -verluste werden aber ja nicht realisiert und verzerren daher das Bild enorm, wodurch die Aussagekraft des Gewinns fast völlig verloren gegangen ist.

Dem entsprechend sollte man lieber auf den operativen Gewinn von Berkshire schauen, der im Jahresvergleich um 5% auf 5,6 Mrd. Dollar gestiegen ist. Hierin sind nicht nur die operativen Ergebnisse (und ggf. Gewinnabführungen und/oder Dividendenzahlungen an die Mutter Berkshire) der börsennotierten Töchter enthalten, sondern auch die der nicht börsennotierten. Wie z.B. die Eisenbahngesellschaft Burlington Northern Santa Fe (BNSF), BH Energie (vormals MidAmerican Energy), Duracell oder der Luftfahrtzulieferer Precision Castparts, den Buffett vor einigen Jahren für knapp 37 Mrd. Dollar gekauft hatte.

Doch auch der operative Gewinn ist dieses Mal mit Vorsicht zu genießen, denn er enthält nicht die Zahlen von Kraft Heinz, an der Berkshire immerhin 27% hält. Kraft Heinz hat Meinungsverschiedenheiten mit seinem Wirtschaftsprüfer und daher seine Zahlen noch nicht veröffentlicht, so dass sie natürlich auch noch nicht im Berkshire-Zahlenwerk aufschlagen konnten.

Buffetts Liquiditätsproblem hält sich hartnäckig: Berkshires Cash-Reserven stiegen im ersten Quartal auf nun 114 Mrd. Dollar weiter an. Aus meiner Sicht nach wie vor unverständlich bleibt, weshalb Buffett den Kurscrash im vierten Quartal 2018 nicht für eine größere Einkaufstour genutzt hat. Denn da gab es auch ausgesuchte Qualitätsunternehmen mit bis zu 30% Kursabschlag und ein starkes Überangebot an Aktien, so dass Buffett auch signifikante Summen hätte investieren können. Hat er aber nicht und daher wächst sein Cash-Berg weiter an - obwohl Berkshire im ersten Quartal eigene Aktien im Volumen von 1,7 Mrd. Dollar zurückgekauft hat und damit so viele Aktien wie noch nie zuvor. Und wenn man den berichten Glauben schenken kann, will Buffett die Aktienrückkäufe deutlich ausweiten, da er Berkshire weiterhin als unterbewertet bepreist ansieht.


Corning

Der Glas-Spezialist hat Zahlen für das erste Quartal präsentiert, die weitgehend im Rahmen der Erwartungen lagen. Die Umsätze entwickelten sich nach Segmenten wie folgt: Optische Kommunikation 1,06 Mrd. Dollar (+20%), Display Technologies, 818 Mio. Dollar (+10% im Jahresvergleich), Umwelttechnologien 362 Mio. Dollar (+12%), Spezialmaterialien 309 Mio. Dollar (+11%), Life Sciences 243 Mio. Dollar (+5%). Damit stiegen die Umsätze insgesamt auf 2,85 Mrd. Dollar und der Gewinn je Aktie kletterte auf 0,40 Dollar je Aktie.

Allerdings gab Corning einen Ausblick in Moll für seine inzwischen größte Sparte Optical Communications heraus und senkte die Erwartungen an das Umsatzwachstum in 2019 auf etwa 10%. Und bei der schon länger kränkelnden Sparte Display Technologies sind weiterhin moderate Preisrückgänge zu verzeichnen und der Preisrückgang im Gesamtjahr wird im mittleren einstelligen Bereich liegen.

Das kam an der Börse gar nicht gut an und die Aktien wurden auf Talfahrt geschickt. An den grundsätzlich positiven Aussichten hat sich bei Corning nichts geändert. 5G und Glasfasernetze erfordern hohe Investitionen der Kunden, die immer mobilere Wlet der Smartphones und Tablets schreit nach berührungsempfindlichen, aber kratz- und bruchfesten Oberflächen und selbst in den Bereich faltbare Display wird Corning vordringen; entsprechende Produkte sind in der Mache,w erden aber wohl nicht vor 2021 marktreif sein. Solange werden wohl weiterhin allenfalls Plastikvarianten auf den Markt kommen und welche Probleme diese haben, kann man bei Samsungs Fold-Desaster gerade hautnah miterleben. Also lieber später, aber dafür mit einem ausgereiften Produkt auf den Markt kommen...


Funkwerk

Die Thüringer sind spezialisiert auf lösungsorientierte Informations-, Kommunikations- und Sicherheitssysteme für den Schienenverkehr, Infrastruktur, Behörden und Unternehmen und haben einen erfolgreichen Turnaround hinter sich gebracht. Damit liegt der erste Teil meines Investmentcases hinter uns und der hatte mich vor drei Jahren bei einem Kurs von 2,30 Euro in die Funkwerk-Aktie einsteigen lassen. Auf meiner Beobachtungsliste weist Funkwerk inzwischen die zweitbeste Performance aller Werte auf, nur MBB hat sich noch besser geschlagen. Allerdings über einen deutlich längeren Zeitraum (2012) und bezogen auf die nur dreijährige Investitionszeit fegt Funkwerk mit einer durchschnittlichen Jahresperformance von mehr als 90% alle anderen vom Platz. Und trotz einer Versiebenfachung des Kurses sehe ich bei Funkwerk die Entwicklung nicht lange nicht am Ende und das hat auch mit den vorlegten Jahreszahlen für 2018 zu tun. Und dem - mal wieder - tiefstapelrekordverdächtigen Ausblick des Vorstands. Und damit kommen wir zum zweiten Teil meines Investmentcases und einem Nebenaspekt, der die Sache bei einer meiner "Nebenwertefavoriten für 2019" schon in wenigen Wochen "heiß" machen könnte...

Zuerst zu dem Nebenaspekt, denn aus dem erklärt sich einiges im Hinblick auf das Verhalten des Vorstands. Funkwerk hat nicht nur einen unternehmerischen Absturz hinter sich, sondern auch einen - weitgehend gescheiterten - Übernahmeversuch durch seinen Großaktionär, die Hörmann Gruppe. Das war 2014 und man hat nicht wenige Altaktionäre durch eine Delisting-Ankündigung zu 2,50 Euro aus der Aktie vertrieben und konnte so fleißig Aktien einsammeln. Das Delisting wurde später nicht umgesetzt und abgeblasen. Das ist am 10. Juli 2019 fünf Jahre her. Inzwischen hält die 78,35% der Funkwerk-Aktien und Funkwerk selbst weitere 41.000 Stück und die Fünfjahresfrist hat insofern Relevanz, als dass Funkwerk per 31.12.2018 noch Verlustvorträge von 85 Mio. Euro aufweist, die bei einem erneuten Übernahmeangebot seitens Hörmann vor Ablauf dieser Frist in Gefahr schweben, verloren zu gehen. Es ist seit Jahren meine Überzeugung, dass Hörmann Funkwerk komplett übernehmen will und deshalb ist dieses Datum für mich so wichtig, denn ab da kann es sehr schnell gehen.

Warum? Weil Funkwerk wieder die Ertragsperle im Hörmann-Imperium ist, das ansonsten in seinem Automotive-Sektor schwer zu kämpfen hat. Und weil der Kurs sich von 2,30 Euro auf inzwischen 16 Euro erhöht hat, obwohl der Vorstand das Unternehmen regelmäßig in der Öffentlichkeit (und den Zahlenwerken) unter Wert verkauft. Unter normalen Umständen lässt sich ein Vorstand dafür feiern, wenn er mehrmals pro Jahr seine Prognosen anheben muss, und diese dann am Jahresende trotzdem wieder übertroffen hat. Und das nicht nur in einem Jahr, sondern fortgesetzt. Und unter normalen Umständen würde sich ein Großaktionär doch sehr wundern, weshalb der Vorstand ständig enorme Rückstellungen für alles mögliche bildet, nur um die Gewinne möglichst niedrig zu halten. Gewinne, die in höheren Dividenden müden könnten, was vor allem dem Großaktionär zugute käme. Und da Hörmann die Funkwerk AG in seinem eigenen Zahlenwerk vollkonsolidiert, helfen gute Funkwerk-Zahlen auch Hörmann, wenn es z.B. um eigene Kreditlinien geht. Wir können also davon ausgehen, dass das fortgesetzte Tiefstapeln der Funkwerk CEO Kerstin Schreiber die volle Rückendeckung von Großaktionär Hörmann hat. Da dieses Tiefstapeln zu einer tendenziell eher zurückhaltenden Kursentwicklung bei Funkwerk führt, stellt sich also die Frage, was Hörmann von (zu) niedrigen Kursen bei Funkwerk hat. Aha...!

Die 2018er Zahlen
Funkwerk konnte im Geschäftsjahr 2018 seine - mehrfach erhöhten! - Umsatz- und Ergebnisziele in vollem Umfang erreichen bzw. übertreffen. Der Konzernumsatz erhöhte sich gegenüber dem Vorjahreswert um 6,5% auf 82,7 Mio. Euro (Vorjahr: 77,6) und das Betriebsergebnis des Konzerns wuchs noch stärker, nämlich von 7,2 Mio. Euro im Vorjahr auf 11,4 Mio. Euro in 2018. Der Vorstand führt das insbesondere auf ein höheres Grundgeschäft, einen margenstarken Produktmix und die hohe Auslastung zurück. Zudem trug der Wegfall von im Vorjahr verbuchten Sonderaufwendungen im Zusammenhang mit einem in Algerien anhängigen Verfahren zum Ergebniszuwachs bei. Hierzu muss man wissen, dass Funkwerk hier noch knapp 2,8 Mio. Euro "im Feuer hat", die aber aufgrund eines laufenden Einspruchs gegen einen verloren Gerichtsprozess noch nicht nach Deutschland geflossen sind (Funkwerk will die Strafe von 40.000 Euro nicht bezahlen; mit Anerkennung des Urteils wäre man wohl für eine gewisse Zeit von Aufträgen in Algerien ausgeschlossen). Die 2,8 Mio. Euro hat Funkwerk inzwischen vollständig abgeschrieben, so dass sie, wenn sie denn mal freigegeben werden und bei Funkwerk eintreffen, einmalig den Gewinn in die Höhe katapultieren werden. Aber das ist nur ein Add-on; der Funkwerk-Vorstand hat diesen Umstand in den letzten Jahren genutzt, durch das "maximale Ausreizen" der Rückstellungsmöglichkeiten hier seine Gewinne künstlich kleinzurechnen. Und damit die Gewinne in die Zukunft zu verschieben (eine Zukunft, in der Hörmann schon 100% der Funkwerk-Aktien gehören??? Aha...!).

Der Konzernjahresüberschuss erhöhte sich im Geschäftsjahr 2018 um 69,3% auf 7,4 Mio. Euro (Vorjahr: 4,4) Mio und die Vermögens- und Finanzlage des Funkwerk-Konzerns konnte aufgrund der guten Ertragsentwicklung weiter stabilisiert werden. So steig die Eigenkapitalquote von 43,4% auf 46,8% und der Bestand an liquiden Mitteln lag am Jahresende 2018 bei 28,2 Mio. Euro (Vorjahr: 16,6), während der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit 14,9 Euro betrug (Vorjahr: 8,0).

Und nun kommen wir zum - aus meiner Sicht wieder einmal viel zu verhaltenen - Ausblick auf 2019. Der Auftragseingang im Konzern kletterte auf 94,0 Mio. Euro (Vorjahr: 85,2) und der Auftragsbestand per 31. Dezember 2018 stieg auf 70,0 Mio. Euro (31.12.2017: 58,1). "Im Geschäftsjahr 2019 rechnet Funkwerk unter Berücksichtigung der positiven Branchenentwicklung mit einem Umsatzzuwachs um mindestens 6 %, zu dem voraussichtlich alle Geschäftsbereiche beitragen werden. Das Betriebsergebnis wird aus heutiger Sicht rund 10 Mio. Euro betragen. Hauptgründe für die leichte Verringerung gegenüber dem sehr guten 2018er Ergebnisniveau sind der Margenmix, der sich aus den im jeweiligen Geschäftsjahr zur Auslieferung kommenden Aufträgen ergibt, sowie Aufwendungen für die Markteinführung von zwei neuen Managementsystemen." Dieser Ausblick ist natürlich nicht ernst zu nehmen! Der hohe und steigende Auftragsbestand und die steigenden Margen sprechen eine deutlich andere Sprache. Und die Historie aus wiederholten Anhebungen der Prognosen über den Jahresverlauf ebenso.

Und damit komme ich zur Ausgangsüberlegung zurück: "Cui bono?". Wer profitiert hiervon? Ganz klar Großaktionär Hörmann - wenn man denn davon ausgeht, dass der sich Funkwerk vollständig einverleiben möchte. Wozu er ab dem 10. Juli 2019 die Möglichkeit hat. Dazu passt auch ins Bild, dass Hörmann eine bestehende Unternehmensanleihe evtl. vorzeitig zurückzahlen und eine neue auflegen will. Offiziell begründet mit dem deutlich besseren Zinsniveau, aber ich sehe das eher als - nachgelagerte - Refinanzierungsoption für das wohl anstehende Funkwerk-Angebot.

Das dürfte wohl als Delisting- und Erwerbsangebot auf uns zukommen. Hörmann wird wohl das Delisting der Funkwerk-Aktien ankündigen (bzw. der Funkwerk-Vorstand) und den Funkwerk-Aktionären ein Angebot für ihre Aktien machen. Anders als vor fünf Jahren dürfte man dieses Mal wohl eher faire Konditionen anbieten, denn das damalige Scheitern hat sich ja als sehr kostspielig herausgestellt. Wäre Hörmann damals nicht zu gierig gewesen und hätte einen fairen Preis geboten, würde man die Aktien zu vielleicht 3 oder 4 Euro eingesammelt haben können. Bei einem heutigen Aktienkurs von 16 Euro. Und je länger Hörmann mit dem Übernahmeangebot wartet, desto teurer wird es am Ende. Denn die Gewinne lassen sich auch in der Funkwerk-Bilanz nicht mehr ewig verstecken. Und dann wird der Kurs der Funkwerk-Aktien eher Richtung 25 Euro streben (wo ich den fairen Wert aktuell taxieren würde). Also, aus Hörmann-Sicht, lieber gleich "üppig" rangehen und möglichst viele Aktien einsammeln können. Ein Delisting mit den entsprechenden Einschränkungen werden nur wenige Funkwerk-Aktionäre mitmachen wollen und bei einem attraktiven Übernahmeangebot lieber "den Spatz in der Hand nehmen", als die viel fettere Taube auf dem Dach.

Ich setzte auf Beides: auf die weitere sehr gute Entwicklung im Unternehmen selbst und parallel dazu auf das mögliche wahrscheinliche Delisting-Abfindungsangebot von Hörmann. Dafür werde ich mir Mitte Juli ein paar freie Mittel zur Seite legen, denn die Ankündigung wird den Kurs - kurzfristig - deutlich unter Druck bringen, vermutlich zwischen 10% und 20%. Aber die Erfahrung zeigt, dass der Kurs das nach relativ überschaubarer Zeit wieder wettmacht. Und am Wert des Unternehmens und der einzelnen Aktien ändert das ja ohnehin nichts, so dass man hier noch einmal (letztmalig?) die Gelegenheit bekommt, Aktien zu 14 oder 15 Euro zu bekommen, die eigentlich 25 Euro wert sind. Wir werden sehen - und ich werde es mitmachen. Funkwerk ist aktuell die sechstgrößte Position in meinem Depot und das nicht nur wegen des jüngsten Kursanstiegs, sondern weil ich hier bei Kursschwäche vor einigen Wochen aufgestockt hatte. Das Endspiel naht...

▶ Mein Investmentcase zu Funkwerk (Zusammenfassung der wesentlichen Aspekte aus August 2017)


KKR

Gute Zahlen konnte Finanzinvestor KKR vorlegen. Der Buchwert stieg dank des Börsenbooms deutlich auf 16,99 Dollar je Aktie an (31.12.2018: 15,57 Dollar) und auch der Gewinn je Aktie. Der "ausschüttungsfähige" Gewinn nach Steuern stieg auf 0,38 Dollar je Aktie und übertraf die Erwartungen um einen Cent.

Das verwaltete Vermögen (Assets under Management, AuM) lag Ende März bei 199,5 Mrd. Dollar und damit um 4,8 Mrd. Dollar höher als am 31. Dezember 2018. Der Zuwachs bei den AuM ist hauptsächlich auf neue Kapitalzuflüsse zurückzuführen in Höhe von 6,3 Mrd. Dollar. Die Provisionen erzeugenden AuM stiegen von 141,0 Mrd. Dollar am 31. Dezember 2018 auf 147,7 Mrd. Dollar an bzw. um 23% im Jahresvergleich. Die Verwaltungsgebühren lagen im ersten Quartal bei 292 Mio. Dollar und damit um 16% über dem Vorjahreswert.

Da KKR weiterhin in Geld schwimmt, weitet man die Aktienrückkäufe um 247 Mio. auf insgesamt 500 Mio Dollar aus.

Man kann feststellen, dass KKR gut durch das schwierige Schlussquartal gekommen ist und im ersten Quartal 2019 an seine Erfolgsserie anknüpfen konnte. Das sich wieder nach unten entwickelnde Zinsszenario in den US dürfte einerseits die Mittelzuflüsse weiterhin hoch halten und andererseits die Bewertungen an der Börse und für Unternehmensbeteiligungen und Immobilien hoch halten. Gut für Verkäufer wie KKR - auf der Kaufseite wird die Aufgabe allerdings nicht einfacher.

▶ Mein Investmentcase zu KKR


MasterCard

Beim Zahlungsdienstleister MasterCard läuft es einfach rund. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag im ersten Quartal bei 1,78 Dollar und damit deutlich über den Analystenschätzungen von 1,66 Dollar und den 1,50 Dollar, die MC im Vorjahr verdient hatte. Der Nettoerlös lagen mit 3,9 Mrd. Dollar ebenfalls über den Schätzungen (3,86 Mrd. Dollar) und lagen im Jahresvergleich um 9% höher (währungsbereinigt sogar 13%). Das Brutto-Dollar-Volumen stieg im ersten Quartal um 12% auf 1,5 Billionen Dollar an, exakt hälftig aufgeteilt auf Kredit- und Debitkarten, während das Einkaufsvolumen um satte 12% zulegte.

Was besonders überzeugt, ist die stringente Kostendisziplin. Die betrieblichen Aufwendungen sanken im ersten Quartal um 5% und lagen, bereinigt um einige außerordentliche Positionen nur um 2% über dem Vorjahreswert. Beeindruckend, aber nicht überraschend - für mich jedenfalls nicht. Denn MasterCard hinkt bzgl. der Rentabilität noch immer hinter dem großen Wettbewerber VISA hinterher und einer meiner Gründe für ein Investment in MasterCard und nicht in VISA ist, dass ich davon ausgehe, dass MasterCard es mindestens genauso gut kann, wie VISA es vormacht. Daneben ist MasterCard kleiner und hat damit noch mehr Spielraum zum Wachsen und ist agiler, auch hinsichtlich seiner Beteiligungen an aussichtsreichen Partnern. Daher ist und bleibt MasterCard - neben PayPal - mein Top-Wert im aussichtsreichen Boommarkt der Payment-Lösungen.

Und dann sind da noch die Aktienrückkäufe. Im ersten Quartal steigerte Mastercard auch sein Aktienrückkaufvolumen und kaufte 8,7 Millionen Aktien für 1,8 Mrd. Dollar zurück. Weitere 4,5 Mrd. Dollar stehen als genehmigte Mittel zu diesem Zweck noch zur Verfügung. Blickt man hingegen auf die bescheidene Dividendenrendite, wird die Präferenz von MasterCard schnell klar - und beim Blick auf den Chartverlauf über die letzten Jahre zeigt sich, dass MasterCard es genau richtig macht und seine Aktionäre hervorragend an seinen unternehmerischen Erfolgen teilhaben lässt. Nahezu perfekt...

Mein Investmentcase zu MasterCard


Softbank Group

Der Kurs des japanischen Beteiligungs- und Venture Capital-Konzerns Softbank Group kam gegen Ende der Woche richtig ins Laufen, weil es Gerüchte gibt, man wolle den Softbank Vision Funds an die Börse bringen. Der ist ja 100 Mrd. Dollar schwer und Softbank hat selbst mal 25 Mrd. Dollar davon beigesteuert. Das ist einige Jahre her und der Funds ist inzwischen annähernd komplett investiert. Die Bewertungen der früheren Beteiligungen sind heute vermutlich deutlich höher als früher, so z.B. beim selbst vor dem IPO stehenden Fahrdienstleister Uber oder bei WeWork, Slack, Auto1 oder Nvidia. WeWork hat sich inzwischen in We Company umbenannt, weil man neben Workspace auch Wohnraum vermieten will. Und... man hat bereits im Dezember bei der US-Börsenaufsicht seine Pläne für ein IPO eingereicht, die sich nun zu konkretisieren scheinen.

Mal ein simplifiziertes Rechenbeispiel: sollten die Beteiligungen des Fonds unterm Strich 50% höher bewertet werden beim Börsengang als beim Einstieg, würde der Fonds mit 150 Mrd. Dollar bewertet. Softbanks Anteil würde dann statt 25 Mrd. 37,5 Mrd. Dollar ausmachen, ein Buchgewinn von 12,5 Mrd. Dollar. Würde der Fonds mit einem 100% Aufschlag auf die ursprünglichen Einstandswerte loslegen, würde der Softbank-Anteil mit 50 Mrd. Dollar bewertet werden, also ein Buchgewinn von 25 Mrd. Dollar. Zum Vergleich: die Softbank Group wird aktuell mit rund 123 Mrd. Dollar bewertet. Und aus dem Zusammenspiel der beiden Zahlen erkennt man, welcher gewaltige Hebel hier drin steckt und dem entsprechend auch an Fantasie für die Softbank Group-Aktie.

Darüber hinaus würde eine Börsennotierung des Vision Funds die Softbank Group-Aktie leichter bewertbar machen. Softbank ist eine Beteiligungsgesellschaft und wenn der Funds an der Börse eigenständig bepreist wird, kann man leicht den auf Softbank entfallenden Börsenwert ermitteln. Zusätzlich bietet die Kapitalzuführung dem Fonds weitere Investitionsmöglichkeiten, das versteht sich. Allerdings verdient Softbank nicht nur direkt an dem Fonds, wegen der Kapitalbeteiligung, sondern auch als "Asset Manager" des Fonds, wodurch Provisionen und Gebühren an Softbank fließen. Und je größer das Volumen des Fonds, desto perspektivisch größer der Provisionsstrom an Softbank. Was ebenfalls zusätzliche Fantasie für die Softbank Group-Aktie birgt. Mir gefällt die Idee des Fonds-IPOs jedenfalls und ich hoffe, dass die laufenden Gespräche über eine Beteiligung des Sultanats Oman nur ergänzend wären und nicht das IPO obsolet machen würden...

▶ Mein Investmentcase zur Softbank Group


Steico

Der Hersteller Systemanbieter für den ökologischen Hausbau hat seine bisher vorläufigen Zahlen für 2018 bestätigt und seine Dividenden auf 0,25 Euro je Aktie (Vorjahr: 0,21 Euro) deutlich angehoben. Das kann er sich auch locker leisten, denn der positive Geschäftsverlauf setzte sich im ersten Quartal 2019 ungebremst fort und so kann Steico einmal mehr Rekordwerte bei Umsatz und Ergebnissen ausweisen. Der Umsatz legte um 19,8% auf 70,9 Mio. Euro zu, wobei der Anstieg vor allem durch die hohe Nachfrage nach ökologischen Dämmstoffen und Furnierschichtholz getragen wurde. Die Ergebnisse legten dabei erneut überproportional zu. So wuchs das EBITDA um 37,8% auf 13,0 Mio. und das EBIT um 37,5% auf 6,6 Mio. Euro. Die EBITDA-Marge legte auf 18,4% zu (Q1/18: 16,3%) und die EBIT-Marge auf 9,4% (Q1/18: 8,3%).

Die Börse feierte die Zahlen dann auch mit einem satten Kursanstieg; allerdings weist Steico selbst darauf hin, diese sehr positiven Steigerungsraten nicht einfach auf das Gesamtjahr fortzuschreiben. Denn die sehr erfreulichen Zuwächse resultieren auch aus einem verhältnismäßig schwachen ersten Quartal 2018 und aufgrund einer Preiserhöhung zum 1. März 2019 dürfte davon auszugehen sein, dass in den ersten beiden Monaten des abgelaufenen Quartals einige Vorzieheffekte in den Zahlen enthalten sind. Und natürlich lastet auch noch der anstehende/drohende Brexit über Steico, da der Konzern rund 15% seiner Umsätze im Vereinigten Königreich erzielt und neben dem Pfundkurs auch ein mögliches Wirtschaftschaos und/oder ein -abschwung nicht spurlos an Steico vorübergehen würde. Allerdings hat das Management ja nun auch reichlich Zeit gehabt, sich und das Unternehmen auf den Brexit vorzubereiten.

Insgesamt geht das Steico-Management davon aus, dass sich das Wachstum in den kommenden Quartalen dynamisch fortsetzen werde und sieht dem Gesamtjahr 2019 weiterhin sehr positiv entgegen, da sowohl Deutschland wie auch die anderen Kernmärkte eine stabile Baukonjunktur sowie einen dynamisch agierenden Holzbausektor aufweisen würden. Steico hatte zuletzt zusätzliche Kapazitäten bei den Holzfaser-Dämmstoffen aufgebaut und verfügt nach den Erweiterungsinvestitionen noch über Kapazitätsreserven beim Furnierschichtholz. Auf dieser Basis wurde der Ausblick für 2019 mit einem Umsatzwachstum oberhalb von 10% und einer EBIT-Quote zwischen 9% und 10% (in Bezug auf die Gesamtleistung) bestätigt - und damit auch mein Investmentcase.


Xylem

Das US-amerikanische Wassertechnologie-Unternehmen hat mit seinen Quartalszahlen und seinem reduzierten Ausblick auf das Gesamtjahr die Anleger verschreckt - jedenfalls kurzfristig. Xylem meldete im ersten Quartal einen Gewinn je Aktie von 0,52 Dollar und unterbot damit die Erwartungen der Analysten um 4 Cents. Der Umsatz im ersten Quartal lag bei 1,2 Mrd. Dollar und damit nur geringfügig unter den Erwartungen. Das bereinigte Nettoergebnis betrug 94 Mio. Dollar oder 0,52 Dollar je Aktie und lag damit währungsbereinigt um 12% über dem Vorjahreswert. Der Umsatz betrug 1,2 Mrd. Dollar und verzeichnete ein organisches Wachstum von 6%, während der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit um 32% gestiegen ist.

Xylem bestätigte seine Prognose für das organische Umsatzwachstum für das Gesamtjahr 2019 von 4% bis 6%, senkte jedoch die Gesamtjahresprognose für den bereinigten Gewinn je Aktie auf 3,12 bis 3,32 Dollar, während der Markt bisher durchschnittlich 3,30 Dollar erwartete.

Der Vorstand bewertete diese Ergebnisse mit einer robusten Nachfrage nach Xylems Lösungen zur digitalen Transformation der Branche, allerdings sei man selbst mit der Margen-Entwicklung im ersten Quartal enttäuscht. Präsident und CEO Patrick Decker bleibt allerdings zuversichtlich hinsichtlich der langfristige Wachstumsaussichten für das Wachstum und strebt eine eine Ausweitung der Gewinnmargen an.

Meine Einschätzung
An meinem Investmentcase haben die etwas verhaltenen Quartalszahlen und der leicht reduzierte Jahresausblick nichts geändert. Xylem tätigt hohe Investitionen und bedient den Megamarkt Trinkwasserversorgung und sauberes Brauchwasser für die Industrie. Kunden sind vor allem Wasserversorger und deren Investitionsvorhaben sind schwer planbar. Ich habe daher den heftigen, fast zweistelligen Kurseinbruch zum Aufstocken meiner Position genutzt.

▶ Mein Investmentcase zu Xylem


Angst und Gier & Ups and Downs


Der Fear & Greed Index von CNN Money hat vergangene Woche deutlich nachgegeben und ist auf 60 Punkte abgerutscht. Das sind 12 Zähler weniger als in der Vorwoche, doch die Stimmung signalisiert weiterhin "entspannte Gier".

Mein "operativer Net Worth" ist hat sich auch in der letzten Woche um weitere sehr erfreuliche 1,5% nach oben geschraubt und steht nun bei 27,5% (YTD), obwohl die meisten meiner hoch gewichteten US-Werte unterm Strich nicht viel gerissen haben. Den stärksten zwischenzeitlichen Ausschlag verbuchte Xylem, die am Donnerstag fast zweistellig einbrachen, sich aber bis Freitagabend wieder fast vollständig erholten.

Wie in der letzten Woche angekündigt, habe ich meine neue "Cash-Strategie" in einem eigenen Blogartikel ausführlich dargelegt. Ich bin also seit einiger Zeit schon annähernd vollständig investiert und während das Ergebnis im vierten Quartal 2018 während des starken Kurseinbruchs nicht so erfreulich war, profitiere ich in den ersten vier Monaten des laufenden Jahres stark von dem massiven Kursgewinnen. Der Ansatz, mich auf die besten Investments zu konzentrieren und ansonsten die Kurse einfach laufen zu lassen, zahlt sich wirklich aus. Sowohl beim Kurseinbruch und den größer werdenden roten Zahlen im Depot, als auch beim nachfolgenden Kursaufschwung der letzten Monate bin ich ziemlich entspannt bzgl. meiner Investments. Auch wenn nicht bei allen immer alles ganz glatt läuft. Aber das ist Teil der Börse und gehört dazu. Sonst wäre es ja auch langweilig.

Auf gut Börsengeschäfte. Es bleibt spannend...

Disclaimer
Alphabet, Berkshire Hathaway, Corning, Funkwerk, KKR, MasterCard, Softbank, Steico und Xylem befinden sich auf meiner Beobachtungsliste und in meinem Depot.

Kommentare:

  1. Konstantin05.05.19, 18:29

    Hallo Herr Kissig,

    vielen Dank für Ihr Update!
    Was meinen Sie bezüglich Funkwerk mit Ihrer Aussage: "Dafür werde ich mir Mitte Juli ein paar freie Mittel zur Seite legen, denn die Ankündigung wird den Kurs - kurzfristig - deutlich unter Druck bringen, vermutlich zwischen 10% und 20%."

    Ich verstehe Ihre Aussage so, dass Sie glauben, dass Funkwerk bei dieser Ankündigung um 10-20% fallen sollte und Sie dann günstig Funkwerk Aktien kaufen wollen.
    Aber sollte Funkwerk nicht steigen, wenn die Übernahmeankündigung von Hörmann erfolgt? Klar kann es sein dass der Preis niedriger ist als erhofft, aber er wird ja wohl deutlich über den aktuellen 16,30 € liegen. Insofern erwarte ich eher einen Anstieg der Aktien, sobald die Nachricht draußen ist.

    Vielen Dank im Voraus für Ihre Erklärung!

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    1. Naja, es kommt halt auf den Weg an, den Hörmann bei der möglichen Funkwerk-Übernahme beschreiten wird. Wenn es "reines" Übernahmeangebot wird mit entsprechendem Aufgeld auf den vorherigen Aktienkurs, dann wird der Kurs einen Sprung machen und sich in etwa bei diesem Niveau einpendeln. Sollte es aber eine Delistingankündigung geben, die mit einem Übernahmeangebot einhergeht, dann werden viele ihre Aktien sofort auf den Markt werfen, weil "Delisting" danach klingt, als könnte man bald die Aktien nicht mehr über die Börse handeln. In der Regel sackt der Kurs dann erstmal wegen des Überangebots ab und erholt sich dann mit der Zeit wieder. Auch weil Übernahme-Spezialisten, wie Scherzer & Co, Shareholder Value AG, Horus oder Allerthalwerke dann kaufen und auf die Abfindungsspekulation setzen.

      Wir werden abwarten müssen, wie es laufen wird. Sollte aber der Kurs einbrechen, stocke ich nochmal auf. Dazu muss ich natürlich Geld zur Verfügung haben und daher werde ich Dividendenzahlungen etc. aufsparen, um ab dem 10. Juli gewappnet zu sein. ;-)

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  2. Warum.soll denn Hörmann direkt im Juli bei Funkwerk zuschlagen? Es drängt sie doch niemand. Lieber mal ein halbes Jahr ins Land gehen lassen, und all die nervösen Auf Übernahme hoffenden Spekulanten rausschütteln und dann zu einem niedrigeren Kurs an die Sache ran gehen...... das wäre meine Strategie

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    1. Richtig, "drängen" tut niemand Hörmann, sich die restlichen Anteile an Funkwerk zu sichern. Die Frage ist doch aber, weshalb sollte Hörmann weiterhin mit den freien Aktionären teilen wollen? Schaut man auf die letzten fünf Jahre, hat sich der Kurs versiebenfacht. Wäre man 2014 nicht so stümperhaft zu Werke gegangen, hätte man heute den gesamten unternehmerischen Wertzuwachs alleine einfahren können (und damit meine ich nicht die Kurssteigerungen, sondern die Gewinnsteigerungen, die Dividenden etc.).

      Ich sage auch nicht, dass es am 11. Juli sofort zu einem Angebot kommt. Aber ab diesem Tag steigt die Wahrscheinlichkeit aus meiner Sicht signifikant an.

      Und... ich glaube nicht, dass im Streubesitz aktuell überwiegend Aktionäre sind, die (alleine) auf die Übernahme spekulieren. Das tue ich auch nicht; ich habe mich in ein kriselndes Unternehmen eingekauft, als sich abzeichnete, dass der Turnaround gelingt. Und freue mich seitdem über das Wiedererstarken des Unternehmens und die weiterhin sehr guten Aussichten. So wie die - aus meiner Sicht - meisten Mitaktionäre. Die mögliche Übernahme durch den Großaktionär ist nur ein möglicher zusätzlicher Kurstreiber/Effekt.

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  3. Moin,

    ich kopiere mal aus dem Fragen/Kritik-Thread hier rein:

    Moin Michael,

    Steico ist ja auf deiner Liste und sicher ein interessanter Wert. Laut dem letzten Bericht schätzt die GF den Brexit als Risiko ein.
    Nach meinen Recherchen entfallen 14% des Umsatzes auf Großbritannien.
    In einem "hard-brexit-Szenario, welches ich nach der bisherigen Parlamentshistorie dort als am wahrscheinlichsten einstufe, könnte das also schon empfindliche EInbussen zur Folge haben, im Aktienkurs bestimmt 20% abwärts oder mehr...

    Welche Auswirkungen siehst du in welchem Brexit-Szenario auf das Unternehmen und den Kurs?

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    1. Wie sich ein Brexit auswirken wird, egal in welcher Form er nun kommt, ist kaum abschätzbar. Meine Einschätzung dazu hatte ich ja oben im Artikel geschrieben: "Und natürlich lastet auch noch der anstehende/drohende Brexit über Steico, da der Konzern rund 15% seiner Umsätze im Vereinigten Königreich erzielt und neben dem Pfundkurs auch ein mögliches Wirtschaftschaos und/oder ein -abschwung nicht spurlos an Steico vorübergehen würde. Allerdings hat das Management ja nun auch reichlich Zeit gehabt, sich und das Unternehmen auf den Brexit vorzubereiten."

      Natürlich kann der Markt oder einzelne Aktien deutlich einbrechen, sollte es zu einem Hard-Brexit kommen. Aber das wäre rein der Psychologie geschuldet - und die Wahrscheinlichkeit für dieses Szenario dürfte inzwischen spürbar nachgelassen haben, das diese Karte ja wochen- und monatelang an den Börsen gespielt wurde. Mittel- und langfristig ist für den Kurs entscheidend, wie die Auswirkungen dann auf den Geschäftsverlauf sind. Und, wie gesagt, dafür ist das Management zuständig, die haben lange genug Zeit gehabt, das Unternehmen dafür zu wappnen. Da muss man als Anleger dem Vorstand schon vertrauen, sonst ist man in der Aktie falsch. Und wenn man als Anleger meint, die Geschäfte besser führen zu können als der Vorstand, dann auch. ;-)

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  4. Hallo

    Ist ne blöde Frage aber, würdest du eigentlich auch in Berkshire Hathaway investieren wenn Warren Buffett nicht mehr ist? Bzw. bist du der Überzeugung das die Firma auch ohne WB weiter so gut läuft. Er ist ja nun nicht mehr der Jüngste...

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    1. Warren Buffett ist wohl der bekannteste Value Investor der Welt. Aber er ist ja nicht der einzige, der diesem Ansatz konsequent folgt. Deine Frage stellt sich ja schon seit 15, 20 Jahren, oder? Auch als er 75 wurde oder bei seinem achtzigsten Geburtstag fragten die Leute, was wohl nach Buffett (und bitte Charlie Munger nicht vergessen!) bei Berkshire Hathaway kommen wird. Und die Antwort ist: wir wissen es nicht. Buffett und Munger sind herausragend. Aber... sie treffen ja schon lange keine einsamen Entscheidungen mehr, sondern diskutieren diese in einem größeren Team. Dazu gehören Todd Combs und Ted Weschler, aber auch Anit Jain, der die Versicherungssparte leitet oder lange Zeit Tony Nicely, der kürzlich als CEO von GEICO in den Ruhestand verabschiedet wurde. Die haben eigene Investmentgelder bei unter dem Dach von Berkshire investiert und daher sind die Erfolge von Berkshire schon länger nicht mehr nur auf Buffett und Munger alleine zurückzuführen.

      Wenn Buffett (und Munger) nicht mehr bei Berkshire aktiv sind, wird das eine Zäsur sein. Andererseits lebt das Prinzip des Value Investings auch nach ihnen weiter und ich gehe davon aus, dass Berkshire auch künftig nach diesem Prinzip geführt und sein Geld anlegen wird. Daher wird es sich ohne Buffett und Munger zwar komisch anfühlen, leerer, weniger besonders, aber die Berkshire-DNA dürfte fortbestehen. Und damit auch Aussicht auf weiterhin herausragende Investmenterfolge.

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  5. Kurzer Hinweis: Interview mit CEO
    https://www.brn-ag.de/35745-Funkwerk-Kerstin-Schreiber-Umsatz-2019
    So tiefstapelig ist es doch gar nicht, oder?!

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