Sonntag, 21. April 2019

Kissigs Klookschieterei: Die Börsenwoche 16/2019 im Rückspiegel mit Amazon, DIC Asset, Softbank Group, Technotrans, Zalando

Die letzte Woche ging an Deutschland; während der Dow Jones und der NASDAQ jeweils knapp 1% gewannen, legten DAX und MDAX jeweils deutlich über 2% zu. Dabei ist Berichtssaison und bei den US-Werten kann man bisher feststellen, dass nur wenige ihre oft eher zurückhaltenden Prognosen nicht erreicht haben; allerdings ist das Gewinnwachstum auch auf das niedrigste Niveau seit 2016 zurückgefallen. Die vielen Handelskonflikte auf der Welt, aber vor allem die spürbar nachlassenden Wachstumsraten in China zeigen also durchaus ihre negative Wirkung.

Hieraus abzuleiten, dass nun der große Börsenabschwung unmittelbar bevorsteht, könnte aber überzogen sein. Larry Fink, Chef des weltgrößten Vermögensverwalters BlackRock, sieht jedenfalls umgekehrte Anzeichen, wenn auch aus anderen Gründen. Fink argumentiert nicht so sehr mit den Unternehmenszahlen, sondern mit Liquidität. Nach seiner Auffassung stehen die Börsen vor einem "Melt-up", also einem Vulkan artigen Ausbruch. Denn, so Fink, der bisherige Anstieg der Börsenkurse im laufenden Jahr sei an vielen Großinvestoren vorbei gegangen, die weiterhin auf hohen Cash-Quoten säßen und dank der wieder sinkenden Zinsen keine attraktiven Investitionsmöglichkeiten fänden für ihr Geld. Dieser Liquiditätsberg würde in absehbarer Zeit zurück in Aktien fließen, die als einzige Anlageform attraktive Renditen verspreche. Und dieser liquiditätsgetriebene Schub wird die Aktienkurse massiv nach oben treiben.

Diese Ansicht hat vieles für sich. Andererseits muss jedem klar sein nach fast zehn Jahren Börsenaufschwung, dass dieser massive Push dann auch das Finale der derzeitigen Hausse sein könnte dürfte. Denn ein solcher zu erwartender starker Anstieg wird unweigerlich dazu führen, dass die Boulevardpresse das Thema aufgreift und sobald BILD & Co. auf den Titelseiten zum Einstieg blasen, ist es Zeit, aus dieser dann losgetretenen "Dienstmädchenhausse" auszusteigen und sein Geld vom Tisch zu nehmen. Doch bevor es soweit ist, warten wir mal erstmal ab, ob es überhaupt und ggf. wann zum "Melt-up" kommt...


Börsentheater, 1. Akt: Die Politik


Beim Brexit ist erstmal die Luft raus und es rückt die Europawahl ins Blickfeld. Geradezu schizophren ist dabei natürlich, dass jetzt die Briten auch an der Europawahl teilnehmen müssen, obwohl sie ja aus der EU ausgetreten sind bzw. sein wollten, bzw. bald sein werden. Oder so ähnlich.

"The Don" war etwas in der Defensive, weil der Mueller-Bericht nun (weitgehend) veröffentlicht wurde. Und wie nicht anders zu erwarten, findet sich jeder in seiner Meinung bestärkt. "Donaldissimo" sieht sich vollständig rehabilitiert, während Demokraten seinen Rücktritt oder gar ein Amtsenthebungsverfahren fordern. Wird beides wohl kaum passieren, "The Don" wird nicht aus dem Amt scheiden, jedenfalls nicht vor dem Ende seiner Amtszeit.

Alles in allem eine weitere recht ruhige politische Woche. Nicht das Schlechteste für die Börse...


Börsentheater, 2. Akt: Die Unternehmen


Es gab in der letzten Woche wieder einige bemerkenswerte Entwicklungen bei Unternehmen, die ich auf meiner Beobachtungsliste habe.


DIC Asset 

DIC Asset steht ein Geldregen von brutto 376 Mio. Euro ins Haus aus dem Verkauf der TLG-Anteile. Vorstandschefin Sonja Wärntges hat sich nun zu Wort gemeldet, und verraten, was sie mit dem Geld anzufangen gedenkt. Und dabei klar gestellt, dass sie keine Sonderausschüttung plant, wie seinerzeit nach dem WCM-Deal, als es 0,20 Euro oben drauf gab auf die Dividenden. Vielmehr solle das Geld in das Portfolio von DIC Asset und das Fondsgeschäft investiert werden. Aktuell entfallen zwei Drittel der DIC-Investments auf den Ausbau des eigenen Bestands und ein Drittel auf das Fondsgeschäft. Das geplante Ankaufsvolumen für 2019 beziffert Wärntges auf rund 500 Mio. Euro.

Aktienrückkäufe präferiert sie nicht; DIC Asset wolle lieber das Volumen steigern, um noch besser von Größenvorteile profitieren zu können. Und nach diesen Aussagen schrumpft auch meine Hoffnung/Erwartung, dass DIC Asset das Geld - zumindest teilweise - in eine weitere "schlau eingefädelte" Übernahme eines Wettbewerbers stecken könnte. Wird aus der DIC Asset also doch kein "Corporate Raider", wie ich es vor einiger Zeit spitz formuliert hatte? Abwarten. Denn der Ankauf eines Portfolios kann ja sowohl durch Direktinvestments in Liegenschaften erfolgen oder durch Übernahme von Projekt- und/oder Objektgesellschaften. Und wer sagt denn, dass diese nicht börsennotiert sein können/dürfen?


Softbank

Widersprüchliche Nachrichten gab es bei Softbank. Der japanische Beteiligungs- und Venture Capital-Konzern musste die Nachricht verdauen, dass es in den USA bei der Fusion bzw. Übernahme seiner Telekom-Tochter Sprint durch T-Mobile (US) auch im dritten Anlauf erhebliche Bedenken gibt. Schlechte News für Softbank, denn Sprint verliert in den USA weiter Marktanteile - vor allem an T-Mobile. Und wie in Deutschland steht dort die Versteigerung von 5G-Lizenzen an und der dann folgende enorme Investitionsbedarf zum Aufbau des 5G-Netzes. Das möchten die Nummer drei und vier in den USA gerne zusammen machen.

Auf der anderen Seite elektrisieren momentan Milliarden-IPOs die Wall Street. Nachdem die Rocket Internet-Tochter Jumia und Lyft an die Börse rasten, gelang nun auch Pinterest ein fulminanter Börsengang und ein satter Aufschlag von 25% zum Handelsstart. Und mit Uber steht der vielfach größere Lyft-Konkurrent unmittelbar in den Startlöchern. Für Softbank winken hier hohe Gewinne, denn man war auf dem Hochpunkt des Skandals um den damaligen CEO und Mitgründer Travis Kalanick Ende 2017 mit rund 15% bei Uber eingestiegen und konnte die Anteile damals mit saftigem Rabatt einsammeln. Uber wurde bei Softbanks Einstieg mit 40 Mrd. Dollar bewertet, während Uber zum IPO nun mit bis zu 120 Mrd. Dollar bewertet werden könnte. Eine Verdreifachung des Einsatzes in weniger als anderthalb Jahren, und zwar im Milliardenbereich, das wäre schon eine echte Hausnummer. Was auch die Google-Mutter Alphabet erfreuen würden, denn die halten etwas mehr als 5% an Uber.

Kurz vor dem IPO hat der 100 Mrd. Dollar schwere Investmentarm Softbank Vision Funds, an dem Softbank selbst 25% hält, sich mit einer Milliarde Dollar an Ubers Einheit für autonomes Fahren beteiligt. Softbank setzt stark auf dieses Segment und hatte erst vor einem halben Jahr gemeinsam mit Toyota eine Mobilitätsfirma namens Monet gegründet, die ab 2020 autonome Fahrzeuge anbieten soll. Daneben hat Softbank knapp 2,25 Mrd. Dollar in die Division von General Motors investiert, die selbstfahrende Autos entwickelt und in Grab und Didi (ein chinesischer Uber-Clon) investiert. Aber auch in  Halbleiterfirmen wie ARM und Nvidia, die führend sind bei Chips für Künstliche Intelligenz (KI) und Big Data, sowie weitere 940 Mio. Dollar in das Startup Nuru von zwei ehemaligen Google-Managern, das autonom fahrende Mini-Vans entwickelt.

Der koreanisch-stämmige Softbank-Günder und CEO Masayoshi Son gilt als zweitreichster Asiate und baut seine Telekom-Beteiligungsgesellschaft gerade zu Venture Capital-Powerhouse um. Der Telekombereich wurde denn auch vor einiger Zeit erfolgreich separat in Japan an die Börse gebracht.

Softbank ist in den vier Geschäftsbereichen Mobilfunk, Internet, Robotik und Energie tätig und unter dem Dach der Holding finden sich inzwischen mehr als 1.000 Tochtergesellschaften. Zu diesen gehören u.a. der US-amerikanische Mobilfunker Sprint (Softbank-Anteil 83%), Yahoo Japan (48%), Alibaba (29,5%; im Jahr 2000 für 20 Mrd. Mio. Dollar gekauft), Nvidia und ARM.

In den Softbank Vision Funds steckte Softbank selbst 25 Mrd. Dollar, Saudi Arabien hat 45 Mrd. Dollar beigesteuert und weitere Milliarden-Spritzen kamen von Apple, Qualcomm, Foxconn und Sharp. Son hat hier einen Hebel geschaffen, und kann so größere Investments eingehen bei nur 25% Eigenkapitalanteil seitens der Softbank Group. Für Softbank fallen hierfür Provisionen ab und solche Geschäftsmodelle liebe ich ja ohnehin. Interessante Investments des Vision Funds sind u.a. WeWork, Slack oder Auto1. Nicht mehr dabei ist die indische Flipkart, in das Son 2,5 Mrd. Dollar investiert hatte und das nach kurzer Zeit von Walmart übernommen wurde. Der Vision Funds konnte seinen Anteil für 4 Mrd. Dollar veräußern. An Nvidia hält der Vision Funds 4,4% der Anteile und hat kürzlich angekündigt, diese zur Disposition zu stellen.

Softbanks Achillesferse ist die enorme Verschuldung von knapp 160 Mrd. Dollar. Die günstigen Zinsen spielen dem Unternehmen nach wie vor in die Karten, aber diese offene Flanke muss das Unternehmen angehen. Der Umbau weg von einem Telekomdienstleister hin zu einer Beteiligungsfirma ist ein wesentlicher Schritt, aber nicht der einzige. Dass einzelne Töchter separat an der Börse gelistet werden, erhöht die Transparenz und bringt darüber hinaus frisches Geld in die Kasse. Die Telekom-Tochter "Softbank Corp." brachte beim IPO in Japan Mitte Dezember 2018 rund 18 Mrd. Dollar ein für einen Anteil von 36,85%. Die restlichen 63,15% der aktuell mit rund 45 Mrd. Dollar bewerteten Tochter hält weiterhin die Mutter Softbank Group.

Meine Einschätzung
Mit der Softbank Group setzt man auf den Visionär Son, der frühzeitig auf chinesische Wachstumsunternehmen gesetzt hat (Alibaba) und Milliarden in aufstrebende Technologie-Unternehmen pumpt. Solange die Börsenlage sich nicht nachhaltig eintrübt und die Zinsen nicht deutlich ansteigen, ist weiterhin viel Geld auf der Suche nach Ideen und Softbank verdient sich hier eine goldene Nase. Wichtig ist aus meiner Sicht, dass jeweils ein Teil des eingenommenen Geldes auch zum Abbau der erheblichen Verschuldung eingesetzt wird. Damit meine ich nicht zwangsläufig in absoluten Zahlen, sondern relativ betrachtet zum Wert des Gesamtunternehmens. Sehr positiv ist, dass Softbank nicht (mehr) nur auf Exit-Erlöse angewiesen ist, sondern durch operative Gewinne der Töchter und durch die Provisionen aus dem Management des Vision Funds regelmäßige Einnahmen generiert.


Technotrans

Keine guten Nachrichten hatte Technotrans parat. Nachdem bereits 2018 nicht wirklich mehr rund lief, hatte ich Mitte Februar einsehen müssen, dass mein Investmentcase nicht mehr so richtig zieht und dem entsprechend meine Position nach etwas mehr als zwei Jahren mit rund 39% Gewinn glattgestellt. Nun hat Technotrans Zahlen zum ersten Quartal vorgelegt und die machen keinen guten Eindruck. Während der Umsatz nur geringfügig unter den Planwerten liegt, gab es beim EBIT und dem entsprechend bei der Marge einen deutlichen Einbruch. Woraus dieser resultiert, wurde nicht mitgeteilt. Vermutlich ist aber nicht der eher verhaltene Bereich Drucktechnik, sondern es dürfte wohl an der Schwäche des Automobilsektors liegen, wo Technotrans ja als Zulieferer (bisher) recht erfolgreich unterwegs ist. Dieser Sektor steht weiterhin stark unter Druck und daher dürfte sich auch keine schnelle Besserung abzeichnen. Technotrans selbst teilte mit, man prüfe derzeit, ob der schlechte Jahresstart Auswirkungen auf die Jahresprognose haben wird. Das erinnert mich stark an Surteco, wo ähnliche Formulierungen gewählt wurden, die man als versteckte Gewinnwarnung verstehen konnte. Und musste. Ich will jetzt nicht die Pferde scheu machen, aber sollte Technotrans wirklich seine ohnehin verhaltenen Prognosen eindampfen müssen, dürfte die aktuelle Bewertung kaum zu halten sein. Mit entsprechend negativen Auswirkungen auf den Kurs. Keine schönen Aussichten...


Zalando/ Amazon

Der Internet-Modehändler Zalando stammt aus der Startup-Schmiede von Rocket Internet-CEO Oliver Samwer und ich hatte mir den Wert schon einmal Ende 2017 angesehen ("Zalando: Amazon-Rivale oder einfach nur maßlos überschätzt?"). Damals habe ich (noch) nicht zugeschlagen, aber positive Argumente gab es damals schon eine Reihe. Mitte 2018 war dann die Herrlichkeit vorübergehend erstmal vorbei, als Zalando eine heftige Gewinnwarnung aussprechen musste. Man wollte und musste deutlich mehr investieren, um mit dem großen Rivalen Amazon mithalten zu können.

Und nun habe ich Anfang letzter Woche doch noch bei Zalando zugeschlagen. Kurz vor der Zahlenvorlage, mit der Zalando dann die Börse beglückte und die den Kurs deutlich ansteigen ließ. Zur Abwechslung mal ein glückliches Händchen beim Timing - aber ich habe die Aktie nicht wegen der Zahlenvorlage gekauft. Obwohl ich nicht davon ausgegangen bin, dass Zalando erneut enttäuschen würde. Nein, ich habe mir Zalando aus anderen Gründen ins Depot gelegt. Seit einiger Zeit kauft Aufsichtsratsmitglied und Großaktionär Anders Holch Povlsen Zalando-Aktienpakete und der dänische Multi-Milliardär hält auch 26,66% der Anteile an ASOS, dem britischen Mitbewerber; Povlsen ist bei ASOS größter Aktionär. Daraus kann man nun Übernahme- oder Fusionsphantasie zusammenbasteln; ich hatte ja Ende 2017 schon spekuliert, dass Zalando durchaus als Übernahmekandidat für den Markteintritt in Europa fungieren könnte für Alibaba oder ähnliche "Kandidaten". Aber auch dieses mögliche Szenario ist nicht mein Kaufgrund.

Nein, ich habe Zalando-Aktien gekauft, weil Jeff Bezos seinen aktuellen Brief an seine Amazon-Aktionäre herausgegeben hat. Und darin hat er seinen Schwerpunkt auf das Marktplatzgeschäft von Amazon gelegt, das in 2015 das eigene Handelsgeschäft überholt hat. Bezos führte aus, dass Amazon inzwischen 58% seiner Umsätze mit Drittanbietern mache, die Amazon als Plattform für ihren Vertrieb nutzten. Beim Börsengang 1999 waren es lediglich 3%. Amazon ist in den USA inzwischen bei mehr als 50% der Suchanfragen für Produktkäufe die erste Anlaufstelle, womit man Google bei den Kaufwilligen klar das Wasser abgegraben hat. Und aus diesem Grund gelingt es Amazon auch, im Bereich Advertising so stark (und profitabel) zu wachsen. Denn die Werbetreibenden erkennen durchaus, dass es einen erheblichen Unterschied macht, ob sie für Suchergebnisse bezahlen, die nur allgemeines Interesse bringen (Google), oder ob die Suchanfrage von Interessenten kommt, die dann die gefundenen Produkte auch kaufen wollen.

Doch was hat das mit Zalando zu tun?
Tja, wie auch Amazon bietet Zalando eigene Waren/Marken an. Damit hat man eine höhere Marge erzielt also durch das reine Anbieten von Fremdprodukten. Amazon hat zuletzt immer mehr Eigenmarken ins Sortiment aufgenommen (wie Batterien oder Kosmetik), diese aber nicht mehr so stark forciert bei den Suchergebnissen, um die Drittanbieter nicht zu vergraulen. Zalando ist hier ebenfalls zurückgerudert vor einiger Zeit und hat seine Strategie wieder geändert. Man setzt stärker darauf, zu einer Plattform für Drittanbieter zu werden und das auch jenseits des Modebereichs. Wo man europäischer Marktführer ist. In Deutschland ist Amazons größter Konkurrent in Sachen Onlinehandel übrigens Otto. Und auch Otto änderte vor einigen Monaten seine Strategie und will seine Website zu einer Plattform wandeln, über die auch Drittanbieter ihre Produkte anbieten können. Allerdings weist Otto genauso wie Amazon den Makel auf, dass man eben auch sehr stark eigene Produkte anpreist bzw. selbst als Händler auf der Plattform (dominierend) aktiv ist. Und über die Suchergebnisse und die Verkaufszahlen usw. Daten in die Hand bekommt von (potenziellen) Wettbewerbern. Das ist genau das Konfliktfeld: wer nicht über Amazon anbietet, verzichtet von vornherein auf einen großen Teil der Online-Kundschaft und muss enorme Summen in eigenes Marketing investieren. Hier versucht Zalando nun, viel früher die Kurve zu kriegen und sich als "neutraler" Marktplatz zu etablieren.

Die Wachstumsziele von Zalando sind ambitioniert: so will man sein Handelsvolumen innerhalb von fünf Jahren auf 20 Mrd. Euro verdreifachen und dabei den Umsatz auf 13 Mrd. steigern (aktuell 5,4 Mrd. Euro). Der Marktplatzanteil, der heute rund 10% beträgt, soll deutlich überproportional auf dann 40% ausgebaut werden.

Und genau dieser Plattform-Ansatz ist die eigentliche Triebfeder, Zalando als "Börse", als Marktplatz. Die Marke ist bekannt und die vielen eigenen Logistikzentren bieten - auf deutlich kleinerer Flamme - grundsätzlich ähnliche Aussichten wie Amazon es vormacht. Im Bereich des Cloud-Computing zeigen die Erfolge von Microsoft (Azure) gerade bei US-Retailern, die von Amazon in ihrem Kerngeschäft bedrängt werden, dass diese nach alternativen Lösungen jenseits von Amazon suchen. Bei Zalando könnte ein ähnlicher Effekt einsetzen, dass nämlich kleinere Anbieter und Konkurrenten von Amazon zusätzlich oder ganz auf Zalando als Vertriebsplattform setzen. Und genau hier steckt der eigentliche Trigger für Zalando und sein künftiges Wachstum. Und deshalb bin ich nun hier an Bord. Wegen der neuen, sehr aussichtsreichen, Ausrichtung - und das in Kombination mit einer latenten Übernahme- oder Kooperationsphantasie. Nicht durch Amazon, sondern von dessen Gegnern...


Angst und Gier & Ups and Downs


Der Fear & Greed Index von CNN Money hat vergangene Woche nur leicht nachgegeben und ging mit 70 Zählern ins Osterwochenende . Die Stimmung signalisiert weiterhin "entspannte Gier".

Mein "operativer Net Worth" ist hat sich über die Woche nicht verändert und steht weiterhin bei 23% (YTD). Damit hat er nicht nur die Verluste aus dem vierten Quartal 2018 vollständig ausgeglichen, sondern auch seinen bisherigen Höchststand aus dem Herbst letzten Jahres übertroffen. Des Weiteren liegt die bisherige 2019er Performance in absoluten Zahlen über dem Gewinn, den ich in meinem Rekordjahr 2017 eingestrichen habe. Damit bin ich mehr als zufrieden und das wäre als Ergebnis am Jahresende eine herausragende Rendite. Fühlt sich an wie ein vorgezogenes Ostergeschenk; andererseits habe ich gelesen, dass der April der statistisch beste Börsenmonat ist (nach dem Juli). Also lass ich es mal einfach laufen und freue mich einfach nur, dass mein "stoisches Aussitzen" während des jüngsten Börsencrashs (so schnell) belohnt wurde.

Auf gut Börsengeschäfte. Es bleibt spannend...

Disclaimer
Amazon, DIC Asset, Microsoft, Rocket Internet, Softbank und Zalando befinden sich auf meiner Beobachtungsliste und in meinem Depot.

Kommentare:

  1. Moin Moin,

    wo du hier geschrieben hast "Geld vom Tisch nehmen: Steigst du komplett aus dem Aktiengeschäft aus, sobald sich ein Crash andeutet? Also verkaufst alle deine Aktien?
    Hätte dich gar nicht so eingeschätzt - oder hab ich dich falsch "gelesen"?

    Gruß

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    1. Das kann ich Dir heute nicht sagen. Ich spreche von einer bestimmten Situation, die ich schon zweimal miterlebt habe und ob diese eintrifft, muss sich erst noch herausstellen. Und wenn bzw. falls es soweit ist, werde ich entscheiden.

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    2. Widerspräche das nicht gänzlich dem Value-Ansatz? Der Wert der Unternehmen ändert sich ja durch einen Crash nicht, sondern nur deren Kurs. D.h. in einem solchen Fall solle man doch eher nachkaufen als versuchen, im Vorhinein zu versuchen den Markt zu timen.

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    3. ja exakt @ ebenfalls anonym, das hatte mich verwirrt. Ich bin ohne Panikverkäufe durch 2018 gegangen und bin jetzt auch sehr froh darüber, da der Markt in 2019 so schnell wieder angezogen hat. Das hätte (ich zumindest) gar nicht timen können.

      Vor einigen Wochen hat Michael noch zitiert: "Time in the market beats Timing the market". Ich hätte Michael jetzt eher der "Aussitzen"-Fraktion zugeordnet.
      Aber jeder Crash ist natürlich anders, und bestimmte Situationen erfordern bestimmte Herangehensweisen. Bin gespannt, ob der seit Jahren herbeigeredete Crash denn nun dieses Jahr endlich kommt, und wie Michael dann reagiert.

      Wie ordnest du eigentlich das, was in 2018 passiert ist terminologisch ein, Michael? War das kein Crash? Was ich so gesehen habe, haben viele Werte und auch die Indizes ja zumindest einmal kräftig gehustet...

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    4. Das ist ja eher eine akademische Diskussion hier, denn ich habe eine Situation beschrieben, die vielleicht eintreten kann. Und dass ich noch nicht genau weiß, wie ich mich dann verhalten werde. Ein Grundgedanke des Value Investings ist Kapitalerhalt. Wenn man also zu der Überzeugung kommt, dass "der Markt" völlig überkauft ist und es zu einem massiven Einbruch kommen wird, weil (fast) alle Aktien deutlich über ihren fairen Werten notieren, dann sollte man entsprechend handeln. Wie Warren Buffett auch schon mal. Der hat seine Partnerships aufgelöst, als er über einen längeren Zeitraum hinweg keine kaufenswerten Aktien mehr gefunden hat. Das ist zwar Jahrzehnte her, und heute würde er anders agieren. Was aber an zwei Faktoren liegen dürfte: er besitzt heute Unternehmen vollständig und nicht mehr nur kleinere Anteile an ihnen wie damals. Und er hat ein Investitionsvolumen im dreistelligen Milliardenbereich; Buffett kann also gar nicht einfach mal so Aktien verkaufen, wenn und wann er will, sondern er muss immer auch die Auswirkungen seines Handelns berücksichtigen, weil er den Markt deutlich beeinflussen könnte und würde.

      Also, lasst uns abwarten, ob es zu einer Dienstmädchenhausse kommt und die Kurse komplett irrational werden. Dann werde ich schon sagen, wie ich mich dann entschieden habe. Verkauf, Absicherung (über Puts) oder Aussitzen.


      P.S.: Für mich war 2018 ein Crash. Denn die "Korrektur" lag deutlich über 15% und sie ging über mehrere Wochen. Dass sich die Kurse im Anschluss so schnell wieder erholt haben und nicht erstmal monatelang oder gar jahrelang am Boden lagen, ändert nichts dran. Die wesentlichen Charakteristika eines Crashs, Fallhöhe und Muster, sind/waren vorhanden. Und die emotionale Belastung aller Beteiligten auch...

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  2. Ich bin gespannt, ob ich den nächsten Crash kommen sehe...denn ab wann ist denn eine Aktie oder "der Markt" überkauft?
    Aktuell sehe ich das genau so wenig wie 2018. Nur eine Minderheit der Deutschen ist überhaupt in Aktien investiert, und das 25-fache KGV ist das höchste der Gefühle, was mein Depot anzubieten hat.
    Heftige Überbewertungen sehe ich nur bei Techriesen und Cannabis-Anbauern, und die Tech-Bewertungen kann man noch halbwegs argumentieren.
    Dass der Markt aufgrund von Marihuana-Aktien zugrunde geht, halte ich für unwahrscheinlich...da müsste jetzt also tatsächlich noch der ein oder andere die Kurse hochtreiben, bevor ich das Wort "überkauft" in den Mund nehmen würde.

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    1. "Aktuell" sehe ich auch keine Gefahr für einen "großen Crash"; ich habe ja im Artikel (und unter "Dienstmädchenhausse" beschrieben, was da zusammenkommen muss. Und dieses Szenario herrscht aktuell (und auch Ende 2018) definitiv nicht vor.

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