Donnerstag, 8. April 2021

Charlie Munger's Daily Journal kauft sich bei Alibaba ein - gleich mit 19% des Vermögens

Charlie Munger hat Aktien der Alibaba Group gekauft. Und zwar nicht für seine mit Warren Buffett gemeinsam betriebene Investmentholding Berkshire Hathaway, sondern für seine eigene Vermögensverwaltung, die Daily Journal Corp., die er 1977 übernahm und Chairman ist.

Nach vielen Jahren hat Munger nun mal wieder zugeschlagen. Er agiert äußerst selten und zwar immer nur dann, wenn er sich absolut sicher ist, eine Jahrhundertgelegenheit gefunden zu haben. Dann steigt er groß ein und zwar nicht mit Kleckerbeträgen.

"Es erfordert Charakter, auf so viel Geld zu sitzen und nichts zu tun. Aber ich bin nicht deshalb so erfolgreich, weil ich mich mit mittelmäßigen Gelegenheiten abgegeben habe."
(Charlie Munger)

Im Portfolio von The Daily Journal ist die größte Position die Bank of America (45%) gefolgt von Wells Fargo (32%). Gleich auf Rang drei stieg nun Alibaba mit 19% Depotanteil ein vor U.S. Bancorp. (4%).

"Kluge Menschen investieren massiv, wenn die Welt ihnen eine Gelegenheit dazu bietet. Wenn sie gute Chancen haben, wetten sie im großen Stil. Den Rest der Zeit lassen sie es bleiben. So einfach ist das."
(Charlie Munger)

Auf einen Schlag ein Fünftel seines Vermögens in eine neue Aktie zu stecken, spricht für eine große Überzeugung. Munger sieht in Alibaba eine dieser großartigen Gelegenheiten, denn der Kurs steht unter Druck, seitdem die chinesische Regierung den Börsengang der Finanztochter Ant torpediert und seitdem Ant und die Mutter Alibaba selbst mit immer neuen Regulierungen drangsaliert. Ungeachtet dieses Gegenwind im Heimatmarkt expandiert Alibaba in weitere Segmente und Regionen und stärkt seine verschiedenen Standbeine, wie die Logistik.

"Jedes intelligente Investieren ist das Investieren in Werte - mehr bekommen als das, wofür du bezahlst. Investieren ist, wenn du einige großartige Unternehmen findest und dann auf deinem Hintern sitzt."
(Charlie Munger)

Neben Charlie Munger setzt auch die Softbank Group auf Alibaba, denn dort ist man im Jahr 2000 beteiligt, als man für einen Anteil von 29,5% $20 Mio. ausgab. Heute hält Softbank Group noch rund 26%. Dem entsprechend hängt der Softbank-Kurs maßgeblich an der Entwicklung des Aktienkurses der Alibaba Group. Und dass Charlie Munger gerade hier einsteigt belegt, wie unterbewertet diese Aktie ist und wie viel Potenzial noch in Chinas führendem Internetpowerhouse steckt.

Disclaimer: Habe Berkshire Hathaway, Softbank Group auf meiner Beobachtungsliste und/oder in meinem Depot/Wiki.

15 Kommentare:

  1. Hallo Herr Kissig, was halten sie denn persönlich von Alibaba als Direkt-Investment? Wenn ich aus ihren Blog herausgelesen habe, scheuen sie China-Investments.

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    1. Ja, ich bin nicht so der Freund von China-Direktinvestments. Ich bin indirekt bei Tencent (über Prosus) und bei Alibaba (über Softbank Group) beteiligt, die ja dort größte Anteilseigner sind. Das reicht mir als Engagement.

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  2. Der Einstieg von Charlie Munger belegt gar nichts, ausser das er für das Investment noch Chancen sieht. Nur weil große Investoren etwas machen bedeutet das nicht gleich etwas.

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    1. Genau das sehe ich in diesem Fall anders. Gerade weil Charlie Munger nur alle paar Jahre in ein neues Unternehmen investiert, hat es dann eine große Bedeutung. Es sollte für alle ein Denkanstoß sein, keine Aufforderung, es ihm einfach blind nachzumachen...

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  3. Finde den Kauf auch sehr beachtenswert.
    Aber das Bild ist uneinheitlich wenn man schaut welche Gurus Alibaba auch verkaufen.
    Stanley Druckenmiller zB hat Alibaba komplett verkauft.

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    1. Da muss man aber auch immer den Zeitfaktor berücksichtigen. Druckenmiller und viele andere suchen die schnelle Chance und verkaufen wieder, wenn sie woanders bessere Gelegenheiten wittern. Munger, trotz seiner inzwischen 97 Jahre, investiert mit seeeeeehr langem Zeithorizont, für Jahrzehnte. Munger hatte schon vor Jahren gesagt, dass die Zukunft in China liegt und dass dort die größten Chancen für Aktieninvestments liegen. Andererseits kritisiert der die Chinesen selbst als Aktienzocker, die kein Verständnis fürs Investieren hätten. Aus diesen Puzzleteilchen setzt sich sein Investment ausgerechnet in Alibaba zusammen. Langer Zeithorizont, günstige Bewertung dank aktuellem Gegenwind. Perfekter Kaufzeitpunkt, sofern man davon ausgeht, dass Alibaba nicht im Sturm untergeht.

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  4. Ich sehe Direktinvestments in China auch skeptisch, bei Alibaba habe ich aber eine Ausnahme gemacht und schon vor ein paar Wochen angefangen eine größere Position aufzubauen. Ich fühle mich in meiner Entscheidung bestätigt. Ich denke kurz bis mittelfristig könnte es ganz schön holprig werden aber langfristig ist das schon ein verdammt gut laufendes Unternehmen.

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  5. Nunja, Munger gilt ja als die graue Eminenz hinter Buffett. Sein Portfolio, insbesondere mit der hohen Gewichtung von Wells Fargo, wird in den letzten Jahren eher unterirdisch rendiert haben, während die US Aktienmärkte haussieren.
    Abgesehen davon, dass er nach menschlichem Ermessen von diesem Investment nicht mehr viel profitieren wird, ist die Zeit der großen und inzwischen sehr alt gewordenen Männer möglicherweise abgelaufen. Sämtliche modernen Entwicklungen gehen an ihnen vorbei; sie investieren in die Trends der letzten 100 Jahre: Banken, Öl und Eisenbahnen.

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    1. Munger hat seine beiden Bank-Investments in Wells Fargo und Bank of America auf dem Hochpunkt der Finanzkrise und damit zu absoluten Tiefkursen getätigt. Die Jahresdividenden dürften inzwischen seine Einstiegszahlung mehrfach übertreffen. Dies als schlechte Investments zu bezeichnen, nur weil andere Aktien in den letzten Jahren vielleicht besser performt haben, sehe ich aus dem Kontext heraus nicht so. Ähnlich hat es Buffett zu Coca Cola gesagt, die haben die letzten Jahre auch nicht so toll performt, aber er kriegt fast jedes Jahr seine Eingangsinvestition als Dividende zurück. Ich denke, das solche Top-Investments haben nur wenige Menschen im Depot.

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  6. Ich halte viel von Munger. Er hat die langfristige Perspektive, die mir auch nur zu oft fehlt, die man aber braucht - siehe seinen Einstieg in BYD.
    Bei Alibaba braucht man Nerven, so viel ist klar. Alles scheint rosig, dann kommt der naechste Tiefschlag. Und ja, die staatliche Interferenz ist ein chinesisches Problem. Aber persoenlich glaube ich, dass sich ein Einstieg bei Alibaba auszahlen wird.
    Und zu dem Punkt, dass Munger alt ist und es gut moeglich ist, dass er die Fruechte seines Investments nicht mehr sehen wird - nun ja, ich werde auch aelter, und Mungers Handeln gibt mir eher Mut und Richtung, ich kann das gar nicht anders sagen. Der Aktienmarkt ist ja seiner Natur nach egozentrisch - ich stelle mir mein Agieren gern als ein Menuett mit dem Teufel vor - doch bei Munger kommt mir eine alte orientalische Parabel in den Sinn: ein Koenig traf bei einem Ausritt auf einen alten Mann, der Dattelpalmen pflanzte. "Warum machst Du Dir diese Muehe, Vaeterchen, fragte er, diese Fruechte wirst Du doch nicht mehr ernten koennen." "Seht Ihr diese grossen Palmen dort?", antwortete der Alte, "die haben diejenigen gepflanzt, die vor uns kamen. Von diesen Setzlingen werden einmal die essen, die nach uns kommen."

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  7. Weiß jemand, wann genau Munger diese Position eingegangen ist,bzw. zu welchem Kurs ca.
    oder wo man das einsehen kann? Wäre dir/euch dankbar.

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    1. Bekannt ist bisher nur, dass Munger die Alibaba-Position im 1. Quartal 2021 aufgebaut hat. Zu welchem Kurs genau, ist mWn bisher nicht bekannt. Gut möglich aber, dass Munger dies im Rahmen der Daily Journal-Hauptversammlung bekanntgibt, denn das Engagement dürfte ja bei deren Anlegern einige Fragen aufwerfen. Nicht so sehr bzgl. des Kaufs, sondern viel mehr im Hinblick auf Mungers Einschätzung der Entwicklungen in China und die Chancen für BigTech - und damit Alibaba.

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  8. Ganz lieben Dank,der Kurs hat ja im Vergleich zum Kaufzeitpunkt nochmals nachgegeben, ist letztlich ne Wette gegen die KP,aber politische Börsen haben kurze Beine? Wenn man nach den Zahlen geht, muss man ja jetzt einsteigen...wer den Mut hat!

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  9. Alle jammern, dass die Fang Aktien vor allem Amazon so teuer sind. Wenn es dann Superschnäppchen gibt, ist es auch nicht Recht. Ich habe bei einem Kurs von 210 USD mit 25% meines Depots zugeschlagen. Wenn die Aktie ohne Grund weiter fallen sollte, werde ich nachkaufen. Bei den aktuellen sonstigen Bewertungen mit KGV 20 und nächstes Jahr KGV 17 für mich ein Sommerschlussverkauf.

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    1. Genau so habe ich es auch gemacht. Bin bei Alibaba wieder eingestiegen und habe meine Softbank-Position aufgestockt. Sooooo viele Schnäppchen gibt es ja derzeit nicht am Markt... ;-)

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