Montag, 17. Mai 2021

Kissigs Aktien Report: Bubble-Alarm bei Encavis, Energiekontor und Nordex?

Im Rahmen meiner Kooperation mit dem "Aktien Report" von Armin Brack nehme ich mir in unregelmäßigen Abständen interessante Unternehmen vor. Die Ausgaben des "Aktien Reports" und/oder "Geld Anlage Reports" erreichen ihre Leser samstags kostenlos und "druckfrisch" im Email-Postfach und man kann sich ▶ hier beim "Geld Anlage Report" anmelden. Bonbon für die Leser meines Blogs: einige Tagen später darf ich die Analysen dann auch hier veröffentlichen.

Aktien Report Nr. 61 vom 07.05.2021

Bubble-Alarm bei Encavis, Energiekontor und Nordex?

Im letzten Jahr gehörten die GreenTech-Aktien zu den absoluten Outperformern und konnten nach dem Corona-Einbruch im Frühjahr ihre Kurse vervielfachen. Sie notierten zum Jahreswechsel meilenweit über ihren vorherigen Höchstständen.

In diesem Jahr konsolidieren die Aktien und haben teilweise deutliche Kurseinbußen hinnehmen müssen. Das riecht stark nach "buy the rumors, sell the facts", denn im vergangenen Jahr nahmen die großen Pläne der EU-Kommission und vom neuen US-Präsidenten Joe Biden erst Gestalt an, während inzwischen die hunderte von Milliarden Dollar und Euro schweren Förderpakete für die Energiewende auf den Weg gebracht wurden.

Darüber hinaus rücken regenerative Energien auch in China viel stärker in den Fokus und zusammen mit den USA sind damit nun die beiden größten "Klimasünder" mit an Bord, um unsere Zukunft CO2-neutral zu gestalten.

Dabei sind die bisherigen Maßnahmen wohl nicht ausreichend, wie gerade die Bundesregierung ins Stammbuch geschrieben bekam – vom Bundesverfassungsgericht. Aber der Reihe nach…

Deutschland hatte verschärfte Klimaziele verabschiedet und seine Gesetze entsprechend angepasst. Dann kam die EU-Kommission und legte ein 700 Milliarden Euro schweres Förderprogramm auf, das den EU-Staatslenkern gerade recht kam, denn sie verabredeten striktere Klimaziele. Nach einigem Hin und Her haben sich dann die EU-Staatschefs und das EU-Parlament schlussendlich geeinigt und wollen nun den CO2-Ausstoß der EU bis 2030 um mindestens 55 Prozent unter das Volumen von 1990 drücken.

Ohrfeige vom Bundesverfassungsgericht

Klar, das geht einigen zu weit, anderen zu schnell und vielen nicht weit und schnell genug. Aber es ist auf jeden Fall ein Kraftakt, der nicht mal eben so im Vorbeigehen zu stemmen ist. Das hatte die Bundesregierung aber wohl vor. Denn ihre aufgrund der neuen EU-Ziele modifizierten Gesetze sollten einen moderaten Übergang ermöglichen. Und das läuft so nicht! Sagt das Bundesverfassungsgericht. Denn da die EU-Ziele verbindlich seien und das mit Segen Deutschlands, müssten auch die Anstrengungen, sie zu erreichen, angemessen sein. Und das sind sie bisher nicht. Vielmehr würde die Hauptlast der CO2-Einsparungenerfordernisse auf die Zeit nach 2030 verschoben. Mit anderen Worten: es wird am Anfang zu wenig getan und am Ende muss dann richtig geholzt werden. Aber das würde absehbar der jungen Generation die Hauptlast aufbürden, die dadurch in ihren Freiheitsrechten zu stark beschränkt würde. Daher haben die Bundesrichter der Bundesregierung und dem Bundestag auferlegt, die Gesetze schnell nachzubessern und die Lasten gerechter zu verteilen. Es muss also sofort viel mehr getan werden anstatt alles auf die lange Bank zu schieben.

Mögliche Maßnahmen gibt es viele, Ideen ebenso. Alle kosten viel Geld, alle werden unser bekanntes Leben einschränken und verändern. Da ist mit Widerständen zu rechnen und Anpassungsschmerzen.

Die Bahn muss stärker genutzt werden und der ÖPNV, es muss mehr Fahrrad gefahren werden und weniger Auto. Der Ausstieg aus der Kohle muss schneller erfolgen und bei der Energieeinsparung muss viel mehr getan werden. Es wird nicht über Verbote allein gehen, sondern durch aktives Umsteuern und durch Anreize: Förderprogramme, steuerliche Freibeträge, Investitionshilfen.

Und da sind wir wieder bei unseren GreenTech-Werten, die von dieser Entwicklung grundsätzlich profitieren werden. Allerdings nicht sofort, denn die Gesetze müssen je erstmal verabschiedet werden und müssen dann Wirkung entfalten. Und wir wissen ja, dass dies immer eine gewisse Vorlaufzeit benötigt.

Auch heute will man ja viel mehr On- und Offshore-Windenergie zubauen. Aber in der Praxis passiert da wenig, denn die Genehmigungsverfahren nehmen immer mehr Zeit in Anspruch und der Widerstand vor Ort hat starken Rückenwind, weil dem Umwelt- und Artenschutz eine sehr hohe (zu hohe?) Bedeutung beigemessen wird und der Klageweg durch die Instanzen zu jahrelangen Verzögerungen führt.

Wo bleiben die Stromtrassen?

Und dann ist da noch das Problem der Übertragungsnetze. Der Wind weht besonders stark in Küstennähe und damit in Norddeutschland. Hier ist das Land auch dünner besiedelt, so dass Wind- und Solarparks eigentlich weniger Konflikte mit der Bevölkerung bieten sollten als im dicht besiedelten West- und Süddeutschland. Wo sich allerdings die größten Stromabnehmer finden, so dass der Windstrom aus dem Norden in den Westen und Süden gebracht werden muss. Dass die Stromtrassen ebenfalls endlos lange benötigen, bis sie endlich mal gebaut sind, liegt ebenfalls an den Naturschutz- und Einspruchsrechten.

Bundeswirtschaftsminister Altmeier hat denn auch Bürokratie und Rechtsstaatshemmnisse als Problemfelder lokalisiert und will hier schnell für Beschleunigung sorgen. Wie viel mehr als ein Lippenbekenntnis das ist, bleibt abzuwarten.

Apropos Bundeswirtschaftsministerium… die haben sich auch auf einem anderen Feld nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Es geht um Infraschall und die vom BMI verwendeten Belastungswerte und die wurden aufgrund eines Rechenfehlers jahrelang viel zu hoch ausgewiesen. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe hatte 2009 einen Wert ermittelt, der 36 Dezibel zu hoch war. Da diese Werte exponentiell wachsen, bedeutet dies, dass die falsche Zahl um den Faktor 4000 zu hoch war. Der für das Ohr nicht wahrnehmbare Infraschall wird von Windkraftgegnern für Herzprobleme verantwortlich gemacht und dient oft als Ablehnungsgrund bei der Genehmigung neuer Windparks oder beim Repowering. Die liegt nämlich in der Zuständigkeit der Gemeinderäte und da werden Entscheidungen öfter "erfühlt" als „erdacht.

Zweite Luft?

Aber nicht nur Deutschland muss mehr tun. US-Präsident Joe Biden hat kürzlich die Klimaziele für die USA ebenfalls nochmals nach oben geschraubt. Wie die Ziele erreicht werden sollen, darüber besteht noch Unklarheit. Bundeskanzlerin Merkel hat schon mal einen weltweit verbindlichen CO2-Preis gefordert. Das könnte eine sinnvolle Maßnahme sein. Zum Jahresstart waren vielerorts, auch in Deutschland, die Verschmutzungszertifikate aufgewertet worden. Mehr Branchen benötigen welche und die Preise wurden gezielt hoch gesetzt. Höhere Preise und höhere Nachfrage erzeugen noch höhere Preise. Wie man am Kursverlauf entsprechender Zertifikate erkennen kann, geht es hier fast ununterbrochen aufwärts. Eine ideale Stellschraube, um GreenTech wettbewerbsfähiger zu machen.

Peter Altmeier will die Stromkunden nicht stärker belasten und das alte EEG-Fördersystem über Bord werfen. Stattdessen will er aus den – deutlich zu steigernden – CO2-Einnahmen Förderproramme und Entlastungen finanzieren.

Folge dem Geld

Was wirklich umgesetzt wird, hängt noch in der Schwebe. Unterm Strich ist allerdings klar, dass CO2-Emissionen teurer werden und dass noch mehr Geld in den GreenTech-Sektor fließen wird. Staatliches Geld, aber auch Geld von Unternehmen und Investoren.

Doch es gibt nicht sofort mehr Projekte, nur weil mehr Geld fließt. Die Genehmigungsverfahren dauern ewig und auch der Bau erfährt durch Corona erhebliche Widrigkeiten. Zudem haben die meisten großen Öl-Multis angekündigt, ihre Milliardeninvestitionen künftig nicht in die Öl-Förderung zu stecken, sondern sich zu Stromlieferanten wandeln zu wollen. Und das geht nur, wenn sie signifikante Größenordnungen an Wind- und Solarparks übernehmen.

Auswirkungen dieses Trends verspüren die Projektierer bereits deutlich. So werden bei größeren Übernahmen immer höhere Preise aufgerufen, was zu Aufwertungen der Bestandsparks führt, aber auch bei den Projekten den Preis hoch treibt.

Des Weiteren verteuert der steigende Preis der Verschmutzungszertifikate den Strom, was wiederum PPA-Verträge attraktiver macht. Mit solchen Power Purchase Agreements nehmen große Energieverbraucher, z.B. Konzerne wie Amazon oder Microsoft, den Betreibern von Solar- oder Windparks deren Strom direkt ab und zwar für eine vertragliche Mindestlaufzeit. Bei niedrigen Strompreisen sind PPAs unattraktiv, aber in den letzten Wochen baut sich hier ein neues Potenzial auf. Auch für Anlagen, die nach 20 Jahren aus der EEG-Förderung herausfallen und ansonsten kaum wirtschaftlich zu betreiben wären. Anstatt sie zurückzubauen, eröffnet sich für viele dieser Altanlagen ein zweites Leben – dank PPAs.

Diese Gemengelange an positiven Aussichten geht auch an den deutschen Branchenvertretern nicht spurlos vorbei. Wir werfen daher mal einen Blick auf drei Werte: Energiekontor, Encavis und Nordex.


Energiekontor

Das Unternehmen projektiert, baut und verkauft Windparks bzw. betreibt sie selbst und ist auch bei Solarparks aktiv. Schwerpunkt ist allerdings die Windenergie, während die Solarenergie zunehmend wichtiger wird.

Von den erstellten Windparks wird rund die Hälfte verkauft, die andere Hälfte wandert in den Eigenbestand. So werden einerseits hohe Verkaufserlöse und Gewinne erzielt und damit die Eigenkapitalbasis erhöht, während auf der anderen Seite stetige Cashflows durch die Stromeinspeisungen generiert werden.

Dieses Modell birgt Vor- und Nachteile. Da man die Hälfte der Projekte in den Eigenbestand überführt, steigt die eigene Stromerzeugungskapazität immer weiter an. Anderseits wird hierdurch natürlich auch Kapital gebunden und Gewinne „verschenkt“. Denn beim Verkauf eines Projekts und mehr noch bei der Veräußerung eines fertigen Wind- oder Solarparks, fährt Energiekontor den Verkaufspreis ein und in dem Moment werden alle bis dahin aufgelaufenen Kosten gegengerechnet und es bleibt ein schöner Gewinn übrig. Bei den Eigenbestandsprojekten entfällt dieser Verkaufsgewinn und während die Kosten bereits angefallen sind, werden sie "nur" über die Nutzungsdauer von 20 Jahren und die dabei erzielten Stromverkäufe eingespielt. Das sieht in GuV und Bilanz dann etwas schwachbrüstig aus und sorgt für vermeintlich höhere Bewertungen.

Allerdings kommt zunehmend Fantasie auf, weil immer mehr Nachfrage zu immer höheren Preisen nach Projekten besteht. Dem entsprechend werden die Projekte, je nach Fortschrittsgrad, auch immer wertvoller. Und ebenso der Bestand. Denn auch den könnte Energiekontor angesichts der hohen Preise ja durchaus zu Geld machen.

Das meiste Geld verdient Energiekontor in Deutschland, aber im Ausland spielt zunehmend die Musik. Ob in Finnland, Schottland oder Amerika, Energiekontor weitet seine Geschäfte massiv aus. Demnächst steht die Hauptversammlung an und da wird es sicherlich – neben der Dividende – auch wieder eine Fülle an neuen Informationen zu vielen Projekten geben.


Encavis

Encavis ist kein Projektierer, sondern ein reiner Bestandshalter. Das Unternehmen entstand vor einigen Jahren aus der Fusion vom Windparkspezialisten Capital Stage mit dem Solarparkbetreiber Chorus Clean Energy. Inzwischen kümmert sich Encavis nicht mehr nur um das eigene Portfolio, sondern legt über die Tochter Encavis Asset Management Spezialfonds für Investoren auf. Ein wichtiger Partner von Encavis ist hier der öffentliche Versicherer Versicherungskammer, der auch Partner der Sparkassen-Finanzgruppe ist.

Durch das hohe Interesse von institutionellen Investoren kann Encavis über neue Fonds fast nach Belieben Geld einsammeln und umgekehrt dadurch dann die Anzahl und den Umfang seiner Projekte vergrößern. Und auch die Zielobjekte werden durch die zusätzliche Finanzkraft größer, so dass Encavis insgesamt ein größeres Angebot zur Verfügung steht.

Da man keine Projekte entwickelt, entfallen diese Kosten und die Risiken. Auf der anderen Seite kann Encavis nicht die volle Wertschöpfungskette bedienen.

Der Aktienkurs hat seine Fahnenstange abgearbeitet, die bei über 24 Euro endete. Inzwischen notiert die Aktie bei rund 15 Euro und damit auf dem gleichen Niveau wie vor einem halben Jahr. Und damit liegt der Kurs noch immer dreimal so hoch wie Anfang 2019.


Nordex

Kerngeschäft von Nordex ist die Fertigung, Errichtung und Wartung von Windkraftanlagen und in manchen Märkten übernimmt Nordex sogar die Planung von Windparks bis zu deren schlüsselfertiger Errichtung. Das Unternehmen baut ausschließlich Windkraftanlagen für Landstandorte und zwar mit Schwerpunkt "Schwachwindanlagen", die speziell für die Erschließung von Standorten mit vergleichsweise niedrigen durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten im Landesinneren ausgelegt sind.

US-Präsident Biden setzte Ende März erste Duftmarken in der Umwelt- und Infrastrukturpolitik. Durch den Bau von Windparks mit 30 GW zusätzlicher Produktion und einem Investitionsvolumen von mehr als 12 Milliarden Dollar sollen bis zum Jahr 2030 mehr als 10 Millionen Haushalte mit umweltfreundlichem Strom versorgt werden. Hier erhofft sich Nordex künftig lukrative Aufträge, denn seit letztem Jahr ist man mit einem eigenen Büro in den USA aktiv.

Im ersten Quartal erhielt Nordex Aufträge für 279 Turbinen mit einer Gesamtleistung von 1,25 Gigawatt. Im Vorjahr waren es noch 1,64 Gigawatt, doch auch unmittelbar zu Beginn des zweiten Quartals gingen weitere Großaufträge ein, so dass Nordex gut ausgelastet ist. Dabei macht die lukrative Delta4000-Baureihe inzwischen bereits 73% der Bestellungen aus. 92 Prozent der Aufträge kommen aus Europa, wobei Spanien, die Türkei, Deutschland und Finnland die größten Einzelmärkte sind.

Für das laufende Jahr rechnet Nordex mit einem Anstieg des Umsatzes und des operativen Ergebnisses. Die Konzernerlöse werden für 2021 von Managementseite bei 4,7 bis 5,2 Mrd. Euro gesehen. Dabei sollen sich die Umsatzerlöse relativ gleich über das Jahr verteilen. Die operative Ergebnis-Marge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen soll in einer Bandbreite zwischen 4,0 und 5,5 Prozent liegen. Im Vorjahr hatte Nordex durch Corona einiges an Gegenwind zu spüren bekommen, so dass die EBIT-Marge von 3,8 Prozent in 2019 auf 2,0 Prozent geschrumpft war.

Zuletzt konnte Nordex mehrere Großaufträge an Land ziehen und dürfte sowohl vom Zurückdrehen der Coronabeschränkungen als auch von der stark steigenden Nachfrage nach Windenergieprojekten profitieren.


Mein Fazit

Der GreenTech-Sektor hatte ein furioses zweites Halbjahr 2020 und die Aktien kannten kein Halten mehr. Seitdem konsolidieren die Kurse und profitieren nicht von der Sektorrotation raus aus Technologieaktien und rein in konjunktursensible Werte. Ihre Kursanstiege lassen sie wie Wachstumsaktien aussehen, aber es sind natürlich Industrieunternehmen. Doch der GreenTech-Sektor hat Sonderkonjunktur, zusätzlich zur ohnehin wieder erstarkenden Wirtschaft. Der enorme Geldzufluss in den Sektor stößt auf ein nicht im gleichen Maß hochfahrbares Angebot an Projekten und das führt zwangsläufig zu Preissteigerungen. Gut für die Unternehmen im Sektor, schlecht für Investoren und Käufer.

Auch wenn die Kurse zuletzt kaum Freude machten, dürfte es sich auf lange Sicht lediglich um das Luftholen vor dem nächsten Kursschub handeln. Es ist absehbar, dass wir hier steigende Aktienkurse sehen werden. Wann genau die Rakete (wieder) zündet, weiß nur der Wind…

Disclaimer: Habe Energiekontor auf meiner Beobachtungsliste und/oder in meinem Depot/Wiki.

12 Kommentare:

  1. Guter Artikel mit vielen Fakten, die ein sehr positives Umfeld beschreiben. Trotzdem bin ich vorsichtig. Warum?
    Im oberen Teil des Artikels kommt mir zu oft "muss" vor. Alles was passieren "muss" ist längst im Preis drin. Was, wenn es dann nicht so passiert?
    - Wenn das Biden Programm nicht so kommt (erste Anzeichen sichtbar)?
    - Was wenn die CO2 Steuer nicht immer weiter steigt, weil wir gar nicht so viel Steuergeld in den Sektor reinschieben können, um den Strompreis bezahlbar zu halten (klar, Energiekontor will Produktionskosten unter konventionelle Erzeugungskosten drücken und kann das auch schaffen, aber wer bezahlt die HGÜ Leitungen und wer bezahlt die Speicher/Speichergebühren im Ausland wie A oder NOR etc, wer bezahlt Kosten von Stromausfällen durch nicht ausgeglichene Produktions- oder Nachfragespitzen und das alles in nur wenigen Jahren)?
    - Wenn das Energiewendethema heute in aller Munde ist, weil sich im bevorstehenden Wahlkampf keine Partei den schwarzen Peter des mangelnden Klimaschutzkommitments zuschieben lassen will, aber Industrie und Verbraucher die Investoren auf den Boden der machbaren Tatsachen zurückholen nach der Wahl?
    In stark regulierten Branchen mit starkem Konsens sollte man aus meiner Sicht vorsichtig sein. Vielleicht mal drüber nachdenken.

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    1. Ich teile Deine Auffassung nur bedingt. Ja, die Nachrichten sind im Kurs enthalten, aber nein, die Effekte eben noch nicht. Die Umstellung der Wirtschaft auf grüne Energie bringt Vor- und Nachteile, Gewinner und Verlierer. Die Fördermittel sind angekündigt, aber noch nicht abgerufen und in Projekte/Effekte umgemünzt. Das wird sich über viele Jahre erstrecken und dann in den den GuVs und Bilanzen der betreffenden Unternehmen sichtbar werden.

      Des Weiteren reden wir ja nicht von einem einfach zu skalierenden Business, wie z.B. Software, sondern von Industrieprojekten mit langen Vorlaufzeiten. Die stark anziehende Nachfrage trifft auf ein nicht stark steigen könnendes Angebot - mit entsprechendem Preiseffekt.

      Wo ich Dir komplett zustimme ist die Risikoeinstufung bzgl. der Regulierung. Die Energiebranche ist von staatlichen Eingriffen extrem abhängig und daher muss man die Entwicklung hier immer genau im Blick behalten. Die Politik und ihre Wechsel sind hier große Einflussfaktoren. Wäre nicht George W. Bush US-Präsident geworden, sondern Clintons Vize Al Gore, wären die weltweite Klimapolitik wohl ganz anders verlaufen. Obama hat dann, mit 8 Jahren Verzug, die Initiativen wieder aufgenommen, aber 2009 ff. war das Klimathema nicht die oberste Priorität, sondern die Bewältigung der Finanzkrise. Und wir erinnern uns alle noch an die vier "toten" Jahre unter Donald Trump, als die USA aus dem Pariser Klimaabkommen ausstiegen. Was Joe Biden ja umgehend korrigiert hat. Einfacher/besser hat es dieses Hin und her auf jeden Fall nicht gemacht.

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  2. Hallo Herr Kissig,

    zunächst ein großes Lob für Ihren Blog, den ich regelmäßig sehr interessiert lese. Die nachfolgenden Zeilen sind daher bitte nicht als Kritik zu verstehen, wenngleich ich die rote Linie in Bezug auf PNE im Vergleich zu Energiekontor und Abo Wind bei Ihnen etwas verloren habe bzw. nicht mehr nachvollziehen kann.

    Mir fällt auf, dass PNE in Bezug auf Ihre Artikel nur noch vereinzelt am Rande genannt wird. Sie schreiben Anfang Januar 2021, dass PNE ihr Top Pick ist, da Energiekontor bereits zu stark gestiegen wäre (EKT Xetra Eröffnung 06.01.21 ca. 60,20€). Seitdem ist der Kurs von PNE von ca. 8,36€ auf ca. 7,45€ (ca. -11%) gefallen, bei gleichzeitig grds. positiven Zahlen (Anlagen im Wert von rund 50 Mio. in den Eigenbestand überführt, wie Sie selbst schreiben).

    Dennoch verliert PNE in Ihrer Gunst, da mit Abo Wind und Energiekontor, Ihren Worten nach, in absehbarer Zeit die "schnellere Mark" verdient werden könnte. Im Wikifolio "Kissigs Nebenwerte Champions" taucht PNE bspw. seit Ende März gar nicht mehr auf und wurde, wie von Ihnen auch kommentiert, gegen Abo Wind getauscht, was Ihrer Aussage folgend nur konsequent erscheint.

    Grundsätzlich lese ich Ihren Blog immer mit dem von Ihnen regelmäßig wiederholten Credo des "Value Intestings". Dies berücksichtigend meine Frage, warum Energiekontor und Abo Wind aus der "Value Brille" interessanter sind als PNE, ohne die "schnelle Mark" im Kopf zu haben. Die Frage kommt mir zudem, da PNE seit Anfang Januar 2021 stärker gefallen ist als Energiekontor (EKT 17.5.21 vs. 06.01.21 "nur" -3% (60,20€ vs. 58,10€) vs. PNE -11% (8,36€ vs. 7,45€ im gleichen Zeitraum). Der Grund des zu stark gelaufen also noch mehr für PNE sprechen würde? Irgendetwas muss ich übersehen, da Sie ganz sicher deutlich mehr Wissen von Aktien, Börse und Energieunternehmen habe als Sie.

    Vielleicht haben Sie ein paar Minuten die Frage zu beantworten, auch wenn Sie sicher viel, und viel Wichtigeres, zu tun haben. Herzlichen Dank vorab.

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    1. 1/2

      ABO Wind, Energiekontor und PNE haben ähnliche, aber doch auch sehr unterschiedliche Geschäftsmodelle.

      ABO Wind ist ein reiner Projektierer. Die planen und bauen Wind- und Solarprojekte und veräußern diese; entweder noch im Projektstatus oder nach Fertigstellung. Den angefallenen Kosten stehen dann umgehend realisierte Verkaufserlöse gegenüber und idR Gewinne. So ist der Erfolg in der Bilanz, aber vor allem in der GuV "leicht" zu erkennen und das macht auch die Bewertung einfacher. Und dank der stark steigenden Nachfrage nach GreenTech-Investments/-Anlagen steigt auch der Wert der Projektpipeline deutlich an, denn es gibt ja nur begrenzt geeignete Flächen und die genehmigungsverfahren sind langwierig.

      Energiekontor ist ebenfalls ein Projektierer; die Aussagen zu ABO Wind gelten entsprechend. Doch etwa die Hälfte der fertiggestellten Anlagen werden in den Eigenbestand überführt. Dem entsprechend fallen 100% der Kosten an, aber nur 50% der Verkaufserlöse/Gewinne, die ihnen gegenüberstehen. Tendenziell sieht also die Bilanz und die GuV schwächer aus als bei ABO Wind. Allerdings wird der Eigenbestand über die nächsten 20 Jahre abgeschrieben und gleichzeitig entstehen ja Einnahmen aus der Stromeinspeisung (entweder nach EEG oder mittels PPA-Verträgen). Somit werden die Einnahmen und Gewinne "nur" gestreckt; das ist anfangs ein geringer Betrag, summiert sich aber mit jedem Jahr weiter auf, wenn weitere Anlagen in den Eigenbestand überführt werden. Des Weiteren steigt natürlich auch der Wert des Eigenbestands an analog zur Projektpipeline. Und Energiekontor könnte ja durchaus auch Anlagen aus dem Eigenbestand veräußern, womit dann die restlichen Erlöse/Gewinnen sofort realisiert würden.

      PNE ähnelt hier stark Energiekontor. Allerdings war man bis zum Einstieg von Morgan Stanley Infrastructure Partners (MSI? in 2019 ein reiner Projektierer (vgl. ABO Wind) und wandelt sich seitdem zu einem "dualen" GreenTech-Unternehmen (vgl. Energiekontor). Der eigentlich geplante Paketverkauf wurde gestoppt (das große "Windparkportfolio 2020") und stattdessen in den Eigenbestand überführt. Und auch weitere zuletzt fertig gestellte Projekte teilten dieses Schicksal. Der Verkauf soll auch weiterhin eine Rolle spielen und es ist wohl ebenfalls eine grundsätzlich hälftige Quote angestrebt zwischen Verkauf und Übernahme in den Eigenbestand.

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    2. 2/2


      So, an dieser Stelle kommen wir zu dem großen Unterschied zwischen PNE und Energiekontor. Energiekontor verfolgt seine "geteilte" Strategie seit 20 Jahren und hat deshalb bereits einen großen Eigenbestand. Man hat also einen relativ großen Sockel, der bereits Gewinnanteile liefert. PNE hingegen hat vor allem Kosten in der Bilanz, während der Eigenbestand relativ jung ist - und dem entsprechend werden die Gewinnanteile noch viele Jahre vor sich hergeschoben. Auf lange Sicht gleicht sich das tendenziell aus, auf Sicht von 5 Jahren und weniger wird PNE hier in der Wahrnehmung und Darstellung immer schlechter dastehen als die Wettbewerber. Und auch bzgl. der Projektpipeline gibt es weniger Fantasie, da das erklärte Ziel von MSIP ja dauerhafte Infrastrukturinvestments sind und nicht zuvorderst Gewinnrealisierung.

      Mit meiner Äußerung bzgl. der "schnellen Mark" meinte ich nicht schnelle Kursgewinne und/oder schnelle operative Erfolge, sondern dies bezog sich schon auf einen mittleren und längeren Zeitraum. Dennoch dürfte PNE hier leider etwas zurückbleiben aus vorgenannten Gründen, was ich am Jahresanfang noch nicht so "gewichtig" eingestuft hatte. Insbesondere bis vor einiger zeit noch als eher wertlos eingestufte Projekte in einigen Auslandsregionen bei ABO Wind und Energiekontor erweisen sich nun unter den veränderten/verbesserten Bedingungen doch noch als Werthaltig. Auch diese Zusatzpotenziale hatte ich Ende 2020 noch nicht so stark auf dem Schirm.

      Insofern hat sich meine Einschätzung bzgl. PNE nicht geändert, jedoch die bzgl. ABO Wind und Energiekontor hat sich nochmals deutlich verbessert. Daher habe ich mich entschlossen, diese beiden Aktien, relativ gesehen, PNE vorzuziehen.

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    3. Vielen Dank für die schnelle und ausführliche Antwort und dort speziell die letzten beiden Absätze in 2/2, die meine Frage beantworten.

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  3. Hauck & Aufhäuser hat heute das Kursziel bei Energiekontor auf €89,00 erhöht (bisher €85,00). Das ist schon mal 'ne ordentliche Hausnummer...

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  4. Hallöle,

    Da ich die deutschen greentechs mittlerweile als viel zu hoch bewertet empfinde und die dividendenrendite entsprechend klein ausfällt, habe ich mich mal anderweitig umgesehen...
    Hast du auch mal, vor allem in den USA und Kanada, nach erfolgversprechenden Unternehmen Ausschau gehalten? Meiner Meinung nach gibt es dort mittlerweile deutlich attraktivere Kandidaten als in germany :>

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    1. Ne, ich setze auf die deutschen GreenTechs. Die sind ja u.a. auch in den USA aktiv.

      Was verstehst Du unter "zu hoch bewertet"? In Bezug auf welche Kennzahl? Die Projekte und die Pipeline stellen ja die künftigen Erträge dar, was aber nicht morgen und übermorgen realisiert werden kann, da die Projektierungszeiträume ja mehre Jahre in Anspruch nehmen. Insofern bauen sich hier Potenzialwerte auf, die man nicht in der GuV sieht - noch nicht.

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  5. Ich habe ja auch deutsche greentech in Form von 7C im Depot. Allerdings schon einige Jahre, zu viel günstigeren Konditionen eingekauft. Heute würde ich die nicht mehr neu kaufen. Das gleiche gilt für deine Kandidaten. Eine Encavis mit nem 200er KGV ist mir persönlich zu viel.
    Finde ich spannend, dass du tech aus den USA bevorzugst, aber greentech aus Deutschland, obwohl diese in Übersee günstiger zu haben ist.

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  6. Wäre Vestas nicht auch interessant? Immerhin sollten die doch stark von der Nachfrage und den politisch guten Rahmenbedingungen profitieren, bei ggf. weniger Risiko als die oben genannten Firmen.

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    1. Ja, was für Vestas gilt, gilt auch grundsätzlich für Nordex. Welchem Turbinenbauer man da den Vorzug geben will, muss jeder für sich selbst ausmachen. Auch Siemens Gamesa könnte ja interessant sein, wenn die ihre Probleme in den Griff bekommen.

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