Mittwoch, 22. Dezember 2021

Buffett erklärt, wie der 'Float' ihn ganz einfach immer reicher macht

Warren Buffett ist der wohl beste Investor aller Zeiten. In seinem 2009er Aktionärsbrief erklärte er, was es mit dem "Float" auf sich hat und welch ungeheure Kraft ihm innewohnt. Neben dem Zinseszinseffekt und extremer Geduld ist er die dritte Säule, auf der Berkshire Hathaways mehr als 50-jährige Erfolgsgeschichte basiert.

Die größte Ehre ist es ja, kopiert zu werden. Und Buffett widerfährt diese Ehre nun seitens der Alternativen Asset Manager wie Apollo Global Management, Blackstone, KKR und jüngst auch Brookfield Asset Management, die reihenweise Versicherungskonzerne aufkaufen, um sich deren Float und sich selbst somit einen steten Strom an frischen Finanzmittel zu sichern. Und genau so arbeitet der Float für Warren Buffett...

"Die Versicherer erhalten die Prämien im Voraus und zahlen die Schäden später. In extremen Fällen, z. B. bei bestimmten Arbeitsunfällen, können sich die Zahlungen über Jahrzehnte erstrecken. Durch dieses Modell, bei dem wir jetzt kassieren und später zahlen, verbleiben große Summen in unserem Besitz, die wir "Float" nennen und die letztendlich an andere gehen werden. In der Zwischenzeit können wir diese Gelder zum Nutzen von Berkshire investieren. Obwohl einzelne Policen und Schadensfälle kommen und gehen, bleibt die Höhe des von uns gehaltenen Floats im Verhältnis zum Prämienvolumen bemerkenswert stabil. Wenn unser Geschäft wächst, wächst auch unser Float. Wenn die Prämien die Summe der Kosten und eventuellen Verluste übersteigen, verzeichnen wir einen versicherungstechnischen Gewinn, der zu den Kapitalerträgen aus dem Float hinzukommt. Diese Kombination ermöglicht es uns, freies Geld zu nutzen - und, besser noch, dafür bezahlt zu werden, dass wir es halten."
(Warren Buffett, Aktionärsbrief 2009)

Der Float wirkt wie zinsloser langfristiger Kredit und steht für Investments zur Verfügung, mit denen sich erhebliche Gewinne erzielen lassen. Dieses Muster verfolgen neben den Alternativen Asset Managern eine Reihe von Anlagegesellschaften, die Buffetts Erfolgsrezept schon viele Jahre kopieren. Dazu zählen u.a. Alleghany, Fairfax Financial oder Markel Corp.

"Die beiden wichtigsten Voraussetzungen für großartigen Erfolg sind: erstens zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und zweitens etwas damit anzufangen."
(Ray Kroc, McDonald's)

Im zweiten Teil von Krocs weisen Worten liegt der Umstand begründet, weshalb deutsche Versicherungskonzerne leider nicht und wohl niemals erste Wahl sein werden. Denn sie haben das Investieren nicht drauf! Sie haben den Float, aber sie legen ihn stümperhaft an, sie investieren viel zu wenig in Aktien, sondern spielen mit Anleihen herum und mit Immobilien. Ja, Immobilien sind in den letzten 10 Jahren ein Erfolgsinvestment, aber auf lange Sicht spielen sie kaum genug Rendite ein, um die Inflation auszugleichen. Es ist erschreckend. Inflationsbereinigt haben die Immobilienpreise erst um 2015 wieder ihren Wert von 1965 erreicht! 50 Jahre keine Rendite! Ernüchternd. Und die Erklärung, warum sich weder auf meiner Beobachtungsliste und schon gar nicht in meinem Depot eine deutsche Versicherungsgesellschaft befindet.

Aber Alternative Asset Manager, denn die wissen, wie man Rendite macht. Und dank des ihnen nun zufließenden Floats werden ihre Provisionseinnahmen in nächster Zeit weiter deutlich zulegen und damit ergibt sich weiteres Kurspotenzial für ihre Aktien.

Mein letztes Update zu meinem Investmentcase bei Apollo Global Management und KKR habe ich in meinem Aktien Report Mitte November gegeben: "Zinsen, Inflation, Lieferkettencrash – welche Aktien man jetzt kaufen sollte - und welche nicht". Falls sich jemand fragt, weshalb dies meine beiden größten Positionen im Depot und in meinem Quality Investing-Wikifolio sind...

Disclaimer: Habe Apollo Global Management, Berkshire Hathaway, KKR auf meiner Beobachtungsliste und/oder in meinem Depot/Wiki.

1 Kommentar:

  1. Hallo Michael,

    zu Berkshire Hathaway bin ich inzwischen etwas kritischer geworden und wollte auch Deine Einschätzung dazu fragen. Ein Grund für meine Skepsis ist, dass Buffett anscheinend keinen / kaum Einfluss auf die Investmententscheidungen von Berkshire Hathaway hat.

    Warum ich dieser Meinung bin? Das war z.B. im Fall von TEVA zweifellos so. Die Fakten in diesem Zusammenhang sind in meinen Augen:

    - Berkshire Hathaway kaufte in 2017/8 TEVA Aktien - diese hält sie weiterhin.
    - Seit dem Einstieg hat sich der Kurs fast halbiert
    - zwar reduziert TEVA seinen Schulden, diese sind aber weiterhin sehr hoch. Risiko hier: der Einfluss von womöglich bald steigenden Zinsen (Kapitalkosten). Dieses Risiko war aber auch 2017 abzusehen.
    - Goodwill (28Mrd USD) in der TEVA Bilanz ist 3 mal so hoch, wie die heutige Kapitalisierung(!) und übersteigt außerdem um das ca. 2,5 mal das Eigenkapital.
    - es laufen heute noch gerichtliche Prozesse gegen TEVA mit unbekanntem Ausgang

    Man könnte meinen, Buffett hat damals ca. 750 Mio in TEVA gesteckt und dabei eine falsche Entscheidung getroffen. Aber es stellte sich heraus, dass der Kauf ohne die Beteiligung von Buffett entschieden wurde (siehe: https://en.globes.co.il/en/article-buffett-embarrasses-the-experts-on-teva-1001226001)

    Nochmal: 0,75 Mrd USD wurden investiert - und der Starinvestor Buffett wird von seinen Mitarbeitern nicht mal gefragt.

    Zitat aus der o.g. Quelle: << When CNBC interviewed Buffett last week about his healthcare venture ... Buffett added that he had no idea why the position was taken. He said that one of his investment deputies bought Teva and the investment deputy didn't tell him and won't if he sells it. >>


    Wäre das nicht ein klarer Hinweis dafür, dass Buffett nur noch eine kosmetische Rolle heute hat, d.h. nicht mehr für die Rendite von Berkshire Hathaway verantwortlich ist? Das könnte womöglich auch erklären, warum Berkshire Hathaway in den letzten Jahrzehnten weniger wächst.

    Mit anderen Worten, was wäre noch der Wettbewerbsvorteil von Berkshire Hathaway gegenüber seiner "Nachmacher" wie KKR und co?

    Gruß
    Konstantin

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