Freitag, 31. Juli 2015

Blackstone erzielt bei Kunststoff-Exit Milliardengewinn

Am Dienstag schoss die Aktie des deutschen Verpackungsspezialisten Gerresheimer in der Spitze um 20 Prozent nach oben, denn man gab die Übernahme des Mitbewerbers Centor US Holding für 725 Mio. USD bekannt. Heute konterte US-Konkurrent Berry Plastics und kündigte den Erwerb von Avintiv für 2,45 Milliarden USD in bar an, eines weltweit aktiven US-Spezialisten für Materialien zur Infektionsprävention, um damit sein Geschäft mit Spezialkunststoffen zu stärken.

Milliardengewinn für Blackstone
Interessant für mich wird diese Meldung, weil der bisherige Alleineigentümer der Avintiv, die bis vor kurzem noch PGI Specialty Materials Inc. hieß, der Private Equity Investor Blackstone Group ist. Ein Wert, über den ihr hier im Blog regelmäßig lesen könnt und der seit Ende letzten Jahres nicht nur meine Empfehlungsliste ziert, sondern auch die inzwischen größte Position in meinem Portfolio darstellt.

Bemerkenswert an dem Deal ist, dass Blackstone die PGI im Jahr 2010 gekauft hat und zwar zu einem Preis von 326,2 Mio. USD. Der jetzt verkündete Verkauf bringt also knapp 2,125 Mrd. USD an Gewinn in 5 Jahren, was beinahe eine Verachtfachung des eingesetzten Kapitals bedeutet.

Hohe Dividende ante portas
Der Deal soll bis Ende des Jahres abgewickelt sein und wird somit vermutlich in die Februar-Dividende von Blackstone einfließen, also die übernächste Quartalsausschüttung. Denn die letzte ist ja eben gerade erst erfolgt.

 Blackstone (Quelle: comdirect.de)
Bis hierhin klingt das alles noch nicht spektakulär, denn Blackstone bilanziert ja nicht nach deutschem HGB, sondern schreibt seine Beteiligungen und Vermögenswerte regelmäßig hoch oder runter. Der Verkaufsgewinn wird sich also kaum mit 2,1 Mrd. USD im sog. "Economic Net Income" (Nettogewinn) auswirken, da hier der Wert der PGI bzw. Avintiv bereits in den letzten Jahren an die 2 Milliardenmarke hochgeschrieben worden sein dürfte.

Enorme Auswirkungen wird der Verkaufsgewinn allerdings auf eine andere Größe haben, Blackstones "ausschüttungsfähigen Gewinn". Denn vom Nettogewinn, der die dieser Periode zuzurechnenden Gewinne ausweist, ist der ausschüttungsfähige Gewinn zu unterscheiden, der die Gewinne beziffert, die wirklich in dieser Periode zugeflossen sind. Und die für Ausschüttungen an die Aktionäre zur Verfügung stehen.

Blackstone hat soeben 0,74 USD als Quartalsdividende ausgeschüttet und das bei einem ausgewiesenen ausschüttungsfähigen Gewinn im 2. Quartal von 1 Mrd. USD. Der aktuelle Deal bringt alleine schon einen Gewinn von 2,125 Mrd. USD! Hinzu kommen die übrigen Einnahmen, die aus den Mieten stammen, die Blackstone als größter Immobilieneigentümer der USA erzielt, und aus den Honoraren, Gebühren und Ausschüttungsbeteiligungen, die man für das Managen der vielen Spezialfonds erhält, die man für Anleger verwaltet. Die so wichtige Kennzahl hierbei heißt AUM, Assets under Management, also das verwaltete Vermögen, denn jeder verwaltete Dollar bringt Gebühren für Blackstone - und seine Aktionäre. Diese AUM betrugen per 30. Juni 333 Mrd. USD und damit 19% mehr als die am Ende des Vorjahreszeitraums verwalteten 279 Mrd. USD. Ende März hatten die AUM noch bei 310 Mrd. USD gelegen.

Fazit
Man kann also davon ausgehen, dass die Dividende Anfang nächsten Jahres eine Rekorddividende werden wird und der Gewinn aus dem Deal zeigt, welche versteckten stillen Reserven sich noch im Portfolio von Blackstone verbergen, die in den nächsten Monaten und Jahren sukzessive gehoben und versilbert vergoldet werden. Sicherlich wird der Aktienkurs von Blackstone volatil bleiben und stark schwanken, auch entsprechend der jeweiligen Börsenstimmung. Aber der Wert von Blackstone als Asset-Eigentümer schwankt weit weniger stark, sondern zeigt solide nach oben. Und da Blackstone über enorme liquide Mittel verfügt und ihm die Kunden immer weitere zusätzliche Mittel anvertrauen, sind Marktschwächen für Blackstone weniger Risiko als Chance. Chance, günstig einzusteigen und das Geld seiner Anleger zu vervielfachen. Ich bin und bleibe jedenfalls an Bord und freue mich jetzt schon auf das zu erwartende - wenn auch verspätete - Weihnachtsgeschenk der Jahresanfangsdividende...

Kommentare:

  1. Guten Tag Herr Kissig,

    meine Anerkennung für Ihren Blog. Deshalb interessiert mich Ihre Ansicht zu dem im aktuellen "manager magazin" erschienen Artikel "Die Entzauberung". Die Superdealmaker (Carlyle, KKR, Apollo, Blackstone) seien nicht besser als Aktienindexfonds - wie eine aufwendige Studie beweisen würde. Die Kursgrafiken zeigen die Kurse dieser Gesellschaften indexiert unterhalb des S&P 500. Wurden hier die quartalsweisen Ausschüttungen außen vor gelassen?

    Dank im voraus für Ihre Einschätzung.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das kann ich leider nicht beantworten, da ich kein Leser des Manager Magazins bin und auf deren Website nur eine grobe Zusammenfassung mit recht allgemeinen Formulierungen zu finden ist: Private Equity bringt nicht mehr Rendite als Aktien.

      Der S&P ist ein Kursindex, also wird der reine Aktienkurs berücksichtigt. Wird eine Dividende ausgezahlt, reduziert das den Aktienkurs und auch den Index. Hier sollte also keine Schlechterstellung ggü. den jeweiligen Aktien auftreten. Gegenbeispiel ist der DAX, der ist ein Performance-Index, bei dem jede Dividendenzahlung herausgerechnet wird und der dadurch vergleichsweise viel stärker steigt, als Dow Jones oder S&P 500. DAX-Stand ist bei 11.300 Punkten, DAX-Kurs-Index steht bei 5.775 Punkten.

      Was mir bei dem mm-Artikel auffällt ist, dass dort die Rede von "PE-Vehikeln" ist, also Fonds, die die PE-Firmen aufgelegt haben. Das sind natürlich nicht die PE-Firmen selbst, also die "Limited Partnerships", die ich hier im Blog im Fokus habe. Zumal die Studie seit 1994 Vergleichswerte heranziehen soll, KKR & Co. L.P. und Blackstone Group L.P. ja erst seit wenigen Jahren überhaupt selbst börsennotiert sind. Insofern sehe ich hier schon Schwierigkeiten, die Aussagen so pauschal stehen zu lassen.

      Ich kann also keine wirkliche Beurteilung oder Einschätzung zu der Studie geben. Klar ist aber, dass "viele Wege in den Finanzhimmel führen" (Warren Buffett) und "es immer jemand gibt, der schneller reich wird als man selbst" (Charlie Munger). Ich kann nicht beurteilen, ob man über die letzten 20 Jahre mit Aktien-Index-Fonds besser gefahren wäre oder mit Direktinvestments in Private-Equity-Firmen. Und schon gar nicht kann ich abschätzen, wie sich das in den nächsten 20 Jahren verhalten wird. Was ich aber weiß ist, dass ich mich mit meinen Investments in diese Firmen sehr wohl fühle, weil dort Menschen tätig sind, die weltweit nach Möglichkeiten Ausschau halten, wo sie Geld gewinnbringend anlegen können. Und das nicht nur in börsennotierten Aktien, sondern auch in Krediten, Immobilien, Devisen. Und dabei sind diese Leute selbst mit dem größten Teil ihres Vermögens in ihren PE-Unternehmen beteiligt; sie operieren also, anders als Fondsmanager, zu einem erheblichen Teil aus reinem Eigennutz. Und da ich kein Buddhist bin, halte ich eine Menge von Eigennutz als Antrieb und freue mich, wenn ich diesen Eigennutz anderer für mich Renditen erwirtschaften lassen kann.

      Löschen