Dienstag, 12. Januar 2016

Phillips 66: Buffett ist weiter auf Schnäppchenjagd

Value-Investorenlegende Warren Buffett erklärte in einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway habe am vergangenen Mittwoch weitere 759.000 Aktien des Raffinerie- und Tankstellenbetreibers Phillips 66 gekauft. Nachdem Buffett zum Ende des zweiten Quartals 2015 die Anlegerwelt verblüffte und eine Beteiligung von rund 10 Prozent bekanntgab, schraubte er nun seinen Anteil auf 12 Prozent hoch. Er hält nun 62,3 Mio. Aktien von Phillips 66 im Gegenwert von knapp 4.75 Mrd. USD. Neben Phillips 66 kaufte Buffett zuletzt auch beim kanadischen Öl-Förderer und Raffineriebetreiber Suncor Energy zu und hatte seine Position im dritten Quartal 2015 um ein Drittel ausgebaut.

 Phillips 66 (Quelle: comdirect.de) 
Denn Buffett liebt beständige und kalkulierbare Geschäftsmodelle und diese kauft er gerne zu Ausverkaufspreisen ein. Der Ölpreis bricht weiter dramatisch ein und mit ihm die Aktienkurse der meisten Ölunternehmen, auch die der sog. Downstreamer wie Phillips 66 und Suncor Energy, die Aktivitäten jenseits der Öl-Förderung haben. Dabei sind für diese sinkende Ölpreise per se nichts Schlechtes, sondern erlauben ihnen bisweilen sogar höhere Margen. Buffett ist hier der Überzeugung, dass die eigentlich wirtschaftlich hervorragend positionierten Unternehmen in den Abwärtssog der Branche hineingezogen werden. Und das zu Unrecht. Daher ist er massiv auf der Käuferseite.

Berkshire Hathaway und Suncor Energy befinden sich auf meiner Empfehlungsliste.

Kommentare:

  1. suncor ist interessant, befindet sich aber stärker in der Talfahrt als andere Öl-Konzerne. Kannst du abschätzen inwieweit das Angebot an die Canadian Oil Sands oder andere konzernspezifische Faktoren eine Rolle spielen? Ich glaube sehr viel tiefer wird es nicht gehen, soweit ich das beurteilen kann.

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    1. Inwiefern ist der Kurs stärker gefallen als bei andern Öl-Werten? RDS hat im Jahresvergleich deutlicher abgegeben und Total in etwa im gleichen Umfang.

      Was das Übernahmeangebot an Canadian Oil Sands angeht, besteht die Befürchtung, dass SU die zu teuer einkauft und dann nicht auf ein auch nur annähernd vergleichbares Effizenzlevel bringen kann, wie man es selbst gewöhnt ist. Öl-Sand-Waschen ist ja eine sehr energieintensive und teure Fördermethode und SU gelingt es, zu knapp 20 SUD je Barrel zu fördern. Da kann kein Wettbewerber auch nur annähernd mithalten, deshalb haben die ja alle so große Probleme.

      Das Raffineriegeschäf liefert bei SU stabile Erträge, während das Explorationsgeschäft nur noch geringe Gewinne abwirft. Das war früher bei höheren Ölpreisen natürlich anders - und ein Grund für den Kursverfall. SU wird also stark von steigenden Ölpreisen profitieren. Wann da soweit ist, kann ich nicht abschätzen. In der Zwischenzeit verdienen die aber auch bei 30 USD je Barrel noch gutes Geld und müssen sich nicht mit einer drohenden Pleite befassen. Daher kann man SU als Langfristanlage durchaus beruhigt in sein Depot legen - und auf bessere Zeiten für Ölwerte warten.

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  2. Hallo Herr Kissig,
    ich würde in der jetzigen Korrekturphase gerne in Öl-Werte investieren. Allerdings schwanke ich zwischen Shell, Phillips 66 und Suncor Energy. Ihre Meinung zu den beiden letzten Werten kann man aus Ihrem super Blog lesen. Allerdings was halten Sie von Shell?
    Besten Dank und einen erfolgreichen Tag!

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    1. Ölförderer sind die spekulativste Wette auf ein Drehen des Ölpreises, sie bieten die höchsten Kurschancen, aber auch die größten Risiken. Auch was die Dividendenausschüttungen angeht, da dürften weitere Kürzungen anstehen. Und weitere Abschreibungen auf die Assets. Shell war bisher noch recht aktiv im Raffineriegeschäft, das reduziert sich aber anteilig durch die Übernahme von BP. Shell ist stark in der Nordsee vertreten, hat also ein echtes Kostenproblem. Und man ist weltweit tätig, auch gerade in Krisenländern. Auch das gefällt mir nicht so.

      Dann gibt es Suncor Energy, die sind einerseits RaffineriebetreibeÖlförderer, aber eben zu viel niedrigeren Kosten und ausschließlich in Kanada. Das sagt mir sehr zu, ist sehr viel risikoärmer. Und sie sind im Raffineriebusiness tätig, erzielen hier stetige Cashflows und Gewinne.

      Am wenigsten spektakulär ist Philipps 66, die sind gar nicht in der Förderung tätig. Daher wurden sie ja vor einigen Jahren von ConocoPhlilipps abgespalten, eben weil mit ihnen nicht so viel Geld zu verdienen war (als der Ölpreis jenseits der 100 Dollar stand). Nun betreiben sie Raffinerien und Tankstellen (in Deutschland gehören ihnen die JET-Tankstellen). Die Aktie ist daher die sicherste Variante, weil sie von sinkenden Ölpreisen sogar profitiert. Und auch bei moderat steigenden Ölpreisen nicht gleich ins Trudeln geraten wird.

      Benjamin Graham sagt, man solle zuvorderst auf das Risiko schauen und erst danach auf die potenzielle Rendite. Insofern würde er RDS erst als dritte Option wählen...

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    2. Zur Info: heute gibt es auf The Motley Fool einen kritischen Artikel zu Shell: "Warum es an Irrsinn grenzt, BP und Royal Dutch Shell zu kaufen".

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