Montag, 31. August 2015

Buffetts großer Bluff... Phillips 66

Wenige Tage nach seinem 85. Geburtstag hat Value Starinvestor Warren Buffet mal wieder alle an der Nase herumgeführt. Auch mich. Kürzlich musste er als institutioneller Asset-Manager mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 100 Mio. USD seine Investments in US-amerikanischen börsennotierter Unternehmen stichtagsbezogen bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) offenlegen. Das vierteljährlich vorzulegendes  Formular 13F zeigt seinen Aktienbestand im Portfolio seiner Beteiligungsholding Berkshire Hathaway zum Ende des zweiten Quartals und damit die veränderungen ggü. dem 1. Quartal. Und eine der wenigen Auffälligkeiten darin war, dass Buffett seine Investments bei den Öl-Werten National Oliwell Varco und Phillips 66 komplett veräußert hat.

Über die Bestandsmeldung hinaus hatte Berkshire bei seiner SEC-Meldung angekündigt, eine 3,09 Mrd. USD schwere Beteiligung an einem nicht genannten Unternehmen eingegangen zu sein. Diese Möglichkeit zur Verschleierung wird zur Offenlegung verpflichteten Investoren eingeräumt, um ihnen die Chance zu geben, selbst eine größere Position in börsennotierten Unternehmen aufzubauen, bevor Trittbrettfahrer die Kurse hochtreiben, weil sie ja anhand der 13F-Veröffentlichung sehen können, wo der Starinvestor zukauft. Und am vergangenen Freitag hat Buffett nun die Kuh über den Eimer geschoben und alle überrascht!

Buffett hält nun mehr als 10 Prozent an Phillips 66
Denn er hat entgegen der Angaben im 13F im zweiten Quartal nicht seinen kompletten Bestand an Phillips 66 verkauft, sondern massiv zugekauft. Denn zum Ende des ersten Quartals hatte Berkshire noch rund 7,5 Mio. Aktien des Raffinerie- und Tankstellenbetreibers im Portfolio gehabt im Wert von damals etwa 590 Mio. USD und nun meldete Buffett, er halte inzwischen fast 58 Mio. Aktien mit einem Marktwert von 4,5 Mrd. USD. Er hat seine Position also fast versiebenfacht und hält nun mehr als 10 Prozent an Phillips 66.

 Phillips 66 (Quelle: comdirect)
Um die Bedeutung dieses Engagement besser einschätzen zu können, muss man nur in sein Portfolio blicken: mit 4,5 Mrd. USD ist die Phillips 66-Position größer als die von Walmart oder Procter & Gamble. Sie ist nun hinter Wells Fargo, Coca Cola, IBM und American Express die fünftgrößte Position in Berkshires Beteiligungsportfolio. Bezieht man allerdings die Wandeloptionen der Bank of America im Wert von rund 4,9 Mrd. USD mit ein, liegt Phillips 66 immerhin noch auf Platz sechs.

Einschätzung
Ich finde dieses Engagement bemerkenswert, denn der Öl- und Gassektor steckt aufgrund des niedrigen Ölpreises in einer heftigen Krise. Und die Anzeichen mehren sich, dass der Ölpreis sich nicht so schnell wieder erholen und auf absehbare Zeit unterhalb von 50 USD (WTI) notieren wird. Die Raffinerie-Betreiber wie Phillips 66 sind davon bisher wenig betroffen, denn Benzin wird weiterhin stark nachgefragt - aufgrund des niedrigen Benzinpreises greifen die Amis sogar wieder mit beiden Händen zu bei den spritfressenden SUVs. Allerdings waren die letzten Meldungen aus den USA zum Lagerbestand bei Benzin alles andere als ermutigend, denn mitten in der Hauptsaison des Benzinverbrauchs schnellten sie um 300.000 Barrel auf 811.000 Barrel nach oben. Was mich zu der Frage führte, ob der Ölpreisverfall nun auch die Raffinerie-Margen killt.

Nun, Buffett ist ja als Langfristinvestor bekannt und schert sich nicht um kurzfristige Trends. Er geht davon aus, dass die Industrie und die Autofahrer weiterhin auf hohem Niveau Benzin verbrauchen werden und mit Phillips 66 setzt er auf das solide Raffineriegeschäft und auf das Tankstellenetz - in Deutschland die JET-Tankstellen. Buffetts massive Zukäufe erklären auch, weshalb sich der Aktienkurs von Phillips 66 im zweiten Quartal so ausgesprochen gut entwickelt hat, während alle anderen Ölwerte geradezu abgestürzt sind.

Was mich an diesem Zukauf und auch an seiner Übernahme von Kraft Foods und von Precision Castparts zuversichtlich stimmt, ist die damit einhergehende Verringerung der Abhängigkeit Berkshires von den Versicherungsaktivitäten. Denn dieser schwächelnde Sektor wird auf absehbare Zeit unter Druck bleiben und birgt zunehmend höhere Risiken, auch für Berkshire. Einerseits reduziert Buffett inzwischen seine Versicherungsaktien, wenn auch in (noch) kleinem Umfang, und auf der anderen Seite baut er seine Engagements im Bereich Industrie und Konsumgüter massiv aus. Das gefällt mir und zeigt, dass Buffett die Zeichen der Zeit nicht nur erkennt, sondern auch entsprechend handelt.

Berkshire Hathaway befindet sich als "Gründungsmitglied" auf meiner Empfehlungsliste, war für mich zuletzt aufgrund der trüben Aussichten im Bereich Versicherungen jedoch nur noch eine Halteposition. Ich bin geneigt, mein Urteil zu revidieren und Berkshire wieder als Kauf zu betrachten.

Kommentare:

  1. Sind Raffinerie-Betreiber wie Phillips 66 nicht die Gewinner bei niedrigem Ölpreis?
    Der Grundrohstoff (Rohöl) kann günstiger gekauft werden wo hingegen die Preisersparniss nicht zum Konsumenten durchgereicht wird...

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    1. Moin Alex,
      "Gewinner" wäre vielleicht zu weitgehend, sie gehören jedenfalls nicht automatisch zu den Verlierern bei sinkenden Ölpreisen. Denn ihre Preise orientieren sich ja auch nach Angebot und Nachfrage (vor allem nach Benzin) und Raffineriekapazitäten können nicht einfach mal so eben aus dem Boden gestampft werden. Daher sind ihre Margen bisher nicht unter Druck und ihre Produkte finden reißenden Absatz.

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  2. Ich bin seit 2012 in Phillips 66 investiert. Ich habe auch schon zweimal nachgekauft. Es ist einfach eines meiner liebsten Unternehmen. Tim Schäfer hat mich damals auf Phillips 66 aufmerksam gemacht: http://timschaefermedia.com/was-machen-die-insider-steht-ein-ausserordentliches-event-bevor/

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    1. Tim Schäfers Artikel schätze ich auch sehr. Beim "Aktien Magazin" von TraderFox sind wir quasi Kollegen, denn er hat dort auch eine eigene Kolumne, in der er regelmäßig über amerikanische Aktien schreibt und zwar sehr ausführlich und fundiert.

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