Dienstag, 23. Februar 2016

VTG punktet mit Top-Zahlen und Dividendensprung

Der Waggonvermieter und Schienenlogistiker VTG hat seine Unternehmenszahlen für das Geschäftsjahr 2015 vorgelegt und konnte die hohen Erwartungen erfüllen. Dank der Übernahme der Ahaus Alstätter Eisenbahn Holding AG (AEE) im letzten Jahr kam man in allen Bereichen im mittleren bis hohen zweistelligen Prozentbereich vorwärts und das Unternehmen selbst spricht zurecht von einem Meilenstein in der Unternehmensgeschichte. Heiko Fischer, Vorstandsvorsitzender der VTG AG, erläutert hierzu: "Wir haben unseren Wagenpark erweitert, unser Geschäft in allen Bereichen erfolgreich ausgebaut und durch vereinfachte Prozesse und Strukturen erste Synergien realisiert. Dazu trägt ganz wesentlich die bereits weit fortgeschrittene Integration der AAE bei. Darüber hinaus ist uns eine umfassende Refinanzierung gelungen, die ein wichtiger Baustein zur Erreichung unserer Profitabilitätsziele ist".

Das Zahlenwerk
Die - noch untestierten - Zahlen zeigen, dass der Umsatz um 25,6% auf €1.027,5 Mio. gestiegen, ist und sich das operative Ergebnis (EBITDA) um 76,2% auf €336,5 Mio. erhöhte.

In der Waggonvermietung mit einem Fuhrpark von 80.000 Waggons erhöhte sich der Umsatz 2015 um 55,5% auf €537,2 Mio. und das EBITDA stieg ebenfalls deutlich um 72,5% auf €335,4 Mio. . Die Auslastung der Flotte lag mit 90,6 Prozent leicht unter dem Vorjahreswert von 91,0%, jedoch über dem Wert des Vorquartals von 89,6%.

Der Geschäftsbereich Schienenlogistik ist 2015 seinen Weg der Neupositionierung erfolgreich weitergegangen. So konnte sich der Umsatz trotz einer weiterhin angespannten Lage in Russland und der Ukraine sowie einem nach wie vor hohen Wettbewerbsdruck um 0,6% auf €324,0 Mio. entwickeln, während das EBITDA deutlich auf €3,4 Mio. stieg, nachdem im Vorjahr noch ein leichter Verlust von € 0,2 Mio. erzielt wurde.

Mit diesem Ergebnis hat der Geschäftsbereich wieder einen positiven Beitrag zum Konzernergebnis geleistet. Zudem wurden zum Jahresende die restlichen 30% am Joint Venture von Kühne + Nagel übernommen. Damit ist die VTG alleiniger Gesellschafter des größten privaten Schienenlogistikunternehmens in Europa, der VTG Rail Logistics, und will die Reorganisation in diesem Bereich weiter zügig fortsetzen.

Der Geschäftsbereich Tankcontainerlogistik verzeichnete im vergangenen Jahr einen deutlichen Aufwärtstrend. Dazu trug, neben einmaligen Erträgen, der steigende US-Dollar-Kurs ebenso bei wie die Zunahme von Überseeverkehren. Demzufolge stieg der Umsatz um 10,2% auf €166,3 Mio. und das EBITDA verbesserte sich um 6,5% auf €13,6 Mio.

 VTG (Quelle: comdirect.de) 
Ausblick und Perspektive
VTG hat sich unter dem Schlagwort "VTG 4.0" ein umfassendes Verbesserungs- und Effizienzkonzept auferlegt und will in den nächsten Jahren in den Bereichen Themen Innovationen, Digitalisierung, Vereinfachung von Prozessen und Strukturen sowie mit weiterem selektiven Wachstum seine Marktposition weiter stärken sowie die erheblichen Synergien, die im Zusammenschluss mit der AEE schlummern, vollständig heben. Dank des Niedrigzinsumfelds und einer verbesserte Bonität konnte die Konzern-Refinanzierung 2015 zu deutlich besseren Konditionen abgeschlossen werden, so dass der durchschnittliche Zinssatz und damit der Zinsaufwand des Konzerns sinkt. Das führt in den kommenden Jahren zu einer spürbaren Entlastung im Finanzergebnis und trägt zur Profitabilitätssteigerung bei. Insgesamt strebt der Vorstand eine Erhöhung des Ergebnisses pro Aktie (EPS) auf €2,50 bis 2018 an.

Dividendenanhebung um 11%
Aufgrund der Top-Zahlen schlägt der Vorstand der Hauptversammlung vor, die Dividende für das Jahr 2015 auf €0,50 je Aktie anzuheben. Dies ist ein Anstieg ggü. der Vorjahresausschüttung um 11% und bringt die Dividendenrendite auf knappe 2%.

Solide Eigentümerstruktur
Die Eigentumsverhältnisse bei VTG sind seit der AEE-Übernahme klar geregelt: größter Eigner ist die französische Compagnie Européenne des Wagons mit 43,84%, es folgt der ehemalige AAE-Eigentümer Andreas Goehr mit 25,62% und weitere institutionelle Investoren mit kleineren Anteilen. Der Streubesitz liegt bei 24,49%.

Einschätzung
VTG hat eine herausragende Stellung im europäischen und insbesondere im deutschen Logistikmarkt. Die betriebsinternen Synergien sprechen für eine stetige Verbesserung des EPS, die hohe Auslastung der Waggons ist zumeist über mehrjährige Verträge abgesichert und während die gesunkenen Öl- und Benzinpreise einerseits die Konkurrenz des Straßen-Güterverkehrs stärkt, senken sie auch bei VTG die Kosten erheblich. VTG befindet sich daher meiner Empfehlungsliste und ich hatte die zuletzt schwachen Kurse zum Aufstocken meiner Depotposition genutzt.

Kommentare:

  1. Warum wird VTG so abgestraft heute, hat jemand eine Idee?

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    1. Nach den Zahlen haben Warburg Research und Hauck & Auffhäuser erklärt, Umsatz und EBITDA hätten im Schlussquartal leicht unter ihren Erwartungen gelegen. Beide haben ihre Kaufempfehlungen jedoch bestätigt, Warburg mit gleichem Kursziel von €39,50, während H&A sein Kursziel auf von €37,00 €36,00 gesenkt hat. Auch die Commerzbank rät zum Kauf, ihr weiterhin gültiges Kursziel liegt allerdings "nur" bei €26,00.

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  2. Hi Michael,

    danke für die Einschätzung über die VTG. Das Geschäftsmodell hat mich dazu veranlasst selbst mal die Zahlen zu checken. Was die reinen Kennzahlen des Unternehmens angeht, gefällt mir was ich sehe. KBV (0,4), KCV(4,5) und KUV (0,9) sehen eigentlich ziemlich gut aus. Was mir ein bisschen missfällt sind die schwachen Renditenkennzahlen (im Vergleich zu der Branche) und sinkendes Gewinnwachstum (im 5 Jahres Vergleich). Vor allem im ROE und ROA performt die Branche leicht besser. Die schwäche in der Performance sieht man auch, wenn man sich die Aktienkennzahlen anschaut (sind alle gesunken). Fraglich ist also, was passiert in der Zukunft?

    Das Unternehmen an sich scheint aber grundsolide sein. Leider trotz Kursfall noch viel zu teuer aus meiner Sicht.

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