Dienstag, 17. Mai 2016

Und was tat sich in Warren Buffetts Depot im 1. Quartal 2016?

Value Investor Warren Buffett, das "Orakel von Omaha",musste für seine Investmentholding Berkshire Hathaway wieder das sog. Formular 13F bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) einreichen. In diesem vierteljährlich vorzulegenden Dokument müssen institutionelle Asset-Manager ab einem verwalteten Vermögen von $100 Mio. ihre Investments in US-amerikanischen börsennotierter Unternehmen stichtagsbezogen offenlegen.

Veränderungen im 1. Quartal 2016
Auch im ersten Quartal gab es einige Veränderungen an Buffetts Positionen, dessen börsennotierte Aktienpositionen von $131,86 Mrd. auf $128,57 Mrd. sanken. Allerdings ist hierfür nicht nur die allgemeine Börsenverfassung verantwortlich, sondern auch Einmaleffekte. Denn seine bisherige siebtgrößte Position Procter & Gamble, die Ende 2015 noch $4,2 Mrd. ausgemacht hatte, sucht man nun vergebens in Buffetts Portfolio. Was "einfach" daran liegt, dass im ersten Quartal nun endlich der lang erwartete Tausch seiner P&G-Aktien in Duracell erfolgt ist - und Berkshire Hathaway einen hohen Einmalertrag brachte. Andererseits ist Duracell nicht börsennotiert, so dass der Wert dieser Beteiligung nicht (mehr) in der Übersicht auftaucht.

Eine weitere Neuerung ist, dass Wells Fargo nicht mehr die Nummer 1 in Buffetts Depot ist - sie wurde von der vormals zweitgrößten Beteiligung The Kraft Heinz Co. überholt, die erst seit dem dritten Quartal 2015 "an Bord" ist, als Buffetts nicht (mehr) börsennotierte Heinz Ketchup den Nahrungsmittelgiganten Kraft Foods übernahm und beide als Gemeinschaftsunternehmen nun wieder an der Börse notieren. Käufe oder Verkäufe hat Buffett bei beiden Unternehmen nicht getätigt, der Tausch des Spitzenplatzes liegt alleine an der sehr unterschiedlichen Kursentwicklung der beiden Aktien.



Wichtigste Käufe
Bei seiner viertgrößten Beteiligung IBM hat Buffett weiter aufgestockt und kaufte knapp 199.000 Aktien zu, wodurch er sich immer näher an die 10-Prozent-Schwelle herantastet. Größter Aktionär bei "Big Blue" ist Buffett ohnehin schon lange.

Von den Medien am stärksten beachtet ist Berkshires Einstieg beim Tech-Giganten Apple. Hier investierte man knapp $1 Mrd. und erwarb gut 9,8 Mio. Aktien. Was wie Ritterschlag für den strauchelnden Konzern gewertet wird, sollte allerdings zu denken geben - die ARD Börse merkt zurecht an, dass Apple spätestens mit dem Einstieg von Berkshire Hathaway kein Wachstumsunternehmen mehr sei, sondern ein "zuverlässiger Versorger" der eigenen Anhängerschaft mit hochpreisigen Iphones. Mir selbst ist das "Klumpenrisiko Iphone" zu groß, weshalb ich mich vor knapp einem Jahr zu Kursen von €110 aus dem "Ein-Produkt-Unternehmen Apple" verabschiedet hatte.

Bemerkenswert am Rande ist noch, dass der Apple-Kauf nicht auf Buffett selbst zurück geht, sondern auf einen seiner beiden "Leutnants", die ehemaligen Hedgefonds-Manager Todd Combs und Ted Weschler, die seit einigen Jahren in Diensten Berkshires stehen und eigenverantwortlich jeweils rund $9 Mrd. Depotvolumen betreuen und Anlageentscheidungen treffen. Dies hatte Buffett in einer Mail an das Wall Street Journal klargestellt.

Kräftig weiter zugekauft hat Buffett auch bei seiner sechstgrößten Position, dem Raffinerie- und Tankstellenbetreiber Phillips 66, die er um gut 14 Mio. Aktien ausbaute. Beim Landmaschinenhersteller Deere & Co. befindet sich Buffett weiter auf der Käuferseite und kaufte zusätzliche knapp 400.000 Aktien und auch beim Kreditkartenanbieter VISA Inc. stieg sein Anteil um weitere 354.000 Anteilsscheine an.

Bei Charter Communications stockte er seinen Bestand um weitere 40.000 Anteile auf. Bei Liberty Media kaufte er zusätzliche 4,6 Mio. Anteile der Klasse C, von denen er nun 20 Mio. hält, und erhöhte seinen Bestand an Klasse A-Aktien um 2,2 Mio. auf nun 10 Mio. Anteile. Bei Liberty Global stockte er hingegen nur die Aktien der Serie A um gut 3 Mio. Stücke auf nun 15,57 Mio. Aktien auf, während sein Bestand an Aktien der Serie C bei 7,346 Mio. Anteilen verharrte.


Wichtigste Verkäufe
Reduziert hat Buffett seinen Anteil beim strauchelnden Einzelhandelskonzern Walmart Stores, immerhin um knapp 950.000 Aktien. Und auch sein Rückzug aus dem Finanzsektor geht weiter. So verkaufte er 715.000 Aktien der Bank of New York Mellon und bei Mastercard verkaufte er 295.000 Anteile. Komplett getrennt hat er sich von seiner restlichen Position an AT&T, die zuletzt immerhin noch 1,21% des Berkshire-Gesamtportfolios ausgemacht hatte.


Unverändert
Bei vielen von Buffetts größten Positionen gab es keinerlei Veränderungen, so bei The Kraft Heinz Co.Coca ColaAmerican ExpressUS Bancorp, Davita Healthcare Partners und Moody's.


Wichtigste Käufe                 Marktwert 31.03.    Anzahl 31.03.  Anzahl 30.012.       Veränderung
Apple       1.069.382.000 $          9.811.747                            0   +         9.811.747
IBM     12.302.631.000 $        81.232.303        81.033.450   +            198.853
Phillips 66       6.541.939.000 $        75.550.745                61.486.926   +      14.063.819


Wichtigste Verkäufe            Marktwert 31.03.    Anzahl 31.03.           Anzahl 30.12.       Veränderung
Walmart      3.783.055.000 $        55.235.863               56.185.000   -             949.137
AT&T                                0 $                            0               46.577.138   -       46.577.138
Mastercard         466.334.000 $          4.934.756                 5.229.756   -             295.000


Buffett ist kein Freund des Diversifizierens
Bemerkenswert ist die Konzentration Buffetts auf einige wenige große Beteiligungen. So machen seine beiden größten Positionen Kraft Heinz und Wells Fargo zusammen schon knapp 38% aus und die sechs größten Positionen stehen für zusammen knapp 75% seines Börsen-Portfolios.

Die im Januar abgeschlossene 37-Milliarden-Dollar-Übernahme von Precision Castparts (PCP) taucht in dieser Liste nicht auf, weil dieses Unternehmen nicht mehr an der Börse notiert ist, sondern wie Duracell, General Re oder die Eisenbahngesellschaft Burlington Northern Santa Fe (BNSF) nun zu den vielen nicht-börsennotierten Berkshire-Beteiligungen zählt.

Was das 13F-Formular nicht zeigt...
In Buffetts Portfolio befinden sich ja auch eine Menge an nicht-börsennotierten Unternehmen und es enthält darüber hinaus sog. "Preferred Stocks" (nicht mit den deutschen Vorzugsaktien zu verwechseln). Diese Aktien enthalten Sonderrechte, die über die der allgemeinen Aktien hinausgehen, und werden daher eher als Hybrid Instrumente angesehen, denn als Aktien.

An Preferred Stocks hält Buffett einige große Pakete, die wahre Schätze verbergen.

  • Bank of America (BoA)
    2011 stieg Buffett ein und zwar durch eine in zwei Teile strukturierte Transaktion. Für $5 Mrd. kaufte er "Cumulative Perpetual Preferred Stocks", die keine Laufzeitbeschränkung haben und jährlich 6% an Zinsen abwerfen. Sie können nicht in "Common Stocks" (Stammaktien) getauscht werden. Aber Warren Buffett wäre nicht Warren Buffett, gäbe es nicht den zweiten Part. Denn zusätzlich erhielt er "Warrants" (Wandeloptionen), die es ihm erlauben, bis September 2021 für $5 Mrd. BoA-Aktien zu kaufen und zwar zu einem festgelegten Preis von $7,14 je Aktie. Bei Ausübung dieser Option würde Buffett 6,5% an BoA übernehmen. Am 31.12. notierten die BoA-Aktien bei $13,52.

    In seinem 2014er Geschäftsbericht schrieb Buffett, er wolle die Optionen kurz vor Ende der Laufzeit wandeln und daher ist BoA objektiv betrachtet unter den sieben größten Positionen in Berkshires Portfolio.
     
  • Dow Chemical
    2008 stellte Buffett Dow Chemical $3 Mrd. für die Übernahme der Spezialchemiefirma Rohm & Haas Co. zur Verfügung und erhielt im Gegenzug Preferred Stocks, die eine jährliche Dividende von 8,5% ausschütten, oder $255 Mio. Dabei hat Dow Chemical das Recht, die Preferred Stcokks in ganz normale Aktien umzuwandeln, wenn ihr Aktienpreis für 20 Tage innerhalb einer Periode von 30 Tagen oberhalb von $53,72 schließt. Dabei würde Buffett 62,6 Mio. Stammaktien erhalten zu einem festgelegten Bezugspreis von $41,32. Was ihn zu einem der größten Aktionäre von Dow Chemical machen würde.
     
  • Goldman Sachs
    2008 bereits griff Buffett Goldman Sachs unter die Arme durch eine ebensolche in zwei Teile strukturierte Transaktion, die später auch als Blaupause für den BoA-Deal diente. Für $5 Mrd. kaufte er "Cumulative Perpetual Preferred Stocks" und "Warrants", die es ihm erlaubten, für $5 Mrd. Goldman Sachs-Aktien zu kaufen und zwar zu einem festgelegten Preis von $115 je Aktie.

    Doch fünf Jahre später stand die Aktie bereits bei $160 und beide Seiten einigten sich auf eine Lösung, die die Aktienzahl nicht zu sehr in die Höhe treiben und somit die Anteile der übrigen Aktionäre zu stark verwässern würde. Anstatt dass Buffett 43,5 Mio. Aktien zu $115 kaufte, übertrug ihm Goldman Sachs 13,1 Mio. Aktien - und zwar unentgeltlich. Netto lief das damals auf dasselbe Ergebnis hinaus.

    Die inzwischen nochmals auf rund 11 Mio. Aktien reduzierte Position in Buffetts Portfolio hat ihn also unter dem Strich keinen Penny gekostet!
     
Meine Einschätzung
Berkshire Hathaway befindet sich auf meiner Empfehlungsliste. Allerdings seit einiger Zeit nur noch als Halteposition, weil die starke Abhängigkeit vom Versicherungsgeschäft meines Erachtens immer größere Risiken birgt. Und über diese Sparte sagte Buffet kürzlich selbst, dass sie in den nächsten Zehn Jahren "nicht mehr so gut laufen werde wie in den letzten 30 Jahren". Ich bewerte es daher positiv, dass Buffett sein Engagement in diesem Bereich reduziert und im Gegenzug seine Konsumgüter- und Industriebeteiligungen erheblich ausbaut, so auch durch die angekündigte Übernahme von Precision Castparts.

 Berkshire Hathaways Portfolio (Quelle: http://warrenbuffettstockportfolio.com

Kommentare:

  1. Danke für die übersichtliche Aufbereitung und Zusammenfassung!

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  2. Ich danke auch für die hervorragende Übersicht. Dürfte man auf deutschen Finanzblogs eher nicht noch einmal finden.

    Apple sehe ich auch skeptisch. Das er aber Wal-Mart abgibt? Ich behalte meine.

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    1. Walmart kommt zunehmend unter Druck, auch dank Aldi (auch wenn die in den USA noch vergleichsweise geringe Marktanteile haben, wachsen die doch rapide) und Lidl. Walmart ist bereits bei ihrem Deutschland-Abenteuer an den beiden gescheitert. Und Buffett hat die disruptive Kraft von Aldi und Lidl in England kennengelernt, wo sie Tesco gekillt haben - da war Buffett ja lange investiert und er bezeichnet Tesco heute als sein schlechtestes Investment überhaupt.

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