Sonntag, 2. Oktober 2016

Die 12 Investment-Gebote des Philip Carret

Philip Carret
Philip Carret gründete den Pioneer Fonds und tauschte Investment-Ideen mit dem Vater von Warren Buffett, als "das Orakel von Omaha" noch in den Kinderschuhen steckte. Durch seine Tätigkeit als Reporter beim US-Anlegermagazin Barron’s entdeckte Philip Carret seine Vorliebe für die Börse und das Value Investing. Insbesondere riet er, auf Unternehmen zu setzen, die Produkte des täglichen Bedarfs herstellen und die man auch versteht. In Erinnerung bleibt besonders sein Buch "Die Kunst des Spekulierens", in der er seine goldenen Investment-Regeln niederschrieb, über Diversifikation und ständige Risikokontrolle.

Seinen ersten Investment-Pool, den er mit von Freunden und Verwandten geliehenem Geld gegründet hatte, wandelte er 1928 in den Pioneer Fonds um - kurz bevor der große Crash von 1929 die Weltwirtschaftskrise einleitete. Der Pioneer Fonds überlebte und Philip Carret machte ihn zu einem der erfolgreichsten Investmentfonds der Welt; er führte ihn 55 Jahre lang, bevor er seine Anteile verkaufte. Nach seinem Ausscheiden steckte er seine Kraft in die eigene Vermögensverwaltung Carret & Co. und arbeitete selbst als 100-jähriger noch an drei Tagen in der Woche für sein Unternehmen, bevor er 1988 mit 101 Jahren verstarb.

Seine wohl beste Investition waren Aktien von Berkshire Hathaway, die er in den 1960er für weniger als $400 erwarb, weil er von Warren Buffets Investment-Stil sehr angetan war. Diese hohe Wertschätzung beruhte auf Gegenseitigkeit und Buffett bezeichnete Philip Carret später einmal als "einen seiner Helden".

»Die Hauptsache ist, ein wunderbares Geschäft zu finden, wie Phil Carret es immer tat. Er ist einer meiner Helden, und das ist ein Ansatz, den er benutzt.«
(Warren Buffett)

Philip Carrets 12 Investment-Gebote

  1. Halte niemals weniger als 10 verschiedene Wertpapiere aus fünf verschiedenen Geschäftsfeldern.
     
  2. Überprüfe mindestens alle 6 Monate alle deine gehaltenen Wertpapiere.
     
  3. Lege mindestens die Hälfte deines Vermögens in einkommenerzeugenden Wertpapieren an.
     
  4. Betrachte die Dividenden- bzw. Zinsrendite als den unwichtigsten Faktor bei der Analyse eines Wertpapiers.
     
  5. Sei schnell dabei, Verluste zu realisieren und langsam dabei, Gewinne mitzunehmen.
     
  6. Stecke niemals mehr als 25% deines Geldes in Wertpapiere, über die detaillierte Informationen nicht ohne Weiteres verfügbar sind.
     
  7. Meide Insider-Informationen wie die Pest.
     
  8. Suche fleißig Fakten, aber meide Ratschläge.
     
  9. Ignoriere automatisierte Formeln zur Wertermittlung bei Wertpapieren.
     
  10. Wenn die Aktien hoch stehen, die Zinsen steigen und die Wirtschaft brummt, lege mindestens die Hälfte deines Geldes in kurzfristigen Anleihen an.
     
  11. Leihe dir nur sparsam Geld und nur, wenn die Aktien tief stehen, die Zinsen niedrig sind und weiter fallen und die Wirtschaft am Boden liegt.
     
  12. Halte immer einen kleinen Teil deines Geldes verfügbar, um langfristige Chancen am Aktienmarkt ausnutzen zu können, wenn sie sich bieten.

1 Kommentar:

  1. Five Phil Carret quotes

    1. “Always stay fully invested. Keep your portfolio well diversified."

    12. oben ist offenbarer Blödsinn, denn um langfristige Chancen nutzen zu können, muss ich kein kurzfristig verfügbares Geld haben.
    Wer von Wells Fargo langfristig profitieren will, muss sie nicht heute kaufen; wer sie für fundamental aussichtsreicher als andere Investments hält, hat alle Zeit der Welt, sein Depot umzuschichten. Kurzfristig liquide sein muss aber sehr wohl der, der von einer flüchtigen Skandaldelle, die er in der Sache nicht für substanziell und für einen Irrtum des Marktes hält, profitieren, also auf die Dummheit der Börse wetten will.

    Natürlich kann man beides verbinden, wenn es sich ergibt; nur ist die Frage, ob man auf eine solche Verbindung eigens ausgehen sollte, ob diese Verbindung etwas für das eigentliche Investieren Wesentliches ist, ob man am Ende gar von solchen Zocks seine langfristige Entscheidungen, Gewichtungen, ein langfristiges partielles Nicht-Investment etc. abhängig machen will.

    So nehme ich auch an, dass Buffet weiß, welche Rolle Wells Fargo in seinem langfristigen Depots spielen soll, und sofern sich an seiner grundsätzlichen Einschätzung der Bank nichts geändert, wird er daher weder nennenswert kaufen noch verkaufen, also seine Strategie nicht von einer Fehleinschätzung des Marktes abhängig machen. Dass es die alten Herren doch immer mal wieder in den Fingern gejuckt hat und sie sich einen "kleinen Teil" zum Zocken gegönnt haben, ist menschlich, auch dass sie dieses Wort schamhaft weggeschwatzt und es gar unter den Deckmantel des langfristigen Investments gelogen haben. Aber es ist belanglos. Was Buffet an Wells Fargo verdient hat, hat er nicht "im Einkauf", durch "den richtigen Zeitpunkt" verdient, sondern nur durch die richtige langfristige, konsequent befolgte Einschätzung; alles andere ist Trinkgeld, bei dem auch erst noch die Gegenrechnung (Alternativkosten, Fehlentscheidungen dadurch) aufzumachen wäre.

    One of Mr Buffett’s most famous quotes is “Only buy something that you’d be perfectly happy to hold if the market shut down for 10 years”, - und was ist der Ertrag von Liquidität, wenn die Zocker nicht zocken können? Strafzinsen ... be happy!

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