Mittwoch, 18. Januar 2017

Capital Stage: Einfach Geld verdienen mit sauberem Strom

▸ Kissigs Kolumne vom 15. November 2016, Aktien Magazin 30/2016 

Warren Buffett sagte einmal, mit Energieversorgern würde man nicht reich, aber man bleibe es. Das mag in den Ohren der Aktionäre von Eon oder RWE wie Hohn klingen, aber Buffett hat beim Ausspruch seiner Worte ganz bestimmt nicht an die staatlich verordnete Energiewende in Deutschland gedacht, die für die Misere der deutschen Energieversorger verantwortlich ist. Denn im operativen Geschäft verdienen die Konzerne weiterhin auskömmlich Geld, sie verbrennen allerdings Milliarden mit Abschreibungen auf ihre alten Kraftwerksbeteiligungen, den Atomkraftwerken und den unrentablen Öl- und Gaskraftwerken.

»Mit Energieversorgern wird man nicht reich, aber man bleibe es.«
(Warren Buffett)

Die andere Seite der Energiewende ist, dass der deutsche Staat ganz vorne mit dabei ist, wegzukommen von konventionellen, fossilen Brennstoffen hin zu regenerativen Energiequellen, Also Bio, Wasser, Wind und Sonne. Durch das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) werden diese Energiequellen staatlich gefördert und mittels langlaufender Subventionen massiv unterstützt. Die Zeche zahlen übrigens nicht die Steuerzahler, sondern die Energiekunden über ihre Stromrechnung. Denn dort findet sich ein immer größer werdender Anteil an staatlichen Umlagen, insbesondere der EEG-Umlage, aus der diese Subventionen gespeist werden.

Konkurrenz aus Asien verdirbt die Preise
Diese Subventionen waren auch der Grund, weshalb in Deutschland, einem eigentlich sonnenarmen Land, die Produktionsstätten für Solarmodule wie Pilze aus dem Boden schossen. Gerade in der durch die EU noch besonders geförderten Region Ostdeutschland entstanden hunderte derartiger betriebe und nicht wenige fanden auch den Weg an die Börse. Doch es kam, wie es kommen musste. Die hohen Subventionen für die Solarmodule lockten auch zunehmend ausländische Anbieter an, insbesondere aus Asien, und die Milliarden flossen zunehmend ins Ausland ab. Die deutschen Unternehmen hatten es sich in ihrer subventionierten Nische zu bequem gemacht und sich nicht auf den steigenden Wettbewerb eingestellt. Als dann die Regierung die ausufernden Subventionen einbremste, rasten viele deutsche Konzerne in die Insolvenz. Erinnert sei nur kurz an Q-Cells, Solon oder Solarworld. Letztere kämpft noch immer mit Umstrukturierungen und massiven Verlusten, das Lebenslicht ist noch nicht ganz ausgeblasen.

Es gab aber auch andere Hochflieger, die Hersteller von Windrädern. Ob RePower oder Nordex, auch diese Branche machte und macht eine Berg- und Talfahrt durch. Anleger verdienten und verloren Millionen in diesem Bereich. Es stellt sich daher die Frage, weshalb ich mich dieses Themas überhaupt annehme…

 Capital Stage (Quelle: finanzen.net
Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: es lässt sich mit erneuerbaren Energien viel Geld verdienen. Auch und gerade in Deutschland. Man muss nur genau hinsehen und auf die richtigen Investments setzen. Die jüngsten Änderungen am EEG, die letztlich Kosten sparen sollen, bringen künftig eine Art Auktionsverfahren für neue Standorte mit sich. Der günstigste Anbieter erhält den Zuschlag. Dieses neue Verfahren wird sich vor allem für die Hersteller von Solarmodulen und Windkraftanlagen negativ auswirken, denn die Wind- und Solarparkprojektierer bekommen nur noch den Zuschlag, wenn sie billige sind als die Konkurrenz. Und das bedeutet, dass sie zu immer niedrigeren Kosten Windräder und Solarmodulen einkaufen müssen, wollen sie noch neue Projekte ins Leben rufen können. Da es alle Projektierer gleichermaßen trifft, kann sich auch keiner dem Wettbewerbsdruck entziehen, insbesondere bei den Herstellern nicht.

Und hier kommen wir zum interessanten Part, wo es ums Geld verdienen geht. Denn da wir noch immer in einer Welt ohne Zinserträge leben und sich daran auch nicht viel ändern wird in absehbarer Zeit, stehen viele Investoren bereit, um Geld in Infrastruktur zu investieren. Und konkret: in regenerative Energieerzeugung. Denn der eigentliche Nachteil, die staatliche Regulierung, stellt auf der anderen Seite mit den auf viele Jahre garantierten Einspeisevergütungen auch eine fast absolut berechenbare Einnahmequelle dar. Kalkulierbares Risiko bei gut kalkulierbarer Rendite, das lockt viele Investoren in Zeiten von Strafzinsen an. Und diese wollen sich einkaufen, sie übernehmen fertig gestellte Wind- und Solarparks oder beteiligen sich an bestehenden. Oder sie stellen Geld zur Verfügung für Unternehmen, die neue Parks in Angriff nehmen.

Dabei hat Deutschland einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Und ich meine nicht die unterdurchschnittliche Sonnenausbeute oder die überdurchschnittliche Anzahl an Windtagen, sondern die Rechtssicherheit. Anders als beispielsweise in Spanien oder Italien, wo schon einmal rückwirkend die Einspeisevergütungen gekürzt wurden, ist dies in Deutschland rechtlich gar nicht möglich. Kürzungen können für die Zukunft beschlossen werden, aber eben auch nur für noch nicht begonnene Projekte. Was genehmigt und umgesetzt wurde, hat Bestandsschutz und zwar zu den bei der Genehmigung gültigen Rahmenbedingungen.

Bei Capital Stage scheint immer die Sonne…
Schauen wir uns also auf dem deutschen Kurszettel um, fällt uns Capital Stage ins Auge. Der Aktienkurs hatte sich von Ende 2014 innerhalb eines Jahres auf 9 Euro mehr als verdoppelt, bevor er stärker konsolidierte. Aktuell zahlt man rund 6,50 Euro für einen Anteilsschein. Und dabei erhält man auch noch gleich rund 95% der Chorus Clean Energy AG mit, denn die hatte Capital Stage kürzlich im Wege eines Aktientauschs übernommen.

…und nun auch an windigen Tagen
Diese Übernahme macht durchaus Sinn, denn während Capital Stage vor allem im Bereich des Betriebs von Solarparks aktiv ist, hatte sich Chorus Clean Energy vor allem auf Windparks spezialisiert. Die im SDAX gelistete Capital Stage investiert vor allem in Solar- und Windparks an Land, also „onshore“, und betreibt zur Zeit 81 Solar- und zehn Windparks mit einer Leistung von mehr als 600 Megawatt in Deutschland, Italien, Frankreich und Großbritannien. Und dabei setzte das Unternehmen im ersten Halbjahr 2016 knapp 65 Millionen Euro um und damit rund 24 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Und dank der Übernahme des Wettbewerbers Chorus Clean Energy betreibt man gemeinsam nun 149 Solar- und Windparks in sechs Ländern mit einer Produktionskapazität von mehr als einem Gigawatt. Das entspricht in etwa der Leistung eines mittleren Atomkraftwerks.

MDAX-Aufstieg im Blick
Kein Wunder, dass man bei einer Marktkapitalisierung von inzwischen über 800 Millionen Euro auch von einer Aufnahme in den MDAX träumt – auch wenn hier bald die beiden Energie-Abspaltungen von RWE und Eon, Innogy und Uniper Plätze beanspruchen werden. Der MDAX wird mittelfristig also deutlich energielastiger werden.

Doch wer heute die Aktien kauft, setzt ja auf die Zukunft und nicht auf die Erfolge der Vergangenheit. Einerseits dürfte es einiges an Synergien zu heben geben in den Bereichen Einkauf und Finanzierung. Und gerade hier kann eine reduzierte Zinslast für Fremdkapital schon erheblichen Einfluss auf das Finanzergebnis und damit auf den Jahresüberschuss haben. Darüber hinaus hat man nun eine Größe erreicht, wo man verstärkt in den Fokus institutioneller Anleger gerät, was dem Aktienkurs nicht gerade schaden dürfte.

Nimmt man die bisherigen Prognosen zusammen, dürfte der Konzern auf gemeinsame Jahreserlöse von rund 200 Millionen Euro kommen. Für konkretere Angaben müssen sich Anleger allerdings noch gedulden, denn detaillierte Prognosen will Capital Stage erst mit Vorlage der Jahreszahlen für 2016 vorlegen.

Auch wenn der deutsche Markt auf den ersten Blick weniger Wachstumspotenzial ausweist, hat Capital Stage den Vorteil, dass man nicht nur auf neue Wind- und Solarparks setzt, sondern gerade auch bestehende Projekte übernimmt. Das Stichwort heißt Repowering und bedeutet, dass alte Anlagen durch neue und leistungsstärkere ersetzt werden. Der Vorteil liegt auf der Hand: denn diese Standorte sind bereits valide, sie haben bereits Strom erzeugt und man kennt die erzielbare Ausbeute. Bei neuen Standorten handelt es sich um Projektionen und Rechenmodelle, die sich erst noch beweisen müssen. Durch das Ablösen alter, teurer Finanzierungen erzielt man in der Regel erhebliche Zinseinsparungen und kann durch neue Module deutlich mehr Strom erzeugen als mit den alten Anlagen. Diese zweigleisige Strategie ist daher sicherer und erfolgversprechender, als ausschließlich auf die Errichtung neuer Anlagen zu setzen.

Aufgrund der Niedrigzinsphase ist Capital Stage in einer hervorragenden Position, weil immer mehr Interessenten Schlange stehen. Auf der anderen Seite sorgen die garantierten Einspeisevergütungen für verlässliche Einnahmen, während die neuen Regelungen des EEG vor allem die Produzenten von Solarmodulen und Windrädern unter Kostendruck setzen, was Capital Stage ebenfalls in die Karten spielt. Das erklärte Ziel der Bundesregierung ist, bis zum Jahr 2050 rund 80 Prozent des Primärenergiebedarfs aus erneuerbaren Energien zu decken. Ein gigantischer Markt, nicht nur für Capital Stage. Viel sauberer kann ein Investment kaum noch sein. Und vielleicht ist Capital Stage ja doch ein Energieversorger, der seine Anleger reich machen kann, zumindest auf lange Sicht. Das Potenzial ist jedenfalls vorhanden und bisher hat das Management es verstanden, dies auch gewinnbringend zu nutzen. Alles spricht dafür, dass ihm dies auch in Zukunft gelingen wird.


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ERGÄNZUNG VOM 30.01.2017
Ich habe heute Aktien von Capital Stage erworben und nehme sie zu €6,08 auf meine Empfehlungsliste. Capital Stage möchte eine "aktive Rolle" bei der Branchenkonsolidierung einnehmen, ist auf der anderen Seite bei einer Börsenkapitalisierung von knapp €800 Mio. auch selbst ein Übernahmekandidat für einen finanzstarken Investor. Entweder aus der Branche (Innogy oder Eon) oder aber ein Finanzinvestor, wie auch Versicherungskonzerne (z.B. Allianz), die auf der Suche nach verlässlichen Renditen sind.

Der Kurs steht aktuell noch unter Druck, weil die Übernahme von Chorus Clean Energy deren Aktionären kein Bargeld brachte, sondern Capital Stage-Aktien. Hier scheinen einige Neuaktionäre weiterhin abgabewillig zu sein. Auf der anderen Seite kaufen die beiden Aufsichtsräte Albert Büll und Dr. Cornelius Liedtke kräftig weiter Aktien zu - in den letzten Wochen zusammen immerhin für mehr als eine halbe Million Euro. Und Insiderkäufe sind selten ein schlechtes Zeichen...


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ERGÄNZUNG VOM 28.02.2017
Capital Stage gab soeben bekannt, man habe weitere 54.999 Aktien von einem "strategischen Investor" der Chorus Clean Energy übernommen, was 0,2% an deren Grundkapital entspräche. Der Erweb erfolgte im Weg des Aktientausch und zwar zu den gleichen Konditionen wie beim freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebot, also für 3 Chrous-Aktien erhielt der Investor nun 5 Capital Stage-Aktien. Zusammen mit in letzter zeit erfolgter Zukäufe über die Börse halte Capital Stage nun 95,0037% an der Chorus Clean Energy.

Mit dieser Beteiligungshöhe wird auch ein Squeeze-out möglich. Und wahrscheinlich...

Kommentare:

  1. Hallo Herr Kissig,

    vielen Dank für diesen guten Artikel, auch wenn er schon etwas älter ist.

    Mittlerweile ist Innogy ja schon an die Börse gegangen und abverkauft worden. Was halten Sie von diesem Wert mit einer Dividendenrendite von knapp 5,5%? Sehen Sie dort ähnliches Potenzial wie bei der Capital Stage?

    Vielen Dank im Voraus

    Kai

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  2. Hallo Herr Kissing
    Ja, die Ausschreibeverfahren durch die Novellierung des EEG werde sich auf die Gewinnspannen der Hersteller von Solarmodulen und Windkraftanlagen negativ auswirken, aber natürlich auch auf die Margen der Projektierer,die eben nur zum Zuge kommen, wenn sie das Angebot mit der geringsten Einspeisevergütung unterbreiten.
    Ein weiteres Problem ist die von ihnen angesprochen Möglichkeit der Veringerung der Einspeisevergütungen für laufende Projekte im Ausland, wo sich die Mehrheit der Projekte von Capital Stage befinden.
    Interssant wäre zu wissen, ob durch Repowering überhaupt noch die Möglichkeit besteht, vor Ablauf der "Lebenszeit" eines Wind oder Solarparks von 20 Jahren die Möglichkeit besteht das Projekt ohne neue Ausschreibung längerfristig im Portfolio zu behalten, oder bzw. wie hier die Einigung über die Höhe der Einspeisevergütung erfolg.
    Auch können nicht alle Projekte repowert werden: hier im Vogelsberg dürfen wegen Einrichtung eines großen Vogelschutzgebietes die meisten Parks gar nicht repowert werden. Sie müssen dann am Ende ihrer Laufzeit abgebaut werden. Aber das wird wohl für die wenigsten Projekte von Capital Stage zutreffen.
    Für Offshoreprojekte fehlt Capital stage die Größe. Sie werden sich hoffentlich auf Projekte mit geringen Risiko beschränken und bei begrenzten Wachstumsmöglichkeiten zu Sparmaßnahmen gezwungen sein. Trotzdem bleibt auch bei geringem Wachstum interssant, wie die Gewinnmarge z.B.in 15 Jahren aussieht, wenn die Schulden für die bestehenden Projekte getilgt sind.
    Viele Grüße
    Schmidt

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  3. STROM - In Deutschland wird der Strom knapp. Netzbetreiber konnten im Januar die Versorgung nur mit Mühe und zu beträchtlichen Kosten aufrechterhalten. "Fast in allen umliegenden europäischen Ländern war die Last außerordentlich hoch und die Erzeugungssituation angespannt", heißt es beim süddeutschen Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW zur Situation in den vergangenen Wochen: "Letztlich waren alle Reservekraftwerke mehrere Tage in Bereitschaft." Zusätzlich seien "Reserven aus Italien angefordert" worden. (Welt S. 1 und 9)

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    1. Das sind doch ganz überwiegend die Auswirkungen der vielen abgeschalteten Atomkraftwerke in Frankreich, wohin Deutschland momentan viel Strom umleitet, damit da in den Wintermonaten nicht die Lichter und Heizungen ausgehen (in Frankreich wird viel mit Strom geheizt). Das gesamte umliegende Netz ist daher angespannt und die Kraftwerke fahren am Limit.

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