Montag, 6. März 2017

Turnaround nimmt Gestalt an: SBF AG kehrt in die Gewinnzone zurück

Unter der SBF AG können sich nur weniger Anleger etwas vorstellen, doch als Corona Equity Partner AG hat das Unternehmen bereits eine bewegte Vergangenheit hinter sich, auch an der Börse. Und das ist nicht unbedingt eine Erfolgsgeschichte, denn die Erfolge als Beteiligungsunternehmen sind kaum auszumachen. Vielmehr stand man mit dem Rücken zur Wand und musste dringend neues Geld auftreiben. Die erforderlichen Schritte zur bilanziellen Gesundung wurden im letzten Jahr angegangen und aus dem einstigen Pleitekandidaten wurde ein hoffnungsvoller Turnaround-Kandidat.

Ganz nebenbei wurde das im m:access der Börse München notierte Unternehmen in SBF AG umbenannt, was der einzig verbliebenen Tochter zu verdanken ist, der SBF Spezialleuchten GmbH, einem international tätigen Systemanbieter für Decken-, Beleuchtungs- und Belüftungssysteme für Schienenfahrzeuge. Das Unternehmen hat sich dabei auf LED-Systeme für den Außen- und Innenbereich von Schienenfahrzeugen jeglicher Bauart spezialisiert und Großkunde ist naturgemäß die Deutsche Bahn.

Ganz entscheidend für die SBF ist also der operative Erfolg der Tochter und diese konnte erstmals in der Unternehmensgeschichte ein positives Halbjahresergebnis vorlegen. Für die Aktionäre der SBF AG bleibt hiervon allerdings noch nichts übrig, weil die AG selbst in dieser Zeit ja erheblichen Aufwand für ihre Kapitalmaßnahmen hatte und dieser Aufwand dem entgegensteht.

Nachdem die SBF AG nun aber bilanziell wieder auf soliden Füßen steht, dürfte sich dies auch positiv auf die Tochter und somit das operative Geschäft auswirken. Der Trend hin zur Schiene spielt der SBF in die Karten und nicht nur bei neuen Zügen kommt die SBF-Technik zum Einsatz, sondern auch bei der Erneuerung der Beleuchtungssysteme in aktiven Zügen. Durch den Einsatz moderner LED-Systeme kann nicht nur die Beleuchtungssituation verbessert werden, sondern es sinkt auch der Energieverbrauch sowie der Wartungsaufwand für die Kunden, die Bahnbetreiber.

In 2016 erstmals wieder Gewinne erzielt
Nun hat die Mutter für sich und ihre Tochter vorläufige und noch ungeprüfte Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2016 vorgelegt und kann erstmals für beide die Rückkehr in die Gewinnzone vermelden.


So kam die Tochter SBF Spezialleuchten GmbH auf einen Jahresüberschuss von € 0,88 Mio. (Vorjahr €-4,095 Mio.), ein EBIT von €1,32 Mio. (Vorjahr €-3,79 Mio.) und ein EBITDA von € 2,142 (Vorjahr €-2.79 Mio.)

 SBF AG (Quelle: finanzen.net
Damit gelang der SBF Spezialleuchten GmbH nach Jahren hoher Verluste wieder die Rückkehr in den Überschussbereich. Der Umsatz wird voraussichtlich €21,2 Mio. (Vorjahr €17,59 Mio.) betragen, was einer Steigerung von über 20% entspricht. Parallel zu der deutlichen Umsatzsteigerung konnten die wesentlichen Kostenfaktoren prozentual betrachtet gehalten bzw. erheblich reduziert werden. Der Materialaufwand betrug trotz des gestiegenen Umsatzes nur noch €12,136 Mio. (Vorjahr €13,42 Mio.), der Personalaufwand betrug €5,013 Mio. (Vorjahr €5 Mio.) und die sonstigen betrieblichen Aufwendungen beliefen sich auf €2,462 Mio. (Vorjahr €33135 Mio.). Insbesondere der Ausbau das Vertriebs und das strikte Kostenmanagement haben diese Erfolge ermöglicht.

Auf Basis der Mutter, der SBF AG, wurde zwar auch bereits ein Gewinn erzielt, der fiel jedoch noch sehr bescheiden aus. Hier war das Geschäftsjahr 2016 noch von hohen Aufwendungen für Rechts- und Beratungskosten, die Abwicklung früherer Rechtsstreite sowie von Kosten für Kapitalbeschaffung geprägt. Positiv wirkt sich dagegen im vorläufigen Ergebnis die Ertragssituation der SBF Spezialleuchten GmbH aus, in deren Folge der Beteiligungsansatz dieser Tochtergesellschaft erhöht werden könnte. Dies führt zu folgendem vorläufigen Ergebnis der SBF AG im Geschäftsjahr 2016: einem Jahresüberschuss von €18.000 (Vorjahr €-5,47 Mio.), einem EBIT von €0,314 Mio. (Vorjahr €-4,99 Mio.) und einem EBITDA von €0,317 Mio. (Vorjahr €-0,894 Mio.).

Meine Einschätzung
Nachdem im Zuge der Umstrukturierung im letzten Jahr auch die ausstehende 6%-Wandelanleihe abgelöst wurde, wird damit das Finanzergebnis künftig um rund €200.000 pro Jahr signifikant verbessert. Und der Wegfall der hohen Kostenblöcke, die noch den 2016er Abschluss belastet haben, wird schon ab diesem Jahr zu mehr als erfreulichen Ergebnissen führen, auch auf Ebene der AG.

Die SBF AG ist ein kleiner Nischenwert und hat in den vergangenen Jahren mehrfach versucht, Ruhe und Solidität in ihr Geschäft zu bringen. Ohne Erfolg, wie man letztlich erkennen musste. Nun hat man sich zu einem harten Schnitt bereit gefunden und das Unternehmen finanziell wieder solide aufgestellt - und damit die Basis geschaffen, künftig erfolgreich unternehmerisch tätig zu sein. Dieser Plan scheint aufzugehen, wie die jetzt vorgelegten zahlen belegen.

Risikobereite Anleger können sich ein paar Stücke als Depotbeimischung gönnen und auf einen Erfolg des Turnarounds setzen. SBF ist einer meiner Jahresfavoriten 2017; man muss hier aber einen langen Atem mitbringen.

Die SBF AG befindet sich als Turnaround-Spekulation auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

Kommentare:

  1. Hallo Michael, wie deutest du ein paar Stücke?
    Die Aktie hat ja heute gut zugelegt. Ab welchen Betrag ist solch ein Investment deiner Meinung nach lohnenswert?

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    1. Das hängt vom Depotvolumen ab. "Depotbeimischung" bedeutet bis zu 3% Depotanteil, viel mehr würde ich nicht in einen solchen Turnaroundwert in einer so frühen Phase stecken. Wenn der Turnaround erfolgreich verläuft, kann man später - wenn dann auch zu höheren Kursen - weiter aufstocken. Aber zunächst muss man immer das Risiko im Blick behalten, nicht die potenziellen Gewinnmöglichkeiten.

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