Montag, 2. Januar 2017

2017 bringt weitere Chancen für Aktien und Risiken für Anleihen

Der DAX stieg in 2016 das fünfte Jahr in Folge, ohne dabei ein neues Allzeithoch zu markieren, das noch aus 2015 datiert und bei über 12.000 Punkten lag. Dennoch schloss er nach einer atemberaubenden Berg- und Talfahrt auf Jahreshöchstkurs bei 11.481 Punkten und damit um 6,9% höher als zum Jahresstart. Mein Depot, das ich im Jahresverlauf zunehmend stärker im Bereich deutscher Nebenwerte positioniert habe, konnte unterm Strich um 17,4% zulegen, womit ich sehr zufrieden bin - trotz meines verlustreichen Ausflugs in die Welt der Spekulation mit meinen zur Depotabsicherung erworbenen DAX-Puts. Bisher mein teuerstes Börsenexperiment und es regt nicht gerade zur Wiederholung an. Dow Jones, S&P 500 MDAX, sie alle konnten im Gegensatz zum DAX neue Allzeithöchststände markieren in diesem Jahr. Und was war das für ein Jahr...

Gleich zum Jahresstart ging es für zwei Monate fast ungebremst in den Keller mit den Aktienkursen, die dem Ölpreisverfall folgten. Dabei hatte ich meinen Jahresausblick für 2016 in Erwartung neuer Höchststände tituliert und danach sah es nun mal gar nicht aus, sondern es machte sich schiere Panik breit und Weltuntergangsszenarien bestimmten die Gazetten.

Im März stabilisierten sich die Märkte und über das ganze Jahr hinweg gab es keinen Drang mehr hin zum Katastrophenmodus. Dabei wurde mehrfach "das Endspiel" heraufbeschworen und ein ums andere Mal ein Crash herbeigeredet. Ob beim Brexit-Votum im Juni, der US-Wahl von Trump oder dem verlorenen Verfassungsreferendum in Italien. Und jedes Mal gab es Kurseinbrüche und jedes Mal wurden die billigen Aktien geradezu aufgesogen vom Markt. Nach Kostolany wechselten die Papiere von den Zittrigen zu den hartgesottenen und diese sind es auch, die auf fetten Kursgewinnen sitzen. Denn 2016 war auch das Jahr des Cash-Bestands und der Zinswende in den USA. Die erhöhten Crash-Gefahren waren immer wieder Anlass für viele Profis, aus Aktien auszusteigen und Cash zu halten oder gar mit Puts auf einen fallenden Markt zu setzen. So wie George Soros und Carl Icahn, die damit bisher schlecht gefahren sind.

Alte und neue Trends
Von den Tiefstständen zum Jahresanfang haben sich die Rohstoffe erholt und gerade Öl konnte um mehr als 50% zulegen. Die OPEC hat sich zusammengerauft und es gab nicht nur eine Begrenzung, sondern  sogar eine Kürzung der Fördermengen, auch im Schulterschluss mit großen Nicht-OPEC-Staaten, wie Russland. Das spricht für steigende Ölpreise, während ein Ölpreis oberhalb von $50 die US-Öl- und Gasförderer wieder verstärkt ins Spiel bringt. Was für sinkende Preise spricht. Unterm Strich dürften wir im Jahr 2017 wohl zwischen $50 und $60 pendeln.

Der Immobilienboom schwächt sich ab, auch in Deutschland. Das macht sich noch nicht an den Mieten oder den Grundstückspreisen fest, die weiter zulegen dürften, sondern eher an gestiegenen Zinsen. Denn die Leitzinsanhebung der US-Notenbank FED was nur der Auftakt der Zinswende, während die EZB noch die Zinsen niedrig hält und ihr Anleihekaufprogramm sogar verlängerte. Für Sparer wird es in der Eurozone sogar noch ungemütlicher, denn immer mehr Kreditinstitute stehen vor der Einführung von Negativzinsen, auch wenn sie diese lieber "Verwahrentgelte" nennen, wie die Münchener Sparkasse.

Bei Anleihen und Krediten zeigt sich momentan ein anderes Bild. Die Erwartung anziehender Zinsen verteuert Immobilienfinanzierungen und macht andere Anlagen wieder attraktiver, weshalb die Aktien von Immobilienwerten zum Jahresende hin litten. Allerdings dürfte es in der Eurozone noch einige Zeit dauern bis sich hier steigende Zinsen aufgerufen werden, denn noch kämpft die Eurozone mit einer kriselnden Wirtschaft und muss - mal wieder - Banken retten. In Italien und auch in Spanien sind die Banken unter Druck.

Steigende Zinsen sind nicht per se schlecht für die Aktienkursentwicklung
Steigende Zinsen gehen allerdings nicht zwangsläufig mit fallenden Aktienkursen einher. Anleihen gelten als sicher im Vergleich zu den schwankungsanfälligeren Aktien, allerdings liegt die langfristige Anleiherendite auch unterhalb der von Aktieninvestments. Wenn die Zinsen anstiegen, machen sie Anleihen vergleichsweise attraktiv gegenüber Aktien, aber wie Untersuchungen zeigen, nur wenn der Zinsanstieg oberhalb von 5% beginnt. Darunter sind Aktien attraktiver; sie schwanken zwar stärker als Anleihen, doch die Überrendite ist das Risiko wert. Bis zur Grenze von 5% können also Zinssätze und Aktienkurse gemeinsam ansteigen. Ausführlich hat es kürzlich Clemens Schmale dargelegt. Vor steigenden Zinsen muss uns also nicht per se Bange werden.

Für Asset-Manager wird es allerdings tendenziell schwieriger, denn sie haben stark von den niedrigen Zinsen profitiert. Vermögende Anleger haben keine lukrativen Anlagen mehr gefunden und statt dessen ihr Geld vermehrt Asset-Managern übergeben, die damit eine höhere Rendite erzielen sollten. Steigen nun die Zinsen, bieten sich Vermögenden wieder mehr Alternativen - doch insbesondere in Euroland ist von steigenden Zinsen zunächst noch nichts zu sehen. Die Schifffahrtsbranche wird weiter leiden, Überkapazitäten sorgen für sinkende Frachtraten und bevor nicht die Weltkonjunktur deutlich anzieht und/oder eine Menge Schiffe abgewrackt wird, wird hier auch nur langsam Besserung eintreten. Des Weiteren sollte man europäische Banken und Versicherungen weiterhin meiden, denn die niedrigen Zinsen fressen sich zunehmend in deren Bilanzen, in die gewinne und die Rücklagen. Die teilweise optisch hohen Dividendenrenditen verdecken hier eine Menge an strukturellen Problemen.

Beteiligungsgesellschaften dürften auch in 2017 ein weiterhin überwiegend gutes Umfeld vorfinden. Insbesondere der nachlassende Übernahmedruck aus China zeigt Wirkung und lässt die Preise wieder abkühlen, was insbesondere im Einkauf für Erleichterung sorgen wird. Ich werde daher meine bisherigen Investmentschwerpunkt in dieser Branche auch im kommenden Jahr treu bleiben.

Als Megatrend hat sich die E-Mobilität etabliert und nimmt immer stärker Fahrt auf. Nicht nur die Autokonzerne stehen im Fokus, sondern auch immer mehr die Zulieferer und Spezialisten, denen sich hier enorme Potenziale bieten.

Rückblick auf meine Favoriten des Jahres 2016
Das Performance-Ergebnis meiner 2016-er Favoriten ist durchwachsen. Aurelius legte weiter stark zu mit einer Rendite von knapp 15% inkl. Dividendenzahlung und bleibt eines meiner Ankerinvestments.

Die Blackstone Group L.P. habe ich aufgrund steuerlicher Probleme inzwischen ganz verkauft und von meiner Empfehlungsliste genommen. Zwischenzeitlich hat der Kurs auch kaum Freude bereitet, wohingegen er sich - wie auch viele andere Finanztitel - seit der Wahl von Donald Trump zum nächsten US-Präsidenten überdurchschnittlich entwickelt hat. Auf Jahressicht war es eine Nullnummer, allerdings flossen üppige Dividenden.

Corning konnte inkl. Dividenden knapp 40% zulegen und hat sich damit sehr erfreulich entwickelt, während die Deutsche Beteiligung insgesamt gute 10% ins Trockene gebracht hat. Bei den BDCs legte Gladstone Capital fulminant zu, allerdings kaufte ich den völlig ausgebombten Wert erst im Januar und hatte ihn Ende 2015 noch gar nicht auf dem Zettel. Anders hingegen Main Street Capital, die mit 37% inkl. Dividenden ein echter Glücksgriff waren.

Apropos Glücksgriff... die Aumann-Übernahme beförderte MBB auf die Favoritenliste, denn neben hohen Synergieeffekten mit der MBB Fertigungstechnik setzte ich auch auf ein starkes Umsatz- und Gewinnwachstum. Was sich dann aber in den letzten Monaten abspielte, war überragend. Und damit meine ich die unternehmerische Entwicklung, die Vollauslastung der MBB Fertigungstechnik und der Aumann-Gruppe sowie die Entscheidung des MBB-Managements, bei in der Aumann AG zu bündeln und diese E-Mobilitätstochter für einen separaten Börsengang vorzubereiten. Der Aktienkurs der MBB selbst ist geradezu explodiert, als die Börse das Potenzial in dieser MBB-Beteiligung entdeckte. Auf Jahressicht stehen mehr als 150% Kursgewinn in den Büchern und damit war MBB die beste meiner 2016er-Empfehlungen.

PayPal legte knapp 15% zu, auch dank des schwachen Dollars und Softing konnte meine hohen Erwartungen nicht erfüllen, insbesondere der große Zukauf von OLDI in den USA kommt nicht in die Gänge. Das schlechte Ergebnis führt allerdings zu einem positiven Einaleffekt, weil Softing Rückstellungen für die sog. Earn-out-Komponente auflösen kann - das OLDI nicht die erwarteten Erfolge abliefert, muss auch der hieran geknüpfte Nachschlag auf den Kaufpreis nicht bezahlt werden. Das "Übergangsjahr 2015" scheint also 2016 in eine weitere Runde gegangen zu sein und ob 2017 viel besser wird, bleibt abzuwarten. 15% Kurszuwachs sind natürlich keine schlechte Jahresentwicklung, aber der Kurs liegt noch immer deutlich unter den Regionen aus 2015 und gegenüber 2014 noch viel weiter zurück.

Eine Nullnummer ergibt sich bei Starbucks und das auch nur dank einer fulminanten Aufholjagd in den letzten Wochen. Starbucks wächst weiter bei Umsatz und Gewinn, aber die Aussichten haben sich eingetrübt und so baut die Aktie ihren Bewertungsaufschlag ab. Ganz anders Steico, die im Jahresverlauf über 65% zulegen konnten. Der Dämmspezialist hat mit seinem enormen Investitionsprogramm voll ins Schwarze getroffen und dieses nach Abschluss glatt nochmals verdoppelt. Die Aussichten sind weiter hervorragend, der Trend hin zur Wärmedämmung aber weg von leicht entflammbaren und bisweilen hochgiftigen Styropor und Wärmeverbundsystemen spielt Steico voll in die Arme. Die weitere Millioneninvestition in die Erweiterung der neuen Furnierschichtholzanlage dürfte Umsatz und Gewinn ab Inbetriebnahme Mitte 2018 zusätzlich befeuern.

Und dann war da noch WCM, wo sich die großen Erwartungen nicht erfüllt haben. Ging es bis zum Sommer noch stark nach oben mit dem Kurs, ist seit dem überraschenden Einstieg des Konkurrenten DIC Assets die Luft raus. Und das liegt nicht nur an der allgemein schlechteren Stimmung für Immobilienwerte, sondern auch am erheblich eingebremsten Fortschritt bei WCM selbst. Das schnelle Wachstum wurde mit einem deutlichen Aufschlag auf den NAV honoriert, der sich inzwischen vollständig abgebaut hat. Und WCM kauft zuletzt hauptsächlich bei Einzelhandelsimmobilien weiter zu, was aus meiner Sicht nicht die aussichtsreichste Strategie ist. Im Immobiliensektor sind daher andere Werte aussichtsreicher.

Meine Favoriten für 2017
Und so kommen wir zu meinen Favoriten für dieses Jahr. Und es dürfte nicht verwundern, dass sich auf der Liste eher Nebenwerte finden und auch überwiegend aus Deutschland, denn bereits seit einigen Monaten habe ich ja meinen Fokus verstärkt hierauf gelegt und durchaus auch einige attraktive Werte herauspicken können. Auch wenn nicht alle meine Empfehlungen zünden konnten, dürfte es gerade im Bereich der Nebenwerte noch unentdeckte Perlen geben und Werte, die ab 2017 ihr Potenzial (besser) entfalten können.

Aurelius, Blue Cap, Deutsche Rohstoff und MBB sind die vier größten Positionen in meinem Depot und das nicht nur als langfristige Kerninvestments, sondern auch als (Mit-)Favoriten für 2017. Allen Unternehmen traue ich Wert- und damit Kurssteigerungen von mindestens 20% zu, bei Blue Cap und der DRAG eher deutlich mehr.

Bei Aurelius wird sich vor allem die große Übernahme von Home Office Europe in Zahlenwerk und NAV bemerkbar machen, immerhin kaufte Aurelius hier rund €2 Mrd. Umsatz hinzu und kommt nun im Konzern auf zusammen über €5 Mrd. Umsatz.

Ebenso erheblich wird die Neschen-Übernahme sich in der Bilanz von Blue Cap niederschlagen, hier allerdings bereits im 2016er Jahresabschluss, da Neschen bereits seit 1. Juli konsolidiert wird. Für 2017 wirken sich Umsatz und Gewinn dann für ein volles Jahr in der Blue Cap-Bilanz aus, so dass hier deutlich zweistellige Kurse die Folge sein sollten.

Der gestiegene Ölpreis wird der Gewinn- und Kurstreiber für die Deutsche Rohstoff, denn die hat sich über die letzten anderthalb Jahre zu Tiefstpreisen Bohrrechte gesichert und die erschlossenen Quellen beginnen inzwischen zunehmend das schwarze Gold zu fördern. Der nächste Quartalsbericht wird hier schon für einen Aha-Effekt sorgen und dann jeder weitere für immer mehr Umsatz und Gewinn. Die jüngsten unerwarteten Zusatzgewinne in Millionenhöhe werden auch schon 2016 zu einem echten Erlebnis machen, für 2017 dürfte die DRAG wohl der Top-Pick sein und im Jahresverlauf neue Allzeithochs ansteuern, wobei die 30-Euro-Marke nur ein kurzer Zwischenstopp sein sollte.

Und zu MBB habe ich mich ja bereits oben kurz ausgelassen, der Aumann-Börsengang wird zu einem echten Meilenstein in der Unternehmensgeschichte. Wie weit der Aktienkurs sich noch entwickeln kann, hängt auch davon ab, wie viel Aktien der Aumann AG MBB beim IPO abgeben wird und ob es gelingt, neue interessante Beteiligungen zu finden. Gelingt hier ein weiterer Coup, könnten sogar schon 2017 dreistellige Kurse winken. Ansonsten wohl aber spätestens 2018.

2015 war das Jahr von Hypoport, der Kurs vervielfachte sich. Und ich habe die Entwicklung schlicht verpennt. 2016 war ein Jahr der Konsolidierung und man könnte sagen, das Jahr hat sich nicht gelohnt. Aber das Gegenteil ist der Fall, Hypoport hat sich stark weiterentwickelt und ist in seine Bewertung hineingewachsen. 2016 sollte ein Luftholen gewesen sein und bald wird der nächste Turbo gezündet, denn Banken und Versicherungen kommen kaum an Hypoports Plattform Europace vorbei, immer mehr von ihnen nutzt sie als Vertriebskanal und das spielt Hypoport immer stärker in die Karten. Hypoport dürfte daher in 2017 schnell in den Bereich dreistelliger Kurse vorstoßen, wenn sich die neuen zahlen im Zahlenwerk abbilden. Auch die Irritation um die WIKR, die nun nachgebessert wurde, sollten inzwischen verdaut sein.

Daneben sollten Publity, Ringmetall, Scherzer &Co. sowie Vectron aussichtsreich sein. Publity hat in 2016 sein neues Standbein, die NPLs erheblich ausgebaut und hieraus werden sukzessive immer höhere Gebühren und Provisionseinnahmen fließen. Der Gewinn liegt bei Publity im Einkauf, realisiert werden sie allerdings erst beim Verkauf. Und in beiden Bereichen ist Publity nach wie vor sehr rege aktiv - und erfolgreich. Die avisiert Dividende von €2,80 je Aktie dürfte bis zur HV für zusätzliche Nachfrage nach Publity-Aktien sorgen und dann dürfte sich der Blick wieder verstärkt auf das operative Geschäft richten. Kurse oberhalb von €40 sind allemal gerechtfertigt, wenn Publity seine gesteckten Ziele erreichen kann.

Der Nebenwertespezialist Scherzer & Co. steigert seit Jahren seinen NAV und hat neben einer Vielzahl von interessanten börsennotierten deutschen Nebenwerten auch einen ganzen Köcher voller Nachbesserungsrechte aus Squeeze-outs. Die vermutlich werthaltigste Position dürften die AXA-Nachbesserungsrechte sein, bei denen Scherzer direkt und indirekt bin zu €1 je Aktie einfahren könnte. Allerdings muss man hier langfristig planen und ob noch 2017 hieraus Geld fließen wird, bleibt abzuwarten. Das Landgericht Köln hat gerade die Frist zur Stellungnahme bzgl. des mehrere tausend Seiten umfassenden Wertgutachtens bis Ende Februar 2017 verlängert., so dass frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2017 mit Entscheidungen in diesem Spruchverfahren zu rechnen ist und vermutlich auch noch mit einer Beschwerde gegen die Entscheidung, was das Verfahren weiter verzögern wird. Allerdings werden die Ansprüche rückwirkend ziemlich üppig verzinst, was die Wartezeit erträglicher gestaltet. Wenn aber das Ergebnis feststeht und sich auch nur ansatzweise in der Nähe des Gutachterwerts bewegt, dann wird der Scherzer-Aktienkurs explodieren. Geduldige Investoren mit langem Atem bringen sich bereits heute in Stellung und freuen sich in der Zwischenzeit über die vielen Nebenwerteperlen, die im Scherzer-Depot für Wertsteigerungen sorgen.

Und dann ist da noch Vectron, ein Hersteller von Kassensystemen. Neue regulatorische Vorgaben zwingen die Benutzer von Kassensystemen hier nachzurüsten und zwar bis Jahresende 2016 - der Run wird sich also in den nächsten Zahlenwerken konkret wiederfinden. Und dann wird es noch eine Reihe von Nachzüglern geben und die neuen System bringen zusätzlichen Wartungsaufwand mit sich und Softwareupdates. Darüber hinaus hat Vectron mit bonVito einen weiteren Wachstumstreiber im Sortiment und will mit einer neuen Plattform im Bereich Bonussysteme, Reservierungen und Bestellungen Gas geben. Trotz des starken Kursanstiegs in 2016 bietet sich hier einiges an Potenzial, wenn denn die Pläne des Unternehmens auch nur ansatzweise aufgehen.

Neben diesen Werten erscheinen mir auch einige Nischenwerte und/oder Unternehmen in Sondersituationen bzw. Turnarounds für 2017 besonders aussichtsreich.

Die DF Deutsche Forfait ist ein Spezialist für Außenhandelsfinanzierungen und -forderungsmanagement. Nach der Pleite folgte 2016 der Neustart mit Kapitalschnitt, Kapitalerhöhung und Bilanzbereinigung. Ab 2017 soll das operative Geschäft wieder voll durchstarten und trotz der ersten gut 50% an Kursgewinnen sehe ich das Potenzial hier noch nicht als ausgeschöpft an. Gelingt der Neustart, ist hier noch vieles möglich.

Bei Funkwerk gibt es mit der Hörmann-Gruppe einen Großaktionär, der zuletzt seinen Anteil auf fast 80% ausgebaut hat. Ich denke, dass neben den operativen Fortschritten auch eine Komplettübernahme durch Hörmann immer wahrscheinlicher wird. Und je länger die mit einem offiziellen Angebot warten, desto teurer wird es.

Beim US-Versicherungskonzern Genworth Financial Inc. ist noch immer nicht klar, ob die chinesische Oceanwide mit ihrem Übernahmeangebot zu $5,43 zum Zuge kommt. Der GNW-Buchwert liegt jedenfalls deutlich im zweistelligen Bereich bei annähernd $30, so dass sich Anlegern hier große Chancen bei vergleichsweise begrenztem Risiko bieten sollten.

Als spekulativere Beimischung für 2017 sollte mVISE auftrumpfen können. Der Turnaround ist in vollem Gange und die Übernahme der Just Intelligence GmbH wird die Geschäftszahlen sofort deutlich verbessern. Darüber hinaus ergeben sich Cross-Selling-Effekte und Synergien, die das Zahlenwerk antreiben sollten.

Bei PNE Wind ist es ziemlich enttäuschend, was die Börse bisher aus dem erfolgreichen Verkauf des YieldCo-Portfolios gemacht hat. Wenn PNE hierzu seine ersten aktualisierten Geschäftszahlen präsentiert, sollte der Erfolg aber sichtbar werden und der Kurs entsprechend zulegen. Sicher ist das aber nicht, denn die Börse agiert hier eher irrational und hat (noch) wenig Vertrauen in das neue Management und die künftigen Erfolgsaussichten des Unternehmens. Andererseits sind dies auch genau die Phasen, wo man (noch) günstig einsteigen kann, bevor alle Welt erkennt, dass sich der Wind gedreht hat und der PNE-Aktienkurs mächtig Rückendwind bekommt.

Nachdem die SBF AG, die ehemalige Corona Equity Partners, nun bilanziell wieder auf soliden Füßen steht, dürfte sich dies auch positiv auf die Tochter und somit das operative Geschäft auswirken. Der Trend hin zur Schiene spielt der SBF in die Karten und nicht nur bei neuen Zügen kommt die SBF-Technik zum Einsatz, sondern auch bei der Erneuerung der Beleuchtungssysteme in aktiven Zügen. Durch den Einsatz moderner LED-Systeme kann nicht nur die Beleuchtungssituation verbessert werden, sondern es sinkt auch der Energieverbrauch sowie der Wartungsaufwand für die Kunden, die Bahnbetreiber.

Zuletzt kann 2017 auch für UeT United Electronic Technology endlich zum Jahr des Gesundens werden. Nach Jahren des Vorsichhinsiechens konnte man sich endlich zu wichtigen Weichenstellungen durchringen. Bisherige Minderheitsbeteiligungen wurden durch Einbringung als 3 Millionen Euro schwere Sachkapitalerhöhung zu 100-Prozenttöchtern, was nicht nur die Konzernstrukturen vereinfacht, sondern auch die Umsatz- und Ergebnisseite erheblich stärkt. Außerdem können nun in einem weiteren Schritt die operativen Gesellschaften ALBIS Technologies und ELCON Systemtechnik besser operativ integriert werden. Des Weiteren hat der UeT-Konzern seine Schulden um €7 Mio. reduziert, indem man für jeweils €1 von den bestehenden Aktionären Palace Park Ltd. und FIGLIO Beteiligungsverwaltung deren bestehende Gesellschafterdarlehen samt bisher angelaufener Zinsen im Ausmaß von rund €7 Mio. zurückkauft. Somit reduzieren sich nicht nur die sonstigen Verbindlichkeiten im Konzern um €7,0 Mio., sondern es wird durch die Maßnahme zu einem außerordentlichen Ertrag aufgrund des Forderungsverzichts kommen. Wichtiger ist indes, dass das Finanzergebnis künftig nicht mehr durch die Zinsen belastet wird und daher positiver ausfallen wird als bisher. Alleine die Umstrukturierung der Töchter soll zu Einsparungen von €6 Mio. führen, die ab 2017 sichtbar werden sollen. Unterstützend wird beitragen, dass für das erste Halbjahr 2017 mehrere Großaufträge avisiert sind, evtl. auch vom Großkunden Deutsche Telekom AG.


Mit Cash macht man Meter...
Wie gerade die Erfahrung aus 2016 zeigt, als die Kurse zwei Monate lang abstürzten und auch über das Jahr verteilt immer wieder kurze Kurseinbrüche für Kaufgelegenheiten sorgten, sollte man immer immer etwas Cash als Liquiditätsreserve in der Hinterhand behalten. Auch in 2017 dürfte es rau bleiben an den Börsen, Trump als neuer Präsidenten-Rambo wird schon für einige Irritationen sorgen auf der Bühne der Weltpolitik, die Eurozone bewegt sich nicht in ruhigen Fahrwassern und China... Tja, China bleibt ein Sorgenkind. Daher bleibt an der Börse nur eines sicher: die Kurse werden schwanken.

Alle der genannten Werte befinden sich auf meiner Empfehlungsliste und die meisten auch in meinem Depot.


Bisherige Jahresausblicke:

Kommentare:

  1. Hallo Michael, zuerst einmal ein frohes, gesundes neues Jahr. Anschließend noch mein Wunsch für uns Börsianer: "take profit" und mein Dank an Deinen gelungenen Jahresrückblick. Viele Deiner Einschätzungen teile ich und hab sie auch in meinem Portfolio.
    Was den Kauf von puts anbelangt, so finde ich das zur Absicherung des Depots sehr sinnvoll und bin auch immer bereit, dieses eingesetzte Kapital unter Umständen als Totalverlust zu akzeptieren. Ich weiß, daß das timing diesbezüglich nicht einfach ist, bei halbwegs gutem Gelingen muss man die puts aber nie ganz abschreiben. Sie haben mir aber in Zeiten, wo die Kurse wie ein Stein in den Keller rauschen und irrationalers Handeln die Börse bestimmt, immer ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.
    Wer mit Aurelius, Main Street Capital und wie sie alle heißen, gutes Geld verdient, der darf einen kleinen Prozentteil des Gewinns (10-15) auch in puts zur Absicherung einbringen. Ich sag ja: take profit!

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  2. Moin Michael, auch ich wünsche ein frohes neues und profitables Jahr! Hoffentlich wird 2017 so gut wie 2016 (in dem ich mit Abstand meine bisher beste Jahresperformance mit Aktieninvestements hatte). Jedenfalls nochmal vielen Dank für Dein prima Blog, aus dem ich einige gute Anregungen entnehmen konnte. Zu den Puts: schade, dass das nicht erfolgreich war - sah doch eigentlich zuerst ganz gut aus... Ich lasse auch erstmal die Finger von Puts, nachdem ich mich im letzten Jahr damit etwas verspekuliert habe (zum Glück in einer kleinen Position). Letztlich ist ja eine Auswahl guter Unternehmen und Geduld zum Aussitzen von Marktschwankungen bereits eine gute Versicherung.

    Zu den Zinsen: ich wundere mich über die nun weitverbreitete Auffassung, dass die Zinsen steigen werden - in den USA mag das der Fall sein, und die US Wahl hat dann ja auch in Europa die Zinsen bereits etwas steigen lassen. Aber die EZB hat doch gerade im Dezember erst das QE bis Ende 2017 verlängert. Dabei hat sie sogar die bisherige Beschränkung fallen lassen, keine Anleihen mit Effektivzins unter -40bp zu kaufen. Dadurch könnte sich doch eventuell sogar noch weiteres Potential nach unten ergeben? Die PIGS Staaten sind auf die Umschuldungseffekte aus dem QE (die indirekt via TARGET erfolgen) auf absehbare Zeit angewiesen, daher ist m.E. kein Ende des QE und damit einhergehend der niedrigen Zinsen abzusehen. Die EZB diskutiert ja teilweise sogar Aktien zu kaufen, weil sie die Anleihenmärkte leergekauft hat. Inflation ist ja bisher auch nicht in Sicht - außer eventuell über den steigenden Ölpreis. Ich glaube daher nicht an stark steigende Zinsen und gehe davon aus, dass das Investitionsklima positiv für Aktien bleibt.

    Abgesehen davon: viel Erfolg mit Deinem Depot - von Deinen Kerninvestments halte ich auch einige. Von den anderen genannten finde ich insbesondere Hypoport interessant - das hatte ich im letzten Sommer mit glücklichem Timing verkauft und in DRAG umgeschichtet (dafür hatte ich MBB mit hundsmiserablem Timing Mitte November verkauft und auch in DRAG umgeschichtet :-() . Ich hab Hypoport ein paar Monate weniger aktiv verfolgt und nehme das mal zum Anlass, mich mal wieder damit intensiver zu beschäftigen, billig ist Hypoport m.E. nicht mehr, aber wenn die Geschäfte gut laufen und insbesondere die Versicherungsplattform gut anläuft, könnte es sogar zu den inzwischen wieder gestiegenen Kursen lohnen...

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    1. Die Zinsen werden in der Eurozone nicht angehoben werden durch die EZB. Auch wenn die Inflation nun anzieht, bedingt durch den Ölpreisanstieg. Aber dann muss man sehen, was 2018 wird. Bleibt der Ölpreis bei $55, ist der Inflationsdruck dann von dieser Seite auch wieder weg. Solange die Konjunktur nicht anzieht, können sich die Euro-Staaten höhere Zinsen gar nicht leisten, das siehst Du genau richtig.

      Hypoport hat sich 2014 toll entwickelt, der Kurs hat es ignoriert. In 215 hat der Kurs dann für drei Jahre die Entwicklung eingepreist, so dass 2016 eine Nullrunde dabei herauskam. 2017 dürfte daher wieder reichlich Luft nach oben sein, denn operativ läuft es bei Hypoport weiterhin richtig gut. Und bzgl. MBB... ich denke, ich habe Mitte November Deine Aktien gekauft, denn ich habe damals meinen bestand deutlich aufgestockt. Also... danke. :D

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    2. Moin Michael, zu MBB: kann schon sein - man muss halt auch geben können, und damit sind die Aktien ja in guten Händen :-) Gruß Andreas

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  3. Hallo Herr Kissig,

    Ich wünsche Ihnen ein sehr erfolgreiches, vor Allem gesundes und glückliches neues Jahr und
    alle Zeit recht gute Investments.

    Bin ein regelmäßiger Leser Ihres Blogs und bedanke mich für Ihren sehr interessanten Ausblick auf das Jahr 2017.

    Daher hätte ich 1 -2 Fragen.
    - was halten Sie von einen hohem Investment in Allianz-Aktien?

    und welchen Broker würden Sie empfehlen?
    (Ich wollte eigentlich zur DAB- aber die gibt es leider nicht mehr.)

    Eine angenehme Woche Ihnen noch.

    Mit freundlichen Grüßen
    Richard

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    1. Moin Richard,
      ich habe bei Direkt-Brokern nur Erfahrungen mit der Comdirectbank und zwar ausnahmslos gute.

      Von Investments in Versicherungen rate ich ab und das bereits seit langer Zeit. Also auch vor der Allianz. Zuletzt habe ich mich im August hier im Blog mit dem Thema beschäftigt: "BaFin warnt: Lage bei den Lebensversicherern spitzt sich weiter zu" (hier klicken). Am Ende jenes Artikels findet sich auch eine Übersicht über die weiteren, die ich in den letzten vier Jahren zu diesem Thema verfasst habe. Ich denke, es gibt risikolosere und attraktivere Investments.

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  4. Guten Tag Herr Kissig,

    vielen Dank für Ihre sehr interessanten Empfehlungen.

    Eine Frage stellt sich mir bezüglich Aurelius: Wie beurteilen Sie die Insider Verkäufe in Aurelius im Dezember in Höhe von fast 200 Mio. EUR?

    Vielen Dank und viele Grüße
    Markus Mayer

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    1. M0in Herr Mayer,
      am 12.12. gab es drei Meldungen zu Directors Dealings.

      1. Der AR-Vorsitzende Dirk Roesig hat 20.000 Aktien zu 58,32 EUR über Xetra verkauft.

      2. Vorstand Gert Purckert/Tristech GmbH hat ein 1,027 Mio. Aktien zu 52,95 EUR außerbörslich verkauft.

      3. Vorstand Dr. Dirk Markus/Lotus AG hat 2,165 Mio. Aktien zu 52,95 EUR außerbörslich verkauft.


      Die beiden letzten sind die umfangreicheren und interessanteren. Das sieht nach einem Paketverkauf an einen institutionellen Investor aus, zumal beide Transaktionen außerbörslich liefen, zum gleichen Kurs und das auch noch um gute 10% unterhalb des Börsenkurses.

      Was es genau mit den Verkäufen auf sich hat, kann ich auch nicht sagen. Bisher habe ich dazu keine Meldungen/Infos gefunden. Beide sind aber weiterhin die mit Abstand größten Aktionäre bei Aurelius und ich werte die Anteilsverkäufe nicht als Zeichen dafür, dass sie aussteigen wollen. Das hätte der Aktienkurs auch kaum so einfach weggesteckt und würde dann nicht mehr knapp unter dem Allzeithoch notieren.

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  5. Guten Tag Michael & Herr Mayer,

    wo hat man die Möglichkeit dies nachzusehen bzw. haben Sie den Link zu den Insider Verkäufen? Vielen Dank!

    Beste Grüße

    Oliver

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    1. Bei finanznachrichten.de wurde dies unter den Unternehmensmeldungen bei Aurelius angezeigt. Oder bei der DGAP.

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  6. Guten Abend Michael!

    Ich möchte mich gerne bei dir revanchieren, für deine tollen Beiträge die du mit uns teilst. Ist es möglich über einen Neukunden werben über Comdirect (Link) dir die Provision zukommen zu lassen?

    Beste Grüße!

    Oliver

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    1. Moin Oliver,
      das ist ja freundlich von Dir, danke. Ich benötige dazu lediglich Deine Emailadresse (an kontakt@intelligent-investieren.net). Diese stelle ich bei der comdirect ein und dann erhältst Du den entsprechenden Link zugemailt. Wenn Du darauf klickst und dann hierüber bei der Comdirect Deine Daten eingibst und das Infopaket anforderst, bin ich als Werbender registriert. So sollte es laufen...
      Liebe Grüße
      Michael

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  7. Hallo Michael,

    ich bin neu hier und muss auch von meiner Seite aus ein riesen Kompliment für Deine Arbeit abgeben.
    Weiter so!!
    Habe auch gleich eine Frage zur Aktie von BILFINGER SE...
    Die Aktie befindet sich seit September 2016 (26€) in einem stabilen Aufwärtstrend.
    Aktuell notiert sie um die 38€.
    Das Allzeithoch lag bei ca. 91€.
    Siehst du hier einen möglichen Turnaround bzw. würdest du diese Aktie zum Kauf empfehlen?
    Über Deine Einschätzung wäre ich sehr dankbar!

    Beste Grüße
    Stefan

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    1. Moin Stefan,
      Bilfinger hatte ich mal vor zwei oder drei Jahren auf der Watchlist, aber nachdem da das Geschäft komplett zusammengebrochen war und man unter der neuen (neusten?) Führung das alte Stammgeschäft verkauft hat, habe ich mich hier nicht mehr weiter informiert gehalten. Ich kann daher keine fundierte Einschätzung zu Bilfinger abgeben, tut mir leid.

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