Freitag, 3. November 2017

KAP Beteiligungs-AG: Zahlt sich der Strategieschwenk jetzt langsam aus?

Vor knapp einem halben Jahr habe ich die KAP Beteiligungs-AG vorgestellt, nachdem sich Grundlegendes geändert und damit das Unternehmen (für mich) wieder interessant gemacht hat. Denn als neuer Groß- und Mehrheitsaktionär war der US-Finanzinvestor The Carlyle Group eingestiegen mit der Absicht, die KAP Beteiligungs-AG zu ihrem Trüffelschwein für den Deutschen Mittelstand zu machen. Und diese Geschichte nimmt nun Fahrt auf...

Zunächst gab es einen entscheidenden Wechsel im Vorstand, wo aller vorherigen Bekundungen zum Trotz der langjährige Chef Dr. Stefan Geyler verabschiedet wurde. Im August folgte ihm Guido Decker nach und forciert seitdem die Neuausrichtung. Dafür stehen ihm inzwischen auch die nötigen Mittel zur Verfügung, denn bereits zum Jahresanfang hatte man das bestehende Wertpapierportfolio vollständig aufgelöst, woraus sich zu Jahresbeginn ein weiterer Ertrag von 10,9 Mio. Euro erzielen ließ. Das war allerdings erst der Anfang, denn die KAP Beteiligungs-AG verfolgt unter Carlyle nun eine klare Wachstumsstrategie mit der Fokussierung auf einige Kernbereiche. Dem zufolge stehen auch bisherige Beteiligungen bzw. Tochter- und Enkelunternehmen auf der Überprüfungsliste, wo man über Verkäufe ggf. stille Reserven heben kann.


Altes muss raus...
Ein solcher Verkauf erfolgte nun kürzlich, als man seine indirekte 74-Protent-Beteiligung an der Kirson Industrial Reinforcements GmbH verkauft hat. Die Mehler AG, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der KAP Beteiligungs-AG, hat mit dem Verkauf an einen großen internationalen Industriekonzern einen Verkaufspreis sowie einen Buchgewinn im unteren zweistelligen Millionenbereich erzielt. Krison gehörte immerhin seit 1993 zu Mehler und der hohe erzielte Buchgewinn zeigt, welch enorme stille Reserven in der KAP-Bilanz schlummern. Dank des Verkaufs hat sich die bereits zum Jahreswechsel um 4% auf üppige 49,7% erhöhte Eigenkapitalquote nochmals verbessert.

Zu den nicht mehr fortzuführenden Bereichen zählt auch der Immobilienbestand. So sollen alle nicht betriebsnotwendigen Immobilien verwertet werden und auch das Projekt "Design-Hotel im alten Kesselhaus" soll bis Jahresende veräußert sein.

 KAP Beteiligungs-AG (Quelle: wallstreet-online.de
Neues soll rein...
Nachdem nun erhebliche finanzielle Mittel für neue Engagements bereitstehen und diese perspektivisch weiter anwachsen werden, begibt sich KAP auf Einkaufstour. Dabei geht man gezielt vor und mit klarer Strategie. Einerseits will man die bestehenden Segmente "Engineered Products" und "Automotive Components" ausbauen, andererseits weitere Segmente begründen. Ein erstes ist das Segment Oberflächenveredelung mit der langfristigen Zielsetzung, hier eine nennenswerte Marktposition auf europäischer Ebene zu formieren.

Hier bleibt es nicht bei Lippenbekenntnissen, sondern KAP kann nun innerhalb weniger Tage gleich drei Übernahmen vermelden. So hat man Ende Oktober einen und Anfang November zwei  Kauf- und Übertragungsverträge jeweils für den Erwerb aller Anteile an Unternehmen aus dem Bereich der Oberflächenveredelung abgeschlossen. Dabei soll jeweils ein Teil des Kaufpreises durch die Ausgabe neuer Aktien der KAP Beteiligungs-AG im Rahmen einer Kapitalerhöhung gegen Sacheinlagen finanziert werden. Auf Basis des aktuellen Aktienkurses ergäbe sich eine Erhöhung des Grundkapitals um insgesamt rund 5,4%.

Meine Einschätzung
Die Neuausrichtung nimmt nun zügig Fahrt auf und wir werden in den nächsten Jahren noch die eine oder andere gewinnbringende Bereinigung des Altportfolios erleben, während der Ausbau der Segmente mittels interessanter Übernahmen vorangetrieben wird. Hier will man durchaus größere Brötchen backen und in den Segmenten eine signifikante Position erreichen, um innerhalb der Sparten Effizienzpotenziale heben zu können.

Die KAP-Beteiligungs-AG steht noch relativ weit am Anfang und seit dem Einstieg von Carlyle hat sich der Aktienkurs fast verdoppelt. Trotz Auskehren einer gewohnt üppigen Dividende. Ob die alte Dividendenpolitik beibehalten wird, oder ab man in der anstehenden Phase des Unternehmensausbaus eher geringere Ausschüttungen vornimmt, weil das Geld sinnvoll(er) in neue Beteiligungen investiert werden kann, bleibt abzuwarten. Ich tendiere ja klar zur zweiten Option.

Die KAP Beteiligungs-AG befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot; und ich habe wegen der Übernahmemeldungen meine Position aufgestockt. Ein unterbewertetes Schnäppchen ist KAP aktuell nicht (mehr), aber eben dennoch aussichtsreich auf lange Sicht. Dabei sollten Interessierte allerdings berücksichtigen, dass der Streubesitz gering ist und man daher stets mit Limits agieren sollte. Auch bei diesem Unternehmen liegt der Gewinn im Einkauf. Im wahrsten Sinne des Wortes...

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