Donnerstag, 10. Dezember 2020

Adobe übertrifft alle Erwartungen - wie üblich. Der Kurs fällt erstmal - auch wie üblich. Egal!

Adobe hat seine Zahlen zum abgelaufenen Quartal präsentiert und sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis die Erwartungen deutlich übertroffen. Und selbst beim Ausblick liegt das Unternehmen über den bisherigen Annahmen, so dass es eigentlich keinen Grund gibt, weshalb der Kurs fallen sollte. Doch genau das tut er und das ist schon Tradition. Diese "Sell-on-good-News"-Historie lässt sich schon über viele Quartale hinweg beobachten. Doch bisher zahlte sich eher eine andere Vorgehensweise aus. Und zwar richtig...

Riskieren wir erstmal einen kurzen Blick auf die Zahlen: im 4. Geschäftsquartal erzielte Adobe einen Umsatz vom $3,42 Mrd. (+14,4% ggü. Vorjahr), ein Non-GAAP EPS von $2,81 und ein GAAP-EPS von $4,64. Der operative Cashflow stieg auf den  Rekordwert von $1,78 Mrd und der Bestand an Cash und Cash-Equivalenten liegt nun bei $4,48 Mrd. (Vorjahr: $2,98 Mrd.).

Der Umsatz mit digitalen Medien stieg gegenüber dem Vorjahr um 20% auf $2,5 Mrd.; dabei lag der Umsatz der Creative-Cloud bei $2,08 Mrd. und der Document Cloud-Umsatz bei $411 Mio. Der Umsatz von Digital Experience belief sich insgesamt auf $877 Mio. Adobe hat jedoch die Aufschlüsselung der Einnahmen geändert und die Advertising Cloud separiert. Ohne die Advertising Cloud erzielte Digital Experience einen Umsatz von $819 Mio. (+10% ggü. Vorjahr).

Ausblick

Im laufenden ersten Geschäftsquartal erwartet Adobe einen Umsatz von $3,75 Mrd., einen GAAP-Gewinn je Aktie von $2,19 und einen Non-GAAP-Gewinn je Aktie von $2,78.

Für das gesamte Geschäftsjahr 2020/21 soll ein Umsatz von $15,15 Mrd. eingespielt werden, sowie ein GAAP-Gewinn je Aktie von $8,57 und Non-GAAP-Gewinn je Aktie von $11,20.

Alle Werte liegen teilweise deutlich über den Vorjahreswerten und über den bisherigen Analystenerwartungen.

Zusätzlich geht Adobe davon aus, dass sich sein "Total adressable Market" (TAM) bis 2023 auf $147 Mrd. erhöhen wird. Das ist insoweit relevant, als dass Adobe sein Wachstum also nicht alleine auf Marktanteilsgewinnung beschränken muss, sondern der Gesamtmarkt auch noch wächst. Das macht Wachstum einfacher, auch wenn Adobe dies aufgrund seiner hervorragenden Marktstellung gar nicht nötig hätte.

Neues Aktienrückkaufprogramm von $15 Mrd.

Adobe hat ein Aktienrückkaufprogramm im Wert von bis zu $15 Mrd. angekündigt, das bis ins Geschäftsjahr 2023/24 laufen wird. Das aktuell laufende Programm, das bis zu $8 Mrd. umfasste, wird voraussichtlich im ersten Halbjahr 2021 erschöpft sein.

Meine Einschätzung

Quelle: wallstreet-online.de
Adobe hat eine herausragende Marktstellung und erzielt fast ausschließlich SaaS-Umsätze. Das macht seine Geschäftszahlen einfach(er) prognostizierbar und stetig. Daher wird Adobe eine entsprechend höhere Bewertung zugestanden, was das Unternehmen jedoch seit langer Zeit auch rechtfertigt. In den letzten 2 Jahren hat man acht mal die Prognosen übertroffen und nur einmal das Ziel ganz knapp verfehlt. Adobe ist ein absolutes Qualitätsunternehmen mit einem sehr starken ökonomischen Burggraben, das es neben seinem organischen Wachstum auch versteht, über sinnvolle Zukäufe zu wachsen.

Der 10-Jahreschart zeigt die Skepsis des Marktes, als Adobe 2011 vom Lizenzsystem auf das Subskriptionsmodell (SaaS) umstellte und kurzfristig auf die höheren, aber einmaligen Umsätze und Gewinne verzichtete zugunsten der stetigen Erlöse und Gewinnanteile aus den stetigen Abogebühren. Nach einer kurzen "Irritationsphase" hat auch der Markt die Vorteile des SaaS-Modells verstanden und seitdem kennt die Aktie (fast) kein Halten mehr. Und das dürfte so weitergehen, wie die aktuellen Zahlen und die Prognosen zeigen.

Disclaimer: Habe Adobe auf meiner Beobachtungsliste und/oder in meinem Depot/Wiki.

Kommentare:

  1. Lieber Michael,

    vielen Dank für den Artikel. Ich bin nun endlich auch mit einer ersten Position bei Adobe eingestiegen. Das ist einer der Aktien, bei der ich mich ärgere, warum ich das nicht schon längst getan habe. Zumal ich selbst im Medienbereich arbeite und schon vor Jahren hätte sehen können, welche starke Stellung Adobe hat. Aber sei es drum, lieber spät als gar nicht dabei;)
    Wie viel Potential siehst du denn bei Adobe was die Marktkapitalisierung angeht? Könnte das auch eine Billion Dollar Company werden? Ich selbst würde es nicht ausschließen, gerade weil Adobe im Bereich Advertising und KI Bilderkennung enorm stark ist.

    Viele Grüße
    Stefan

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    1. Herzlich willkommen bei Adobe, Stefan. ^^ Ich weiß genau, wie Du Dich fühlst, denn als ich vor etwas mehr als zwei Jahren bei Adobe eingestiegen bin, war ich auch schon viele Jahre zu spät und hatte immer gedacht, die wären einfach zu teuer. Tja, nach meinem Kauf wurden sie erstmal deutlich billiger, denn im vierten Quartal 2018 ging es ja kräftig abwärts mit den Kursen. Trotz meines lausigen Timings steht aktuell gut 75% an Kursplus auf der Uhr. Und ich glaube, dass es so weiterläuft. Adobe ist der Leader im Kreativen Bereich und die Software setzt die Maßstäbe. Sie schaffen sich in ihrer "Nische" ein eigenes Ökosystem und setzen dabei auch auf attraktive Partnerschaften - wie Microsoft.

      Was Deine andere Frage angeht, muss ich erstmal etwas kloogschieten: eine "Billion Dollar Company" ist Adobe mit 230 Milliarden Dollar Börsenkapitalisierung ja schon. Du meintest vermutlich "Trillion Dollar", weil die Amis bei den hohen Zahlen ja anders zählen als wir. Bei uns: Million, Milliarde, Billion, Milliarden, bei den Amis Million, Billion, Trillion..

      Aber zurück zur eigentlichen Frage: ja, ich glaube, dass Adobe das Zeug hat, in einigen Jahren auch auf eine Marktkapitalisierung von über 1 Billiarde Dollar zu kommen. Adobe wächst und sie kaufen sinnvolle Produkte hinzu, um ihr Angebot (ihr Ökosystem) weiter auszubauen. Mit jedem zugekauften Baustein gewinnen sie auch weitere Kunden, die bisher noch nicht Teil des Adobe-Ökosystems waren und für dessen Teilnehmer erweitern sich die Angebote mit dem neuen Feature/Baustein. Könnte man die künftige Performance einfach in die Zukunft fortschreiben, bräuchte Adobe gerade mal vier Jahre, um die 1 Billiarde Dollar zu knacken. Ganz so schnell dürfte es aber nicht gehen, denke ich. Auch wenn Ken Fisher Recht haben sollte und wir ganz am Anfang eines neuen Wirtschaftsaufschwungs und Bullenmarktes stehen.

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    2. Danke für deine Antwort! Und klar, mit der Billion hast du natürlich recht;)

      Von Adobe als Unternehmen bin ich jedenfalls absolut überzeugt, wie du schreibst, der Leader im kreativen Bereich und das Ökosystem greift perfekt ineinander, viele Kollegen von mir arbeiten sehr gerne damit.

      Nun muss ich nur überlegen, wann ich weiter aufstocke. Ob es noch mal günstiger wird, keine Ahnung. Kann passieren, kann aber auch nicht. Zumindest bin ich schon mal dabei:)

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  2. @Stefan - Warum nicht jeden Monat per Sparplan, bei TR kostenfrei, sich einen Teil seines Einkommens, Anteile von Adobe ins Depot legen? Bis es eine gewisse Depotgröße erreicht hat?
    Nur mal so als Anregung..

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    1. @Thor
      Sparpläne nutze ich bei zwei ETFS, die ich einfach durchlaufen lassen. Bei Einzelaktien kaufe ich selbst irgendwie lieber in drei bis vier Tranchen, bis ich die gewollte Größe erreicht habe. Aber hab bei Microsoft und Adobe durchaus auch über Sparpläne nachgedacht, mal gucken. Danke dir für die Anregung auf jeden Fall.

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  3. Hallo Michael,
    was hältst Du von Autodesk, eine mMn weitere SaaS Aktie mit Monopolstellung und 18-25% Wachstum in den kommenden Jahren?
    Beste Grüße
    Konstantin

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    1. Autodesk ist einer dieser Werte, die ich immer wieder mal in den Headlines aufpoppen sehe und denke, "ach ja, die wolltest du dir doch auch schon mal angesehen haben" und es dann doch immer wieder vergesse. Kann daher nicht viel zu dem Unternehmen sagen, sorry.

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