Montag, 4. Januar 2021

Kissigs Nebenwertefavoriten für 2021: Dr. Hönle, HelloFresh, Hypoport, Mutares, PNE

Ich investiere ja gerne in Nebenwerte, weil hier eine Überperformance erzielbar ist ggü. Blue Chips. Das zeigt sich auch an der langfristigen Performance von SDAX und MDAX, die den DAX meilenweit abhängen.

Darüber hinaus sollte man nicht vergessen, dass alle heutigen DAX- oder DOW-Werte mal als kleine Unternehmen angefangen haben und es ihre herausragende Entwicklung war, die sie erst zu DAX-Werten heranwachsen ließ. Es lohnt sich daher, auf die erfolgreichsten Unternehmen von morgen zu setzen: mit meinen 2021er Nebenwertefavoriten Dr. Hönle, HelloFresh, Hypoport, Mutares und PNE.

Bevor wir mit meinen 2021er Nebenwertefavoriten starten, blicken wir auf die Entwicklung der letztjährigen Werte zurück.

DIC Asset
Kurs 31.12.2019: €15,74
Kurs 30.12.2020: €13,54
zzgl. Dividende: €0,66
Performance 2020: -9,78%

Funkwerk
Kurs 31.12.2019: €17,80
Kurs 30.12.2020: €21,80
zzgl. Dividende: €0,30
Performance 2020: 24,16%

Hypoport
Kurs 31.12.2019: €315,50
Kurs 30.12.2020: €516,00
zzgl. Dividende: €0,00
Performance 2020: 63,55%

MBB
Kurs 31.12.2019: 72,10€
Kurs 30.12.2020: €108,50
zzgl. Dividende: €0,70
Performance 2020: 51,46%

Mutares
Kurs 31.12.2019: €12,24
Kurs 30.12.2020: €15,74
zzgl. Dividende: €1,00
Performance 2020: 36,47%

Unter der Annahme einer gleich starken Gewichtung der fünf Werte ergibt sich eine durchschnittliche Performance von 33,17%. Und damit liegt diese Rendite knapp unter meinem Net Worth-Zuwachs von 37,37%.

Meine Favoriten für 2021

Bis vor zwei, drei Wochen waren für mich Energiekontor und MBB als 2021er Jahresfavoriten "gesetzt", aber die Kurse zogen zuletzt sehr stark an. Beide Werte sind in meinem Investmentdepot nun am höchsten gewichtet, aber ich habe mich nun entschieden, zwei ihrer Wettbewerber an den Start zu schicken.

Dr. Hönle

Dr. Hönle wird oft als "UV-Spezialist" bezeichnet, doch inzwischen ist das Unternehmen viel breiter aufgestellt, auch durch aussichtsreiche Zukäufe. Großer Treiber in der Vergangenheit war die Klebstoffsparte, wo man inzwischen die großen Smartphone-Hersteller alle als Kunden an Bord hat.

Die Corona-Pandemie hat sich erheblich negativ auf das Geschäft ausgewirkt, vor allem im Druckmaschinen- und Quarzglas-Markt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2019/20 fiel der Umsatz um 12,9% €93,5 Mio. und mit €5,6 Mio. wurde rund 55% Prozent weniger an Ergebnis eingefahren als im vorangegangenen Geschäftsjahr.

Doch die Zeichen stehen auf Besserung. Das Ende des Lockdowns und die anstehende konjunkturelle Erholung dürfte für eine starke Erholung sorgen, so dass insbesondere die Klebstoffsparte im Jahresverlauf zu alter Stärke zurückfinden dürfte. Hinzu kommt das große Potenzial des noch jungen Geschäftsfelds Luftreinigung, denn die Rückkehr zur Normalität und das dauerhafte Überwinden des Corona-Schreckens wird Themen wie Entkeimung, UV-Desinfizierung und Luftreinigung massiv befeuern und zu allgegenwärtigen Begleitern in unserem Alltag werden lassen. Dabei liegt das Potenzial nicht nur im Kampf gegen Corona, sondern auch Dauerbrennerthemen wie Verkeimung in Krankenhäusern und OP-Sälen sind hier Adressaten.

Dem entsprechend erwartet Dr. Hönle im laufenden Geschäftsjahr 2020/2021 eine sehr gute Geschäftsentwicklung mit Anlagen und UV-Strahlern für die Entkeimung von Luft und Oberflächen. Negativ wirken sich natürlich die im laufenden ersten und nun zweiten Geschäftsquartal erneuten starken Lockdown-Einschränkungen auf das Geschäft aus, doch in einigen Wochen dürfte hier die Verbesserung eintreten. Zumal Dr. Hönle kürzlich die Massenproduktion für seine speziellen UV-Geräte zur Abtötung von Coronaviren gestartet hat und diese schon während der Weihnachtszeit mit einer auf den Endkundenmarkt abzielenden TV-Werbekampagne begleitet hat.

Ich gehe von einem verhaltenen Start, aber einer spürbaren Belebung in der zweiten Jahreshälfte aus. Spätestens wenn Dr. Hönle sein Geschäftsjahr 2020/2021 zum 30. September abschließt, werden sich die Augen auf das kommende Geschäftsjahr richten und die Erholung sich dann auch im Aktienkurs bemerkbar machen.

HelloFresh

Ich habe mir den Kochbox-Versender HelloFresh als Jahresfavoriten ausgesucht, doch bei den Online-Plattformen bzw. -modellen könnte man auch 'ne Münze werfen; es ist kaum abschätzbar, wer sich am besten entwickeln wird. Global Fashion Group, Westwing, Home24, HelloFresh, sie alle dürften bei den Umsätzen weiter stark zulegen. Die oftmals geäußerten Befürchtungen, dass nach Corona die Absatzzahlen einbrechen, teile ich nicht. Auch wenn die enorm starken Zuwachsraten dieses Jahres sich in 2021 zwar abschwächen, werden sie aber nicht einbrechen.

Unbestritten, Stay-at-home und die erneute Schließung der Restaurants treiben die Nachfrage nach Essenslieferungen und Kockboxen an. Doch das wird sich meines Erachtens nicht wieder völlig ändern, wenn die Beschränkungen zurückgenommen werden und Restaurants wieder "am Start" sind. Je mehr Work-from-Home sich durchsetzt, desto weniger Menschen essen in Kantinen und auch die mittäglichen Restaurantbesuche mit Kollegen oder Kunden werden spürbar weniger als früher.

HelloFresh bietet ein sehr gutes Produkt und ist in fast allen Ländern, in denen man aktiv ist, Marktführer. Bei Kochboxen hat man inzwischen einen Weltmarktanteil von über 50%. Dabei bestehen erhebliche Markteintrittsbarrieren, denn die Logistik im Hintergrund ist teuer und aufwändig. Sie ist keinesfalls mit dem Versand von Fertiggerichten, oder frisch zubereitetem Essen (wie Pizza oder Croques) zu vergleichen und selbst der Verkauf von Kochboxen über den stationären Lebensmitteleinzelhandel ist bisher fast immer gescheitert.

Wie herausfordernd das Geschäft selbst für Profis ist, zeigt das Beispiel von Wettbewerber Blue Apron. Die waren der klare Marktführer in den USA, doch innerhalb weniger Jahre wurden sie von HelloFresh überholt und deklassiert. Blue Apron bekam die Logistik nicht auf die Reihe und die Unzufriedenheit der Kunden wegen verspäteter, falscher und vergammelter Lieferungen nahm ständig zu. Inzwischen ist Blue Apron an- und abgeschlagen, weist hohe Schulden auf, kaum Wachstum um deutlich negative Margen. HelloFresh hingegen ist operativ profitabel. In 2020 dürfte es auf eine EBITDA-Marge von über 11% hinauslaufen und die Nettomarge sich Richtung 10% entwickelt haben. Mittelfristig sollte die EBITDA-Marge Richtung 20% auszuweiten sein, denn mit dem starken Wachstum und einer immer besseren Auslastung und verbesserten Abläufen steigt das Skalierungspotenzial.

Das Unternehmen geht für 2021 von 20% bis 25% Wachstum aus und das dürfte ziemlich konservativ angesetzt sein. Man hat in 2020 mehrfach die Prognosen anheben müssen, weil man (zu) vorsichtig prognostiziert hat. Und in Q1/20 gab es noch keinen Corona-Boom, so dass in Q1/21 mit besonders starken Zuwachsraten zu rechnen ist, die sich in den folgenden Quartalen dann abschwächen, wegen der erhöhten Basis aus 2020. Des Weiteren wurde in 2020 massiv in den Kapazitätsausbau investiert; man kam in 2020 beim Nachfrageboom kaum hinterher, wie sich auch im Jahresendgeschäft wieder zeigte, als man Stammkunden für das Aussetzen ihrer Bestellungen belohnte. Die deutlich erhöhten Kapazitäten stehen in 2021 nun volljährig zur Verfügung, auch wenn noch weiter kräftig zugebaut werden muss. So sollen neue Fulfillmentcenter in Q1/21 in GB und in Q2/21 in den USA ans Netz gehen. Für 2021 dürfte das Umsatzwachstum sich daher eher auf 40% belaufen. Und die Margen durch die hohen Investitionen weiterhin belastet sein, was jedoch zusätzliches Potenzial für die Folgejahre birgt.

Ich denke, HelloFresh wird zu negativ/ kritisch gesehen und zusammen mit dem ohnehin großen Wachstums- und Margenpotenzial ist das die Story für meinen 2021er Nebenwertefavoriten.

Annex

Auch bei Westwing, Home24, Zalando und Global Fashion Group gehe ich von einem weiteren Aufschwung in 2021 aus. Alle haben ihre Alleinstellungsmerkmale und ihren Reiz. Und bei allen bin und bleibe ich zuversichtlich und an Bord.

Hypoport

Der Kurs war vor einigen Wochen heftig eingebrochen, weil es Zweifel am Erreichen der Jahresprognosen gab. Mittlerweile hat sich der Kurs leider schon wieder erholt und steht nahe am Allzeithoch.

Die Bewertung sieht - wie immer - hoch aus, weil Hypoport seit drei Jahren viel Geld in seine neuen Projekte steckt (Versicherungsplattform) und sich das bisher noch nicht auszahlt. Aber... man hat in Deutschland bei Neuabschlüssen von Immobilienfinanzierungen in Deutschland bereits einen Marktanteil von über 25%! Anders gesagt: jede vierte neue Immobilienfinanzierung wird über die Finanzierungsplattform von Hypoport abgewickelt - Tendenz stark steigend. Wegen Corona dachten und denken viele, die Nachfrage nach Immobilien würde sinken. Aber das Gegenteil ist der Fall, sie steigt weiter. Nach den Ballungszentren sind nun die "Speckgürtel" dran, auch dank Work-from-Home. Die Zinsen sind weiterhin niedrig und die Banken und Sparkassen haben enormen Konsolidierungs- und Digitalisierungsdruck. Das alles spielt alles Hypoport in die Karten und zusätzlich könnte irgendwann auch der Aufstieg in den MDAX winken und so Visibilität und Nachfrage nach Hypoport-Aktien weiter anheizen. Haupttreiber bleibt aber die Entwicklung bei der Immobilienplattform.

Annex

Alternativ halte ich Netfonds für sehr aussichtsreich. Netfonds ist der zweitgrößte Maklerpool in Deutschland und betreibt das größte konzernunabhängige Haftungsdach. Das Wachstum der letzten Jahre lag im Durchschnitt bei 15%, und in 2020 dürften es sogar um die 20% geworden sein. Man betreibt diverse Tochtergesellschaften, die überwiegend noch in der Aufbauphase sind und somit Verluste zur Konzernbilanz beisteuern, so dass das Konzernergebnis noch defizitär ist. Insbesondere die hohen Investitionen in die Versicherungsplattform Finfire sollten sich in diesem Jahr auszuzahlen beginnen.

Und hier schließt sich auch der Kreis zu Hypoport, denn die hohen Investitionen Hypoports fließen vor allem in den Aufbau seiner Versicherungsplattform - wo man in Konkurrenz zu Netfonds steht. Netfonds ist daher für mich eine Ergänzung zu Hypoport, um im stark fragmentierten Versicherungsbereich noch besser positioniert zu sein und dort das große Digitalisierungspotenzial mitzunehmen.

Wer mehr über Netfonds erfahren möchte, dem empfehle ich den ausgezeichneten und sehr detaillierten Artikel "Maklerpools Teil 2: Netfonds" von TobiB auf seinem "Preis und Wert Aktienblog".

Mutares

MBB ist hervorragend positioniert im Bereich Energiewende/E-Trassenbau (Vorwerk) und mit Aumann und Delignit hat man zwei Automotivewerte mit hohem Turnaroundpotenzial für 2021. Des Weiteren locken potenzielle Börsengänge bei Vorwerk und DTS (IT Security-Tochter) sowie eine prall gefüllte Kriegskasse für Übernahmen.

Aber... der Kurs hat die letzten Wochen schon einiges vorweggenommen und bei Mutares sehe ich hier etwas mehr Kurspotenzial auf Jahressicht. MBB ist die sichere, die konservative Variante, Mutares die deutlich spekulativere.

Mutares hat in 2020 aufgrund der starken Ausrichtung auf den Automotive-Sektor kräftig unter Corona gelitten, vor allem die 60-prozentige Tochter STS. Dennoch konnte man eine Reihe von erfolgreichen Exits vermelden und war auf der Kaufseite sehr aktiv. Da Mutares Unternehmen in Spezial- und Sanierungssituationen kauft, bezahlt man selten viel für eine Übernahme. Im Gegenteil: man erhält zumeist eine Mitgift, eine sog. "Bargain Purchase". Hiermit kauft sich der Alteigentümer aus seinen Verpflichtungen frei: Sanierung, Entlassungen, Umstrukturierung sind keine positiv besetzten Maßnahmen und dieses wird Mutares überlassen und dafür eine zumeist stattliche Summe gezahlt. Mutares strukturiert dann um , schließt Betriebsteile oder stößt sie ab und kauft ggf. weitere Unternehmen aus der Branche hinzu ("Add-on") und formt so neue, schlagkräftige Firmen. Und nach erfolgreicher Sanierung verkauft man sie gewinnbringend.

Aber Mutares verdient nicht erst beim Verkauf, sondern ab dem Tag des Einstiegs. Denn die neuen Töchter müssen Dienstleistungen bei Mutares einkaufen und bezahlen somit für ihre Sanierung und geben einen erheblichen Teil der Unternehmenssteuerung (des "Wasserkopfs") an Mutares ab. Mutares erhält hierfür ein Salär, das die eigenen Betriebskosten deckt und auch die Dividenden speist.

Als nächste große Exits könnte die Donges-Gruppe anstehen und auch Keeper. Des Weiteren ist der Blick auf STS gerichtet. Im Automotivesektor steht 2021 eine starke Erholung an, davon wird STS profitieren. STS könnte in diese Erholungsphase hinein sein China-Segment verkaufen, und daraus eine Sonderausschüttung vornehmen. Die dann natürlich zum Großteil in der Tasche von Mutares als 60%-Eigentümer landet. Aber auch ohne diesen Exit sollte STS in 2021 erhebliches Reboundpotenzial besitzen und damit auch seinen Wert in der Mutaresbilanz (wieder) kräftig steigern können.

PNE

Energiekontor ist der am besten positionierte und interessanteste Wert im Sektor - aber schon sehr gut gelaufen die letzten Wochen. Daher habe ich mich für PNE als Favorit entschieden. PNE ist kleiner als Energiekontor, hauptsächlich auf Wind ausgerichtet und von einer Übernahme "bedroht". Der (nicht mehr ganz) neue Großaktionär Morgan Stanley Infrastructure Partners (ca. 40% Anteil) hat durchgesetzt, dass PNE sein großes Windparportfolio2020 nicht verkauft, sondern in den Eigenbestand übernimmt. Das belastet das Ergebnis, weil nun natürlich die Verkaufserlöse fehlen, so dass PNE im Vergleich teuer bewertet aussieht.

Aber... es steigert den Wert des Unternehmens. Künftig wird ein Tel der neuen Windparks verkauft, der Rest in den Eigenbestand überführt. Wie bei Energiekontor. Die Sperrfrist für MSIP läuft aus, sie können nun einen zweiten Übernahmeversuch starten. Der letzte ging schief, man hat kaum Aktien angedient bekommen, weil man viel zu knauserig war. Unter €12 wird es wohl keinen Erfolg geben bei einem möglichen weiteren Übernahmeversuch durch MSIP; aber ich spekuliere auch gar nicht auf eine Übernahme, sondern ich will lieber selbst an der Wertentwicklung teilhaben. Verglichen mit Energiekontor, Encavis oder ABO Wind ist der Kurs von PNE zuletzt zurückgeblieben. Das sollte sich 2021 auflösen und zusätzliches Potenzial bieten.

Grundsätzlich wird die Branche der Erneuerbaren Energien durch mehrere starke Entwicklungen angeschoben. Zunehmend wird der Klimawandel als größte Bedrohung für unseren Lebensstandard erkannt und seine Folgen auch als monetäre Kosten verstanden. Hurricanes, Überschwemmungen, Waldbrände, Dürren und das Anstiegen des Meeresspiegels bei gleichzeitigem Absinken des Grundwasserspiegels werden nicht mehr als separate Einzelereignisse verstanden, sondern als Teil einer sich beschleunigenden Entwicklung. Folgerichtig werden die Anstrengungen, sich diesem vom Menschen maßgeblich verursachten Klimawandel entgegenzustellen, zunehmend verstärkt. Das Pariser Klimaabkommen mit seinen verbindlich festgelegten Zielen war ein wichtiger Schritt. Doch unter Trump stiegen die USA aus dem Abkommen aus und damit der größte Verursacher des CO2-Ausstoßes. Der neue Präsident Joe Biden hat angekündigt, dem Pariser Klimaabkommen wieder beizutreten. Das ist ein großer und wichtiger Schritt. Wenn denn auch Taten folgen. Und danach sieht es aus. Doch inzwischen ist klar dass die Ziele nicht ambitioniert genug sind und noch größere Anstrengungen nötig sind. Die EU hat hier alleine €800 Mrd. für den Ausbau der Offshore-Windenergie angekündigt, und die EU-Staatslenker haben sich Mitte Dezember auf ehrgeizigere Klimaziele für 2030 verständigt. Der CO2-Ausstoß soll demnach ggü. 1990 um mindestens 55% sinken anstelle der bisher gesetzten 40% Einsparung. In der Folge hat das Bundeskabinett bereits die EEG-Novelle verabschiedet, aber in den nächsten Wochen stehen weitere Konkretisierungen an. Dabei wird es um Einspeisevergütungen, die Verlängerung von Förderungen für Altanlagen, aber vor allem um die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren und den Abbau bürokratischer und juristischer Hürden bei der Errichtung von Anlegen und Netzen gehen. Darüber hinaus startet in Deutschland ein mehrstufiger Verschmutzungsrechtehandel, der fossile Energie teurer macht und saubere Energie bevorzugt. Das erhöht den Druck Richtung erneuerbare Energien zusätzlich.

Alles positive Aussichten für Wind- und Solarenergie. Zudem fließt viel mehr Geld in den Sektor, von Investoren, von Regierungen, aber auch von Öl- und Gas-Multis, die ihr Geschäftsmodell umstellen und ihr Engagement im Bereich fossiler Energieträger zurückschrauben. BP, Shell, RWE wollen alle in Zukunft "sauberen" Strom verkaufen und ihn produzieren. Dazu benötigen sie Anlagen, Windkraft-, Biomasse, Solaranlagen. Die fallen nicht vom Himmel und können nicht alleine mit Geld aus dem Boden gestampft werden. Sie geplant und erreichte werden. Das dauert, teilweise viele Jahre. Und auch die überhaupt geeigneten Standorte sind begrenzt. Vor allem in dicht besiedelten Ländern wie Deutschland. Die stark steigende Nachfrage treibt daher auch den Preis für bestandsanlagen in die Höhe, was Unternehmen mit Eigenbestand Aufwertungspotenzial beschert (Energiekontor, Encavis, PNE, 7C Solarparken; nicht aber ABO Wind als reinem Projektierer).

Aber auch die Projektier können sich doppelt freuen. Einerseits steigt die Nachfrage nach ihren Dienstleistungen, andererseits steigt der Wert der Projektepipeline, da sie hier bereits Standorte akquiriert und - je nach Projektfortschritt - bereits Planungen erstellt, Genehmigungen eingeholt und mit dem Bau begonnen haben.

Ein Schlaraffenland. Und die Kursentwicklung der letzten Monate hat hier schon einiges eingepreist. Allerdings befinden wir uns gerade am Anfang eines Booms und daher wäre es kaum weitsichtig, sich auf die kurzen Perspektiven zu fokussieren. Hier wird über die nächsten Jahre, vielleicht Jahrzehnte viel Geld zu verdienen sein. Und je früher man sich positioniert, und je besser man es aushält, sich nicht aus dem Markt und den betreffenden Aktien vertreiben zu lassen, desto gewaltiger dürften die Renditen sein, die am Ende einzustreichen waren.
»Eines der schwierigsten Dinge für Anleger ist, der Versuchung zu widerstehen, ein Unternehmen zu verkaufen, wenn eine Aktie stark gestiegen ist oder wenn die Performance nachlässt.«
(Chuck Akre)
"Die Kunst, nicht zu verkaufen", ist einer der wesentlichen Faktoren für nachhaltigen Börsenerfolg. Auch die besten Anleger der Welt liegen selten bei mehr als 50% ihrer Investments richtig. Und von denen, die dann ein Plus einspielen, sind nur ganz wenige dabei, die zu Tenbaggern werden, zu Verzehnfachern oder Verhundertfachern oder Vertausendfachern. Wer auf die zehntausenden von Prozenten schaut, die Amazon, Apple, Microsoft eingebracht haben in den letzten 25 Jahren, der sieht an ihren Charts aber auch die Phasen, in denen es zwischendurch mal um 50% oder mehr in den Keller ging oder wo der Kurs eine längere Zeit konsolidierte. Bei den "Superaktien", wie Ken Fisher sie nennt, entnervt auszusteigen, nur weil der Kurs mal zu schnell vorausgeilt ist, ist niemals die richtige Entscheidung. Man meint zwar, durch Timing noch besser abzuschneiden, am Hoch zu verkaufen und billiger wieder einzusteigen, aber das klappt fast nie. Man verpasst in den meisten Fällen den rechtzeitigen Wiedereinstieg und damit den renditeträchtigsten Teil der Entwicklung. Also sollte man es bleiben lassen!!!

Auf meiner Beobachtungsliste finden sich viele Aktien, die sich verdoppelt, verdreifacht, verzehnfacht haben. Fast alle von ihnen haben hierfür viele Jahre gebraucht. Und fast alle hatten zwischenzeitlich Phasen durchzustehen, in denen es mit dem Kurs abwärts ging oder er vor sich hindümpelte. Paradebeispiel ist MBB. Nach dem Aumann-IPO, also im Frühjahr 2017, war die MBB-Aktie ein Tenbagger in meinem Depot. Danach ging es abwärts und im Corona-Einbruch sackte sie ggü. dem Allzeithoch fast um zwei Drittel ab. Und nun? Momentan ist sie wieder am Allzeithoch und damit ein Tenbagger. Wer die Aktie seit 2012 im Depot und sie nie verkauft hat, kann sich freuen. Und die fast drei Jahre, wo es eine negative Performance gab? Für die wurde er ausreichend entschädigt. Und ja, es ist natürlich richtig, dass diejenigen, die bei 2017 bei €120 ausgestiegen und 2020 bei €50 wieder eingestiegen sind, doppelt abkassieren konnten. Aber das sind die wenigsten! Die meisten haben verkauft, als der Kurs bereits um 30% oder 40% abgesackt war und sie sind auch nicht zum Tiefstkurs wieder eingestiegen. Wenn überhaupt. Also, lasst das Market Timing und übt euch in der Kunst des Nichtverkaufens. Praktiziert Buy & Hold, solange das Unternehmen sich positiv entwickelt und eure ursprünglicher Investmentcase noch fliegt. Nur wenn das Unternehmen gegen die Wand fährt, dann zieht man die Notbremse, nicht wenn die Strecke hügeliger und kurvenreicher wird. Denn... man muss nach dem Ausstieg erstmal einen besseren Zug mit einer schnelleren Strecke finden.

Mein Nebenwerte-Wiki

Seit 17. Dezember 2020 können Anleger Geld in mein Nebenwerte-Wiki investieren. Es dürfte nicht verwundern, dass dort meine 2021 Nebenwertefavoriten zu den am höchsten gewichteten Werten gehören. Auch im Wiki liegen Energiekontor und MBB an der Spitze, was auch dem starken Anstieg der letzten Wochen geschuldet ist.

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Disclaimer: Habe ABO Wind, Delignit, Dr. Hönle, Energiekontor, Global Fashion Group, HelloFresh, Home24, Hypoport, MBB, Mutares, Netfonds, PNE, Westwing auf meiner Beobachtungsliste und/oder in meinem Depot.

Kommentare:

  1. Die Kissigs Nebenwertefavoriten für 2020 waren: DIC Asset, Funkwerk, Hypoport, MBB, Mutares
    UET war nicht dabei (sondern als Turnaround Wert aufgelistet

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    1. Ups, Du hast völlig Recht. Ich habe irrtümlich die fünf Werte aus dem "KC-Tippspiel" verwendet (also UET und SBF anstelle von Hypoport und MBB). Hab's im Artikel korrigiert, mea culpa...

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  2. Moin Moin !

    ist ja lustig, dass google mir auf der rechten Seite deines Blogs DFV-Werbung anzeigt, wo du aus der Aktie ja raus bist und die heute fast 40% gefallen ist. Da hattest du wohl mal wieder den richtigen Riecher mit dem Management! Sollte ich mal wohl öfters nach deiner Nase richten ;)
    Bei deinen 2021 Favs ist leider aber nichts für mich dabei. Am ehesten noch PNE, allerdings habe ich aus dem bereich der "Erneuerbaren" schon 7c SOlarparken im Depot und bin mit denen sehr glücklich.
    Warum eigentlich nicht DIC als Favorit? Du sagst ja selber, der Kurs hinkt hinterher, und die Aktie wird zu Unrecht abgestraft. Eigentlich doch gute Voraussetzungen für einen Favoriten?

    Wünsche dir für 2021 viel Erfolg, allen anderen Lesern natürlich auch.

    Gruß
    ROland

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    1. Moin Roland,
      ich halte DIC Asset für aussichtsreich. Allerdings dürfte sich in 2021 als Dauerbelastung (für den Kurs) die Unsicherheit über die wirtschaftliche Erholung und die mittelfristige Auswirkung auf die Nachfrage nach zentralen Büroflächen und -gebäuden erweisen. Während DIC operativ weiter sehr gut vorankommen dürfte, könnte der Kurs weiter mit angezogener Handbremse laufen. Deshalb habe ich DIC nicht zu einem meiner fünf Favoriten erklärt.

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    2. Ach so, zur DFV... ich hatte meine Zurückhaltung ja damit erklärt, dass ich mir erstmal ansehen will, wie die sich operativ so schlagen. Ich denke, ich habe nun meine Antwort und zwar viel schneller als gedacht. Und keinesfalls positiv...

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  3. Hast Du Dir zu Energiekontor die Zahlen angeguckt? Erwartest du hier stark steigende Erträge?

    Energiekontor sagt ja selbst, dass sie langfristig von €60Mio. EBT p.a. ausgehen - da finde ich die aktuelle Marktkapitalisierung von €850 Mio. ambitioniert...

    Beste Grüße!

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    1. Die starken positiven Effekte im EE_Sektor werden sich nicht gleich in den nächsten ein, zwei Jahren einstellen, sondern mittelfristig für erhebliche Wertzuwächse sorgen. Wer nur auf die Umsatz- und Ergebniswerte in 2021 und 2022 schaut, blickt hier viel zu kurz.

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  4. Lieber Michael,
    danke für deinen Beitrag. Eine Frage habe ich zu Funkwerk. Anders als etwa bei MBB ist der Kurs in 2020 nicht so massiv angezogen. Wieso hälst du die Aktie nun offenbar trotzdem nicht mehr für so aussichtsreich? An den grundsätzlichen Triggern (Verkehrswende, Investitionen in den Bahnbereich) hat sich ja nichts geändert. Eher im Gegenteil: Nun ist klar, dass in den kommenden 10 Jahren rund 86 Milliarden Euro in die Deutsche Bahn fließen sollen, auch auf kommunaler Ebene geht der Trend klar in diese Richtung mit immensen Investitionen. Warum hälst du die Chancen für Funkwerk und andere Unternehmen aus dem Mobilitäts-Sektor wie etwa IVU oder Init dennoch in diesem Jahr nicht für hoch genug? Ich persönlich halte den gesamten Sektor durch diese Sonderkonjunktur in den kommenden Jahren für sehr aussichtsreich und relativ unanfällig für gesamtwirtschaftliche Schwankungen.
    Viele Grüße
    Christian

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    1. Moin Christian,
      es ist alles richtig, was Du zu Funkwerk schreibst. Ich sehe eine noch stärkere Unterbewertung der Funkwerk-Aktie als in 2020, aber der Sektor ist nicht "sexy" genug in 2021. Zumal Funkwerk auch kein "Corona-Rebound-Play" ist. Die Aktie zählt nicht zu meinen fünf Favoriten für 2021, aber ich habe sie nicht abgeschrieben. Im Gegenteil, sie ist meine drittgrößte Position im Depot und ich erwarte mindestens €25 beim Kurs, während der Wert je Aktie inzwischen bei eher €35 liegen sollte. ;-)

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    2. Danke für die Antwort. Corona-Rebound-Play ist sie nicht. Was die "sexyness" gerade der Kapitalmarktkommunikation von Funkwerk betrifft, stimme ich dir auch zu. Generell auf den Sektor bezogen, schätze ich es jedoch anders ein. Das Thema Bahnfahren und Verkehrswende gewinnt politisch und auch medial massiv an Visibilität. Das wird aktuell nur überlagert durch leere Züge wegen Corona (- und Corona ganz grundsätzlich natürlich). Daher schätze ich, dass mit Zunahme der medialen Betrachtung des Themas in nächster Zeit sich der Blick auch stärker auf die gut positionierten heimischen Player in dem Sektor, Hidden Champions im besten Sinne, richten wird. Aber klar, ob das dann 2021 oder 2022 passiert, wird uns nur die Zeit sagen können.

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    3. Dass ich sehr vom Potenzial von Funkwerk überzeugt bin, kann man an meinem Nebenwerte-Wiki ablesen: ich habe Funkwerk dort aufgenommen, obwohl die Spreads von Lang & Schwarz hier eine Frechheit sind und wochenlang keine Aktien günstig zu bekommen waren. Ich habe dann in den sauren Apfel gebissen und mir die Aktien zum Bid-Kurs "gegönnt". Seitdem stehen sie im Wiki mit einem Minus zwischen 14% und 20% und das sieht natürlich überhaupt nicht schön aus. Hätte ich nicht in Kauf genommen, wäre ich nicht vom Unternehmen überzeugt - und davon, dass der Kurs das irgendwann auch nachholt/ widerspiegelt. ;-)

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  5. Lieber Michael,

    mal wieder ein klasse Beitrag auf diesem tollen Blog. Mein Nebenwerte-Favorit 2021 ist Lang und Schwarz, die du ja ebenfalls demletzt vorgestellt hast und auch auf deiner Beobachtungsliste führst. Aufgrund der aktuellen Zahlen und dem weiterhin intakten Wachstumstrend sollte wir hier 2021 hoffentlich 3-stellige Kurse sehen. Die letzten 2 Tage waren m.E. ein Vorgeschmack darauf.

    Beste Grüße
    Dennis

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    1. Ja, mir gefallen die Zahlen von L&S auch und sie waren auch absehbar. Für 2021 ist da noch einiges zu erwarten...

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  6. gibt es dieses Jahr Turnaround Empfehlungen?

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    1. Meine Turnaroundliste umfasst ja nur viert Werte. Und abgesehen von UET, wo eher schwache Zahlen für 2020 zu erwarten sind und sich der Turnaround dank Corona verzögert und sich weit in 2021 hinein verschiebt, sind Bausch Health, Coty und General Electric auch auf kürzere Sicht interessant.

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  7. Hey Michael,

    kommen dieses Jahr auch noch Empfehlungen für die Large Caps? Würde mich sehr interessieren.

    VG Matthias

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