Mittwoch, 1. September 2021

Kissigs Performance-Update: So liefen die Börsen und meine Wikifolios im August

Der August gilt als der zweitschwächste Börsenmonat nach dem September und viele Anleger setzten noch immer auf die überholte Saisonalität und den Mythos eines schwachen Börsenherbstes und eine Crash-Septembers.

Ja, der September liegt statistisch deutlich am Ende der Börsenmonate, aber in ihm passierten einige der größten Katastrophen, was nichts mit dem Herbst oder diesem Monat zu tun hat, sondern es war einfach Pech. Oder Zufall. Daraus einen begründeten Pessimismus oder gar einen Automatismus ableiten zu wollen, halte ich für Tinnef. Trotzdem, viele Leute glauben daran und machen daher schon vor dem September Kasse. Sie ziehen ihr Geld aus der Börse ab und kommen erst Ende Oktober wieder zurück. Tja, für mich lief der August prima, ich habe in absoluten Zahlen den höchsten Vermögenszuwachs meines Lebens zu verzeichnen und prozentual gesehen gehörte der August 2021 zu den besten drei Monaten, die ich je miterlebte. Auch die beiden von mir betreuten Wikis legten jeweils fast 7% zu, da kann man kaum meckern. Es sei denn, man hat sich aus falscher Furcht und dem irrigen Versuch den Markt timen zu wollen, vorab aus dem Markt verabschiedet. Dann hat man wirklich was zu fluchen (und was draus zu lernen).

Doch obwohl der August eine so schöne Rendite aufzuweisen hat und die Börsenindizes in den USA und Deutschland neue Allzeithochs markieren konnten, lief nicht alles rund. Vor allem nicht in China, wo die Regierung ihren großen Konzernen immer heftiger die Daumenschrauben anlegt und sich immer mehr Branchen zuwendet. Mit entsprechend negativen Auswirkungen auf Stimmung, Aussichten und Börsenkurse...

Die Earnings Season ist weitgehend abgeschlossen und viele der Unternehmen konnten mit ihren Zahlen zum zweiten Quartal und dem ersten Halbjahr 2021 überzeugen. Nur wenige enttäuschten wirklich. Dennoch gab es deutliche Kurseinbrüche, da die Anleger oft vom dem "ernüchternden" Ausblick auf den Rest des Jahres enttäuscht waren - die Zuwachsraten schrumpften in vielen Fällen erheblich zusammen. Daraus wurde zumeist ein Ende des Wachstums abgeleitet, doch die niedrigen Zuwächse hatten wohl eher einen statistischen Grund: im zweiten Quartal des Vorjahres gab es eine "Monsterrallye", die schnellste Erholung nach der schnellsten Rezession aller Zeiten. Während also Q1/20 grottenschlecht war, hatte die Erholung in Q2/20 beriets massiv eingesetzt. In Q1/21 waren die Zuwächse ordentlich, obwohl wir uns wieder in einem harten Lockdown befanden. In Q/21 ebenfalls noch, aber da hatte es im Vorjahr schon die Erholung gegeben, so dass dieser "Basiseffekt" die Zuwächse prozentual schwächer aussehen ließ. Und in Q3/20 waren fast alle Lockdowns aufgehoben und die Wirtschaftsleistung schoss in die Höhe. Der Basiseffekt wird sich in Q3/21 daher noch viel stärker auswirken und kaum/wenig prozentuales Wachstum erkennen lassen.

Das setzt natürlich vor allem den Kursen der Wachstumswerte zu. Aber nicht unbedingt gerechtfertigt. Manche Unternehmen haben wirklich nur wegen Corona einen Boom erlebt und nun brechen ihnen die Umsätze wieder weg. Ihre Aktienkurse fallen zu Recht. Aber bei hat der Coronaboom zu einer erhöhten Geschäftstätigkeit geführt und auf dieser höheren Basis setzen sie ihr Wachstum fort. Wenn auch mit eher normalen Zuwachsraten, wie man sie aus der Vor-Coronazeit kennt. Hier gibt es keinen Grund, die Aktien abzustoßen. Viel eher sollte man überlegen, ob Kursrücksetzer von 20% oder mehr nicht übertrieben sind und daher Einstiegs- oder Nachkaufgelegenheiten bieten.

Im August zeigte sich, dass die Inflationsraten anziehen, aber die Notenbanken werden von der lockeren Geldpolitik und den niedrigen Zinsen nicht wirklich abweichen. Noch nicht. Die wieder steigenden Infektionszahlen und die Probleme in Chinas Häfen, die zu immer stärkeren Störungen der weltweiten Lieferketten führen, reduzieren die Erwartungen an das Wirtschaftswachstum und den Abbau der Arbeitslosenzahlen. Und diese eigentlich für die Börse negativen Nachrichten treiben die Aktienkurse an - weil sie die Notenbanken länger den Geldhahn auf Maximum aufgedreht lassen und dieses Geld fließt zu einem erheblichen Teil an die Börsen.

Werden die Börsen im September deutlich einbrechen? Wahrscheinlich wird es wieder Rücksetzer von 5% oder auch 10% geben, wie wir sie in dieser Hausse schon öfter erlebt haben, quasi alle paar Monate. Und die Kurseinbrüche wurden bisher immer wieder schnell hochgekauft, eben weil so viel Liquidität im Markt ist und kaum Alternativen findet. Daher kehrt es meist schnell wieder zurück, sobald die Kurse mal ein bisschen gefallen sind. Daher sollte man sich über den Gesamtmarkt wenig bis keine Gedanken machen, sondern sich vor allem (und am besten ausschließlich!) auf die Unternehmen, ihre Entwicklung und ihre Zahlen fokussieren.

Die Börsenentwicklung im August

Größte Nutznießer waren Nebenwerte und Wachstumsaktie, aber auch die Blue Chips enttäuschten nicht. Wobei auch in DAX und Dow Jones die Technologieaktien besser performten als andere Branchen.

• Dow Jones: +1,49% (YTD: 15,84%/ 1 Jahr: +23,74%)
S&P 500: +2,60% (YTD: 20,06%/ 1 Jahr: +28,55%)
NASDAQ: +3,16% (YTD: +19,74% / 1 Jahr: +28,65%)
DAX: +1,98% (YTD: +15,55% / 1 Jahr: +21,63%)
MDAX: +2,79% (YTD: +17,31% / 1 Jahr: +31,24%)
SDAX: +3,47% (YTD: +15,85% / 1 Jahr: +35,25%)
TecDAX: +6,47% (YTD: +21,99% / 1 Jahr: +26,05%)

Immer wieder ist zu hören, es würde keine günstigen Aktien mehr geben oder "die tief hängenden Früchte wären nun gepflückt". Das ist Quatsch, es gibt immer unterbewertete Aktien, man muss sie nur suchen und finden. Wenn man dabei natürlich lediglich die hundert größten und bekanntesten Aktien durchstöbert, die jeder Analyst, jeder Fondsmanager, jede Börsenpostille und jeder Kleinanleger der Welt bereits kennen und wohl auch im Depot haben, dann wird man kaum fündig. Dann muss man teure Aktien kaufen. Das funktioniert auch, wenn man Qualitätswerte kauft, die quasi Dauerläufer sind. Danaher, Costco, Adobe, Microsoft um nur ein paar zu erwähnen. Oder KKR, wo absehbar war, dass die enorme Gewinnsteigerungen vorweisen können würden - und es auch weiterhin tun werden.

Oder man nimmt sich Nebenwerte vor. Funkwerk ist hierfür ein Paradebeispiel. Seit dem Frühjahr 2016 schreibe ich regelmäßig über das Unternehmen, seit der Turnaround absehbar geglückt war. Ich weise seitdem regelmäßig auf die deutliche Unterbewertung hin und sie bleibt bestehen. Ärgerlich? Ja, etwas. Aber man kann drüber wegkommen, weil das Unternehmen sich so prächtig entwickelt, dass es in den fünfeinhalb Jahren fast 1.500% Rendite vorzuweisen hat. Und noch immer deutlich unterbewertet ist. Wenn man sich von diesem renditekillenden Ankereffekt freimachen kann, kann man eine Aktie für €35 kaufen, die mindestens €50 wert ist. Und das Unternehmen wächst weiter deutlich zweistellig und weitet dabei auch noch seine Margen aus. Ganz zu schweigen von seinem immer größer werdenden Cashberg. Doch der Ankereffekt hindert die Leute daran, diese Aktie zu kaufen. Sie blicken auf den Chart und sehen, dass die Aktie von sechs Jahren €2 gekosten hat und vor fünf Jahren €5. Also haben sie Probleme damit, dieselbe Aktie für €35 zu kaufen. Das ist dumm!!! Denn nicht der Kurs von vor fünf Jahren ist wichtig, sondern der heutige Wert und der Wert in einem Jahr und in drei Jahren und fünf Jahren.

Wem das Unternehmen Funkwerk nicht gefällt, der muss die Aktie natürlich nicht kaufen, Es gibt genügend andere, die sich ebenso lohnen werden. Man kann sich Blue Cap ansehen oder Gesco, die beide deutlich unter ihrem fairen Wert notieren. Und bei beiden gab es gute gründe, weshalb die Aktien verschmäht wurden, doch beide haben ihre operativen Probleme überwunden und sich neu strukturiert und ihre Unternehmensstrategien zukunftsfähig gemacht. Noch spiegelt das der Aktienkurs nicht wieder, weil die Anleger noch zu wenig Vertrauen in die Neuausrichtung haben. Doch genau das ist der Punkt, wann man als Anleger ein Schnäppchen machen kann.

Wer sich nicht selbst die Arbeit machen kann (oder will), einzelne Unternehmen auf Herz und Nieren zu prüfen, sich ihre Geschäftsmodelle anzusehen und ihre Bilanzen, kann auch einfach Indexfonds/ ETFs kaufen und so am der Entwicklung des breiten Marktes teilhaben. Allerdings muss er auch bei der Auswahl der ETFs genau hinsehen, was wirklich darin enthalten ist. Denn in vielen "globalen" Indizes bringen einige wenige US-Werte (wie Apple, Microsoft, Alphabet, Facebook) oft mehr als die Hälfte der Gewichtung.

Als Alternative bieten sich auch Wikifolios an. Die kann man einfach kaufen und sie zeigen transparent, welche Aktien sich in ihnen befinden und welche ge- oder verkauft werden. Die Anlagephilosophie des "Traders" ist klar dargelegt und als Anleger kann man sich das oder die passende/n Wikis herauspicken. 

Entwicklung meiner Wikis im August

Seit dem 17.12.2020 sind meine beiden Wikis investierbar und schnitten so ab:

Kissigs Nebenwerte Champions
zum Wiki

Investiertes Kapital: €2.287.300,-
153,94 (31.07.21: 144,14) +6,8%

Rendite seit Start am 19.08.20: +53,9%
Rendite in 2021: +26,9% (YTD)
Rendite in 2020: +27,0% (ab 19.08.)


Kissigs Quality Investments
zum Wiki

Investiertes Kapital: €908.700,-
129,57 (30.06.21: 121,24) +6,9%

Rendite seit Start am 13.08.20: +29,6%
Rendite in 2021: + 22,6% (YTD)
Rendite in 2020: + 7,0% (ab 13.08.)

Das Quality Investments Wiki konnte mehr als doppelt so stark zulegen wie die NASDAQ und den S&P 500 oder den Dow Jones sogar noch deutlicher hinter sich lassen. Und meine Nebenwerte Wiki performte ebenfalls doppelt so stark wieder SDAX. In beiden Fällen erwies sich damit die Auswahl der Einzeltitel als Erfolgsfaktor und da meine beiden Wikis auch seit dem Jahresstart (YTD) vor den Indizes liegen, fühle ich mich in der Ausrichtung der Wikis bestärkt. Wobei ich dennoch bei einzelnen Werten teilweise heftige Fehler gemacht habe, das bleibt nicht aus. Am Ende zählt, dass man mit den Erfolgsaktien (viel) mehr verdient, als man mit den Losern in den Sand setzt. Bisher ist mir das ganz gut gelungen, denke ich.

Rund vier Monate hat es gedauert, bis meine beiden Wikis endlich den Status "investierbar" erhielten und somit für interesseierte Anleger zu kaufen sind. Ich bedanke mich bei den Anlegern, die mir mit ihren Investments ihr Vertrauen aussprechen und in beide Wikis zusammen bereits knapp €3,2 Mio. investiert haben. Dieses Vertrauen ist für mich Ansporn, aber auch Verpflichtung zugleich und ich werde mein Bestes geben, um mit den Wikis weiterhin und dauerhaft überdurchschnittliche Renditen zu erwirtschaften.

Mein Net Worth im August

Mein operativer Net Worth stieg auf +28,7 (YTD). Meine anvisierte durchschnittliche Jahresrendite bzgl. meines Net Worth liegt bei 15%, so dass ich mit der Entwicklung natürlich äußerst zufrieden bin.

Disclaimer: Habe die genannten Werte auf meiner Beobachtungsliste und/ oder in meinem Depot/ Wikifolio.

2 Kommentare:

  1. Hallo Michael,
    auch wen es nicht direkt zu diesem Artikel paßt, würde ich gerne Deine Einschätzung erfragen. Ich habe wie Du Mercadolibre und Sea Ltd in meinem Portfolio und frage mich, ob man Mercadolibre neu bewerten muss, nachdem Sea so erfolgreich in Brasilien einen neuen Markt angegangen ist.Immerhin den Kernmarkt von Meli. Wie siehst Du das? ich bin faßt geneigt, die Meli zu verkaufen...

    Würde mich sehr über deine Sicht freuen,
    Beste Grüße
    Isabella

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    1. Moin Isabella,
      als Aktionär von SEA freue ich mich, dass sie so erfolgreich in Brasilien gelandet sind und wohl genau die richtige Vertriebsstrategie gefunden haben. Nun expandiert man in angrenzende LatAm-Staaten und dürfte auch dort genau nach diesem Muster vorgehen. MELI gerät dadurch etwas in die Defensive, wobei natürlich abzuwarten bleibt, ob der Kundenzustrom bei Shopee nachhaltig ist oder ob man nur kurzfristig die Downloadzahlen pushen und einige erste Verkäufe verbuchen konnte, sich dann aber die Neukunden wieder verabschieden. Da Shopee allerdings schon seit einigen Jahren in Brasilien den Markt sondiert, sollten dies aber eigentlich nicht passieren.

      Da der Markt in LtAm riesig ist und weiter wächst, steht für MELI auch nicht das Ende des Wachstums bevor. Aber es wird schwieriger, weil mit Shopee/SEA ein Schwergewicht in den Ring gestiegen ist. Bei anderen Service, wie zB Payments (MercadoPago) ist MELI aber weit voraus und ob SEA hier mit seinem eigenen, noch im Aufbau befindlichen Dienst punkten kann, wage ich zu bezweifeln. MELI hat ja inzwischen eine Vielzahl von Diensten/Apps/Services und die sind gut miteinander vernetzt. Insofern führen auch von diesen die Wege für die Nutzer leicht zurück zu MELIs Markplatzangebot.

      Für mich bleiben beide Werte aussichtsreich. Aber ich denke auch, dass SEA momentan vieles richtig macht und der aggressivere Wachstumswert ist. Auf der anderen Seite ist MELI bereits profitabel, während das bei SEA nur für Garena gilt und der Spielebereich muss die anderen Aktivitäten mitfinanzieren. Das wird dank das Expansions- und Investitionsdrangs auch noch einige Zeit so bleiben.

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