Sonntag, 31. August 2025

Kissigs Kloogschieterei: (Can you see) The Ridings on the Wall

Die US-Börsen markieren neue Allzeithochs, aber immer weniger Aktien tragen dazu bei – wer nicht in der Handvoll Gewinner investiert ist, hat es schwer, Rendite zu erzielen. Selbst von den "Magnificent 7" ziehen nicht mehr alle mit. Und auch in der Wirtschaft mehren sich die Sorgenfalten angesichts einer wieder anziehenden Inflation, zurückgehender Wachstumsraten, Unternehmensinsolvenzen auf Höchststand seit 2010 und eines inzwischen ebenfalls schwächelnden Arbeitsmarkts. Das sind allesamt Rezessionsvorboten.

Noch ist nichts passiert – könnte man meinen. Doch auch andere Rahmenbedingungen senden durchaus Warnzeichen. So ist nicht nur das Defizit des US-Staatshaushalts auf ein neues Maximum angestiegen, sondern auch die Zinslast wächst rasant und hat die Verteidigungsausgaben bereits übertroffen. Dem entsprechend teuer ist es für die Regierung, neue Schulden aufzunehmen – deshalb sinken die Zinsen für die US-Staatsanleihen nicht. Zu allem Überfluss ist der Anteil des Staates am Bruttoinlandsprodukt auf den höchsten Stand seit der Roosevelt-Ära angestiegen – das war während des 2. Weltkriegs.

Aber was blüht uns, wenn die Wirtschaft kippt, wenn es eine Pleitewelle gibt, wenn der Arbeitsmarkt massiv einbricht und der private Konsum deutlich schrumpft?

Der große Ökonom John Maynard Keynes hatte die passende Antwort parat: der Staat sollte sich in Boomzeiten zurückhalten und (nur) in Krisenzeiten massiv Geld in die Wirtschaft pumpen. Dieser "Keynesianismus" fußt auf der simplen Logik des antizyklische Handelns, um die heftigsten Ausschläge der Wirtschaftsentwicklung nach unten und oben abzufedern. Es ist wäre wirklich so einfach.

Doch Politiker jeder Couleur fahren immer und unter allen Umständen Vollgas und verteilen tagtäglich Wahlgeschenke, um damit ihre Wähler für deren Stimmen zu entlohnen. Wenn es dann aber wirklich mal eine handfeste Krise gibt, herrscht Ebbe in den Löschteichen und der Staat muss wegen der einbrechenden Steuereinnahmen und der implodierenden finanziellen Spielräume sogar selbst seine Ausgaben einschränken und wird damit zum Brandbeschleuniger.

Letztlich muss es die Notenbank richten und die Geldschleusen öffnen, um noch Schlimmeres zu verhindern. Doch diese "letzte Verteidigungslinie" wird immer öfter als Allzweckwaffe missbraucht. Kein gutes Omen...

Zum Glück liegt mit dem August der statistisch zweitschlechteste Börsenmonat des Jahres hinter uns. Das wäre also geschafft, puh. Dummerweise beginnt nun mit dem September der schlechteste Börsenmonat des Jahres. Hrgs... Aber auch hierbei lohnt ein zweiter Blick: denn die Statistik ist durch einige wenige Börsengroßschadenereignisse verzerrt, die zumeist schon viele Jahrzehnte hinter uns liegen und dann bleibt die Erkenntnis, das selbst der schlechteste aller Börsenmonate unterm Strich noch mit einem Plus aus dem Ring steigt, wenn auch einem ziemlich mageren.

Zeit für Sorgen? Immer doch. Zeit für Panik. Nicht wirklich. Nicht jetzt. Noch nicht...

Alles Gute für euer Geld!
Michael C. Kissig

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